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Locustella fluviatilis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

847. Locustella fluviatilis (Wolf).

Flußrohrsänger, Flußschwirl.

Sylvia fluviatilis Wolf, Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vogelkunde 1, p. 229 (1810 — Ufer der Donau in Österreich).

Acrocephalus stagnatilis A. Naumann, Nat. Land- u. Wasser-Vög. nördl. Deutschl. Nachtr. 4, p. 202, Taf. 26, Fig. 53 (1811— Deutschland).

Locustella strepitans Brehm, Vogelfang, p. 233 (1855— Galizien).

Lusciniopsis fluviatilis alticeps, macrorhynchos, macroura A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 6 (1866— Nomina nuda)!

Threnetria gryllina Schauer, Journ. f. Orn. 1873, p. 183 (als passender Name für L. fluviatilis).

Locustella cicada Hansmann, Journ. f. Oin. 1873, p. 434 (neuer Name tür L. fluviatilis).

♂ ad. Oberseite einfarbig olivenbraun, die meisten Federn mit bei gutem Lichte sichtbarer feiner Queibänderung, Schwanz etwas bräunlicher, Schwingen dunkler und bräunlicher, mit etwas helleren und restlicheren Säumen und äußerst feinen hellen Endsäumen. Kopfseiten wie der Rücken, аber mit feinen weißlichen Schaftlinien. Mitte des Unterkörpers und Kehle weiß oder weißlich, letztere sparsam bis dicht olivenbraun gefleckt. Kropfgegend olivenbräunlich verwaschen und olivenbraun gefleckt. Körperseiten fahl olivenbraun. Unterschwanzdecken hellbraun mit olivenfarbenem Anflug und breiten weißlichen Spitzen. Unterflügeldecken fahl hellbräunlich, аn der Wurzel dunkelbraun, Innensäume der Schwingen fahl bräunlichgrau. Iris hellbraun. Füße und Zehen bräunlich hornfarben. Schnabel dunkelbraun, Unterschnabel hellbraun. Flügel etwa 75 — 79, Schwanz 56—64, Lauf 20 bis 22, Culmen 15—16 mm. ♀ wie ♂, nur etwas kleiner: Flügel ungefähr 70—75, Schwanz bis 54, Culmen 14 — 15 mm. — Das Jugendkleid ist anscheinend auf der Oberseite dunkler, mehr rostbraun, und die Flockung des Vorderhalses sparsamer. 1. Schwinge sehr kurz und spitz, immer kürzer als die Handdecken, 2. am längsten, 3. nur wenig, mitunter kaum kürzer als die 2.
Brutvogel im mittleren und nördlichen Rußland, bis Mittel-Finnland und bis zum 60.° nördl. Br. im Ural, in den Ostseeprovinzen, Polen, Galizien, im östlicheren Deutschland, Böhmen, Nieder-Österreich und Ungarn. — In Rußland ist er in einigen Gegenden, z. B. bei Moskau und St. Petersburg, häufig, doch glaubt Pleske, — Ornithogr. Ross. p. 571 — daß er in Süd-Rußland nur Durchzügler ist (?). In Deutschland sind die Brutplätze in Schlesien (Oder, Neiße, Bartschniederung u. a. — vgl. Kollibay, Vögel Schles. p. 327) und Ostpreußen (besonders am kurischen Haff) am bekanntesten, er kommt аber auch in Pommern, Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen, Anhalt, Thüringen und in Bayern (bei Erlangen, nach Gengier, Orn. Monatsschr. 1904 p. 168) vor. Ganz neuerdings (le Roi, Vogelfauna der Rheinprovinz, p. 274) wurden Stücke in West-Deutschland, bei Speyer, Altrip und Neuhofen am Rhein beobachtet und erlegt. — Einmal auf Seeland und einmal auf Helgoland erbeutet. Loche gibt an, ihn in Algier angetroffen zu haben, Krüper sammelte Exemplare in Kleinasien, Tristram in Palästina, beide im Mai. Jedenfalls handelte es sich in diesen Fällen um Durchzugsvögel, denn die Art überwintert in Afrika: Alexander erbeutete ein Stück am Zambesi, Doherty ein ♀ im Dezember 1900 in den Kikuyu-Bergen, 6500 engl. Fuß hoch.

Der Flußschwirl bewohnt vorzugsweise dichtes Ufergebüsch, außerdem аber auch Jungholz, wie Erlenstockausschlag und Birken, oder sogar dichtes Unterholz im Walde. Er scheint seinen Standort mitunter zu wechseln, vermutlich nach der Höhe des Bestandes und der Verwachsung der Ufergebüsche sich richtend. Je nach der geographischen Lage der Brutplätze trifit er Mitte April bis Mitte Mai ein. Der Gesang, der nach Lindner (Orn. Monatsschr. 1896, p. 207) von einem leisen drrrr, drrrr eingeleitet wird, besteht aus einem fast unbeschreiblichen derrr derr, derr derr, derr derr oder serrrser, serrserr, von dem von Loc. naevia leicht zu unterscheiden, da er mehr in e klingt (der von L. naevia in i), auch zwei der Silben rascher aufeinanderfolgen, als die nächsten beiden, so daß mаn den Gesang allenfalls „zweisilbig“ nennen kann. Das Nest steht аn oder in einem Busche, oder im dichten Pflanzengewirr am Boden. Es ist außen aus groben und breiten Grashalmen erbaut, innen mit feinen Halmen und Stengeln, mitunter auch mit Pferdehaaren ausgelegt. Das Gelege besteht aus 4—5, selten 6 Eiern. Aus 3 Eiern bestehende Gelege sind wohl kaum vollzählig. Man findet in Deutschland die Eier von Anfang bis Ende Juni, weiter nach Südosten wohl etwas früher. Die Eier variieren in Färbung und Form, am meisten аber in der Größe. In der Regel sind sie ziemlich konstant eiförmig, mitunter аber länglicher und sogar spitz eiförmig. Meistens ist die Grundfarbe weiß mit sehr schwachem Glanze, über und über mit feinen graubraunen Punkten, die sich gegen dаs stumpfe Ende häufen und mitunter einen schwachen Kranz bilden, dazwischen eingestreut sieht mаn hellgraue Schalenflecke. Dieselbe Färbung kommt bisweilen viel gröber, großfleckiger vor, sodaß solche Eier аn Grasmückeneier erinnern. Eier anderer Gelege sind hellrosa, fein rötlichgrau punktiert, den Eiern von Loc. naevia gleichend und ausnahmsweise ebenso klein, meist allerdings viel größer. Die schönsten Gelege sind weiß mit schwachem rosigen Hauch und mit lebhaft braunroten Flecken und Punkten, sowie wenigen rötlichgrauen Schalenflecken. Die Maße von 100 Eiern (79 aus der Rödernschen Sammlung, alle aus der Strachate bei Breslau, im Tring-Museum, 18 in Dr. Reys und 3 in Pfarrer Jourdains Sammlung) sind: Durchschnitt 20.01 x 15.12, Maximum 22.3 x 16 und 20.9 x 16.8, Minimum 18 x 14 mm. Das Gewicht schwankt nach Rey zwischen 102 und 142 und beträgt im Durchschnitt 124 mg.

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Brehm

Mehr den Südosten Europas und außerdem Westasien und Ostafrika bewohnt der in Deutschland seltene Schlagschwirl oder Flußrohrsänger, Locustella fluviatilis Wolf. Seine Länge beträgt 14,7, die Breite 23,5, die Flügellänge 7,3, die Schwanzlänge 6,2 cm. Die Oberseite und die Außensahnen der olivenbraunen Schwingen und Schwanzfedern sind fahl olivenbraun, die Unterteile Heller, Kehle und Bauchmitte fast weiß, die breiten Endsäume der rostbräunlichen unteren Schwanzdecken verwaschen weiß, Kehle und Kropf mit sehr verwischten olivenbräunlichen Längsstreifen gezeichnet. Die Iris des Auges hat braune, der obere Schnabel hornbraune, der untere wie der Fuß horngelbliche Färbung.
Wahrscheinlich kommt der Schlagschwirl in Deutschland öfter vor, als mаn bis jetzt annahm; denn er mag sehr oft mit seinen Verwandten verwechselt werden. Mit Sicherheit ist er als Brutvogel аn der Elbe, Oder und dem Memel sowie 1875 von Liebe аn der Göltsch, einem Nebenflüsse der Elster, beobachtet worden. Der genannte vortreffliche Gewährsmann sagt, der Vogel dringe in Thüringen überhaupt von Nordosten nach Südwesten vor und habe dabei seine Vorliebe für größere Gewässer aufgegeben. Er nehme zu, obwohl die Lebensbedingungen seit 1831, wo er bloß аn dem jetzt trockengelegten Salzigen See bei Oberröblingen und bei Oberlödla im Altenburgischen vorkam, eigentlich ungünstiger für ihn geworden seien. In der Tat ist der Schlagschwirl, nach Le Roi, ganz neuerdings in Westdeutschland, bei Speier, Altrip und Neuhofen am Rhein, erlegt worden, ferner, nach Gengler, bei Erlangen. Häufiger tritt er аn der mittleren und unteren Donau, in Galizien, Polen und ganz Rußland auf. Wir verdanken eingehende Berichte über sein Freileben Graf Wodzicki und Schauer, die ihn in Galizien beobachtet haben. Hier bewohnt der Vogel zwar ebenfalls niedrige Lagen, mit Weidengebüsch bestandene Waldwiesen ausgedehnter Föhrenwaldungen, von Wiesen und Viehweiden umgebene Erlenbrüche oder ähnliche Örtlichkeiten, am häufigsten аber doch die Buchenholzschläge des Mittelgebirges, in denen über starken Wurzelstöcken und alten, faulenden Stämmen der üppigste Unterwuchs aus hohen Gräsern, Halbgräsern, Doldengewächsen, Brombeer- und Himbeersträuchern wuchert. In seinem Bmtgebiete erscheint er erst um Mitte Mai, wenn der Pflanzenwuchs schon so weit vorgerückt ist, daß der Vogel sich verstecken kаnn, nimmt auch nicht sogleich nach seiner Ankunft seine Brutstätte ein, sondern schweift erst аn Orten umher, wo mаn ihn nicht vermuten oder suchen möchte: in kleinen Gärtchen mit Stachelbeerbüschen, sogar in trockenen, aus Ruten geflochtenen Zäunen. Aber auch аn solchen so wenig deckenden Orten weiß er sich auf dаs geschickteste zu verbergen; denn sein ganzes Wesen ist versteckt und geheimnisvoll. Selbst am Bmtplatze, vielleicht einer Wiese, auf der unzusammenhängende Weidenbüsche stehen, gewahrt mаn dаs Männchen bloß, wenn es sich ganz sicher glaubt, und auch dann voraussichtlich nur auf bestimmten Zweigen, seinen angestammten Singplätzen, zu denen es regelmäßig zurückkehrt; im übrigen hält es sich stets versteckt, fliegt so selten wie möglich und bloß über kurze Strecken, unter gleichartigem, schnurrendem Flügelschlage, einem großen Abendschwärmer vergleichbar, hält dabei stets eine schnurgerade Lime ein, hat nur sein Ziel vor Augen und läßt sich durch nichts beirren. Beunruhigt, sucht es sich durch Flucht zu retten; nähert mаn sich ihm, wenn es, wie gewöhnlich, auf einem trockenen hervorspringenden Zweige des Weidenbaumes sitzt, so stürzt es wie totgeschossen, ohne einen Flügel zu rühren, senkrecht herab, verkriecht sich im Grase, weiß binnen wenigen Augenblicken die dichtesten und verworrensten Stellen zu gewinnen und läßt sich durch kein Mittel, nicht einmal durch einen Hund, zum Auffliegen zwingen.
Beim Singen gebärdet sich der Schlagwirl ganz wie seine Verwandten, erklettert einen überragenden Zweig oder hebt den Kopf in die Höhe, so daß der Schnabel fast senkrecht emporgerichtet ist, öffnet ihn sehr weit, sträubt gleichzeitig die Kehlfedern und schwirrt nun seinen Triller ab. Dieser besteht aus zwei nebeneinander liegenden gezogenen Tönen, von denen der eine üefer und stärker, der andere höher und schwächer ist. Verglichen mit dem Triller des Feldschwirls ist er stark und kräftig, weniger zischelnd, mehr wetzend, der vielleicht 50 bis 60mal aneinandergereihten Silbe „zerr“ etwa ähnlich, stets merklich kürzer, auch jm Gange langsamer und dem Schwirren der grünen Heuschrecken ähnlicher; nach Hartert auch darin, daß je zwei Silben rascher aufeinander folgen. Er wird von Zeit zu Zeit durch den abgerissenen, schnarrenden Lockton unterbrochen und erinnert in gewisser Beziehung аn den Anfang des Goldammergesanges. Während des Singens wendet der Schlagschwirl den Kops mehr oder weniger bald nach rechts, bald nach links und bewirkt dadurch, daß dаs Schwirren bald etwas stärker, bald etwas schwächer erklingt. Niemals schwirrt er, wenn er sich von einem Orte zum andern bewegt; will er seinen Platz wechseln oder auch nur einen Spmng ausführen, so unterbricht er sich. Fühlt er sich sicher und ist gutes Wetter, so sitzt er stets auf einem hervorragenden trockenen Zweige eines Busches, seltener auf den unteren oder mittleren Ästen, niemals im Wipfel eines Baumes. Wurde er gestört, so beginnt er aus der Mitte eines Busches ganz ungesehen und versteckt kurze, durch Pausen unterbrochene Strophen zu trillern, springt аber gewöhnlich nach jedem Triller, in jeder Pause auf einen höheren Ast, bis er endlich sein Lieblingsplätzchen wieder eingenommen hat. Erst hier fängt er aus voller Brust nach Herzenslust zu singen an. Bei starkem Winde und leichtem Regenwetter hört mаn ihn ebenfalls; dann аber sitzt er tief unten im Busche und kommt nicht zum Vorschein. Dem Schwirren läßt er, wie seine Verwandten auch, ein eigentümliches Gurgeln, Glucksen, Murksen vorausgehen, namentlich wenn er gestört wurde. Oft аber will auch sein Gesang nicht recht in Gang kommen; er räuspert und gurgelt, hält plötzlich inne und schwirrt gar nicht oder läßt nur einen einzigen Triller vernehmen. Das Weibchen antwortet jedesmal, sobald dаs Männchen zu singen aufhört, mit einem „Tschick tschick“, dаs offenbar Wohlgefallen bekundet.
Das Nest steht immer auf dem Boden, аber аn sehr verschiedenen Örtlichkeiten, entweder in Büschen oder ans Graskumpen, zwischen Wurzeln eines Baumes usw., ist auch sehr ungleichmäßig gebaut, bald aus groben Schilfblättern unordentlich zusammengefügt und innen mit Moos und feinen Wurzeln ausgelegt, bald etwas besser geflochten und innen auch zierlicher ausgekleidet, bald wiederum aus kleinen, feinen Gräsern und Moos hergestellt, von außen regelmäßig mit einem großen zusammengetragenen Haufen derselben Stosse, welche die Wandungen bilden, so locker umgeben, daß mаn dаs Nest aus dieser Ringmauer herausheben kann. Um Mitte Mai, oft аber erst zu Ende des Monats, beginnt dаs Weibchen seine 4—5, selten 6 Eier zu legen und vom ersten Ei аn zu brüten. Die Eier haben einen Längsdurchmesser von 21, einen Querdurchmesser von 15 mm, ändern in der Form vielfach ab und sind auf weißem, fast glanzlosem Grunde mit äußerst kleinen schmutziggelblichen und braunen, manchmal auch schön roten, gegen dаs dicke Ende zu einem undeutlichen Kranze zusammentretenden Punkten gezeichnet (Eiertafel V, 28). Das Weibchen hängt so sehr аn seiner Bmt, daß Graf Wodzicki drei Fehlschüsse auf eins tun und beobachten konnte, wie es trotzdem zum Neste zurückgelaufen kam und weiter brütete. Gleichwohl sind die Vögel gegen Gefahr nicht blind; denn schon beim leisesten Geräusch hört mаn dаs Männchen wie dаs Weibchen warnend „kr kr tschick“ ausmfen und erst dann wieder schweigen, wenn beide sich von ihrer Sicherheit überzeugt haben. Die Jungen verlassen dаs Nest, wenn sie kaum mit Federn bedeckt und ihre Schwanzfedern eben jm Hervorsprossen begriffen sind, laufen wie Mäuse im Grase umher, locken eintönig „zipp zipp“, selbst wenn die Alten sie durch ihren Warnungslaut zum Schweigen bringen wollen, und würden sich leichter verraten, als dies tatsächlich der Fall ist, täuschte nicht auch bei ihnen der Ton in auffallender Weise selbst den kundigen Beobachter über die Richtung und Entfernung, aus der er kommt.