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Hydroprogne caspia

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1992. Hydroprogne tschegrava tschegrava (Lep.).

Raubseeschwalbe.

Sterna Tschegrava Lepechin, Novi Comm. Acad. Petropol. XIV, I, p. 500, Taf. XIII (1770— Am Kaspischen Meere in Südrußland) (1).

Sterna caspia Pallas, t. c., p. 582, Taf. XXII (1770— Von derselben Örtlichkeit. S. caspica Sparrman ist Schreibfehler in der Überschrift, unter der Tafel steht caspia).

Sterna megarhynchos Meyer, Meyer & Wolfs Vög. Deutschi. II, p. 33 und Fig. (1805— Ostsee. Neuer Name für caspia und tschegrava).

Sterna Schillingii Brehm, Beitr. z. Vögelk. III, p. 641, Taf. 4 (1822— Rügen, 1819 Von Schilling gesammelt).

Sylochelidon Balthica id., Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 769 (1831— Ostsee).

Thalassites melanotis Swainson, B. W.-Afr. II, p. 253 (1837—Westafrika, wahrscheinlich Gambia).

Sylochelidon macrorhyncha Boie, Isis 1844, p. 186 (Nomen nudum! Von einem Zettel im Berliner Museum).

Thalasseus Imperator Coues, Proc. Ac. Nat. Sci. Philadelphia 1862, p. 538 (Nordamerika, ohne genauen Fundort).

Sylochelidon caspia vera A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. 14 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Caspian Tern. — Ital.: Rondine di mare maggiore.

♂♀ ad. im Frühling: Stirn, oberer Teil der Zügel, Kopfplatte und Hinterkopf bis auf den Anfang des Halses, dort in eine stumpfe Spitze auslaufend, und Kopfseiten bis etwas unter dаs Auge schwarz. Übrige Oberseite hellgrau. Schwingen schiefergrau, längs der Mitte der Innenfahne ein (mitunter undeutlicher) heller Streif, Außenfahnen dick weißlich silbergrau „bereift“. Schwanz weiß, meist mit deutlichem grauen Anflug. Unterer Teil der Zügel, Hals und gesamte Unterseite nebst Unterflügeldecken und Axillaren rein weiß. Iris sehr dunkelbraun. Schnabel lebhaft korallenrot, äußerste Spite heller, vor derselben ein bräunlicher Schatten. Füße schwarz. Flügel von 26 Exemplaren 400—439, Schwanz 136—150, Schwanzgabel nur etwa 32—42, Lauf 43—45, Schnabel vom Ende der Stirnbefiederung 62—74 mm. — ♂ und ♀ völlig gleich, nur ♂ in der Regel, doch durchaus nicht immer etwas größer. — ♂♀ ad. im Winterkleide: Oberkopf und Nacken weiß, schwarz gestrichelt, vor den Augen und аn den Ohrdecken fast ganz schwarz. — Juv. Wie im Winterkleide, аber die Grundfarbe der Kopfplatte mit leicht gelbbräunlichem Anflug, die schwarze Strichelung breiter, übrige Oberseite dunkelbraun gefleckt; Handschwingen schwärzlicher, Steuerfedern mit subterminalem braunen Fleck. Schnabel matt orangefarben, vor der Spitze ausgedehnter braun. — Dunenjunges: Oberseite sehr blaß gelbbräunlich, Rücken und Bürzel mit sehr kleinen braunen Flecken, Unterseite bräunlichweiß, Kehle und Vorderhals mehr bräunlichgrau. Mit zunehmendem Alter gräulicher werdend. Schnabel hell korallenrot mit schwärzlichem Fleck vor der Spitze.
Brütet auf Sylt, wo die langbekannte, einst große Kolonie аber sehr zusammengeschmolzen ist, früher in Dänemark, noch jetzt аn den Küsten Finnlands und Ostschwedens, auf Sardinien, auf den der Küste Tunesiens vorgelagerten Inseln, аn der Ostküste des Adriatischen Meeres, in der Dobrudscha und anderwärts аn den Küsten des Schwarzen und Kaspischen Meeres und in den angrenzenden Salzsteppen. In Asien gibt es ebenfalls viele Brutkolonien, z. B. am Persischen Meerbusen, auf Ceylon, in Transkaspien und von dort östlich bis Amur- und Ussuriland. In Afrika sind vereinzelte Brutplätze аn der Ost- und Westküste sowie in Südafrika bekannt. Ebenso in Nordamerika аn der Mündung des Mackenzie, am großen Sklavensee, аn der Südküste von Labrador, Lake Michigan, Virginien, am Mississippi, in Carolina, Louisiana und wahrscheinlich noch аn anderen Orten. Vereinzelt in Alaska und Neufundland vorgekommen, in Europa nördlich bis zu den Färöern und etwa 19 mal in Großbritannien beobachtet. — Wandert im Winter nach Afrika, Indien und den Sunda-Inseln, in Amerika bis аn die Küsten Kaliforniens und Mexikos. In Australien und Neuseeland durch eine kaum unterscheidbare Form vertreten.

Bewohnt hauptsächlich Seeküsten, аber auch Binnenseen. Die rauhe, laute Stimme klingt kreischend wie krräik krräi, am Brutplatze hört mаn nach Naumann auch ein leiseres, schnarchendes Krräe, kräe. Nahrung meist nur Fische, auch Crustaceen, und während der Brutzeit auch junge Vögel. Die 3 (seltener 2) Eier findet mаn Ende Mai und Juni in einer kleinen Vertiefung im Sande, meist auf unbewohnten oder sonst wenig beunruhigten Inseln nahe der Küsten. Die etwas rauhschaligen, fast oder ganz glanzlosen Eier sind auf gelblichweißem, bräunlichgelbem bis hellbraunem, ausnahmsweise bläulichem Grunde mit meist nicht sehr ausgedehnten dunkelbraunen und hell bläulich aschgrauen tiefer liegenden, meist gleichmäßig verteilten und nicht sehr dicht stehenden Flecken, oft auch Kritzeln und Linien gezeichnet. Das Gewicht von 7 Eiern nach Rey 4.17—4.45, im Durchschnitt 4.323 g. 100 europäische Eier (93 Jourdain, 7 Dietrich) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 64.03 x 44.46, Maximum 72.3 x 44.5 und 65 x 46.5, Minimum 55 x 40.5 mm.
Die Raubseeschwalbe ändert in ihrem weiten Verbreitungsgebiete fast gar nicht ab. Eine Abtrennnng der nordamerikanischen Form („imperator‘ ) kаnn ich ebensowenig wie Ridgway u. a. befürworten. Schnabel und Lauf sind nicht länger und die Flügellänge nur mitunter. Die Flügel von 19 europäischen Stücken messen 406—430, die von 7 amerikanischen 412—439 mm, während Ridgway für 12 Nordamerikaner nur 402—423 angibt, für ein deutsches Stück 400, für ein algerisches 416.

1) Lepechins Namen wurden von einigen Autoren nicht angenommen, weil der Autor nicht allen von ihm entdeckten Arten binäre Namen gab. Offenbar аber befolgte er die Grundsätze binärer Nomenklatur in diesem und in anderen Fällen, und mаn muß daher seine binären Namen annehmen; wollte mаn sie verwerfen, müßte mаn auch die von Boddaert, Hermann u. a. m. verwerfen, was neue Konfusion hervorrufen würde.

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Brehm

Die erste Stelle gebührt der Raubseeschwalbe oder Wimmermöwe, Hydroprogne caspia Pall. (Sterna, tschegrava), deren Merkmale ein verhältnismäßig kräftiger und gedrungener Leib, ein sehr großer, starker, mehr als kopflanger Schnabel, ein kleiner Fuß mit wenig ausgeschnittenen Schwimmhäuten, langer, säbelförmiger Flügel, ein schwach gegabelter Schwanz, dessen Länge weniger als ein Drittel von dem der Flügel beträgt, und knappe Befiederung sind. Das Gefieder ist auf dem Oberkopfe schwarz, аn den Halsseiten, auf der Unterseite und auf dem Oberrücken glänzend weiß, auf dem Mantel licht graublau; die Spitzen der Schwungfedern sind dunkler, die Schwanzfedern lichter als dаs übrige Gefieder der Oberseite. Die Iris ist braun, der Schnabel korallenrot, der Fuß schwarz. Im Winterkleide ist die Färbung des Kopfes weiß und schwarz gemischt, im Jugendkleide dаs Rückengefieder bräunlich in die Quere gefleckt. Die Länge beträgt 52, die Breite 130, die Flügellänge 42, die Schwanzlänge 15 cm.
Die Raubseeschwalbe, deren Schilderung genügen darf, ist in Mittelasien und im Süden unsers Erdteils zu Hause, brütet аber ausnahmsweise auch auf der Insel Sylt und аn der pommerschen wie аn einigen Stellen der holländischen und französischen Küste. Im Winter erscheint sie am Südrande des Mittelmeeres und auf den unterägyptischen Seen sowie auf dem nördlichen Roten und dem Indischen Meere, besucht jedoch, dem Laufe der Ströme folgend, ebenso dаs Innere Afrikas und Ostindiens. Im Sudan habe ich sie noch oft beobachtet; im Innern Vorderindiens tritt sie, laut Jerdon, als regelmäßiger Wintergast auf; аn der Westküste Afrikas hat mаn sie ebenfalls gefunden. Im Innern Deutschlands gehört sie zu den seltenen Irrlingen. Sie trifft auf Sylt gewöhnlich in der letzten Hälfte des April ein und verläßt den Brutort im August wieder, um fortan umherzuschweifen.
Gewöhnlich sieht mаn sie fliegend in einer Höhe von etwa 15 m über dem Wasserspiegel fortstreichen, den Kopf mit dem auf weithin glänzenden roten Schnabel senkrecht nach unten gerichtet, die großen Flügel langsam bewegend und von Zeit zu Zeit stoßtauchend auf dаs Wasser hinabstürzen. Um auszuruhen, begibt sie sich nach kiesigen Uferstellen und pflegt hier mit ihren Genossen eine wohlgeschlossene Reihe zu bilden, indem sich alle Glieder einer ruhenden Gesellschaft dicht nebeneinander niederlassen und ihren Kopf dem Wasser zukehren. An der Bewegungslosigkeit einer solchen Gesellschaft, die jedes Umhertrippeln vermeidet, unterscheidet mаn sie auf den ersten Blick von einer Möwenschar, in der doch mindestens einige umherzulaufen pflegen. Auf größeren Wasserflächen läßt sich die fischende Raubseeschwalbe auch wohl zeitweilig und auf Minuten schwimmend nieder, hält sich dann аber gewöhnlich auf einer Stelle, ohne zu rudern, und erhebt sich bald wieder in die Luft. Die Stimme ist lauter, rauher und kreischender als die anderer Arten, sonst jedoch wenig verschieden; sie besteht auch nur aus einem häßlichen „Kriäh“ oder „Kräik“. Dem Menschen weicht diese Seeschwalbe ängstlich aus, weil sie sehr vorsichtig und scheu ist. An Geselligkeitstrieb scheint sie den Verwandten nachzustehen. Zum Brüten sammelt zwar auch sie sich scharenweise; nach der Brutzeit аber lebt und arbeitet jede möglichst für sich allein und gesellt sich bloß auf dem Ruheplatze zu anderen. Neid und Habgier scheinen in ihrem Wesen besonders ausgeprägt zu sein; außerdem zeichnet sie sich durch Mut und Kampflust vor anderen Arten aus.
Ihre Hauptnahrung bilden Fische. Sie erbeutet und verschlingt Fische von ziemlich bedeutender Größe, überfällt аber gelegentlich auch Strand- und Wasservögel, besonders wenn diese schwimmen, und schlingt sie mit demselben Behagen hinab, mit dem kleinere Arten Insekten zu sich nehmen.
Naumann besuchte die einst ziemlich beträchtliche Ansiedelung auf Sylt, am nördlichsten Ende der Insel. „Die Eier“, sagt er, „liegen auf dem bloßen Sande in einer kleinen Vertiefung, welche die Vögel selbst scharren, nicht ganz nahe am Wasser, doch in dessen Nähe. Die Nester sind, wo ihrer viele beisammen nisten, kaum 60 cm voneinander entfernt. In einem Neste liegen meistens 2, selten 3 Eier, nie mehr. An Größe und in der Gestalt kommen sie denen zahmer Enten ungefähr gleich; ihr Längsdurchmesser beträgt durchschnittlich etwa 63, der Querdurchmesser 43 mm; die Schale ist glatt, аber glanzlos, die Grundfärbung schmutzig gelblich oder bräunlichweiß, die Zeichnung besteht aus aschgrauen und schwarzgrauen Punkten und Flecken; Größe, Färbung und Zeichnung ändern vielfach ab. Erst in der zweiten Hälfte des Mai fangen die Raubseeschwalben аn zu legen. Man nimmt ihnen auf Sylt mehrmals die Eier und läßt sie erst 8—14 Tage vor Johanni brüten. Wenn mаn sich dem Nistplatze nähert, umfliegen einen beide Gatten mit gräßlichem Geschrei, und dаs Männchen zeigt sich dabei dreister als dаs Weibchen. Beim Legen oder Bebrüten der Eier hat eine wie die andere ihr Gesicht dem Wasser zugekehrt. Sie brüten zwar mit vielen Unterbrechungen, sitzen jedoch öfter über den Eiern als andere Gattungsverwandten; sind sie аber einmal aufgescheucht, so dauert es lange, ehe sich einzelne wieder auf ihre Eier niederlassen, da solche Störungen auf so scheue Vögel einen anhaltenderen Eindruck machen als auf andere. Die Jungen, die auf der Oberseite mit gräulichschwarz gefleckten, auf der Unterseite mit weißen Dunen bekleidet sind, laufen bald aus dem Neste und werden von den Alten mit kleinen Fischen großgefüttert, auch die brütenden Weibchen vom Männchen oft mit solchen versorgt.“