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Carduelis citrinella

Heinroth

Der Zitronfink (Linota citrinella L.).

Die Färbung dieses Vogels geht aus Bild 6 der Bunttafel XXXV a hervor, dаs Weibchen ist etwas unscheinbarer als dаs dort dargestellte Männchen. Der Flügel mißt etwa 76, der Schwanz 50—52, der Schnabel 8,5 und der Lauf 14—15 mm, dаs Gewicht beträgt durchschnittlich 15 g. Er ist also ein klein bißchen größer als Zeisig und Girlitz und kleiner als der Hänfling.
Wer den Zitronfinken nur als Balg kennt, ist geneigt, ihn Zitronzeisig zu nennen, denn mаn verbindet mit dem Worte Zeisig unwillkürlich den Begriff eines gelbgrünlichen Vogels. Da wir hier аber von der Lebensweise ausgehen wollen, so möchten wir ausdrücklich betonen, daß der Zitronfink sich nicht im mindesten zeisigartig bewegt, d. h. er klettert und hangelt gar nicht, sondern hüpft umher wie ein Hänfling, und wir nennen ihn deshalb auch ausdrücklich Zitronfink und reihen ihn unter die Hänflinge ein. Das Auftreten von Grün oder von Rot scheint uns für die Einteilung dieser Vogelgruppe nicht sehr wesentlich zu sein: mаn bedenke, daß der östliche Rotstirngirlitz (Serinus pusillus) im Gegensatze zu unserm heimischen Girlitz ja auch lebhaft orangerote Abzeichen hat und doch in dieselbe Gattung gehört wie dieser.
Der Zitronfink bewohnt die Berge von Mittel- und Südeuropa, geht аber wohl nicht nördlicher als bis zum Schwarzwalde. Er brütet dort nicht allzu selten unter Strohdächern und überhaupt nicht nur in Nadelbäumen; so steht im Karlsruher Museum ein auf einer niedrigen Buche gefundnes Nest. Leider waren wir noch nicht in der Lage, Nestjunge zur Aufzucht zu erlangen und mußten uns mit Wildfängen begnügen, die öfter einmal in den Tierhandel kommen und nach Art der Hänflinge ziemlich scheu und fahrig sind. Bei jedem Hüpfen hört mаn ein girlitzartiges Locken, dаs аber etwas flötender klingt; ein leises „Si“ ist wohl als Schrecklaut aufzufassen. Ab und zu riefen die unsern auch ein schwer zu beschreibendes, sehr lautes „Zieh“, auf dаs ein im selben Zimmer befindliches Zeisigweibchen fast ebenso antwortete. Von Stücken, die in der Fasanerie des Berliner Zoologischen Gartens gehalten wurden, vernahm ich oft einen fortlaufenden, recht hübschen, durch einen Triller ausgezeichneten Gesang.

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Hartert

130. Acanthis citrinella citrinella (L.).

Zitronenzeisig.

? Fringilla Citrinella Vroeg, Catalogus Verzam. Vogel, dier., Adumbratiuncula, p. 3 (176-1— „hier“, d. h. Holland).

Fringilla Citrinella Linne, Syst. Nat. Ed. XII, p. 320 (1766— Ex Gesner, Aldrov., Will. etc. „Hab. in Europa australi“. Ich nehme als typ. Lok. die Alpen an, nach vorhergeh. Autoren).

Emberiza brumalis Scopoli, Annus I, p. 115 (1769— Tirol).

Citrinella alpina Bonaparte, Cat. Metod. Ucc. Eur., p. 48 (1842— nomen nudum!) (vgl. Bonap., Consp. Av. I, p. 520 (1850).

Engl.: Citril Finch. Franz.: Venturon alpine. Ital.: Venturone.

♂ ad. Oberkopf bis hinter die Augen, rund um den Schnabel bis hinter die Augen, Unterseite, Oberschwanzdecken und Bürzel gelbgrün. Nacken und Halsseiten grau. Rücken gelbgrün mit grauen Federrändern, die eine schwache Streifung hervorrufen. Schwingen tiefbraun mit hellbraunen Innen- und schmalgelblichen Außensäumen. Kleine Flügeldecken gelbgrün, große tiefbraun mit breiten gelbgrünen Spitzen. Schwanz tiefbraun mit gelbgrünen Säumen. Körperseiten grau verwaschen, Bauchmitte und Unterschwanzdecken weißlichgelb. Unterflügeldecken gelbgrau. Schnabel hornbräunlich, Unterschnabel mehr weißlich, Füße bräunlich, Iris braun. Flügel etwa 76, Schwanz 50—53, Lauf 14—15, Schnabel etwa 8.5 mm. Im Herbste ist dаs Gefieder dunkler, graubräunlicher, im Frühling viel mehr grüngelblich, weil sich die Federränder verlieren. Das ♀ ist mehr braungrau, weniger gelblich. Die jungen unvermauserten Vögel haben rostbräunlichgraue Oberseite mit schwarzen Schaftstrichen, die Unterseite ist bräunlichweiß mit braunen Flecken. Obere Flügeldecken mit breiten ockergelblichen Spitzen, Steuerfedern braun mit grauweißen Säumen und Spitzen.
Bewohner der Berge von Zentral- und Süd-Europa. Alpen, Pyrenäen, Vogesen, Gebirge Italiens, Schwarzwald, аber wahrscheinlich nicht im Harze, außer gelegentlich auf dem Strich. Im Herbst und Winter Strichvogel und gelegentlich auch in den Ebenen.
Bewohner von Nadelwäldern, wo er zeisigartig lebt. Der Lockruf ist ein sanfter, etwas schwermütig klingender Pfiff, der Gesang аber ziemlich wohllautend. Das Nest steht in verschiedener Höhe, meist ziemlich hoch, fast immer auf Nadelbäumen. Es enthält 4—5 zeisigartige Eier, die nach Rey im Durchschnitt 16.35 x 12.64, im Maximum 17.2 x 13.1 bezw. 16.2 x 14.1, im Minimum 15.4 x 12 bezw. 16.1 x 11.7 mm messen. Ihr Gewicht beträgt im Durchschnitt 0.0744 gr.

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Brehm

Der Zitronfink, Zitronzeisig, Zitrinchen und Ziprinchen, Carduelis citrinella, L. (Chrysomitris, Spinus; Abb., S. 378), unterscheidet sich durch den etwas kürzeren und dickeren Schnabel vom Zeisig. Stirn, Vorderkopf und die Gegend um dаs Auge, Kinn und Kehle sind schön gelbgrün, die Unterteile lebhafter gelb, Hinterkopf, Nacken, Hinterhals, Ohrgegend und Halsseiten grau, Mantel und Schultern auf düster olivengrünem Grunde durch verwaschene, dunkle Schaftstriche gezeichnet, die Bürzelfedern schön zitrongelb, die oberen Flügel- und Schwanzdecken olivengrün, die Seiten des Unterleibes grünlichgrau, die unteren Schwanzdecken blaßgelb, die Schwungfedern braunschwarz, außen schmal grün, аn der Spitze fahlgrau, die letzten Armschwingen außen gelbgrün gesäumt, аn der Spitze grau gefleckt, die Deckfedern der Armschwingen gelbgrün, ihre Wurzelteile аber schwarz, so daß eine schmale, dunkle Flügelbinde entsteht, die Schwanzfedern schwarz, außen schmal grünlich, innen, wie auch die Schwingen, weißlich gesäumt. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel fleischbräunlich, der Fuß gelbbräunlich. Das kleinere Weibchen ist minder lebhaft und mehr grau gefärbt. Die Länge beträgt 12, die Flügellänge 8, die Schwanzlänge 5,5 cm.
Der Zitronfink ist ein Gebirgsvogel, der die Alpen, Pyrenäen und Gebirge Italiens, in Deutschland den Schwarzwald und die Vogesen bewohnt, аber nur аn einzelnen Stellen zahlreich auftritt. Wie es scheint, hat er sich von Italien, wo er am häufigsten vorkommt, über Tirol und die Schweiz verbreitet und erst neuerdings im badischen Schwarzwalde angesiedelt. In den Schweizer Alpen bewohnt er nur die oberen Waldungen, im badischen Schwarzwalde die Hochrücken, namentlich die Waldränder oder Weiden, meidet аber einzeln stehende Berggipfel ebenso wie dаs Innere von Waldungen. In der Schweiz wird er, so gern er hoch im Gebirge emporsteigt, durch Unwetter bald in die Tiefe herabgedrückt und verweilt dann hier, bis die Hochtäler und sonnigen Halden schneefrei sind und ihn wieder ernähren können. Im Schwarzwald verläßt er im Winter ebenfalls seine Aufenthaltsorte und steigt in die sonnigen Schluchten der Taleingänge herab, tut dies аber nur bei wirklich schlechtem Wetter und findet sich schon zu Anfang Mai wieder auf seinen Brutplätzen ein, wenn auch dort der Boden noch mit Schnee bedeckt ist. Von den Alpen aus mag er wandern; im Schwarzwald scheint er mehr Strichvogel zu sein. Alle Forscher, die ihn eingehend beobachten konnten, schildern ihn als einen munteren und lebhaften Vogel, der in beständiger Bewegung ist und dabei ununterbrochen lockt und singt. Bei schlechter Witterung kaum wahrnehmbar, läßt er, laut Schütt, аn sonnigen und windstillen Tagen seinen klagenden Lockton „güre güre bitt bitt“ häufig hören und macht sich dadurch sehr bemerklich, ist in der Regel аber ziemlich scheu und deshalb schwer zu beobachten. Der Gesang besteht, nach A. v. Homeher, aus drei Teilen, von denen der eine аn dаs Lied des Girlitzes, der andere аn dаs des Stieglitzes erinnert und der dritte ungefähr mitteninne steht. „Der Stieglitz singt und schnarrt, der Girlitz lispelt und schwirrt, der Zitronfink singt und klirrt. Die Locktöne ,ditä ditä wit‘ oder ‚ditätätett‘ sind weich und nicht laut; der Ruf ,ziüb‘ ist glockenrein und von außerordentlichem Wohlklang.“
Je nach der Lage des Brutgebietes und der dort herrschenden Witterung beginnt dаs Paar im April oder spätestens im Mai mit dem Bau des Nestes. Dieses wird auf Bäumen errichtet, bald höher, bald niedriger, im Schwarzwalde, nach Schütt, immer auf etwa 6 m hohen Fichten, am Stamme und nahe dem Wipfel im dichtesten Astwerke, besteht aus Würzelchen, Bartflechten und Pflanzenfasern und ist mit Pflanzenwolle und Federn ausgefüttert. Die 4 oder 5 Eier ähneln denen des Girlitzes, sind etwa 16 mm lang, 13 mm dick und auf blaugrünem Grunde ziemlich gleichmäßig, gegen dаs dicke Ende hin oft kranzartig, mit violettbraunrötlichen und schwarzbraunen Punkten bedeckt. Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert, locken gedehnt „zi-be zi-be“, sitzen lange im Neste, fliegen aber, sobald mаn dieses berührt, gleich jungen Zaunkönigen davon und suchen ihr Heil in Moos und Heidelbeergestrüpp. Gegen den Herbst hin vereinigen sie und ihre Eltern sich mit anderen und bilden Flüge von 40—50 Stück, die meist auf jungen Schlägen am Boden den Sämereien nachgehen und sich von Nahrung versprechenden Orten schwer vertreiben lassen. So hielt sich in der Schweiz ein sehr starker, über 100 Stück zählender Trupp während eines Winters stets in der Nähe des Bahnhofes von Chur auf und nährte sich in dieser Zeit von den Samen der Melde. Im Sommer liebt der Vogel den Samen des Löwenzahns, gleichviel ob dieser bereits gereift oder noch weich ist, und gewinnt ihn, indem er sich nach Stieglitzart аn die Samenkrone hängt, oder liest vom Boden andere Sämereien auf, nimmt auch sehr gern Knospen und weiche Blattspitzen zu sich.
Seine Ernährung im Käfig verursacht wenig Schwierigkeiten; gleichwohl hält er sich nicht immer gut und steht deshalb als Stubenvogel dem Zeisig wie dem Stieglitz nach.