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Bubulcus ibis

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1650. Bubulcus ibis ibis (L.).

Kuhreiher.

Ardea Ibis Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 144 (1758— Ägypten).

Ardea lucida Rafinesque, Caratt. An. Sicilia, p. 3 (1810— Sizilien).

Ardea Veranii Roux, Orn. Provence, Taf. 316 (1825— Provence).

Ardea bubulcus Audouin, Hist. Egypte, Ois. pl. VIII, Fig. 1, Explic. somm. PI. (1826, p. 391 der Oktavausgabe (1826—28) (Ägypten).

Ardea russata Wagler, Syst. Av., Ardea sp. 12 (1827— Partim! Europa, Afrika, Asien bis Australien! Offenbar wurde B. i. coromandus nicht unterschieden, außerdem irrtümlich Ardea ruficapilla Vieillot 1817 als Synonym dazu gezogen — daher Australien (!), ein bis auf Sharpe und seine Nachfolger fortgepflanzter Fehler. Vieillot beschreibt einen Vogel aus Australien — Fundort wohl falsch, wenn so ein Vogel überhaupt existierte — von der Größe der Zwergrohrdommel und ganz weiß mit schön rotbraunem Kopfe und ebensolchen Schwanz- und Flügelspitzen).

Bubulcus ruficrista Bonaparte, Consp. Gen. Av. II, p. 125 (1855— „Ex Madagascar, Zanzibar?“ Im Pariser Museum. Name ex Verreaux Ms.).

Engl.: Buff-backed Heron. r— Franz.: Héron garde-boeuf. — Ital.: Airone guardabuoi.

Abbild.: Dresser, B. Europe VI, Taf. 400.

♂♀ ad. Ganz weiß, nur auf dem Oberkopfe ein mehr oder weniger deutlicher rostgelblicher bis roströtlicher Anflug. Während der Brutzeit auf Oberkopf und Genick starre, verlängerte, sperrig gefiederte Federn von rötlicher Rostfarbe, ein ebensolcher, аber meist mehr fahl weinrötlicherer Busch von Schmuckfedern auf dem Rücken und am Kropfe. Iris hellgell», Schnabel und nackte Zügel dunkelgelb. Läufe in der Brutzeit gelb oder bräunlichgelb, im Winter und mitunter bis in die Brutzeit grünlichbraun bis fast schwarz, sehr variabel, Zehen immer braun bis fast schwarz, nur der obere Teil der nackten Tibia heller. Der junge Vogel ganz weiß, auf dem Kopfe mit weniger oder gar keinem gelblichen Anflug. ♀ wie ♂♀, nur in der Regel etwas kleiner und die Schmuckfedern, besonders auf dem Rücken, weniger entwickelt. Flügel ♂ 250 — 260, ♀ 240 — 250, Schwanz 85—98, Lauf 73—82, Schnabel 53 — 60 mm. Dunenjunge konnte ich nicht untersuchen.
Südwesteuropa (Spanien und Portugal), Nordwest- und Nordostafrika, tropisches Afrika, bis Madagaskar, Comoren und Aldabra (1); Westasien mindestens bis Persien, nördlich bis zum Kaspischen Meere. In Italien und Südosteuropa eine seltene und unregelmäßige Erscheinung; nicht selten weiter nördlich verflogen, zweimal sogar bis England. Ausnahmsweise auf Madeira und Kanaren. — Im allgemeinen Stand- und Strichvogel, in den nördlicheren Wohnorten teilweiser Zugvogel.

Hält sich vorzugsweise auf Wiesen und Feldern sowie аn den Ufern von Gewässern auf und folgt besonders gern Viehherden und großem Wilde und scheut dann auch dürre Steppe und Ortschaften nicht. Immer gesellschaftlich, oft zu vielen Hunderten gemeinsam auf großen Bäumen schlafend. Stimme ein knarrendes „grääah“. Nahrung vorzugsweise Insekten, Larven und Würmer aller Art, denen zu Liebe mаn die Kuhreiher oft auf dem Rücken der Haustiere (und großen Wildes) sitzen sieht. Heuschrecken besonders beliebt, außerdem werden auch Reptilien, Mäuse und dergl. getötet und gefressen. Nester auf Bäumen und Büschen, immer in Gesellschaft, oft viele auf einem Baume, mitunter inmitten von Ortschaften, wie z. B. in Marrakesch. Die 3—4, selten 5 Eier sind von einem hellen Grünblau, satt blaugrün durchscheinend. Gelege in der zweiten Hälfte oder Ende Mai und, im Juni (Algerien, Ägypten). 41 Eier (22 Jourdain, 19 Rey) messen nach Jourdain in litt, im Durchschnitt 45.59 x 34.33, Maximum 49.3 x 36, Minimum 41.2 x 33 und 43 x 32.7 mm. Gewicht nach Rey 1.45—2.20 g.

1) Stücke von letzterer Insel vielleicht kleinere Subspezies; solche von Madagaskar und den Comoren nicht konstant kleiner.

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Brehm

Ein allerliebster Vogel ist der Kuhreiher, Bubulcus lucidus Rafin. (ibis, bubulcus), mit gedrungner Gestalt, kurzem Halse, kurzem und kräftigem Schnabel, niedern Beinen und zerschlissenen, haarartigen Schmuckfedern. Das Gefieder ist blendend weiß, im Hochzeitskleide auf dem Oberkopfe, der Vorderbrust und dem Rücken mit langen Schmuckfedern von rostroter Färbung geziert. Die Iris des Auges ist hellgelb, der Zügel und dаs Augenlid grünlichgelb, der Schnabel orangenfarben, der Fuß rötlichgelb, bei jüngeren Vögeln bräunlich. Die Länge beträgt 50, die Breite 90, die Flügellänge 25, die Schwanzlänge 8 cm. Das Weibchen ist etwas kleiner.
Von den südlichen Küstenländern des Mittelmeers аn erstreckt sich sein Wohngebiet über ganz Afrika, einschließlich Madagaskars, und über dаs westliche Asien. Europa, zumal den Süden, hat er wiederholt besucht, sich sogar bis nach England verflogen. In Ägypten wie in den Nilländern überhaupt zählt er zu den gemeinsten Vögeln des Landes. Abweichend von den bisher erwähnten Verwandten, hält er sich unbesorgt in nächster Nähe der Ortschaften auf, auch wenn sie nicht am Wasser liegen. Sein gewöhnlicher Aufenthaltsort sind die Felder, die unter Wasser gesetzt werden, und nur zeitweilig treibt er sich auch аn den Ufern des Stromes, der Kanäle und Seen umher; doch traf ihn von Heuglin selbst am Gestade des Roten Meeres auf öden, glühenden vulkanischen Klippen an. In der Steppe erscheint er zur Heuschreckenzeit zu Hunderten und Tausenden; selbst die Wüste meidet er, der in ihr verkehrenden Lasttiere halber, nicht gänzlich. Mit besondrer Vorliebe nämlich hält er sich in der Nähe größerer Tiere oder auf diesen selbst auf, in Ägypten bei weidenden Büffeln, im Sudan unter und auf den Elefanten. Da die verschiednen Kerbtiere, die dаs Vieh quälen, einen Hauptteil seiner Nahrung bilden, sieht mаn ihn regelmäßig auf dem Rücken der Herdentiere und Elefanten sitzen, um hier seiner Jagd obzuliegen. Das Vieh lernt ihn bald als Wohltäter schätzen und gestattet ihm, ebensogut wie dem Madenhacker, jede Zudringlichkeit, die er sich herausnimmt. Im Ostsudan wurde mir von vielen Leuten erzählt, daß mаn oft bis 20 dieser kleinen Reiher auf dem Rücken eines Elefanten sehen könne. Schon ein einziger Büffel trägt oft acht bis zehn der blendenden Gestalten, und mаn muß sagen, daß diese ihm zu einem prächtigen Schmucke werden. Mit den Eingebornen des Landes lebt der Kuhreiher in trautestem Einvernehmen; er weiß, daß ihn der Mensch überall gern sieht und niemals behelligt. Neben der Jagd auf Schmarotzer beschäftigt er sich übrigens auch mit dem Fange andrer Kerbtiere oder nimmt ein kleines Fröschlein oder Fischchen auf; Kerbtiere bleiben аber seine Hauptnahrung.
Die Brutzeit beginnt in Ägypten mit dem Steigen des Nils, im Ostsudan etwas früher. Die Nester stehen auf Bäumen, zuweilen auf einer einzelnen Mimose oder Sykomore, die jetzt alle Paare der Umgegend vereinigt. Ob eine solche Siedelung fern von dem menschlichen Getriebe oder inmitten der Dörfer angelegt wird, bleibt dem mit Menschen vertrauten Reiher gleichgültig; er weiß, daß er die Gastfreundschaft der Eingebornen genießt und als „gesegneter Vogel“ unter dem Schutze der Bevölkerung steht. Nicht anders ist es, laut Sibren, in Madagaskar, wo die Malgaschen ihn hochverehren und für einen Boten ihres Gottes Zanàhàry halten. Sie sehen es höchst ungern, wenn ein Fremder einen schießt, und würden es für ein Sakrilegium halten, selbst einen zu schädigen oder gar zu töten. Abends verlassen die Reiher dаs Vieh, begeben sich zunächst аn ein Wasser, um zu baden, und dann in Scharen von 500 Stück und mehr zu ihren Schlafbäumen am nächsten Waldrand. Am andern Morgen kehren sie zu den Herden zurück. Das Gelege zählt 3—5 längliche Eier von 43 mm Längs-, 32 mm Querdurchmesser und bläulichweißer Färbung.
Gefangne Kuhreiher gewöhnen sich schon am ersten Tage аn den Verlust ihrer Freiheit und tun, als wären sie im Zimmer groß geworden, fangen Fliegen und andre Kerfe weg, nehmen die ihnen vorgeworfne Nahrung auf und können schon nach ein paar Tagen so weit gezähmt werden, daß sie dаs Futter aus der Hand des Pflegers fressen. Unter allen Reihern, die ich kenne, sind sie die niedlichsten und liebenswürdigsten. Leider sieht mаn sie bei uns sehr selten.