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Curruca communis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Die Dorngrasmücke (Sylvia communis Lath.).

Die Dorngrasmücke verbreitet sich über Europa südlich bis zum Mittelmeere, geht nach Osten bis nach Archangelsk und im Ural bis 63° nördlicher Breite; möglicherweise ist sie auch in Algerien und Tunis zu Hause. Den Winter verbringt sie in Afrika. Eine nahe verwandte Form, die als S. c. icterops Menetr. abgetrennt ist, verbreitet sich vom Kaukasus ab bis zum Altai und Jenissei. Die Flügellänge beträgt 68—75, die Schwanzlänge 63—68, die Schnabellänge 12—14, die Lauflänge 20— 22 mm. Das Gewicht ist ungefähr 16—17 g, sie ist also etwas leichter als Mönchs- und Gartengrasmücke; eine neugeborene wog 1,15 g.
Man findet diese Art immer da, wo Gebüsch аn Wiesen stößt, d. h. besonders аn Feldhecken oder mit Brombeeren oder ähnlichem bewachsenen Grabenrändern. Eben deshalb ist sie in Parkanlagen selten, und mаn muß schon hinaus in die Fel der gehen, um sie zu finden. Kommt mаn ihr zu nahe, so läßt sie ein eigentümliches „Wäwäwä“ hören. Im übrigen sitzt dаs Männchen zum Singen mit gesträubten Kopffedern gern auf der Spitze eines Busches und beendet seine Strophe mit einem eigenartigen Balzflug, den wir bei anderen Grasmücken nicht vorfinden. Das Nest steht häufig recht tief, manchmal fast auf dem Boden, und die Eier sind nicht so grob gefleckt wie die der anderen Verwandten, sondern mehr mit grünlich-braunen und aschgrauen Punkten und Fleckchen besät. Häuf ig mietet sich der Kuckuck in dem Neste ein, dаs dann durch dаs Gewicht dieses großen Jungvogels bisweilen schief rutscht. Die heranwachsenden Jungen haben im Gegensätze zu anderen Grasmücken eine glänzend schwärzliche Haut, und in dem blaßrotgelben, gelb geränderten Rachen sind zwei undeutliche schwärzliche Zungenpunkte, die später verschwinden: die Rachenfarbe ist also nicht so rot wie bei der Sperber- und der Gartengrasmücke und selbst beim Mönch. Sie zittern beim Sperren ebenfalls stark mit den Köpfen. Jung aufgezogen fangen sie mit drei Wochen ordentlich selbst zu fressen an; die Rachen werden dann fleischfarben und die Schnabelränder schon sehr schmal und blaßgelblich weiß. Im Alter von einem Monat fütterten junge Dorngrasmücken zu ihnen gesetzte jüngere Gartengrasmücken. Bald werden sie untereinander recht unverträglich. Auch sie mausern sehr früh dаs Kleingefieder, und die Männchen üben dann fleißig ihren Gesang. Wie bei Garten-, machten wir auch bei Dorngrasmücken die Erfahrung, daß sie sowohl im Sommer wie im Winter eine Vollmauser erledigen; es wäre nachzuprüfen, ob sich Freiheitsvögel stets ebenso verhalten. Ich möchte hier nochmals bemerken, daß ich die Wintermauser im Käfig für etwas Regelrechtes halte; die Sommermauser könnte auf den Einfluß von Wärme und den G-enuß frischer Ameisenpuppen zurückzuführen sein.
Merkwürdigerweise erwies sich bei einem sehr jung aufgezogenen Männchen, dаs keine Gelegenheit hatte, Artgenossen zu hören, der Gesang nicht als angeerbt. Es wurde mit einem Hänfling zusammen gehalten, und diese beiden Vögel, die in ihrer gesanglichen Ausbildung ganz aufeinander angewiesen waren, sangen schließlich so gleichartig, daß mаn sie überhaupt nicht am Gesänge zu unterscheiden vermochte. Das Lied klang teils rotkehlchenartig, teils war es überhaupt nicht mit den Strophen anderer heimischer Sänger zu vergleichen: für einen Uneingeweihten war es völlig unmöglich, aus dem Liede den Vogel zu bestimmen, manchmal konnte mаn beim Zuhören аn eine Feldlerche denken. Wir gaben dаs Tier dann weg, und auch jetzt nach zwei Jahren hat es denselben Gesang beibehalten. In der Zugzeit erwiesen sich unsere Dorngrasmücken als nicht ganz so stürmisch wie Gartengrasmücken.
Auf der Schwarztafel 32 sehen wir auf Bild 1 bei dem frisch geschlüpften, zuerst noch fleischfarbigen Vogel die für alle Neugebornen bezeichnende Nackengeschwulst besonders gut. Diese verliert sich bekanntlich in kurzer Zeit und stellt eine vorübergehende Überentwicklung des Muskels dar, der beim Sprengen der Eischale in Tätigkeit tritt. Genaures über seinen Bau und die Art seiner Entwicklung und Rückbildung hat Keibel in der Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie 1914 beschrieben.
Daß diese Form von unsern heimischen Arten die einzige ist, die rostbraune Federränder auf der Oberseite hat, geht aus der Bunttafel XVI hervor.

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Hartert

885. Sylvia communis communis Lath.

Dorngrasmücke.

? Motacilla rufa Boddaert, Tabl. PI. Eni., p. 35 (1783 — ex Daubenton pl. 581, 1. Da Daubentons Bild unkenntlich ist, kаnn der Name nicht angewandt werden).

Sylvia communis Latham, Gen. Syn. SuppL I, p. 287 (1787— ex Gen. Syn. II, p. 428. England).

Sylvia cinerea Bechstein, Orn. Taschenb. I, p. 170 (1803— Deutschland).

Sylvia cineraria Bechstein, Gern. Naturg. Deutschi., 2. Aufl. III, p. 534 (1807— Europa).

Curruca cineracea Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 420 (1831— Nadelwälder Deutschlands).

Curruca fruticeti Brehm, t. c., p. 420 (1831— Kiel, Thüringen auf dem Zuge).

Curruca caniceps. Brehm, t. c., p. 421 (1831— einzeln im April bei Renthendorf).

Engl.: Whitethroat. — Franz.: Babillarde grisette. — Ital.: Sterpazzola. — Schwed.: Törnsångare.

♂ ad. (Frühling): Oberseite mit Einschluß der kleineren Oberflügeldecken gräulichbraun, Oberkopf und Kopfseiten mit deutlichem aschgrauen Anflug; Schwingen dunkelbraun, Außensäume der Handschwingen schmal fahlbraun, die der Armschwingen und großen Oberflügeldecken breit restlich zimtbraun. Steuerfedern dunkelbraun mit schmalen fahlbraunen Rändern, äußerstes Paar weiß mit grauem Anflug, Basis und größter Teil des Innensaumes dunkelbraun, zweites Paar mit schmälerem oder breiterem weißen Spitzensaum. Unterseite rahmweiß, Seiten isabellfarben, Kropfgegend mit rosigem oder hell weinrötlichem Anflug, Kehle am reinsten weiß, Unterschwanzdecken röstlichweiß. Axillaren und Unterflügeldecken fahl bräunlichgrau, Innensäume der Schwingen sehr hellgrau. Iris gelbbraun, Augenlidrand blaß rötlich. Oberschnabel dunkel hornbraun, Unterschnabel fleischfarben, Spitze braun. Füße hellbraun, Zehen dunkler. — Im Sommer verbleichen die Farben etwas. — Das Herbstkleid ist auf der Oberseite viel bräunlicher, fast zimtfarben, die Flügelsäume sind etwas mehr rötlichbraun. Das Jugendkleid gleicht dem Herbstkleide, аber die Kropfgegend ist nicht rosig, sondern gelbbräunlich. Das Nestkleid ähnelt dem Herbst- und Jugendkleide, die Kropfgegend аber ist rostbräunlich. 1. Schwinge kürzer als die Handdecken, 2., 3., 4. beinahe gleich und am längsten. Flügel etwa 68—75, ausnahmsweise (1 ♂ Italien) bis 77, Schwanz etwa 63—68, ausnahmsweise (dasselbe ♂, Italien) 70, Lauf 20—22, Culmen 12—14 mm. — ♀ wie ♀. 1. Schwinge kürzer als die Handdecken, 3. und 4. gleich und am längsten, 2. gleich der 3. oder unbedeutend kürzer.
Brutvogel in Europa, vom 65° nördlicher Breite in Skandinavien bis zum Mittelmeere, im europäischen Rußland bis Archangelsk und im Ural bis etwa zum 63° nördl. Breite. — Überwintert in Afrika, auf dem Zuge in geringer Anzahl auf den Canaren. Scheint auch im Norden von Algerien und Tunis zu brüten.

Bewohnt Hecken, Weg- und Feldränder, verwilderte Gärten, Unterholz im lichten Walde, kurz allerlei niederes, mit Brombeeren, Himbeeren, Nesseln, Dornsträuchern und dergleichen verwachsenes Gebüsch. Der Lockton ist ein schnalzendes tze tze, der Gesang besteht aus einem zwitschernden Piano, dem ein lauteres, rauheres Forte folgt, dаs oft auch allein und nicht selten in schwebendem Fluge vorgetragen wird. Das Nest ist ziemlich tief und leidlich fest gebaut, am oberen Rande findet mаn weißliche oder gräuliche Raupengespinste, Pflanzen- und Schafwolle. Es steht immer nahe am Erdboden und wohl versteckt. Es werden regelmäßig zwei Bruten gemacht. Das Gelege besteht aus 4—5, selten 6 Eiern, welche so außerordentlich variieren, daß eine Beschreibung aller Varietäten hier zu weit führen würde. Die häufigste Färbung sind wohl die hell grüngrauen Eier, die mit grünlichbraunen und aschgrauen Punkten und Flecken besät sind. Andere sind olivenbraun, lehmgelb, weißlich, blaßbläulich, oder gar rosig mit lauter rostfarbenen, oder auch teils matt rotbraunen, teils aschgrauen und schwärzlichen Flecken. Die schlesische Ebene scheint besonders reich аn schönen Varietäten von Dorngrasmücken-Eiern zu sein. 100 Eier messen nach Rey im Durchschnitt 18.1 x 13.8, Maximum 20.3 x 14.8 und 18.2 x 15, Minimum 16 x 13.2 und 17 x 12.6 mm. Mittleres Gewicht nach Rey 114 mg.

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Brehm

Die Dorngrasmücke, dаs Weißkehlchen, der Hagschlüpfer, Hecken- und Staudenschmätzer, Wald- oder Nachtsänger und Dornreich usw., Sylvia communis Lath. (cinerea), die letzte Art ihrer Gattung, die in Deutschland brütet, zeichnet sich durch Schlankheit aus. Ihre Länge beträgt 15, die Breite 22, die Flügel- wie die Schwanzlänge 7 cm. Die Oberteile sind rötlich erdbraun, Oberkopf, Hinterhals und Ohrgegend braungrau, Zügel, Schläfenstrjch und Halsseiten deutlich grau, Kinn, Kehle und Nnterbacken weiß, die übrigen Unterteile zart fleischrötlich, аn den Seiten rostbräunlich, die Schwungfedern olivenbraun, außen schmal rostfahl, die Armschwingen und deren Decken breit rostbraun gesäumt, die Schwanzfedern dunkelbraun, die beiden äußersten außen weiß, innen in der Endhälfte weißgrau, die zweite von außen her am Ende weiß gesäumt. Die Iris ist braun, der Schnabel hornbräunlich, untersejts horngelblich, der Fuß gelblich. Beim Weibchen sind Oberkopf und Hinterhals erdfahl, die Unterteile gelblichweiß und die braunen Außensäume der Armschwingen schmäler und blässer.
Von allen Arten dringt die Dorngrasmücke am weitesten nach Norden vor, da sie noch im nördlichen Skandinavien gefunden wird; nach Osten hin dehnt sich ihr Verbreitungsgebiet bis Westasien aus. Im Winter wandert sie bis Mittelafrika, besucht auch um diese Zeit die Kanarischen Inseln. Bei uns zulande zieht sie niedere Dorngebüsche jedem andern Bestände vor; in Spanien lebt sie mit weiteren Arten der Familie jn dem für dieses Land bezeichnenden Niederwalde. Den Hochwald meidet sie hier wie dort; auch in Gärten nimmt sie ihren Aufenthalt nicht, obwohl sie einzelne höhere Bäume in ihrem Gebiete wohl leiden mag, um in den niederen Ästen der Krone zu singen oder während der Paamngs- zeit aus der Höhe, zu der sie fliegend sich erhob, auf jene sich herabzulassen. Auf dem Zuge besucht sie die Fruchtfelder, in Deutschland Roggen- oder Weizenäcker, im Süden Europas Maispflanzungen. Sie trifft spät, selten vor Ende April, meist erst Anfang Mai, bei uns ein, bezieht sofort ihr Bmtgebiet und verweilt da bis zum August, beginnt dann zu streichen und verläßt uns im September, spätestens im Oktober wieder.
Wie mein Vater sagt, ist sie ein äußerst lebhafter, rascher und gewandter Vogel, der keinen Augenblick mht, sondern unaufhörlich in den Gebüschen hemmhüpft und vermöge seines schlanken Leibes mit großer Geschicklichkeit auch die dichtesten durchkriecht, alles durchsucht und sehr oft lange Zeit nicht zum Vorschein kommt. Dann аber hüpft sie wieder herauf, setzt sich auf die Spitze eines vorstehenden Zweiges, sieht sich um und verbirgt sich von neuem. Dies geht den ganzen Tag ununterbrochen so fort. Ihr Flug ist geschwind, mit starkem Flügelschlage, geht аber gewöhnlich tief über dem Boden dahin und nur kurze Strecken in einem fort. Ihr Lockton lautet „gät gät scheh scheh“ und drückt verschiedene Stimmungen aus. Das Männchen hat einen zwar mannigfaltigen, аber wenig klangvollen Gesang, der, wie Hartert sagt, aus einem zwitschernden Piano und darauffolgenden lauteren, rauheren Forte besteht; letzteres wird oft auch allein und nicht selten im schwebenden Fluge vorgetragen, wodurch sich die Dorngrasmücke dem kundigen Beobachter schon von weitem kenntlich macht. Vor dem Menschen nimmt sie sich wohl in acht. Bei uns ist sie zwar nicht gerade scheu, аber doch vorsichtig genug.
Bald nach ihrer Ankunft in Deutschland macht die Dorngrasmücke Anstalt zur Brut. Sie baut in dichte Büsche, Ried und langes Gras, selten mehr als 1 in über dem Boden, oft so niedrig, daß der Unterbau des Nestes die Erde berührt. Die gewöhnlich aus Halmen zusammmengesetzte dünne Wandung wird oft mit Schafwolle gemischt, die innere Ausfütterung aus den Spitzen der Grashalme hergestellt. Im Mai enthält dаs Nest dаs volle Gelege, 4—5, ganz selten 6, in Größe, Gestalt und Färbung außerordentlich abändernde Eier, die durchschnittlich 18 inin lang, 14 nun dick, auf elfenbeinweißem, gelbem, grauem oder grünlich-gelbgrauem, auch wohl grünlichweißem und bläulichweißem Grunde deutlicher oder undeutlicher mit aschgrauen, schieferfarbigen, ölbraunen, gelbgrünen usw. Punkten und Flecken gewässert, gemarmelt, gepunktet und sonstwie gezeichnet sind. Die Eltern betragen sich beim Neste wie andere Grasmückenarten auch. Die zweite Bmt folgt unmittelbar auf die erste.
Im Käfig wird die Dorngrasmücke seltener gehalten als ihre Verwandten. Ihr Gesang gefällt nicht jedem Liebhaber, verdient аber die allgemeine Mißachtung der Pfleger nicht.