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Ardea purpurea

Heinroth

Der Purpurreiher (Ardea purpurea L.)

ist als A. p. purpurea L. von West- und Südeuropa aus bis nach Westasien und über ganz Afrika verbreitet, in Deutschland scheint er für gewöhnlich nicht zu brüten. Zwei nahe verwandte Unterarten bewohnen Madagaskar und die indisch-malaiischen Tropen. Der Flügel mißt 340 bis 380, der Schwanz 125 bis 140, der Schnabel 115 bis 133, der Lauf 108 bis 129 mm, wobei die großem Maße dem Männchen zukommen. Neugeborne wogen 32 bis 37 g, der alte Vogel dürfte ein Gewicht von 1 1/4 kg haben.
Purpurreiher trifft mаn in zoologischen Gärten recht selten, und ausgefärbte alte Stücke fehlen fast immer. Dies fällt umsomehr auf, als ausländische Reiherarten in großem Tiersammlungen häufig vertreten sind. Zum Teil ist dаs darauf zurückzuführen, daß für die großem Reiherarten keine erwärmten Räume zur Verfügung stehn, und diese Form halbwegs strenge Winter im Freien anscheinend nicht überstehn kann. Außerdem laufen diese Rohrschreiter bei Fluchtversuchen gern аn Drahtgeflechten in die Höhe, bleiben mit den Zehen hängen und beschädigen sich Füße und Beine.
Durch dаs Entgegenkommen der Vereinigung zum Schutze der Naturdenkmäler in den Niederlanden war es uns möglich, Eier vom Purpurreiher, Löffler und Säbler aus Holland holen zu dürfen, um die Entwicklung dieser Tiere beobachten und im Bilde festhalten zu können. All den holländischen Freunden, die sich so um uns bemüht haben, herzlichen Dank!
Sämtliche Eier des Purpurreihers waren zwei volle Tage lang gepickt und schlüpften dann ganz schnell. Die Jungen halten die Köpfe bald hoch und picken viel nach unten, was darauf hindeutet, daß die alten die ausgewürgte Nahrung ins Nest speien, ähnlich wie die Störche. Sie keckem lebhaft nach Reiherart und haben außer einem Quäken noch dаs „Kräh“ junger Fischreiher, denen sie überhaupt im Verhalten ähneln. Sie zeigten sich recht wärmebedürftig, und die Fische wurden von uns zunächst nur angewärmt verfüttert, weil uns dies der Fütterungsweise der Alten aus der warmen Kehle heraus besser zu entsprechen schien. Mit etwa 10 bis 12 Tagen richteten sie sich vor dem Fressen stets erst ganz hoch auf und krächzten. Die Bedaunung ist spärlich, der weiße Schopf fällt besonders auf, die Färbung der Daunen und vor allem die der Haut, geht aus den Buntbildern 1 u. 2 der Tafel XI hervor: ihr grünliches Gelb der 10tägigen Jungen macht gradezu den Eindruck, als seien die Bäuche verfault. Mit ungefähr zwei Wochen wurden unsre Pfleglinge plötzlich matt, nahmen ab und würgten dаs Futter wieder aus, erholten sich аber zum Glück nach wenigen Tagen wieder. Die Ursache dieser vorübergehenden Erkrankung, die alle Tiere gleichmäßig befiel, konnten wir nicht ergründen. Nun entleerten sie sich zielbewußt über den Nestrand. Im Alter von drei Wochen gingen sie gegen meine Frau dann in Abwehrstellung, wenn sie sich mit dem behaarten Teil des Kopfs näherte, drehte sie sich um, so richteten sie sich hoch auf und bezeugten dem Gesicht ihre Freundlichkeit. Mit einem Monate waren sie ziemlich befiedert, standen viel auf dem Nestrand und daneben. Die Puderdaunen аn den Beckenseiten waren angedeutet, die аn der Brust erst als mattgrauer Fleck erkennbar. In den folgenden Tagen liefen sie auf Aesten (sic!) entlang und machten auch weitre Spaziergänge, hatten аber gelernt, zum Füttern aufs Nest zurückzukehren, da uns dies aus Zweckmäßigkeitsgründen angenehmer war. Mit 7 bis 8 Wochen konnten sie etwas fliegen. Es war nicht möglich, etwa gleichaltrige Rohrdommeln mit ihnen zusammen auf einem vergitterten Balkon zu halten, denn die Purpurreiher betrachteten diesen als ihren Bereich und fielen über die Dommeln her.
Als wir die gegen uns sehr zutraulichen Vögel in die photographische Werkstatt nahmen, um die auf den Bildern der Tafel Nr. 25 gezeigten Aufnahmen zu machen, hatten wir unsre Pfleglinge vorsichtshalber 12 Stunden hungern lassen, um dаs leidige Erbrechen, von dem Reiher und Störche, аber auch Möwen und Seeschwalben bei jeder ängstlichen Erregung befallen werden, zu vermeiden. Wie nötig diese Maßnahme gewesen war, merkten wir bald, denn trotz des scheinbar ungezwungnen Benehmens traten, jetzt allerdings erfolglose, Würgbewegungen ein, ein Zeichen, wie sehr die Verändrung der Umgebung auf solche Tiere einwirkt. Dabei waren sie vorsichtig und offen auf ihrem Korb oder später auf dem Arme von ihrem Balkon in den ihnen neuen Raum gebracht worden, also ohne gegriffen und eingesperrt worden zu sein und ohne daß sie dabei irgendwelche Fluchtversuche gemacht hätten: es war somit jedwede unnötige Aufregung für die Jungvögel nach Möglichkeit vermieden worden.
Mit 8 Wochen gaben wir einige Stücke in eine Abteilung des Ibishauses des Berliner Zoologischen Gartens, wo sie zunächst vor einem brasilianischen Blauzügelreiher (Syrigma cyanocephalum Vieill.) Angst hatten, аber sehr bald den Spieß umdrehten, sodaß er vor ihnen geschützt werden mußte. Den letzten behielten wir noch zwei Wochen, bis er voll erwachsen war. Er bewohnte einen großen Saal, wurde dort gegen meine Frau etwas zurückhaltend, blieb аber gegen mich zahm. Die jetzt dort zu ihm gebrachten Rohrdommeln duldete er nicht am Wassergefäße, verfolgte einen jungen, аber erwachsnen Rauhfußbussard und fiel schließlich auch ernstlich über einen jungen, selbständigen Schreiadler her, sodaß wir um dаs Leben dieser Raubvögel fürchten mußten. Gegen Menschen war er niemals böse, vermied die allzunahe Annährung Fremder und hatte nur zu mir dauerndes Vertrauen. Oft vernahmen wir ein entenartiges Quaken, dessen Bedeutung uns unklar ist. Wenn er sich abends zur Ruhe gesetzt hatte, ließ er einen einfachen Reiherschrei hören, nachts war er still, weil ja die Zugzeit noch nicht herangenaht war. Er flog geschickt und zielbewußt und rutschte auch im Anfänge nie аn der glatten Wand herunter.
Zur Erklärung der beiden Schwarztafeln 24 und 25 und der Bunttafel XI genügen die Unterschriften und dаs hier Gesagte.

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Hartert

1642. Ardea purpurea purpurea L.

Purpurreiher.

Ardea purpurea Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 236 (1766— „Habitat in Oriente“).

Ardea rufa Scopoli, Annus I. Hist. Nat., p. 87 (1769— Krain).

Ardea variegata id., t. c., p. 88 (1769— Krain).

Ardea Caspia S. G. Ginelin, Heise Russl. II, p. 193, Taf. 14 (1774— Bei Astrachan).

? Arden obscura Piller & Mitterpacher, Iler Posegan. Sclavon., p. 24, Taf. II (1783— Sclavonien).

Ardea purpurata Gmelin, Syst. Nat. 1, 2, p. 641 (1789— „Habitat in ripa Danubii“).

? Partim: Ardea Botaurus (1) id., t. c., p. 636 (1789— Ex Brisson, Buffon u. a., Italien und Astrachan).

Ardea badia id., t. c., p. 644 (1789— Ex Schwenckfeld, Theriotropheum Siles., p. 225. In Schlesien auf Bäumen nistend. Gmelins Wiedergabe der Beschreibung ganz fehlerhaft).

Ardea monticola Picot-Lapeyrouse, Tabl. meth. Mamm. et Ois. H. Garonne, p. 44, 45 (1799— Departement Haute Garonne. Beschreibung nicht in allen Teilen stimmend, аber wohl sicher auf den Purpurreiher bezüglich).

Ardea purpurascens Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 583 (1831— „Ungarn und Süddeutschland“).

Ardea pharaonica Bonaparte, Consp. Gen. Av. II, p. 113 (1855— „Ex Africa Orient.“).

Ardea purpurea major, media, minor A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 12 (1866— Nomina nudal).

Engi.: Purple Heron. — Franz.: Héron pourpré. — Ital.: Airone rosso.

♂♀ ad. Oberkopf nebst den 2, sehr selten 3, langen bandförmigen Genickfedern schwarz, ein Streif am Hinterhalse längs der oberen Hälfte oder weiter schwarz, längs der unteren grau. Vorderrücken schiefergrau, Hinterrücken mehr aschgrau. Die verlängerten und schmalen Schulterfittiche aschgrau, ungefähr die Spitzenhälfte derselben hell rotbraun. Schwingen, Handdecken und Steuerfedern schiefergrau, Flügeldecken grau mit bräunlichem Anflug. Flügelbug rostrot. Halsseiten hell rotbraun, jederseits mit schwarzem Längsstreifen, Kinn und Kehle weiß, Vorderhals weiterhin hell roströtlich mit schwarzer Fleckenreihe längs der Mitte; die verlängerten Kropffedern röstlich rahmfarben mit schwarzen Streifen. Brust und Brustseiten kastanienrotbraun, in der Mitte ein nach unten breiter werdender bräunlichschwarzer Streif. Unterkörper schwarz, аn den Seiten mit etwas Rotbraun, Seiten schiefergrau, Unterschwanzdecken аn der Wurzel weiß. Schenkelbefiederung hell rostrot, Unterflügeldecken rotbraun, die längeren mit grauen Spitzen. Iris goldgelb. Oberschnabel dunkelbraun mit gelben Seitenrändern, Unterschnabel matt ockergelblich. Beine vorn schwarzbraun, hinten ockergelblich. Flügel 340—380, Schwanz 125 —140, Schnabel 115—133, Lauf 108 —129 mm. Die größeren Maße von ♂, die kleineren von ♀, eine scharfe Grenze аber nicht zu ziehen. Äusser der meist etwas geringeren Größe der ♀ kein Unterschied zwischen den Geschlechtern. — Juv. Oberkopf fahl rotbraun mit schwärzlich schieferfarbenen Flecken, Hinterhals hell rötlichbraun, Seiten und Vorderseite des Halses heller und mehr gelbbräunlich, schwarz gefleckt. Rücken, Schulterfedern und Oberflügeldecken bräunlich schieferfarben mit breiten, fahl rostrotbraunen Säumen. Bürzel und Oberschwanzdecken einfarbig graubraun, Schwingen und Steuerfedern schieferfarben. Brust und Unterkörper gelblich bis röstlich rahmfarben mit dunkelgrauen Längsflecken. Iris hellgelb. — Dunenjunges oberseits rötlichgrau, unterseits weißlich, Dunen fast noch länger als bei A. cinerea.
Südeuropa (hier und da auch Mitteleuropa) und Westasien mindestens bis zum Persischen Meerbusen und Persien, ganz Afrika. Vereinzelt verstrichen nach Nordeuropa, bis Südschweden, über 50 mal auf den Britischen Inseln. — In Holland noch heute Brutvogel, früher bei Darmstadt und in Schlesien, wo noch immer verhältnismäßig häufig Purpurreiher geschossen werden, in Lothringen (1896 drei Paare). Nistet auch noch in Frankreich und Südrußland, Osterreich-Ungarn und Südosteuropa überhaupt. — In Europa größtenteils Zugvogel, der im tropischen Afrika überwintert, wo es аber auch Standvögel gibt, die dort brüten.

Aufenthalt mehr im Schilf und Röhricht der Gewässer, nicht аn offenen Ufern wie der Fischreiher, bäumt auch tagsüber nicht selten auf. Hauptnahrung Fische und Kaulquappen, frißt аber auch mitunter Frösche und Wasserinsekten. Nester im Rohr oder auf Tamarisken, Weidenbüschen, selten auf Bäumen bis zu 5 und 6 m Höhe. Nester kolonienartig, oft mit denen anderer Reiher zusammen. Gelege aus 3—6 Eiern! Diese sind meist rein eiförmig, denen des Fischreihers sehr ähnlich, höchstens etwas mehr blau, die groben Poren sehr deutlich und oft in Reihen, auch finden sich oft Rillen. 90 Eier aus Europa messen nach Jourdain in litt, im Durchschnitt 56.27 x 40.82, Maximum 61.1 x 43.1 und 57 x 44.7, Minimum 50.2 x 39.5 und 51.5 x 38 mm. Gewicht von 9 Eiern nach Rey 3.10—4.05 g.

1) S. unter Botaurus stellaris.

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Brehm

Ein naher Verwandter des Fischreihers ist auch der Purpurreiher, Braun-, Zimt- oder Bergreiher, Ardea purpurea Linn. Oberkopf und Schopffedern, ein vom Schnabel zum Hinterkopfe sowie ein auf jeder Halsseite verlaufender Streifen sind schwarz, Kopf- und Halsseiten, die flatternden Schulterfedern und die Schenkel zimtrotbraun, Kinn und Kehle weiß, die flatternden Vorderhalsfedern grauweiß mit rötlichem Anfluge, schwarz geschäftet, Hinterhals und Nacken aschgrau, die übrigen Oberteile dunkel graubraun, grünlich schimmernd, die Flügeldeckfedern heller, Brust-, Bauch- und Schenkelseiten dunkel purpurbraunrot, die übrigen Unterteile schwarz, die Schwungfedern schwarz, die Deckfedern am Handrande und die untern Flügeldecken rostzimtrot, die Schwanzfedern graubraun. Beim jungen Vogel ist dаs Gefieder vorherrschend rostrot, unterseits fahlweiß gesäumt. Die Iris ist orangengelb, der Schnabel grünlich wachsgelb, der Fuß rötlichgelb, Lauf- und Zehenteil schwärzlichbraun. Die Länge beträgt durchschnittlich 90, die Breite 130, die Flügellänge 36, die Schwanzlänge 13 cm.
Das Verbreitungsgebiet dieses in Deutschland seltnen Reihers umfaßt Mittel-, Süd-, Ost- und Westeuropa, den größten Teil Mittel- und Südasiens und Afrika. In Holland, Ungarn , Galizien sowie den Ländern ums Mittelländische, Schwarze und Kaspische Meer ist er Brutvogel.