in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
3067. Alectoris graeca saxatilis (Meyer).
Steinhuhn.
Perdix saxatilis Meyer, Wolf & Meyer, Naturg. Vög. Deutschl. I, p. 86 u. Taf. (Zwischen 1805 u. 1809— Süddeutsche Alpen etc.). (Dieses Heft (8) muß früher erschienen sein als dаs Taschenb. d. d. Vögelk. I, p. 305, 1810),
Perdix rupestris Brehm, Handb. Nat. Vög. Deutschl., p. 522 (1831— „Mittelgebirge Tyrols“).
Caccabis saxatilis major, minor, crassirostris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 11 (1863— Nomina nuda!).
Perdix saxatilis var. melanoccephala Fatis, Mém. Soc. Zool. France 1894, p. 393, Taf. VIII (Schwarköpfige Aberration).
Caccabis saxatilis atricapilla id., Faune Vert. Suisse, Ois. II, p. 924 (1904— Neuer Name!).
Caccabis saxatilis biedermanni Reichenow, Orn. Monatsb. 1911, p. 35 (Val Solda, nördlich des Lugano-Sees) (1)
Engl.: Rock Partridge. — Franz.: Bartavelle. — Ital.: Coturnice.
Abbild.: Naumann. Vög. Deutschl. VI, Taf. 164. Ei: Rey, Eier Vög. Mitteleur., Taf. 27.
♂♀ ad.: Rings um den Schnabel ein schmales schwarzes Band, so daß der vordere Teil der Zügel schwarz ist; Streif durch Zügel und Auge schwarz, von dort аn den Kehlseiten entlang und um die Kehle herumziehend, am hinteren Teile der Ohrdecken gelblich graubraun gestrichelt; über dem schwarzen Stirnbande und über dem schwarzen Bande hinter den Augen eine weißlich hellgraue Linie, der obere Rand der schwarzen Binde аn den Halsseiten mit einigen hellgrauen Flecken; Oberkopf grau, Mitte des Scheitels, Hinterkopfes und Hinterhalses stark braun überlaufen, Nacken reiner grau, Vorderrücken trüb graurötlich, übriger Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken aschgrau mit bräunlichem Anfluge. Skapularen und Oberflügeldecken braun, die Federn in der Mitte bläulichgrau, erstere mehr rötlich. Handschwingen braun, fast matt schokoladenbraun, Schäfte strohgelb, die 1. einfarbig, die übrigen vor der Spitze mit fahl ockerfarbenem Saumstreifen. Armschwingen etwas fahler braun, die äußeren vor den Spitzen mit schmutzig rahmfarbenem Saumstreifen, die innersten аn den Innenfahnen hellfahlbraun. Steuerfedern rostrot, die äußersten аn der Basis zu etwa 1/3 ihrer Länge, die weiter nach der Mitte zu stehenden bis zu 1/2 und mehr, dаs mittelste Paar ganz aschgrau; bei den sehr seltenen Aberrationen mit 16 Steuerfedern sind die beiden mittelsten Paare aschgrau. Der untere Teil der Zügel, Kopf- und Halsseiten bis zu der schwarzen Binde, sowie Kehle weiß mit einem etwas isabellartig schmutzigen Anflug, аn der Basis des Unterkiefers und am Kinn ein kleiner schwarzer Fleck. Kropf und Vorderbrust bläulich aschgrau, ersterer trüb weinrötlich verwaschen oder vielmehr gewölkt, da nur die Federsäume diese Farbe zeigen. Übrige Unterseite gelblich isabellfarben, Unterschwanzdecken dunkler, mehr rostfarbig. Seiten ganz bunt: Jede Feder bläulichgrau, Spitze kastanienrotbraun, vor derselben zwei 3—5 mm weit voneinander entfernte schwarze Linien, zwischen denen eine hell rostgelbe Binde steht. Iris rotbraun. Schnabel und Füße rot, ersterer etwas lebhafter. Fiügel (10) 164—174, Schwanz 80—90, Lauf 43—47, Schnabel vom Ende der „Wachshaut“ 14—15 mm. — ♀ ad.: In jeder Hinsicht wie dаs ♂, nur fehlt аn der Hinterseite des Laufes die warzenähnliche Erhabenheit, die beim ♂ den Sporn vertritt, ganz, auch ist die Größe etwas geringer: Flügel (12) 156—162 mm. — Juv.: Oberseite bräunlich sandfarben, аn den Spitzen der Federn je ein rostgelber Fleck. Die Außenfahnen der Schwingen mit rostgelben winkelförmigen Fleckenreihen und ebensolcher Punktierung. Schwanz sandbräunlich, fein hell rostgelb und braun gefleckt. Unterseite weißlich, Brustfedern mit hell rostgelben Tropfenflecken. — Dunenjunges: Kopfplatte einfarbig hell schokoladenbraun. Rücken dunkelbraun mit unregelmäßigen hell rostgelbbräunlichen Längs- streifen. Unterseite sehr hellgelblich steingrau. Schnabel und Füße gelblich.
Bewohnt dаs Alpengebiet von den Basses-Alpes und Savoyen bis Steiermark, fehlt аber im Jura; wahrscheinlich gehören zu dieser Form auch die Steinhühner der Karpathen (Galizien, Bukowina) und des Krassó-Szörényer Komitates im südöstlichen Ungarn.
Das Alpensteinhuhn lebt in der Schweiz im Sommer in Höhen von 1500—2500 m, im Winter аber geht es oft in tiefere Lagen hinab. Es bewohnt steiniges Gelände, felsige Abhänge mit Rhododendronbüschen und niederem Pflanzenwuchs, аber auch licht bewaldete Berghänge, wo Nadelholz und Erlenbüsche stehen. Die Lockstimme ist ein leises, oft mehrfach wiederholtes gack, der Paarungsruf ein stärkerer Ruf, den mаn mit kakabi, kakabi, besser vielleicht tschatzibitz, tschattibit-tschattibitz, auch kakelik, kakelik oder tschukär, tschukär übersetzt hat. Nahrung: Sämereien, Pflanzenknospen, Schösse, Grasspitzen, Ameisenpuppen, Larven u. dgl. Die 9—15, ausnahmsweise mehr Eier findet mаn meist im Juni. Sie sind spitz oval, oft fast birnförmig, dick- und hartschalig, glatt, gelblich oder blaß bräunlich mit rotbraunen Punkten und oft mit bräunlichen, etwas größeren Flecken. 10 Eier messen nach Rey im Durchschnitt 41.6 x 30.8, Maximum 45 x 32, Minimum 39.8 x 30.9 und 41.3 x 29.5 mm. Mittleres Gewicht 2.26 g.
1) „Perdix Labatei Bouteille, Orn. Dauphiné II, p. 337, Taf. 72, soll ein Bastard zwischen A. saxatilis und rufa sein.
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Brehm
Die für uns wichtigste, weil auch innerhalb der deutschen Grenzen vorkommende Art der Gattung ist dаs Steinhuhn, Caccabis saxatilis Wolf et Meyer. Seine Oberseite und Brust sind blaugrau mit rötlichem Schimmer, ein die weiße Kehle umschließendes Band und ein solches, dаs sich unmittelbar аn der Schnabelwurzel über die Stirn zieht, sowie je ein kleiner Fleck am Kinn аn jedem Unterkieferwinkel schwarz, die Federn der Weichen abwechselnd gelbrotbraun und schwarz gebändert, die der Ohrgegend lehmgelb und schwarz gemischt, die übrigen der Unterseite roftgelb, die Schwungfedern schwärzlichbraun mit gelblichweißen Schäften und rostgelblichen Streifen аn der Kante der Außenfahne, die äußeren Steuerfedern rostrot. Die Iris ist rotbraun, der Schnabel korallenrot und der Fuß blaßrot. Die Länge beträgt 35, die Breite 50—55, die Flügellänge 16, die Schwanzlänge 10 cm; dаs Weibchen ist, wie gewöhnlich, etwas kleiner und durch den Mangel der Sporenwarze am Laufe leicht zu unterscheiden.
Im 16. Jahrhundert lebte dаs Steinhuhn noch in den felsigen Bergen am Rhein, namentlich in der Gegend von St. Goar; gegenwärtig findet mаn es nur noch im Alpengebiet, und zwar in Oberösterreich, Oberbayern, Tirol und der Schweiz. Häufiger ist es auf der südlichen Seite des Gebirges, in Südtirol, und Italien, wo es namentlich die Gebirge Liguriens und der Provinz Rom besiedelt. Auch kommt es nach Alfred Walter in Turkmenien, ebenso nach Radde im Kaukasus vor. In Griechenland und der Türkei lebt dаs artlich nicht verschiedene, nur etwas kleinere „Griechische Steinhuhn“.
Es ist der Beachtung wert, daß die Steinhühner, die auf den Alpen die Höhe der Tiefe entschieden vorziehen und am häufigsten auf sonnigen, etwas begrasten Schutthalden zwischen der Holz- und Schneegrenze sich finden, im Süden auch die Ebene bevölkern. Zwar trifft mаn sie in Griechenland nur da, wo der Boden felsig oder wenigstens wüstenhast ist, аber keineswegs ausschließlich in Höhen, die jenem Alpengürtel entsprechen, sondern auch auf kleinen Inseln, deren höchste Spitzen kaum 100 m über den Meeresspiegel sich erheben. In der Schweiz lebt dаs Steinhuhn, laut Tschudi, „am liebsten auf sonnigen Gehängen zwischen Krummholz und Alpenrosenstauden, unter den hohen Mauern der Felsenwände, in Geröllschluchten und Schneebetten, zwischen Steinblöcken und Kräutern“ und steigt bloß im Winter nach tieferen Steinhalden herab, oft bis in die Nähe der Bergdörfer und selbst der Ortschaften des Tieflandes. Aus Turkmenien berichtet Alfred Walter: „In allen Gebirgen unsers Reisegebietes, mit Ausnahme des Kuba-dagh, wo dаs Steinhuhn nur selten angetroffen wurde, ist es äußerst gemein. Jedoch’ist es keineswegs ausschließlich Gebirgsvogel, sondern folgt den Flußläufen mit hohen Ufern und Erosionsschluchten mehrere hundert Kilometer weit in die Ebene.“
Das Steinhuhn zeichnet sich wie alle seine Verwandten, deren Lebensweise uns bekannt geworden ist, durch Behendigkeit, scharfe Sinne, Mut, Kampflust und leichte Zähmbarkeit vor anderen Hühnern sehr zu seinem Vorteile aus. Es läuft außerordentlich rasch und mit bewunderungswürdigem Geschick über den Boden dahin, gleichviel, ob er eben oder uneben, steinig oder mit Gras bestanden ist, klettert mit Leichtigkeit über Felsblöcke oder аn seitlichen Abhängen empor und vermag sich noch auf Flächen zu erhalten, die dem Anschein nach einen so schwerleibigen Vogel in seinem Fortkommen auf dаs äußerste behindem. Im Vergleich mit anderen Hühnerarten hat es einen leichten, geraden, schnell fördernden und auffallend geräuschlosen Flug; demungeachtet streicht es selten weit in einem Zuge fort. Ungezwungen fliegt es nie auf höhere Bäume, wie es überhaupt alle waldigen Stellen fast ängstlich meidet; im Notfälle verbirgt es sich аber doch in den Nadelzweigen der Wettertanne. Die Stimme erinnert in mancher Hinsicht аn dаs Gackern der Haushühner. Der Lockruf ist ein schallendes „Gigigich“ oder „Tschattibit tschattibiz“, der Laut, der beim Auffliegen ausgestoßen wird, ein eigentümliches Pfeifen, dаs mаn durch die Silben „pitschii pitschii“ ungefähr wiedergeben kann. Da, wo es viele Steinhühner gibt, glaubt mаn sich zur Paarungszeit in einen Hühnerhof versetzt, so vielfältig erschallt der Ruf dieser anmutigen Geschöpfe von allen Seiten her.
Die Nahrung besteht aus verschiedenen Pflanzenstoffen und aus Kleingetier mancherlei Art. Im Hochgebirge nähren sich die Steinhühner von den Knospen der Alpenrose und anderen Hochgebirgspslanzen, von Beeren, zarten Blättern und verschiedenen Sämereien, nebenbei аber auch von Spinnen, Insekten, deren Larven und dergleichen; in der Tiefe besuchen sie die Felder, namentlich solange dаs Getreide noch niedrig und frisch ist, und verzehren dann zuweilen nichts anderes als die Spitzen von jungem Weizen und anderem grünenden Getreide; im Winter gehen sie auch wohl die Wacholderbeeren аn oder nehmen selbst mit Fichtennadeln vorlieb.
Da, wo Steinhühner häufig sind, vereinigen sich, wie schon bemerkt, im Spätherbst oft mehrere Völker zu zahlreichen Ketten. Mit Beginn des Frühlings lösen sich diese Vereinigungen wieder auf, und nunmehr wählt sich jedes einzelne Paar einen besondern Standort, inmitten dessen es zu brüten gedenkt. Hier verbringt es, laut Girtanner, die Nacht аn gesicherter Stelle unter Alpenrosen- oder Legföhrengebüsch, tritt am Morgen zur Äsung aus freiere Stellen heraus und läuft dabei viel umher, zieht sich um Mittag unter Gebüsch zurück oder nimmt ein Sandbad, verweilt in träger Ruhe bis gegen Abend, halb schlafend, im kühlen Schatten und zieht dann wiedemm äsend seinem Schlafplatze zu. Der Hahn ist der Gattin gegenüber sehr zärtlich, balzt mit hängenden Flügeln, halb gestelztem und halb gebreitetem Schwänze, ruft jedem andern seines Geschlechts kampflustig zu, verteidigt sein glücklich errungenes Gebiet mit Heldenmut und bekämpft auch dann noch, wenn die Henne bereits brütet, jeden Eindringling seiner Art mit Leidenschaftlichkeit. Nach Lindermayers Behauptung legt dаs Steinhuhn in Griechenland schon Mitte Februar, nach Krüper in den letzten Tagen des März, selten früher, nach den Angaben der Schweizer Forscher in den Alpen erst gegen Ende Mai, Anfang Juni und selbst im Juli seine Eier. Am Murgab fand Alfred Walter die Nester am 10. April mit vollen Gelegen besetzt. Das Nest ist eine einfache Vertiefung, die unter niedrigen Zwergtannen oder Gesträuch, unter vorragenden Steinen und аn anderen geschützten und verborgenen Orten ausgescharrt und mit etwas Moos, Heidekraut, Gras und dergleichen ausgekleidet wird. Die Ausfütterung geschieht im Hochgebirge mit größerer Sorgfalt als in den tieferen Gegenden und zumal im Süden, wo die Henne zuweilen eine einfache Mulde im Sande schon für hinreichend hält. Das Gelege bilden 12—15 Eier, die bei den Schweizer Exemplaren auf blaß gelblichweißem Grunde mit sehr feinen, blaßbräunlichen Flecken gezeichnet sind, während die aus Griechenland und der Herzegowina einfarbig hell gelblichweiß sind und nur gelbliche oder bräunliche Wolken als äußern Anflug zeigen; alle haben ungefähr 46 mm Längs- und 33 mm Querdurchmesser. Die Henne brütet 26 Tage sehr eifrig und führt dann die Küchlein in Gesellschaft ihres Gatten auf die ersten Weideplätze. Die Färbung der Jungen im Dunenkleide spielt in ein helles Steingrau; die Kopfplatte und ein Strich vom Auge zum Ohr sind braun, die Oberteile dunkelbraun, von zwei helleren Seitenlinien eingefaßt und von einer solchen Mittellinie durchzogen, die Schultern und Weichen ebenfalls braun. Außer dem Menschen treten Füchse, Marder, Wiesel, Raubvögel und Raben als Feinde des Steinwildes auf; rollende Steine mögen auch manche erschlagen; am meisten аber gefährdet sie ein strenger Winter.
Die leichte Zähmbarkeit des Steinhuhnes ist den Griechen wie den Schweizern wohl bekannt; daher findet mаn gerade diesen Vogel sehr häufig im Käfig. Radde traf in Eriwan von diesem Vogel in manchen Häusern ganze Familien, die mit den Menschen in den Stuben lebten, unter dem Ofen ruhten und völlig zahm waren. Sie folgten dem Rufe ihrer Pflegerinnen wie die Küchlein von Haushühnern. In Griechenland werden sie deshalb häufig gefangen gehalten, weil sie als Wesen gelten, die Schutz gegen Bezauberung gewähren können. Hier аber gönnt mаn ihnen keine Freiheit, sondern sperrt sie in kegelförmige Weidenkäfige ein, die so klein sind, daß sie sich kaum herumzuwenden vermögen. Dessenungeachtet halten sie viele Jahre in so engem Gewahrsam aus.