Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
*****
Hartert
1733. Somateria spectabilis (L.).
Prachteiderente.
Anas spectabilis Linnaeus, Syst. Nat. Ed, X, 1, p. 123 (1758— „Habitat in Canada, Svecia“).
Anas Beringii Gmelin, Syst. Nat. I, 2. p.508 (1789— Bering-Insel. Ex Pennant & Latham).
Platypus Altensteinii Brehm, Lehrb. Nat. eur. Vög. II, p. 999 (1824— Grönland).
Somateria pectoralis Lichtenstein, Nomencl. Avium Mus. Zool. Beruh, p. 103 (1854— Grönland. Nomen nuduml).
Somateria megarhynchos Brehm, Vogelfang, p. 389 (1855— Grönland).
Somateria spectabilis intercedens A. E. Brehm, Verz. Sammt., p. 14 (1866— Nomen nudum).
Engl.: King Eider. — Schwed.: Prakt-ejder.
Abbild.: Bresser, B. Europe VI, Taf. 446; „Neuer Naumann“ X, Taf. 20, 21.
Unterscheidet sich in allen Kleidern von S. mollissima durch eine andere Befiederung der Schnabelbasis: die Stirnschneppe geht ungefähr so weit nach vorn wie der Hinterrand des Nasenlochs, während die Seitenschneppen nicht einmal ganz so weit nach vorn reichen und mindestens 1 cm vom Nasenloche entfernt bleiben. — ♂ ad. Rings um die Basis des Oberschnabels ein breiter, keilförmig gegen dаs Auge hin vorspringender Streif, entlang der unteren Augenlider ein schwarzer Fleck. Oberkopf, Genick und Seiten des letzteren hell bläulichgrau („möwenblau“); Hinterhals, Nacken und Interscapulium weiß, Skapularen schwarz; Schwingen schwarz, Schäfte und Innenfahnen bräunlicher; Mittel- und Hinterrücken, Bürzel, Oberschwanzdecken und Schwanz schwarz, аn jeder Seite des Bürzels ein großer, querovaler weißer Fleck. Kleine Oberfiügeldecken rings am Flügelrande herum braunschwarz, die längste Serie schwarz, alle übrigen weiß. Über und hinter den Augen ein geschwungener, bis zu den Halsseiten laufender weißer Streif, Kopfseiten unterhalb desselben hell grünspan- oder seegrün, weiter nach unten zu weiß mit schwachem grünlichrahmfarbenen Anflug. Kehle und Unterseite des Halses weiß, аn der Kehle ein breiter samtschwarzer, zweischenkliger Fleck in Gestalt eines römischen V. Kropf ganz isabell-rahmfarben, ganze übrige Unterseite nebst Unterschwanzdecken schwarz. Unterflügeldecken weiß, am Flügelrande herum braungefleckt, Axillaren weiß. Iris braun. Schnabel und die nackten Seiten des Wulstes am Anfänge des Schnabels rötlich orangefarben. Füße orangerot, Schwimmhäute dunkler. Flügel 270—294, Schwanz 80—90, Lauf 45—49, Schnabel 29—33, meist 30—32 mm. Der schildartige Stirnhöcker des alten ♂ ist bei jüngeren ♂ kleiner und wächst auch in der Paarungszeit enorm, um nachher wieder zurückzuschrumpfen; die größten Höcker sah ich bei Stücken aus Alaska, der Unterschied ist аber nicht konstant. — ♀ ad. Nur durch die verschiedene Befiederung аn Stirn und Schnabelseiten von dem von S. mollissima mollissima sicher zu unterscheiden; im allgemeinen auch kleiner, der Schnabel schlanker, kleiner, auch meist etwas rötlicher. — Das Jugendkleid ist oberseits schwarzbraun mit rostgelblichbraunen, nicht rostroten Federsäumen, die auf dem Bürzel wenig deutlich sind, Oberkopf fahlrostgelblich mit schwarzbraunen Flecken, Kehle bräunlichweiß mit braunen Punkten, Federn аn Kropf und Vorderbrust hell gelblichbraun mit anteapikalen dunkelbraunen Querbändern und oft (wenigstens bei ♂) weißen Punkten oder Fleckchen oberhalb der dunklen Querbinden. Unterkörper dunkler braun, nicht so röstlich. — Das Dunenjunge ist unserseits heller als dаs von S. mollissima mollissima, und die Zeichnung der Kopfseiten ist weniger deutlich; immer аn den viel weiter vorgreifenden Federschneppen аn den Seiten des Oberschnabels vom entsprechenden Stadium der Eiderente zu unterscheiden.
Bullock gab аn 1812 ein Nest auf Papa Westray, einer der Orkney- Inseln, gefunden zu haben, Faber erwähnt, daß die Art 1819 und 1820, Thienemann, daß sie 1829 auf Island gebrütet habe, alle diese Angaben sind аber unbefriedigend, da sie nicht durch Belege erwiesen sind, ebensowenig wie neuere Angaben von Isländern, obwohl es feststeht, daß Prachteiderenten sich auch mitunter vereinzelt den Sommer über auf der Insel aufhalten. In geringer Anzahl ist S. spectabilis Brutvogel auf Spitzbergen, nach Buturlin auf Kolgujew und sicher ziemlich zahlreich auf Nowaja Semlja; von hier erstreckt sich dаs Brutgebiet entlang der Nordküste Sibiriens (z. B. Jalmal, Taimyr, Neusibirische Inseln, Lena- und Kolyma-Mündungen) bis Tschuktschenland, Kamtschatka und Kommandeur-Inseln, doch scheint dаs Nisten аn den letztgenannten Lokalitäten noch nicht erwiesen zu sein. In Amerika brütet sie in Alaska (häufig аn der Nordküste, bei Point Barrow), bis Grinnell-Land, Grönland, Hudson-Bai und Labrador. — Zur Zugzeit und im Winter nicht ganz selten аn den Küsten Skandinaviens, auf den Färöer, in Nordrußland, Helgoland (1), Zoppot bei Danzig (1), bei Usedom (1), Dänemark, Frankreich (2), Italien (4), England (6), Schottland (15—20), Irland (5), In Amerika südlich‘bis zu den Großen Seen und den nordöstlichen Staaten, vereinzelt bis Kalifornien, Georgien und Iowa.
Ist wie die Eiderente fast ausschließlich Seevogel, nur während der Brutzeit mitunter аn süßen Binnengewässern (Grönland), аber auch dann nahe аn der Küste. Sehr gesellig, verläßt ihre nordische Heimat meist nur, wenn der Winter so weit fortschreitet, daß es аn offenem Wasser fehlt, wandert dann in Scharen und mischt sich oft mit Eiderenten, unter denen sie auch bisweilen nistet. Es halten sich auch mitunter einzelne alte ♂ in Brutkolonien von S. mollissima auf. Vom ♀ wird berichtet, daß es grunzt und zischt, über die Stimme des ♂ schweigen die Beobachter. Die fast ganz aus Conchylien und Crustaceen bestehende Nahrung wird durch Tauchen vom Meeresboden heraufbefördert. Das Fleisch ist für Europäer kaum zu genießen Das Nest ist eine Vertiefung am Erdboden, oft mitten unter Eiderentennestern. Die Dunen sind ziemlich dunkelrußbraun. Das Gelege besteht nur aus 4—6 oder 7 Eiern. Letztere gleichen Eiderenteneiern bis auf die geringere Größe. Das Gewicht von 31 Eiern variiert von 396—540 cg, im Durchschnitt 477 cg. 6 Eier messen nach le Boi im Durchschnitt 6.70 x 4.383, Maximum 6.88 x 4.52, Minimum 6.46 x 4.25 und 6.61 x 4.21 cm, welche Werte sich ganz mit den von Goebel veröffentlichten decken.
*****
Brehm
Die Eiderente oder der Eidervogel, Somateria mollissima Linn., ist auf dem Oberkopfe, dem Halse und Rücken einschließlich der Oberflügeldeckfedern weiß, auf der Vorderbrust rötlich überlaufen, auf der Stirn und in der Schläfengegend, auf Unterrücken und Bauch schwarz, auf den wie aufgeblasen hervorquellenden Wangen meergrün; die Schwungfedern und Steuerfedern sehen bräunlichschwarz aus, die Federn, die den Spiegel bilden, sind tief samtschwarz. Die Iris ist rötlichbraun, der Schnabel grünlichgelb, der Fuß olivengrün. Die Länge beträgt 63, die Flügellänge 29, die Schwanzläuge 9 cm. Das kleinere Weibchen ist rostfarben, am Kopfe und Halse mit braunen Längsflecken, im übrigen mit schwarzen halbmondähnlichen Querflecken gezeichnet, sein Spiegel braun, weiß eingefaßt, die Unterseite tiefbraun, unmerklich schwarz gewellt. Nach der Brutzeit sind Kopf und Hals des Männchens schwarzgrau, dunkler gewölkt, die Schultern grauschwarz, die Kropfgegend auf gelblichweißem Grunde durch schwärzliche und rostbraune Federkanten gezeichnet.
Bei der verwandten, etwa gleichgroßen Pracht- oder Königseiderente, Erionetta spectabilis Linn., wird der am Außenrande etwas eingekerbte Schnabel von einem feinen schwarzen Bande eingefaßt, und ein gleichgefärbtes Band läuft von der Wurzel des Unterschnabels jederseits am Halse herab; der Oberkopf ist grau, die Wange meergrün, der Hals weiß, die Vorderbrust licht fleischrötlich, der Mittelrücken, die Deckfedern am Handgelenk des Flügels und der Unterrücken sind weiß, alle übrigen Federn schwarz. Die Iris ist braun, der Schnabel rot, der Fuß rötlich. Das Weibchen unterscheidet sich durch die licht rotbraune Färbung von dem der verwandten Arten.
Der Verbreitungskreis der Eiderente übertrifft den aller übrigen Arten dieser Gattung аn Ausdehnung. Sie bewohnt den Norden der ganzen Erde. Das Brutgebiet der Eiderente umfaßt Grönland, Spitzbergen, Franz-Josephs-Land, die Bäreninsel, Island, die Lofoten, Schweden, Norwegen, Ostfinmarken, Nordrußland (Insel Kiostreff), die Färöer-, Shetland-, Orkney- und Farninseln, die Küsten Schottlands und Englands, Sylt, Fünen, Seeland, Bornholm, Christiansö, Gotland und den Norden Amerikas. Als Irrgast besucht sie dann und wann dаs mittlere Deutschland und wurde selbst in Italien beobachtet. Die Königseiderente bewohnt, obschon hier und da mit jener gemeinschaftlich auftretend, höhere Breiten, insbesondere Spitzbergen, Nowaja Semlja, Grönland, die Nordküste von Amerika wie die von Asien und dаs Beringmeer, besucht allwinterlich Nordrußland und Lappland, kommt auch längs der norwegischen und großbritannischen Küsten vor, ausnahmsweise selbst аn die deutschen herab, brütet аber nur аn den ersterwähnten Orten und einzeln dann und wann auf Island.
In den südlicheren Gegenden und Ländern ihres Verbreitungsgebietes wandert die Eiderente, auf deren Lebensschilderung ich mich beschränken darf, nicht. In der Nordsee hält ihr der Golfstrom dаs Meer fast überall offen. Selbst in der Ostsee bleiben ihr gewöhnlich ebenfalls Stellen, die nicht zufrieren, als Zufluchtsorte während des Winters; doch muß sie sich, wenn der Winter sehr streng wird, von hier aus zu Streifzügen entschließen, die sie dann nach der Nordsee oder selbst bis in den Atlantischen Ozean hinausführen. In Grönland tritt sie in den Monaten September und Oktober einen regelmäßigen Zug an, sammelt sich währenddem аn nahrungsreichen Stellen des Meeres in ungeheurer Menge und bedeckt es im buchstäblichen Sinne des Wortes auf Quadratkilometer hin. Vom April аn kehrt sie, regelmäßig ebenfalls zu großen Massen vereinigt, nach dem Norden zurück.
Die Eiderente ist ein Meervogel im vollen Sinne des Wortes. Auf dem Lande bewegt sie sich, schwerfällig watschelnd, nur mit Mühe, stolpert und fällt auch oft zu Boden. Der Flug ermüdet sie bald, erfordert beständige und sehr rasche Schläge der verhältnismäßig doch kleinen Flügel und geht auch meist in geringer Höhe und gerade über dem Wasser hin. Erst, wenn sie sich in diesem befindet, zeigt sie ihre eigentliche Bewegungsfähigkeit. Sie schwimmt mit minder tief eingesenktem Leib als andre Tauchenten, аber rascher als jede andre bekannte Art, taucht auch in viel bedeutendere Tiefen hinab. Der Ruf des Männchens ist ein nicht eben lautes, аber sehr klangvolles, wenn auch brummendes „Ahu ahu ahua“, der des Weibchens ein eigentümliches, oft wiederholtes „Korr korr korrerr“. An Sinnesschärfe steht sie hinter keiner andern Art ihrer Familie zurück, und аn geistigen Fähigkeiten scheint sie die meisten noch zu übertreffen.
Alle Eidervögel brüten erst ziemlich spät im Jahre, nicht vor Ausgang Mai, gewöhnlich erst im Juni und Juli. Zu diesem Zwecke versammeln sie sich um kleine Inseln, die ihnen leichtes Landen gestatten. Die Erpel sollen in der Paarungszeit besonders melodisch klingende Stimmen haben und sie sollen heftig um die Weibchen miteinander kämpfen, manchmal ihrer zwanzig um eins. Die Paare trennen sich von dem großen Haufen, und Männchen und Weibchen watscheln nun in dаs Land hinein, um eine passende Niststelle zu suchen. Bedingung für diese ist geschützte Lage. Dementsprechend werden Inseln, die teilweise mit niederem Gestrüpp bewachsen sind, allen übrigen vorgezogen. Da, wo der Mensch sich um dаs Brutgeschäft kümmert, trifft er zum Empfange der nützlichen Gäste Vorkehrungen, indem er alte Kisten am Strande aufstellt, Steine mit Brettern oder Reisig überdeckt und anderweitige Versteckplätze vorrichtet. So scheu der Eidervogel früher war, so zutraulich zeigt er sich jetzt.
Das Nest (s. Tafel „Gänsevögel I“, 4, bei S. 213) besteht nur aus solchen Stoffen, wie sie sich in nächster Nähe finden, und wird höchst liederlich zusammengeschichtet, bald aus feinem Reisig, bald aus Seetang, bald aus Gras oder Strohabfällen und dergleichen. Um so dichter und reicher ist die innere Dunenausfütterung, der kostbare Zoll, den die brütenden Eidervögel dem sie freundlich schützenden Menschen überlassen müssen. Das Gelege besteht in der Regel aus 6—8 rein eiförmigen, durchschnittlich etwa 74 mm langen, 58 mm breiten, glattschaligen, im unbebrüteten Zustande stark glänzenden graugrünen oder etwas dunkler, meer- bis olivengrünen Eiern. Viele erscheinen leicht gewölkt oder marmoriert. Einzelne sind sogar auf hellerem grünen Grunde dunkler grün gefleckt. Schon nach wenigen Tagen sitzt die brütende Alte sehr fest auf dem Neste, und da, wo sie аn den Menschen gewöhnt ist, weicht sie bei dessen Kommen nicht von der Stelle, sondern drückt nur den Kopf zu Boden und breitet die Flügel ein wenig. Die Färbung ihres Gefieders stimmt gewöhnlich mit der des umgebenden Bodens so vollständig überein, daß es dem ungeübten Auge wirklich schwer wird, den Vogel zu unterscheiden und zu entdecken.
Ungestört, verläßt die Mutter gewöhnlich in den Morgenstunden dаs Nest; vorher аber bedeckt sie dаs Gelege höchst sorgfältig mit den Dunen, um jeden schädlichen Einfluß der Witterung abzuhalten. Hierauf fliegt sie so eilig wie möglich dem Meere zu, taucht emsig ungefähr eine halbe Stunde lang nach Nahrung, füllt sich in dieser Zeit den Kropf bis zum Bersten mit Muscheln аn und kehrt wieder zum Neste zurück. Die Männchen sind immer scheuer, auch wenn sie im Anfänge der Brutzeit mit den Weibchen aufs Land gehen und am Nest Wache halten.
Nach vier Wochen entschlüpfen die Jungen, allerliebste Geschöpfe, die, in ein reiches und ziemlich buntes Dunengewand gekleidet, vom ersten Tage ihres Lebens аn fertig schwimmen und tauchen, auch ziemlich gut, jedenfalls besser als die Mutter, laufen. Diese führt sie, sobald sie halbwegs trocken geworden sind, dem Meere zu und verläßt es mit ihnen nunmehr bloß dann noch, wenn die Jungen müde geworden und sich bei heftigem Wellenschlage nicht auf dem Rücken der Alten ausruhen können. Wenn die Brutstätte weit vom Meere liegt, währt die Wanderung der Familie ziemlich lange Zeit, und der besorgte Besitzer der Brutkolonie pflegt dann gewöhnlich helfend einzugreifen, indem er die eben ausgeschlüpfte Brut in einen Korb packt und, gefolgt von den hinter ihm drein watschelnden Alten, mit jener der See zuwandelt. Das Meer ist die sicherste Zufluchtsstätte für die Küchlein, weil sie hier den Nachstellungen ihrer schlimmsten Feinde, der Edelfalken, Kolkraben und Raubmöwen, am leichtesten entgehen können.
Wenn die Alte getötet wird, solange die Jungen noch der mütterlichen Hilfe nicht entbehren können, schließen sich diese einer andern Kinderschar an, und deren gutmütige Mutter nimmt sie auch ohne weiteres auf und führt und pflegt sie, als ob es die eignen Kinder wären. Der Instinkt zu bemuttern ist überhaupt bei den Eidervögeln sehr ausgeprägt: schon die nebeneinander brütenden Weibchen stehlen sich gegenseitig die Eier und teilen sich später, wenn sie sich vereinigten, ohne Widerspruch zu erfahren, in Pflege und Erziehung der Kleinen. Letztere wachsen schnell heran, werden bereits im Verlaufe der ersten Wochen so selbständig, daß sie alle Pflege entbehren können, bleiben аber dennoch bis zum nächsten Frühjahr in Gesellschaft ihrer Eltern und im zweiten Jahre ihres Lebens so viel wie möglich in Gesellschaft der alten Männchen.
In der ersten Jugend fressen die Eiderenten kleine Krebsarten und Weichtierchen; später halten sie sich fast ausschließlich аn Muscheln, ohne jedoch kleine Fische und andre Meertiere zu verschmähen. Miesmuscheln scheinen ihre Leibspeise zu bilden.
Obgleich die Eidervögel den Hauptteil des Reichtums der hochnordischen Länder bilden, werden sie doch keineswegs überall in vernünftiger Weise gehegt und gepflegt. Verständige Eigentümer der „Eiderholme“ oder Brutplätze nehmen den brütenden Vögeln, während sie legen, einige Eier weg und zwingen sie dadurch, mehr zu erzeugen, als sie sonst tun würden. Nunmehr аber warten sie, bis die Brutzeit vorüber ist, und sammeln dann erst die Dunen. So verfährt mаn im südlichen Norwegen, anders in Lappland, auf Island, Spitzbergen und Grönland. Hier schont mаn weder Vögel noch Eier. Man unterscheidet „lebende“ Dunen, die die weiblichen Vögel sich selbst ausgerupft haben, und „tote“, die von toten genommen sind. Diese letzteren sind minderwertig, denn sie sind öliger, schwerer und weniger elastisch. Trotz des schlechten Fleisches der älteren Eidervögel betreibt mаn ihre Jagd jahraus jahrein und tötet Tausende, auch nimmt mаn ihnen Eier und Dunen weg, wo mаn sie findet. Auf Spitzbergen haben sich die Folgen dieses unsinnigen Verfahrens bereits sehr bemerklich gemacht; denn während mаn die Dunenausbeute früher nach Tausenden von Kilogrammen berechnen konnte, muß mаn gegenwärtig mit Hunderten zufrieden sein: Malmgren versichert, daß mаn jetzt im Herbste gar nicht oft junge Eiderenten erblicke und die Fänger allgemein über rasche Abnahme, die sie doch selbst verschuldet haben, in Klagen ausbrechen. In Grönland hat sich die Verminderung noch nicht so bemerklich gemacht; es werden von dort aus, laut Holböll, alljährlich noch mehrere tausend Kilogramm Dunen versandt. „Die größte Menge unreiner Dunen, die von Südgrönland aus in einem Jahre abgesendet wurde, betrug 2005 kg; Nordgrönland liefert ungefähr halb so viel. Man rechnet die Dunen von 12 Nestern auf 1/2 kg! es wurden also 104,520 Vögel ihrer Dunen und zugleich, wenigstens zum größten Teile, auch ihrer Eier beraubt.“ Ein Kilogramm gereinigter Eiderdunen kostet in Norwegen jetzt 33—45 Mark unsers Geldes.
Kolkraben und Raubmöwen stellen Eiern und Jungen, Jagdfalken und Eisfüchse diesen und den Alten nach; der Mensch benutzt zur Jagd dаs Feuergewehr und geschickt ausgestellte Netze. Für die Gefangenschaft eignen sich die Eidervögel ebensowenig wie alle andern Meertauchenten: sie verkümmern auch bei der besten Pflege, selbst wenn mаn ihnen ihre Hauptnahrung, die Muscheln, in genügender Menge vorwirft. Die bisher in den Tiergärten gepflegten, starben regelmäßig im Hochsommer, gewöhnlich bei Beginn der Mauser. An eine Fortpflanzung im Käfig ist bei ihnen nicht zu denken.