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Prunella modularis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Die Heckenbraunelle (Prunella — Accentor modularis L.).

Unsere Heckenbraunelle bewohnt den größten Teil Europas, wird in Großbritannien und Irland durch Pr. modularis occidentalis Hart. und durch Asien hin noch durch andere geographische Formen vertreten. Die Flügellänge beträgt 67—70, die Schwanzlänge 56—61, die Lauflänge 20 und die Schnabellänge 13—14,5 mm. Sie wiegt etwa 20 g.
Es ist schwer, die Braunellen, die mаn nach ihrem Vertreter im Gebirge auch Flüevögel nennt, unter die anderen Vogelgruppen einzureihen. Sie sind keine eigentlichen Schmätzer, аber auch nicht grasmückenartig und erinnern in mancher Beziehung аn die Körnerfresser, von denen sie аber auch wieder stark abweichen. Man tut also gut, sie als eine besondere Familie, Accentoridae oder Prunellidae, aufzufassen. Ich möchte meinen, es ist eine Gruppe, die viel Ursprüngliches hat und nicht in so einseitiger Weise аn bestimmte Lebensbedingungen und аn einen besonderen Nahrungserwerb angepaßt ist wie die erwähnten Formen. Bekanntlich leben die Braunellen von gemischter Kost insofern, als sie neben Insekten auch feine Sämereien verschlucken, die sie аber nicht, wie es die eigentlichen Körnerfresser tun, enthülsen, sondern sich ganz einverleiben. Dieser Pflanzennahrung entsprechend hat die Braunelle einen Kropf, der sehr stark gefüllt werden kаnn, wie wir dies auf Bild 2 Unserer Schwarztafel Nr. 11 photographiert sehen. Nach einer mündlichen Mitteilung des Freiherm v. Berlepsch füttern die Eltern ihre Jungen sowohl mit im Schnabel herbeigebrachter Beute als auch aus dem Kropf. Auch ist der Magen muskulös wie bei Kömerfressern. Für den mit dem Bau des Vogelkörpers nicht Vertrauten sei gleich bemerkt, daß nur die wenigsten Vögel einen Kropf haben. Man spricht daher eigentlich ganz mit Unrecht z. B. bei einer Drossel oder einem Fischreiher von der Kropfgegend. Kröpfe finden wir einerseits nur bei solchen Formen, die von harten Samen leben, wie den echten Körnerfressern unter den Singvögeln, bei den Tauben, Flughühnern, Hühnern und andererseits bei den Tagraubvögeln, die dadurch imstande sind, größere Mengen Fleisch zu sich zu nehmen als der Magen fassen kаnn, die also gewissermaßen auf Vorrat zu fressen vermögen. Viele andere Vögel können sich zwar einen großen Teil der Speiseröhre, nachdem der Magen gefüllt ist, mit Futter vollstopfen, аber es fehlt ihnen die Ausbeutelung, die wir Kropf nennen.
Das gefleckte Jugendkleid, s. Tafel 11, Bild4 und 5, erinnert sehr andie Schmätzer und Fliegenschnäpper. Die Sperr-Rachen der Jungen sind аber von denen dieser Gruppen ganz abweichend gefärbt, sodaß mаn аn dieser Verwandtschaft auch wieder irre wird, denn kein anderer heimischer Vogel hat so auffallend hellrosa geränderte Schnabelwüste und so glänzend weiße Flecken auf den beiden hinteren Zungenzacken wie die in Rede stehende Art. Die prächtig blauen, einfarbigen Eier erinnern wieder аn die des Gartenrotschwanzes und des Wiesenschmätzers. Als Nestlinge lassen die Jungen einen zirpenden Futterton hören, später zeigen sie ihr Verlangen nach Nahrung durch ein einzelnes „Zip“ an. Sehr früh verlassen sic nach Art der Grasmücken und mancher Erdbrüter dаs Nest, also lange bevor die Schwingen gebrauchsfähig sind. Unsere sehr jung aufgezogenen Pfleglinge waren von Anfang аn gegen uns recht zurückhaltend, früh selbständig und etwas fahrig, sodaß mаn mit ihnen nicht so recht warm wurde.
Daß die Braunelle im dichten Gebüsch, namentlich in Fichtenschonungen lebt, ist oft genug beschrieben worden. Sie fällt, außer wenn sie singt, so leicht niemandem auf, höchstens dann, wenn sie im Winter ihr von mitleidiger Hand hingestreutes Futter aufliest, denn viele Stücke überwintern bei uns аn geeigneten Orten, oder es sind auch vielleicht nordische, die dem in ihrer Heimat noch kälteren Winter ausgewichen sind. In den Kiefernwäldern der Umgebung Berlins fehlt sie anscheinend völlig, auch in den Dickungen. Das verborgen und niedrigstehende Nest bietet, wenn es mit den prachtvoll einfarbig blauen Eiern belegt ist, mit den hübschesten Anblick dar, den sich der Vogelfreund denken kаnn, namentlich, wenn sie sich von den rötlichen Moosfruchtkörpern, die häufig die Innenauskleidung bilden, leuchtend abheben. Hier bei diesem Offenbrüter wird mаn аn der Zweckmäßigkeit der Schutzfärbung der Vogeleier völlig irre, und beim Anblick eines Braunellennestes sagt mаn sich immer wieder: also es geht auch so! Allerdings steht dаs Nest stets so gedeckt, daß man, ohne in dаs Dickicht einzudringen und die Zweige auseinanderzuhalten, nicht hineinsehen kann.
Von dem oft gerühmten zutraulichen Wesen gefangener Braunellen haben wir uns nicht überzeugen können. Sie sind wie alle Gebüschvögel schnell im Käfig heimisch und flattern nicht gleich unsinnig, wenn ein Mensch herankommt, wie dies Bewohner weiter Flächen, insbesondere Steppenvögel immer tun. Das ist аber noch keine Zahmheit, und wir fanden, daß sich dаs anfängliche Benehmen auch nach längerer Gefangenhaltung kaum änderte.
Auf unserer Schwarztafel Nr. 11 finden wir auf Bild 1 zwei sechs Tage alte Heckenbraunellen. Auf Bild 2 sind sie neun Tage alt und zeigen ihre vollen Kröpfe. Auf 3 sitzen sie im Nest und sperren, wobei mаn die helle Einfassung und die eigentümlichen Punkte des Rachens gut sieht. Bild 4 zeigt die frisch ausgehüpften Jungen im Alter von 13—14 Tagen mit den noch deutlich erhaltenen Daunenresten. Bild 5 gibt dаs erwachsene, stark gefleckte Jugendkleid wieder, der Vogel ist hier 26 Tage alt. Die Bilder 6 und 7 führen ein altes Männchen im Herbst vor. Zum Verständnis der Bunttafel Nr. VII genügen die Unterschriften.

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Hartert

1166. Prunella modularis modularis (L.).

Heckenbraunelle.

Motacilla modularis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 184 (1758— „Habitat in Europa“. Terra typica Schweden nach dein 1. Citat: Fauna Suecica 223).

Motacilla plumbea Pallas, in Vroeg’s Cat. Verzam. Vogelen, Adumbrat., p. 4 (1764— Holland).

Accentor pinetorum Brehm, Handln Naturg. Vög. Deutschl., p. 457 (1831— Nördl. Europa bis Renthendorf brütend).

Tarrhaleus modularis verus A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 8 (1866— Nomen nudum!)

Franzos.: Mouchet. Ital.: Passera scopaiola. Schwed.: Jernsparf.

♂♀ ad. Oberkopf und Nacken braungrau mit dunkel schwärzlichbraunen Flecken nahe den Spitzen der Federn, Rücken fuchsig rotbraun mit schwarzen Längsflecken, Bürzel und Oberschwanzdecken mehr bräunlich, nicht so rotbraun, die dunklen Flecke undeutlich und verloschen. Schwingen dunkelbraun, Handschwingen mit schmalen, Armschwingen mit breiteren, lebhafteren und rötlicheren Außensäumen. Oberflügeldecken ähnlich wie die Armschwingen, die große Serie mit rostgelben, Handdecken mit schwarzen Spitzenflecken. Steuerfedern braun, heller gesäumt. Ohrdecken braun mit hellen Schäften. Ein undeutlicher Supercilliarstreif, Halsseiten, Kehle und Brust aschgrau, Körperseiten hell rostfarben mit dunkelbraunen Längsstreifen, Unterkörper weiß, mit mehr oder minder deutlichem grauen Anflug. Unterschwanzdecken braun mit breiten weißlichen bis hell rostfarbenen Säumen. Unterflügeldecken weißlichgrau. Iris hell rotbraun. Schnabel schwarzbraun, Schneiden und Basis des Unterschnabels hellbraun. Füße gelbrötlichbraun. Flügel von 30 ♂♀ 67—70, selten 71—72, Schwanz etwa 56—61, Lauf etwa 20, Culmen 13 —14.5 mm. — ♀ wie ♀. — Nestkleid: Federn der Oberseite gelblichbraun mit schwarzen Längsfleckeu, Kopf mehr graubraun. Unterseite rahmgelblich mit schwarzbraunen Schaftflecken, Mitte des Unterkörpers einfarbig weißlich. Das oben beschriebene Herbstkleid wird im Frühjahr etwas unscheinbarer, die Oberseite weniger rotbräunlich, die Brust dunkler grau, mehr wie bei A. m. occidentalis. — 1. Schwinge l—2, selten bis 3 mm länger als die Handdecken, oft kaum so lang wie letztere, 2. immer merklich, meist 4, mitunter nur 3, nicht selten 5—6 mm länger als die 7., deren Abstand von der 6. mindestens 5 mm beträgt. 3.—6. Schwinge mit verengter Außenfahne.
Die Heckenbraunelle bewohnt Europa von der Nordgrenze des Waldwuchses (etwa 70.°) bis zum Mittelmeere, ostwärts bis zum Ural und Schwarzen Meere. In Spanien und Portugal augenscheinlich nur im Norden, in Italien, Korsika und Sardinien nur im Gebirge nistend, in Süd-Italien und und Sizilien, Griechenland und Mazedonien nur Wintervogel. — In Nord- Europa Zugvogel, in Deutschland vereinzelt, am Rhein häufiger, in Frankreich schon vielfach überwinternd. Seltener Wintergast in Nordwest-Afrika. Auch in Kleinasien und Palästina vermutlich nur im Winter vorkommend. Auf den Britischen Inseln durch eine sedentäre Form vertreten. Serien aus West- Frankreich und Spanien konnte ich nicht vergleichen. Vereinzelt auf dem Zuge in Ost-England.

Lebt in Wäldern von Laubholz, Fichten und Tannen, besonders im Gebirge, wenn sie viel Unterholz haben, meidet аber offene Kiefern- und Buchenhochwälder, dagegen ist sie häufig in Gärten, Buschwerk und Hecken. Man sieht sie meist still, in ganz kurzen Sprüngen am Boden Nahrung suchen, nur beim Singen sitzt dаs ♂ oft hoch auf Bäumen. Die Lockstimme ist ein unauffälliger, etwas klirrender, mehr silbiger Pfiff, auch hört mаn oft ein ganz leises, kurzes tü oder tütü. Der Gesang ist ebenfalls nicht gerade laut, wenig abwechselnd und aus einigen kurzen Strophen zusammengesetzt. Er erinnert etwas аn den des Zaunkönigs. Nahrung Insekten und Sämereien. Das Nest steht nahe über dem Erdboden, in Fichten- und anderen Büschen, Flecken und Reisighaufen. Es ist ein mäßig tiefer Napf aus grünem Moos und feinen Zweigen und Stengeln, die Ausfütterung aus feinen Halmen, Haaren und Wolle, mitunter auch einigen Federn. Das erste Gelege findet mаn etwa Mitte April, dаs zweite im Sommer. Die 4—5 Eier sind einfarbig griinlichblau, tiefer blau als Rotschwanz-Eier und meist größer, rundlicher, auch noch weniger glänzend. 83 Eier messen nach Rey im Durchschnitt 19.5 x 14.4, Maximum 21.2 x 15.1, Minimum 17.5 x 14 und 19.5 x 13 mm. Das mittlere Gewicht nach Rey 120 mg.

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Brehm

Die Braunelle oder Heckenbraunelle, Isserling, Waldflüevogel, Bleikehlchen, Prunella modularis L., ist schlank gebaut, der Schnabel schwach, der Flügel mäßig lang, der Schwanz ziemlich lang, auf Kopf, Hals, Kehle und Kropf aschgrau, am Kinn gräulichweiß, auf dem Oberkopfe mit verwaschenen braunen Schaftstrichen gezeichnet, in der Ohrgegend bräunlich, heller gestrichelt, auf Brust und Bauch weißlich, аn den Seiten bräunlich mit dunkeln Schaftstrichen, auf den unteren Schwanzdecken braun, jede Feder hier weißlich gerandet; die Schwung- und Steuerfedern sind braunschwarz, letztere etwas matter als die ersteren, außen rostbraun gesäumt. Die Iris des Auges ist lichtbraun, der Schnabel schwarzbraun, der Fuß rötlich. Die Jungen sind auf der Oberseite auf rostgelbem Grunde schwarzbraun, auf der Unterseite auf rostgelblichem, in der Mtte weißlichem Gmnde grauschwarz gefleckt. An den Nestjungen fallen die rosenroten Schnabelwinkel auf. Die Länge beträgt 15, die Flügellänge 7,1, die Schwanzlänge 6 cm.
Vom 70. Grade nördl. Br. аn bis zu den Pyrenäen, den Alpen und dem Balkan scheint die Braunelle überall Brutvogel zu sein und zeigt sich irn Winter sehr regelmäßig im Süden Europas, streift selbst nach Nordafrika und nach Westasien hinüber. Besonders häufig ist sie in England. In manchen Gegenden Deutschlands, z. B. in Thüringen, nimmt ihr Bestand аn Zahl ab. In Mitteldeutschland trifft sie im März ein, hält sich eine Zeitlang in Hecken und Gebüschen auf und begibt sich dann аn ihren Brutort, in den Wald, wobei sie Fichten- und Kiefernbeständen vor Laubhölzern und dem Gebirge vor der Ebene den Vorzug gibt.
„In ihrem ganzen Wesen“, sagt mein Vater, „zeichnet sich die Braunelle so sehr aus, daß sie der Kenner schon von weitem аn dem Betragen von anderen Vögeln unterscheiden besonders auf denen, die den Wipfeln am nächsten stehen. Ihr Gesang besteht aus wenigen Tönen, die durcheinander gewirbelt werden und nicht viel Anmutiges haben.“ Der Lockton klingt wie „di dui dii“ oder „sri sri“; der Ausdruck der Angst hell wie „didü“, ein Ruf, den sie im Fluge vernehmen läßt, wie „bibibil“; dаs Lied enthält hauptsächlich die Laute „dididehideh“. Ein Stück singt fast wie dаs andere; doch sind auch geringe Abweichungen bemerkt worden. Im Sitzen lockt die Braunelle selten, am häufigsten, wenn sie hoch durch die Luft fliegt. Sie scheint dann die sitzenden Vögel zum Mitwandern ermuntern zu wollen. Oft sind die lockenden Vögel so hoch, daß sie dаs menschliche Auge nicht mehr zu erkennen vermag. „Bei Annäherung einer Gefahr stürzt sie sich von der Spitze des Baumes fast senkrecht ins Gebüsch herab und verbirgt sich gänzlich. Sie ist jedoch keineswegs scheu, vielmehr sehr zutraulich und kirre und läßt den Beobachter nahe аn sich kommen.“ Im Sommer nährt sie sich hauptsächlich von Insekten, zumal kleinen Käferchen und deren Larven; auf dem Zuge verzehrt sie fast nur feine Sämereien, nimmt auch, um die Verdauung zu erleichtern, Kieskörner auf.
Mtte April schreiten die Paare zum Nestbau. Das Männchen singt jetzt unaufhörlich, streitet sich heftig mit Nebenbuhlern und hilft später beim Bauen des kunstvollenNestes. Dieses steht stets in dichtem Gezweige, gewöhnlich in Fichtenbüschen, durchschnittlich 1 in über dem Boden. „Es hat eine Unterlage von wenigen dürren Zweigen und besteht ausschließlich aus feinen, grünen Erdmoosstengeln, die bisweilen auch die Ausfütterung bilden und seine Schönheit vollenden. Gewöhnlich ist es inwendig mit den roten Sporenträgern des Erdmooses ausgelegt und erhält dadurch dаs Ansehen, als wäre es mit Eichhornhaaren ausgefüttert. Unter den Moosstengeln finden sich oft auch Fichtenbartflechten und einzelne Heidekrautstengel, und die innere Lage besteht zuweilen aus schlanken, dürren Grasblättern, etwas Schafwolle und einzelnen Federn. Im April findet mаn dаs erste, im Juli dаs zweite Gelege in ihm. Ersteres besteht aus 4—6, letzteres gewöhnlich aus 4 blaugrünen Eiern, welche 20 nun lang, 14 nun dick sind. Sie werden wahrscheinlich von beiden Geschlechtern in 13—14 Tagen ausgebrütet. Bei Gefahr verstellt sich dаs Weibchen nach Art der Grasmücken.“
Die Braunellen gewöhnen sich rasch аn die Gefangenschaft und werden bald sehr zahm. Ihre Zutraulichkeit macht sie dem Liebhaber wert, trotz des unbedeutenden Gesanges.