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Poecile palustris

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Die Sumpfmeise (Parus palustris L.).

Wir wollen hier nur die mitteleuropäische Glanzköpfige Sumpfmeise in Wort und Bild betrachten, eine Dorrn, die in der Färbungsweise аn die männliche Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), erinnert und durch dаs gänzliche Fehlen der blauen und gelben Töne gegen die Kohl- und die Blaumeise absticht. Sie hat in ihrem Äußern eine große Ähnlichkeit mit der Weidenmeise (P. salicarius rhenanus Kleinschmidt), die sich аber in Stimme und Lebensweise von ihr unterscheidet. Männchen und Weibchen sind gleich, die Flügellänge beträgt 65—67, die Schwanzlänge 56—60, die Schnabellänge etwa 7,5 und die Lauflänge 15—16,5 mm. Der Oberkopf ist stets glänzend schwarz. Im Gegensätze zu der ebenso großen Blaumeise sind die Eier meist nur gegen 1 g schwer und dаs Gelege ist kleiner, es besteht aus 6—9 Stück, sodaß dаs Gelegegewicht nur etwa 2/3 oder 3/5 des 11 g schweren Vogels ausmacht. Bei den Jungen stehen Daunen außer auf dem Kopf auch noch auf dem Unterrücken, was vielleicht Grund zu der Annahme gibt, daß sie bei der geringeren Anzahl von Jungen hier noch einen gewissen Dienst als Kälteschutz leisten müssen, denn bei den kinderreicheren Verwandten ragen ja doch nur die Köpfe aus dem Ge- wirre der durcheinander liegenden, nackten Leiberchen hervor.
In der Lebensweise weicht die Sumpfmeise von den anderen Gattungsverwandten dadurch ab, daß sie sich von ihnen ziemlich abseits hält, sich also weniger den winterlichen Meisentrupps beimischt. Man sieht und hört Sommer und Winter hindurch dаs treu zusammenhaltende Paar аn ein und derselben Stelle. Warum sie zur Erhaltung der Art weniger Junge braucht als Blau-, Kohl- und Tannenmeise ist nicht klar. Das Nest steht nicht allzu selten sehr tief, fast im Boden, wenn es sich um einen ausgefaulten Baumstumpf handelt. Dasjenige, aus dem dаs auf Tafel 42 dargestellte Junge herrührt, fand ich auf folgende Weise: ein Sumpfmeisenpaar hielt sich in einem lichten Erlenwald auf, und dаs eine Stück putzte sich mit hastigen Bewegungen, so wie es ein Vogel tut, wenn er seine Brutpause macht. Da ich nirgends eine Baumhöhle erspähen konnte, so warf ich eine kleine weiße Feder in die Luft, die alsbald von einer Meise als willkommener Nestbaustoff ergriffen wurde. Die beiden Vögel kamen nun ganz dicht аn mich heran, und als ich einige Schritte beiseite trat, sah ich, wie die Federträgerin genau аn der Stelle, wo ich eben gestanden hatte, unter einem Erlenstubben verschwand. Um später zu den Jungen zu gelangen, mußte ich dаs Nest geradezu ausgraben.

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Hartert

603. Parus palustris palustris L.

Die nordische glanzköpfige Sumpfmeise.

Parus palustris Linnaeus, Syat. Nat. Ed. X, p. 190 (1758— „Habitat in Europa“. Als terra typica betrachten wir Schweden, nach dem ersten Zitat „Faun. suec. 242“. Die von Finne angefügten Zitate beziehen sich wie gewöhnlich auf mehrere Formen. 1827 unterschied Baldenstein zwei Formen, von denen аber keine die schwedische war. Von den nordischen Arten wurde später zuerst der Mattkopf von neuem benannt, wir beschränken daher Linne’s Namen auf den schwedischen Glanzkopf).

Parus meridionalis (partim!) Liljeborg, Naumannia 1852, II, p. 100 (der Name basiert auf den von Selys und Nilsson als palustris bezeichneten Formen, genauer Fundort fehlt, also ein unsicherer Name).

Parus fruticeti Wallengren, Naumannia 1854, p. 141 („im siidl. und mittleren Schweden gemein“).

Poecila palustris vera Brehm, Naumannia 1856, p. 368 (partim — „in der hiesigen Gegend und in Schweden, namentlich bei Stockholm“).

Schwed.: Kärrmes.

Abbild.: Journ. f. Orn. 1897, Taf. IV, obere Figur. Neuer Naumann II, Taf. 21, 5.

♂ ad. Ganzer Oberkopf, bis auf den Nacken fortgesetzt, glänzend schwarz, mit mehr oder minder deutlichem, blauen Schimmer, die einzelnen, tief schwarzen Federn mit scharf sich abhebenden hellen Lichtreflexen аn den Spitzen kürzer, gerundeter, kompakter, als bei den Formen von atricapillus. Unterer Teil des Zügels, Ohrgegend und Halsseiten weiß, letztere schwach rostfahl überwaschen. , Rücken, Oberflügel und Oberschwanzdecken graubraun, gegenüber den andern europäischen Formen von palustris lichter und mehr grau, аber einigermaßen variabel und im abgetragenen Brutgefieder viel fahler, gräulicher. Schwingen graubraun, Handschwingen mit weißlichgrauen. Armschwingen mit breiteren mehr bräunlichgrauen Außensäumen, die innersten ganz fahlgraubräunlich verwaschen, Innensäume schmutzigweiß. Steuerfedern bräunlichdunkelgrau mit bräunlichgrauen, ins Olivenfarbene ziehenden Säumen. Großer schwarzer Kinnfleck, etwa bis in die Mitte der Kehle reichend; im Frühjahr verschwinden die weißlichen Spitzen der unteren Kehlfedern mehr, wodurch der schwarze Fleck аn Ausdehnung gewinnt. Übrige Unterseite fast weiß, nur die Seiten, Steiß und Unterschwanzdecken trüb rahmfarben. Unterflügeldecken weiß mit rahmfarbenem Schimmer. Schnabel schwarz, Iris dunkelbraun, Füße aschbläulich. Flügel etwa 65—67, selten 69, Schwanz 56—60, Lauf 15—16.5, Schnabel etwa 7.5, Culmen etwa 9.6—10.6 mm. ♀ wie ♂, nur meist etwas kleiner: Flügel etwa 62—64 mm. Juv.: Kopfplatte mattschwarz, ohne Glanz. Rücken bräunlicher, Säume der Schwingen mehr rostfarben. Unterseite trüber, Kehlfleck meist weniger ausgebildet. Solche junge Vögel sind аn der Struktur der Federn leicht als Junge zu erkennen, von sehr unerfahrenen Ornithologen аber schon mit Stücken der atricapillus-Gruppe verwechselt worden.
Südlicheres und mittleres Skandinavien, russische Ostsee-Provinzen, Ost-Preußen.

Die Lebensweise ist ganz wie die von P. palustris communis. Überhaupt gleichen die Subspezies dieser Art sich darin so wesentlich — soweit wir darüber unterrichtet sind — daß Wiederholungen der Angaben bei den einzelnen Formen fortbleiben können,

606. Parus palustris communis Baldenst.

Mitteleuropäische glanzköpfige Sumpfmeise.

Parus cinereus communis Baldenstein, Neue Alpina II, p. 31 (1827— „Überall in ungern Tälern … selten bis in die Mittelberge hinauf“. Terra typica: Graubünden).

Parus subpalustris Brehm, Vogelfang, p. 242 (1855— „Deutschland.“ Terra typica: Renthendorf).

Poecila palustris sordida Brehm, Naumannia 1856, p. 369 („Mitteldeutschland“. Terra typica: Renthendorf).

Poecila palustris vulgaris A. E. Brehm, Verz. SammL, p. 7 (1866— Nomen nudum! Cf. Kleinschmidt, Orn. Jahrb. 1897, p. 67).

Abbild.: Neuer Naumann II, Taf. 20, 4. «Journ. f. Orn. 1897, Taf. III.

Von den bisher besprochenen Formen von palustris durch dunklere, bräunlichere Oberseite zu unterscheiden. Die Kopfseiten sind meist deutlicher rahm- oder licht rostfarben getrübt, die Armschwingensäume etwas mehr olivenbräunlich. Flügel lang, d meist etwa 65—67.5 selten bis 69 mm. — Von P. p. longirostris durch etwas helleren Rücken unterschieden. Die Abtrennung dieser Form ist beim Vergleich von Serien nicht schwierig, eine Unterscheidung der Vögel aus den Vor- und Mittelbergen der Alpen аber anscheinend nicht möglich. Große Serie von mir verglichen.
Deutschland (mit Ausnahme der Rheingegenden und Ost-Preußens) und Alpen bis durchschnittlich 1000 und 1200 Meter, fast ganz Österreich und westliches Ungarn (Baranya), Kroatien. (Vgl. Hellmavr, Orn. Jahrb. 1902, p. 30.)

Der alte Name Sumpfmeise rührt vielleicht ursprünglich von einer Verwechselung mit Parus atricapillus salicarius her, denn er ist nicht bezeichnend. Die „Sumpfmeisen“ bewohnen Laubwald, Gärten, Alleen, überhaupt baumreiches Gelände aller Art, nur im Innern einförmiger Nadelholzwälder wird mаn sie meist vergeblich suchen. Sie sind Stand- und Strichvögel und brüten in Baumlöchern, meist in mäßiger Höhe, manchmal ganz niedrig. In morschem, mulmigem Holze soll manchmal ein Nestloch gezimmert oder erweitert werden; es ist jedoch möglich, daß diese Gewohnheit lediglich eine Eigentümlichkeit der „Weidenmeisen“ (salicarius, rhenanus, kleinschmidti) ist. Das Nest ist je nach der benutzten Höhlung größer oder kleiner und aus Moos, Federn und Halmen weich gebaut. Die 6—10 Eier sind auf weißem Grunde etwas matt schmutzigrot gefleckt und von denen der Blau- und Tannenmeisen nicht immer zu unterscheiden, obwohl oft die Flecke etwas dunkler und schärfer markiert aussehen. Man findet sie von Mitte oder Ende April an. Der Lockruf ändert vielfach ab, ist аber kurz und rauh, ungleichmäßig betont, wie spit dä dä, spitzi dä dä, oder tschi tschü, dä dett dett dett dett, oder därredett. Der Gesang ist ein eigenartiges, kaum zu beschreibendes, etwas zischendes Klappern, daß mаn mit dem von Sylvia curruca verglichen hat. Kleinschmidt beschreibt es als da da da da da. Dem Klappern pflegen ganz feine wie sit sit klingende Laute voranzugehen, bisweilen soll mаn auch ein mehr moduliertes Gezwitscher hören (? Herbst).

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Brehm

Eine Anzahl deutscher Meisenformen, die früher als „Sumpfmeisen“ (Panis palustris) durcheinandergemengt wurden, hat mаn neuerdings, besonders durch Kleinschmidts Verdienst, nicht nur als Unterarten zu trennen, sondern sogar auf zwei deutlich charakterisierte Arten zu verteilen gelernt. Diese beiden Arten, die „Glanzköpfe“ und die „Mattköpfe“, sind auch in ihrer Lebensweise durchaus verschieden. Was аber ihre Aufteilung in Unterarten betrifft, so hat sich die, wie Hartert sagt, „sehr interessante und beachtenswerte“ Tatsache herausgestellt, „daß die im selben Gebiete wohnenden Formen der beiden Arten einander am ähnlichsten sind, so daß z. B. von beiden Arten in Skandinavien eine sehr helle Subspezies, in Mitteldeutschland je eine dunklere, am Rhein je eine noch dunklere und kleinere, in England von jeder Art die dunkelste und kleinste vorkommt“.

Nach den Gesetzen der Priorität haben die „Glanzköpfe“, und zwar speziell ihre nordische Form, die Nordische Glanzköpfige Sumpfmeise, Parus palustris L. (fruticeti), dаs erste Anrecht auf den alten Namen. Bei ihr ist der ganze Oberkopf, bis auf den Nacken fortgesetzt, glänzend schwarz mit mehr oder minder deutlichem blauen Schimmer. Der untere Teil des Zügels, die Ohrgegend und die Halsseiten sind weiß, letztere schwach rostfahl überlaufen. Rücken, Oberschwanzdecken, Oberflügel und Schwingen sind graubraun; die Handschwingen tragen weißlichgraue, die Armschwingen breitere und mehr bräunlichgraue Außensäume. Die dunkel bräunlichgrauen Steuerfedern sind heller gesäumt. Die Unterseite ist fast weiß, nur die Seiten, der Steiß und die Unterschwanzdecken sind trüb rahmfarbig. Ein schwarzer Fleck reicht vom Kinn bis zur Mitte der Kehle. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß bläulichgrau. Die Länge beträgt 13—13,6, der Flügel mißt 6,5—6,9, der Schwanz 5,6—6, der Schnabel 0,7 cm. Das Weibchen ist dem Männchen gleich, nur kleiner. Das südlichere und mittlere Schweden, die russischen Ostseeprovinzen und Ostpreußen sind die Heimat dieser Sumpfmeise.

Durch dunklere, bräunlichere Oberseite, ebenso gefärbte Säume der Armschwingen und deutlicher rahm- oder licht rostfarben getrübte Kopfseiten unterscheidet sich die Mitteleuropäische Glanzköpfige Sumpfmeise, Platt-, Nonneu-, Blech- oder Graumeise, Parus palustris communis Baldenst. (subpalustris; Tas. „Waldmeisen“, 4, bei S. 482). Sie lebt in Deutschland, jedoch mit Ausnahme Ostpreußens und der Rheingegend, ferner in den Alpen und einem großen Teile von Österreich-Ungarn.

Noch etwas dunkler und mehr ins Olivenfarbene ziehend ist der Rücken bei der von Pastor Kleinschmidt beschriebenen Unterart Parus palustris longirostris Kleinschm. (Parus dresseri longirostris), die ein wenig kleiner als die vorhergehende ist und in der Rheingegend, in Frankreich, Belgien und Holland gefunden wird.

Die englische, auf der Oberseite dunkel rostbraune, sehr kleine, аber dickschnäbelige Form ist als Parus palustris dresseri Stejn., die italienische als Parus palustris Italiens Tschusi et Hellm., eine die Balkanhalbinsel, Galizien, Ungarn und Südrußland bewohnende als Parus palustris stagnatilis Brehm abgesondert worden. Weitere Unterarten der „Glanzköpfe“ leben in Turkestan, Sibirien, Japan und China sowie, nach Hartert, in Nordamerika.

Die Glanzköpfigen Sumpfmeisen bewohnen durchaus nicht Sümpfe, sondern lichte Laubwälder, Gärten und Parkanlagen, Alleen, überhaupt baumreiches Gelände jeder Art. Sie sind, wie Bau sagt, „Stand- und Strichvögel, von denen die meisten ihren Geburtsort auch im strengsten Winter nicht verlassen“. Die Pärchen halten, nach Bau, Sommer und Winter treu zusammen, doch sieht mаn selten zwei Pärchen, nie, wie bei anderen Meisen, größere Scharen von ihnen vereinigt. „Sie sind immer wohlauf, stets lustig, lebhaft und beweglich und stets auf emsiger Nahrungssuche begriffen, wobei sie oft ihr .Titschä-titschä- nännännännätt‘ ertönen lassen. Kleinschmidt gibt ihren Ruf mit ,thir-thia-dädätt‘ oder ,si-si-dädett-dett-dett‘ wieder. Ihr Lockton ist dаs bekannte meisenartige ,Sit sit‘.“ Hartert sagt, der Gesang sei ein eigenartiges, kaum zu beschreibendes, etwas zischendes Klappern, dаs mаn mit dem der Sylvia curruca verglichen hat; Kleinschmidt beschreibt es als „da da da da da“.
Das Nest wird in Baumlöchern, meist in mäßiger Höhe, manchmal ganz niedrig angelegt. Je nach dem Umfang der Höhlung ist es größer oder kleiner. Es ist dick, weich und warm aus Moos, Federn und Halmen erbaut und enthält von Mitte oder Ende April аn 6—10 gedrungen eiförmige, mattschalige Eier, die auf weißem Grunde schniutzigrot gefleckt und im Durchschnitt bei 12,1 mm Dicke 15,9 mm lang sind. Im Juni erfolgt eine zweite Brut.