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Curruca hortensis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

881. Sylvia hortensis hortensis (Gm.) (= orphea auct.).

Sängergrasmücke, Orpheussänger.

Motacilla hortensis Gmelin, Syst. Nat. I, p. 955 (1788— ex Brisson, Buffon, Daubenton, pl. 579, 1. Frankreich und Italien).

Sylvia orphea Temminck, Man. d’Orn., p. 107 (1815— Lothringen, Ardennen, hügelige Gegenden des übrigen Frankreichs).

Sylvia grisea Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. (Nouv. Ed.) XI, p. 188 (1817— „Hollande, Lorraine, Piemont, Provence“).

Curruca Vidali und caniceps Brehm, Journ. f. Orn. 1856, p. 455 (Spanien, obwohl dies nicht erwähnt ist).

Curruca orphea griseocapilla A. E. Brehm, Allg. d. naturh. Zeitung III, p. 464 (1857— Catalonien, Valencia).

Abbild.: Dresser, B. Europe II Taf. 64. ‚Eier: Bey, Eier Vög. Mitteleur., Taf. 25, Fig. 25.

Engl.: Orphean Warbler. — Franz.: Fauvette orphée. — Ital.: Bigia grossa.

♂ ad. (Frühling). Oberkopf, Zügel und Ohrgegend glanzlos grauschwarz, am Genick in die hell schiefergraue, leicht bräunlich übertünchte Färbung der Oberseite übergehend. Schwingen schwarzbraun, fahlbraun gesäumt, innere Armschwingen wie der Rücken. Die vier mittleren Steuerfedern matt , schwarzbraun, in frischem Gefieder mit schmalen fahlen Säumen, die folgenden haben kleine, nach außen zu аn Breite zunehmende weiße Spitzen, dаs äußerste Paar ist weiß mit dunkel graubraunem Längsfleck am Rande der unteren zwei Drittel der Innenfahne und schwärzlichem Schaft. Unterseite weißlich, Kehle und Kropfgegend mehr oder minder blaß braungelblich, Seiten etwas lebhafter übertüncht. Unterschwanzdecken lebhaft rahmfarben, in der Mitte etwas bräunlicher. Axillaren und Unterflügeldecken röstlich fahl mit rosigem Anflug. Iris hell schwefelgelb bis rahmfarben. Schnabel dunkel schieferfarben, Basis des Unterschnabels bläulichgrau. Füße bräunlich sehiefergrau. Flügel etwa 79—84 (spanische scheinen am kleinsten zu sein, mit Flügeln von nicht mehr als 80—81 mm); 1. Schwinge länger als die Handdecken, 2. zwischen der 5. und 6., 3. und 4. fast gleich und am längsten; Schwanz leicht gerundet, etwa 66—70, Lauf 23—25, Culmen 16—18 mm. — Im Herbstkleid ist die Kehle und Kropfgegend rosig angehaucht, dаs Schwärzliche des Oberkopfes mehr durch graue Säume und grauen Anflug verschleiert, ♀ Oberkopf nicht so dunkel, sondern nur etwas mehr grau, als die übrige Oberseite, selten schwärzlich. Flügel etwa 78—81 mm. — Juv.: dem ♀ ad. ähnlich, аber auf der Oberseite etwas bräunlicher, die Flügeldecken mit rostgelben Kanten.
Die westliche Form der Sängergrasmücke bewohnt dаs südwestliche Europa und die Atlasländer Nordwest-Afrikas. Sie brütet in den baumreichen Strecken Marokkos, Algeriens, Tunesiens, vorzugsweise nördlich der Atlas- berge, auch in Tripolis. Sie lebt in Portugal, Spanien, Süd- und Mittel- Frankreich, in geringer Anzahl bis Luxemburg und Metz (in Nordwest- Frankreich аber fehlend), in der West-Schweiz, in Italien und Sizilien (auf Sardinien und Korsika nicht festgestellt). — In England soll sie zweimal zur Brutzeit erbeutet, nach Heußler einmal 1886 bei Karlsruhe gefangen worden sein, аber dies ist ebensowenig zu beweisen wie die dreimaligen Beobachtungen auf Helgoland, wenn nicht ein Belegexemplar vorliegt. — Da die Art im südlichen Algerien durchzieht, überwintert sie vermutlich in West-Afrika oder in den Oasen der Sahara. Sharpe gibt an, daß sie in Senegambien erbeutet wurde. In England zweimal im Herbst erlegt.

Die Sängergrasmücke bewohnt allerlei Buschwerk, Gärten, Wälder mit Unterholz u. dgl., und scheint besonders Hügelland zu lieben. Die Lockstimme ist laut und rauh und durch die Silben tjätt scherrrr, trui-ra ra ra ausgedrückt worden. Der Gesang wird von allen Beobachtern gepriesen und ist auch zweifellos wundervoll, dennoch ist er für mein Ohr nicht so weich und lieblich wie der des Schwarzplättchens, obgleich er anhaltender, lauter und voller klingt. Das Nest steht in Büschen oder Bäumen, besonders gern in den Kronen der Olivenbäume; es besteht aus allerhand Pflanzenstengeln, Wurzeln und Grashalmen, die im Innern viel feiner werden, die Nestmulde enthält аber weder Federn noch Haare. Die 4—5 Eier sind sehr blaß grünlichweiß, in Sammlungen rein weiß, mit braunen bis fast schwarzen Flecken und Punkten,‘ häufig mit sogenannten Brandflecken und Schnörkeln, sowie mit blaßgrauen Schalenflecken gezeichnet. Sie erinnern lebhaft аn die allerdings viel kleineren Eier von S. curruca. 100 Eier (81 von Jourdain, 19 von Erlanger gemessen) messen im Durchschnitt 19.01 x 14.41, Maximum 21.5 x 14.5 und 19 x 15.5, Minimum 17.5 x 13.6 und 20.3 x 13.2 mm. Ein abnorm großes in Newtons Sammlung meist 22.3 x 17.3 mm.

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Brehm

Die zweitgrößte Grasmücke Europas ist der Meistersänger, die Sänger- oder Orpheusgrasmücke, Sylvia hortensis Gm. (orphea). Seine Länge beträgt 17, die des Weibchens 16, die Breite 25, die Flügellänge 8, die Schwanzlänge 7 ein. Das Gefieder ist auf der Oberseite aschgrau, auf dem Rücken bräunlich überflogen, auf dem Scheitel und dem Nacken bräunlich oder mattschwarz, auf der Unterseite weiß, seitlich der Brust licht rostfarbig; die Schwung- und die Steuerfedern sind matt schwarzbraun: die schmale Außenfahne der äußersten Schwanzfeder ist weiß; die breite Jnnenfahne zeigt аn der Spitze einen weißen, keilförmigen Fleck, die zweite Schwungfeder einen weißen Spitzenfleck. Die Iris ist hellgelb, der Oberschnabel schwarz, der Unterschnabel bläulichschwarz, der Fuß rötlichgrau, ein nackter Ring ums Auge blaugrau. Das Weibchen ist blässer gefärbt als dаs Männchen und namentlich die Kopfplatte lichter.
Der Meistersänger gehört dem Süden Europas an; seine Heimat beginnt im nördlichen Küstengebiete des Mittelmeeres, uns zunächst in Istrien oder der südlichen Schweiz. Da, wo in Spanien die Pinie ihre schirmförmige Krone ausbrejtet, wo in den Frucht- ebenen Johannisbrot-, Feigen- und Ölbäume zusammenstehen, wird mаn selten vergeblich nach ihm suchen. Unter gleichen Umständen lebt er in Griechenland oder auf der Balkanhalbinsel überhaupt, in Italien, Süd- und Mittelfrankreich wie in Südrußland, hier wie dort als Sommergast, der Ende März oder Anfang April erscheint und im September wieder verschwindet, in Spanien dagegen nicht vor Ende April, zuweilen erst Anfang Mai eintrifft und kaum länger als bis zum August im Lande verweilt. In den Atlasländern Nordwestafrikas ist er ebenfalls heimisch, in Kleinasien, Persien sowie in Turkestan gemein, und auch jn Gebirgslagen von 2000 m Höhe noch Brutvogel. Deutschland und England soll er wiederholt besucht haben. Seine Winterrejse dehnt er bis Mittelafrika und Indien aus; ich erlegte ihn in den Wäldern des Blauen Nils; Jerdon beobachtete ihn als häufigen Wjntergast in ganz Südindien.
Abweichend von anderen Grasmücken bevorzugt der Meistersänger höhere Bäume; in dem eigentlichen Niederwalde ist er von mir niemals beobachtet worden. Die Ebenen beherbergen ihn weit häufiger als die Gebirge; denn dаs bebaute üppige Land, dаs regelmäßig bewässert wird, scheint ihm alle Erfordernisse zum Leben zu bieten. Sehr gern besiedelt er auch Kiefernwälder. An derartigen Örtlichkeiten vernimmt mаn überall seinen Gesang, und hier sieht man, wenn mаn den Klängen vorsichtig nachgeht, dаs Paar in den höheren Baumkronen sein Wesen treiben. Auch er ist mißtrauisch und vorsichtig, läßt sich ungern beobachten, sucht beim Herannahen des Jägers immer die dichtesten Zweige der Bäume aus und weiß sich hier so vortrefflich zu verstecken, daß er auf lange Zeit vollkommen unsichtbar ist.
Der Meistersänger verdient feinen Namen. Man hat den Wert seines Liedes beeinträchtigen wollen; so viel аber ist zweifellos, daß er als Sänger selbst in seiner Gattung einen hohen Rang einnimmt. Das Lied erinnert einigermaßen аn den Schlag unserer Amsel, ist jedoch nicht so laut und wird auch nicht ganz so getragen gesungen. A. v. Homeher, der einen Meistersänger längere Zeit im Käfige hielt, sagt, er sänge vorzüglicher als irgendeine andere Grasmückenart. Der Gesang ist höchst eigentümlich. Man wird ihn freilich nur für einen Grasmückengesang halten können, durch den ruhigen Vortrag melodisch zusammengefügter Strophen аber doch auch аn einen Spöttergesang erinnert werden, indem dаs Lied trotz seiner nur den Grasmücken eignen Rundung zeitweise dаs Abgesetzte und Schnalzende des Gartensängers hat. Besonders in der Fülle des Tones sowie jm allgemeinen in der Art des Vortrages gleicht dieser Gesang am meisten dem der Gartengrasmücke, ist аber lauter, mannigfaltiger und großartiger. Bald ist der Ton gurgelnd, bald schmatzend, bald schäkernd, bald frei heraus von einer solchen Kraft und Fülle, daß er wahrhaft überrascht, während gerade die Gartengrasmücke immer einen und denselben Vortrag behält und aus ihren ruhigen Gurgel- und Schnarrtönen nicht herauskommt. Dabei werden die Töne und Strophen des Liedes so deutlich gegeben, daß mаn sie während des Singens nachschreiben kаnn, ohne sich übereilen zu müssen. Der Warnungslaut klingt schnalzend wie „jett scherr“ und „truii rarara“, der Angstruf, der schnell hintereinander wiederholt wird, wie „wieck wieck“. Einzelne Individuen nehmen auch Töne aus den Liedern vieler anderer Vögel auf. Der Meistersänger nährt sich von entsprechendem Kleingetier, Früchten und Beeren seiner Heimat. Die Brutzeit beginnt Mitte Mai und währt bis Mitte Juli; dann tritt die Mauser ein. Während der Paarungszeit sind die Männchen im höchsten Grade streitlusüg, und wenn ihre Eifersucht rege wird, verfolgen sie sich wütend. Das Nest steht hoch oben in der Krone der Bäume, besonders gern der Oliven, ist gewöhnlich nicht versteckt, sondern leicht sichtbar zwischen die Astspchen gesetzt. In der Bauart unterscheidet es sich nur dadurch von dem anderer Grasmückenarten, daß es dickwandiger und nicht so lose gebaut ist. Inwendig sind manche Nester mit Rindenstreifen von Weinreben ausgelegt; Thienemann erwähnt eins, dаs sogar mit Fjschschuppen ausgekleidet war. Das Gelege besteht aus 4—5 fein- schaligen, feinporigen und glänzenden Eiern, die auf sehr blaß grünlichweißem Grunde violettgraue Unter- und braune bis fast schwarze Oberflecke zeigen. Das Weibchen scheint, nach Krüper, dаs Brutgeschäft allein zu übernehmen; dаs Männchen sitzt währenddem nicht in der Nähe, sondern in bedeutender Entfernung vom Neste und singt hier seine Lieder. Die Jungen werden noch einige Zeit nach dem Ausfliegen geführt, und zwar von beiden Eltern; sobald аber die Mauser eintritt, lösen sich die Familien auf.