Heinroth
Die Eiderente (Somateria mollissima L.)
wird wegen der sonderbaren Befiedrungsweise der Schnabelwurzel zusammen mit der hier nicht in Betracht kommenden Prachteiderente (S. spectabilis) in eine besondre Gattung Somateria Leach gestellt; außerdem sind die etwas sichelförmig herabgebognen Ellbogenfedern bezeichnend. Die als S. m. mollissima L. von den andern sehr ähnlichen, namentlich im nördlichen Amerika beheimateten Unterarten abgegrenzte nordeuropäische und nordasiatische Form geht südlich bis Sylt und Bornholm herunter. Im Winter ist sie ein regelmäßiger Gast аn den Küsten der Nordsee und Westfrankreichs, kommt аber auch manchmal bis in dаs innre Mitteleuropa hinein. Der Flügel des Männchens mißt 272—312, der Schwanz 89—99, der Schnabel vom hintern Ende der jederseitigen nackten Seitenzipfel bis zur Spitze 68—80, der Lauf 46—53 mm. Das Gewicht beträgt gewöhnlich 2—2 1/2 kg, dаs des kleinern Weibchens mit einer Flügellänge von 265—285 mm nicht viel weniger, d. h. um 2 kg. Das Ei ist etwa 110 g schwer, die Brutdauer wird mit 28 Tagen angegeben. Die Eizahl des Geleges ist verhältnismäßig niedrig und scheint meist nur 5—6 Stück zu betragen.
Der Name Eider stammt aus dem isländischen und dem altnordischen oedr oder oedarfugl, aus dem norwegisch oerfugl und oefugl geworden ist. Dänisch heißt es ederfugl, schwedisch ejder. Die Bezeichnung Eidergans beruht natürlich auf einer völligen Verkennung der Stammesverwandtschaft und ist wohl in Anlehnung аn die Größe des Vogels entstanden, der ja die stattlichste Tauchente auf der nördlichen Halbkugel darstellt. Eine große Ente ist аber noch lange keine Gans.
Unter den Meerestauchenten nimmt die Eiderente eine etwas abweichende Stellung ein. Nicht nur die Schnabelform und die sonderbare Gesichtsbefiedrung, sowie dаs Farbenmuster und dаs merkwürdige, auf einem wirklichen Farbstoffe beruhende Moosgrün des Erpels, sondern auch die in ihrem Bau durchaus den Schwimmenten entsprechende, also aus einer einheitlichen, gleichmäßigen Knochenblase bestehende Knochentrommel, die auf Bild 6 von Tafel 248 a dargestellt ist, deuten auf eine sehr frühe stammesgeschichtliche Abzweigung der Gattung Somateria hin, die jedenfalls mit der Trauer-Samtentengruppe (Oidemia) nicht viel Gemeinsames hat.
Leider konnten wir bisher nicht in den Besitz von brutfähigen Eiern oder kleinen Jungen kommen, sodaß wir nur alte Tiere kennen. Diese sind auch nur ziemlich selten in Zoologischen Gärten anzutreffen, sie halten sich aber, einmal eingewöhnt, ganz leidlich und nehmen mit Brot, Spratts Patent und Fischstückchen fürlieb. Draußen fressen sie Muscheln und Seesterne, kleine Strandkrabben und sonst allerlei Seegetier, dаs sie aus ziemlichen Tiefen heraufzuholen imstande sind. Nach den 333 Beobachtungen von John M. Dewar suchen sie den Meeresgrund für gewöhnlich in 2—4 m Tiefe ab, wobei sie jedesmal etwa 25—35 Sekunden unter Wasser bleiben; dаs höchste waren 5 Meter bei 3/4 Minuten. Wie bei allen Seevögeln zeigen auch hier die sogenannten Nasendrüsen eine riesige Ausbildung. Sie füllen die ganze Gegend über den Augen aus und stoßen auf der Kopfmitte zusammen, besondre Knochenfortsätze schützen sie von vorn her. Diese großen, derben Drüsenlappen sondern wohl eine Flüssigkeit ab, die dаs Innre der Nase vor dem Salzreize des Meerwassers bewahrt. Hält mаn Eiderenten jahrelang auf Süßwasser, so gehn diese Gebilde stark zurück, was mаn auch аn der veränderten Gestalt des Vorderkopfs deutlich sieht.
Von den Weibchen haben wir hier nie eine Stimmäußrung gehört, jedoch sollen sie ein tiefes „Korr“ oder „Krrr“ vernehmen lassen. Der Erpel hat einen schönen, etwas аn den des Uhus erinnernden Ruf, der ungefähr wie „A-u“ klingt; besondre Bewegungen macht er dabei nicht. Gerät der zur Zeit hier auf einem Teiche gehaltne Erpel in die Gesellschaftsspiele namentlich der Peposakas hinein, so macht er eine eigentümliche Kopfbewegung, und mаn hat die Vorstellung, daß er dabei einen ganz leisen Ton ausstößt; vielleicht ist für diesen die Schallblase da. In der Freiheit dürfte mаn ihn wohl kaum vernehmen.
Auf der Bunttafel Nr. CXXI glauben wir durch mehrere Bilder eine gute Vorstellung von der eigenartigen Färbungsweise des Erpelkopfs gegeben zu haben. Den außerhalb der Tragfedern liegenden und daher sichtbaren Flügel der mehrjährigen Ente auf Bild 1 vergleiche mаn mit dem einer jungen Artgenossin in Bild 7 a von Tafel 254 a; daneben ist der Flügel eines sehr alten Erpels dargestellt. Die Schwarztafel Nr. 253 führt bezeichnende Stellungen vor, die dаs Schwere und Derbe der Gestalt deutlich erkennen lassen. Über die Luftröhre auf Tafel 248 a wurde schon gesprochen.
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Hartert
1728. Somateria mollissima mollissima (L.).
Eider, Eiderente, Eidergans.
Anas mollissima Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 121 (1758— „Habitat in Europa boreali, pelagica“. Beschränkte terra typica — ex Fauna Suecica, p. 33 — die Insel Gotland).
„Anser lanuginosus Leach, Syst. Cat. Mamm. & B. Brit. Mus., p. 37“ (1816— Neuer Name für die Eidergans, ohne Beschreibung! Orkney-Inseln. — Keine Publikation, da nur für Privatgebrauch gedruckt, und zwar anscheinend nur in 2 oder 3 Exemplaren).
Anas Cutberti Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 235 (1827— Partim! Nördliche Eismeerküsten beider Erdhälften).
Somateria Danica Brehm, Isis 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 890 (1831— „Dänische Inseln, z. B. Sylt und mehrere im Kattegatt. . .“).
Somateria Nomoegia Brehm, Isis 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 892 (1831— Küste Norwegens).
Somateria platyuros Brehm, Isis 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 892 (1831— „Sie kommt im Winter bei Helsingör vor“. Varietät mit 16 Steuerfedern!).
Somateria Islandica Brehm, Isis 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 895 (1831— Island).
Somateria mollissima britanica Millais, Brit. Diving Ducks II. p. 2 (1913— „British Isles“).
Engl.: Eider. — Franz.: Eider, Morillon. — Schwed.: Ejder. — Holl.: Eidereend.
♂♀ ad. (Frühling): Oberseite des Kopfes bis einschließlich der Augen und eine Linie аn den Schnabelseiten bis fast аn die Nasenlöcher samtartig schwarz, in der Mitte des Scheitels durch eine vorn spitz auslaufende weiße Linie geteilt. Genick und Genickseiten hell meergrün, in der Mitte der letzteren ein weißer Fleck. Der übrige Kopf, Hals und Oberseite, einschließlich der kleineren und mittleren Oberflügeldecken, inneren sichelförmigen Armschwingen und Skapularen schneeweiß, nur in der Mitte des Bürzels ein schwarzer Streif und die Oberschwanzdecken schwarz. Größte Reihe der Oberflügeldecken und Armschwingen schwarz, die letzte (vor den weißen gebogenen) mit weißer Zeichnung, Handschwingen schwarzbraun, ebenso die Steuerfedern. Kropfgegend und Vorderbrust ausgedehnt rötlich rahmfarben, übrige Unterseite nebst Unterschwanzdecken bräunlichschwarz. Unterflügeldecken und Axillaren weiß, die langen Unterhanddecken fahl graubraun wie die Unterseite der Handschwingen. Iris lebhaft braun. Schnabel oben schmutzig olivengrün, nach unten zu in ein schmutziges, fahles Blaugrau übergehend,
Nagel hell knochengelb. Füße grünlichbraun, Schwimmhäute schwarz. — ♀ ad. Kopf und Hals rostbraun, braunschwarz gestrichelt, auf dem Scheitel am dichtesten, Wangen fast oder ganz einfarbig; übrige Oberseite bräunlichschwarz mit breiten rostfarbenen Federsäumen, die Skapulardecken immer, die übrigen Kückenfedern außerdem mitunter noch mit rostroten Querbinden. Handschwingen dunkelbraun, die Innenfahnen bräunlicher, fahler; Armschwingen dunkelbraun, Spitzen schmal weiß, mitunter undeutlich, gesäumt, die innersten Paare mit rotbraunen Außenrändern. Schwanz dunkelbraun. Oberflügeldecken wie der Kücken, nur die längste Reihe dunkelbraun mit weißen Spitzen, die mitunter (vermutlich jüngere Stücke) nur angedeutet sind. Kropfgegend rostrot mit schwarzen Endsäumen und Querbändern der Federn, übrige Unterseite gräulichbraun mit recht variablen schwärzlichbraunen Querflecken und Punkten. Unterflügeldecken fahlbraun, mehr oder minder dunkelbraun gefleckt, in der Mitte mit einem weißen Felde. — Juv. Oberseite schwarzbraun, jede Feder mit gelblichbraunem Saume, Unterseite graubraun mit schmalen, hell fahlbraunen, fast weißlichen Federsäumen, Kehle gräulicher, Kropf und Vorderbrust schwärzlichbraun mit hell fahl rostgelblichen Federspitzen und Querbinden; mitunter werden diese hellen Binden teilweise. fast reinweiß; die jungen ♂ sind аn Kopf und Hals etwas dunkler, andre konstante Unterschiede scheinen nicht zu bestehen. — Die Farben verbleichen während der Brutzeit, beim ♂ wird der rosig-rahmfarbene Kropf und die Vorderbrust fahler, gelblicher, dаs Grün am Kopfe blasser, die in frischem Gefieder gelblich angehauchten Skapularen reinweiß. Beim g werden die rostfarbenen Säume auf der Oberseite durch Abnutzung schmäler und blasser, gelblicher. — Das Sommerkleid des alten ♂ ist sehr auffallend: Kopf und Hals schwarzbraun oder braunschwarz, über den Augen fein schwarz und weiß gefleckt. Oberseite bräunlichschwarz, аber anscheinend nicht rein, sondern oft mit mehr oder weniger Weiß. Federn аn Kropf und Vorderbrust weiß oder rosigweiß mit schwarzen Spitzen, übrige Unterseite .schwarz. Flügel und Schwanz wie im Winterkleide, die Schwingen werden im August vermausert. Im 1. und 2. Jahre werden unvollständige Sommerkleider angelegt. — Die Dunenjungen sind oberseits braun, auf dem Vorderrücken etwas fahler und restlicher, Seiten des Oberschnabels, Stirn und Superciliarstreifen heller, etwa bräunlich rahmfarben. Unterseite weißlichbraun, über den Hals ein brauner Schatten, Unterkörper etwas dunkler als Brust. — ♂ ad. Flügel 272—312, Schwanz 89—99, Lauf 46—53, Entfernung vom Ende der jederseitigen nackten Seitenzipfel bis zur Spitze des Schnabels 68—80 mm; ♀ Flügel etwa 265—285 mm (nach eigenen Messungen in Dring und London). — Schiöler und Millais (s. u. a. Dansk Orn. Forenings Tidsskr. VIII, 1914, p. 233 — 276, Millais, Brit. Diving Ducks II, p. 2—4, 1913) unterscheiden S. m. mollissima, norivegica, islandica und britannica; so überzeugend die Beschreibungen und Abbildungen Schiölers sowie die kurzen Andeutungen Millais’ auch scheinen, konnte ich mich nicht von der Konstanz der angeblichen Unterschiede überzeugen; hierin stimmt A. 0. Jackson nach eingehenden Vergleichungen mit mir überein, auch W. Rotschild und Ogilvie- Grant versichern, daß sie sich meiner Meinung unbedingt anschließen. Weder die Breite der nackten Seitenzipfel, noch die Schnabel- oder Flügellänge sind konstant.
Brutvogel auf Island (vgl. u. a. Hantzsch, Vogelw. Islands, p. 198), vielleicht auch Ostgrönland, Schottland nebst den umliegenden Inseln, аn der Küste von Northumberland, ein Paar auf einer Insel аn der Küste der Bretagne, seit 1906 in einzelnen Paaren auf einigen der westfriesischen Inseln, auf Bornholm, regelmäßig аn den Küsten Skandinaviens, Dänemarks, auf Sylt, im nördlichen Teile der Ostsee, auf Nowaja Semlja, Waigatsch, Kolgujew, Jan Mayen, Nordrußland bis zu den Küsten des Karischen Meeres. Außer der Brutzeit vereinzelt weit nach Süden, ins Innere von Deutschland, Österreich und selbst bis Ungarn, Südfrankreich, Schweiz und Italien. Einzelne Stücke Azoren, Bosnien. An den Küsten der Nordsee und Westfrankreichs regelmäßiger Wintergast.
Bewohnt die Meeresküsten, hält sich stets auf dem Meere auf und besucht Binnengewässer nur ganz ausnahmsweise. Der Ruf der Erpel ist ein weitschallendes uh uh, oder ah ah, dem oft ein schwächeres Ah uh folgt, aus der Ferne klingt es dumpf seufzend wie wau wau. Die Weibchen lassen ein tiefes Korr korr korr oder Krr krr krr hören, Junge piepen. Die Nahrung besteht größtenteils aus Meereskonchylien, die sie tauchend erlangen. Sie fressen аber auch viele Crustaceen sowie Seeanemonen, Quallen, Algen, mitunter Fische, Laich und über Bord geworfene Eingeweide von Fischen. Immer findet mаn Steine oder Sand in den Mägen. Sie brüten meist kolonienweise. Das Nest wird meist unweit des Ufers, mitunter аber auch weit davon angelegt. Es steht meist frei, in manchen Gegenden аber auch unter Steinen, im Schutze von Felsblöcken oder sogar in Mauerlöchern. Das ♀ hölt eine kleine Vertiefung aus, die mit trockenem Grase ausgefüttert wird, späterhin reichlich mit den bekannten hell graubraunen Dunen. Die Zahl der Eier variiert von 4—5 zu 9, 11, 12 und sogar bis zu 18 und 19! Die Eier sind charakteristisch, groß, oft länglich oval, glatt, mit etwas Glanz, grünlichgrau bis olivengrün, mitunter auch mehr gelblich oder bläulichgrün. 426 Eier messen nach Goebel im Durchschnitt 77.9 x 52.2 mm. Gewicht von 19 Eiern nach Rey 9.11—11.13, im Durchschnitt 10.343 g. 60 Eier von den Britischen Inseln messen nach Jourdain im Durchschnitt 76.26 x 51.0, Maximum 86 x 50 und 79.7 x 53.6, Minimum 71.2 x 50.3 und 75.6 x 47-5 mm. 16 Eier aus Island messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 76.04 x 49.22, Maximum 80.5 x 51.8, Minimum 69.4 x 48,5 und 71.6 x 46.7 mm.
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Brehm
Die Eiderente oder der Eidervogel, Somateria mollissima Linn., ist auf dem Oberkopfe, dem Halse und Rücken einschließlich der Oberflügeldeckfedern weiß, auf der Vorderbrust rötlich überlaufen, auf der Stirn und in der Schläfengegend, auf Unterrücken und Bauch schwarz, auf den wie aufgeblasen hervorquellenden Wangen meergrün; die Schwungfedern und Steuerfedern sehen bräunlichschwarz aus, die Federn, die den Spiegel bilden, sind tief samtschwarz. Die Iris ist rötlichbraun, der Schnabel grünlichgelb, der Fuß olivengrün. Die Länge beträgt 63, die Flügellänge 29, die Schwanzläuge 9 cm. Das kleinere Weibchen ist rostfarben, am Kopfe und Halse mit braunen Längsflecken, im übrigen mit schwarzen halbmondähnlichen Querflecken gezeichnet, sein Spiegel braun, weiß eingefaßt, die Unterseite tiefbraun, unmerklich schwarz gewellt. Nach der Brutzeit sind Kopf und Hals des Männchens schwarzgrau, dunkler gewölkt, die Schultern grauschwarz, die Kropfgegend auf gelblichweißem Grunde durch schwärzliche und rostbraune Federkanten gezeichnet.
Bei der verwandten, etwa gleichgroßen Pracht- oder Königseiderente, Erionetta spectabilis Linn., wird der am Außenrande etwas eingekerbte Schnabel von einem feinen schwarzen Bande eingefaßt, und ein gleichgefärbtes Band läuft von der Wurzel des Unterschnabels jederseits am Halse herab; der Oberkopf ist grau, die Wange meergrün, der Hals weiß, die Vorderbrust licht fleischrötlich, der Mittelrücken, die Deckfedern am Handgelenk des Flügels und der Unterrücken sind weiß, alle übrigen Federn schwarz. Die Iris ist braun, der Schnabel rot, der Fuß rötlich. Das Weibchen unterscheidet sich durch die licht rotbraune Färbung von dem der verwandten Arten.
Der Verbreitungskreis der Eiderente übertrifft den aller übrigen Arten dieser Gattung аn Ausdehnung. Sie bewohnt den Norden der ganzen Erde. Das Brutgebiet der Eiderente umfaßt Grönland, Spitzbergen, Franz-Josephs-Land, die Bäreninsel, Island, die Lofoten, Schweden, Norwegen, Ostfinmarken, Nordrußland (Insel Kiostreff), die Färöer-, Shetland-, Orkney- und Farninseln, die Küsten Schottlands und Englands, Sylt, Fünen, Seeland, Bornholm, Christiansö, Gotland und den Norden Amerikas. Als Irrgast besucht sie dann und wann dаs mittlere Deutschland und wurde selbst in Italien beobachtet. Die Königseiderente bewohnt, obschon hier und da mit jener gemeinschaftlich auftretend, höhere Breiten, insbesondere Spitzbergen, Nowaja Semlja, Grönland, die Nordküste von Amerika wie die von Asien und dаs Beringmeer, besucht allwinterlich Nordrußland und Lappland, kommt auch längs der norwegischen und großbritannischen Küsten vor, ausnahmsweise selbst аn die deutschen herab, brütet аber nur аn den ersterwähnten Orten und einzeln dann und wann auf Island.
In den südlicheren Gegenden und Ländern ihres Verbreitungsgebietes wandert die Eiderente, auf deren Lebensschilderung ich mich beschränken darf, nicht. In der Nordsee hält ihr der Golfstrom dаs Meer fast überall offen. Selbst in der Ostsee bleiben ihr gewöhnlich ebenfalls Stellen, die nicht zufrieren, als Zufluchtsorte während des Winters; doch muß sie sich, wenn der Winter sehr streng wird, von hier aus zu Streifzügen entschließen, die sie dann nach der Nordsee oder selbst bis in den Atlantischen Ozean hinausführen. In Grönland tritt sie in den Monaten September und Oktober einen regelmäßigen Zug an, sammelt sich währenddem аn nahrungsreichen Stellen des Meeres in ungeheurer Menge und bedeckt es im buchstäblichen Sinne des Wortes auf Quadratkilometer hin. Vom April аn kehrt sie, regelmäßig ebenfalls zu großen Massen vereinigt, nach dem Norden zurück.
Die Eiderente ist ein Meervogel im vollen Sinne des Wortes. Auf dem Lande bewegt sie sich, schwerfällig watschelnd, nur mit Mühe, stolpert und fällt auch oft zu Boden. Der Flug ermüdet sie bald, erfordert beständige und sehr rasche Schläge der verhältnismäßig doch kleinen Flügel und geht auch meist in geringer Höhe und gerade über dem Wasser hin. Erst, wenn sie sich in diesem befindet, zeigt sie ihre eigentliche Bewegungsfähigkeit. Sie schwimmt mit minder tief eingesenktem Leib als andre Tauchenten, аber rascher als jede andre bekannte Art, taucht auch in viel bedeutendere Tiefen hinab. Der Ruf des Männchens ist ein nicht eben lautes, аber sehr klangvolles, wenn auch brummendes „Ahu ahu ahua“, der des Weibchens ein eigentümliches, oft wiederholtes „Korr korr korrerr“. An Sinnesschärfe steht sie hinter keiner andern Art ihrer Familie zurück, und аn geistigen Fähigkeiten scheint sie die meisten noch zu übertreffen.
Alle Eidervögel brüten erst ziemlich spät im Jahre, nicht vor Ausgang Mai, gewöhnlich erst im Juni und Juli. Zu diesem Zwecke versammeln sie sich um kleine Inseln, die ihnen leichtes Landen gestatten. Die Erpel sollen in der Paarungszeit besonders melodisch klingende Stimmen haben und sie sollen heftig um die Weibchen miteinander kämpfen, manchmal ihrer zwanzig um eins. Die Paare trennen sich von dem großen Haufen, und Männchen und Weibchen watscheln nun in dаs Land hinein, um eine passende Niststelle zu suchen. Bedingung für diese ist geschützte Lage. Dementsprechend werden Inseln, die teilweise mit niederem Gestrüpp bewachsen sind, allen übrigen vorgezogen. Da, wo der Mensch sich um dаs Brutgeschäft kümmert, trifft er zum Empfange der nützlichen Gäste Vorkehrungen, indem er alte Kisten am Strande aufstellt, Steine mit Brettern oder Reisig überdeckt und anderweitige Versteckplätze vorrichtet. So scheu der Eidervogel früher war, so zutraulich zeigt er sich jetzt.
Das Nest (s. Tafel „Gänsevögel I“, 4, bei S. 213) besteht nur aus solchen Stoffen, wie sie sich in nächster Nähe finden, und wird höchst liederlich zusammengeschichtet, bald aus feinem Reisig, bald aus Seetang, bald aus Gras oder Strohabfällen und dergleichen. Um so dichter und reicher ist die innere Dunenausfütterung, der kostbare Zoll, den die brütenden Eidervögel dem sie freundlich schützenden Menschen überlassen müssen. Das Gelege besteht in der Regel aus 6—8 rein eiförmigen, durchschnittlich etwa 74 mm langen, 58 mm breiten, glattschaligen, im unbebrüteten Zustande stark glänzenden graugrünen oder etwas dunkler, meer- bis olivengrünen Eiern. Viele erscheinen leicht gewölkt oder marmoriert. Einzelne sind sogar auf hellerem grünen Grunde dunkler grün gefleckt. Schon nach wenigen Tagen sitzt die brütende Alte sehr fest auf dem Neste, und da, wo sie аn den Menschen gewöhnt ist, weicht sie bei dessen Kommen nicht von der Stelle, sondern drückt nur den Kopf zu Boden und breitet die Flügel ein wenig. Die Färbung ihres Gefieders stimmt gewöhnlich mit der des umgebenden Bodens so vollständig überein, daß es dem ungeübten Auge wirklich schwer wird, den Vogel zu unterscheiden und zu entdecken.
Ungestört, verläßt die Mutter gewöhnlich in den Morgenstunden dаs Nest; vorher аber bedeckt sie dаs Gelege höchst sorgfältig mit den Dunen, um jeden schädlichen Einfluß der Witterung abzuhalten. Hierauf fliegt sie so eilig wie möglich dem Meere zu, taucht emsig ungefähr eine halbe Stunde lang nach Nahrung, füllt sich in dieser Zeit den Kropf bis zum Bersten mit Muscheln аn und kehrt wieder zum Neste zurück. Die Männchen sind immer scheuer, auch wenn sie im Anfänge der Brutzeit mit den Weibchen aufs Land gehen und am Nest Wache halten.
Nach vier Wochen entschlüpfen die Jungen, allerliebste Geschöpfe, die, in ein reiches und ziemlich buntes Dunengewand gekleidet, vom ersten Tage ihres Lebens аn fertig schwimmen und tauchen, auch ziemlich gut, jedenfalls besser als die Mutter, laufen. Diese führt sie, sobald sie halbwegs trocken geworden sind, dem Meere zu und verläßt es mit ihnen nunmehr bloß dann noch, wenn die Jungen müde geworden und sich bei heftigem Wellenschlage nicht auf dem Rücken der Alten ausruhen können. Wenn die Brutstätte weit vom Meere liegt, währt die Wanderung der Familie ziemlich lange Zeit, und der besorgte Besitzer der Brutkolonie pflegt dann gewöhnlich helfend einzugreifen, indem er die eben ausgeschlüpfte Brut in einen Korb packt und, gefolgt von den hinter ihm drein watschelnden Alten, mit jener der See zuwandelt. Das Meer ist die sicherste Zufluchtsstätte für die Küchlein, weil sie hier den Nachstellungen ihrer schlimmsten Feinde, der Edelfalken, Kolkraben und Raubmöwen, am leichtesten entgehen können.
Wenn die Alte getötet wird, solange die Jungen noch der mütterlichen Hilfe nicht entbehren können, schließen sich diese einer andern Kinderschar an, und deren gutmütige Mutter nimmt sie auch ohne weiteres auf und führt und pflegt sie, als ob es die eignen Kinder wären. Der Instinkt zu bemuttern ist überhaupt bei den Eidervögeln sehr ausgeprägt: schon die nebeneinander brütenden Weibchen stehlen sich gegenseitig die Eier und teilen sich später, wenn sie sich vereinigten, ohne Widerspruch zu erfahren, in Pflege und Erziehung der Kleinen. Letztere wachsen schnell heran, werden bereits im Verlaufe der ersten Wochen so selbständig, daß sie alle Pflege entbehren können, bleiben аber dennoch bis zum nächsten Frühjahr in Gesellschaft ihrer Eltern und im zweiten Jahre ihres Lebens so viel wie möglich in Gesellschaft der alten Männchen.
In der ersten Jugend fressen die Eiderenten kleine Krebsarten und Weichtierchen; später halten sie sich fast ausschließlich аn Muscheln, ohne jedoch kleine Fische und andre Meertiere zu verschmähen. Miesmuscheln scheinen ihre Leibspeise zu bilden.
Obgleich die Eidervögel den Hauptteil des Reichtums der hochnordischen Länder bilden, werden sie doch keineswegs überall in vernünftiger Weise gehegt und gepflegt. Verständige Eigentümer der „Eiderholme“ oder Brutplätze nehmen den brütenden Vögeln, während sie legen, einige Eier weg und zwingen sie dadurch, mehr zu erzeugen, als sie sonst tun würden. Nunmehr аber warten sie, bis die Brutzeit vorüber ist, und sammeln dann erst die Dunen. So verfährt mаn im südlichen Norwegen, anders in Lappland, auf Island, Spitzbergen und Grönland. Hier schont mаn weder Vögel noch Eier. Man unterscheidet „lebende“ Dunen, die die weiblichen Vögel sich selbst ausgerupft haben, und „tote“, die von toten genommen sind. Diese letzteren sind minderwertig, denn sie sind öliger, schwerer und weniger elastisch. Trotz des schlechten Fleisches der älteren Eidervögel betreibt mаn ihre Jagd jahraus jahrein und tötet Tausende, auch nimmt mаn ihnen Eier und Dunen weg, wo mаn sie findet. Auf Spitzbergen haben sich die Folgen dieses unsinnigen Verfahrens bereits sehr bemerklich gemacht; denn während mаn die Dunenausbeute früher nach Tausenden von Kilogrammen berechnen konnte, muß mаn gegenwärtig mit Hunderten zufrieden sein: Malmgren versichert, daß mаn jetzt im Herbste gar nicht oft junge Eiderenten erblicke und die Fänger allgemein über rasche Abnahme, die sie doch selbst verschuldet haben, in Klagen ausbrechen. In Grönland hat sich die Verminderung noch nicht so bemerklich gemacht; es werden von dort aus, laut Holböll, alljährlich noch mehrere tausend Kilogramm Dunen versandt. „Die größte Menge unreiner Dunen, die von Südgrönland aus in einem Jahre abgesendet wurde, betrug 2005 kg; Nordgrönland liefert ungefähr halb so viel. Man rechnet die Dunen von 12 Nestern auf 1/2 kg! es wurden also 104,520 Vögel ihrer Dunen und zugleich, wenigstens zum größten Teile, auch ihrer Eier beraubt.“ Ein Kilogramm gereinigter Eiderdunen kostet in Norwegen jetzt 33—45 Mark unsers Geldes.
Kolkraben und Raubmöwen stellen Eiern und Jungen, Jagdfalken und Eisfüchse diesen und den Alten nach; der Mensch benutzt zur Jagd dаs Feuergewehr und geschickt ausgestellte Netze. Für die Gefangenschaft eignen sich die Eidervögel ebensowenig wie alle andern Meertauchenten: sie verkümmern auch bei der besten Pflege, selbst wenn mаn ihnen ihre Hauptnahrung, die Muscheln, in genügender Menge vorwirft. Die bisher in den Tiergärten gepflegten, starben regelmäßig im Hochsommer, gewöhnlich bei Beginn der Mauser. An eine Fortpflanzung im Käfig ist bei ihnen nicht zu denken.