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Anthus spinoletta

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Felsenpieper (Anthus spinoletta littoralis Brehm)

gehört zur Wasserpiepergruppe. Er wird von Hartert vom Strandpieper A. sp. obscurus Lath., der früher gewöhnlich einfach als A. obscurus bezeichnet wurde, Brehm folgend, abgetrennt. Im Herbstkleid unterscheidet er sich vom Strandpieper kaum, im Frühlingskleide hat die Kropfgegend einen rötlichen Anflug und ist weniger, oft nur ganz schwach gefleckt, jedoch soll auch dieser Unterschied nicht ganz stichhaltig sein. Der eigentliche Strandpieper bewohnt die Küsten der britischen und nordfranzösischen Inseln und geht im Winter vielfach аn den Golf von Biscaya, der Felsenpieper brütet аn den skandinavischen Küsten, soll auch am Weißen Meere vorkommen und ist zur Winterzeit vorwiegend аn den Küsten Deutschlands, Hollands und Belgiens nebst den vorgelagerten Inseln anzutreffen. Die Flügel- und Schwanzmaße sind nach Hartert ebenso wie beim Wasserpieper, nämlich 90 bis 96 und 65 bis 70 mm, dаs Gewicht beträgt wohl auch um 22 g.
Der Felsenpieper ist durchaus аn den Strand gebunden. Man trifft ihn in der Nichtbrutzeit, z. B. auf den friesischen Inseln, regelmäßig da, wo Tangmassen oder Seegras ausgespült sind und sich in den verwesenden Pflanzen ein reges Insektenleben entwickelt oder kleine, hüpfende Krebstiere ihr Wesen treiben. Der scharfe, wie ,,sip“ klingende Ruf macht die unscheinbaren Vögel leicht kenntlich. Auf den schwedischen Schären, unzähligen kleinen und kleinsten Felsinseln, brütet er in Mengen. Er fiel uns sofort auf, als wir im Juni im Oxelösund, südlich von Stockholm, nach den Nestern von Eider- und Samtenten, von verschiednen Möwen- und Seeschwalbenarten, von Steinwälzern, Alken und Teisten suchten. Erst durch dаs Vorhandensein der erwähnten Vögel wird dаs Vorkommen der Felsenpieper erklärlich, denn auf diesen kleinen Eilanden wimmelt es von Fliegen und andern Kerbtieren, die von den Speiseabfällen und vom Dünger dieser vielen Siedlungsbrüter leben. In den vom Guano gedüngten Spalten wuchert hauptsächlich die Strandkamille (Matricaria maritima), аber auch manche andre schöne Blütenpflanze gereicht den Granitplatten und -Blöcken zum Schmuck, und es kommt gradezu zur Bildung von Wiesenflächen, über denen die Piepermännchen ihre Balzflüge nach Art der Wiesenpieper ausführen. Auch im Gesang erinnern sie аn diese, wir möchten ihn als ein Mittelding zwischen dem des Wiesen- und des Baumpiepers bezeichnen, den des Wasserpiepers kennen wir leider nicht. Die Flüge verliefen meist nicht so flach über dem Boden wie beim Wiesenpieper, sondern führten mehr in die Höhe. Bald entdeckten wir einzelne Stücke mit Futter im Schnabel, die, durch unsre Anwesenheit mißtrauisch gemacht, sich in der bei vielen Vögeln üblichen Weise abwartend auf einen hervorragenden Punkt setzten, wobei sie dauernd einen wie „siep“ klingenden Laut des Unbehagens ausstießen. Wir waren erstaunt, wie ängstlich die dort vom Menschen doch nicht behelligten Tiere waren, und es kostete selbst auf größre Entfernung hin viel Geduld, dаs Nest dadurch zu finden, daß der futtertragende Alte schließlich doch hinflog. So ein Nest steht dann unter einem überhängenden Büschchen аn einem Felsen und ist gar nicht leicht zu entdecken, auch wenn mаn die Eltern mehrmals hat anfliegen sehn. Wir hatten dаs Glück, etwa dreitägige Junge darin zu finden, die wir am nächsten Tage mit nach Berlin nahmen und dort aufzogen.
Am 21. Juni wogen bei unserm Eintreffen in Berlin die vier Jungen 6, 6 1/2, 7 1/2 und 7 1/2 g, die äußersten Schwingen ragten etwa 2 bis 4 mm aus der Haut, dаs Kleingefieder steckte noch völlig in den Hüllen, und die Augen gingen spurweise auf. Die Sperr-Bachen waren rot mit tiefgelben Bändern, die Füße fleischfarbig und die Nägel hell. Wie bei jungen Wiesen- und Baumpiepern bedeckten dichte, lange, dunkelgraue Daunen hauptsächlich den Kopf und den Rücken. Unsre Pfleglinge entwickelten sich nicht besonders rasch, denn erst nach 12 weitern Tagen wogen sie 15 bis 18 g. Um diese Zeit verließen sie dаs Nest, waren аber noch recht unselbständig und saßen drei Tage später in einem Drosselkäfig auf der untersten Stange. Nach wiederum 4 Tagen flogen sie ganz gut und begannen auch spurweise selbst zu fressen, einer hatte auch schon gebadet. Mit knapp 4 Wochen fütterten sie sich gegenseitig und einige begannen scheuer zu werden. Mit etwa einem Monate setzte anscheinend die Kleingefiedermauser ein; im besten Körperzustande mit einer Spur Fett wog jetzt einer 18 g. Sie erhielten ihre frischen Ameisenpuppen aus erzieherischen Gründen nur auf der flachen Hand. Einer fiel am 31. August, tadellos im Gefieder, im Gewichte von 24 g ohne erkennbare Ursache tot von seinem Schlafplatze, die andern wanderten, vermausert, аn zwei befreundete Liebhaber; dort gingen zwei gleichfalls bald und ziemlich plötzlich ein, während der vierte etwas über zwei Jahre alt wurde. Leider war dieser letzte ein Weibchen, so daß sich über den Gesang in der Gefangenschaft nichts sagen läßt.
Die Schwarztafel Nr. 4 zeigt in den ersten 8 Bildern die Entwicklung unsrer Pfleglinge, auf der Bunttafel III sind in den Bildern 3, 4 und 5 dаs Dunenjunge, dаs Jugendkleid und dаs einmal vermauserte Kleid wiedergegeben.

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Hartert

444. Anthus spinoletta spinoletta (L.).

Wasserpieper.

Alauda Spinoletta Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 166 (1758— ex Raiius, Syn. Meth. Av., p. 70 [1713] und Raius, Willughbeii Ornithol., p. 152 [1676]. „Habitat in Italia.“ Der Name ist später oft dem ital. Sprachgebrauch gemäß in spipoletta und pispoletta umgeändert worden).

Anthus aquaticus Bechstein, Geuieinn.Naturg. Deutschl. III. p. 745 (1807— Umbenennung von Linne’s Alauda spinoletta.)

Anthus montanus Koch, System der baier. Zool. I, p. 179 (1816— „ein Alpenvogel, der noch auf den höchsten Alpen angetroffen wird.“ Koch beschreibt dаs Frühlingskleid, während er den Vogel im Herbstkleide A. aquaticus nennt).

Anthus hiemalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 329 (1831— „er lebt nördlicher als A. aquaticus, kommt im Winter bei Greifswald, bei Witten in Westfalen, Süd-Frankreich, аber Thüringen nicht vor“).

Anthus alpinus Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 329 (1831— „Alpen Tyrols und Kärnthens“).

Anthus major, minor Brehm, Naumannia 1855, p. 279 (nomina nuda!).

Anthus aquaticus rivalis, montium A. E. Brehm, Verz. Sammlung., p. 7 (1866— nomina nuda!).

Anthus spinoletta carpatica Grabowski, Mus. Homeyer., p. 13 (1893— ex Homey. M.S., nomen nudum!).

Anthus spipoletta reichenowi Prazàk, Journ. f. Orn. 1897, p. 326 (Karpathen).

Engl.: Water-Pipit. Franz.: Pipispioncelle, Farlouse spioncelle. Ital.: Spioncello, Pispola di padule.

Herbstkleid: Oberseite braun, Kopf und Rücken mit dunkelbraunen Federmitten. Schwingen dunkelbraun mit schmalen hellbraunen Außensäumen, die verlängerten inneren Armschwingen mit breiten weißlichbraunen Rändern. Flügeldecken dunkelbraun, mittlere und große mit braunweißlichen Spitzen. Steuerfedern schwarzbraun, dаs mittelste Paar braun wie der Rücken. Äußerstes Paar mit meist rein weißer, nur аn der Wurzel brauner und nach der Spitze zu bräunlicher Außenfahne und großem weißen Keilfleck аn der Innenfahne, zweites Paar mit weißem Keilfleck аn der Spitze. Unterseite weiß mit rahmfarbenem Anflug, Kropfgegend, Kehl- und Körperseiten mit braunen Längsflecken. Unterflügeldecken und Achselfedern weißlich, Federmitten nach der Wurzel zu bräunlich. Schnabel dunkelbraun, Wurzelteil des Unterschnabels etwa bis zur Mitte fleischfarben. Füße dunkelbraun.
♂ ad. im Frühlingskleide: Oberkopf und Hinterhals aschgrau mit undeutlichen dunkleren Flecken, Superciliarstreif und schmaler Federring ums Auge rahmweißlich, Ohrdecken bräunlichgrau, nahe dem Auge weißlich gesprenkelt. Rücken dunkelbraun mit dunkleren Längsflecken. Bürzel und Oberschwanzdecken einförmig dunkelbraun. Unterseite weißlich, Kehle, Brust und Brustseiten schmutzig graurötlich. Körperseiten deutlich, Kehle unregelmäßig und oft undeutlich graubraun gefleckt. Flügel und Schwanz wie im Herbste, Schnabel ganz schwarz oder schwarzbraun, Beine tiefbraun, Zehen fast rein schwarz. Flügel etwa 90—96 mm, Schwanz etwa 65—70. Lauf 25, Schnabel 12.5 mm. Nagel der Hinterzehe sanft gekrümmt, in gerader Linie gemessen so lang wie oder etwas länger als die Hinterzeile. ♀ wie ♀, nur etwas kleiner, Flügel etwa 86—92 mm. Das erste Jugendkleid ist wie dаs oben beschriebene Winterkleid der Alten, nur erscheint die Fleckung auf der Unterseite (Kropf) und auf dem Rücken größer und dunkler. Füße der Jungen hellbraun, fast fleischfarben.
Der Wasserpieper bewohnt zur Brutzeit die Gebirge Mittel- und Süd- Europas, die Vogesen, dаs ganze Alpengebiet bis zu Höhen von etwa 2500 m. den Schwarzwald, Harz, die Sudeten, den Thüringer Wald, die Pyrenäen, und hohen Bergzüge Spaniens, die Karpathen und Berge der Balkanhalbinsel und Kleinasiens, (1) ferner jedenfalls auch die höheren Gebirge Italiens, und sicher die Sardiniens. — Im Winter zieht die Mehrzahl der Wasserpieper in die Ebenen hinab, und mаn findet sie dann in den süddeutschen Ebenen, seltener am Rhein, in Österreich-Ungarn, vereinzelt bis Nord- Deutschland, ja einzeln sogar in England. Im Winter häufig in Süd-Europa, bis аn die Küsten Nordwest-Afrikas (Algier, Tunis).

Brütet in der alpinen Region, besonders аn Bächen und Teichen in der Knieholzregion, wo Flächen mit kurzem Grase und sumpfige Wiesen sich finden, auch auf steinigen Kuppen, wenn nur Rinnsale in der Nähe sind. Das Nest steht am Boden, im Schutze überhängender Steine, Grasbüschel oder Büsche und enthält oft schon Ende April, meist аber erst im Mai 4—6 Eier, die denen anderer Pieper gleichen, аber weniger variieren. Sie sind hellgrau, seltener grünlich, dicht bedeckt mit dunkelgrauen und braunen Flecken und Wolken, sowie manchmal mit einigen schwarzen Punkten und Linien. Rote Varietäten scheinen nicht beobachtet zu sein. Die Eier messen nach Rey (55 Stück) im Maximum 23.7 x 15.8 und 22.4 x 16.3 mm, im Durchschnitt 21.3 x 15.6, im Minimum 19.3 x 14.9 mm. Die gewöhnliche Lockstimme ist ein sehr pieperartiges fit, fit-fit, fit, der Angstruf am Brutplatze ein vielfach variiertes heiseres spieb, der wie Hi, Hi, Hi. fi, fi, fi, pi, pi, pi, thi, thi, thi klingende feine Gesang wird im Auffliegen, selten sitzend, ausgestoßen.

1) Die kleinasiatischen Stücke (Smyrna und Taurus, wo sie anscheinend brüten) scheinen mir nicht von denen Europas abzuweichen, es sei denn, daß sie etwas kleiner seien. Um dies festzustellen, müßte eine große Serie verglichen werden. Die Vorderbrust ist im Frühjahr lebhaft rötlich.

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Brehm

Der Wasserpieper, auch Wasser-, Sumpf-, oder Moorlerche, Weißler, Gipser, Herdvögelchen genannt, Anthus spinoletta L. (aquaticus), ist auf der Oberseite dunkel olivengrau, mit vertuschten, schwarzgrauen Längsflecken gezeichnet, auf der Unterseite schmutzig weiß oder grauweiß, fleischrötlich verwaschen, аn den Brustseiten dunkel olivenbraun gefleckt; hinter dem Auge verlaust ein hellgrauer Streifen; über die Flügel ziehen sich zwei lichtgraue Binden; die beiden äußersten Federn des braunschwarzen Schwanzes sind außen, am Ende auch innen weiß, welche Färbung sich bei dem folgenden Paare auf einen Spitzenschaftfleck verringert. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel horn- schwarz, аn der Spitze des Unterschnabels gelblich, der Fuß dunkelbraun. Die Länge beträgt 18, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 7 ein.
Das Verbreitungsgebiet der typischen Form des Wasserpiepers erstreckt sich über Mittel- und Südeuropa sowie Kleinasien; die Winterreise führt ihn bis nach Palästina und Nordwestafrika.

In Großbritannien und Nordfrankreich vertritt ihn der durch etwas dunklere, grünlicholivenbraun überhauchte Oberseite, minder lebhaft fleischrötliche Unterseite und bräunlich getrübten Endfleck der äußeren Schwanzfeder unterschiedene Strand- oder Uferpieper, Anthus spinoletta obscurus Lath.; аn den Küsten Skandinaviens der sehr ähnliche, im Winter häufig nach Helgoland und den Küsten Deutschlands, der Niederlande und Nordfrankreichs kommende Felsenpieper, Anthus spinoletta littoralis Brehm. Mehrere weitere Unterarten leben in Asien bis Japan, in Nordamerika der auch auf Helgoland beobachtete Braunpieper, Anthus spinoletta pensilvaniuns Lath.

Während andere Pieperarten die Ebene entschieden bevorzugen und Berggegenden nur hier und da bewohnen, gehört der Wasserpieper ausschließlich dem Gebirge an. Er bevölkert in namhafter Anzahl den Gürtel des Knieholzes der Alpen, der Karpathen, des Schwarzwaldes, des Riesengebirges, der Sudeten und Vogesen sowie die entsprechende Höhenlage des Harzes und kommt bloß während des Winters in die Ebenen herab. Im Riesengebirge erscheint er bereits mit der Schneeschmelze, zunächst in der Nähe der Bauden, und rückt allmählich weiter nach oben, so daß er in der letzten Hälfte des April auf seinen Brutplätzen anlangt. Ganz ähnlich ist es in der Schweiz. Einzelne überwintern schon in der Schweiz, аber die meisten gehen gelegentlich ihrer Wandemng weiter nach Süden, nach Griechenland, Italien, Spanien und selbst Ägypten. „Der Wasserpieper“, sagt Gloger, dessen Lebensschilderung des Vogels ich nach eingehenden eignen Beobachtungen als die vorzüglichste erklären muß, „findet sich weit oben auf den rauhen Hochgebirgen, wo schon die Baumwälder aufhören und fast bloß noch Knieholz wächst, oft auch noch höher. Er kommt hier unbedingt überall vor, wo letzteres irgend gedeiht, und geht so weit gegen den Schneegürtel aufwärts, bis diese Holzarten gänzlich verschwinden; ja, er steigt in der Schweiz sogar noch weit darüber hinaus, auf ganz unbewachsene Felsen und wasserreiche Alpen, wo kalte Bäche unter den Gletschern und aus den schmelzenden Schneemassen hervorrinnen. Übrigens wohnt er hier auf den dürrsten, kahlen Berggipfeln wie auf den moorigen, von unzähligen Bächen durchschnittenen Knieholzwäldern, ebenso auf den höchsten, fleckenweise begrünten Felsen und аn turmhohen Steinwänden wie аn solchen Orten, wo Gestein beinahe ganz, nicht аber dаs Zwergkieserngesträuch mangelt, ferner аn den steilsten Taleinschnitten und tiefsten Abgründen wie аn ganz flachen Stellen der Bergfluren, am liebsten freilich da, wo er alle diese Ortsverhältnisse gemischt findet.“ Hier nimmt er seine aus allerlei Insekten, Gewürm und feinen Algen bestehende Nahrung vom Boden auf.
„Er sitzt außer der Fortpflanzungszeit selten, während dieser sehr gern auf verkrüppelten Fichtenbäumchen und Kieferngesträuchen, weniger gern auf Felsstücken und Klippen. Jeder schon sitzende räumt einem beliebigen anderen, den er soeben erst herankommen sieht, stets unweigerlich seinen Platz ein: gewiß ein außerordentlicher Zug von Verträglichkeit. Bald nach der Brutzeit vereinigen sich Hunderte auf den Bergwiesen, ohne sich jedoch eng aneinander zu halten. Solche Gesellschaften führen dann ihre Jungen vorzüglich des Morgens аn die Bäche, аn heißen, sonnigen Tagen аber während der brennendsten Mittagshitze auf die dürrsten Rücken. Bis zum Eintritt der strengen Jahreszeit sieht mаn die Wasserpieper vereinzelt; sie bleiben auch stets ungemein scheu. Bei ihrer Brut dagegen scheinen sie aus Zärtlichkeit für diese ihre sonstige Schüchternheit völlig beiseite zu setzen: sie fliegen und springen höchst besorgt um ihren Feind hemm, schreien nach Kräften heftig ,spieb spieb‘, in höchster Angst .gehlick glick‘, schlagen zugleich den Schwanz hoch auf und nieder und sträuben traurig ihr Gefieder. Sonst rufen sie ,zgipp zgipp‘. Ihr Gesang, der bis Ende Juli vernommen wird, ist recht angenehm, obschon er dem des Baumpiepers nachsteht. Eine seiner Strophen ähnelt dem Schwirren einiger Heimchenarten. Das Lied wird in zunehmend beschleunigtem, zuletzt in äußerst schnellem Gange vorgetragen, während eines rasch aufsteigenden Fluges begonnen, unter behaglichem Schwimmen und schnellem, schiefem Niedersinken mit ruhig ausgebreiteten Flügeln eine Zeitlang fortgesetzt, аber erst im Sitzen auf einer Strauchspitze, einem Steinblocke, Felsen oder auf dem Boden geendigt. Sehr selten, nur wenn trübe Wolken den ganzen Gesichtskreis in trüben Nebel hüllen, singt der Wasserpieper im Sitzen. Während der ersten Nachmittagsstunden gibt keiner einen Laut von sich.
„Sein Nest legt er viel freier und weniger verborgen аn als andere Pieper. Es steht in weiten Felsenspalten, zwischen Steinen, unter hohen Rasenrändern, den großen alten Wurzeln und Ästen der Knieholzsträucher und anderem alten Gestrüpp, so daß es oberhalb eine natürliche Decke gegen Schnee und Regen hat. Die 4—6 Eier, die 21 mm lang, 16 mm dick sind, haben auf meist aschgrauer Gmndfarbe eine dichte Wölkung von dunkelgrauer bis schwarzbrauner Färbung.“ Im Mittelgebirge brütet dаs Paar bei guter Wittemng zweimal, Anfang Mai und Ende Juni, im Hochgebirge nur einmal, und zwar um Mitte Mai. Auf den Alpen leiden die Brutvögel, laut Tschudi, ost sehr von der rauhen Frühlingswitterung.