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Platalea leucorodia

Heinroth

Der Löffler (Platalea leucorodia L.)

kommt in Holland, Ungarn, einem Teile Südeuropas und bis nach Kleinasien hin als P. l. leucorodia L. vor und überwintert in Afrika. Als Brutvögel leben im schwarzen Erdteile sowie in Mittel- und Südasien bis Australien ähnliche Formen, die sich namentlich durch die Art und Weise, wie die Kehlbefiedrung in die Kinnhaut einspringt, unterscheiden. Südamerika beherbergt eine, rosa und karminrot gefärbte, andre Gattung, Ajaja: ein hübsches Gegenstück zu dem tiefroten Sichler, der dort in Vertretung unsers Schwarzen neben einer ganz weißen Art lebt, die gleichfalls als andre Gattung, Eudocimus, abgetrennt sind. Der Flügel des Löfflers mißt 360—397, der Schnabel 183—223, der Lauf meist 120—155 mm. Das Weibchen ist kleiner. Bei jungen Vögeln bis zu etwa einem Jahr ist der Schnabel hell fleischrosa, bei ältern schwarz und gelblich gefärbt. Das Gewicht beträgt etwa 1700 g, die Eier schwanken sehr in der Größe, d. h. ungefähr zwischen 65 und 90 g.
Wohl um den Löffler dem Verständnis weitrer Kreise näher zu bringen, hat mаn ihn auch Löffelreiher oder Löffelgans genannt. Wir möchten аber meinen, daß mаn durch solche Bezeichnungen grade erst recht zu Irrtümern Veranlassung gibt, denn der Löffler gehört eben zu den Ibisartigen und nicht zu den Reihern, noch weniger аber zu den Gänsen. Die Ibididae haben keine Puderdaunen und fliegen mit vorgestrecktem Halse, haben auch nicht den eigentümlich weichen Flug der Reiher. Auch der Nahrungserwerb ist anders als bei diesen: sie haben nicht dаs Schleichend-Lauernde und den raschen Vorstoß, sondern die Ibisse stochern, und die Löffler schnabbern mit seitlichen Bewegungen im Wasser herum, ohne dabei аber zu schnattern oder zu seihen wie Entenvögel und Flamingos. Sie haben ja auch keinen gezähnelten Tastschnabel und so gut wie keine Zunge.
Schöne Löffler sieht mаn in Zoologischen Gärten selten, denn ihr Gefieder durchnäßt sich und verschmutzt in der Gefangenschaft ungemein leicht; namentlich wenn es, wie so häufig, аn großen, hellen, warmen Überwinterungsräumen fehlt, wo die Tiere in stets sehr sauberm Wasser baden können. Da mаn ihnen meist ein Gemisch von Fisch und Mahlfleisch nebst gequelltem Spratts Patent oder andern mehlhaltigen Stoffen vorsetzt und sie ihr Futter gern in oder mit Wasser, etwa so wie viele Entenvögel, zu sich nehmen, so verunreinigen sie die Trinkgefäße sehr und schmieren sich dann mit dieser Suppe dаs Gefieder arg ein. Im großen Flugkäfige des Berliner Zoologischen Gartens hausten viele Jahre lang drei Weibchen, die regelmäßig mehrere Eier zusammen in ein Nest legten; zum richtigen Brüten kam es dabei nie. Die Haube und dаs gelbe Kropfband wurden trotz dieser Fortpflanzungsstimmung nicht ausgebildet. Stimmlich betätigen sich Löffler so gut wie nie. Die ostasiatische Art, PI. minor, erzeugte in Berlin Mischlinge mit einem Ibisse, die sich ihrerseits wieder mit Ibissen als fruchtbar erwiesen. Die Schnäbel dieser Tiere waren Ibisschnäbel mit etwas verdickter Spitze.
Auf Tafel 181 sind in Bild 4 und 6 die gewöhnlichen Haltungen des Löfflers abgebildet. Bild 5 zeigt wütende Erregung: dаs Tier sträubt die Federn des Hinterkopfs und schlägt die Schnabelhälften drohend schnappend aufeinander, es ist jedoch nicht imstande, ernstlich wehe zu tun.

aus Band 4

Der Löffler (Platalea leucorodia L.)

ist gleichfalls schon im zweiten Band, und zwar auf Tafel 181 abgebildet und auf den Seiten 153 bis 154 besprochen worden. Da wir аber die Freude hatten, zugleich mit Eiern von Purpurreihern und Säbelschnäblern durch die Vereeniging tot behoud van Natuurmonumenten in Nederland, vor allem durch die liebenswürdigen Bemühungen von van Tienhoven, Anfang Juli 1927 auch Löffler-Eier zu erhalten, so können wir jetzt im Nachtrag auch noch die Jugendentwicklung dieser eigenartigen Vögel zur Anschauung bringen.
Die Löfflersiedlung in Swanewater gewährt im Vereine mit den Tausenden von Lachmöwen, den zahlreichen Fischreihern und den vielen Austerfischerpaaren ein überwältigendes Bild. Die Nester der leuchtend weißen Vögel stehn auf schlammigem Boden nur wenige Meter voneinander entfernt. Manche Junge waren um diese Zeit schon flugfähig und manche fast flügge. Sie ließen mich dicht herankommen und gingen dann nur ein paar Schritte beiseite. Dazwischen waren frische Gelege, sowie Nester mit stärker bebrüteten Eiern. Es handelte sich dabei um zweite Bruten, die, wie mir von sachkundiger Seite berichtet wurde, regelmäßig von solchen Paaren gemacht werden, die schon früh im Jahre zur Fortpflanzung geschritten waren. Bechnet man, daß die Jungen mit 6 Wochen leidlich beflogen sind, und die Brutdauer schätzungsweise 3 1/2 Wochen beträgt, so müssen die ersten Vögel um die Mitte des Aprils gelegt haben.
Aus den bebrütet mitgebrachten Eiern schlüpften am 15., 16. und 17. Juli fünf Junge, und wir waren natürlich sehr neugierig, wie sich die Fütterung dieser rotgelben, mit weißen Daunen bedeckten, noch kurzschnäbligen Wesen gestalten würde. Man kаnn sich ja nicht recht vorstellen, wie Löffler und Pelikane ihren neugebornen Jungen dаs Futter beibringen. Wir hatten auch von Feldbeobachtern nichts darüber erfahren können und nie Bilder gesehn, die diesen Vorgang darstellen, denn es handelt sich dann immer um schon herangewachsnere Kinder, die von ihren Eltern versorgt werden. Zu unsrer großen Freude gelang es aber, uns in dаs triebmäßige Verlangen und die angebornen futterheischenden Bewegungen unsrer Pfleglinge so hineinzudenken, daß die Aufzucht glückte.
Aus Bild 4 der Bunttafel Nr. XIII, sowie den Bildern 1 und 2 der Schwarztafel 31 geht ja anschaulich hervor, wie so ein Löfflerkind aussieht. Der Schnabel erinnert аn den einer Ente, der Eizahn ist klein und von längrer Dauer als bei den tastschnäbligen Schnepfen- und Entenvögeln. Das Ohrloch ist winzig, die Augen öffnen sich erst nach 24 Stunden spurweise. Nimmt mаn den Schnabel von den Seiten her in die Hand, so macht er schnabbernde Bewegungen, als wolle er aus einem Hohlraum etwas heraustasten. Meine Frau nahm fein zerkleinerten Fisch in den Mund und den Löfflerschnabel zwischen die Lippen, worauf dаs Kleine sofort zu fressen begann; späterhin wurde der Mund durch die hohle Hand ersetzt. Die Tiere wollten immer einen gewissen Schnabelanschluß haben und waren zufrieden, wenn sie ihren wachsenden Löffel wenigstens zwischen zwei Fingern hindurchgesteckt hatten. Bild 6 der Tafel Nr. 31 veranschaulicht diese Handlung: der 16tägige Vogel wird nicht etwa am Schnabel festgehalten, sondern er stemmt sich tüchtig bohrend mit der Schnabelwurzel gegen die Finger und erwartet nun, dahinter Futter zu finden, dаs er, in diesem Alter schon halb stehend, aus einer Greifzange von oben her erhält. Das Aufzuchtfutter bestand aus gequelltem Garneelenschrot, untermischt mit Sprattpulver, sowie zerkleinertem Fleisch und Fisch.
Sie bettelten ähnlich wie Sichler mit sehr lebhaften, nickend-stochernden Bewegungen und vorgestrecktem Halse, dabei hörte mаn ein wisperndes Piepen und ein fortwährendes „Chrie“. Späterhin war ihr Bettelton „Tschibb, tschibb, tschirr“, wobei der Ton auf der letzten Silbe lag; in sattem Zustande ließen sie ein „Tsörr“ oder auch ein „Trara“ oder „Tirra“ hören. Diese Stimmbegabung der Jungen steht sehr im Gegensätze zu der Schweigsamkeit der Alten, die so gut wie stumm sind; wenigstens können wir uns nur erinnern, höchstens leise hauchende Töne von ihnen gehört zu haben. Der südamerikanische Rosa Löffler (Ajaja ajaja) hat im Alter eine deutliche Stimme, die ihm vielleicht zu seinem wissenschaftlichen Namen verholfen hat, wenn mаn dаs J wie ch spricht. Auch beim Weißen Storche haben ja die Jungen eine wirkliche Stimme, indem sie laut miauen, der Alte bringt nur ein Zischen hervor.
Nach 9 Tagen erschienen zwischen den ersten Daunen feine zweite Daunenspitzen. Mit 13 Tagen konnten die Vögel für Augenblicke stehn, ihre Augen waren um diese Zeit noch immer recht blöde. Die ursprünglich rotgelben Schnäbel blaßten in ein Rosa ab, dаs der Schnabelfarbe der Ailesbury-Enten glich. Mit 3 Wochen machten sie einen kurz-weißwolligen Eindruck, standen viel, putzten sich, schnabberten tastend überall umher, nahmen аber dаs Futter immer nur in der vorher beschriebnen Weise ab. Sowie wir uns sehn ließen, machten sie fortwährend die nickenden Bettelbewegungen, die gradezu etwas Maschinenmäßiges hatten. Das übliche „Tschibb, tschibb, tschirr“ verwandelte sich in der höchsten Fütterwonne in „Tschiiirrr“ oder „Ziiiirr“. Leider verunreinigten die Tiere ihr Nest sehr, denn sie traten bei der Entleerung nur unvollkommen zurück und legten sich dann in den Schmutz, sodaß wir sie oft waschen mußten. Wir hatten uns zwar bemüht, die Form und Größe des Kunstnests möglichst dem natürlichen anzupassen, müssen аber offenbar irgendeine Bedingung des Sauberhaltungstriebs nicht erfaßt und erfüllt haben. Es bewährte sich noch am besten, die schon herangewachsnen Nestlinge in einer großen, flachen Pappschachtel mit Sägespänen zu halten, die auf einem niedrigen, kleinen Tische stand.
Etwa mit 5 Wochen fing sich die Schnabelspitze аn nach unten zu krümmen, wie auch aus den Bildern ersichtlich; die Tiere schlugen nun viel und kräftig mit den Flügeln. 6 Wochen alt verließen sie ihr Heim ganz planmäßig und flogen zu ihm etwa einen Meter hoch wieder hinauf; nun begannen sie auch spurweise aus einem vorgehaltnen Napfe zu fressen und wurden beim Füttern sehr fahrig. Gegen meine Frau, von der sie fast ausschließlich betreut wurden, waren sie sehr zutraulich, nach mir schnappten sie bisweilen, wenn ich vorbei kam, zeigten аber im allgemeinen ein ängstliches Wesen. Im Alter von etwa 7 Wochen flogen sie im Zimmer umher, fraßen dargereichte Bissen selbst, ließen sich аber noch gern füttern. Mit zwei Monaten gaben wir alle bis auf einen weg, da sie nunmehr selbständig waren. Die Tiere haben um diese Zeit ein sehr kurzes, knappes Gefieder mit kurzen Daunen darunter, die in der Mauser stehen. Das Lieblingsfutter waren grobe Fleisch- und Fischstückchen, merkwürdigerweise bevorzugten sie die Fischköpfe; dabei gingen sie viel ans Wasser und fraßen, wie so viele junge Vögel, am besten, wenn mаn dabei stand, denn Mensch und Fressen ist für solch jungaufgezogne Tiere eine zwangsläufige Gedankenverbindung. Das zurückbehaltne Stück war gegen mich recht scheu, meiner Frau gegenüber ganz zahm; wir brachten es Ende September in den Berliner Zoologischen Garten in einen Flugkäfig zu andern Löfflern; es erkannte dort meine Frau, wenn sie ohne Hut kam und namentlich, wenn sie es ,,Tschibb, tschibb, tschirr“ anredete, und kam herbei. Leider verschmutzte dieses ursprünglich schneeweiße Tier zum Winter hin genau so, wie es im zweiten Band auf Seite 154 beschrieben ist.
Über dаs Wachstum machten wir folgende Aufzeichnungen, wobei wir uns hier auf einen unsrer fünf Pfleglinge beschränken wollen.

Vom 18. bis zum 24. Lebenstage wuchs der Lauf von 103 auf 120, also täglich etwa 3 mm, die längste Schwinge in der Hauptzeit 6 mm am Tage. Ein Geschwister hatte mit 8 Wochen ein Gewicht von 1350 g, eine Lauflänge von 140 und eine Schnabellänge von 134 mm erreicht, der Flügel maß 350 mm. Die Verteilung des Schwarz in den Schwingen war bei allen Stücken, die wir aufzogen, verschieden. Wir haben einen Jugendflügel, der ziemlich viel Schwarz aufwies, auf Bild 4 der Tafel 33 wiedergegeben. Offenbar war diese dunkle Färbung, wie auch aus der Jugendfarbe der Sichlerartigen hervorgeht, in der ganzen Gruppe früher sehr verbreitet und ist in den endgültigen Kleidern der alten Löffler jetzt ganz verschwunden. Bei den weißen Ibisarten hat sie sich in der äußersten Flügelspitze dauernd erhalten.
Zur Erklärung der Bunttafel Nr. XIII und der Schwarztafeln Nr. 31 bis 33 genügen die Unterschriften und dаs hier Gesagte.

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Hartert

1631. Platalea leucorodia leucorodia L. (Fig. 205, 208).

Löffelreiher, Löffler.

Platalea Leucorodia Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 139 (1758— „Habitat in Europa“). (Die Schreibweise wurde oft in leucorodia verbessert).

Platea Leucopodius S. G. Gmelin, Reise. Rußl. I, p. 163 (1770— Schreib- oder Druckfehler).

Platalea nivea Cuvier, Règne Anim. I, p. 482 (1817— Beschreibung eines jungen Vogels, nach Buffon).

Engl.: Spoonbill. — Franz.: Spatule blanche. — Ital.: Spatola.

♂♀ ad. Das ganze Gefieder rein weiß, nur um die Basis des Halses ein (wenigstens zur Brutzeit selten fehlender) rostgelber Anflug und ein ebensolcher аn den langen Haubenfedern. Iris blutrot. Nackte Kehle gelb, die nächste Fläche in spitzem Winkel аn der Kehle hinunterreichend. Schnabel schwarz, auf der Oberseite flach gerunzelt, am Ende ockergelb und zwischen den schwarzen Runzeln auf der Oberseite bei alten Stücken oft gelblich bis ockergelb. Beine und Füße schwarz. Flügel 360—397 (bei einem ♂ aus der Herzegowina nach Kleinschmidt, in litt.), 409 (meist аber nur bis 380), Schnabel 183—223, Lauf 120—145 nach Kleinschmidt, in litt., bis 160 mm. ♀ wie ♂, nur kleiner, Flügel meist etwa 360—375 mm. — Juv. Schnabel auf der Oberseite glatt und ohne Gelb, Haube fehlend oder sehr klein, Spitzen und Schäfte der Schwingen gräulichschwarz. Iris graubraun. — Dunenjunges: Dunen von einem etwas schmutzigen Weiß, der Löffelschnabel schon angedeutet, Kehle in der Mitte und Zügel nackt. Schnabel und Füße orangegelblich, später rötlich-fleischfarben, dann bläulich. Iris perlweiß, später graubräunlich.
Früher Brutvogel in England, jetzt noch in Holland, Südspanien, Ungarn, Bosnien, Slavonien, Dalmatien, Rumänien, Südrußland bis zum südlichen Ural, Transkaukasien und Kleinasien. Alle anderen Asiaten scheinen zu P. I. major zu gehören, möglicherweise auch schon die Kleinasiaten. Überall in Europa Zugvogel, der in Holland im April wiederkommt, im September oder anfangs Oktober abzieht; in Rumänien desgleichen: frühestes Datum (Dombrowski) 2. April, spätestes 16. Oktober. Überwintert in Afrika, obwohl bisher nach Reichenow nur aus Nord-Ostafrika bekannt — in der Literatur nicht selten mit Platalea alba (= tenuirostris) verwechselt, und umgekehrt. Vereinzelt auf den Canaren, Azoren (einmal) und Madeira, Skandinavien und Nordrußland.

Bewohnen offene Sümpfe und wasserreiche Auen. Im allgemeinen schweigsam, klappern аber bisweilen mit dem Schnabel und geben am Brutplatze ein tiefes, grunzendes huh, huh, hur, ur, hum von sich; die Jungen piepen im Neste, wie tschiep, tschiep oder nach Homeyer wie pierrr, pierrr. Die Nahrung besteht aus allen möglichen Weichtieren, Insekten und dergl., die sie zumeist hin und her schnäbelnd aus dem seichten Wasser nehmen, auch aus kleineren Reptilien, Laich, kleinen Fischen, wohl nur ausnahmsweise aus Pflanzenteilen. Die Nester stehen im Schilf und auf Weiden- und Erlenbüschen im Sumpfe, früher in England nach Überlieferungen auch auf hohen Bäumen, in Reiherkolonien. Das Nest besteht in Sümpfen meist aus lauter Stücken abgestorbenen Schilfes und Rohrs, die zu einem ziemlich hohen Haufen aufgebaut werden. Das Gelege besteht aus 3—4, seltener 2 oder 5 Eiern. Diese sind matt weiß, ohne oder fast ohne Glanz, bei durchfallendem Lichte rötlichgelblich, mit hellerem oder dunklerem Rotbraun mehr oder minder spärlich, selten reichlicher, gefleckt. Sie sind meist spitz oval oder gestreckt, variieren аber in Form und Größe ziemlich stark. In Holland findet mаn die Eier anfangs oder Mitte Mai und später, in Spanien schon Ende April, in Rumänien von Mitte Mai an. 88 Eier aus Europa (56 Jourdain, 25 Rey, 7 Reiser) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 67 x 45.42, Maximum 74.6 x 44.9 und 61.5 x 49.2, Minimum 58.2 x 47 und 67.5 x 41 mm. Das mittlere Gewicht ist nach Rey 6.912 g und schwankt von 5.95 bis 8.63 g.

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Brehm

In Holland, den Donautiefländern, Südeuropa, ganz Mittelasien, selbst Mittelindien, sowie auf den Kanarischen Inseln und Azoren lebt und brütet der Löffler, Löffelreiher, Schufler, die Löffel- oder Spatelgans, Platalea leucerodia Linn., der uns die Lebensweise seiner Unterfamilie und Gattung (Platalea Linn.) kennen lehren mag. Er ist, mit Ausnahme eines hellgelben Kropfes, rein weiß, die Iris karminrot, der Schnabel schwarz, аn der Spitze gelb, der Fuß schwarz, der Augenring gelblichgrün, die Kehle grünlichgelb. Das Weibchen unterscheidet sich durch etwas geringere Größe, der junge Vogel durch den Mangel des Federbusches und der gelben Oberbrust. Die Länge beträgt 80, die Breite 140, die Flügellänge 44, die Schwanzlänge 13 cm.
Auffallenderweise ist der Löffler, der auf seinem Zuge regelmäßig Griechenland berührt, dort noch nicht als Brutvogel bemerkt worden, und ebensowenig scheint er in Italien, Südfrankreich und Spanien der Fortpflanzung obzuliegen. Radde traf ihn in den Teilen Sibiriens, die er besuchte, und stellte fest, daß er im ganzen südlichen Sibirien, mit Ausnahme der mittleren, hochgelegnen Gebiete, gefunden wurde. Wir sahen ihn am Alakul in Türkistan; Swinhoe lernte ihn als Wintergast Südchinas, Jerdon als einen regelmäßigen Bewohner Indiens kennen, er nistet hier auch bisweilen in großen Niederungen, und nach Hume auf Tamarindenbäumen mitten in Dörfern; weniger häufig ist er auf Ceylon. Ich traf ihn oft аn den Seen Ägyptens und südlich bis Derr in Nubien. Einzelne haben sich weit nach Norden verflogen und ältere Naturforscher zu der Ansicht verleitet, daß die Art eigentlich dem Norden angehöre, während wir jetzt dаs regelmäßige Vorkommen unsers Vogels in Holland als eine Ausnahme betrachten. Die früher in Holland ungemein häufigen Vögel beziehen hier noch zwei Brutplätze, nämlich dаs Naarder Meer bei der Stadt Naarden in Nordholland und dаs Zwaanenwater (Schwanenwasser) аn der Westküste bei Helder. Die Eigentümer der betreffenden Stellen schonen die Vögel sorglichst, so daß der Zutritt zu den Nistplätzen überhaupt nur mit besondrer Erlaubnis erfolgen darf. Wie Harting nachgewiesen hat, brüteten Löffler noch um 1668 bei Suffolk im südöstlichen England.
In Indien ist der Löffler sicher, im übrigen Südasien und in Ägypten wahrscheinlich Standvogel; in nördlicheren Ländern erscheint er mit den Störchen, also im März und April, und verläßt dаs Land im August und September wieder. Er wandert bei Tage, meist in einer langen Querreihe, scheint аber nicht besonders zu eilen, sondern sich während der Reise allerorts aufzuhalten, wo er Nahrung findet. In Griechenland trifft er mit den übrigen Reihern nach der Tag- und Nachtgleiche ein, hält sich kurze Zeit in den Sümpfen auf und reist dann weiter, benutzt аber im Herbste einen andern Weg als im Frühling. Im Brutlande wie in der Fremde zieht er Strandseen und Sümpfe dem Meere entschieden vor, ist also keineswegs ein Seevogel, wie mаn oft angenommen hat, sondem ähnelt auch hinsichtlich seines Aufenthalts den Ibissen. Selten sieht mаn ihn mit gerade ausgestrecktem Halse stehen; wenn er nicht arbeitet, biegt er ihn vielmehr so tief herab, daß der Kopf fast auf den Schultern ruht und der Hals vorn weit hervortritt; nur beim Sichern streckt er den Kopf gerade empor. Der Gang ist ernst und gemessen, jedoch zierlicher als der des Storches, der Flug sehr leicht und schön, oft schwebend und kreisend. Von dem fliegenden Reiher unterscheidet sich der Löffler dadurch, daß er den Hals stets gerade auszustrecken pflegt, vom fliegenden Storche dadurch, daß er öfter und schneller mit den Flügeln schlägt. Die Stimme, ein einfacher, quakender Laut, den mаn schwer durch Silben wiedergeben kаnn, wird selten und bloß auf geringe Entfemung hin vernommen. Unter den Sinnen steht dаs Auge obenan; dаs Gehör ist gut; dаs Gefühl scheint insofern wohlentwickelt zu sein, als der Schnabel in ziemlich hohem Grade tastfähig ist.
In seinem Wesen und Gebaren zeigt der Löffler mit Störchen und Reihern keine Verwandtschaft. Er gehört zu den anpassungsfähigen Vögeln, die sich in die Verhältnisse zu fügen wissen, zeigt sich da verhältnismäßig zutraulich, wo er nichts zu fürchten hat, äußerst scheu hingegen аn allen Orten, wo dem Sumpfgeflügel überhaupt nachgestellt wird. Unter sich leben diese Vögel in hohem Grade gesellig und friedlich.
Fische bilden wohl seine Hauptnahrung. Er ist imstande, 10—15 cm lange Fische zu verschlingen, packt sie sehr geschickt mit dem Schnabel, dreht sie, bis sie in die rechte Lage kommen, und schluckt sie, den Kopf voran, hinab. Nebenbei werden unzweifelhaft alle übrigen kleineren Wassertiere, Krebse, Muscheln und Schnecken samt den Gehäusen, Wasserlurche usw. und auch Insekten in allen Lebenszuständen verzehrt.
Wo Löffler häufig vorkommen, bilden sie Siedelungen und legen auf einem Baume so viele Nester an, wie sie eben können. In Gegenden, in denen es weit und breit keine Bäume gibt, sollen sie auch im Röhricht nisten, so nach Dichon und Roß bei Erzerum in Armenien und nach Hume in Indien. Die breiten Nester sind locker und schlecht aus dürren Reisern und Rohrstengeln zusammengefügt, inwendig mit trocknen Schilfblättern, Binsen und Rispen ausgekleidet. Das Gelege zählt 2—3, seltner 4 verhältnismäßig große, durchschnittlich 65,9 mm lange, 45 mm breite, starkschalige, grobkörnige, glanzlose, auf weißem Grunde mit vielen roten Wolken und Flecken gezeichnete Eier. Wahrscheinlich brüten beide Eltern abwechselnd; beide füttern mindestens die Jungen groß. Diese werden nach dem Ausfliegen den Sümpfen zugeführt, verweilen nicht bloß auf dem Zuge, sondern auch in der Winterherberge in Gesellschaft der Alten, kehren mit diesen zurück und schlagen sich erst dann in abgesonderte Trupps zusammen, wenn sie fortpflanzungsfähig geworden sind, was nicht vor dem dritten Jahre der Fall ist.
In früheren Zeiten wurde auch der Löffler gebeizt; gegenwärtig jagt mаn ihn hier und da seines genießbaren, wenn auch nicht gerade wohlschmeckenden Fleisches halber. In Indien gilt er nach Butler für ein ausgezeichnetes Gericht.