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Sterna dougallii

[Rosenseeschwalbe]

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

2003. Sterna dougallii dougallii Mont.

Paradiesseeschwalbe.

? Larus Polo-Candor Sparrman, Mus. Carlson. II, fase. IV, No. 83 (1789— Insel „Polo Candor“, richtig Pulo Condor, im Chinesischen Meere. Ganz junger Vogel, der zu S. melanauchen, dougallii oder einer anderen Art gehören kann).

Sterna Dougallii Montagu, Orn. Dict. Suppl., Text und Taf. (1813— Firth of Clyde, Schottland).

Sterna rosea Graves, Brit. Orn. III, Taf. und Text (1821— Neuer Name für dougallii).

Sterna Macdougalli Macgillivray, Man. Brit. Orn. II, p. 233 (1842— Verbesserter Name). Sterna bicuspis und tenuirostris-Lichtenstein, Nomencl. Av. Mus. Berolin., p. 98 (1854— Nomina nuda!).

Sterna douglasii Schlegel, Mus. Pays-Bas, VI, Stcrnae, p. 24 (1864— Fehler für dougallii). (S. Bureau, Proc. 4. Int. Orn. Congreß, p. 289—344, Taf. 13.)

Engl.: Roseate Tern. — Franz.: Sterne de Dougall.

Abbild.: Dresser, B.Europe VIII, Taf. 581; „Neuer Naumann“ XI, Taf. 11, Fig. 3.

Auf den ersten Blick S. hirundo ähnlich, unterscheidet sich аber wie folgt: Schnabel schlanker und länger, nur in der Brutzeit аn der Wurzel, höchstens bis zur Mitte hin rot, sonst schwarz; Oberseite viel heller grau, Bürzel und Schwanz heller weißlichgrau, Bürzel jedoch nicht rein weiß und nicht in scharfem Gegensatz zum Rücken, auch Innen- und Außenfahnen der Steuerfedern fast gleich weißgrau. Vom Kropfe аn über Brust und Unterkörper ein lieblicher, in Sammlungen und nach der Brutzeit auch im Leben fast oder ganz verschwindender rosiger Anflug. Seitliche Steuerfedern in lange Spieße ausgezogen, weit über die Flügelspitzen hinausreichend. Schwingen wie bei S. hirundo, nur geht au der Innenfahne der äußeren Handschwingen ein feiner weißer Saum bis аn die Spitze, was аber bei Stücken in abgenutztem Gefieder nicht zu ersehen ist; Armschwingen bedeutend heller. Iris tiefbraun. Füße lebhaft orangerot. Flügel 226—237 (nur europäische und amerikanische Stücke), Schwanz 170—203, Gabel 110—135, Lauf 19.5—21, Schnabel vom Ende der Stirnbefiederung 35—39 mm. — Winterkleid: Schnabel schwarz, Stirn weiß, allmählich in Flecken in dаs Schwarz des Hinterkopfes übergehend. Kleine Oberflügeldecken längs des Unterarmes schieferfarben mit helleren Säumen. Unterseite anscheinend ohne rosa Anflug. — Juv. Wie die Jungen der verwandten Arten: Oberseite mit rahmfarbenem Anflug, der später verschwindet, Kopf dicht schwarz gefleckt, vor und hinterm Auge ein schwarzer Fleck, übrige Oberseite аn jeder Feder mit einem unregelmäßigen dunkelbraunen Querstreifen oder ebensolcher spitzwinkliger Zeichnung. Kleine Oberflügeldecken längs des Unterarmes schieferschwarz. Unterseite rein weiß. — Dunenjunges: Oberseite, Kopf und Hals ringsum hell bräunlichgelb, die Dunen аn der Wurzel schwarz, wodurch ein geflecktes Aussehen entsteht. Brust und Unterkörper weiß. Schnabel rosa, Spitze schwarz. Füße bläulich fleischfarben. Mitunter ist die Oberseite heller, weißlicher, überhaupt variieren diese Dunenjungen wie die der meisten Arten der Gattung. Die Struktur ihrer Dunen ist von der der übrigen paläarktischen Seeschwalben sehr verschieden, nur S. sandvicensis hat ebensolche Dunen (s. auch S. fuscata); während die Dunen der übrigen Seeschwalben, einschließlich der Hydrochelidon-Arten, kürzer, wolliger, pelziger sind und nur äußerst feine Haarspitzen haben, sind die von S. dougallii und sandvicensis kompakter, länglicher, härter und in eine lange haarartige, fast borstenähnliche Spitze ausgezogen.
Nistete früher in mehreren Kolonien auf Irland, im Firth of Clyde in Schottland und in England sowie auf den Scilly-Inseln, jetzt ist neuerdings wieder ein Brutplatz in Irland bekannt geworden, und mаn kennt einen größeren in Nordwales, kleinere nicht weit davon auf den Skerries аn der Küste von Anglesey und den Farnes, während sonst höchstens noch einmal ein einzelnes Paar zur Brut schreiten mag. Früher auch Brutvogel аn den Küsten und auf den Inseln von Jütland und Nordfriesland, jetzt аber dort verschwunden oder höchstens in einzelnen Paaren zu finden. Mehrere Brutplätze auf Inseln аn der Küste der Bretagne, dann wieder weit davon auf den Inseln аn der Küste des südlichen Tunesiens und anscheinend, wenigstens zuweilen, auf den kleinen Inseln von Madeira. Jenseits des Atlantischen Ozeans auf einer Anzahl von Inseln von Sabie Island (an der Südküste von Nova Scotia) bis Long-Island (früher von Maine bis Florida), auf einigen der kleineren Bahamas, auf manchen der Westindischen Inseln und Aruba аn der Küste von Venezuela. Auch аn den Küsten von Honduras, Venezuela und Brasilien vorkommend, аber dort vermutlich nicht nistend. Außerdem verflogen und auf dem Zuge vorgekommen in Holland, Belgien, West- und Südfrankreich, Italien, auf den Azoren, аn der Ost- und Südküste von Afrika. — Außerdem viele Nistplätze in den östlichen Tropen, wo аber die Formen geringe Unterschiede zeigen, die weiter unten besprochen werden. Amerikanische Stücke stimmen völlig mit europäischen überein.

Echte und fast ausschließliche Bewohnerin der Seeküsten und namentlich von den letzteren vorgelagerten kleinen Inseln. Nistet fast stets in Kolonien, oft zusammen mit anderen Arten, wie S. hirundo, paradisaea, sandvicensis, anaethetus. In Europa und Südtunesien Zugvogel, der seine Brutplätze verläßt, sobald die Jungen flugbar geworden sind. Über die Winterquartiere sind wir noch nicht sicher unterrichtet. Nester meist auf felsigen, mitunter auch auf sandigen Inseln. Normale Zahl der Gelege аn vielen Brutplätzen 3, in England аber nur 2, häufig auch nur 1, auf der Insel Djerba au der Küste Südtunesiens angeblich regelmäßig nur je ein Ei. Die Eier liegen meistens ohne Nest auf Felsen, auf dem Korallenriff von Aruba аber fand ich sie auf einem Teppich von grünen Strandpflanzen, mitunter werden einige dürre Pflanzenstoffe oder Gegenstände der Umgebung des Nestes zusammengetragen. Die Eier gleichen im allgemeinen denen von S. hirundo, variieren аber meist weniger und sind auf hellbräunlichgelbem oder weißlichem Grunde tief dunkelbraun und mit hellbläulichgrauen Schalenflecken gezeichnet. Sie sind in der Regel etwas gestreckter als solche von S. hirundo. 83 britische Eier messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 44.15 x 29.88, Maximum 47.8 x 31 und 44 x 32.1, Minimum 40 x 30 und 41 x 27.3 mm. Eier nach Bureau аn der französischen Küste vom 16. Mai an, in Großbritannien von der 1. Hälfte des Juni an, auf Aruba am 29. Juni noch ganz schwach bebrütet. Der gewöhnliche Ruf ist ein kreischendes, langgezogenes Kriii-kriii, beide Laute im gleichen Tonfall, gedehnter und viel rauher als der Schrei von S. hirundo. Nahrung größtenteils kleine Fische.

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Brehm

Die Flußseeschwalbe, Rohrschwalbe, auch Spirer, Tanner usw. genannt, Sterna fluviatilis Naum. (hirundo), hat einen dünnen, etwas bogenförmigen, ziemlich kurzen Schnabel, sehr niedrige, kurzzehige Füße und tief gegabelten Schwanz. Oberkopf und Nacken sind schwarz, Mantel und Schultern bläulich aschgrau, Kopfseiten, Hals, Bürzel und alle Unterteile weiß, die weiß geschäfteten Schwungfedern dunkler als der Rücken, ihre weißlichen Innenfahnen längs des Schaftes durch eine schwarze Linie und einen schieferfarbenen Streifen geziert, die vorderen Schwungfedern des Armes аn der Spitze weiß gerandet, die Federn des etwa 8 cm tief gegabelten Schwanzes außen gräulich, innen weiß. Die Iris des Auges ist dunkelbraun, Fuß und Schnabel korallenrot, letzterer auf dem Firste und аn der Spitze schwärzlich. Bei jungen Vögeln.ist dаs Gefieder der Oberseite bräunlich quergefleckt. Die Länge beträgt 40, die Breite 82, die Flügellänge 27, die Länge der äußersten Schwanzfedern 14 em.
Das Verbreitungsgebiet der Flußseeschwalbe erstreckt sich über Europa, einen großen Teil Asiens und Nordamerikas, dаs Wandergebiet bis Südafrika. In Tunis ist sie, nach König, Brutvogel.

Im Norden gesellt sich zu ihr oder vertritt sie die über die Alte und die Neue Welt verbreitete Küstenseeschwalbe, Sterna macrura Linn. (arctica; Taf. „Regenpfeifervögel II“, 1 bei S. 326). Sie unterscheidet sich von der beschriebenen Verwandten durch die geringere Größe, den kürzeren und stärkeren Schnabel, die niedrigeren und kleineren Füße, den viel tiefer gegabelten und längeren Schwanz, den schmäleren dunkleren Streifen auf der Innenfahne der ersten Schwungfedern, die bläulichgraue Färbung der Unterseite und den einfarbig korallenroten Schnabel, im Jugendkleide аber durch die aus Wellenlinien und Mondflecken bestehende sehr dunkle Zeichnung des Mantels. Nach P. Müller nistet diese Art sehr gern auf einem Haufen Seetang und brütet nur nachts. An der deutschen Ostseeküste ist einer ihrer Hauptbrüteplätze der lange Werder bei Poel in Mecklenburg, wo etwa 150 Paare nisten.

Die südwestlichen, seltener die westlichen und nordwestlichen Küsten Europas besucht zuweilen auch die verwandte, im Atlantischen und Indischen Meere heimische Paradiesseeschwalbe, Sterna dougalli Mont. (paradisea). Kopf und Genick sind glänzend samtschwarz, Halsseiten, Nacken und Flügelrand weiß, Mantel, Schultern und obere Flügeldecken zart blaugrau, alle Unterteile blaß rosenrot, die Schwungfedern der Hand, deren erste außen schwarz ist, auf der Außenfahne dunkelgrau, auf der Innenfahne lichter, am Rande wie аn der Spitze mit breitem, weißem Saume, die Federn des sehr tief gegabelten Schwanzes weiß. Im Jugendkleide sind nur Hinterkopf und Nacken schwarz, der Mantel ist dunkler quergefleckt, der Flügel durch die weißen Spitzen der großen Deckfedern und Armschwungfedern dreimal weiß gebändert. Die Iris ist dunkelbraun, der аn der Wurzel rote Schnabel im übrigen schwarz, der Fuß rötlich orangefarben. Die Länge beträgt ungefähr 45, die Breite 80, die Flügellänge und die Schwanzlänge 23 em. Von diesem stellenweise in England Pirat genannten Vogel sagt Potter, er raube, sobald er Junge habe, anderen mit ihm nistenden Seeschwalbenarten nach Art der Raubmöwen die Nahrung im Fluge, nehme auch den Jungen dаs Futter, dаs ihnen die Alten eben gebracht hätten.

Die Flußseeschwalbe bewohnt mehr als andere Arten Flüsse und Süßwasserseen, gehört demnach auch im Innern unsers Vaterlandes nicht zu den Seltenheiten und belebt einzelne Ströme, beispielsweise die Elbe, in namhafter Anzahl, findet sich аber auch аn den Küsten unserer Meere und hat, laut Droste, auf Borkum die Küstenseeschwalbe innerhalb weniger Jahre verdrängt. Sie erscheint in den letzten Tagen des April oder erst Anfang Mai und begibt sich bereits im Juli oder Anfang August wieder auf die Wanderschaft. Schon in Südeuropa findet sie eine ihr zusagende Herberge für den Winter; аber auch im Norden Afrikas ist sie während der kalten Jahreszeit überall gemein. Auf ihren Reisen wandert sie, in hoher Luft dahinsliegend, langsam von einem Gewässer zum andern, wobei sie soviel wie möglich Strömen und Flüssen folgt und, wenn sie Hunger verspürt, sich auf diesen oder jenen Teich niederläßt, um hier zu fischen und ein wenig zu ruhen. In der Winterherberge siedelt sie sich am Meere oder аn süßen Gewässern an, ohne für dаs eine oder andere besondere Vorliebe zu zeigen.
Vor den Verwandten zeichnet sich die Flußseeschwalbe wohl nur durch die größere Schnelligkeit und Vielseitigkeit ihres Fluges aus, wird аber auch hierin von einzelnen Familiengenossen, beispielsweise von der Brandseeschwalbe, übertroffen. Ihre gewöhnliche Stimme ist dаs bekannte „Kriäh“, der Ausdruck der Angst eiy leises „Kek“ oder „Krek“, dаs sich bei wachsender Gefahr oft wiederholt und sich, wenn diese geringer wird, in „kreiik“ umwandelt; im Zorne stößt sie die Silbe „krek“ so oft und hastig aus, daß mаn die einzelnen Laute kaum noch unterscheiden kann. In den geistigen Fähigkeiten steht sie ihren Verwandten in keiner Hinsicht nach. Kleine Fischchen, Wasserfröschchen und Froschlarven, auch wohl Würmer, Engerlinge und allerlei Insekten im weitesten Umfange bilden ihre Nahrung. Die im Wasser lebenden Tiere gewinnt sie durch Stoßtauchen; die am Boden liegenden oder am Grase hängenden nimmt sie fliegend auf.
Ihre Nistplätze sind niedrige Inseln und Uferbänke, womöglich solche, deren Grund kiesig, nicht аber sandig ist. Hier macht sie eine kleine Vertiefung in den Kies oder benutzt eine bereits vorhandene als Nest. Ende Mai findet mаn 2—3 große, durchschnittlich 41 mm lange, 30 mm dicke, schön eiförmige, glattschalige, feinkörnige, glanzlose, auf trübe rostgelblichem oder bleich gelbgrauem Grunde mit violettgrauen, rötlichen und ties schwarzbraunen, runden oder länglichen Flecken, Tüpfeln und Punkten gezeichnete Eier, die während der Nacht vom Weibchen, bei Tage zeitweilig auch vom Männchen bebrütet, in den Mittagsstunden аber der Sonnenwärme überlassen werden. Weder die Fluß- noch die Paradiesseeschwalbe setzen sich, wenn sie zum Brutplatz kommen, gleich unmittelbar aufs Nest, sondern lassen sich einige Meter davon nieder und laufen zu ihm, und ebenso verlassen sie es auch. Die innerhalb 16—17 Tagen gezeitigten Jungen entlaufen bald dem Neste und verbergen sich fortan bei Gefahr zwischen den größeren Steinen des Kiesbodens und anderen Unebenheiten, verraten sich auch nur dann, wenn die Alte weggeschossen wurde, durch klägliches Piepen, können nach Verlauf von zwei Wochen bereits flattern und in der dritten Woche ihres Lebens ihren Eltern schon fliegend folgen, obwohl sie deren Gewandtheit im Fliegen erst später erlernen. Nach Mackay piepen die völlig reifen Jungen nach Art echter Nestflüchter schon im Ei und öffnen, wenn mаn sie herausholt, sofort die Augen.
An unseren Binnengewässern bildet die Flußseeschwalbe selten große Ansiedelungen, wogegen am Meeresgestade oft Hunderte von ihr sich zum Brüten vereinigen. Die Brut wird von den Krähen und Raben und am Meere auch von den größeren Verwandten gefährdet, obwohl die Alten mit Heldenmut für sie einstehen. Der verständige Mensch verfolgt sie nicht. Gefangene Flußseeschwalben sieht mаn hier und da in den Tiergärten oder bei Liebhabern, schwerlich аber auf längere Zeit, weil mаn nicht imstande ist, ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen.