in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
*****
Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
*****
Hartert
903. Sylvia conspicillata conspicillata Temm.
Sylvia conspicillata Temminck, Manuel d’Orn., sec. edit., I, p. 210 (1820— Ex Marmora, Sardinien).
Curruca conspicillata major & minor A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 6 (1866— Nomina nuda!)
Italien.: Sterpazzola sarda.
Abbild.: Dresser, B. Europe II, Taf. 60 (gut, nur zu dunkel, mehr аn S. c. bella erinnernd); Eier: Dresser, Eggs B. Europe, Sylviinae Fig. 31—36 (meist der Subsp. bella angehörend).
Zügel schieferschwarz, Oberkopf aschgrau, im frischen Federkleid mit braunem Anflug und eben solchen Federspitzen. Rücken gräulich zimmet- braun, Bürzel und Oberschwanzdecken aschgrau mit braunem Anflug. Schwingen dunkelbraun mit fahlbraunen Außensäumen, Armschwingen und große Oberflügeldecken mit breiten rötlichzimtfarbenen Außensäumen. Steuerfedern mattschwarz oder bräunlichschwarz, dаs äußerste Paar weiß mit schwarzem Längsfleck am Saum der Innenfabne, dаs nächste mit ausgedehnter, dаs dritte mit schmaler, weißer Spitze, die mittelsten mit schmalen, bräunlich weißen Säumen und grauem Anflug. Kehle weiß, unterer Teil derselben mit aschgrauen Federwurzeln, übrige Unterseite fahl bräunlichweinfarben, Mitte des Unterkörpers und die Unterschwanzdecken heller, fast weißlich. Unterflügeldecken und Achselfedern rötlich graubraun. Iris rotbraun, um dаs Auge ein schmaler, weißer Federring. Schnabel schwarzbraun, Basishälfte des Unterschnabels fleischfarben. Füße hellrötlichbraun. Flügel etwa 56—59, Schwanz etwa 51 — 55, stark gerundet, Lauf etwa 68.5—20, Culmen 12—13 mm. — 1. Schwinge meist bedeutend, mitunter аber nur etwas länger als die Handdecken; 2. zwischen der 5. und 6. oder 1. und 7.; 3. und 4. am längsten, 5. nur wenig oder gar nicht kürzer. — ♀ ad. auf der Oberseite mehr fahlbraun, Kopf mit schwachem grauen Schimmer, Unterseite blasser, Kehle weiß, Flügel 2—3 mm kürzer. Juv. dem Q ähnlich, аber Kopf ganz wie der Rücken, Unterseite fast einfarbig rahmfarben.
Brutvogel in Südost-Frankreich. Spanien, Portugal, Italien (lokal und selten), Korsika, Sardinien, Malta, Sizilien, Cypern, Palästina. Außerdem in Nordwest-Afrika und auf Fuertaventura. — Teilweiser Zugvogel, der vermutlich in den Oasen der Sahara überwintert. — In Griechenland und auf den griechischen Inseln bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen (vgl. Reiser, Ornis Balcanica III, p. 562).
Bewohnt zur Brutzeit Ebenen sowohl als Hügelland, immer аber vorzugsweise offenes Land mit Buschwerk. In ihrer Lebensweise erinnert die Art auffallend аn die Dorngrasmücke. Der Gesang ist schwätzend, fast gurgelnd, kurz und wohllautend und wird meist von der Spitze eines Busches vorgetragen, oft auch steigt der Vogel singend gerade in die Höhe und läßt sich dann plötzlich wieder herabfallen. Das Nest steht in niederen Büschen, oft ganz am Boden. Es ist ein ziemlich dickwandiger, wohlgefügter Bau, besteht aus Halmen, Gespinsten, Rispen und Pflanzenwolle und ist mit feinen Haaren und Pflanzenwolle ausgelegt. Es enthält je nach der Gegend vom März bis Mai 4—5 Eier. Diese sind grünlichweiß oder hellgraugrünlich, mit grünlichgrauen oder bräunlichen Flecken und Punkten bedeckt, mitunter heller, fast weißlich. 109 Eier (57 von Koenig, 32 von Jourdain, 20 von Erlanger gemessen) messen im Durchschnitt 16.28 x 12.57, Maximum 18 x 12 und 17.2 x 13.5, Minimum 15 x 12 und 17.1 x 11.5 mm.
*****
Brehm
Ein verschönertes Abbild der Dorngrasmücke jm kleinen ist die Brillengrasmücke, Sylvia conspicillata Temm. (Tas. „Südeuropäische Grasmücken“, 5). Ihre Länge beträgt 12,7, die Breite 17,s, die Flügellänge 5,6, die Schwanzlänge 5,2 cm. Der Kopf ist dunkel-, die Ohrgegend hell aschgrau, der Zügel schwarz, die Oberseite hellbraun, roströtlich überflogen, der Bürzel roströtlichgrau, die Kehle wie dаs untere Schwanzdeckgefieder weiß, die übrige Unterseite zart fleischrötlich, auf der Bauchmitte Heller; die Schwingen sind grau, die Armschwingen und oberen Flügeldeckfedern auf der Außenfahne breit rostrot gesäumt; die äußerste Schwanzfeder ist auf der Außenfahne bis gegen die Wurzel hin weiß, auf der Jnnenfahne mit einem bis zur Mitte reichenden Keilfleck gezeichnet, der auf den übrigen Steuerfedern immer kleiner und kürzer wird. Ein weißer Federring umgibt dаs Auge, dessen Ins licht rötlichbraun ist, der Schnabel ist flejschrötlich аn der Wurzel, schwarz аn der Spitze, der Fuß gelblich fleischfarben oder rötlichgrau. Die Jungen unterscheiden sich von den Alten hauptsächlich durch die einfach graue, d. h. nicht rötlich überflogene Brust. Von der Dorngrasmücke unterscheidet sich die Brillengrasmücke außer durch ihre geringere Größe und schönere Färbung auch dadurch, daß bei ihr die vierte, nicht аber die dritte Schwinge die längste ist.
Man darf die Brillengrasmücke als einen Charaktervogel der südlichen Mittelmeerländer bezeichnen. Sie bewohnt Südostfrankreich, Spanien, Portugal, Nordwestafrika, Pa- lästina bis Persien, Kleinasien, Griechenland und Süditalien, ebenso die Inseln des Grünen Vorgebirges, und bevölkert in Spanien wie in Griechenland oder auf Sardinien und Malta die mit dem niedrigsten Gestrüpp, namentlich mit Rosmarin oder mit Disteln bestandenen dürren Berggehänge. Hier scheint sie Stand- oder höchstens Strichvogel zu sein. Graf von der Mühle traf sie in Griechenland im Winter in kleinen Gesellschaften an; mein Bruder beobachtete sie während derselben Jahreszeit in den Gärten, die аn die Fruchtebene von Murcia grenzen; Wright nennt sie den einzigen Standvogel Maltas; Cara versichert, daß sie Sardinien nicht verlasse, während Salvadori glaubt, daß nur einzelne Stücke auf Sardinien überwintern, und hinzufügt, daß mit Beginn des April viele in der Nachbarschaft von Cagliari erschienen. Die ersten, die ich beobachtete, trieben sich аn einer öden, nur hier und da mit Wein bepflanzten Bergwand herum; später fanden wjr mehrmals kleine Gesellschaften in Distelbeständen auf. Hansmann traf die Brillengrasmücke auf Sardinien in Strauchwäldern in der Nähe der Küste, nicht аber im Gebirge. Mein Bmder hebt hervor, daß auch diese Art einen länger währenden, leisen, аber sehr lieblichen Gesang zu hören gibt.
Die Brutzeit scheint früh im Jahre, wahrscheinlich bereits im Febmar, zu beginnen und bis zum Juni zu währen, da Wright vom März аn bis zum Juni Junge fand und deshalb annimmt, ein Pärchen brüte zweimal,im Jahre. „Das Nest“, bemerkt Hansmann, „welches ich bereits zu Ende des April fertig, аber noch ohne Eier fand, hat ebenfalls die üefnapfige, dünnwandige Bauart, wie sie allen Strauchsängern eigen ist. Außen sah ich einige Lammwollflocken mit eingewebt, wie dieses wohl ebenfalls die Dorngrasmücke zu tun pflegt. Die Vögel waren indes so empfindlich, daß sie dаs Nest, welches ich nur nach Wegbiegen der Zweige erblicken konnte, sofort verließen.“ Die Eier sind etwa 17 mm lang, 11 mm dick und auf blaß graugrünem Grunde mit äußerst feinen bräunlichen Punkten gezeichnet.