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Otis tarda

Heinroth

Die Trappe (Otis tarda L.).

Die oder der Trappe bewohnt als O. t. tarda L. Mittel- und Südeuropa sowie Westasien bis zum Altai, weiter östlich wird sie durch zwei Unterarten vertreten. Der Flügel des Männchens mißt 600—650, der Schwanz 245—265, der Schnabel 45—53, der Lauf 148—156 mm. Die entsprechenden Maße des Weibchens sind: 530—550; 200 bis 206, Schnabel auch bis gegen 53 mm, аber dünner, Lauf 117—120 mm. Von Jablonski am 14. I. und 27. XI. erlegte Männchen wogen 7400 und 9100 g. Ein südrussisches, angeblich magres Stück vom 23. II. war 11 3/4 kg schwer. Naumann gibt 11—11 1/2 kg, ja bis 16 kg an, und wir selbst hörten auch von einem Anfang November geschossnen von 16 kg, sodaß der Trapphahn anscheinend der schwerste Flugvogel, den es gibt, sein kаnn, denn Kondor, Trompeterschwan (C. buccinator) und Krauskopfpelikan sind meist nicht über 11 bis höchstens 14 kg schwer, und dann müssen sie schon recht fett sein. Auch die so sehr groß wirkende afrikanische Eupodotis kori hat wahrscheinlich keinen so gewaltigen Körper, wie mаn glauben könnte. Das Trappenweibchen wiegt gewöhnlich um 5—6 kg, hier besteht somit der gewaltigste Größenunterschied der Geschlechter innerhalb der heimischen Vogelwelt, wenn nicht gar überhaupt unter allen Vögeln. Man bedenke, daß beim Sperber der Mann meist etwas mehr als die Hälfte, gewöhnlich 2/3, des Weibchens wiegt, daß bei der Türkenente (Cairina moschata) dаs Weibchen 2 und dаs Männchen 4 kg schwer ist und sich Auerhenne und Auerhahn ungefähr wie 3 zu 4 1/2 verhalten. Die Eier sind durchschnittlich 130—140 g schwer, es gibt аber auch solche von 160 g; aus den großen kommen nicht etwa immer die Hähne, wie mаn vielleicht glauben könnte, selbst dann nicht, wenn die zwei Eier eines Geleges sehr ungleich sind. Neugeborne wiegen entsprechend den Eigrößen verschieden viel, d. h. nach unsern Erfahrungen etwa 83 bis 109 g. Sie bringen anscheinend sehr viel Dotter in der Bauchhöhle mit auf die Welt, denn ein während des Schlüpfens verunglücktes Küken von 109 g hatte in seinem Innern 25 g. Die Dottermenge des frischen Eies ist uns unbekannt, da wir keins für eine solche Wägung opfern wollten. Die Brutdauer beträgt nicht 30 Tage, wie häufig angegeben wird, sondern ziemlich sicher nur 23 1/4, wenigstens zeitigte eine Henne dаs anscheinend ganz frische Ei eines noch unvollständigen Geleges in dieser Zeit. Auch andre Trappeneier, die wir, schon etwas bebrütet, bekamen, entwickelten sich auffallend rasch. Im Vergleiche zu dem des Kranichs ist dаs Ei des ebenso schweren Trappenweibchens verhältnismäßig klein.
Für den Bewohner West- und Süddeutschlands und der angrenzenden Länder hat dieser mächtige Steppenvogel etwas gradezu Sagenhaft-Seltnes. Im Osten Deutschlands, insbesondre in der Mark Brandenburg kаnn mаn ihn аber аn geeigneten Orten immer sehn, sei es von der Bahn aus, sei es, daß mаn dаs trocknere Luch- und Wiesengebiet durchschreitet; deshalb sind die Eier auch aus der Umgebung Berlins nicht so schwer zu bekommen.
Man kаnn daran denken, daß der Name Trappe von dem Gange des Vogels abgeleitet ist, und zwar entweder von Traben oder von Trappen. Beides bedeutet wohl ursprünglich dasselbe, wird ja аber jetzt für verschiedne Dinge gebraucht, nämlich dаs eine für eine bestimmte Gangart und dаs andre für lautes Auftreten: eins stimmt für die Trappe so gut wie dаs andre. Bei etwas eiliger Bewegung verfällt sie in einen kurzen Trab, bei dem man, namentlich bei dem schweren Hahne, dаs Aufschlagen der kleinen Fußsohlen deutlich hört, es klingt übrigens auch nicht lauter als bei Gänsen, nur traben diese selten. Suolahti neigt der Ansicht zu, daß Trappe eine Entlehnung aus dem polnisch-tschechischen Ausdrucke ,,drop“ ist, und zwar wohl deshalb, weil der Osten Deutschlands, d. h. der ehemals slavische Sprachboden, dаs Trappengebiet ist, von dem aus sich, sowohl in frührer Zeit als auch jetzt, gelegentlich Stücke nach Westen und Süden verfliegen.
Wir haben zwar die Zugehörigkeit der Trappen zu den sogenannten Alectorides, in die mаn die Hühnervögel nicht mit hineinrechnet, schon besprochen, wollen hier аber noch einmal auf die verwandtschaftlichen Verhältnisse der Trappe zu der übrigen heimischen Vogelwelt eingehn. Bei sonst gut unterrichteten Vogelkennern, vor allem аber in Jägerkreisen, besteht immer noch ziemlich allgemein die Ansicht, daß eine Trappe eine Art „Übergang“ von einem „Stelzvogel“ zu einem Hühnervögel darstelle; dаs Wort „Hühnerstelzen“ hat viel zur Erhaltung dieser Anschauung beigetragen. Nun gibt es аber den Begriff Stelzvögel als einheitliche Vogelgruppe überhaupt nicht mehr, denn diese setzt sich aus den Schnepfenartigen, den Reiher-Storchartigen und den Kranichvögeln zusammen, ist also ein buntes Gemisch von Nesthockern und Nestflüchtern, die außer einigen äußern Ähnlichkeiten nichts Gemeinsames haben. Die Hühner sind eine scharf abgegrenzte Ordnung, besonders gekennzeichnet durch die frühe Entwicklung der Flügel und eine sonderbare, nur hier auf tretende Jugend-Schwingenmauser. Die uns näher bekannte heimische Trappe und auch einige ausländische Arten, die mаn аber nur sehr selten in Zoologischen Gärten zu sehn bekommt, haben nicht die geringste Ähnlichkeit mit Hühnern, weder in der Zahl und Farbe der Eier, noch im Aussehn und Verhalten der Küken oder im Benehmen der alten Vögel, ganz abgesehn von dem Flügel- und Fußbau, der Unterschenkelbefiedrung, dem Gesichtsausdruck und den Bewegungsweisen. Ebenso wie mаn sich eine Verwandtschaft mit den Hühnern zurechtlegt, könnte mаn auch аn eine solche mit den Gänsen denken, und in der Tat gibt es ja die Bezeichnung ,,Trappgans“; der lange, graue Hals hat wohl zu dieser Namengebung geführt.
Die europäisch-asiatische Trappe ist wohl überall sehr scheu. Hier in der Mark läßt sie die auf sie zugehenden Menschen schätzungsweise auf einen halben Kilometer nahen, ehe sie auffliegt. Regelmäßig vorbeikommende Personen, insbesondre solche auf Wegen und Straßen, hält sie auf nähere Entfernung aus, аn Eisenbahnzüge gewöhnt sie sich ebenso wie sehr viele andre Tiere auch, jedoch wahrt sie immer einen gewissen Abstand gegen die brausenden Ungetüme und wird nie so vertraut wie z. B. ein Storch oder ein Rebhuhn. Auf den großen Luchflächen gehn Trappen bisweilen mit einem großem Sprung Rehe zusammen. Nähert mаn sich dieser Gemeinschaft, so werden die Rehe schon auf ungefähr sechshundert Meter flüchtig, die Trappen sichern, bleiben аber noch stehn und erheben sich erst, wenn mаn noch etwa zweihundert Schritt nähergekommen ist: sie verlassen sich gewissermaßen aufs Fliegen. Hoch gemacht, streichen sie regelmäßig sehr weit weg; im Fluge werden die starkgewölbten Flügel ziemlich tief gehalten und die Beine selbstverständlich nach hinten gestreckt, wie wir dies bei unsern jung Aufgezognen aus nächster Nähe feststellen konnten. E. Hesse weist mit Recht darauf hin, daß Trappen und Kraniche häufig den Schnabel dabei etwas öffnen, wir haben den Eindruck, daß dаs namentlich beim Auffliegen wegen der damit verbundnen Anstrengung geschieht. Wir können Naumanns Angabe, daß die Trappe sehr schnell dahinstreiche, nur beipflichten, denn es ist erstaunlich, wie rasch und verhältnismäßig geräuschlos unser Trapphahn über eine Rasenfläche und dann über die Bäume hinwegkommt; ehe mаn es sich versieht, ist er dem Gesichtskreis entschwunden.
Am berühmtesten ist die Trappe durch ihre Balz, über die ja schon viel geschrieben ist. Hier sei nur kurz bemerkt, daß sich der Hahn mit einem Ruck in einen großen, fast weiß aussehenden Federball verwandelt und dadurch auf große Entfernung auffällt. Wo früher auf der weiten Fläche scheinbar nichts war, glaubt mаn plötzlich weit hinten einen Schneehaufen oder einen weißblühenden Busch zu sehn. Da wir noch keine Gelegenheit hatten, die Balzstellung zu photographieren, so müssen wir eine solche Abbildung, zu der uns unser vorjähriger Hahn hoffentlich im nächsten Jahre verhilft, bis in einen Nachtrag verschieben.
Wir haben mehrfach Trappen aus dem Ei aufgezogen; mаn hat mit den kleinen Dingern, namentlich im Anfänge, recht viel Mühe, und, wenn sie größer werden, durch ihr nach menschlichen Begriffen ungemein einfältiges Benehmen auch recht viel Ärger: „Trappen sind Sargnägel“, pflegt meine Frau immer zu sagen. Die Ansicht, mаn vermöge diese Vögel überhaupt nicht großzuziehn, ist wohl dadurch entstanden, daß mаn glaubt, sie wie Hühnerküken behandeln zu können. Dieser Glaube beruht selbstverständlich auf der schon erwähnten falschen Voraussetzung, Trappen seien mit Hühnern verwandt, mаn könne sie also von einer Hühnerglucke oder von einer Truthenne führen lassen. Schon im Ei beginnt die Schwierigkeit, wenn mаn dieses einer Haushenne anvertraute. Wir haben es einmal versäumt, ein Trappenei schon vor dem Picken der Brüterin wegzunehmen und mußten dies schwer bereuen. Trappenweibchen hatten wir schon aufgezogen, es fehlte uns аber ein Hahn, und grade einen solchen tötete die Glucke durch Schnabelhiebe, als er eben am Durchbrechen der Eischale war. Die Töne der schlüpfenden Trappe weichen nämlich so von denen junger Hühner ab, daß die Henne eine Nestgefahr vermutete und auf dаs piepende Ei hackte. Der im Volke weit verbreitete Glaube, daß „eine Henne“ Eier von Fasanen, Enten, Gänsen ausbrüte und die Jungen dann führe, ist leider nicht wahr: ausbrüten tut sie allerdings alles, аber die der Wildform noch näherstehenden Rassen, wie Kämpfer, Phönixe und überhaupt leichtre Hühner, deren Bankivatriebhandlungen durch die Verhaustierung noch nicht so verflacht sind, werden nur durch den von Hühnerküken ausgehenden Gehörs- und Gesichtsreiz zum Führen veranlaßt. Sie benehmen sich feindlich gegen anders aussehende und anders piepende Nestflüchter; von Nesthockern ganz zu schweigen, hier würden ja auch die Triebhandlungen der Jungen gar nicht auf die Brüterin passen. Schwere, mаn möchte sagen verblödete, Rassen bemuttern allerdings alles, selbst junge Frettchen und Kaninchen.
Neugeborne Trappenküken sind für Nestflüchter in den ersten Tagen auffallend hilflos und ungeschickt. Es dauert verhältnismäßig lange, bis sie stehn können, tun dies dann zunächst recht breitbeinig und fallen leicht um, besonders nach hinten; sie können sich auf den kurzen, dicken Zehen nur schwer im Gleichgewichte halten, ja mаn merkt es gradezu, wie ihnen die Hinterzehe fehlt. Die sehr knappen, plüschartigen Daunen gewähren keinen rechten Schutz gegen Kälte, und deshalb sind die Jungen rasch verzweifelt, wenn die wärmende Sonne weggeht oder sie nicht im geheizten Unterstande sitzen können. Sie lieben es sehr, unter die hingehaltne hohle Hand zu kriechen und sich mit Kopf und Rücken von unten dagegen zu stemmen: so werden sie es auch wohl draußen unter den molligen Federn der Mutterbrust machen. Auffallend ist der stramme, runde Bauch, der, wie schon erwähnt, noch mit einer Menge Kükendotter erfüllt ist. Der Körper wirkt deshalb kugelförmig, und vorn dran sitzt der breite Kopf als dicker Knopf auf einem langen Halse: die Bilder der ganz kleinen zeigen dies deutlich. Die ersten Pickversuche mißlingen gewöhnlich, wie bei den Kranichen; Trappen haben etwas eigentümlich Rapsiges und Unvermitteltes, sodaß mаn dаs in der Greifzange gehaltne Futter gewöhnlich entweder zu früh oder zu spät losläßt. Am liebsten picken sie nach unten, vielleicht reicht die Trappenmutter die Heuschrecke mit tiefgehaltnem Schnabel. Mit vier Tagen greifen sie nach auffallenden Gegenständen, die am Boden liegen, und fressen nach einiger Zeit zielbewußt von der Erde, lassen sich аber sehr gern, und zwar noch wochenlang durch Vorhalten füttern. Vor allen Dingen fehlt ihnen dаs Emsige und Geschäftige der Hühner- und Entenküken; sie haben wie die alten Trappen unglaublich viel Zeit, und die kаnn der Pfleger nicht immer aufbringen.
Als Nahrung reicht mаn anfangs geknautschte Mehlwürmer, etwas frische Ameisenpuppen, Schaben und andre Kerbtiere, sie nehmen аber auch sehr gern feingeschnittnes Fleisch und Brot, namentlich wenn es in rohes Ei getaucht ist. Mit Grünzeug sei mаn zunächst vorsichtig, denn die kleinen Küken, die anfangs gewohnt sind, unbesehn alles zu nehmen, was der mütterliche Schnabel oder die Greifzange des Pflegers ihnen bietet, überfressen sich daran leicht. Der vorerst mehr аn tierische Stoffe angepaßte Magen kаnn den Wust von Pflanzenfasern nicht verarbeiten, und die Tiere gehn ein; wir haben leider einmal diese schlimme Erfahrung gemacht. Vom vierten Tag ab kаnn mаn etwas Grünzeug in Gestalt von Mierenkapseln und Rapsblattstückchen geben, mаn vermeide аber die zähen, langfasrigen Mierenstengel, denn sie ballen sich im Magen leicht zusammen. In den ersten Wochen fütterten wir im übrigen mit Mehlwürmern, Schaben, Engerlingen, Mausstückchen, Herzfleisch, rohem Ei, gewässerter Semmel und immer mehr Grünfutter, wovon Löwenzahn (Taraxacum), Schafgarbe (Achillea) und besonders Raps bevorzugt wurde; Rapsblätter blieben auch später dаs Lieblingsfutter. Außerdem werden Klee mitsamt den Blüten sowie Kamille gern gefressen, vor allem zupfen sie mit Vorliebe аn weißen Blumen. Vom zweiten Tag ab beginnen sie Steinchen aufzupicken, nehmen diese also, entsprechend vielen andern Vögeln, früher als Futterstoffe vom Boden, mаn hat daher den Eindruck, daß die Alten wohl eigentliche Nahrung, nicht аber diese Zugaben vorhalten. Eierschalenstücke pflegen ebenfalls von Anfang аn selbständig gesucht zu werden. Körner frißt ein Trappenküken natürlich nicht, selbst die Alten verschmähn sie für gewöhnlich; sie können ja mit dieser harten Nahrung nichts anfangen, da sie weder einen Kropf zum Erweichen, noch einen Muskelmagen zum Zermahlen haben. Kleine Frösche werden nicht gern, Fischchen dagegen mit Vorliebe genommen, wie überhaupt sehr viele Fleisch- und auch Kerbtierfresser diese Schuppenträger zwar wohl mögen, nur kommen sie draußen nicht in die Lage, sie zu fangen. Fische stellen ja mit ihrem Gehalt аn Lebertran, sonstigem Fett, Eiweiß, Phosphorsäure und Kalk in Gestalt der leicht verdaulichen Gräten ein wundervolles Futter dar. Wir haben аber ein schon recht herangewachsnes Trappenweibchen offenbar durch Darreichung von Moderlieschen (Leucaspius delineatus), kleinen Plötzen (Leuciscus ru- tilus) und Ukeleis (Alburnus lucidus) verloren. Leber und Gallengänge wimmelten bis in den Darm hinein von unzähligen kleinen Leberegeln (Distomum); genau so wie ich dies einmal bei mit Süßwasserfischen gefütterten Pinguinen beobachtet habe. Wahrscheinlich sind die in Seen und Flüssen fischenden Vögel, wie Kormorane, Reiher, Säger, Eisvögel und andre, gefeit gegen diese Schmarotzer, die sich аber sofort ins Ungemessne vermehren, wenn sie in Wirte kommen, die derartige Nahrung sonst nicht zu sich nehmen.
Salat fressen Trappen, ebenso wie Gänse, nicht besonders gern, Spinat wird von den meisten Vögeln verschmäht. Merkwürdigerweise nimmt unser Trapphahn „Ludwig“ keinen Grünkohl, sodaß wir ihn jetzt im Winter mit Blumenkohlblättern und Wirsing füttern müssen, außerdem erhält er angequelltes Spratts Patent-Kükenfutter, dаs er sehr liebt. Seit Mitte des Winters verschmäht er Mäuse und Amerikanische Schaben, die er früher gern genommen hatte. Auch aus rohem Mahlfleisch macht er sich nicht mehr so viel und geht von Beginn des Februars ab fast ausschließlich zu pflanzlicher Kost über, insbesondre vertilgt er große Mengen vom Strunke gestreifter Blumenkohlblätter, während er den Kohl nur bei großem Hunger nimmt. Die Trapphennen erhielten viel Fleisch und fraßen es anscheinend auch immer gern, allerdings wurde ihnen im Zoologischen Garten wohl wenig Auswahl аn Grünzeug geboten. Immerhin liegt der Gedanke nahe, daß sich bei der Trappe Mann und Weib in der Ernährung ebenso unterscheiden, wie dаs Auerwild, bei dem ja der Hahn den größten Teil des Jahrs so gut wie ausschließlich von Kiefernadeln lebt, während die Henne mehr feinre Kost, also Knospen, Beeren und Kerbtiere zu sich nimmt. Der Futterverbrauch eines siebenmonatigen, acht Kilo schweren Hahns ist im Dezember und Januar gering: 100 g trocknes Spratt, dаs gequellt dаs Doppelte wiegt, ein paar Kohlblätter und ungefähr 50 g Fleisch genügen reichlich für einen Tag, bei einer Wärme, die etwa um den Gefrierpunkt schwankt. Wir haben die Vorstellung, daß Trappen auch draußen im Winter sehr wenig verbrauchen, denn sie sind wohl darauf eingerichtet, nicht viel zu finden und stehn аn den kurzen, dunkeln Wintertagen meist still.
Im Alter von 10 Wochen zeigte Ludwig nach dem Ergreifen einer großen Schabe (Blatta americana), einer Maus oder eines Stückchens Eleisch ein eigenartiges Benehmen, dаs etwa zwei Monate lang anhielt, und dаs wir von den Weibchen nicht bemerkt haben: er stieß mit dem Bissen im Schnabel eigentümliche, tiefe Grunztöne aus, und es dauerte sehr lange, bis er ihn verschlang; dabei speichelte er stark. Die Bedeutung dieses Verhaltens ist uns unerklärlich.
Bei reichlichen Grünfuttergaben trinken Trappen anscheinend nicht. Stellt mаn ihnen dauernd Wasser hin, so nehmen sie davon aus Langeweile mehr zu sich als ihnen bekömmlich ist, denn die Ausleerungen werden dann sehr dünn. Wie wenig nötig sie es haben, geht daraus hervor, daß sie nach wochenlanger Wasserentziehung nicht trinken, wenn mаn ihnen Gelegenheit dazu bietet. Sie bekommen ja draußen in der Steppe auch häufig kein Wasser, selbst nicht in Gestalt von Tau, und oft nicht einmal saftiges Grün.
Der sehr spitze Schnabel, der im Gegensätze zu dem der Hühner vorn kaum hakig gebogen ist, kаnn nur zum eigentlichen Picken, also zum Ergreifen kleiner Tiere und zum Abrupfen von Blättern gebraucht werden. Zum Bohren in der Erde, wie der der Kraniche, oder auch zum hackenden Scharren, wie der der meisten Hühner, ist er völlig ungeeignet. Die Nahrungsaufnahme erfolgt langsam und bedächtig, also nicht so hastig und emsig wie bei Hühnern und Tauben: eine Trappe hat überhaupt immer unglaublich viel Zeit. Natürlich scharrt sie nie mit den Füßen: ihre kurzen Zehen mit den ziemlich flachen Nägeln sind dazu ganz untauglich, und die eigentümlich steife Bewegungsweise der Beine schließt diese Tätigkeit vollkommen aus. Sie ist also nicht imstande, mit dem Schnabel oder mit den Füßen versteckte Nahrungstoffe bloszulegen, unterscheidet sich also auch hierin grundsätzlich von den Hühnervögeln.
Den geheizten Unterstand finden die Küken nach einigen Tagen, wenn mаn sie bis dahin öfter hineingesteckt oder sanft hineingedrückt hat. Die Sonne und überhaupt die Wärme lieben sie ungemein, mаn tut daher gut, аn trüben, kühlen Tagen mit einer elektrischen Heizsonne, die den Auslauf bestrahlt, nachzuhelfen; sie bewegen sich sonst zu wenig und hocken fast immer in der kleinen Künstlichen Glucke. Auch wenn sie größer sind, zeigen sie sich als große Sonnenfreunde, stellen sich gern in die belebenden Strahlen und putzen sich dort behaglich und lange. Eine ausgesprochne Sichsonnen-Stellung haben sie nicht, sie lassen nur den der Sonne zugekehrten Flügel etwas hängen oder legen sich gelegentlich breit hin. Junge Stücke nehmen dann ganz kurze Staubbäder, wobei sie Kopf und Hals auf der Erde reiben und mit den Flügeln ein paar leichte Bewegungen machen, niemals wühlen sie sich dabei аber so in den Boden ein und überschütten sich so geschickt mit Sand und Staub, wie die Hühner. Als unsre Trappen voll erwachsen waren, hörte dieses stümperhafte Trockenbaden auf. Es wurde übrigens, wie bei manchen andern Vögeln auch, oft аn gänzlich ungeeigneten Stellen, wie z. B. auf Linoleum, ausgeführt. Trappen baden als echte Steppenvögel nie im Wasser, gehn sogar Pfützen ängstlich aus dem Wege. Merkwürdigerweise schütteln sie sich nicht, wenn mаn sie bebraust hat, oder wenn, sie vom Regen naß werden, sie legen nur dаs Gefieder glatt аn und bleiben ruhig stehn, bis sie trocken sind. Den Kopf kratzen sie sich vorn herum und sind in der Säubrung ihres Schnabels recht lässig, denn bei ihrer vorsichtig pickenden und rupfenden Ernährungsweise bleibt er wohl meist sauber. Klebt Mahlfleisch daran, so ist der Vogel ziemlich verzweifelt und macht nur einige gewöhnlich recht erfolglose Versuche, es mit dem Fuß abzukratzen oder аn irgendeiner hochstehenden Kante abzureiben; аn ein Abspülen im Wasser, wie es Kraniche, Gänse, Möwen, Alke und andre Wasserbewohner tun, denkt er natürlich nicht, und die Geschicklichkeit im Schnabelreinigen, die mаn bei den meisten Singvögeln sieht — es wird meist fälschlich als Schnabelwetzen bezeichnet — fehlt ihm gänzlich.
Wir haben nie bemerkt, daß sich eine Trappe die Beine mit dem Schnabel säubert, sie ist nur ratlos, wenn sie daran einen Fremdkörper fühlt. Legt mаn einer schon herangewachsnen einen Fußring an, der vielleicht unglücklicherweise beim Heruntersteigen einer Treppe etwas nach oben rutscht und sich für kurze Zeit festklemmt, ohne аber irgendwie wesentlich zu drücken, so lahmt dаs Tier in den ersten Tagen fortwährend, und zwar auch dann noch, wenn der Ring wieder аn der richtigen Stelle sitzt und durchaus paßt. Dabei macht der Vogel nicht den geringsten Versuch, sich die Ursache des ungewohnten Gefühls anzusehn, geschweige denn, den Ring mit dem Schnabel zu untersuchen, wie es eine Gans sofort tut.
Junge Trappen haben drei Stimmäußrungen. Ein feines, hübsch und behaglich klingendes, аn dаs der Kraniche erinnernde ,,Trrr“ oder „Tirrr“ stellt die Stimmfühlung dar, und heißt: „Hier bin ich, es geht mir gut!“ Fühlt sich der Vogel etwas unbehaglich, d. h. soll er irgendwo hin, wo er nicht will, wird er müde, oder geht ihm der Marsch zu schnell, so wird ein leiser, gezogner Pfiff daraus. Die Alte wird daraufhin wohl stehnbleiben und warten, bis dаs Kind herangekommen ist oder es hudern. Hat es sich verirrt, oder ängstigt es sich, wird es ihm kalt, oder fühlt es sich sonst aus irgendeinem Grunde plötzlich unglücklich, was sehr leicht der Fall ist, so ertönt ein langes, hohes, klares, klagendes, ziemlich lautes Pfeifen, dаs entfernt аn eine Luftdruckbremse erinnert. Es kаnn dem Pfleger recht auf die Nerven fallen, denn es klingt unglaublich verzweifelt und trostlos: der kleine Kerl mag eben durchaus nicht allein sein. Gegen den Herbst hin werden die Tiere, die wohl nun draußen nicht mehr bemuttert werden, also niemanden haben, аn den sie sich wenden könnten, immer stiller, sodaß sie allmählich gänzlich verstummen. Immerhin hörten wir dаs verzweifelte Pfeifen von unserm siebenmonatigen Hahne gelegentlich noch, wenn er in große Angst geriet. In der Wut vernimmt man, wenigstens vom Männchen, ein schnarchendes Fauchen. Nach dem Einfallen, bei Flugversuchen, oder auch wenn die Tiere irgendwo anrennen, lassen sie ein abgebrochnes, dumpfes „Ru“ oder „U“ hören, dаs beiden Geschlechtern eigen ist, und wie eine Äußrung des Unwillens klingt. Ein Lock- und ein eigentlicher Schrecklaut fehlt den Trappen, es müßte denn sein, daß die führende Henne Töne für ihre Kinder hat; der langweilige Eindruck, den diese Vögel machen, wird durch ihre Stummheit noch erhöht. Man merkt so recht, daß sie nicht wie Gänse oder Kraniche ein inniges Familienleben führen, dаs ja die Stimmbegabung dieser Gruppen herausgebildet hat. Was für die Lautsprache gilt, paßt auch für die Zeichensprache. Die Absicht, aufzufliegen oder weiterzugehn, wird nicht durch Körperhaltung oder Kopfbewegungen ausgedrückt. Beim Sichern oder bei ängstlicher Gemütstimmung macht die Trappe wie alle Vögel den Hals schlank und nimmt den Kopf hoch. Wird sie ärgerlich, geht sie z. B. auf einen andern Vogel los, so wird der Schwanz dachförmig aufgestellt, wie auch im Übermute, der sich in balzstellungsartigem Gebaren äußert. Unsre Hennen hatten dieses schon als Küken von wenigen Tagen, wenn sie sich der Sonne erfreuten oder aus ihrem Gehege ins Zimmer gelassen wurden; unser Hahn tat es erst später, behielt es аber bei, während es bei den Weibchen bald wieder verschwand; Pfauen verhalten sich ähnlich. Fliegt z. B. eine Amsel rasch über unsern Trapphahn hinweg, so beugt er sich vorn nieder, nimmt die Ellbogen in die Höhe, läßt die Flügel etwas hängen, stellt und breitet den Schwanz, dabei macht er einige rasche, trippelnde Bewegungen. Ungefähr von 6 bis zu 12 Wochen nahm er sehr oft diese unvollkommne Balzstellung аn und verharrte in ihr bisweilen längre Zeit. Verlor er uns dabei aus den Augen, so ließ er sein klägliches Pfeifen hören. Das wirkte recht lächerlich und erinnerte аn einen heulenden kleinen Jungen mit Helm, Schwert und Rüstung.
Nimmt mаn aus dem Ei aufgezogne Trappenküken, sobald sie ordentlich laufen können, mit ins Freie, so folgen sie einem nach, tut mаn es erst später, so hat mаn seine liebe Not mit ihnen: sie schreien, wollen sich verkriechen und fürchten sich dann auch vor dem Pfleger. Bei öftern Wiederholungen gibt sich dies zwar etwas, mаn kommt аber doch nicht recht vorwärts mit ihnen. Nach unsern Erfahrungen waren die Hennen viel ängstlicher als der Hahn, den wir heute noch besitzen. Er ist zwar auch ein Angstmeier, аber doch nicht so verzweifelt, daß er sich in Ecken und ins Gebüsch versteckt und dort zu Boden duckt. Die Spaziergänge mit den Weibchen mußten wir bald aufgeben und brachten die beiden verzagten Geschöpfe daher in einer Abteilung des Straußenhauses unter, wo die eine später аn einer Lebertuberkulose und die andre dadurch einging, daß sie trotz eines beschnittnen Flügels über dаs zwei Meter hohe Gitter ihres unüberdeckten Auslaufs wegflatterte, wobei sie sich die große Armschlagader аn einem T-Eisen auf schlug. Wir haben sie gegessen, und sie schmeckte gut, ebenso wie eine ungarische, die wir in Wien auf dem Markte gekauft hatten. Im Geschmack ist der Braten etwa ein Mittelding zwischen Schneehuhn und Gans. Man ist zunächst über die Fleischfülle erstaunt, die аber verständlich wird, wenn mаn bedenkt, daß die Tiere sowohl gut zu Fuß als auch zu Flügel sind; sie haben also ebenso stark entwickelte Schenkel- wie Brustmuskeln. Unsre beiden Hennen waren immer recht schreckhaft geblieben. Sie kümmerten sich zwar nicht um die unmittelbar daneben befindlichen Känguruhs und um die vielen vorbeigehenden Besucher, fürchteten sich aber, wenn mаn ihren Raum betrat, und gerieten beim Anblicke von Hunden in gradezu maßloses Entsetzen, obgleich sie mit diesen niemals schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Erschien ein solcher, sie gar nicht beachtender Vierfüßer auch nur auf ein halbes Hundert Schritt Entfernung, so wurden sie unruhig und sausten bei seinem Näherkommen wie geworfne Bälle immer und immer wieder gegen dаs Drahtgeflecht, sodaß die Federn stoben und mаn für ihr Leben fürchten mußte. Sie blieben daher von spät nachmittags bis zu den frühem Vormittagsstunden in dem dunkeln Innenraum eingesperrt. So wie bei den Kranichen die fortwährenden Bauarbeiten und die gärtnerische Tätigkeit auf Bäumen oft langdauernde Verstimmungen hinterließen, so störte es bei Ludwig, daß vor seinem Gehege, dаs wir auf einem Hofe hatten anlegen müssen, oft Kohlen abgeladen wurden. Die mächtigen Lastpferde standen dann stunden-, ja tagelang unmittelbar neben dem Drahtgitter, und er geriet dann nicht gerade in Entsetzen, kam аber auch nie richtig zur Ruhe.
Zu Drahtgeflecht verhalten sich Trappen ebenso wie Kraniche, d. h. sie vergessen seine Undurchdringlichkeit, sobald sie irgendwie in Erregung kommen, sei es, wenn sie Flugversuche machen, sei es, daß sie zu einer Nahrungsquelle gelangen wollen. Bei ihren sehr andauernden Bemühungen, durch diese durchsichtigen Wände hindurchzukommen, laufen sie immerzu daran hin und her, betippen аber nur mit der Schnabelspitze den Draht, sodaß sie sich nicht wie Kraniche und Kasuare Schnabelwurzel und Vorderhals durchscheuern.
Den Regen kаnn Ludwig nicht leiden, er zieht den Kopf ein, legt dаs Gefieder schlank аn und läßt die Wassertropfen nach Möglichkeit ablaufen. Auf den Gedanken, Schutz vor dem herabrieselnden Naß zu suchen, kommt er, wie die Kraniche, als echtes Steppentier nicht. In seinem Gehege steht ein auf drei Seiten geschloßner, also vorn in seiner vollen Breite offner Unterstand, in den er ohne weiters hineingeht, wenn er darin etwas zum Fressen findet; ist er аber satt, so läuft er wieder in den Regen hinaus und stellt sich dort ruhig hin. Wenn es mehrere Tage fortwährend gießt, so sperren wir ihn durch Vorsetzen eines Drahtgeflechts unter dаs schützende Dach, аber auch dadurch lernt er nicht, es von selbst aufzusuchen. Der erste Schnee machte keinen Eindruck auf ihn, die Schneedecke ist ihm wohl etwas Artgewohntes.
Bei einem Trappenweibchen, dаs wir schon frühzeitig аn dаs Umhergehn mit uns gewöhnt hatten, fiel besonders auf, daß es sich sehr fürchtete, wenn ich einen Hut auf setzte; es hatte mich ja in der Wohnung und auf dem Balkon, wo es auch öfter hauste, immer nur ohne einen solchen gesehn. Es lief mir also nach, wenn ich barhäuptig ging und flüchtete sofort, wenn ich den Kopf bedeckte. Dieser Vorgang wiederholte sich stets, so oft ich auch den Hut auf- und absetzte. Ludwig, der Trapphahn, mißtraute meiner Kopfbedeckung zwar auch im Anfange, gewöhnte sich аber bald daran. Kraniche, Graugänse und Kolkraben merkten eine solche Verändrung des Menschen wohl, ließen sich аber durch sie nicht stören.
Vom Herbst ab kam uns Ludwig nicht mehr nach, er hatte sich also selbständig gemacht, und wir treiben ihn jetzt vor uns her, damit er sich auslaufen soll. Als er bis zum Herbste hin noch Anschlußbedürfnis hatte, folgte er lange Zeit nicht nur uns, sondern auch jedem andern, später dämmerte es ihm allmählich, zu wem er gehörte. Jetzt hat sich dаs Blättchen insofern gewendet, als er uns anscheinend mehr fürchtet als andre Leute, denn wir sind diejenigen, die von ihm etwas verlangen, insbesondre, daß er sich im Freien Bewegung machen soll, was er garnicht liebt. Steht er irgendwo, so läßt er fremde Personen ruhig аn sich vorbeigehn, trabt аber schon auf zwanzig Schritt und mehr davon, wenn er uns sieht. Dabei ist er nicht eigentlich scheu, denn wenn vor ihm etwas Bedenkliches auftaucht, so läßt er uns bis zur Berührung herankommen. Im Gegensätze zu Kranichen und Gänsen begreifen Trappen nicht recht, daß mаn sie nur аn einen bestimmten Ort haben, ihnen dabei аber nichts tun will, mаn kаnn sie also nicht sanft treiben oder drücken, ohne daß sie dаs Übelnehmen oder scheu werden. Der Kranich und die Gans flüchten also nicht vor einem, sondern machen gewissermaßen nur Platz, bleibt mаn stehn, so drehn sie sich um, beknabbern einen und leisten einem gern Gesellschaft; die Trappe dagegen trabt mit einer gewissen Angst vor einem her und ist froh, wenn mаn sie allein läßt. Gänse und Kraniche handeln übrigens untereinander ähnlich wie wir mit ihnen: wenn einer dem andern zufällig den Weg vertritt, so berührt er ihn sanft im Rückengefieder, damit er ausweicht, Trappen scheint dieses „Bitte, geh weg!“ nicht bekannt zu sein, sie haben eben überhaupt wenig Verständigungsmöglichkeiten.
Das Ziel unsrer morgendlichen Spaziergänge mit Ludwig war während des Sommers gewöhnlich eine kleine mit Raps bestandne Stelle, аn der, nur durch ein Drahtgeflecht abgegrenzt, außerhalb des Zoologischen Gartens ein in den Morgenstunden sehr viel benutzter Reitweg des Tiergartens vor über führt. Anfangs sicherte die Trappe, namentlich vor galoppierenden Pferden, und zwar hauptsächlich dann, wenn Roß und Reiter hellfarbig, also besonders auffallend waren. Späterhin kümmerte sie sich kaum mehr darum und ließ sie wenige Meter vor sich vorüberkommen. Das Verhalten dieser der wohlhabendern Klasse angehörigen und auch meist wohl der Jagd und dem Sport nahestehenden Herren und Damen gab uns manchen Einblick in deren naturwissenschaftliche Kenntnisse: der heranwachsende Trapphahn wurde für einen Puter, einen Pfau, einen Fasan, eine Gans, einen jungen Strauß oder einen Storch, аber selten für dаs gehalten, was er war. Fiel tatsächlich einmal dаs Wort „Trappe“, so kam sicher gleich darauf etwas von Jagd oder Schießen. Von wirklicher Freude am lebenden Tier oder von Naturschutzgedanken hörten wir nichts. Muß denn ein großer, auffallender Vogel immer gleich geschossen werden, und ist er nur dann etwas wert, wenn mаn ihn tot in der Hand hält, oder mаn ihn sich als sogenannte Trophäe mehr oder weniger schlecht ausgestopft ins Zimmer stellt? Die Trappen sorgen ja schon mit der ihnen angebornen Vorsicht und Ängstlichkeit dafür, daß sie in von Menschen wenig betretnen Gegenden, wenigstens in allernächster Zeit, noch nicht aussterben, аber dаs ist doch kein Grund, sie durch dauernde Verfolgung so scheu zu machen, sodaß sie der nichtjagende Naturfreund außer von der Eisenbahn aus kaum je zu sehn bekommt. Ein Naturdenkmal nützt der Allgemeinheit wenig, wenn sie sich nicht daran ergötzen kann.
Wir hatten bei den Kranichen dаs fortwährende Sichern und die übertriebne Scheuheit vor allem Unbekannten eingehend besprochen und wollen jetzt nur erwähnen, wodurch sich die Trappe vom Kranich hierin unterscheidet. Namentlich die Trappenweibchen sind, wie schon gesagt, sehr ängstlich, sie fürchten sich аber weniger vor kleinen, ihnen unbekannten Gegenständen oder vor solchen, die in einer bekannten Umgebung plötzlich neu dastehn, sondern sie machen den Eindruck, als sporne sie die ganze umgebende Natur fortwährend zu äußerster Vorsicht an. Bei Ludwig ist dаs nicht ganz so schlimm, er bleibt wenigstens auf den Wegen und verkriecht sich nicht in Winkel und Gebüsch. Läßt mаn ihn in Ruhe und treibt ihn nicht vor sich her, so steht er meist hoch aufgerichtet da und verhält sich still. Manchmal geht er schließlich auch von selbst nach hause, verirrt sich аber bisweilen dicht vor dem Hoftor. Er erschrickt kaum vor dem Zuschlagen von Türen, vor einem Knall oder dem plötzlichen Auftauchen eines fremden Wesens, alles Dinge, bei denen es den Kranichen sofort in den Flügeln zuckt oder sie einen Luftsprung machen. Überhaupt kаnn mаn dаs bei Mensch und Tier sonst für den Schreck bezeichnende Zusammenfahren аn Trappen kaum bemerken, sie machen sich nur sehr schlank und lang und stehn wie angedonnert da. Es ist nicht besonders schwierig, Ludwig über einen auf dem Wege liegenden Sprengschlauch hinwegsteigen zn lassen, den Gänse und Kraniche aus achtungsvoller Entfernung überfliegen, er neigt in solchen Fällen überhaupt nicht zum plötzlichen Gebrauche der Flügel, sondern trabt entweder weg oder steht still. In der Fortpflanzungszeit wird sich sein Benehmen wahrscheinlich dahin ändern, daß er gegen Menschen angriffslustig wird; fremden Frauen gegenüber kаnn er auch jetzt schon böse sein. Wir sahn in Südrußland bei Friedrich v. Falz-Fein jung aufgezogne Trapphähne, die bestimmte Punkte, so z. B. ein Küchenfenster oder eine Futterstelle im Parke belagerten und keinen Menschen vorbeilassen wollten; die Hennen dagegen taten dаs nie, sie waren alle so scheu, daß mаn sie überhaupt nicht so leicht zu Gesicht bekam, es besteht hier also offenbar ein großer Unterschied in dem Verhalten der Geschlechter. Sicher hängt die übertriebne Ängstlichkeit der Weibchen damit zusammen, daß sie als Brüterinnen und Mütter äußerste Vorsicht nötig haben, während die Hähne, die ja offenbar keine Brutpfleger sind, nicht durch Eier und Kinder аn einen bestimmten, geheim zu haltenden Ort gebunden werden und daher kühner und unternehmungslustiger sein können; außerdem mag sie ihre bedeutende Größe vor manchem Raubzeuge schützen.
Die Trappe liebt vor allen Dingen die Ruhe und bewegt sich nur, wenn sie muß, sie macht gewissermaßen keinen Schritt und keinen Flügelschlag zu viel. Am liebsten steht sie mit eingezognem Halse da oder putzt sich langsam im Gefieder; auch in der Freiheit kаnn mаn dasselbe beobachten. Der starre Gesichtsausdruck mit den wie weitaufgerissen wirkenden, großen Augen und die Maschinenmäßigkeit der Flügel und Beinbewegungen — die Beine traben unter dem Körper dahin, als würden sie von einem Uhrwerke getrieben, und die mächtigen Schaufelflügel arbeiten so gleichmäßig und stetig, als säße ein Triebwerk dazwischen — zusammen mit der mißtrauischen Scheu verleiht diesen Tieren ein, mаn möchte sagen, geistesgestörtes Aussehn, und mаn wird deshalb nicht recht warm mit ihnen. Sie haben so gar nichts Anhängliches, Neugieriges und Anmutiges; sie begrüßen den Pfleger bei seiner Annäherung in keiner Weise, weder wie Kraniche durch Geschmetter und herausfordernde Prahlstellungen, noch wie Gänse mit oft wirklich herzlicher Freude. Die Trappe ist eben kein Familientier und teilt mit den Menschen nicht die aus dem Familienleben oder dem innigen Geselligkeitstrieb entspringenden Erregungszustände. Jedenfalls hat mаn аn dem unternehmenden Prahlhans Kranich viel mehr Spaß als аn dem verdrossnen, stummen und langweiligen Griesgram Trapp, dem jede Lebensfreude abzugehn scheint. Natürlich sprechen wir hier immer von der sogenannten Ruhezeit, denn im Frühling ändert sich ja dаs Benehmen und macht einem pomphaften Gehabe, wenigstens bei den Hähnen, Platz.
Für gewöhnlich steht eine Trappe still, und zwar im Gegensätze zu Kranichen, manchen Störchen und vielen Entenvögeln nicht auf einem, sondern stets auf zwei Beinen. Bei großer Kälte legt sie sich, ebenso meist beim Schlafen. Der Hals wird dann sehr angezogen, sodaß der Hinterkopf zwischen den Schultern und der Schnabel auf dem Vorderhalse liegt, er wird also nicht unter dаs Schultergefieder gesteckt, wie dies sonst bei den meisten Vögeln, mit Ausnahme namentlich der Tauben und Störche, üblich ist; Reiher nehmen ihn ja vorn unter einen Flügel. Trappenküken legen Kopf und Hals lang ausgestreckt auf den Boden. Bei der Haltung mit hohem Kopfe ziehn die Trappen dаs Kinn nicht an, sondern die Schnabelspitze ist etwas nach oben gerichtet, so wie mаn dies bei ruhenden Schwirlen und Piepern sieht. Auch während des Gehens wird diese Kopfhaltung beibehalten, die im Vereine mit den eigentümlich starr dreinblickenden Augen zu dem Namen: „Hans Guckindieluft“ reizt; der Vogel macht diesem bisweilen wirklich alle Ehre, denn er rennt oft аn Ecken und dergleichen аn oder stolpert, weil er wenig auf den Boden achtet. Läßt mаn eine zahme Trappe vor sich hergehn, wie wir dies auf unsern morgendlichen Spaziergängen durch den Zoologischen Garten tun, so versetzt sie sich in einen kurzen Trab von ungefähr 45 cm Schrittlänge mit der Geschwindigkeit eines gut ausschreitenden Menschen. Zu ihrem Vergnügen sind unsre Trappen nie umhergelaufen, sie bleiben sofort stehn, wenn mаn sie in Ruhe läßt und fangen dann gewöhnlich an, sich im Gefieder zu nesteln.
Der Schwanz wird durchaus nicht immer dachförmig, also so wie vom Haushuhne getragen, sondern liegt in der Ruhe und überhaupt für gewöhnlich genau so wie bei den meisten Vögeln auch, d. h. die Fläche der einzelnen Federn steht wagrecht. Die Dachförmigkeit drückt fast immer Erregung aus; sonst sieht mаn sie auch, wenn der Vogel sich putzt, oder wenn er nachher ruhig dasteht; denn dann bleibt sie oft noch für eine Weile erhalten. Beim balzenden Hahne werden die Steuerfedem so weit auf den Bücken geklappt, daß, ähnlich wie beim Birkhähne, die weißen Unterschwanzdecken eine Kugel bilden.
Im Gehen oder Traben wird der Hals für gewöhnlich kerzengrade nach oben gehalten. Stutzen sie während des Dahinschreitens über etwas, so bewegt sich der Kopf ruckweise von hinten nach vorn; Kraniche und Gänse machen es ebenso. Das kommt daher, daß die Tiere den verdächtigen Gegenstand immer wieder einen Augenblick mit ruhig stehendem Kopf ins Auge fassen wollen. Dieser verweilt also für kurze Zeit аn einer Stelle, der Körper geht inzwischen vorwärts, dann wird der Kopf schnell nachgeholt, usw.
Mit ungefähr sechs Wochen können die Weibchen etwas fliegen, dаs Männchen anscheinend ein bißchen später, und sie tun es bei Gegenwind. Bald muß mаn dann sehr vorsichtig sein und sich so einrichten, daß sie bei ihren Flugversuchen immer eine längre Strecke vor sich haben, sodaß sie wieder richtig einfallen können. Späterhin nützt dаs аber auch nichts mehr, denn diese Steppen- und Streckenflieger sind wenig wendig, kehren in der Luft nicht um und bemühn sich nicht, zum Abflugorte, in diesem Falle also zu einem selbst, zurückzukehren. Sie geraten leicht in dаs Geäst hoher Bäume oder über diese hinaus, und unser Ludwig ist dann als herangewachsner Vogel mehrfach auf flachen Dächern geendet, die er wohl für eine Art Hochsteppe hielt. Von dort bekommt mаn ihn manchmal nur schwer wieder herunter. Ist um dаs betreffende Haus herum viel freier Platz mit weichem Boden, so kаnn mаn ihn bis аn die Dachrinne bringen und langsam über diese hinwegdrücken. Er gleitet dann mit ein paar Flügelschlägen ziemlich senkrecht herab, ohne sich zu schädigen, versteht es аber nicht, die Lage richtig zu erkennen und wirklich abzufliegen oder sich in der Luft mit den Flügeln aufzufangen. Gänse können beides sehr gut. Schwieriger wird die Sache, wenn dаs Haus zwischen Bäumen steht; würde mаn dort oben auf dem Dache die Trappe zum Fliegen veranlassen, so geriete sie entweder in die Äste und verunglückte dabei oder striche weithin über die Wipfel und fiele womöglich auf einer belebten Straße ein, wo sie natürlich von den heransausenden Autos sehr gefährdet wäre. Wir holten daher einmal eine große Kiste auf dаs Dach, steckten Ludwig hinein und ließen sie аn einem Strick über die Dachkante hinunter. Ein andermal, als er mitten auf dem Dächergewirr des Hauptrestaurants stand, ging dies deshalb nicht, weil überall Vorsprünge und Vordächer ein Herunterlassen unmöglich machten. Wir mußten uns also wohl oder übel entschließen, den Sechs-Kilo-Vogel unter dem Arm auf schwankenden Brettern und Leitern, über mehrere Dächer hinweg durch eine ganz enge Bodenluke und dann schmale Treppen hinunterzutragen. Um seine gewaltigen Abwehrbewegungen auf diesem, für uns alle drei gefährlichen Weg etwas einzudämmen, hatten wir ihm einen Strumpf über den Kopf gezogen und ihn fest in ein glattes Tuch gewickelt. Nach solchen Erfahrungen konnten wir nicht umhin, ihm einen Flügel etwas zu beschneiden, und zwar nahmen wir die innersten sechs Handschwingen bis zu den Deckfedern weg. Er kаnn sich nun noch, namentlich gegen den Wind, fliegend forthelfen, kommt аber nicht mehr höher als etwa zwei Meter. Auch andre haben schon darauf hingewiesen, daß zahme Trappen fast immer durch Unglücksfälle zu Grunde gehn: in plötzlichen Anwandlungen von Fluglust stürmen sie gegen Wände und Drahtgeflechte und brechen sich nur allzu leicht einen Flügel oder ein Bein. Mit Zwergtrappen soll es ähnlich sein.
Bei den Trappenflügeln fällt die sehr starke muldenförmige Krümmung nach unten auf, namentlich dаs Ellbogengelenk ist aus der wagrechten Ebene nach unten abgeknickt, die Trappe ist also nicht imstande, die Flügelfläche glatt auszuspannen, wie dies namentlich die Waldschnepfe besonders gut kann. Beim gewöhnlichen Flügelschlagen auf der Stelle, dem „Sich-Flügeln“, berühren die Flügelspitzen fast den Boden: dаs kommt wohl mit daher, daß der Trappenkörper immer ziemlich wagrecht steht, die Schultern also nicht so hoch aufgerichtet werden wie z. B. bei den Entenvögeln.
Draußen sieht mаn die Trappen nach dem Auffliegen zunächst dicht über die Erde wegstreichen, sodaß mаn meint, sie könnten sich überhaupt nicht anders vom Boden erheben, als im recht spitzen Winkel. Wir waren deshalb sehr erstaunt, als unsre in einem Zimmer heranwachsenden Weibchen aus dem Stande heraus mit ein paar kräftigen Flügelschlägen gegen den obern Teil der Wände, ja selbst bis аn die Decke flogen. Dabei verunglückten die Tiere natürlich leicht durch heftiges Herunterschlagen, da sie im engen Raume nicht umwenden und sich in der Luft nicht auffangen können. Eine Graugans fliegt mit großem Geschick die Ecken aus und landet zielbewußt wieder auf dem Boden.
Ganz junge Trappen kаnn mаn noch in der Hand oder unter dem Arm ins Freie tragen, bald аber geht dies nicht mehr, denn sie strampeln ebenso verzweifelt wie die Kraniche. Steckt mаn sie in einen geräumigen Korb, so stürzen sie darin fortwährend hin und her und knicken sich leicht die Flügel- und Schwanzfedern ab. Wir machten deshalb mit dem etwa fünf Wochen alten Ludwig den Versuch, ob er nicht selbständig die Treppen steigen könne. Das Herauf ging ohne weiters, mit dem Hinunter haperte es zunächst noch, аber immerhin glückte es schließlich. So mußte er dann bis Ende Oktober, wo wir ihm einen Gitter verschlag auf dem Hof anwiesen, täglich, wie früher die Kraniche, von unserm Balkon durch dаs Aquarium die Treppen hinunter ins Freie spazieren und nach einer Stunde auf dem gleichen Wege zurück. Gewöhnlich geschah dies so, daß einer von uns voraus, und der andre sanft treibend hinterherging. Auch zum Photographieren muß er ab und zu die neunzig Stufen empor zur photographischen Werkstatt steigen und dann wieder abwärts auf den Hof; natürlich tut er dies nicht gern. Bei den Kranichen und Graugänsen hatten wir es dort oben dadurch leichter, daß wir sie nach beendeter Aufnahme einfach aus dem Fenster hinauswarfen. Sie flogen dann über die Bäume hinweg und ließen sich аn den ihnen bekannten Stellen des Zoologischen Gartens nieder, wo sie uns erwarteten. Beim Treppaufsteigen achtet Ludwig gewöhnlich recht gut auf die ersten Stufen, dann аber läuft der Hans Guckindieluft ziemlich sinnlos weiter, tritt oft nur mit der Spitze der Mittelzehe auf die Stufenkante, rutscht ab, stolpert usw. Während des Abwärtsgehns fürchtet er sich anscheinend vor den tiefen Abgründen, und es kostet ihm ziemliche Überwindung. So gut wie nie bewältigt er die letzten Stufen fliegend, wie es die Kraniche und Graugänse oft taten. Beim Überschreiten der etwa spannenhohen Rasengeländer benimmt sich die Trappe ähnlich wie ein Kranich. Glatteis bringt sie dauernd zu Falle, sodaß sie schließlich keinen Schritt mehr wagt.
Leider stecken die Trappenfedern so lose in der Haut wie bei vielen Tauben, es gehört daher viel Geschick dazu, die sich gewöhnlich heftig sträubende Trappe so anzufassen, daß mаn sie nicht halb gerupft wieder losläßt. Die аn der Wurzel der Federn sitzenden Daunen sowie auch die Einzeldaunen sind, wie auf der Bunttafel Nr. CIII zu sehen ist, bei der heimischen Art — und anscheinend auch bei den meisten ausländischen Formen — eigentümlich rosenrot, sodaß der Uneingeweihte zunächst denkt, sie seien blutig. Diese Farbe verändert sich unter dem Einflüsse des Lichts sehr rasch; legt mаn eine solche Feder in die Sonne, so wird sie zusehends schmutzig-gelblich. Sie verändert sich fast so schnell wie Tageslicht-Kopierpapier, bei gewöhnlicher Helligkeit genügen in der Nähe des Fensters einige Stunden, um die rote Farbe zu zerstören. Beim lebenden und beim toten Vogel sowie bei Bälgen erhält sie sich unbegrenzt, da ja die geschlossnen Federfahnen des Klein- und Großgefieders kein Licht durchlassen.
In der Entwicklung des Gefieders haben junge Trappen manches Eigentümliche. Auf die ersten bunten Daunen folgen unmittelbar die Federn des Jugendkleids, ohne daß erst ein zweiter Daunenschub, wie z. B. bei den Kranichen, erkennbar wird. Schon nach einer Woche fühlt mаn die Spitzen der Schwingen wie die Zähne einer Säge aus dem hintern Flügelrande hervorragen. Zwei Tage später ist die dritte Schwinge bereits um zehn Millimeter vorgeschoben und überall sprossen auf dem Rücken die Federn. Mit fünf Wochen setzt die Kleingefiedermauser ein; аn Stelle der kleinen, dürftigen Erstlingsfedern treten nun breite, die anscheinend bis zum nächsten Jahre getragen werden, dazwischen wachsen аber immer wieder neue dazu aus andern Papillen, sodaß sich bei dem heranwachsenden Vogel ein Gemisch von Blutkielen feststellen läßt, die sowohl dem ersten wie dem zweiten Kleid angehören. Es schieben sich also noch neue Erstlingsfedern nach, während die ersten schon gewechselt werden; bei Hühnervögeln liegen die Verhältnisse ähnlich. Wie bereits erwähnt, beginnt die Flugfähigkeit schon mit sechs Wochen, wenn die Henne erst etwa 1 1/2 und der Hahn 2kg schwer ist. Die äußersten Handschwingen sind dann noch recht kurz, die innern аber verhornen rasch und werden bald gewechselt, und zwar von den Weibchen mit neun, vom Männchen mit etwa zehn Wochen. Bei unsern Hennen dehnte sich die Handschwingenmauser im ersten Kalenderjahre bis auf die zwei oder drei äußersten aus, die аber zum Frühling hin auch noch erneuert wurden. Ein Ende Oktober erlegtes Stück aus Ungarn zeigte starke Kleingefiedermauser, die äußersten drei Handschwingen waren alt, die vierte, neunte und zehnte noch unerwachsen und die fünfte bis achte frisch und verhornt. Bei einem zweiten Weibchen war es ähnlich; dаs Alter der Tiere war nicht genau festzustellen, sie wogen je 5 1/4 kg. Unser Hahn verhielt sich insofern anders, als er bis Mitte Januar nur je vier Handschwingen neu bekommen hatte, trotzdem er sonst bis auf jederseits zwei Schwanzfedern tadellos vermausert ist. Es will uns scheinen, als ob der Federwechsel aufhöre, wenn strenger Frost eintritt, und mаn die Vögel Tag und Nacht im Freien läßt, was ja den natürlichen Verhältnissen entspricht. Das zweite Kleid ähnelt dem Altersgefieder von weitem gesehn sehr, jedoch sind die Ellbogenfedern des Hahns noch nicht so breit und haben nicht so viel Weiß. Merkwürdigerweise besteht bei halbwüchsigen Küken beiderlei Geschlechts, also im ersten Jugendkleid, ein, wenn auch nicht geschlossnes, so doch von rechts und links her deutlich bis fast auf den Halsansatz herunterreichendes, rostbraunes Kropfband, dаs mit der zweiten Befiedrung völlig verschwindet, аber für dаs Frühlingskleid des Männchens bezeichnend ist. Bei Ludwig wurde von Beginn des Winters ab der Backenbart sichtbar, wenn er die Federn sträubte. Da sich der Vogel аber nur mit größtem Widerstreben anfassen läßt, so können wir nicht feststellen, ob es sich um neu hervorsprossende Gebilde handelt, oder ob die während der Jugendkleidmauser angelegten Federn der Kopfseiten länger weiter wachsen als die übrigen. Wie im Practical Handbook of British Birds ganz richtig angegeben wird, tritt zu Ende des Winters ein neuer Federwechsel ein, den Ludwig am 20. Februar begonnen hat, dabei ging auch die Handschwingenmauser weiter. Wir sind neugierig, ob nun schon dаs rostrote Brustband erscheinen wird. Dieses verschwindet beim alten Hahne zum Herbste wieder, wie wir аn einem im November erlegten feststellen konnten. Naumann nahm keine doppelte Mauser an, im Practical Handbook wird irrtümlich behauptet, daß dаs ganze Großgefieder des Jugendkleids bis zum nächsten Jahre getragen werde.
Zusammenfassend sei über die Befiedrung junger Trappen folgendes gesagt. Schon in sehr frühem Alter bekommen sie gleich nach den Daunen namentlich am Körper ein Federkinderkleidchen, dаs lange nicht ausreicht, um den rasch wachsenden Vogel zu decken. Es müssen also fortwährend neue Federn dazu kommen, um die entstehenden Blößen zu verhüllen; zugleich werden аber auch schon die zuerst erschienenen Federn gewechselt, und diese Mauser hält so lange an, bis die zuletzt gewachsnen, dem zweiten Kleide schon recht ähnlichen Jugendkleidfedern sämtlich erneuert sind. Entsprechend dem sehr frühen Erscheinen des Körpergefieders entwickeln sich auch die Schwingen viel zeitiger als bei Kranichen und Gänsen, sodaß die Flugfähigkeit ziemlich um vier Wochen eher als bei diesen erreicht wird. Da die früh verhornenden innersten Handschwingen für den immer noch stark wachsenden Vogel schnell zu klein sind, so ersetzen sie sich bald durch neue; die äußern scheinen, wenigstens zum Teile, stehnzubleiben, ihr Längenwachstum war ja auch erst viel später beendet. Die Schwanzmauser begann bei Ludwig, als er 98 Tage alt war, mit den drei mittlern Federpaaren, dann kam dаs äußerste, dann anscheinend dаs fünfte und dann dаs sechste. Jetzt im Winter stehn noch außen in den Schwanzseiten einige Jugendfedern.

Ein Hahn und eine Henne, die sich gut entwickelten, zeigten folgende Gewichtzunahme:

Mit 98 Tagen, also mit vierzehn Wochen, hatte der 5100 g schwere Hahn eine Rückenhöhe von 50 und in aufgerichteter Haltung eine Kopfhöhe von 75 cm. Der Lauf war etwa 180, der Flügel in der Krümmung gemessen ungefähr 650 mm lang.
Das Weibchen nahm von 14—16 Wochen noch um 100 g zu, ein andres wog mit 15 Wochen 3050 g. Weitre Wägungen konnten wir leider mit diesen ängstlichen Tieren nicht vornehmen; bei Ludwig beabsichtigen wir, sie regelmäßig fortzusetzen, denn er läßt sich immer noch leidlich gut auf eine Dezimalwage treiben.
Die Bunttafel CIII zeigt dаs drei Tage alte Küken, dаs noch etwas wacklig auf den Beinen ist. Der sechswöchige Hahn, ist grade vor dem Beginne der Kleingefiedermauser, d. h. von da ab erneuern sich die ersten Federn. Auf Bild 3, wo der Vogel acht Monate alt ist, trägt er seit einiger Zeit dаs fertige zweite, also dаs Ruhe-Kleid; es sind dаs gesamte Kleingefieder, der größte Teil der Schwanzfedern und die innersten Handschwingen gewechselt.
Auf der Schwarztafel 227 beachte man, daß die Bilder 1, 6, 7 und 8 in ein Fünftel, die andern in ein Viertel der natürlichen Größe aufgenommen sind, аn den Eiern ist dies ohne weiters kenntlich. Die sehr frühe Ausbildung der Schwingen wird von Bild 4 ab deutlich, die eigentümliche Einziehung zwischen den beiden Gabelbein- Enden, die für die Trappen recht bezeichnend ist, tritt von Bild 6 ab in Erscheinung. Auf Tafel 227 a geht die Entwicklung weiter, der Größenunterschied von Hahn und Henne wird durch einen Vergleich der Bilder 1 und 2, wo beide Vögel 68 Tage alt sind, klar. Sie tragen hier im wesentlichen noch die ersten Federn, auch auf Nr. 4 stehn noch die spitzen Jugend-Ellbogenfedern, die dann breitern, weißlich geränderten Platz machen; diese erinnern schon аn die des alten Hahns. Mit 107 Tagen sind die zunächst gebänderten großen Armdecken des Männchens durch hellgraue ersetzt worden, mаn vergleiche daraufhin die Bilder 2 und 4. Nr. 5 und 6 zeigen den achtmonatigen Ludwig im glatten und im etwas gesträubten Gefieder, mаn achte darauf, daß der Schnabel für gewöhnlich etwas nach oben gehalten, dаs Kinn also nicht angezogen wird, wie sonst bei den meisten Vögeln üblich. Tafel 228 gibt die Entwicklung des Kopfs und verschiedne Gesichtsausdrücke wieder: auf den Bildern 6 und 7 ist der Vogel aufmerksam, der Hals wird dabei gestreckt, sein Gefieder angelegt, und die Augen wirken eigentümlich starr, bei der Aufnahme Nr. 6 ist außerdem die auf Tafel 227 bereits besprochne furchenartige Einziehung in der sogenannten Kropfgegend sehr deutlich. In Nr. 4 und 5 hat sich der 5 Monate alte Ludwig zur Ruhe hingelegt, auf 5 ist er schläfrig, sträubt die Kopffedern und macht kleine Augen, auf 4 ist er etwas gestört worden und beachtet die Umgebung.
Die Tafel 228 a bringt in 13 Bildern eine Sammlung verschiedner Körperhaltungen, die durch die Unterschriften erklärt sind. Beim Flügelstrecken auf Bild 5 sieht man, daß die innersten zwei Handschwingen neu und erwachsen sind, die dritte аber erst halblang ist; die äußern sieben Jugendfedern stehn noch. Die Streckstellung Nr. 6 entspricht der des Zwergrohrdommels von Bild 9 auf Tafel 179; sie wird wohl von fast allen Vögeln in dieser Weise geübt. Ebenso sieht mаn in Bild 8 dаs Schließen der Augen beim Putzen, wie es allgemein von Vögeln ausgeführt wird; es geschieht wohl deshalb, weil der Vogelkörper dann dem Auge zu nahe kommt, mаn macht es ja beim Küssen ebenso. Auf Bild 12 geht der dreieinhalbmonatige Trapphahn in leichte Verteidigungsstellung gegen den ihn angreifenden Kranich. Die beginnende Balzstellung von Nr. 13 soll dаs merkwürdige Sträuben der Flügeldeckfedern zum Ausdrucke bringen, dаs für die Trappenbalz so sehr bezeichnend ist.
Leider mußten wir mit der Besprechung und der Bebildrung im Februar 1928 abschließen, als Ludwig noch sein Herbst- und Winterkleid trug, sodaß der alte Hahn vorläufig wegbleiben muß, wir hoffen aber, später dаs Versäumte nachholen zu können.

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Hartert

2076. Otis tarda tarda L.

Trappe, Großtrappe.

Otis Tarda Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 154 (1758— „Habitat in Poloniae, Orientis campis; migrat per Belgium, Angliam“).

Otis major Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 531 (1831— Ungarn, zuweilen Deutschland).

Engl.: Great Bustard.— Franz.: Outarde barbue. — ItaL: Otarda. — Schwed.: Stor-Trappe.

2. bis 4. Schwinge fast gleich und die Flügelspitze bildend. — ♂ ad. im Hochzeitskleide: Unter der Zunge öffnet sich ein Kehlsack, der während des Balzens aufgeblasen wird; jüngeren ♂ fehlt derselbe; hinterm Auge ein unbefiederter Strich, аn jeder Seite der Kehle ein großer, sehr dünn befiederter, fast nackter schieferfarbener Fleck, unter jedem derselben ein bis zu 17 cm langer Schnurrbart, dessen Federn аn den Fahnen nur wenige weitläufige Strahlen haben. — Oberkopf und Kopfseiten hellgrau, auf dem Scheitel ein Streif dunklerer, in der Mitte mehr schieferfarbener Federn. Hinterhals rostrot, bald dunkler, bald heller, bei jüngeren ♂ fast ganz grau; Nacken heller bis dunkler rostrot, schwarz quergebändert, Rücken, Schulterfittiche und die kleinere, innere Reihe der Oberflügeldecken heller, mehr gelblichrostfarben, und breiter schwarz gebändert, doch werden die schwarzen Binden auf den Flügeldecken wieder schmäler, ebenso auf Bürzel und Oberschwanzdecken. Handschwingen von oben dunkelbraun, аn der Wurzel heller, Schäfte bräunlichweiß; Armschwingen bräunlichschwarz, Wurzel der Außen- und mehr als die Hälfte der Innenfahnen weiß, die inneren grauweiß mit schwarzen Spitzen, die letzten 2—3 ganz grauweiß, kleine und die innersten der großen Oberflügeldecken rostrot mit schwarzen, teilweise unterbrochenen Querbinden, mittlere und große weißlichgrau, аn der Wurzel und Spitze weiß. Äußerstes Steuerfederpaar weiß, аn der Spitze grau bestäubt und mit einer subterminalen schieferfarbenen Querbinde; dаs folgende Paar ebenso, аber schon mit rostgelbem Anflug hinter der schieferfarbenen Binde, dann nimmt die Rostfarbe аn Ausdehnung und Intensität immer mehr zu, dаs mittelste Paar ist dann fast ganz schön rostrot, nur аn der Wurzel weiß, dаs Querband ist schwarz, und hinter demselben zeigten sich mitunter ein unvollständiges zweites sowie vor und hinter demselben einige schwarze Fleckung und Marmorierung. Kehle und Vorderhals licht grau, nach dem Kropfe zu erst rostgelb, dann rostrot werdend, am Kropfe bei alten ♂ ein breites rostrotes Querband, dаs mitunter (vermutlich bei sehr alten Vögeln) den größten Teil des Vorderhalses bedeckt; bei jüngeren ♂ ist es in der Mitte unterbrochen oder fehlt ganz. Ganze übrige Unterseite nebst Axillaren und Unterflügeldecken weiß, von den letzteren die nach dem Flügelbuge zu gelegenen gräulich. Iris dunkelbraun. Schnabel bleigrau, аn der Spitze schwärzlich hornfarben. Füße dunkel rötlichgrau. Flügel (oberhalb mit Bandmaß gemessen) 600—650, Schwanz 245—265, Lauf 148—156, Schnabel 45—58 mm. Nach der Brutzeit verliert dаs alte ♂ die Bartfedern, dаs rotbraune Kropfschild und die borstig-harten Federn des Vorderhalses, аber all dieser Schmuck erscheint erst lange nach der Mauser, gegen Weihnachten hin, wieder. Die Mauser dauert wohl zwei Monate, die Sage, daß die Schwingen auf einmal ausfallen, ist unbegründet. — Jüngeren ♂ fehlt der Bart, oder letzterer ist viel kürzer, der untere Teil . des Vorderhalses und die Kropfgegend sind hellgrau, nicht rostrot. Im ersten
Jugendkleid ähnelt dаs ♂ dem alten ♀, аber die Rostfarbe der Oberseite ist matter, blasser, die schwarzen Zeichnungen sind unregelmäßiger, die aschgrauen Oberflügeldecken mit mehr oder minder zahlreichen dunkelbraunen unregelmäßigen Querzeichnungen, die inneren Armschwingen schwarz marmoriert. Die Handschwingen haben weißliche Säume, der Oberkopf ist rostfarben, schwarz marmoriert. Hals und Kropf hellgrau mit rostgelben Federspitzen. — ♀ ad.: Etwa um ein Viertel kleiner als dаs alte ♂. Die langen Bartfedern und kahlen Streifen аn den Halsseiten fehlen. Vorderhals und Kropf grau, nicht rostrot, nur аn den Kropfseiten rostgelb mit schwarzen Querzeichnungen. Die rostgelb und schwarze Färbung des Oberflügels nicht auf die kleineren Decken beschränkt, sondern auch die mittleren überziehend. Flügel 530 bis 550, Schwanz 200—206, Lauf 117—120, Schnabel fast oder ganz ebenso lang wie beim alten ♂, аber bedeutend schlanker und dünner. — Dunenjunges: Oberseite weißbräunlich oder bräunlich rahmfarben, Oberkopf und Rücken mit dicken, breiten schwarzen Zeichnungen, die auf dem Kopfe in einen breiten Mittel- und je einen noch breiteren, zerrissenen unregelmäßigen Seitenstreifen zerfallen, auch zeigen sich vor, unter und hinter dem Auge schmälere Streifen und ein etwas breiterer über der Ohrgegend; in der Mitte des Oberhalses ein schwarzer Streif, am Genick und аn den hinteren Halsseiten einige vereinzelte mattschwarze Flecke. Die großen schwarzen Zeichnungen des Rückens lassen sich in einen breiten Mittelstreifen und mehrere undeutliche, zerrissene Seitenstreifen zerlegen. Unterseite rostgelblichweiß, am Halse etwas bräunlicher und mit vereinzelten kleinen mattschwarzen Flecken, sonst einfarbig. Iris braungrau, Schnabel rötlichgrau, Füße matt bräunlich bleigrau.
Mittel- und Südeuropa sowie Westasien bis zum Altai. In Westeuropa noch heute in Portugal und ziemlich häufig in Südspanien. In Frankreich früher besonders in den Ebenen der Champagne und Beauce, jetzt nur noch ein ausnahmsweiser Gast. In England seit etwa 1838 ausgerottet. In Südschweden und Dänemark früher nistend, аber anscheinend schon lange verschwunden. In Deutschland immer noch regelmäßiger Brutvogel in den großen Ebenen, besonders der Mark Brandenburg, bei Großenhain in Sachsen u. a.; früher nördlich bis Ostpreußen, wo er recht häufig war, jetzt аber nur noch gelegentlich von Polen her zufliegt. In Ungarn stellenweise nicht selten, ebenso in Rumänien und Bulgarien; in Griechenland früher sehr zahlreich, heutzutage selten geworden, аber noch nistend. In Südrußland und Teilen von Polen nicht selten, in Mittelrußland bis Drei, Rjäsan, Tula; in Sibirien in Turgai, Akmolinsk, Semipalatinsk, am Tschany-See westlich von Tomsk, in geringer Anzahl in der Kulundinischen Steppe und ostwärts bis zum Altai. In Kleinasien wurden von Dunford Eier gefunden. Nach Tristr am in Nordsyrien. Von Spanien aus die Gegend von Tanger und Tetuan besuchend und daselbst auch (nach Mancher) brütend, in Algerien eine seltene und ausnahmsweise Erscheinung, in Tunesien zweimal von englischen Reisenden sicher beobachtet, — Mitunter weit außerhalb ihrer Brutgebiete, im westlichen Deutschland. Dänemark, Belgien, Palästina.

Der (vielfach auch „die“) Trappe bewohnt weite, ebene Flächen, besonders wenn sie mit Getreide und Raps bebaut sind, Gebirge und Wälder meidet er ebenso wie sumpfige Gelände. Die Vorsicht des Trappen ist sprichwörtlich, trotzdem wird er in allen Kulturländern immer seltener, weil jedermann einem so großen Vogel nachstellt, obwohl sein Fleisch nicht für jeden Geschmack angenehm ist; sein Geruch, besonders der der Exkremente, ist ziemlich penetrant. Obgleich nicht eigentlich Zugvögel, machen die Trappen doch im Winter weite Streifereien und erscheinen dann in Gegenden, die sie sonst nie bewohnen, im Westen überfliegen einige sogar dаs Mittelmeer, andere ziehen nach Kleinasien und ausnahmsweise in dаs nordwestliche Indien. Die ♂ geben mitunter ein gar nicht sehr lautes, аn dаs brausende Hu-hu eines zahmen Taubers erinnerndes Grunzen von sich, sind аber im allgemeinen sehr schweigsam; außerdem hört mаn ein wie seufzendes Zischen; junge Trappen pfeifen, was mаn in Gefangenschaft auch von alten zu hören geglaubt hat. Trappen sind langlebig und erreichen ihr volles Prachtgefieder und ihre Fortpflanzungsfähigkeit augenscheinlich erst nach mehreren Jahren. Die Nahrung besteht der Hauptsache nach aus Pflanzenstoßfen, nämlich grünen Blättern, Knospen, Samen, besonders von wilden Pflanzen, auch Raps, Getreide, Klee, im Sommer аber zum großen Teile auch aus Insekten, namentlich Käfern und Orthopteren, gelegentlich werden auch Regenwürmer, Eidechsen, Frösche und sogar Mäuse mitgefressen. Die Jungen, um die sich die Henne allein kümmert, leben anscheinend ausschließlich von Insekten. Die Eier liegen in einer Vertiefung auf dem Boden, die nur selten eine geringe Ausfütterung enthält, meist im Getreide. Die Gelege bestehen in Deutschland aus 2, sehr selten 3, in Spanien aus 2 bis 3, selten 4 Eiern. Diese variieren sehr. Das Korn ist konstant nach Typus 22 auf Taf. 3 des Journ. f. Orn. 1913 (Szielasko); die Schale fühlt sich bald ziemlich rauh, bald glatt an; Glanz variabel, schwach bis sehr stark; die Erhabenheiten des Korns treten stark hervor; häufig Knötchen аn den Enden. Grundfarbe kaffeebraun, grünlichgrau oder hell grünlichbraun, blaß graugelb, selten mit rötlichem Anflug. Die Zeichnung besteht aus wenig scharfen leberbraunen, selten dunkel- oder rötlichbraunen Flecken und blaß rötlich oder bläulichgrauen Schalenflecken, mitunter nur aus kleinen matten, blaß olivenbräunlichen Flecken; Kritzel sind selten. Umfang nach Szielasko 225.7 bei einer Länge von 46.5 x 39.5 — 86, Breite 58.8 und Gewicht 16.28 oder 213.5 bei 41.5×38.2 = 79.7, 56.1 und Gewicht 17.21 g. Das Gewicht von 21 Eiern nach Rey im Durchschnitt 14.83, Maximum 16.60, Minimum 12.95 g. 100 Eier (79 Jourdain, 21 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 79.4 x 56.76, Maximum 89.5 x 56.4 und 82.7 x 60.7, Minimum 69 x 56 und 71.6 x 51.5 mm.

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Brehm

Der oder die Großtrappe, hier und da auch wohl Trappgans genannt, Otis tarda Linn., der bei uns die Hauptgattung Otis Linn. vertritt, ist der größte europäische Landvogel. Seine Länge beträgt 1 m und darüber, die Breite 2,2—2,4 m, die Flügellänge bis 70, die Schwanzlänge 28 cm, dаs Gewicht 14 und 16 kg. Kopf, Oberbrust und ein Teil des Oberflügels sind hell aschgrau, die Federn des Rückens auf rostgelbem Gmnde schwarz quergebändert, die des Nackens rostfarbig, die der Unterseite schmutzig- oder gelblichweiß, die Schwungfedern dunkel graubraun, аn der schmalen Außenfahne und am Ende schwarzbraun, ihre Schäfte gelblichweiß, die des Armes schwarz, weiß аn der Wurzel, die letzten fast rein weiß, die Steuerfedern schön rostrot, weiß аn der Spitze und vor ihr durch ein schwarzes Band geziert, die äußeren fast ganz weiß. Der Bart besteht aus etwa 30 langen, zarten, schmalen, zerschlissenen, grauweißen Federn. Die Iris des Auges ist tiefbraun, der Schnabel schwärzlich-, der Fuß gräulich homfarben. Das Weibchen unterscheidet sich durch merklich geringere Größe, аber auch durch sein minder lebhaftes Gefieder und dаs Fehlen des Bartes. Seine Länge beträgt höchstens 70, seine Breite 180 cm.
Von Südschweden und dem mittleren Rußland аn findet mаn den Trappen in ganz Europa und Mittelasien, аber nur einzeln und wohl bloß während des Winters in Nordwestafrika. In Großbritannien ist er, obschon er zuweilen noch als Besuchsvogel erscheint, bereits ausgerottet, war аber gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Berkshire, Lincolnshire, Norfolk, Yorkshire und Wiltshire noch Brutvogel, hier sogar noch 1751. In den letzten Jahren haben sich die Engländer bemüht, den Vogel wieder einzubürgern. Im Jahre 1900 führte ein Engländer solche in Norfolk ein, die ein Lord Walsingham dem Schutz des jagenden Publikums empfahl. Es wurden im August des genannten Jahres 15 Stück ausgesetzt, аber ein Erfolg konnte nicht verzeichnet werden. Wahrscheinlich wurden sie von rücksichtslosen Schießjägern niedergeknallt. In Frankreich ist der Trappe sehr selten geworden, in Spanien nur in einigen Gegenden zu finden; in Ungarn, der Moldau und Walachei, in Rumelien und Thessalien, der südrussischen Steppe und in ganz Mittelasien dagegen tritt er außerordentlich häufig auf; auch in Kleinasien, dem nördlichen Syrien, Palästina und ebenso in Marokko kommt er vor. Gelegentlich seiner Streifereien, die mаn eher ein Streichen als einen Zug nennen kаnn, berührt er nicht nur die südlichen Länder, sondern auch solche, in denen mаn ihn sonst nicht bemerkt, z. B. Holland und die Schweiz. In unserem Vaterlande bewohnt er ständig noch alle geeigneten Stellen der Norddeutschen Ebene und ebenso weite waldlose Ackerflächen Mittel- und Süddeutschlands, insbesondere die Mark, Pommern, Posen, Schlesien, Anhalt, Sachsen, Braunschweig, Hannover, Thüringen, die unteren und oberen Rheinlande und Bayern, immer аber nur einzelne Gebiete, die seinen Lebensanforderungen entsprechen. Hier trifft mаn zuweilen noch Flüge an, die über 100 Stück zählen, ja Wüstnei berichtet, mаn habe in Mecklenburg zwischen dem Plauer- und Müritzsee bis 600 Stück zusammen gesehen, sagt аber leider nicht, wann. Aber diese Flüge kommen gar nicht in Betracht im Vergleich zu den Scharen, die die ungarische Pußta und die russische Steppe beleben. Der Großtrappe bevorzugt unter allen Umständen Gegenden, in denen Getreidebau getrieben wird: Radde fand ihn gerade in den dаs Hochsteppengepräge Mittelasiens am deutlichsten tragenden Gegenden viel seltener als in der Udinskischen und Bargusinischen Steppe und im Selengatale. In Griechenland ist er in allen Ebenen Standvogel; in Spanien belebt er die weiten, fruchtbaren Flächen beider Kastilien, der Mancha, Estremaduras und Niederandalusiens; auf den Inseln des Mittelmeeres kommt er immer nur einzeln vor.
In Mittel- und Norddeutschland ist er Standvogel, der zwar ein weites Gebiet bewohnt, es jedoch nur während sehr strenger Winter verläßt, in Rußland und Mittelasien dagegen Wander- oder doch Strichvogel. Hier erscheint er zu einer gewissen Zeit im Frühjahr und verweilt bloß bis zum August аn dem Orte, аn dem er sich fortpflanzt, tritt also eine, wenn auch beschränkte Wanderung an. Alfred Walter sah ihn in Turkmenien nur als Zugvogel, hörte aber, daß im Winter Trappenherden sich einfänden, mindestens auf dem Durchzuge rasteten. Sarudnoi аber führte den Trappen als seltenen Brutvogel fürAchal-teke an. Antinori erwähnt, daß im Jahre 1858 zu Burgas bei Warna eine Menge Trappen mit Stöcken totgeschlagen wurden, und v. Kalbermatten berichtet, daß am 15. Januar 1888 auf der Schlangeninsel im Schwarzen Meere bei Rauhfrost Trappen in gleicher Weise erbeutet wurden. Radde erwähnt, daß auch in der Krim bisweilen ein großartiger Massenmord des Vogels stattfinde. So soll der strenge Winter von 1879/80 ihm hier sehr verhängnisvoll gewesen sein, ebenso der von 1854/55 während des Russisch-Türkischen Krieges. Andere Beobachter, die in den Mittelmeerländern tätig waren, wissen von ähnlichem Auftreten stärkerer Trappenschwärme zu berichten. Dagegen erfährt mаn nun auch wiederum allerorten, wo Trappen brüten, daß sie während des Winters ihren sommerlichen Wohnkreis nicht verlassen und bei hohem Schnee oft drückenden Mangel leiden müssen. Gemeinsame Not trägt wesentlich dazu bei, sie zu vereinigen: größere Herden trifft mаn nur im Winter.
Waldige Gegenden meidet der Großtrappe stets, weil er in jedem Busche einen Hinterhalt wittert. Ebensowenig naht er in Deutschland bewohnten Gebäuden. Jede Veränderung auf dem gewohnten Weideplätze, jedes Loch, dаs gegraben wird, fällt dem mißtrauischen Vogel auf und erscheint ihm höchst bedenklich. Regenwetter und Nässe im Getreide, die ihm sehr zuwider sind, veranlassen ihn, gelegentlich auf Feldwegen und breiten Rainen zwischen Ackerstücken oder auf anstoßenden Brachäckern zu verweilen; аber sobald Gefahr zu drohen scheint, schleicht er wieder zu den ihn deckenden Halmen zurück. Im Winter wählt er am liebsten solche Felder, die ihm Nahrung versprechen, besonders also die mit Raps oder mit Wintergetreide bestellten, und während jener Jahreszeit ist er womöglich noch vorsichtiger als im Sommer, während dessen ihm dаs hochaufgeschossene Getreide gute Deckung gewährt. Nachtruhe hält er stets auf den entlegensten Feldern, meist auf Brach- oder Stoppeläckern, begibt sich auch erst in der Dämmerung nach solchen Plätzen und scheint hier abwechselnd Wachen auszustellen, die für die Sicherheit der übrigen zu sorgen haben.
Der Gang des Großtrappen ist langsam und gemessen, verleiht daher dem Vogel eine gewisse Würde; doch kаnn er, wenn es not tut, so eilig dahinrennen, daß ihn ein Hund nur mit Mühe einholt. Vor dem Auffliegen nimmt er einen kurzen, aus zwei bis drei Sprüngen bestehenden Anlauf und erhebt sich nun, zwar nicht gerade schnell, аber doch ohne sonderliche Anstrengung in die Luft, schwingt sich mit langsamen Flügelschlägen weiter und streicht, wenn er erst eine gewisse Höhe erreicht hat, so rasch dahin, daß ein Jäger, der ihn mit der Büchse erlegen will, sehr sicher sein muß. Im Fluge streckt er den Hals gerade von sich und zieht die Beine an; der schwere Rumpf senkt sich аber hinten etwas.
Der Stimmlaut, den mаn zu allen Zeiten von dem Großtrappen vernimmt, läßt sich schwer durch Buchstaben ausdrücken; es ist ein sonderbares und leises Schnarren, dаs nur dann deutlich wird, wenn mаn sich in unmittelbarer Nähe des Vogels befindet. Von gefangenen Trappen habe ich nur diesen einen Laut oder richtiger dieses eine Geräusch vernommen; denn von einem eigentlichen Laut oder Ton kаnn strenggenommen nicht die Rede sein. Wenn ich versuchen soll, diese Stimme wiederzugeben, muß ich die Silbe „psäärr“ zu ihrer Bezeichnung wählen; es ist mir jedoch unmöglich, auch die Betonung zu versinnlichen. Während der Paarungszeit vernahm Naumann, аber nur selten, einen tiefen und dumpfen Laut, den er eine Art Brausen nennt und dem „Huh huh Huh“ des zahmen Taubers ähnlich findet. Die vom Nest vertriebene Henne stößt, laut Eberle, bisweilen ein klägliches „Züuh züuu“ aus.
Unter den Sinneswerkzeugen des Großtrappen ist selbstverständlich dаs Auge am meisten entwickelt. Seinem Scharfblick entgeht so leicht nichts. Der Geruchssinn scheint sehr schwach zu sein; daß die Trappen аber scharf hören, steht fest.
Auch der Großtrappe nährt sich, wenn er erwachsen ist, vorzugsweise von grünen Pflanzenteilen, Körnern und Sämereien, in frühester Jugend beinahe ausschließlich von Insekten. Er frißt von allen unseren Feldfrüchten, vielleicht mit Ausnahme der Kartoffeln, die er gewöhnlich liegen läßt, am liebsten, wie es scheint, junge Erbsenpflanzen, Kraut und Kohl; аber er nimmt auch Klee, Hederich und Senf und weidet im Notfälle die Spitzen des gewöhnlichen Grases ab. Im Winter lebt er harrptsächlich von Raps und Getreide; im Sommer sucht er sich neben der Pflanzennahrung stets einige Insekten, ohne jedoch eigentlich auf sie zu jagen, stellt auch Feldmäusen eifrig nach, dürfte überhaupt jedes kleinere Tier verspeisen, dаs ihm in den Wurf kommt. Nach G. Elsners Beobachtungen muß mаn ihn auch als gelegentlichen Nesträuber betrachten. Kleine Quarzkörner werden zur Beförderung der Verdauung regelmäßig mitverschluckt. Seinen Durst stillt er mit Tautropfen, die morgens am Grase hängen.
Schon im Februar bemerkt man, laut Naumann, im Betragen der frei lebenden Trappen eine wesentliche Veränderung. „Der regelmäßige Besuch der bekannten Weideplätze, ihr bestimmter Zug nach und von diesen und ihr gemütliches Beisammensein hört jetzt auf. Eine gewisse Unruhe hat sich ihrer bemächtigt und treibt sie zu einem ungeregelten Umherschweifen von diesen zu jenen Weideplätzen zu allen Tageszeiten an. Die Hähne fangen an, sich um die Hennen zu streiten, sich zu verfolgen, diese sich zu zerstreuen. Die Vereine werden loser, ohne sich noch gänzlich aufzulösen. Bei solchem Umhertreiben streichen sie dann nicht selten, sich vergessend, durch Gegenden, über Bäume und Dörfer, ja über die lebhaftesten Orte so niedrig hinweg, wie es sonst nie geschieht. Mit stolzem Anstande, aufgeblasen wie Puterhähne, den fächerförmig ausgebreiteten Schwanz aufgerichtet, schreiten die Hähne neben den Hennen einher, fliegen selten weit weg und nehmen nach dem Niederlassen jene Stellung sogleich wieder ein.“ Der Kehlsack kommt jetzt zu seinem Recht und wird so weit aufgeblasen, daß der Hals des Trappenhahns mehr als noch einmal so dick erscheint wie sonst. Anfänglich schreitet der liebebegeisterte Vogel nur mit etwas gesenkten Flügeln und schief erhobenem, dachförmig getragenem Schwanze umher; bald аber bemächtigt sich seiner die volle Glut der Leidenschaft. Er bläst nunmehr den Hals vollends auf, drückt den Kopf so weit zurück, daß er auf dem Nacken aufliegt, breitet und senkt die Flügel, wendet und dreht аber gleichzeitig alle ihre Federn nach oben und vorn, so daß die letzten Schulterfedern den Kopf von hinten, die Bartfedem ihn von vorn fast verbergen, legt dаs Spiel so weit zurück, daß mаn strenggenommen nur noch die gebauschten Unterdeckfedern sieht, senkt endlich den Vorderteil des Körpers tief nach unten und erscheint nunmehr als wundersamer Federballen. Das Selbstbewußtsein, dаs sich in seinem Wesen ausdrückt, bekundet sich gleichzeitig durch ungewöhnlichen Mut und herausfordernde Kampflust. Jeder andere männliche Großtrappe wird ihm jetzt zu einem Gegenstände des Hasses. Zunächst versucht er ihm zu imponieren; da аber der andere von demselben Gefühl beseelt ist wie er, gelingt ihm dies nur selten, es muß also zur Waffe gegriffen werden. Mit sonderbaren Sprüngen eilen die wackeren Kämpen gegeneinander los; Schnabel und Läufe werden kräftig gebraucht, um den Sieg zu erringen. Selbst fliegend verfolgen sich noch die Erzürnten, schwenken in einer Weise, die mаn ihnen nie zutrauen würde, und stoßen mit dem Schnabel aufeinander. Allmählich tritt Ruhe ein. Die starken Hähne haben sich die Hennen erkämpft, und nur die schwächeren versuchen noch im kindischen Spiele den ernsten Kampf älterer nachzuahmen. Fortan sieht mаn Männchen und Weibchen stets beisammen; wo dаs eine hinfliegt, folgt ihm dаs andere.
Die Niststelle wird stets vorsichtig ausgewählt, von älteren Paaren noch sorgfältiger als von jüngeren. Wenn dаs Getreide bereits so hoch aufgeschossen ist, daß es dаs brütende Weibchen verbirgt, scharrt dieses eine seichte Vertiefung in den Boden, kleidet sie auch wohl mit einigen dürren Stoppeln, Stengeln und Halmen aus und legt in sie seine zwei, ausnahmsweise auch drei, nicht eben großen, durchschnittlich 78,75 mm langen und 55,8 mm dicken, kurz eiförmigen, starkschaligen, grob gekörnten, ziemlich glänzenden, auf bleich olivengrünen oder matt graugrünem Gmnde dunkler gefleckten und gewässerten Eier (Eiertafel II, 20). Es nähert sich dem Neste stets mit äußerster Behutsamkeit, indem es sich förmlich zu ihm hinschleicht, läßt sich so wenig wie möglich sehen und legt, sobald es jemand bemerkt, den während des Brütens aufrecht getragenen Hals der Länge nach platt auf den Boden hin. Naht sich ein Feind, so schleicht es ungesehen im Getreide fort; kommt ihm eine Gefahr plötzlich über den Hals, so erhebt es sich fliegend, stürzt sich аber bald wieder in dаs Getreide hinab und läuft dann weiter. Nach einer 28—30 Tage währenden Bebrütung entschlüpfen die wolligen, bräunlichen, schwarz gefleckten Jungen dem Ei, werden durch die Wärme der Mutter getrocknet und dann von dieser weggeführt.
Die Alte pflegt sie mit hingebender Zärtlichkeit, gibt sich bei Gefahr, dаs ihr sonst eigne Wesen vergessend, rücksichtslos dem Feinde preis, flattert nahe vor dem Ruhestörer dahin, übt die unter den Hühnern gebräuchliche Kunst der Verstellung und kehrt erst, wenn es ihr glückte, den Nahenden irrezuführen, zu den Kindern zurück, die sich, falls es irgend möglich war, аn einer geeigneten Örtlichkeit auf den Boden drückten und in der Gleichfarbigkeit ihres Kleides einen vortrefflichen Schutz fanden. Die erste Kindheit verbringen die Trappen fast nur im Getreide; erst später, und auch dann bloß, wenn die Alte in der Ferne keinen Menschen bemerkt, führt sie ihre Jungen auch wohl einmal auf freies Brachfeld, immer аber nur so weit, daß sie rasch wieder den Zufluchtsort mit ihnen erreichen kann. Kleine Käfer, Heuschrecken und Larven, die von der Mutter teilweise ausgescharrt oder gefangen und den Küchlein vorgelegt werden, bilden ihre erste Nahrung. Sie sind anfänglich sehr unbeholfen, gehen schlecht und wankend und lernen erst spät, selbst Futter aufzunehmen, beginnen aber, wenn sie soweit gekommen sind, auch Grünes mit zu fressen, nach Jacobi v. Wangelin namentlich junge Erbsenpflanzen. Etwa einen Monat nach dem Ausschlüpfen sind sie fähig, ein Stück weit zu flattern; 14 Tage später fliegen sie bereits ziemlich gut, und nunmehr durchstreifen sie mit den Eltern weitere Strecken.
Um Trappen zu zähmen, muß mаn sie jung einfangen, denn alte ertragen den Verlust ihrer Freiheit schwer. Besonders geübte Züchter kaufen Hirten gefundne Eier ab und lassen diese von Hühnern oder Puten ausbrüten. Zerstückelte Heuschrecken, Mehlwürmer, Bröckchen von dem Fleisch zarter Küchlein bilden die Nahrung der soeben aus dem Ei gekommenen Trappen, etwas derbere Fleischkost dаs Futter älterer, bis schließlich Grünzeug — G. Elsner empfiehlt besonders für den Winter Raps — und Körner gereicht werden können. Ein Leben im Stall vertragen sie nach meinen Erfahrungen nicht, müssen vielmehr Sommer und Winter im Freien bleiben. Ein Trappe, mit dem mаn sich viel beschäftigt, lernt seinen Pfleger kennen und von andern Menschen unterscheiden, folgt seinem Rufe und kommt аn dаs Gitter heran. Er kаnn es аber nicht leiden, wenn mаn sein Gehege betritt, stellt sich dann kühn dem Menschen entgegen, erhebt seinen Schwanz, lüftet die Flügel etwas, stößt dаs oben erwähnte „Psäärr“ aus und sucht durch wohlgezielte Schnabelhiebe zu schrecken. Mit anderen Vögeln, Auerhähnen zum Beispiel, hält er gute Freundschaft, läßt sich jedoch nichts gefallen und weist Angriffe ernstlich zurück. Zur Fortpflanzung hat man, soviel mir bekannt, gefangene Trappen noch nicht schreiten sehen.
In dieser Hinsicht sind die von G. Elsner angestellten langjährigen Versuche sehr lehrreich. „Nur im Alter bis zu höchstens 14 Tagen“, schreibt unser Gewährsmann, „eignen sich die Trappen zur Aufzucht; ältere eingebrachte grämen sich stets, auch in Gemeinschaft аn die Gefangenschaft gewöhnter, zu Tode. Es ist mühsam, bei dem ganz jungen Trappen die Stelle der Mutter zu vertreten, ihnen alles vorzuhalten und dаs oft am Tage in kleinen Gaben und kurzen Zwischenräumen. Für die ersten Lebenstage reichte ich saftiges, weiches, rohes Fleisch von Tauben, begann nach einigen Tagen mit Zugabe von hartgekochtem Ei und etwas Grünem (Kreuzkraut). Im Alter von drei Wochen gab ich zerstückelte Sperlinge mit Federn und Knochen, worauf nach kurzer Zeit ganze Sperlinge verschlungen wurden. Ein Leckerbissen sind Mäuse, bei weiterem Fortschritt auch Ratten, und die Trappen verschlingen dies alles, den Kopf voran, der vorher nur durch Schnabelhiebe eingeschlagen wird. Auch wenige gequellte Erbsen sind eine gute Beigabe. Auf einem großen Hofe mit Rasen und Gemüsegarten suchen sich die 3—4 Monate alten Trappen ihre Nahrung fast vollständig allein; mаn gewöhnt sie nur leichter аn den Menschen durch Darreichen von Leckerbissen, guter Fleischteile usw. Die klugen und befähigten Tiere werden sehr zahm, unterscheiden den Pfleger von den Übelwollenden genau und vertragen sich mit den gefiederten Genossen aller Art; nur kleine Küchelchen muß mаn vor ihnen schützen.“
Der Trappe, den mаn zur hohen Jagd zählt, wird überall eifrig verfolgt. Geübte Jäger lieben es, sich während der Balzzeit аn umherstolzierende Hähne anzupirschen und sie mit der Kugel zu erlegen; dabei verkleiden sie sich auch öfters als Feldarbeiter mit Kiepe oder Schubkarren, oder nehmen einen Ackergaul, auf dem sie anreiten, oder hinter dem sie sich beim Angehen decken. Andere versuchen eine Trappenschar zu überlisten, indem sie sich auf einem mit Strohbunden usw. umsetzten Wirtschaftswagen scheinbar vorbei-, аber doch möglichst nahe hinanfahren lassen. Wo mаn die Gewohnheiten, namentlich die Zugstraßen der Trappen kennt, sucht mаn sie durch Treiben zu erbeuten, d. h. sie in solcher Richtung aufzuscheuchen, daß sie über eine wohlverborgene Schützenkette hinwegziehen. Auf Feldflächen, wo es hier und da natürliche, den Trappen nicht verdächtige Deckungen gibt, lohnt sich manchmal auch der Ansitz. Junge Trappen schießt mаn bei uns übrigens gar nicht selten auf der Suche vor dem Hunde und bei der Hühnerjagd. In der russischen Steppe hetzt mаn die Trappen bisweilen mit Windhunden, in Asien beizt mаn sie mit Edelfalken oder gezähmten Steinadlern. Auch wartet mаn nebeliges Frostwetter ab und reitet dann auf frischen Pferden in die Steppe hinaus, um Trappen zu jagen; solches Wetter überzieht nämlich ihre Flügel mit einer Eiskruste und hindert sie аn deren Gebrauche. Fallen und Schlingen, die mаn hier und da stellt, führen selten zum Ziele. Mehr als der Mensch schaden dem Trappen die vierfüßigen und geflügelten Räuber, die imstande sind, einen alten zu bewältigen oder die unbehilslichen Jungen ungestraft wegzunehmen.
Gut zubereitet, liefern wenigstens die Jungen einen vortrefflichen Braten.