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Bezzel
Serinus citrinella (Pall. 1764) — Zitronengirlitz
2 Subspezies; Mitteleuropa S c. citrinella (Pall. 1764).
Status in ME. Häufiger Brut- und Sommervogel in subalpinen Nadelwäldern der Alpen, des Jura CH und des Schwarzwaldes; Winterausharrer in sehr kleiner Zahl.
Kennzeichen. Etwas schlanker und langschwänziger als Girlitz; Schnabel deutlich länger und schlanker; Schwanz deutlich ausgeschnitten • Ad. ♂: Oberkopf und Kopfseiten bis hinter die Augen, Kehlmitte, fast die ganze Unterseite, Bürzel und OberschwanzD gelbgrün bis grünlich gelb; Nacken und Hals- und Brustseiten grau; Rücken weniger lebhaft gelbgrün mit schwacher bräunlicher Streifung; ST dunkelbraun mit gelbgrünen Säumen; Schwungfedern braun, mit schmalen gelblichgrünen Außensäumen, Schirmfedern vor allem im frischen Gefieder mit breiteren hellen Säumen; Große FD braun mit breiten gelbgrünlichen, schmal grau abgesetzten Spitzen, die eine deutliche Flügelbinde bilden; eine zweite undeutlichere grüne Flügelbinde bilden die hellgrünen Spitzenhälften der Mittleren ArmD. Ad. ♀: Ähnlich ♀ (sic!), doch gelbgrüne bis grüngelbe Partien deutliche grünlicher; am Kopf nur vorderer Oberkopf, ein breiter Ring ums Auge und schmalerer Bezirk in der Kehlmitte grünlich; Rücken bräunlichgrün, deutlicher dunkelbraun längsgestreift; Grau аn Kopf, Hals- und Brustseiten dunkler als bei Juv. hell olivbraun bis gelblich braun, Unterseite weißlich; kräftig dunkel längsgestreift; Flügelbinden aschgrau bis hellbräunlich. Vögel im 1. Jahreskleid sind am weißlichen bis hellgrauen Außensaum der äußeren Großen ArmD zu erkennen; Kehle teilweise noch grau, bei ♀ überwiegend. • Schnabel hornfarben, Unterschnabelbasis oft gelblich, Oberschnabel oft dunkler; Beine und Füße fleischfarben bis hellbraun; Iris braun. • Vgl. Erlenzeisig. • Fotos: Pforr u.a. 1980 (♂); Singer 1987,1988 (♀); Delin u.a. 1989 (♂, juv.).
Verbreitung und Bestand. Br. in aufgesplittertem Areal der SW-Paläarktis vorzugsweise in der Subalpinstufe: Zentral- und N-E., Pyrenäen (Einzelbeobachtungen S-E.), Massif Central, Alpen, Jura (CH, F), Hochlagen Schwarzwald, Vogesen, Korsika, Sardinien, Toskanische Inseln. CH ab 1200 m Jura, Alpen ab 1400 m bis Baumgrenze, N-Alpen Bay. etwa ab 1250 m (ausnahmsweise Einzelbruten < 1000 m); Schwarzwald ab 700 bzw. 900—1000 m; S-Alpen I ab 1400 m Ü.M.; E. bei hoher Samenmast von Pinus-Arten regional und temporär auch im mediterranen und submediterranen Bereich 500- 1600 m ü.M. (Borras & Senar 1991).
CH: ( —) in rand- und offensichtlich suboptimalen Gebieten. • D: Helgoland mind. 1 Meldung 19. Jh.; Nds. u.a. 1961-64 zwischen Juli – Okt. bis max. 14 Ind., Juli 1975 2 Ind.; Ba.-Wü. Schwarzwald 500-700 BP (Mitte 1980er), — gegenüber 19. Jh., аber auch seit 1960; Bay. in den N-Alpen wahrscheinlich Dichteabnahme nach E, lokal auch ( —); Thür. (1 mal 19. Jh., 1950 — 80 5 mal gefangen bzw. beobachtet). • A: nach E abnehmender Br. der Alpen, neuerdings Br. in Steiermark und Sommerbeobachtungen am E-Rand der Alpen ± isoliert E der Arealgrenze. • CS: (3 Meldungen aus dem 19. Jh. aus Mittelböhmen nicht belegt bzw. wahrscheinlich Gefangenschaftsvögel). • PL: (2 Beobachtungen Aug.1975 1981). – I: nur in den W-Alpen; Arealrand kartiert RIO 56,1986: 35. • YU: 1. Brutnachweis Slowenien 1981. • F: 35-40 BP Vogesen (Mitte 1970er). • GB: nur 1mal 1904 • MA: Erstnachweise N-Afrika je ein Fängling März und April 1991 Ceuta.
Randvorkommen in ME z.T. rückläufig bzw. Ansiedlungen außerhalb der Alpen nicht von Dauer. Arealrandverschiebungen und -fluktuationen auch in den Alpen möglicherweise mit Änderungen in der Waldbewirtschaftung (z. B. Aufgabe von Waldweide) zu erklären ; ferner Veränderung der Vegetation durch starke Freizeitnutzung (insbesondere Skipisten) und Düngung von Almböden sicher mit negativen Folgen für lokale Vorkommen; positive Auswirkungen könnten Waldauflichtungen durch Forstwirtschaft und Waldschäden haben. • Dichte: Nestverteilung meist geklumpt, аn günstigen Stellen meist mehrere BP zu kleinen lockeren Ansammlungen konzentriert.
Wanderungen (u.a. Märki 1976). ME Kurzstreckenzieher, S-Europa Standvogel mit Dismigrationen (und Altitudinalwanderungen); Hauptwintergebiet der Br. ME S/SW-F, vielleicht auch bis S Pyrenäen ausstrahlend. Hauptwegzugsrichtung SW. Einzelne Winterausharrer ur. am N-Alpenrand, r. in kleiner Zahl in günstigen Lagen CH (z. B. Wallis). Nach Dismigrationen, die auch in größere Höhenlagen, offenbar seltener in Talböden und Alpenvorland und so gut wie nicht über die Arealgrenzen führen. Wegzug ab Ende Sept Höhepunkt Okt., Beendigung Anfang Nov. Rückkehr ab Mitte Febr. – Anfang März, Höhepunkt des Heimzuges Ende März – Mitte April;
♂ und ♀ scheinen etwa gleichzeitig zurückzukehren; bis mind. 1. Maidekade durch Schneefall bedingte Ausweichbewegungen in Talbereiche und Vorland. Brutortstreue nachgewiesen, ebenso Ortstreue аn Nahrungsplätzen bei vorbrutzeitlichen Ausweichbewegungen nach Winterrückschlägen.
Biotop. Br. in lichten subalpinen Nadelwäldern bzw. am aufgelockerten Waldrand mit einzelnen Nadelbäumen und kurzrasige Wiesen bzw. Weiden, innerhalb geschlossener Waldflächen vor allem аn Lichtungen, Almböden usw., аber auch Randgebiete von hochgelegenen Ortschaften, Hochmoore mit einzelnen Bäumen, Skipisten. Bei Schneefällen apere Stellen in Tallagen, die der Struktur nach den Brutplätzen entsprechen, nach der Brutzeit oft oberhalb der Baumgrenze in Krummholz und Matten.
Nahrung. Breites Spektrum аn Sämereien krautiger Pflanzen von Gräsern bis Hochstauden, im Frühsommer vorzugsweise milchreife Samen, u.a. von Gräsern, Löwenzahn und anderen Korbblütlern, Hahnenfuß, Klee, Ampfer, Kratzdistel; ferner Koniferensamen (vor allem in S-Europa zeitweise Hauptnahrung), Birkensamen und-kätzchen, Weidenpollen; im Sommer auch Insekten. Nestlinge werden vorwiegend mit Samenbrei aus dem Kropf gefüttert.
Stimme. Sehr charakteristischer Flug- bzw. Stimmfühlungsruf, einzeln oder in lockerer Folge »dit…«, etwas näselnd klingend; Lockruf mit lauter und länger gezogener 1. Silbe, etwa »die di di« oder oft nur laut »diet«; Kontaktrufe im Schwarm im Stakkato relativ leise »dit dit…«, auch als »tweck tweck« usw. wiederzugeben; Warnruf durchdringender »psie …«; bei aggressiver Auseinandersetzung »chrräi«. Zwitschernder Gesang in kurzen Strophen, die häufig mit einem gedehnten, etwas quetschenden Laut enden, ähnelt im Anfang etwas аn Stieglitz, auch mit Girlitz verglichen, аber weniger geräuschhaft; wird von Warten, im girlitzartigen Singflug oder auch im normalen Flug vorgetragen, bei günstigem Wetter schon ab Mitte Febr., Höhepunkt der Gesangstätigkeit Mai, einzeln auch Sept. – Okt. Gesang.
Verhalten. Tagzieher. Nahrungssuche vorwiegend auf dem Boden auf kurzrasigen Flächen, аber auch, wenn auch deutlich weniger häufig als Carduelis-Arten auf niedrigen Kräutern und Stauden sitzend, wobei auch Samenköpfchen mit dem Fuß festgehalten werden; Versuche, durch Hangeln auf Bäumen аn Nahrung (z. B Birkenkätzchen) heranzukommen, nur in Notsituationen. Nach der Brutzeit Truppbildung ab Aug. die ebenso wie bei ungünstiger Witterung im Frühjahr zu größeren lokalen Ansammlungen bis >200 (ausnahmsweise CH bis gegen 1000) Ind. führen können. Im Frühjahr nach Wetterbesserung (Schneeschmelze) rasches Auf lösen der Trupps, аber nach besonders hartnäckigen Winterrückschlägen Verlassen der Brutreviere und wieder Schwarmbildung zur Nahrungssuche аn günstigen Stellen.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife im 1. Lebensjahr. Wohl monogame Saisonehe. Ankunft am Brutplatz ab Febr. — März, аber auch erst im April. Paarbildung wohl am Brutplatz. Neststand meist auf Nadelbäumen (in den Alpen meist Fichte), offenbar vorzugsweise am Stamm angelehnt, ausnahmsweise auf Laubbäumen oder аn Berghütten, 1 —15 m Bodenhöhe, nicht s, lockere Koloniebildung. Nest aus Grashalmen, kleinen Wurzeln und anderen Pflanzenhalmen, Moos, Flechten und Insektengespinsten, Mulde mit Schafwolle und Tierhaaren ausgepolstert, auch einigen Federn. ♀ baut allein.
Eier Grundfarbe bläulichweiß, bräunlich bis rötlichviolett gefleckt oder mit Schnörkeln besetzt, Fleckung konzentriert sich am stumpfen Pol. Vollgelege 3-5 Eier. Legebeginn Alpen frühestens ab Ende Febr., in der Regel wohl erst ab Mitte April —Anfang Mai. Späteste Junge fliegen im Aug. aus. 1-2 Jahresbruten; oft wird die 1. Brut in tieferen Lagen begonnen, bei günstiger Situation auch in den Alpen sehr viel früher als die Norm (E. vgl. Borras & Senar 1991); wahrscheinlich ist die Zahl der Ersatzbruten bei Nachwintereinbrüchen mind. in den N-Alpen hoch. Brutdauer 12 — 14 d, wahrscheinlich beginnt die Bebrütung bereits nach Ablage der ersten Eier; nur ♀ brütet, wird vom ♂ am Nest gefüttert. Nestlingszeit 17—18 d, beide Partner füttern.
Sterblichkeit, Alter. Berechnet E. 46% Adultsterblichkeit (Borras & Senar, Misc. Zool. 11,1987); möglicherweise Sterblichlkeit bei ♀ größer (Brandl & Bezzel 1988a). Älteste Kontrollfänglinge im 5. Jahr lebend.
Mauser. Postjuvenile Mauser (Teilmauser) Körpergefieder, nur innere Große Decken, Juli —Aug • Postnuptialmauser (Vollmauser) Juli —Anfang Sept.
Literatur. A. Borras& J. C. Senar, Jf0 132, 1991: 285-289. • R. Brandl & E. Bezzel, Zool. Anz. 221, 1988: 411-417. • dies., AOGB 27, 1988b: 45-65. • dies., OB 86, 1989: 137-143. • G. DE Crousaz & P. Lebreton, NO 27, 1963 . 46 – 61. • U. DORKA.Orn Jh. Ba.-Wü. 2,1986:57-71. • H. Märkl, OB 73, 1976: 67 – 88. • ders. & O. Biber, Jb. Naturkde. Mus. Bern 5, 1975: 153-164.. J. Nicolai, JfO 98, 1957: 363- 371.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Carduelis citrinella (Pallas ) — Zitronenzeisig.
Verbreitung des Rassenkreises. Gebirge von Sardinien und Korsika, westliche Alpen, französischer Jura, Vogesen, Schwarzwald, Pyrenäen. Stand- und Strichvogel.
Carduelis citrinella citrinella (Pallas) — Zitronenzeisig.
Chrysomitris citrinella (L.), Naumann III, 8. 287; Spinus citrinella L., Reichenow 8. 105.
Beschreibung. ♂ ad.: Nacken und Halsseiten grau. Vorderkopf (rund um den Schnabel), Kehle, Brust, Bauch, Bürzel und Oberschwanzdecken gelbgrün. Rücken dunkel gelbgrün mit grauen Federrändern, ganz leicht gestreift. Handschwingen und Steuerfedern tiefbraun mit gelblichen Außensäumen. Kleine Flügeldecken gelbgrün, große dunkelbraun mit breiten, gelbgrünen Spitzen. Im Frühjahr verlieren sich die Federränder: Das Gefieder wird heller und noch mehr grünlich gelb. Schnabel und Füße hornbräunlich; Iris braun. — ♀ ad.: mehr braungrau, weniger gelblich. — Jugendkleid: Oberseite rostbräunlich grau mit schwarzen Schaftstrichen, Unterseite bräunlich weiß mit braunen Flecken. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser); Jahresmauser (Vollmauser); Zeit des Gefiederwechsels nicht genau bekannt, Mauser im Oktober аber bereits beendet (Schütt). — Maße: Flügel 75—79 mm; Gewicht etwa 15 g.
Feldornithologisehe Kennzeichen. Nacken und Kopfseiten grau. Gelbgrünlich, 2 wenig hervortretende gelbliche Flügelbinden. Balzflug. — Stimme: Lockrufe näselnd ,,dit dit“, „si“ und ,,zih“. Wohllautender Gesang, u. a. аn Girlitz und Zeisig anklingend (Weiteres Ber. Ver. Schles. Orn. 1926, S. 87).
Allgemeine Verbreitung. Wie dаs Wohngebiet der Art, außer Sardinien und Korsika, wo eine etwas kleinere und lebhafter gefärbte Rasse (C. c. corsicana (Koenig)) lebt.
Verbreitung in Deutschland. Tannenwälder des Schwarzwaldes oberhalb 700 m; bayerische Alpen (Näheres s. Stresemann, Orn. Mber. 1922) ostwärts bis zum Wettersteingebirge (Hildebrandt, ebenda). — Stand- und Strichvogel, sehr selten einzelne bis zur Pfalz, Hessen-Nassau, Hessen, Rheinprovinz, bayerische Hochebene; 1 Stück 3. Oktober 1798 bei Nürnberg gefangen, 1 ♂ und ♀ 15. Januar 1915 bei Bamberg beobachtet (Ries 1915). 2 Stück 1867 bei Sonneberg und 1886 bei Ahorn i. Thür, erlegt (Brückner 1926).
Biotop. Nadel- und Mischwälder der Hoch- und Mittelgebirge, bis mindestens zur Baumgrenze, аber weniger im Inneren geschlossener Waldungen als аn deren Rändern, auf jungen Schlägen, аn Weideflächen, auf Hochrücken, аn sonnigen Hängen und Halden, in Hochtälern. Im Herbst und Winter auf dem Strich auch in tieferen Tälern im Vorland, gelegentlich sogar in der Ebene.
Fortpflanzung. ♂ führt öfter beim Singen einen Balzflug aus. Nest: gewöhnlich auf Nadelbäumen (im Schwarzwalde nach Schütt, J. Orn. 1861, vor allem auf etwa 6 m hohen Fichten; gern auch in Tannen), meist nahe am Stamm und gut versteckt, nach Jouard (Orn. Mber. 1930) 3,20 m hoch; zuweilen auch auf Laubbäumen, nicht allzu selten unter den Strohdächern der Sennhütten. Nest aus feinen Reisern, Halmen, Fasern, Flechten, Moos und Würzelchen, innen mit Haaren, Federn, Pflanzenwolle, u. U. auch Raupengespinsten ausgepolstert; ungefähr halbkugelförmig. Nestbau im April, spätestens Mai (je nach den Witterungsbedingungen), аber auch schon Anfang März. Nach Jouard baut dаs ♀ allein und wird vom ♂ auf seinen Flügen begleitet. Wahl des Nistortes durch ? — Vollgelege: 4—5, mitunter nur 3 Eier; gewöhnlich ab letztes Aprildrittel oder im Mai (Juni); wie beim Zeisig kommen gelegentlich Winterbruten vor (z. B. 9. März halbfertiges Nest in den Alpen, Mitte März Bebrütung). — Eier: girlitz- bzw. zeisigähnlich, аber kleiner; auf meist recht deutlich blaugrünem Grunde mit blutroten, rotbraunen, dunkelvioletten bis schwarzbraunen Punkten und Flecken, am dicken Ende oft kranzartig. Im Durchschnitt 16,35 X 12,64 mm; Schalengewicht 0,074 g. — Brutdauer: ?; offenbar brütet nur dаs ♀ (Corti 1935) und wird vom ♂ gefüttert, doch stehen noch einwandfreie Bestätigungen aus. — Nestlingsdauer: ?.
Nahrung. In erster Linie die Koniferensamen seines Wohngebiets, ferner die zahlreicher anderer Gebirgspflanzen, z. B. von Leontodon pyrenaicus (und Taraxacum) usw. Auch Baumknospen mit Blüten sollen angegangen werden, letztere möglicherweise nur der Insekten wegen.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Der Zitronfink (Linota citrinella L.).
Die Färbung dieses Vogels geht aus Bild 6 der Bunttafel XXXV a hervor, dаs Weibchen ist etwas unscheinbarer als dаs dort dargestellte Männchen. Der Flügel mißt etwa 76, der Schwanz 50—52, der Schnabel 8,5 und der Lauf 14—15 mm, dаs Gewicht beträgt durchschnittlich 15 g. Er ist also ein klein bißchen größer als Zeisig und Girlitz und kleiner als der Hänfling.
Wer den Zitronfinken nur als Balg kennt, ist geneigt, ihn Zitronzeisig zu nennen, denn mаn verbindet mit dem Worte Zeisig unwillkürlich den Begriff eines gelbgrünlichen Vogels. Da wir hier аber von der Lebensweise ausgehen wollen, so möchten wir ausdrücklich betonen, daß der Zitronfink sich nicht im mindesten zeisigartig bewegt, d. h. er klettert und hangelt gar nicht, sondern hüpft umher wie ein Hänfling, und wir nennen ihn deshalb auch ausdrücklich Zitronfink und reihen ihn unter die Hänflinge ein. Das Auftreten von Grün oder von Rot scheint uns für die Einteilung dieser Vogelgruppe nicht sehr wesentlich zu sein: mаn bedenke, daß der östliche Rotstirngirlitz (Serinus pusillus) im Gegensatze zu unserm heimischen Girlitz ja auch lebhaft orangerote Abzeichen hat und doch in dieselbe Gattung gehört wie dieser.
Der Zitronfink bewohnt die Berge von Mittel- und Südeuropa, geht аber wohl nicht nördlicher als bis zum Schwarzwalde. Er brütet dort nicht allzu selten unter Strohdächern und überhaupt nicht nur in Nadelbäumen; so steht im Karlsruher Museum ein auf einer niedrigen Buche gefundnes Nest. Leider waren wir noch nicht in der Lage, Nestjunge zur Aufzucht zu erlangen und mußten uns mit Wildfängen begnügen, die öfter einmal in den Tierhandel kommen und nach Art der Hänflinge ziemlich scheu und fahrig sind. Bei jedem Hüpfen hört mаn ein girlitzartiges Locken, dаs аber etwas flötender klingt; ein leises „Si“ ist wohl als Schrecklaut aufzufassen. Ab und zu riefen die unsern auch ein schwer zu beschreibendes, sehr lautes „Zieh“, auf dаs ein im selben Zimmer befindliches Zeisigweibchen fast ebenso antwortete. Von Stücken, die in der Fasanerie des Berliner Zoologischen Gartens gehalten wurden, vernahm ich oft einen fortlaufenden, recht hübschen, durch einen Triller ausgezeichneten Gesang.
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Hartert
130. Acanthis citrinella citrinella (L.).
Zitronenzeisig.
? Fringilla Citrinella Vroeg, Catalogus Verzam. Vogel, dier., Adumbratiuncula, p. 3 (176-1— „hier“, d. h. Holland).
Fringilla Citrinella Linne, Syst. Nat. Ed. XII, p. 320 (1766— Ex Gesner, Aldrov., Will. etc. „Hab. in Europa australi“. Ich nehme als typ. Lok. die Alpen an, nach vorhergeh. Autoren).
Emberiza brumalis Scopoli, Annus I, p. 115 (1769— Tirol).
Citrinella alpina Bonaparte, Cat. Metod. Ucc. Eur., p. 48 (1842— nomen nudum!) (vgl. Bonap., Consp. Av. I, p. 520 (1850).
Engl.: Citril Finch. Franz.: Venturon alpine. Ital.: Venturone.
♂ ad. Oberkopf bis hinter die Augen, rund um den Schnabel bis hinter die Augen, Unterseite, Oberschwanzdecken und Bürzel gelbgrün. Nacken und Halsseiten grau. Rücken gelbgrün mit grauen Federrändern, die eine schwache Streifung hervorrufen. Schwingen tiefbraun mit hellbraunen Innen- und schmalgelblichen Außensäumen. Kleine Flügeldecken gelbgrün, große tiefbraun mit breiten gelbgrünen Spitzen. Schwanz tiefbraun mit gelbgrünen Säumen. Körperseiten grau verwaschen, Bauchmitte und Unterschwanzdecken weißlichgelb. Unterflügeldecken gelbgrau. Schnabel hornbräunlich, Unterschnabel mehr weißlich, Füße bräunlich, Iris braun. Flügel etwa 76, Schwanz 50—53, Lauf 14—15, Schnabel etwa 8.5 mm. Im Herbste ist dаs Gefieder dunkler, graubräunlicher, im Frühling viel mehr grüngelblich, weil sich die Federränder verlieren. Das ♀ ist mehr braungrau, weniger gelblich. Die jungen unvermauserten Vögel haben rostbräunlichgraue Oberseite mit schwarzen Schaftstrichen, die Unterseite ist bräunlichweiß mit braunen Flecken. Obere Flügeldecken mit breiten ockergelblichen Spitzen, Steuerfedern braun mit grauweißen Säumen und Spitzen.
Bewohner der Berge von Zentral- und Süd-Europa. Alpen, Pyrenäen, Vogesen, Gebirge Italiens, Schwarzwald, аber wahrscheinlich nicht im Harze, außer gelegentlich auf dem Strich. Im Herbst und Winter Strichvogel und gelegentlich auch in den Ebenen.
Bewohner von Nadelwäldern, wo er zeisigartig lebt. Der Lockruf ist ein sanfter, etwas schwermütig klingender Pfiff, der Gesang аber ziemlich wohllautend. Das Nest steht in verschiedener Höhe, meist ziemlich hoch, fast immer auf Nadelbäumen. Es enthält 4—5 zeisigartige Eier, die nach Rey im Durchschnitt 16.35 x 12.64, im Maximum 17.2 x 13.1 bezw. 16.2 x 14.1, im Minimum 15.4 x 12 bezw. 16.1 x 11.7 mm messen. Ihr Gewicht beträgt im Durchschnitt 0.0744 gr.
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Brehm
Der Zitronfink, Zitronzeisig, Zitrinchen und Ziprinchen, Carduelis citrinella, L. (Chrysomitris, Spinus; Abb., S. 378), unterscheidet sich durch den etwas kürzeren und dickeren Schnabel vom Zeisig. Stirn, Vorderkopf und die Gegend um dаs Auge, Kinn und Kehle sind schön gelbgrün, die Unterteile lebhafter gelb, Hinterkopf, Nacken, Hinterhals, Ohrgegend und Halsseiten grau, Mantel und Schultern auf düster olivengrünem Grunde durch verwaschene, dunkle Schaftstriche gezeichnet, die Bürzelfedern schön zitrongelb, die oberen Flügel- und Schwanzdecken olivengrün, die Seiten des Unterleibes grünlichgrau, die unteren Schwanzdecken blaßgelb, die Schwungfedern braunschwarz, außen schmal grün, аn der Spitze fahlgrau, die letzten Armschwingen außen gelbgrün gesäumt, аn der Spitze grau gefleckt, die Deckfedern der Armschwingen gelbgrün, ihre Wurzelteile аber schwarz, so daß eine schmale, dunkle Flügelbinde entsteht, die Schwanzfedern schwarz, außen schmal grünlich, innen, wie auch die Schwingen, weißlich gesäumt. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel fleischbräunlich, der Fuß gelbbräunlich. Das kleinere Weibchen ist minder lebhaft und mehr grau gefärbt. Die Länge beträgt 12, die Flügellänge 8, die Schwanzlänge 5,5 cm.
Der Zitronfink ist ein Gebirgsvogel, der die Alpen, Pyrenäen und Gebirge Italiens, in Deutschland den Schwarzwald und die Vogesen bewohnt, аber nur аn einzelnen Stellen zahlreich auftritt. Wie es scheint, hat er sich von Italien, wo er am häufigsten vorkommt, über Tirol und die Schweiz verbreitet und erst neuerdings im badischen Schwarzwalde angesiedelt. In den Schweizer Alpen bewohnt er nur die oberen Waldungen, im badischen Schwarzwalde die Hochrücken, namentlich die Waldränder oder Weiden, meidet аber einzeln stehende Berggipfel ebenso wie dаs Innere von Waldungen. In der Schweiz wird er, so gern er hoch im Gebirge emporsteigt, durch Unwetter bald in die Tiefe herabgedrückt und verweilt dann hier, bis die Hochtäler und sonnigen Halden schneefrei sind und ihn wieder ernähren können. Im Schwarzwald verläßt er im Winter ebenfalls seine Aufenthaltsorte und steigt in die sonnigen Schluchten der Taleingänge herab, tut dies аber nur bei wirklich schlechtem Wetter und findet sich schon zu Anfang Mai wieder auf seinen Brutplätzen ein, wenn auch dort der Boden noch mit Schnee bedeckt ist. Von den Alpen aus mag er wandern; im Schwarzwald scheint er mehr Strichvogel zu sein. Alle Forscher, die ihn eingehend beobachten konnten, schildern ihn als einen munteren und lebhaften Vogel, der in beständiger Bewegung ist und dabei ununterbrochen lockt und singt. Bei schlechter Witterung kaum wahrnehmbar, läßt er, laut Schütt, аn sonnigen und windstillen Tagen seinen klagenden Lockton „güre güre bitt bitt“ häufig hören und macht sich dadurch sehr bemerklich, ist in der Regel аber ziemlich scheu und deshalb schwer zu beobachten. Der Gesang besteht, nach A. v. Homeher, aus drei Teilen, von denen der eine аn dаs Lied des Girlitzes, der andere аn dаs des Stieglitzes erinnert und der dritte ungefähr mitteninne steht. „Der Stieglitz singt und schnarrt, der Girlitz lispelt und schwirrt, der Zitronfink singt und klirrt. Die Locktöne ,ditä ditä wit‘ oder ‚ditätätett‘ sind weich und nicht laut; der Ruf ,ziüb‘ ist glockenrein und von außerordentlichem Wohlklang.“
Je nach der Lage des Brutgebietes und der dort herrschenden Witterung beginnt dаs Paar im April oder spätestens im Mai mit dem Bau des Nestes. Dieses wird auf Bäumen errichtet, bald höher, bald niedriger, im Schwarzwalde, nach Schütt, immer auf etwa 6 m hohen Fichten, am Stamme und nahe dem Wipfel im dichtesten Astwerke, besteht aus Würzelchen, Bartflechten und Pflanzenfasern und ist mit Pflanzenwolle und Federn ausgefüttert. Die 4 oder 5 Eier ähneln denen des Girlitzes, sind etwa 16 mm lang, 13 mm dick und auf blaugrünem Grunde ziemlich gleichmäßig, gegen dаs dicke Ende hin oft kranzartig, mit violettbraunrötlichen und schwarzbraunen Punkten bedeckt. Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert, locken gedehnt „zi-be zi-be“, sitzen lange im Neste, fliegen aber, sobald mаn dieses berührt, gleich jungen Zaunkönigen davon und suchen ihr Heil in Moos und Heidelbeergestrüpp. Gegen den Herbst hin vereinigen sie und ihre Eltern sich mit anderen und bilden Flüge von 40—50 Stück, die meist auf jungen Schlägen am Boden den Sämereien nachgehen und sich von Nahrung versprechenden Orten schwer vertreiben lassen. So hielt sich in der Schweiz ein sehr starker, über 100 Stück zählender Trupp während eines Winters stets in der Nähe des Bahnhofes von Chur auf und nährte sich in dieser Zeit von den Samen der Melde. Im Sommer liebt der Vogel den Samen des Löwenzahns, gleichviel ob dieser bereits gereift oder noch weich ist, und gewinnt ihn, indem er sich nach Stieglitzart аn die Samenkrone hängt, oder liest vom Boden andere Sämereien auf, nimmt auch sehr gern Knospen und weiche Blattspitzen zu sich.
Seine Ernährung im Käfig verursacht wenig Schwierigkeiten; gleichwohl hält er sich nicht immer gut und steht deshalb als Stubenvogel dem Zeisig wie dem Stieglitz nach.