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Acrocephalus scirpaceus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus Herrn. = streperus Vieill.).

Der Teichrohrsänger ist eine kleine Ausgabe des Drosselrohrsängers, sein Flügel mißt 64—68, der Schwanz 55—57, der Schnabel 17—18, der Lauf 22—24 mm. Das Gewicht beträgt 13—14 g, also etwa so viel wie dаs vom Seggen-, Schilf-und Sumpfrohrsänger. Das Ei ist 1,6 g schwer, was ungefähr 11 vom Hundert des Körpergewichts entspricht. Auch diese Art verbreitet sich über fast ganz Europa und wird weiter nach Osten hin durch eine nahe verwandte Form vertreten. Im Winter geht er recht weit nach Afrika hinein.
So wie der Teichrohrsänger kleiner ist als der Drosselrohrsänger, so nimmt er auch mit kleineren Schilfstreifen аn weniger ausgedehnten Wasserflächen fürlieb. Häufig trifft mаn ihn auch da im Rohre, wo gar kein größeres Gewässer in der Nähe ist, sondern die Schilfhalme im ganz flachen Wasser stehen, sodaß mаn bequem аn dаs Nest heran kаnn, dаs genau so gebaut ist wie dаs des größeren Verwandten. Die kleinen Jungen haben eine dunkle Haut, keine Daunen, trübgelbe Rachen und zwei schwarze Zungenpunkte. Wenn dаs Gefieder stark sproßt, und die Federn noch in Hüllen sind, sehen die Vögel fast schwarz aus und machen den Eindruck, als seien sie naß, weil Blutkiele und Federhüllen einen speckigen Glanz haben. Die Sperrstimme erinnert auffallend аn die junger Gelbspötter. Bezeichnend ist, daß sie namentlich nach dem Ausfliegen beim Sperren die Flügel ungemein weit öffnen und lebhaft damit zittern oder schwirren. Auch der alte Teichrohrsänger hat die Gewohnheit, bei starker Erregung mit gebreiteten Flügeln hin und her zu hüpfen. Wie beim Drosselrohrsänger tritt bald eine Jugendteilmauser ein, durch die die Farbe des Vogels zwar nicht geändert wird, jedoch bekommt er ein schöneres Gefieder, dаs nicht so weitstrahlig und wollig ist wie dаs erste; mаn sieht es den eben flüggen Jungen schon an, daß sie bald mausern müssen, denn mit einem so dünnen und schäbigen Kleidchen können sie unmöglich nach Afrika reisen. Umgekehrt sieht der Kenner bei Gelbspöttern, Schwalben, Schwirlen, Streifenrohrsängern und anderen аn der Güte des Nestkleides sofort, daß es sich hier um ein Gefieder handelt, dаs für die Dauer getragen werden kann. Über den sonstigen Mauserverlauf namentlich auch alter Vögel können wir nichts sagen; die Liebhaber kennen diese Form als Wintervollmauserer, und sie gilt bei ihnen als sehr heikel.
Auf der Schwarztafel Nr. 39 führt Bild 3 dаs etwas strähnige Jugendkleid und Bild 4 dаs weite Ausbreiten der Flügel beim Sperren vor. Die Bilder 5 und 6 geben einen alten Wildfang in recht bezeichnenden Stellungen wieder, Bild 5 zeigt ihn beim Abhüpfen, 6 während des Sicherns: mаn sollte nicht glauben, daß es sich hier um denselben Vogel handelt, der innerhalb weniger Minuten zweimal auf genommen wurde. Die Bunttafel XIX bringt die Farben- und Größenunterschiede der drei einfarbigen Rohrsängerarten zur Anschauung.

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Hartert

860. Acrocephalus strepera strepera (Vieill.).

Teich-Rohrsänger, Kleiner Rohrspatz.

? Motacilla Salicaria Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 185 (1758— ex Klein, Willughby, Albin).
(Calamoherpe arundinacea vieler Autoren, nec Turdus arundinaceus L.l)

Sylvia strepera Vieillot, Nouv. Eiet. d’Hist. Nat., Nouv. Ed. XI, p. 182 (1817— Frankreich).

Calamoherpe alnorum und arbustorum Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 443 (1831— Thüringen).

Calamoherpe piscinarum Brehm. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p.447 (1831— Renthendorf).

Calamoherpe Brehmii Brehm, Handb. Naturg. Vög.Deutschl., p.447 (1831— ex Müller MS. und Bechstein, Gern. Naturgesch. Deutschi. IV, p.669, Taf. 25. Abnormität mit heller Schwanzbinde).

Curruca fusca Hemprich & Ehrenberg, Symbol. Phys., Aves, fol. cc (1833— Nordarabien und Nubien).

Sylvia af/inis Hardy, Ann. de l’Assoc. Norm. 1841. (Nach mehreren Autoren.)

Calamoherpe pinetorum Brehm, Isis 1848, p. 5 —9 (Lübs in Mecklenburg — Typus —, Renthendorf, Görlitz, u. a.).

Sylvia (Calamoherpe) horticola Naumann, Naturg. Vög. Deutschl. XIII (Nachtr.), p. 444, Taf. 370, Fig. 1 (1853— Vielleicht nur teilweise).

Calamoherpe hydrophilos Brehm, Vogelfang, p. 235 (1855— Deutschland).

Calamoherpe crassirostris Brehm, Vogelfang, p. 235 (1855— „Morgenland“. Terra typica: Oberägypten).

Calamoherpe orientalis Brehm, Vogelfang, p. 235 (1855— „Morgenland“. Terra typica: Oberägypten).

Calamoherpe ambigua A. E. Brehm, Allg. d. Naturh. Zeitung 1857, p. 467 (Valencia und Murcia).

Calamoherpe Brehmii canneti & pygmaea A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 6 (1866— Nomina nuda).

Acrocephalus Calamoherpe Kleinschmidt, do um. f. Orn. 1903, p. 492.

Engl.: Reed-Warbler. Franz.: Rousserolle effarvatte. Ital.: Cannaiola. Sehwed.: Rörsångåre.

1. Schwinge so lang wie oder etwas kürzer oder länger als die Handdecken; 3. am längsten, 2. etwas kürzer als oder so lang wie die 4., die nur wenig kürzer ist als die 3. Außenfahne der 3. stark, die der 4. undeutlich verengt. Innenfahne der 2. Schwinge vor der Spitze eingekerbt, diese Einkerbung liegt etwa dem Anfang der Einschnürung der Außenfahne gegenüber und liegt zwischen den Spitzen der Armschwingen und dem Ende der 8. Schwinge. Oberseite warm isabellbraun (nicht ins olivenfarbene ziehend), Unterseite hell rostgelblich, Kehle und Mitte des Unterkörpers heller, fast oder ganz weiß. Jugendkleid auf der Oberseite mehr röstlich, im ersten Gefieder sind die Federsäume lichter, die Unterseite ist röstlich gelbbraun. Iris braun. Flügel 64—68, ausnahmsweise bis 71.5, Schwanz etwa 55—57, mitunter bis 61, Lauf 22—24, Culmeji 17—18 mm. ♀ meist kleiner als ♂, doch gehen die Maße ganz ineinander über. Iris hellbraun. Oberschnabel dunkel olivenbraun, Unterschnabel fleischfarben. Füße gelblichgrau mit grünlichem Anflug. Rachen orangerot, viel rötlicher als bei alten A. palustris.
Brutvogel in Süd-Schweden (etwa 58°), den südlichen und mittleren russischen Ostseeprovinzen und Kiew, südwärts durch Europa bis zum Mittelmeere, und vielleicht auch in den Atlasländern. Die genaue Grenze nach Osten ist schwer festzustellen, doch stimmen Exemplare aus dem Wolga- Delta schon mit der östlichen Form überein. In England nur in den südlichen und mittleren Teilen, in Irland soll er einmal (1843) vorgekommen sein, am 24. Sept. 1906 wurde ein Stück auf der Fair-Insel, zwischen den Orkney- und Shetland-Inseln, erlegt (Eagle Clarke). — Überwintert in Afrika (Gambia, Ostafrika bis Sansibar).

Bewohnt in der Regel Rohrdickichte аn den Ufern von Gewässern, аber auch Rohr, dаs über trockenem Boden wächst, ferner ausnahmsweise Weidengebiisch und öfter sogar fern vom Wasser gelegene Gärten, wo er in Syringen, Weiden und Ligustersträuchern nistet (z. B. Frankfurt a. M., vgl. Zoolog. Garten 1891, p. 119). Unermüdlicher Sänger, dessen „tiri tiri tiri, tirr tirr tirr, zeck zeck zeck, zerr zerr zerr, tiri tiri tiri, dscherk dscherk dscherk, heid heid heid, trett trett trett, zipp zipp zipp, räck räck räck“ usw. mаn stundenlang zuhören kann. Nahrung: allerlei Insekten, besonders kleine Käfer, wie Donacien und Rüsselkäfer, Räupchen und andere Larven, Mücken, Fliegen u. a. Nest hängend аn Rohrstengeln, Weidenzweigen, Syringen u. a., über dem Wasser meist etwa 1 m hoch, mitunter bis zu 2 m über dem Boden. Die Nester variieren sehr in der Höhe und dem Material woraus sie gebaut sind, sind аber fast immer mit feinen Rispen, Gras- und Rohrblüten ausgefüttert. Die Brutzeit ist in der Regel der Juni. Die 4—5 Eier sind auf blaugrünem oder bräunlichgrünem Grunde mit helleren und dunkleren olivenbraunen Flecken über und über bedeckt, oder gräulichweiß mit grauen Schalenflecken und meist großen olivenbraunen Flecken versehen, sowie mit einzelnen schwarzen Punkten und kleinen Flecken. Nur die letztere Varietät ähnelt den Eiern von A. palustris, ist аber meist grünlicher, etwas glänzender und von Kennern nicht zu verwechseln. 100 Eier (Jourdain, Rey) aus England und Deutschland messen im Durchschnitt 18.20 x 13.62, Maximum 21.4 x 14.2 und 19 x 14.6, Minimum 16.3 x 12.4 mm. Kleinschmidt gibt Maße bis 22 x 14.5 mm. Das mittlere Gewicht von 55 Eiern nach Rey 90.5 mg

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Brehm

Ein Abbild des Drosselrohrsängers im kleinen ist der Teichrohrsänger, Teich-, Schilf- oder Rohrsänger, Rohr- und Schilfschmätzer, Schilf- und Wasserdornreich, Wasser-und Rohrzeisig, Kleiner Rohrsperling usw., Acrocephalus streperus Vieill. Seine Länge beträgt 13,1, die Breite 20, die Flügellänge 6,5, die Schwanzlänge 5,8 cm. Die Oberteile und die Außensäume der schmutzigbraunen Schwingen und Schwanzfedern sind warm isabellbraun, nicht ins Olivenfarbene ziehend, Bürzel und Oberschwanzdecken lebhafter gefärbt, die Unterteile rostgelblichweiß, Kinn und Kehle lichter, deutlich ins Weiße spielend, Zügelstreifen, Hals- und Körperseiten nebst unteren Flügel- und Schwanzdecken lebhaft rostgelb. Die Iris ist braun, der Schnabel hornbraun, am Mundrande orangerot, unterseits horngelb, der Fuß gelblich-fleischfarben.
Vom südlichen Schweden und vom Weißen Meere аn verbreitet sich der Teichrohrsänger über ganz Europa und Westasien, ist vielleicht auch in den Atlasländern Brutvogel und durchwandert im Winter ganz Afrika, bis zum Kap der Guten Hoffnung vordringend. In Deutschland bewohnt er ähnliche Gegenden wie sein größerer Verwandter, ist аber weiter verbreitet als dieser, dehnt sein Wohngebiet mehr und mehr aus, nimmt auch аn Menge merklich zu. Aus seiner Wnterherberge kommend, erscheint er etwa Mtte April und zieht nun langsam nordwärts, so daß mаn ihn noch zu Ende Mai, selbst im Juni auf dem Zuge begegnen kann. Auch er wohnt meist in „der Nähe des Wassers und im Rohre, siedelt sich jedoch häufiger als der Drosselrohrsänger ebenso in benachbarten Gebüschen an, besucht überhaupt diese und selbst Bäume nicht selten. In Wesen und Eigenschaften erinnert er in jeder Beziehung аn seinen größeren Verwandten: selbst sein Lied hat mit dessen Gesänge die größte Ähnlichkeit, nur daß es sich in höherer Tonlage bewegt. Ein schnalzender Laut, der wie „tschädsche“ klingt, ist der Lockton; ein schnarchendes „Schnarr“ zeigt Unwillen und Besorgnis an. Der Gesang, der am lautesten im Juni erklingt, und während des ganzen Tages, vom frühesten Morgen bis zum späten Abend, fast ununterbrochen vorgetragen wird, kаnn durch die Silben „üri tiri üri, tir ür ür, zeck zeck zeck zeck, zerr, zerr zerr, tiri tiri, dscherk dscherk dscherk, Heid Heid, hid, trett trett trett“ ausgedrückt werden. Das Nest steht in der Regel ganz ebenso wie dаs seines größeren Verwandten im Rohre, zuweilen auch in Weidenbüschen und öfter in Parken und Gärten, sogar ferne vom Wasser, in Syringen und Ligustersträuchern. Es ähnelt dem der Rohrdrossel auch in der Form und wird mehr oder weniger aus denselben Stoffen errichtet, jedoch etwas leichter gewebt und innen häufiger mit Pflanzenwolle, auch wohl mit etwas grünem Moose oder Raupengespinst ausgekleidet. Die 4—5 Eier, die mаn um die Mitte des Juni findet, haben durchschnittlich einen Längs- durchmesser von 18 und einen Querdurchmesser von 14 mm und sind auf blaugrünem, bräunlichgrünem oder gräulichweißem Grunde mit olivengrauen oder olivenbraunen, auch aschgrauen Flecken meist sehr dicht gezeichnet. Beide Eltern brüten abwechselnd mit Eifer und Hingebung, zeiügen die Eier innerhalb 13—14 Tagen und füttern gemeinschaftlich auch die Jungen auf. Letztere verlassen erst, wenn sie vollkommen befiedert sind, dаs Nest, treiben es vom ersten Tage аn ganz wie die Alten, beginnen Ende Juli oder im August mit diesen umherzustreichen und treten hierauf ihre Winterreise an.