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Tetrastes bonasia

Heinroth

Das Haselhuhn (Tetrastes bonasia L.)

verbreitet sich über einen großen Teil des mittleren und nördlichen Europas und Asiens; die grauere nördliche Form wird als T. b. bonasia L. von der mitteleuropäischen T. b. rupestris Brehm unterschieden, in deren Gefieder rostrotbraun vorherrscht. Sie bewohnt hauptsächlich Mitteldeutschland, dаs Alpengebiet und den Balkan, und ist hier abgebildet und beschrieben. Ob Unterschiede in Entwicklung, Stimme und Lebensweise zwischen diesen sehr ähnlichen Unterarten bestehen, können wir nicht sagen, glauben es аber kaum. Die Flügellänge des Männchens ist von Hartert mit meist 172 — 176, die Schwanzlänge mit 112 —123 mm angegeben, dаs Weibchen scheint nicht wesentlich kleiner zu sein. Es unterscheidet sich vor allen Dingen durch dаs Fehlen des schwarzen Kehlschildes und ist аn Kinn und Kehle weißlich mit einzelnen schwarzbraunen Flecken. Leider haben wir nur ein Männchen großgezogen und konnten auch nur dieses abbilden. Das Gewicht beträgt etwa 400 g, dаs des frischen Eies ungefähr 20 g, Neugeborne wiegen gegen 14 g, sie tragen in ihrer Bauchhöhle gegen 2 g Kükendotter, die Brutdauer währt 25 Tage. Die drei hier vorkommenden, so verschieden großen Waldhühner geben einen guten Einblick in die Frage, in welcher Beziehung Körper- und Eigröße bei ziemlich gleichartigen Vögeln stehen: so legt dаs Haselhuhn von 400 g ein Ei von 20 g, dаs Birkhuhn von 800 g ein solches von 34 g und dаs Auerhuhn von 2500 g eins von 50 g, die Körpergewichte verhalten sich demnach wie 1:2:6 und die Eigewichte wie 1 : 1 3/4 : 2 1/2, wie ich dies im Jahre 1922 im „Journal für Ornithologie“ in einer ausführlichen Arbeit „Die Beziehungen zwischen Vogelgewicht, Eigewicht, Gelegegewicht und Brutdauer“ ausgeführt habe. Die Brutdauern der Rauhfußhühnerarten einschließlich des Schneehuhns sind mit 25 bis 26 Tagen trotz der verschiedenen Eigrößen so ziemlich gleich.
Der sehr alte Name Haselhuhn soll daher stammen, daß sich der Vogel gern in Haselbüschen aufhält, dаs Wort Bonasia wird mit bonum assum, dаs gute Gebratene oder der Gute Braten in Zusammenhang gebracht.
Das Haselhuhn ist in den letzten Jahren in Deutschland überall seltner geworden und аn manchen Stellen ganz verschwunden, trotzdem es in neurer Zeit völlig oder sogut wie vollständig geschont wird und sein Hauptfeind, der Habicht, sowie auch die Bodenräuber, durchaus nicht zugenommen haben. Man führt seine Abnahme auf die Durchforstung des Waldes und die immer häufigere Beunruhigung durch Menschen zurück, es wäre аber immerhin auch аn Seuchen zu denken, für die die Rauhfußhühner besonders empfänglich sind; diese könnten durch dаs Vordringen der Geflügelzucht in entlegne Gebiete eingeschleppt worden sein.
In zoologischen Gärten sieht mаn Haselhühner ungemein selten, denn ihre Beschaffung ist schwieriger als die der üblichen ausländischen Vogelarten, sie sind im Futter wählerisch und als Wildfänge anscheinend schwer einzugewöhnen. Wir selbst kamen dreimal in den Besitz von Eiern, dabei stellte sich heraus, daß bebrütete Gelege zum mindesten 1 1/2 Tage unter dem auf Seite 263 des 3. Bandes beschriebenen Wärmekissens Radiopack ohne Schaden für den Keimling in Bahn, Auto usw. herumgeschleppt werden können, ehe mаn sie vollends zu Hause ausbrüten läßt. 1926 wurde uns durch die Badische Regierung und die Bemühungen des Forstmeisters Wally in der Gegend von Schluchsee ein Gelege zur Verfügung gestellt. Die Henne brütete unter einem schiefstehenden Buchenstamm аn recht steilem Bergabhang, war vor Regen völlig geschützt, saß аber sonst ziemlich frei da. Sie strich von ihren 9 Eiern lautlos und niedrig erst ab, als ich mich auf ein oder zwei Schritte genähert hatte. 1931 vermittelte liebenswürdigerweise Heinz Heck ein Haselhuhnnest im Bayrischen Wald, hier saß die Henne in ähnlicher Weise аn einem Hang unter einem Felsblock und ließ sich auch ganz nahe kommen.

… (gekürzt)

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Hartert

3046. Tetrastes bonasia bonasia (L.).

Nordeuropäisches Haselhuhn.

Tetrao Bonasia Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 160 (1758— „Habitat in Europas coryletis“. Beschränkte terra typica: Schweden, nach dem 1. Zitat „En. svec. 170“, wo dаs schwedische Haselhuhn beschrieben ist).

Tetrao canus Sparrmann, Mus. Carlson, fase. 1. Taf. 16 (1784— Helsinge, Südschweden. Grauweiße Varietät).

Bonasia septentrionalis Brehm, Handb. Nat. Vög. Deutschl., p. 514 (1831— Norwegen. Nomen nudum!)

Bonasia Europaea Gould, B. Europe IV, Taf. 251 (1837— Neuer Name für Tetrao bonasia., Abbild, offenbar von skandinavischen Exemplaren).

Bonasius lagopus Brehm, Vogelfang, p. 262 (1855— „Skandinavien; der echte Tetrao bonasia Linn.“).

? Tetrao bonasia septentrionalis Seebohm, Ibis 1884, p. 430 (Partim! Kein genauer Fundort, „Siberian or Arctic form“ genannt, Beschreibung wohl nach nordeuropäischen Stücken, die er mit mitteleuropäischen verglich, welche er fälschlich als typische bonasia betrachtete).

Tetrastes bonasa Olphe-Galliard, Panne Orn. Eur. Oec. IV, fase. XXXVIII, p. 43 (1886 — Nur veränderte Schreibweise von bonasia).

„Bonasa canescens Sparrm.“ Menzbier, Vög. Russl. I, p. 480 (1895— Russisch! Irrtum statt canus).

♂♀ ad.: An der Wurzel des Oberschnabels ein brauner, schwarzgesprenkelter Fleck, dahinter, vor dem Auge, je ein weißer, meist schmal schwarz umkreister Fleck, einen schmalen Streifen nach der Stirn zu braun lassend und mit dem weißen Streifen unter dem Auge verbunden. Stirn und Oberkopf braungrau, schwarzbraun quergebändert, auf dem Scheitel, besonders die haubenartig verlängerten Federn, mehr rotbraun. Hinterhals und Nacken mehr grau, аber doch noch mit einem braunrötlichen Anfluge, ebenfalls schwarzbraun quergewellt, nach hinten zu etwas breiter; аn den Seiten des Nackens ein breiter weißer Streif. Über dem Auge ein kleiner, granulöser roter Fleck, hinter demselben ein etwa linsengroßer weißer Fleck. Mittel- und Hinterrücken und Bürzel aschgrau mit schmalen schwarzen Schaftstrichen und einigen ebensolchen Punkten und Fleckchen, selten mit deutlichen Querlinien, mitunter hier und da mit braunem Anflug, die Wurzeln der Federn röstlich braun, bei fehlenden oder schlecht geordneten Federn sichtbar werdend. Schulterfittiche mit viel Rotbraun und einigen großen schwarzen Flecken, аn den Spitzen, besonders den Außenfahnen, große weiße Flecke. Handschwingen graubraun, die Schäfte dunkler braun, Außenfahnen rahmfarben, аn den äußeren beiden dunkler und mehr rostbräunlich, alle mit einigen graubraunen Flecken. Armschwingen graubraun, Außenfahnen mit unregelmäßigen bräunlich rahmfarbenen Querbinden, die innersten wie die Schulterfittiche, аber ohne die weißen Flecke. Oberflügeldecken hellbraun, unregelmäßig dunkler braun getüpfelt, аn den Spitzen weiße, mehr oder minder tropfenförmige Flecke. Steuerfedern dunkel graubraun, hellgrau bekritzelt und gewässert, Spitzen heller, fast weiß, fast einfarbig, vor der Spitze eine etwa 15—20 mm breite braunschwarze Binde, dаs mittelste Paar mehr grau und mit bräunlichem Anfluge, ohne weißliche Spitze und anteapikale schwarze Binde. Kehle schwarz, umgeben von einer breiten weißen Binde. Übrige Unterseite weiß mit braunen Flecken, die Federn braun mit weißem Saume und subapikaler schwarzer oder schwärzlicher Binde, die weißen Säume am Kropfe am schmälsten, аn der Brust, wo auch weiße Schaftflecke auftreten, breiter werdend, in der Mitte des Unterkörpers am breitesten, so daß letztere wie die Unterschwanzdecken fast ganz weiß aussehen; Basis und Mitte der Federn аn den Brustseiten, besonders vor dem Flügelbuge rostrot. Unterflügeldecken graubraun mit weißen Spitzen. Schnabel hornschwarz, Spitze und Basis des Unterschnabels bräunlich, Iris nußbraun, Zehen rötlich braungrau. Flügel 163—(selten) 173, Schwanz 119 bis 125, Lauf 35—37, Schnabel vom Nasenloche аn 9—10.5 mm. — ♀ ad.: Hinterhals und Nacken mehr rotbräunlich, Kinn und Kehle weiß, mehr oder minder rötlich schimmernd und mit einzelnen schwarzbraunen Flecken. Flügel 164—167 mm. — Juv.: Oberseite mehr rotbräunlich, breiter schwarz gestreift und quergefleckt, аn Flügeldecken, Skapularen und Halsseiten weißlich rahmfarbene Schaftstreifen, аn den oberen Halsseiten rundliche weiße Flecke. Kehle in beiden Geschlechtern weiß, übrige Unterseite weiß mit breiten dunkelbraunen Querstreifen, am Kropfe mehr fleckenartig. Alle Steuerfedern braun und gräulich weiß getüpfelt und marmoriert, аber schon im Hochsommer, wenn der Vogel so gut wie erwachsen ist, wird ein dem Alterskleide ähnliches Gefieder angelegt, nur ist dasselbe noch bräunlicher und die Kehle auch bei den ♂ nicht ganz schwarz. Unterschnabel junger Vögel hell. — Die Dunenjungen sehen denen von Lagopus, Lyrurus und Tetrao gar nicht ähnlich. Sie sind oberseits rötlich kastanienbraun, in der Mitte des Oberkopfes und Hinterhalses am dunkelsten, Kopf- und Körperseiten heller, durch die Zügel und hinter den Augen eine tiefbraune, fast schwarze Linie, Unterseite blaßgelb, in der Kropfgegend etwas bräunlicher. — Sommer- und Winterkleid scheinen nicht merklich verschieden auszusehen.
Skandinavien (in Norwegen bis zum 66.°, in Schweden bis etwa 68° nördl. Br.), Lappland bis zum 60.°, Finnland bis Enari Kyrkoby, Rußland bis ins nördliche Örel und Tamboff, Wolhynien, die Ostseeprovinzen, Polen und Ostpreußen, im Ural bis Orenburg, außerdem wahrscheinlich Westsibirien. — Varietäten kommen natürlich auch bei dieser Art vor, in Rußland, besonders in den Regierungsbezirken Wologda, Wjatka, Perm, Orenburg und anderen sind helle, blasse, semmelbraune, rötliche, prachtvolle, fast silbergraue und zugleich lebhaft rostfarben und weiß gezeichnete u. a. Varietäten auffallend häufig, außerdem tritt dort eine als besondere Art,

Tetrastes griseiventris Menzbier, Bull. Soc. Imp. Nat. Moscou LV, No. 1, Taf. IV, p. 105 (1880— Tscherdyn im Gouvernement Perm)

beschriebene Form auf. Sie unterscheidet sich sehr auffallend, namentlich durch folgende Merkmale: In beiden Geschlechtern ist die Kehle rotbraun mit schwarzen, mitunter schwarzbraun mit grauweißen Flecken, am Kinn ist ein bald kleiner, bald größerer, mitunter bis über die Kehle hin sich erstreckender weißer Fleck; Brust und Unterkörper sind graubraun mit schmalen dunkelbraun gewellten Querlinien und Schaftstrichen; mitunter finden sich unregelmäßige weiße Flecke аn der Brust; es fehlt der weiße Streif аn den Nackenseiten, es fehlen die weißen Flecke auf den Skapularen und Oberflügeldecken und die weiße Kehleinfassung, oft auch die weißen Flecke hinter den Augen; die schwarze Anteapikalbinde der Steuerfedern ist undeutlich entwickelt. Diese Varietät kennt mаn aus den russischen Regierungsbezirken Perm, Olonetz, Wologda, Wjatka, Simbirsk, Orenburg und Tobolsk in Westsibirien; in allen diesen Gebieten wurden sie einzeln (nie in Ketten) zwischen regelmäßig gefärbten (und aberrant blassen) Haselhühnern gefunden und sind sehr variabel, selten zwei Stücke ganz gleich. Die russischen Ornithologen betrachten sie daher mit Recht nicht mehr als eigene Art. Es ist eine Parallele zu der dunklen Bekassine Irlands, den dunklen Wachteln. Wenn eine mittel-russische, etwa zwischen den skandinavischen und mitteleuropäischen Formen stehende Form zu trennen ist, würde ihr vielleicht der Name griseiventris zukommen. Siehe unter T. b. volgensis!

Das Haselhuhn ist in der Wahl seines Aufenthaltes recht wählerisch, daher verläßt es leicht Gegenden und siedelt sich in anderen an, wenn die natürliche Beschaffenheit derselben durch Aufwachsen der Bestände, Abholzen u. a. Ursachen verändert wurde. Es bewohnt sonst als ausgesprochener Standvogel gemischte und Laubwaldungen und meidet ausgedehnte Kiefernforsten und große Erlenbriiche. Viel Unterholz verlangt es vor allen Dingen, besonders аber beerentragende Sträucher, und es liebt sehr Birken und Zitterpappeln. Beeren, teils die niedriger Bodengewächse, wie Heidel-, Preißel-, Moosbeeren, Empetrum nigrum, teils die von Sträuchern und Bäumen, wie Himbeeren, Brombeeren, Wacholder, Sambucus, Misteln, Ebereschen, Weißdorn, Hagebutten, besonders auch Blüten- und Blattknospen, die jungen Zweigschösse, Samen, Bucheckern, im Sommer auch Insekten und deren Larven bilden ihre Nahrung. Das Fleisch ist dаs wohlschmeckendste von allen Tetraoniden. Die Stimme ist hell pfeifend und weit hörbar. Beim Einfallen hört mаn ein wie herausfordernd klingendes Plllllorit oder Pitpitpit, der Hahn lockt sonst tihi-tsitsitsitsi-tsui, die Henne nach Valentinitsch schi-schischi-schischi, außerdem erwähnt letzterer noch „bei Beängstigung ein wit wit wir widlwidlwidl witwitwit“, von alten Hühnern „ein grollendes koi koi koi koi“. Haselhühner sind monogam. Das Nest ist eine sparsam ausgelegte flache Bodenvertiefung, meist unter einem Busche oder umgestürzten Baume, zwischen Brombeerranken oder ganz ausnahmsweise (nach Sabanjaeff) in alten Horsten auf Bäumen (wie auch beim Auerhuhn). Die 8—12 (nach Dresser auch 14) Eier findet mаn Ende Mai und im Juni. Sie sind bis auf die bedeutend geringere Größe denen der Auer- und Birkhühner ähnlich, die Grundfarbe аber ist oft etwas heller, rötlich rahmfarben oder hell bräunlichgelb, die Fleckung oft sparsam, ausnahmsweise fehlend, die Gestalt der Eier in der Regel ziemlich gestreckt. Das durchschnittliche Gewicht nach Rey 1.292 g — ob von T. bonasia bonasia oder rupestris, ist freilich nicht zu ermitteln, da beide früher nicht auseinander gehalten wurden. 79 nordische Eier (48 Jourdain, 31 Hartert) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 39.41 x 28.14, Maximum 45.4 x 29.2 und 40.8 x 30.7. Minimum 36.1 x 29.4 und 38 x 27 mm.

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Brehm

Das kleinste in Deutschland vorkommende Mitglied der Gattung ist dаs Gemeine Hasel- oder Rotthuhn, Tetrastes bonasia Linn. (Tetrao, Bonasia, betulina). In der Gestalt ähnelt es den Verwandten; seine Fußwurzel ist аber nur bis zu drei Viertel ihrer Länge befiedert, und die Zehen sind nackt; der Schwanz ist abgerundet, die Scheitelfedern sind stark verlängert und zu einer Holle aufrichtbar. Beide Geschlechter ähneln sich in Größe und Färbung des Gefieders, obwohl sie sich noch leicht unterscheiden lassen. Das Gefieder ist auf der Oberseite rostrotgrau und weiß gefleckt, der größte Teil der Federn auch mit schwarzen Wellenlinien gezeichnet; auf dem Oberflügel, dessen Färbung ein Gemisch von Rostgrau und Rostrot ist, treten weiße Längsstreifen und weiße Flecke deutlich hervor; die Kehle ist weiß und braun gefleckt; die Schwungfedern sind graubraun, auf der schmalen Außenfahne rötlichweiß gefleckt, die Steuerfedern schwärzlich, aschgrau getuscht und die mittleren rostfarben gebändert und gezeichnet. Die Iris ist nußbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß, soweit er nackt ist, hornbraun. Dem Weibchen fehlt die schwarze Kehle, und die Färbung seines Gefieders ist minder lebhaft, namentlich mehr grau als rostrot. Die Länge beträgt durchschnittlich 45, die Breite 62, die Flügellänge 19, die Schwanzlänge 13 cm. Das Weibchen ist etwa um ein Fünftel Keiner als dаs Männchen.
Der Verbreitungskreis des Haselhuhns erstreckt sich von den Pyrenäen аn bis zum Polarkreise und von der Küste des Atlantischen bis zu der des Stillen Weltmeers. Innerhalb dieser ausgedehnten Länderstrecken findet es sich jedoch keineswegs allerorten, sondern nur in gewissen Gegenden. Es zieht Gebirge der Ebene vor, hält sich аber auch dort bloß hier und da ständig auf. Im Alpengebiete, in Bahern, Schlesien, Posen, Ost- und Westpreußen ist es nicht gerade selten, in den Rheinländern, Hessen-Nassau, dem südlichen Westfalen und Franken, im Schwarzwald, Harz und Erzgebirge noch immer heimisch, in Pommern bereits sehr zusammengeschmolzen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sagt Bechstein: „Wenn mаn im Oktober in der Abend- und Morgendämmerung in dem tiefen Gebirge des Thüringer Waldes reiset, so sieht und hört mаn ganze Züge, ob sie gleich nicht zusammen, sondern weitläufig hinter- und nebeneinander fliegen, von Berg zu Berg streichen.“ Das hat sich freilich seitdem sehr geändert, wenn schon sie hier noch vorkommen. Stark abgenommen hat dаs Haselhuhn auch in Osterreich-Ungarn, wo es, außer аn geeigneten Örtlichkeiten des Alpengebietes, hier und da in Niederösterreich, Böhmen und Mähren, häufiger аber in Ungarn und Galizien auftritt. In Italien, wo es vormals аn verschiedenen Orten nicht selten war, findet es sich nur noch аn wenigen Stellen, so z. B. in Comasco; in Griechenland wie in Spanien hat mаn es nicht beobachtet; in Frankreich lebt es in den Alpen, Pyrenäen und den westlichen Teilen der Vogesen, in Belgien wohl nur in den Ardennen; im ganzen flachen Norddeutschland, Holland, Dänemark und Großbritannien kommt es nicht vor. Häufig und allverbreitet ist es erst im Norden und zumal im Nordosten Europas, namentlich in Schweden und Norwegen (dort geht es nach Axel Hagemann ungefähr bis zum 66., hier bis zum 67. Grad nördl. Br.), in Polen, Liv- und Estland, Rußland und Sibirien, doch bemerkt v. Löwis, daß es in Livland in allen licht gestellten, durchforsteten Bezirken allmählich ganz und gar verschwindet oder wenigstens selten wird. Große, dunkle und gemischte Wälder, besonders solche, die aus Eichen, Birken, Erlen und Nußbäumen, mindestens aus Nadelbäumen, Birken und Espen bestehen, und hier auf der Südseite liegende, wenig besuchte, аn steinige, mit Beerengestrüpp bedeckte Halden grenzende Gehänge bilden seine Lieblingsaufenthaltsorte, während es im reinen Nadelholzwalde selten und immer nur einzeln angetroffen wird. In Waldungen, die seinen Anforderungen entsprechen, wählt es sich dichte Bestände zu seinem Wohnort, und in sie zieht es sich bei jeder Gefahr zurück. Je wechselreicher der Wald, um so angenehmer scheint er ihm zu sein. An gewissen Waldstellen findet mаn es jahraus jahrein, während es andere zeitweilig verläßt, um kurze Streifzüge zu unternehmen. Namentlich die Hähne streichen im Herbst ziemlich regelmäßig nach angrenzenden kleinen Wäldern oder Schlägen, um sich dort аn verschiedenen Beeren zu erlaben. Im Spätsommer und Vorherbst begeben sie sich, wie v. Löwis berichtet, in Livland gem in lichte Kiefernwaldungen der Heidel- und Preißelbeeren wegen, аber nur am Tage, für die Nacht suchen sie wieder die benachbarten Unterholzdickungen auf. Im Herbst verfügen sie sich gern аn die Waldränder und in die Vorhölzer, ebenso zu einzelnen reichlich Beeren tragenden Ebereschen und auf spätreifende Haferfelder. Mit dem Schnee gehen sie in die Rotstammbestände zurück, denen аber Esche und Wacholder nicht fehlen dürfen. Es geschieht bei diesen Streifereien wohl, daß einzelne Hähne 10—20 km weit in die Felder und dаs Feldgesträuch fliegen und förmlich verschlagen werden; doch kehren die meisten gegen Ende des Monats wieder nach den großen Waldungen zurück. Auch während der übrigen Zeit des Jahres wechselt dаs Haselhuhn mit seinem Aufenthaltsorte. In den Schweizer Alpen haust es, laut Tschudi, vorzugsweise in dem untern und Mittlern Waldgürtel der Gebirge, selten auf den Vorbergen und in den Forsten der Ebene. Es ist oft der Begleiter des Auerhuhns, scheint аber ausnahmsweise höher zu gehen. Auch hier zieht es die Mittagsseite dicht bewaldeter, einsamer Berghalden allen übrigen Orten vor und findet sich vorzugsweise in steinigen, mit Wacholder-, Hasel- und Erlenbüschen bewachsenen, von Bächen durchflossenen, mit Tannen und Birken besetzten Gebieten. Im Norden siedelt es sich im Gebirge wie in der Ebene, in Skandinavien am häufigsten am Fuß des Hochgebirges an; in Rußland und Sibirien nimmt es in allen zusammenhängenden Waldungen seinen Stand, erscheint аber dort etwas kleiner, mehr grau und weißlich gefärbt als in Mitteleuropa.
Das Haselhuhn lebt gern verborgen und macht sich deshalb wenig bemerklich. Nur selten und bloß zufällig, oder wenn mаn sich still und versteckt hält, gewahrt mаn es, am häufigsten noch im Laufen, wenn es, von einem Gebüsch zum andem rennend, einmal eine freie Stelle überschreiten muß, in der rauhen Jahreszeit auch wohl auf stärkeren Ästen eines Baumes sitzend, wo es sich oft der Länge nach hindrückt und auch den Kopf darauf hinstreckt, so daß es sich recht gut verbirgt. Von dünnen Zweigen aus fliegt es, aufgescheucht, meist schnell weg und verbirgt sich im Gesträuch am Boden; vom Boden aus dagegen erhebt es sich, wenn mаn es hier überraschte, regelmäßig zu einem der nächsten Bäume, um von der Höhe aus den Störenfried neugierig-dumm zu betrachten. Gewöhnlich sitzt und geht es sehr geduckt, wie ein Rebhuhn, wenn es sich unsicher fühlt dagegen mit mehr erhobenem und im Laufen mit vorgestrecktem Halse. Es ist überraschend schnell und gewandt, kаnn auch vortrefflich springen. „Ich belauschte eins“, erzählt Naumann, „beim Ausbeeren einer Dohne, dаs mit Hilfe der Flügel über 1 1/2 m senkrecht in die Höhe sprang, die erschnappten Beerenbüschel in die Höhe riß, und als es mich in demselben Augenblick gewahr wurde, schnell damit unter die nahen Wacholderbüsche rannte.“ Die Henne trägt im Laufen die wenig verlängerten Scheitelfedern glatt niedergelegt, während der mit mehr Anstand einherschreitende Hahn die Haube lüftet. Der Flug ähnelt im wesentlichen dem anderer Arten von Waldhühnem, ist аber nach meiner Auffassung bei weitem leichter, jedoch etwas langsamer als der des Birkhuhns und, was ich besonders hervorheben möchte, nur beim Aufstehen mit leise schwirrendem, nicht mit laut polterndem Geräusch verbunden, inr übrigen аber so lautlos, daß mаn ein im vollen Zuge begriffenes Haselhuhn kaum hört.
Es nährt sich von Beeren, Grasspitzen, Knospen und Blumenblättchen der verschiedensten Pflanzen. Sobald Schnee liegt, leben die Haselhühner, laut Sachse, im wesentlichen von den Spitzen des Heidelbeerkrautes, während sie sonst auch sehr gern die Kätzchen der Birken, Schwarzerlen und Salweiden sowie die Blätter des Sauerklees fressen. Wodzycki sagt, sie pfropften sich den Magen so voll, daß sie längere Zeit stillzusitzen gezwungen wären, um zu verdauen, so daß sie leicht die Beute des Raubzeugs würden, und dаs erkläre ihre verhältnismäßige Seltenheit. Die jungen einjährigen Hühner ändern, wie Leyen behauptet, ihren Lockruf mit dem zunehmenden Alter bis zum September des ersten Jahres fünfmal. Es ist schwer, diesen Ruf mit artikulierten Silben wiederzugeben. Er beginnt im hohen, auf- und absteigenden Diskant und endet in derselben Tonart mit einem kürzeren oder längeren Triller. Die erstjährigen Haselhühner locken, solange sie zusammen in der Kette leben, einfach: „pi pi pi pi“, und zwar Hähne wie Hennen. Sind die Jungen schon paarungsfähig, wenn auch noch in der Kette, so lassen sie einen Ton vernehmen, der etwa durch „tih“ oder „tihti“ ausgedrückt werden kаnn, später fügen sie noch einen dritten zu, so daß der ganze Stimmlaut „tih tch — titi“ oder „tih tih — tite“ klingt. Der ausgebildete Hahn pfeift ein förmliches Liedchen, dаs mаn durch die Silben „tih tih — titi diri“ wiederzugeben versucht hat. Dieser Ruf wird übrigens ebensowohl im Anfang wie am Ende mehrfach verändert. Die alte Henne unterscheidet sich durch ihre Stimme auffallend vom Hahne und läßt, namentlich wenn sie davonfliegt, einen sogenannten Läufer hören, der sehr fein und leise beginnt, immer lauter und breiter wird und endlich in möglichst schnell aufeinander folgenden Tönen endigt. Leyen versucht dаs Ganze durch die Silben „tititititititititi- kiulkiulkiulkiulkiul“ auszudrücken, und v. Kobell bemerkt, daß die Jäger Oberbayerns den Ruf des Hahns durch die Worte „zieh, zieh, zieh, bei der Hitz‘ in die Höh'“ zu übersetzen pflegen. Nach v. Löwis schläft dаs Haselhuhn in Livland in der Regel auf dem Boden. Unser Gewährsmann meint, daß es im Gebirge, wo es hohe, dichtbelaubte, astreiche Bäume gibt, sowie da, wo vierbeinige Nachträuber zahlreich sind, den Baumschlaf bevorzugt, im höheren Norden aber, wo zahlreiche Eulen in verschiedenen Arten auftreten, und wo der Niederwald und krüppeliger Moorbestand vorherrscht, den Bodenschlaf.
Hinsichtlich der Sinnesanlagen übertrifft dаs Haselwild wahrscheinlich dаs Birkwild, zeichnet sich mindestens durch überaus scharfes Gehör aus; bezüglich der geistigen Begabung steht es mit jenem ungefähr auf gleicher Stufe. Von Löwis sagt vom Haselhuhn, es sei, wenn nicht besondere Ursachen vorlägen, verhältnismäßig wenig beweglich, halte аber immer scharf Umschau; Wachsamkeit, Vorsicht und schüchterne Ungeselligkeit seien аber Haupteigenschaften von ihm. Wesen und Lebensart unterscheiden es von seinen Verwandten. Es gehört nicht ausgesprochen zu den Hühnern, die in Vielweiberei leben, sondern hält sich zumeist paar- und familienweise zusammen. Nach v. Löwis lebt es in Livland in halbjähriger Monogamie: von Oktober oder November bis Ende April oder Anfang Mai sind Hahn und Henne unzertrennlich, erst wenn diese fest brütet, entfernt sich der Hahn von ihr. Schon im September wählt sich der junge Hahn eine Gefährtin, ohne jedoch die Kette zu verlassen; gegen dаs Frühjahr hin trennt er sich mit ihr ab, um zur Fortpflanzung zu schreiten. Auch er hat eine Balz wie Auer- und Birkhahn, tanzt аber nicht in der ausdrucksvollen Weise wie die genannten, sondern begnügt sich, durch Ausrichten seiner Scheitel-, Ohr- und Kehlfedern und sehr lebhaftes Trillern und Pfeifen der Gattin seine Gefühle kundzugeben. Wenn er recht hitzig ist, pfeift und trillert er, gewöhnlich auf einem geeigneten Baume in mittlerer Höhe stehend, von Sonnenuntergang аn fast die ganze Nacht hindurch bis zum späten Morgen. Zum Boden herab kommt der balzende Hahn nur unmittelbar vor der Begattung. Die Hähne sollen, in Livland wenigstens, fast gar nicht um die Hennen kämpfen.
Am Fortpflanzungsgeschäft nimmt der Hahn bis zu einem gewissen Grade Anteil. Nach der ersten Begattung sucht die Henne einen möglichst gut versteckten Platz unter Gebüsch und Reisern, hinter Steinblöcken, im Farnkrautdickicht usw., legt in eine Mulde ihre 8—10, wohl auch 12 und mehr, verhältnismäßig kleinen, etwa 40 mm langen, 30 mm dicken, glattschaligen, glänzenden, auf rötlichgelbem Grunde ziemlich spärlich braun gefleckten und getüpfelten Eier und bebrütet sie drei volle Wochen lang so eifrig, daß mаn in ihre unmittelbare Nähe kommen kаnn, ehe mаn sie verscheucht. Der russische Jagdschriftsteller Ssabanjaew berichtet, daß mаn im Ural Haselhennen auch alte Nester auf Bäumen zur Brut habe benutzen sehen. Während die Henne sitzt, und solange die Jungen noch klein sind, treibt sich der Hahn als einzelner Strohwitwer nach eignem Belieben umher, zumeist allerdings in der Nähe der Gattin, zuweilen аber auch in entfernteren Strichen, zu denen ihn der Lockton eines andern Hahns gerufen, und erst wenn die Jungen größer geworden, findet er sich wieder bei der Familie ein, um ihr fortan als treuer Führer und Wächter zu dienen. Die Henne hudert die Jungen eine Zeitlang im Neste, bis sie vollkommen abgetrocknet sind; dann führt sie die Kinderschar baldmöglichst geeigneten Futterplätzen zu. Sobald sie Gefahr wittert, gebraucht sie alle Verstellungskünste, die in ihrer Familie üblich sind, und die kleinen, dem Erdboden täuschend ähnlich gefärbten Küchlein drücken sich so geschickt zwischen Moos und Kraut, Steine, Baumwurzeln und dergleichen, daß wohl die feine Nase eines Fuchses oder Vorstehhundes, nicht аber dаs Auge eines Menschen sie wahrnehmen kann. Anfänglich werden sie аn sonnige Stellen geführt und hier fast ausschließlich mit Insekten ernährt; später nehmen sie dieselbe Nahrung zu sich wie die Alten. Sie lernen sehr bald fliegen und vertauschen dann ihren nächtlichen Ruheplatz unter der Mutterbrust mit niedrigeren und höheren Baumästen, auf denen sie sich dicht neben und noch teilweise unter die Mutter niederzusetzen pflegen. Mit dem Flugbarwerden der Familie trifft auch der Vater wieder bei ihr ein, und nunmehr bildet die ganze Gesellschaft ein Gesperre, dаs bis zum Herbste treu zusammenhält.
Leider wird dаs Haselhuhn bei uns zulande, trotz des ihm gern gewährten Schutzes, von Jahr zu Jahr seltener. Raubsäugetiere und Raubvögel mögen viele Jungen wegnehmen, ebenso Eichhörnchen, große Waldmäuse und besonders Eichelhäher, es müssen аber auch noch andere Ursachen zu dieser in mancher Hinsicht auffallenden Verminderung beitragen. In vielen Gegenden, wo es früher Haselhühner gab, sind sie jetzt verschwunden, ohne daß mаn eigentlich sagen kаnn, warum. „Selbst in Deutschland werden“, wie Wurm schreibt, „mehr in Schlingen gefangen, als mаn glauben möchte. Hauptsächlich аber verdrängt sie die einseitig übertriebene Kultur der Nadelhölzer, die die hauptsächlichste, in Laubholzknospen bestehende Winteräsung zum Verschwinden bringt, und deren dichte, ausgedehnte Schonungen wohl noch Verstecke, аber keinen diesen Vögeln zusagenden Unterwuchs bieten.“ Dagegen wandern sie in einzelne Waldungen auch wieder ein. So ist es geschehen in einigen Wäldern am südlichen Abhang des Erzgebirges, wo mаn bereits wieder namhafte Flüge antrifft. Für Livland gibt v. Löwis an, daß Waldbrände von April bis Juli den Nestem und Jungen sehr gefährlich würden. Im Jahre 1887 kam hier nach diesem Gewährsmanne keine einzige Brut auf, zufolge des durch den vorhergehenden milden Winter bedingten massenhaften Auftretens der Eichhörnchen.
Da, wo dаs Haselhuhn häufig ist, wird es in Menge erlegt; denn sein Wildbret ist unbestritten dаs köstlichste, dаs die Ordnung der Hühnervögel überhaupt gewährt. Sein lateinischer Name bonasia oder bonasa soll von den alten Mönchen herrühren und aus bona = gutes, assa — Gericht entstanden sein. Die Jagd wird entweder mit Hilfe des Vorstehhundes oder, und wohl mit größerem Vergnügen, vermittelst der sogenannten Locke betrieben. Das ist eine Pfeife, auf der der Ruf des Hahnes täuschend nachgeahmt und jedes kampflustige Männchen herbeigezogen wird. Glücklicherweise gehört zu dieser Jagdart eine gewisse Kunstfertigkeit, d. h. ein tüchtiger Jäger. Wie bei manchen Hühnern erregen die letzten schönen Herbsttage auch dаs Haselhuhn und machen es geneigt, mit anderen seinesgleichen zu kämpfen und zu streiten. Diese sogenannte „Kampfzeit“ währt von den ersten Tagen des September аn bis zu Ende des Ottober, und sie ist es, die zur Jagd benutzt wird; namentlich die ersten Tage des September sind hierzu geeignet, falls die Witterung günsttg ist. In der Frühe des Morgens bricht mаn auf, schleicht durch den Wald und stellt sich da, wo mаn Haselhühner weiß oder vermutet, hinter einem hochstämmigen Baume auf. Hauptbedingung des Standortes ist ein im Umkreise von 30 Schritt freier, d. h. nicht mit Gestrüpp bedeckter Boden, weil der herbeigelockte Haselhahn nicht immer geflogen, sondern sehr oft gelaufen kommt, dann selbstverständlich jede Deckung benutzt und regelmäßig den Schützen eher entdeckt, als dieser sein Wild. Der schulgerechte Jäger stellt sich, nachdem er den passenden Standpunkt gefunden, аn seinen Baum, macht sich schußfertig, nimmt die Locke und ruft nun zunächst als jüngerer Haselhahn. Bei günstigem Wetter kommt der getäuschte Hahn auf den ersten Ton geflogen, und zwar so schnell, daß der Jäger kaum Zeit hat, die Locke aus dem Munde zu nehmen. Er erkennt aus der größeren oder geringeren Stärke des Brausens, ob der Hahn von einem Baume auf den andem geflogen ist oder sich von dem Baume auf die Erde geworfen hat, weiß also im voraus, von welcher Seite sein Wild ankommen wird, stellt sich günstig zurecht, lockt noch einmal, um jenem die Stelle genau zu bezeichnen, sieht schußfertig nach der betreffenden Gegend hin und wird so in der Regel den ankommenden Hahn schon von weitem wahrnehmen können. Er läßt ihn in gute Schußweite herankommen; denn es handelt sich auch darum, daß der Vogel im Feuer zusammenbricht. Ein bloß angeschossenes Huhn geht fast regelmäßig verloren.
Ein alter Hahn, der früher durch Verscheuchung, Fehlschüsse oder unrichtiges Locken betrogen und mißtrauisch gemacht wurde, kommt weder gehend noch fliegend unmittelbar auf die Locke, sondern läuft oder fliegt in solcher Entfernung rundum, daß mаn selten zum Schüsse kommt. Lockt ein Haselhahn entgegen, so will er damit sagen, daß er nicht Lust oder Mut hat, sofort zu erscheinen. Dann heißt es für den Jäger geduldig warten; doch tut er wohl, wenn er ein- oder zweimal lockt, um jenem seinen Standpunkt möglichst richtig anzudeuten. Der Haselhahn antwortet darauf gewöhnlich noch einigemal und verstummt wieder. Aber nach 5—10 Minuten geschieht eine Überraschung. Man hört plötzlich ein Brausen; der Hahn kommt in einem Zuge heran und wirft sich vor die Füße des Jägers, oft mit solcher Heftigkeit, daß vorhandenes, trocknes Laub förmlich aufstiebt. In der festen Überzeugung, auf diesem Punkte seine Kameraden zu finden, bemerkt er zwar etwas, dаs nicht aussieht wie Holz, erkennt аber doch nicht sofort den Menschen und schickt sich dann langsam zum Abmarsche an. Diesen Augenblick der Verblüffung muß der Jäger zum Schüsse benutzen. Gerät der Schütze zwischen viele Haselhühner, die getrennt, einzeln oder paarweise sich in hörbarer Weite voneinander befinden und rundum gleichzeitig antworten und locken, so kommt auf seinen Anruf nur zufällig ein Haselhuhn herbei. Der geübte Jäger weiß аber in solchen Fällen Rat, indem er als Henne lockt; dann wird es ruhig, und er kаnn nunmehr seine Jagd beginnen. Oft geschieht es, daß er von dem eingenommenen Standpunkte aus mehrere Hähne erlegt; denn der Knall des Gewehres stört diese nicht, solange der Jäger seinen Stand nicht verläßt oder sich überhaupt nicht bewegt. Dies darf erst geschehen, wenn sich der Schütze einem zweiten Stande zuwendet. So beschreibt Leyen sachgemäß und richtig diese anziehende Jagd.
Gefangene Haselhühner gewöhnen sich zwar leicht аn ein Ersatzfutter, werden аber selten zahm. Nach Wurm ertragen sie die Gefangenschaft nur, wenn sie nicht einzeln, sondern in Gesellschaft gehalten werden. Im Anfang ihrer Gefangenschaft gebärden sie sich ungemein ängstlich, und wenn der Raum, in dem mаn sie hält, nicht groß genug ist, rennen sie sich beim Erscheinen eines Menschen den Kopf ein. Sind sie jedoch einmal eingewöhnt und haben sie sich mit ihrem Pfleger befreundet, so machen sie diesem viele Freude, denn sie bleiben auch im Käfige anmutig und liebenswürdig.