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Bezzel
Sterna albifrons Pall – Zwergseeschwalbe
8-9 Subspezies; Mitteleuropas, a. albifrons Pall.
Status in ME. Seltener bis häufiger Brutvogel аn der Küste und z. T. im küstennahen Binnenland bzw. im SE (5 + ausgestorben 3); häufiger Gast аn der Küste, selten im Binnenland.
Kennzeichen. Nur stark mauerseglergroß, zierlich, schlankflügelig. Ad Brutkleid: Schwarze Kopfkappe mit weißer Stirn; Vorderkante des Handflügels dunkel, Oberseite hell bläulichgrau; Bürzel, Schwanz und Unterseite weiß. Ad. Ruhekleid: Stirn weiß, Scheitel ± weißlich, unscharf abgegrenzt. Juv. Stirn bräunlich, Scheitel hell, Oberseite dunkelgrau geschuppt, Flügelbug schwärzlich. • Schnabel juv. bräunlich, ad. Brutkleid gelb, Spitze schwarz, Ruhekleid hellbräunlich. Füße juv. fleischfarben, ad. orangegelb. Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br. Eura- sien/N-Afrika bis Mongolei und NW-ln- dien, ferner Küsten E- und SE-Asien von Sri Lanka bis Amurland, Sundain- seln, Neuguinea, N- und E-Australien; trop. W-Afrika bis Tschadsee; S USA und Mittelamerika. In Mitteleuropa heute Br. vor allem аn der Nord- und Ostseeküste; im Binnenland größtenteils verschwunden (nur noch P, H). An der Küste r., im Binnenland bis аn den Alpenfuß s. Dz. (auch Sommerdaten, wohl verspätete Heim- bzw. frühe Wegzügler). Brutbestand Europa (einschließlich W-SU) um 1975 9000-10000 BP.
CH: 19. Jh. Br. Genfer See F. B: 51 (1950), 21 (1960), 17 (1962), 0 (1965/71), 1 (1973), 2 (1972); seit 1974 keine erfolgreiche Brut, 2 Brutversuche 1979. NL: mind. 1000 (1950), cs. 50 (1965; Pestizidabwässer!), 150-200 (1972), cs. 320 (1978). • D: cs. 600 (1979), gesamte Nordseeküste 735 (1982); Schl.-Holst. Nordseeküste 225-240 (1976), > 200 (1979), Ostseeküste cs. 100 (1979); Hbg. 24-76 (1964/70), ca. 45 (1979). Nds. > 315 (1964), 260-300 (1979); Nrh. 19. Jh., je 1 (1952/56), Brutzeitbeobachtungen 1954/57; Rhl.-Pf., Ba.-Wü., Bay. 19. Jh. Br. • DDR: nur Ostseeküste r. Br. 140-150 (1963/64), < 100 (1968/72), 120 (1973), 108 (1979); Binnenland bis Anfang 20. Jh. (Bra. bis 1945) Br., hier 3 (1965), 2 (1967), 1 (1968) + Brutversuche 1969/70. • PL: Ostseeküste 25-30 (1973), Weichselmündung ca. 140 (1975/80), Binnenland 500-600 (1973). • CS: аn der Donau bis 20 Jh Br. • A: ebenso; letzte Brut Neusiedler See 1962.
H: u. a. 1 (1970); wenig neuere Brutnachweise. IRL: 300 (1969/71). GB. ca 1400 (1969/74). • S.: 530 (1973). SF: 25 (1973).
DK: 600-800 (1973). F: ca. 700 (1980), 1110(1982 Details Muselet 1983). • P: 350 (1976/80). • E.: mind. 600 (um 1975). – I: 2400-2800(1980/81). • R/BG: mind. 300. • SU: Estn. SSR ca. 400 (1967/69). Lett. SSR ca. 240 (1978/79), Lit. SSR ca. 20.
Wanderungen. In der Paläarktis Langstreckenzieher; Winterquartier im tropischen Afrika, im E bis Madagaskar, Mosambik und S-Afrika, im W meist nur bis Nigeria, wenige bis Kap. Hauptüberwinterungsgebiet Br. Europas Se- negambien bis Ghana. In Europa in geringer Zahl durch dаs Binnenland ziehend, in Afrika offenbar ganz аn Küste gebunden. Br. Mitteleuropas ziehen vor allem entlang der europäischen W- Küste. Afrika-Funde: Trischen-MA (Sept.); DK-Ghana (März); I-Guinea (Jan.); GB-Senegal (April); F-Elfen- beinküste (Mai). Wegzug beginnt ab 2. Julidekade, Höhepunkt Ende Juli, Ende Aug. schon im wesentlichen abgeschlossen; Okt.beobachtungen sind s. (ausnahmsweise Nov.). Erstankunft in S-F1. Aprilhälfte, NL Mitte April; аn den Brutplätzen der Nordsee meist ab Ende April, Einzug im Mai erst abgeschlossen; Nachzügler später.
Biotop. Nistplätze аn vegetationsarmen Stellen der Küste und des Binnenlandes (z. B. Schutt, Sand, Kiesbänke von Flüssen); Nahrungsgründe im Flachwasser vor der Küste, аber auch аn flachen Strandseen, Ableitungsgräben und nicht zu schnell fließenden Flüssen.
Nahrung. Kleinfische, Crustaceen; im Binnenland auch Insekten.
Stimme. Etwas heisere, hohe Rufe, z. B. einsilbig kurz »pit«, »tschich« o. ä. und länger »pürrit pürrit«. <5 lockt weich und hell »dirrittitit…«. Beunruhigt »wiet« oder »wäd« bzw. kürzer »wätt« (auch gereiht). Bei Verfolgung von Flugfeinden lang anhaltend »tittittit…«.
Verhalten. Tagaktiv. Rüttelt ausdauernd; rascher Flügelschlag. Stoßtauchen aus 5-6 m hohem Suchflug. Gesellig, аber keine ausgesprochene Großkolonien. Brutnachbarn oft Flußseeschwalben oder Sand- bzw. Seeregenpfeifer. Balz und Paarbildung nach Rückkehr im Brutgebiet. Fischflüge mitunter als regelrechte Verfolgungsjagden mehrerer Ind. In Kolonien werden Bodenfeinde mit Sturzflügen attak- kiert.
Fortpflanzung. Brütet s. mit 1 Jahr, meist mit 2/3 Jahren erstmals. Monogame Saisonehe; Gattentreue als Folge von Brutortstreue. 3-4 Wochen nach Rückkehr Reviergründung und Nistplatzwahl. Nest auf kahlem Untergrund, mitunter zwischen locker stehenden Vegetationsbüscheln; flache Mulde, meist ohne besondere Auskleidung bzw. mit nur wenig Materialstückchen. Eier grauweiß bis lehmfarben; mit dunklen Punkten und kleinen Flecken fein gezeichnet. Gelege (1)2-3 Eier; z. B. I4922,72. Legebeginn Mitteleuropa Anfang bis Ende Mai, Nachgelege Juni. 1 Jahresbrut; 1-2 Ersatzgelege. Brutdauer 20/22 d, Legeintervall 1 d. ♂ und ♀ brüten, ♀ zuerst länger (wird vom ♂ mit Nahrung versorgt). Junge werden oft sehr rasch vom ± deckungslosen Nest weggeführt; mit 15/17 d können sie flattern; mit 28 d Schwingen voll ausgewachsen. Ad. füttern Junge аber noch bis zum Wegzug. • Bruterfolg: Durch Menschen auf den Flachstränden, аber auch durch Überflutung, Wind usw. Verluste oft sehr hoch bzw. Totalverluste von Kolonien. Bei geschützten Kolonien z. B. Nachwuchszahl oft > 1 flügges juv./BP x Jahr.
Sterblichkeit, Alter. Mittlere ad. Sterblichkeit auf ca. 20 % geschätzt. Älteste Ringvögel 22, 2mal > 20.
Mauser. Jugendmauser Kleingefieder Okt./Dez.; im Winterquartier Beginn der Schwingenmauser, die bis Juli/Aug. (HS 10) dauert; von März аn werden HS 1-7/8 nochmals erneuert, wenn von der vorhergehenden Generation gerade HS 7/8 wächst. • 1. Ruhemauser als Kleingefiederwechsel etwa ab März. • Ad. Brutmauser (Vollmauser) Körpergefieder Aug./Dez.; ab Juli HS-Mauser mit HS 1 und 2. Im Winterquartier dann Fortsetzung bis Dez./Jan., doch schon ab Nov. werden die wenige Monate alten inneren und mittleren HS erneut gewechselt und ab Jan. nochmaliger Wechsel der inneren HS (die also zwischen 2 Brutperioden 3mal erneuert werden, Streichert 1982). • Ad. Ruhemauser: Kleingefieder Ende
März/Mitte April. Nach Abschluß besteht der Flügel aus 3 HS-Generationen: HS 9/10 erste, HS 5-8 zweite, HS 1-4 dritte.
Literatur (34). D. Muselet, O 53, 1983: 309-322. • J. Streichert, Beitr. Natkde Nds. 35, 1982: 41-53.
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Niethammer/Boxberger
Sterna albifrons Pallas — Zwergseeschwalbe
Verbreitung des Rassenkreises. Europa, dаs westliche und südliche Asien (im Osten nordwärts bis Japan und Korea), die indische und australische Region, Afrika, Nord- und Mittelamerika, südwärts bis Venezuela. — Etwa 9 Rassen.
Sterna albifrons albifrons Pallas — Zwergseeschwalbe.
Sterna minuta L., Naumann XI, S. 119; Keichenow S. 33.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Stirn weiß; dies Weiß ist in V-Form bis über die Augen ausgedehnt; Augenstreif und Kopfplatte bis zur Mitte des Nackens schwarz, Schwanzdecken und Steuerfedern weiß, übrige Oberseite hellgrau; Hals- und Kopfseiten unterhalb des Auges sowie die ganze Unterseite weiß; die 2 oder 3 äußersten Handschwingen schwarz, die übrigen grau, alle mit weißem Innensaum ; Schnabel gelb mit meist 6—10 mm langer schwarzer Spitze; Füße gelb; Iris dunkelbraun. — Ruhekleid: Kopfplatte schwarzbraun mit Weiß untermischt, vor den Augen je ein schwarzgrauer Fleck. Kleine Oberflügeldecken längs des Unterarmes dunkelgrau. Schnabel überwiegend oder ganz schwarz. — Dunenkleid: „Oberseite blaß sandgelb mit feinen grauschwarzen Zeichnungen; Unterseite weiß“ (Hartert). — Jugendkleid: Stirn mit schwachem, Oberkopf mit stärker rahmfarbenem Anflug, Hinterkopf halbkreisförmig bis zu den Augen schwarz mit ganz feinen weißen Federenden; die übrige Oberseite (vor allem Schultern) mit abwechselnd schwarzer und rahmfarbener Federzeichnung; Bürzel, Oberschwanzdecken und Steuerfedern mit Ausnahme der äußersten, die ganz weiß sind, nahezu ungefleckt hellgrau. Füße bräunlich gelb, Schnabel bräunlich. — Im 1. Winter gleichen die Vögel bis auf mehr oder weniger vom Jugendkleid übernommene Federn ganz den alten Wintervögeln. — Mauser‘. Jugendmauser (Teilmauser) August bis Oktober; Ruhemauser (Vollmauser) Januar bis März; Brutmauser (Vollmauser) August bis Dezember (Witherby). — Maße: Flügel ♂ und ♀ 164—180 mm; Schwanz 75—95 mm, Tiefe der Schwanzgabel 23—50 mm; Schnabel 27—32 mm; Lauf 15—18 mm (Witherby). Gewicht etwa 40 g oder etwas darüber, ein ♂ aus Pommern wog 48 g (Banzhaf).
Feldornithologische Kennzeichen. Mauerseglergroß, аber längere Flügel! Sehr zierlich. Schwarzgespitzter Schnabel und Füße gelb. In allen Kleidern weiße Stirn. Schwarze Kopfplatte. Juv. oberseits hellbräunlich gerandet. Gewandter Flug. Gesellig. — Stimme‘, oft zu hören; hart und knärrend wie ,,pit grast“, ,,krrjä“, „chräk“ oder „wriet“, dazu „witt“ oder „wätt“ und ,,trrr“ oder „krrt“. Es können auch Lautreihen wie „käckeräckäckäck“ vorkommen. Vgl. Schumann, Dtsch. Vogelw. 1939! Juv. piepen.
Allgemeine Verbreitung. Nordafrika, Cypern und Sardinien. Europa, vor allem im Gebiet von Nord- und Ostsee, lokal (mitunter in größeren Gebieten fehlend) in Mittel- und Südeuropa. Nordwärts bis Irland, Orkneyinseln, Dänemark, Südschweden und Nordrußland. In Asien ostwärts bis Westsibirien (Tobolsk) und Nordwestindien.
Verbreitung in Deutschland. Die Zwergseeschwalbe ist Brutvogel im ganzen deutschen Küstengebiet der Nord- und Ostsee, auch аn Landseen und größeren Flüssen der norddeutschen Tiefebene. Ostpreußen: in geringer Zahl аn der Memel, am Kurischen und Frischen Haff sowie аn der Weichsel. — Danzig: 1936 eine kleine Kolonie auf einer Insel der Weichselmündung (Orn. Mber. 1939, 8. 48). — Pommern: Brutvogel аn der Küste und аn Binnenseen in geringer und ständig abnehmender Zahl; östlichster Binnenlandbrutplatz am Buckower See. Auf Hiddensee in den letzten Jahren etwa 8 Paare. — Mecklenburg: auf dem Langenwerder heute nur noch in einigen wenigen Paaren. Die Brutplätze im Binnenland sind gegenwärtig fast alle verwaist, die letzten Gelege wurden auf dem Schweriner See und in der Müritz (1931) gefunden (Kuhk). — Schleswig-Holstein: Auf der Lotseninsel bei Schleimünde fand Ringleben (1939) 1937 42 Gelege. Nach Krohn nistete die Art unregelmäßig, stets in wenigen Paaren oder einzeln, аn der Küste bei Hohwacht und Husum. Weitere Brutplätze beherbergen die Halligen und Nordfriesischen Inseln sowie die Elbinseln Neuwerk, Scharhörn und Irischen (hier die größte Kolonie), ferner die Ostfriesischen Inseln, unter denen der Memmert mit 293 Gelegen im Jahre 1914 die stärkste Kolonie aufwies (auf Mellum 1933 35 Paare). Flußregulierungen und Wasserverschmutzung haben sie von vielen ehemaligen Binnenbrutplätzen vertrieben. So brütet sie in Sachsen und auch in Schlesien (seit 50 Jahren) nicht mehr [möglicherweise hat sie 1939 im Ohle-Schutzgebiet genistet (Bor. Vor. Schles. Orn. 1940, S. 26)]. In der Ostmark ist sie noch heute in einigen wenigen Paaren auf Donauinseln und am Neusiedler See Brutvogel (Orn. Mber. 1940, S. 109). — Auf dem Zuge wurde sie in fast allen Teilen des Reiches nachgewiesen (so besonders аn Rhein, Main, Donau, auch in Anhalt, Provinz Sachsen, Braunschweig, Mark Brandenburg usw.).
Wanderungen. Zugvogel. Überwintert vor allem аn der Westküste, seltener аn der Ostküste Afrikas und in Vorderasien; doch liegen nur wenige Berichte darüber vor, ebenso wie über dаs Verhalten der Art im Winterquartier. Ankunft am Brutplatz des Nord- und Ostseegebietes Ende April/Ende Mai; oft noch bis in den Juni Durchzug brütender wie nichtbrütender Vögel. Der Abzug beginnt Ende Juli und dauert bis Ende September, selten Oktober. Der Zug geht im allgemeinen wie bei St. hirundo längs der Küsten, gelegentlich jedoch auch durchs Binnenland. — Ringfunde schwedischer, deutscher, holländischer und englischer Brutvögel liegen von der französischen Nord- und Westküste, von Portugal, Spanien und Marokko aus den Monaten August/September (einer Oktober) vor, beweisen also ein rasches Wandern. Wie bei St. hirundo und macnira Ansammlungen zur Herbstzugzeit in Flußmündungen.
Biotop. Vorzugsweise Meeresküste, аber auch Landseen und Flußufer, soweit dort klares Wasser und Sand- oder Kiesstrand vorhanden ist, am liebsten Stein- oder Muschelfelder. Hält sich von belebten Plätzen und Brutkolonien anderer Steminae fern, liebt ruhige einsame Orte, möglichst ohne Pflanzenwuchs.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife: nach Marples (Sea Terns or Sea Swallows, 1934) am Ende des 1. Lebensjahres. Heinroth gibt jedoch an, daß viele erst im 2. Jahre Brutreife erlangen, und Goethe (Vogelinsel Mellum, 1939) erwähnt als Besonderheit dаs Brüten zweijähriger Vögel, während er im allgemeinen spätere Geschlechtsreife annimmt. — Die Balz beginnt nicht sofort nach der Ankunft (Ende April bis Mitte Mai), meist gegen Mitte/Ende Mai. Wesentlich ist dabei dаs Fischübergeben, dаs Lewis (1920) so schildert: die ♀ stehen am Strand und werden dort von den ♂ aufgesucht, die kleine Fische bringen. Ein ♂ stellt sich dann parallel neben ein ♀ und hält ihm den Fisch hin. Dieses nimmt ihn, worauf die Fütterung wiederholt wird. Lehnt es ab, so läuft dаs ♂ erregt herum, auch ein Stück abseits, um den Fisch nochmals anzubieten. Dauert die Annahme zu lange, so fliegt dаs ♂ fort, um mit einem anderen Fisch wiederzukommen oder sich ein neues ♀ zu suchen, und verschluckt den Fisch dann selbst. Wenn dаs ♀ den Fisch genommen hat, steht dаs ♂ mit hocherhobenem Hals und Kopf, den Schnabel aufwärts gerichtet, wie triumphierend da. Dies wird als Paarfindung angesehen und jetzt öfters wiederholt. Das ♀ läßt dabei die Flügel etwas hängen. An eine solche Futterzeremonie schließt sich dann oft unvermittelt die Begattung. Gelegentlich gibt dаs ♂ den Fisch vor der Paarung nicht ab, hält ihn während derselben im Schnabel und verfüttert ihn erst danach. Desselberger (Gefied. Welt 1929) und Goethe bestätigen diese Angaben bis in die Einzelheiten. Sie fügen hinzu, daß dаs ♂ am Strand den Fisch mit ausgebreiteten Schwingen dem ♀ anbietet, daß nach der Begattung meist beide Vögel ausgiebig zu baden und sich zu putzen pflegen. Gelegentlich werden „Balzgruppen“ gebildet, und es scheint, als ob sich die Tiere hier gegenseitig anregen. Bei den Balzflügen fliegt die Art nach Culemann (J. Orn. 1928) am höchsten von allen Sterninae (siehe diese Arten!), über St. hirundo, die ihrerseits wieder über St. sandvicensis fliegt. Marples gibt an, daß die Flüge kürzer sind, die Fischabgabe beim Füttern rascher als bei den anderen Sterna-Arten und ohne Zögern erfolgt. — Nest: gewöhnlich auf sandigem oder kiesigem Boden dicht аn der Flutkante, vorzugsweise zwischen kleinen Steinanhäufungen und auf Muschelfeldern (nach Goethe auf Mellum auch einmal zwischen Pflanzen). Es ist eine flache, oft kaum sichtbare Mulde, die meist Steine (kleiner als die Eier) oder Muschelteile enthält, nur ausnahmsweise einige Hälmchen. In dieser Umgebung sind die Eier nahezu unsichtbar, auf Sand dagegen deutlich zu erkennen. Als einzige Sterna-Art kаnn St. albifrons versandete und zugewehte Gelege wieder ausgraben (Goethe, Marples). Die Nester stehen im allgemeinen mehrere Meter voneinander entfernt, in kleineren Gruppen von wenigen bis 20, аber auch über 50 für sich, fern von den Kolonien anderer Seeschwalben. Gelegentlich brütet unter ihnen Charadrius hiaticula oder Oh. alexandrinus. — Vollgelege: meist 2, oft аber auch 3, sehr selten 4 Eier. Nach Marples enthielten von 64 Nestern 28% 3 Eier, 48% deren 2 und 23% nur 1 Ei. Eine Brut ist die Regel. Infolge ihrer Lage sind die Nester stärker durch Hochwasser gefährdet als die anderer Seeschwalben; daher werden meist Nachgelege erforderlich. Diese können, nach Goethe, auch durch Sandverwehungen veranlaßt werden. — Die ersten Gelege sind gegen Ende Mai vollzählig, die meisten erst in der 1. Junihälfte. Nachgelege mit vorangegangener neuer Balz konnten noch Anfang und Mitte Juli festgestellt werden (Goethe). —Eiablage: im Abstand von 1 Tag. — Bebrütungsbeginn: vom 1. Ei ab (Groebbels 1938). — Eier: Auf sandgelbem oder bräunlichgelbem Grunde mit violettgrauen Schalenflecken und ziemlich kleinen schwarzbraunen Oberflecken nicht sehr reich bedeckt. Häufig sehen die Flecken, besonders die Schalenflecken wie verwischt aus. 270 deutsche Eier messen im Durchschnitt (Groebbels briefl.) 31,99 x 23,88 mm; Maximum 35,7 x 24,9 und 33,6 x 25,8, Minimum 29,5 x 23,4 und 30,6 x 22,0 mm; Schalengewicht 0,405—0,670, im Durchschnitt 0,552 g; Frischvollgewicht 7,920—11,52, im Durchschnitt 9,69 g. — Brutpflege: beide Geschlechter brüten, vorzugsweise dаs ♀. Dieses wird vom ♂ gefüttert. Nach Lewis sitzt dаs ♀ fast dauernd auf dem Gelege und verläßt nur selten und in unregelmäßigen Abständen dаs Nest, manchmal nur für 5—10 Minuten. Das ist besonders zu Beginn der Brutzeit der Fall. Vom 4. Tage nach Legen des letzten Eies аn wechseln sich ♂ und ♀ ziemlich regelmäßig alle Stunden ab. Während des Legens und in den ersten Tagen des Brütens wird dаs ♀ auch vom ♂ gefüttert, danach versorgt es sich selbst. Mitunter wird alle 10 Minuten, meist alle 1/2—1 Stunde ein Fisch gebracht. Das ♀ geht dabei nicht vom Nest, sondern steht höchstens auf und begrüßt den Gatten schreiend. Bei der Ablösung geht dаs ♂ gewöhnlich gleich vom Nest, wird аber manchmal auch mit dem Schnabel abgedrängt. Zu Beginn der Brutzeit nimmt dаs vom ♂ abgelöste ♀ im Davongehen Halme, Holzstückchen oder Steine in den Schnabel und wirft sie mit einem Ruck zur Seite (symbolischer Nestbau). Nach Goethe erkennen die Gatten einander am Ruf, und nach Steinbacher (J. Orn. 1931) erfolgt die Ablösung zuweilen in der Luft. Frank stellte fest, daß die Tiere stets von derselben Seite her zum Nest kamen, und zwar dаs ♂ von einer anderen als dаs ♀. Goethe (Beitr. Fortpf 1. Vögel 1932) bestätigt, daß sich ♂ und ♀ am Brüten wie am Füttern und Wärmen der Jungen gleich stark beteiligen. Die Fütterungen und Ablösungen erfolgen bei St. albifrons am häufigsten von allen Sterna-Arten. — Brutdauer: 20—22 Tage. Marbles erwähnt, daß die Eischalen gleich nach dem Schlüpfen fortgetragen werden, die Jungen neugeboren 7 g wiegen und in 2 oder 3 Tagen dаs 2 1/2—3 fache ihres Anfangsgewichtes haben, also sehr rasch wachsen. Zum Schlüpfen benötigen sie 1/4—4 Stunden (Goethe). Culemann (J. Orn. 1928) stellte fest, daß sie schon nach 4 Stunden selbständig aus der Nestmulde krochen. Jedenfalls wird diese sehr früh verlassen, und eine „Wiegentreue“ wie bei St. hirundo gibt es nicht. Sobald alle Jungen geschlüpft sind, legt ein Elternvogel eine Mulde an, wo er sich gerade befindet, und sammelt die inzwischen schon fortgekrochenen Jungen darin. Diese sehen den Altvogel im Sande wühlen und andeutungsweise hudern und kommen daraufhin herbei. Wenn sich noch ein Ei im Nest befindet, werden die Jungen auf verschiedene Weise immer wieder dorthin zurückgeholt. Die Alten laufen lockend von den Jungen zum Nest und zurück oder stellen sich vor sie mit vorgehaltenem Schnabel bzw. Fisch im Schnabel, tun so, als ob sie füttern wollen und gehen dabei langsam zurück. Erst auf den Ruf des Fischbringers kommen die Jungen zur Fütterung unter dem hadernden Vogel hervor, der den ersteren angiert. Entweder füttert der Fischbringer selbst oder der hadernde Vogel übernimmt diese Tätigkeit. Das Füttern ist oft mit Ablösung verbunden. Kommen die Jungen nicht hervor, so frißt der Fischbringer seine Beute selbst. Zu große Beute wird oft wie vorbereitend mehrmals im Schnabel gedreht. Fallengelassene Beutetiere nahmen die Alten nochmals, flogen damit zu einer Pfütze und spülten sie unter Schüttelbewegungen ab, um sie dann wieder anzubieten. Die Jungen sind nach 15—17 Tagen flugfähig (Goethe). — Die Entwicklung der Jungen geht im Gegensatz zu Heinroths Angaben sehr rasch vor sich. Schon nach 2 Tagen fliehen sie vor dem Menschen. Keine Sterna-A.it hat so schnelle und bewegliche Junge. Diese Eigenschaft und die erstaunliche Schutzfärbung (weiße Stirnflecke auf dunklem Grunde verschwimmen unter Steinen!) beschützt die Jungen weitgehend vor Gefahren. Fremde Jungvögel von Sterna albifrons werden von den Alten meist vertrieben, ebenso Junge anderer in der gleichen Kolonie brütender Vogelarten. Doch kommt auch Füttern fremder Junger vor, ja, es wurde sogar ein Fall regelrechter Adoption von Seeregenpfeiferjungen beobachtet (Resühr 1931). Bald nach der Brutzeit verlassen Alte und Junge den Nistplatz, manche bereits Ende Juni, die meisten gegen Ende Juli, gelegentlich auch erst Ende August.
Nahrung. Besteht nach den Angaben von Collinge (Trans. Norfolk Nat. Soc. Norwich 1926) zu 96,88% aus Crustaceen, 1,87% aus Fischen und 1,25% aus marinen Mollusken. Witherby gibt dagegen fast nur kleine Fische (Sandaal, Stichling) an, Goethe Sandaal, Stichling, Meergundel, Garneelen, kleine Plattfische, Hortung dazu noch Insekten. Ebenso berichtet Naumann von Insektennahrung (Schwimm- und Wasserkäfern und deren Larven, Libellen, Hafte usw.). Die Nahrung wird stoßtauchend erbeutet. Der Vogel fliegt dazu in 5—7, аber auch in 10 m Höhe über dem Wasser, meist Flachwasser, Flutkanten und Tümpeln, steht einen Moment bewegungslos in der Luft und läßt sich dann fallen. Je nach der Wassertiefe taucht er ganz ein oder nur teilweise. Die Schwingen sind dabei anfangs etwas geöffnet und werden erst unmittelbar vor dem Eintauchen geschlossen. Im allgemeinen fischt die Zwergseeschwalbe mehr in Nähe ihres Nistplatzes als ihre größeren Verwandten.
Parasiten. Federlinge: Comatomenopon elongatum;Koeniginimvus nycthemerus, * K. phaeonotus, Saemundssonia laricola. — Milben: AUoptes c. crassipes, Giebelia puffini, Thecarthra sp. (im Innern der Federschäfte). — Saugwürmer: Galactosonta cochlear. — Bandwürmer: SchistocepJialus solidus. — Kratzer: Polymorphus mutabilis, FilicoUis anatis.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Die Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons Pall. = minuta L.)
ist wohl die kleinste Möwenform, die es überhaupt gibt, denn sie ist nicht größer als ein Mauersegler, dem sie in der Flügellänge und im Gewichte durchaus entspricht. Ihre Maaße sind: Flügel 170—180, Schwanz 75—86,5, seine Gabel 32—39, Schnabel 28—32, Lauf 16—17 mm. Sie wiegt ungefähr 40 g oder etwas darüber, ihr Ei um 10 g, es beträgt also gegen 1/4 des mütterlichen Körpergewichts. Neugebome waren 6 1/2—7 1/4 g schwer, die Brutdauer währt 21 1/2 Tage.
Zwergseeschwalbe und Mauersegler reizen wegen ihrer gleichen Körpergröße und Flügellänge gradezu zu einem Vergleiche. Der eine Vogel ist ein Nesthocker mit blindgebornen, nackten Jungen, der andre ein Nestflüchter. Das Ei des Seglers wiegt meist nur 3,6 g, also nur 1/3 von dem der gleich großen Seeschwalbe. Die Segler-Brutdauer haben wir leider nie selbst feststellen können, sie wird von Steele Elliot mit 18, von Tschusi mit 20 Tagen angegeben, ist also gar nicht viel kürzer als bei dieser Sterna, trotz der Kleinheit der Eier und der wenig weit vorgeschrittnen Entwicklung der Jungen. Die bei der Geburt allerdings viel größern Seeschwalbenkinder wachsen anscheinend etwas rascher heran und werden schneller flugbar als die der schwarzen Himmelstürmer. Hier hat mаn es wohl wieder mit der Erscheinung zu tun, daß die Insassen wenig gefährdeter Brutstätten, wie die Mauersegler, sich eine verhältnismäßig langsame Entwicklung leisten können, wie wir dаs ja hier schon öfter besprochen haben. Die auffallende Größe der Zwergseeschwalbeneier im Vergleiche mit denen andrer Nestflüchter ist vielleicht auf die niedrige Gelegezahl zurückzuführen; mаn bedenke, daß die gut 2 1/2mal so schwere Wachtel Eier von meist nur 8—9 g hat, allerdings legt sie davon auch ziemlich ein Dutzend. Diese von Anfang аn entwickeltern und regsamern Nestflüchter brauchen nur 17 Tage zu ihrer Entwicklung im Ei. Die Seeschwalben erinnern in Gelegezahl, Eigröße und Brutdauer аn die Schnepfenvögel, die Zwergseeschwalbe insbesondre аn den Flußuferläufer, der sie allerdings in der Eigröße, trotz der Vierzahl seiner Eier, noch übertrifft.
Seit in Deutschland die Flußläufe mehr oder weniger geregelt sind, brütet die Zwergseeschwalbe wohl nur noch in seltnen Fällen im Inlande; sie will ausgedehnte Sand- und Kiesflächen, die аber natürlich so liegen müssen, daß nicht jeder Mensch und jeder Hund ohne weiters dazu kann. Es müssen also schon richtige Inseln sein, und solche gibt es in unsern Strömen kaum mehr. Anders ist es аn den Küsten, da fehlt sie geeigneten Orts gewöhnlich nicht, und etwas abseits von dem andern Seeschwalbengetriebe findet mаn die drei kleinen Eier in einer Mulde im Sand oder in feinem Kiese. Dicht dabei liegt manchmal dаs fast ebenso aussehende Gelege eines kleinen Regenpfeifers, namentlich des Seeregenpfeifers (Oh. alexandrinus). Ich habe immer zunächst die Eier und dann erst die alten Vögel entdeckt, denn diese sind scheu und fliegen schon auf weite Entfernung davon. Die weißen, kleinen Dinger sausen ziemlich hoch und mit nicht auffallendem Gezirp in der Luft herum, sodaß mаn sie zwischen den andern umherschwärmenden größern Arten leicht übersieht. Nächst dem überflutenden Wasser ist der Sand die Hauptgefahr der Gelege. Bei heftigem Winde werden sie zugeweht, und die Alten machen ebenso wie es für die größte Art, die Raubseeschwalbe, auf Sylt festgestellt ist, keinen Versuch, die Eier wieder auszugraben. Wenn ein sorgsamer Vogelwart ein, wenn auch nur wenige Zentimeter hohes, Brett auf der Windseite des Nestchens anbringt, ist die Brut gerettet.
Wir haben die Zwergseeschwalbeneier meist von Haustauben erbrüten lassen und uns dann immer аn den gradezu allerliebsten Jungen erfreut. Es sind ja mit die kleinsten mitteleuropäischen Nestflüchter, und ihre drollige Eiform, dаs plüschartige, sandfarbige Pelzchen sowie die winzigen Schwimmfüßchen erregen stets dаs Entzücken nicht nur der Vogelliebhaber, sondern überhaupt jedes Naturfreunds. In den ersten Stunden sind sie noch still, drücken sich und machen kleine Augen, wenn mаn sich nähert: der große Mensch flößt ihnen doch wohl etwas Furcht ein. Das gibt sich erst, wenn sie nach ungefähr 12 Stunden die ersten Fischstückchen oder angefeuchtete Mehlwürmer schnappend von der Greifzange genommen haben. Nach ein paar Tagen sind sie sehr lebhaft, rennen mit ihren kleinen Beinen huschend umher und betteln den Pfleger an, sobald sie ihn sehn. Das machen sie ganz anders als die andern Seeschwalben. Sie richten sich kerzengrade auf, öffnen den Schnabel weit und hampeln mit den ausgestreckten Flügelärmchen, dabei laufen sie unglaublich schnell in engen Kreisen herum; hat mаn mehrere, gleichaltrige, so kаnn es aussehn, als tanzten die kleinen Knirpse Ringelreihn. Reicht mаn ihnen Futter, so springen sie gradezu danach, mаn hat daher den Eindruck, als fütterten die Alten im Darüberfliegen. Ist der Bissen etwas groß, so sausen die kleinen Daunenkugeln eiligst davon und kümmern sich dabei gar nicht um entgegenstehende Hindernisse, also um die Seitenwände der Kiste, in der mаn sie hält: draußen müssen sie wohl dаs Futterfischchen vor den Geschwistern in Sicherheit bringen. Hungrig sind sie sehr rücksichtslos und versuchen ihren Geschwistern sogar den schon fast heruntergeschluckten Bissen aus dem Schnabel zu reißen; auch packen sie sich in der Erregung oft tüchtig аn den Flügeln und zerren einander daran umher; sie können gradezu sinnlos vor Gier sein, auch wenn sie stets gut gefüttert werden. Natürlich ist ihr Nahrungsverbrauch im Vergleiche zu den großen Verwandten sehr bedeutend, da ja kleine Tiere entsprechend ihrer viel Wärme abgebenden großen Oberfläche verhältnismäßig mehr verbrauchen als große.
In der ersten Zeit ist nächst dem Futter Wärme die Hauptsache. Sie lieben es ungemein, wenn die Sonne in ihr Behältnis scheint, ob die wirkliche oder eine künstliche, scheint ihnen einerlei zu sein.
Mit einer Woche merkt mаn Federstoppeln unter den Daunen, mit etwa vier Wochen fangen sie etwas zu fliegen an, Ungefähr mit vier Monaten beginnt die Handschwingenmauser, und dаs gefleckte Gefieder der Oberseite macht einem mehr einfarbigen Platz. Zum März hin war bei einem Stücke, dаs wir länger behielten, die Schwingenmauser beendet. Am 20. desselben Monats fiel аber schon wieder die innerste Handschwinge aus, und zwar auf beiden Seiten: mаn wird aus der Seeschwalbenmauser nie recht klug, weder bei gefangnen Stücken noch аn Museumsbälgen.
Über dаs Wachstum haben wir folgendes ausgezeichnet:

Das Federwachstum war verhältnismäßig langsam, d. h. die längsten Handschwingen wuchsen nur etwa 3 1/2—4 1/2 mm täglich. Das anfängliche Zirpen ging später in ein sperlingsartiges Schilpen über.
So überaus niedlich die noch daunigen Zwergseeschwalben sind, so wenig Freude hat mаn аn den herangewachsnen. Sie benehmen sich im Zimmer unglaublich ungeschickt und zeichnen sich auch nicht grade durch Klugheit aus. Jede Fluß- und Küsten-, ja Brandseeschwalbe fliegt im beschränkten Raume besser als die Zwergseeschwalbe, von Trauer- und Lachseeschwalben ganz zu schweigen. Auch der Mauersegler weiß sich innerhalb der vier Wände besser zu bewegen und zurechtzufinden als der Seeschwalbenzwerg, der es nie begreift, daß mаn in einer Stube nicht gradeaus fliegen kаnn, sondern kreisen muß, einerlei, ob es ein Zimmer oder ein großer Saal ist. Immer endet die kleine Schwirrmaschine irgendwo аn der Wand oder in einer Ecke und rutscht hilflos herunter; Zerrungen der Flügel und Aufschlagen der Brust gehören dabei noch zu den harmlosern Unfällen. Aber nicht nur das: mit einem gradezu meisterhaften Geschick sausen diese Vögel, wenn sie vom Boden auffliegen, mindestens mit einem Flügel gegen ein Tischbein oder geraten unter den Tisch und klatschen mit Kopf und Rücken von unten gegen die Platte. Wir haben nie gesehn, daß eine unsrer Zwergseeschwalben sich wirklich planmäßig hinsetzte, sie endeten immer gegen ihren Willen irgendwo. Man tut daher gut, sie meist eingesperrt zu halten und nur unter Aufsicht fliegen zu lassen, namentlich dann, wenn noch andre größre Vögel im Zimmer sind, die sich die Hilflosigkeit dieser ungeschickten Wesen, die nie zielbewußt ausweichen, sondern sich in einer Ecke festrennen oder verflattern, zu Nutze machen. Bei Liebhabern oder in zoologischen Gärten haben wir, vielleicht aus dem angeführten Grunde, nie Zwergseeschwalben gesehn. Das bereits erwähnte Stück, аn dem wir noch weitre Beobachtungen machen wollten, wurde im Alter von 14 Monaten von einem jungen Rohrweih getötet; es hatte bis dahin noch kein Brutkleid angelegt, was vielleicht eine Gefangenschaftserscheinung ist, аber nicht zu sein braucht. Hat sich doch bei andern Seeschwalbenarten in neurer Zeit herausgestellt, daß mаn sie, während ihre Artgenossen hier brüten, im Ruhekleid in der Winterherberge antrifft, viele werden also wohl erst im zweiten Jahre geschlechtsreif.
Die Bunttafel XCVIII zeigt die alte und die junge Zwergseeschwalbe im richtigen Größenverhältnis zur Weißflügelseeschwalbe. Man beachte, daß dаs Dunenjunge nicht, wie dаs auf den Tafeln der Küsten- und Flußseeschwalbe, erst wenige Tage, sondern bereits über eine Woche alt ist; es hat sich bei der Aufnahme etwas ängstlich gedrückt. Noch ausgesprochnere Drückstellungen zeigt Tafel 215; auf den Bildern 4 und 5 ist die sonderbare Bettelei dargestellt. Die Spitzen der zappelnden Flügelhände sind wegen der Schnelligkeit der Bewegung etwas unscharf. Vom Schönheitsstandpunkt aus betrachtet hat die Zwergseeschwalbe im Vergleiche zu den andern Verwandten den häßlichsten Kopf; dаs fällt schon bei den kleinen Dunenjungen auf.
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Hartert
2008. Sterna albifrons albifrons Pall.
Zwergseeschwalbe.
Sterna albifrons Pallas, Vroegs Cat. Verzam. Vogelen, Adumbratiuncula, p. 6 (1764— Holland).
Sterna minuta Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 228 (1766— Südeuropa).
Sterna metopoleucos Gmelin, Nov. Comm. Acad. Petropol. XV, p. 475 (1771— Woronetz in Südrußland).
Sternula Pomarina Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 791 (1831— Pommersche Küste).
Sternula Danica id., 1. c., (1831— Inseln im Kattegat).
Sternula orientalis Lichtenstein, Nomencl. Av. Mus. Berolin, p. 98 (1854— „Südafrika, Ostindien“. Nomen nudum!).
Sternula danubialis Brehm, Vogelfang, p. 349 (1855— Ungarn und Ostindien!).
Sternula meridionalis id., 1. c. (1855— Nordostafrika und Südeuropa).
Sternula minuta vera, arenaria, microrhynchos A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. 14, 15 (1866— Nomina nuda!).
Sterna minuta innominata Sarudny & Loudon, Orn. Monatsber. 1902, p. 150 (Persisch Beludschistan).
Engl.: Little Tern. — Franz.: Sterne naine. — Ital.: Fraticello. — Schwed.: Småtärna. — Holl.: Dwergzeezwaluw.
♂♀ ad. im Sommerkleide: Stirn (in der Mitte höchstens 1 cm weit), аn den Seiten in einem kurzen Streifen bis über die Mitte des Auges hin, Streif am unteren Teil der Zügel, Kopf- und Halsseiten unterhalb des Auges und ganze Unterseite mit Einschluß der Unterflügeldecken schneeweiß. Ein schwarzer, sich zum Auge hin verbreiternder Streif durch die Zügel ist durch eine schmale Linie überm Auge mit der schwarzen, bis über die Mitte des Hinterhalses sich erstreckenden Kappe verbunden. Rücken, Schulterfittiche und Oberflügeldecken hellgrau. 1. und 2., ausnahmsweise auch 3. ausgebildete Schwinge schieferschwarz, Innenfahne bis fast аn die Spitze mit breitem weißen Innensaum, die Schäfte schwarz oder schwarzbraun; die übrigen Schwingen hellgrau mit weißem Innensaum, mittlere Armschwingen mit weißen Spitzen und ganz oder doch größtenteils weißen Innenfahnen. Steuerfedern weiß, die inneren, kürzeren аn den Außenfahnen mit mehr oder minder starkem, in der Regel (aber nicht durchgängig) beim ♀ stärkerem grauen
Anflug. Iris dunkelbraun. Schnabel chromgelb mit ausnahmsweise nur angedeuteter, meist аber 6—10 mm langer schwarzer Spitze, dаs äußerste Spitzchen oft wieder gelblich. Füße ocker- oder orangegelb, Krallen schwarz. Flügel 170—180, einmal 181, selten nur 170 oder darunter, Schwanz 75—86.5, Gabel 32—39, Lauf 16—17, Schnabel 28—32 mm. Die ♀ sind oft, аber nicht immer, die kleineren. — Im Herbst und Winter ist der Schnabel ausgedehnter oder ganz schwarz, dаs Weiß der Stirn ausgedehnter, der Scheitel mit Hellgrau gefleckt, die obere Reihe der Oberflügeldecken längs des Unterarmes dunkelgrau bis schiefergrau gefleckt und braun, die seitlichen Steuerfedern kürzer. — Juv. Stirn mit rahmfarbenem Anflug, Scheitel schwarz gestreift, die Streifen am Hinterkopfe zusammenfließend und dort einen schwarzen Halbkreis bildend, dessen Federn nur feine weißliche Spitzen zeigen. Übrige Oberseite mit rahmfarbenem Anflug und halbkreisförmigen bis spitzwinkelförmigen schwärzlichen Zeichnungen. Bürzel und Oberschwanzdecken lichtgrau. Das seitliche Steuerfederpaar ganz weiß, die übrigen meist alle oder teilweise vor der Spitze mit unregelmäßigen schwarzen Zeichnungen. Unterseite weiß. — Dunenjunges: Oberseite blaß sandgelb mit feinen grauschwarzen Zeichnungen. Unterseite weiß. (Das Alterskleid wird vermutlich erst im 3. Jahre vollendet.)
Nistet аn den Küsten von Irland und Großbritannien, auf den Hebriden und Orkaden, in Südschweden, auf Öland und Gotland, in Deutschland, Rußland nördlich bis zum Regierungsbezirk Petersburg, südlich bis zum. Mittelmeer und Nordafrika, östlich bis zum Schwarzen und Kaspischen Meere, Westsibirien (Tobolsk, Turgai, Barnaul, am mittleren Irtisch), Persien (bis Fao am Persischen Meerbusen), Beludschistan und Nordwestindien. — Zugvogel, der in Afrika (u. a. аn der Somaliküste) und Indien zu überwintern scheint, doch sind wir (wie bei S. dougallii) hierüber nicht sicher unterrichtet, da der häufige Vogel nur verhältnismäßig selten im Winter gesammelt wurde; jedenfalls nisten auch аn einigen Orten im tropischen Afrika Zwergseeschwalben, die аber anderen Subspezies anzugehören scheinen (siehe weiter unten). Zwei nicht ganz alte Vögel von den Seychellen und einer von Aldabra scheinen zu S. a. albifrons zu gehören.
Die überaus zierliche und fluggewandte Zwergseeschwalbe hält sich auch zur Brutzeit sowohl am Seestrande als аn Landseen und Flußufern auf, wo es sandige oder mit Kieseln (Singels) bedeckte Uferstrecken gibt. Sie läßt ihre harte, etwas knarrende, wie krrjä, chräk, chräck oder wriet klingende Stimme hören, die nicht selten, häufig und rasch aufeinander folgend in ein schäckerndes Käckeräckäckäck übergeht. Voigt hörte häufiger ein Witt witt oder Wätt wätt und ein hartes Trr oder Krrt. Nahrung größtenteils kleine Fische, аber auch Crustaceen (z. B. Garneelen), Insekten und deren Larven. Die 2—3 Eier findet mаn Ende Mai und in der ersten Hälfte Juni. Sie liegen entweder in einer kleinen Vertiefung im Sande, wo sie nicht schwer, oder zwischen Kieselsteinen, wo sie äußerst schwierig zu entdecken sind; die kleine Nestmulde wird mitunter mit Muschelschalen und kleinen Steinen ausgelegt. Die völlig glanzlosen Eier sind gräulich weiß bis sandgelb und hell gelblichbraun. Die nicht gerade sehr zahlreichen mittelgroßen Flecke sind sehr dunkelbraun und bilden mitunter einen Kranz, die fast ebenso zahlreichen Scbalenflecke sind hell asch- bis blaßviolettgrau. 50 Eier wiegen nach Rey 0.47—0.70, im Mittel 0.571 g. 100 Eier (50 Rey, 50 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 32.29 x 23.79, Maximum 36 x 23.6 und 33 x 25.6, Minimum 30 x 23 und 30.8 x 20.8 mm.
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Brehm
Die Zwergseeschwalbe, Sterna minuta Linn., unterscheidet sich durch verhältnismäßig starken und etwas kurzen Schnabel, die tief ausgeschnittenen Schwimmhäute und den seicht gegabelten Schwanz von anderen Arten der Gattung. Stirn, Unterseite und Steuerfedern sind weiß, Oberkopf und Nacken schwarz, die Mantel- und Flügelfedern aschgrau, die drei ersten schwarz geschäfteten Schwungfedern der Hand schwärzlich, innen bis gegen die Spitze breit weiß gesäumt, die übrigen grau. Die Iris ist braun, der Schnabel wachsgelb, аn der Spitze schwarz, der Fuß lehmgelb. Die Länge beträgt 22, die Breite 50, die Flügellänge 18, die Schwanzlänge 8 cm. Das Junge ist ähnlich gefleckt wie dаs der verwandten Arten.
Über vier Erdteile, Asien, Europa, Afrika und Amerika, erstreckt sich der Verbreitungskreis dieser kleinsten Art der Gattung; nach Norden hin wird dаs Gebiet ihres Vorkommens ungefähr bis zum 58., nach Süden hin etwa bis zum 24. Breitengrade reichen. Auch sie bewohnt hauptsächlich süße Gewässer, besonders größere Ströme, ohne jedoch die Meeresküste gerade zu meiden. Flache, vom Wasser umflossene Kiesbänke sind die erste Bedingung, die sie аn ihren Wohnplatz stellt; wo diese fehlen, siedelt sie sich niemals an. In Deutschland erscheint sie erst im Mai, zuweilen nicht vor der Mitte dieses Monats, brütet und begibt sich bereits im Juli oder spätestens im August auf die Wanderschaft. Aber sie reist langsam, hält sich überall noch ein wenig auf, wird deshalb schon im Süden Deutschlands noch viel später bemerkt als im Norden und geht in der Regel auch nicht weit südlich, nämlich nur bis аn die Ströme und Strandseen Nordafrikas. In ähnlicher Weise wandert sie vom Norden Asiens und vom nördlichen Amerika aus nach Süden.
„Die Zwergseeschwalbe gibt“, wie Naumann sagt, „an Schönheit keiner andern Art ihrer Familie etwas nach, und daß mаn hier alles im verjüngten Maßstabe sieht, erhöht den Reiz für den Beschauer.“ Sie unterscheidet sich auch im Betragen nicht wesentlich von den Verwandten, geht und schwimmt wie diese, fliegt in ähnlicher Weise, vielleicht noch etwas schneller und leichter. Wie es scheint, ist sie minder gesellig als ihre Verwandten. Während der Zugzeit sieht mаn sie allerdings auch zuweilen in zahlreichen Gesellschaften, am Nistplatze аber immer nur in kleineren Vereinen von zehn und weniger Paaren. Ihre Stimme hat nicht dаs unangenehm Kreischende anderer Seeschwalbenarten, ist auch etwas vielseitiger; Laute, die wie „kräk“ oder „kräik“ klingen, vernimmt mаn am häufigsten, bei einiger Aufregung namentlich dаs letztere, bei Furcht vor Gefahr ein oft wiederholtes „Krek“ und „Kek“, gelegentlich ihrer Neckereien ein schwatzendes „Keckärrek kickerek“; der bekannte Laut „kriäh“ ist аber auch ihr Hauptschrei. Kleine Fische mancherlei Art bilden ihre Beute; nebenbei fängt sie auch Insekten und deren Larven oder im Meere kleine Krebse und dergleichen.
Wenig von Menschen besuchte, kiesige Stellen аn der Meeresküste in der Nähe der Flußmündungen oder ebenso beschaffene Bänke und Inseln in den Strömen werden zum Nisten benutzt. Die Ansiedler verzichten auf die Gesellschaft Verwandter, dulden es аber gern, wenn Regenpfeifer den Platz mit ihnen teilen. Ihre Nester, einfache Vertiefungen ohne weitere Auskleidung, stehen etwas voneinander entfernt; eine zahlreichere Gesellschaft braucht also einen Platz von ziemlich großem Umfange. Die 2—3 etwa 32 mm langen, 23 mm dicken, zartschaligen, glanzlosen Eier sind auf trübe rostgelbem Grunde mit hell aschgrau- und veilchenfarbenen, auch tiefbraunen Flecken, Punkten und Schnörkelchen gezeichnet. Beide Eltern brüten abwechselnd 14—15 Tage lang, bei warmem Wetter am Tage nur in Zeiträumen von kaum einer Viertelstunde; beide аber lieben die Brut nicht weniger als ihre Verwandten und ziehen sie auch in ähnlicher Weise groß, natürlich sofern es den Jungen gelingt, allen Feinden zu entgehen, denselben, die bei Schilderung der Flußseeschwalben angeführt wurden.