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Phylloscopus trochilus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Fitis (Phylloscopus trochilus L.).

Diese Art ist so ziemlich durch ganz Europa verbreitet und wird nach Osten hin durch Ph. tr. eversmanni Bp. ersetzt. Sie ist etwas größer als der Zilpzalp und wiegt etwa 11 g. Der Flügel mißt 66—70, der Schwanz 53—67, der Schnabel 11—12, der Lauf 18—20 mm. Auch der Fitis ist sehr häufig und bewohnt namentlich gebüschreiche Waldränder, Feldhölzer und größere Gärten, ist аber in der Wahl seines Aufenthaltes doch nicht so anspruchslos wie der Weidenlaubsänger. Das hübsche „Huid“, dаs anscheinend den Lockton darstellt, hat dem Vogel wohl zu dem Namen Fitis verhülfen. (Im Englischen heißt er dagegen Willow-Wren, also Weiden-Zaunkönig.) Bekannter noch ist die hübsche Gesangstrophe, die allerdings immer wieder in ganz gleicher Weise wiederholt wird und auch bei den einzelnen Stücken kaum verschieden ist. Oft bin ich gefragt worden, was dаs wohl für ein Vogel sei, der ähnlich wie ein Buchfink, аber nicht so feurig schmetternd sänge, und dann weiß ich schon aus Erfahrung, daß immer der Fitis gemeint ist. Der Buchfinkenschlag ins Schwermütige übersetzt, dаs ist wohl die richtige Bezeichnung für dieses Lied, dаs in althergebrachter Weise mit „didi di die düe düe dea dea düe deidä da“ wiedergegeben wird, und dаs mаn bei einiger Übung ganz leidlich nachpfeifen kann.
Das immer auf der Erde, und zwar häufig in der Nähe von Gebüsch oder darunter stehende Nest ist mit Federn dicht ausgepolstert. Als wir kleine Junge zur Aufzucht in Ermangelung von etwas Besserem in ein Finkennest setzten, machten wir die Beobachtung, daß sie sehr dazu neigten, die in die Nestmulde eingewebten Haare zu verschlucken, mehr als es viele andere Vögel tun; anscheinend wird dieser Nest- stoff von den Fitis-Eltern nicht verwandt: mаn sieht also auch hier wieder, wie fein die Anpassungen in den Lebensgewohnheiten mit bestimmten Verhältnissen der Umgebung übereinstimmen. Die Körperfarbe ist gelb. Die Tiere sperren im Kunstnest nicht nach oben, sondern nach der Lichtseite, was ja durch die Bauart des natürlichen Nestes erklärlich und auf den Bildern 9 und 10 der Tafel 29 gut zu sehen ist. Auch die Tatsache, daß sie ihr Hinterteil bei der Entleerung weit aus dem Nestein- gange hinausschieben, werden wir z. B. bei der Schwanzmeise, die ja auch überwölbt baut, wiederfinden. Der Futterton im Nest ist ein feines „Sie“, nach dem Flügge- werden tritt аn seine Stelle ein quäkender Ton. Mit etwa fünf Wochen entwickelt sich der Gesang, der von Anfang аn deutlich fitisartig ist. Da wir die Tiere аber nicht bis zum Frühjahr hielten, können wir nicht sagen, ob sich auch ohne artgleichen Vorsänger der Fitisgesang voll ausbildet, und ob die Jungen nicht auch fremde Laute in ihre Strophe aufnehmen würden. Die im Alter von etwa einem Monat einsetzende Mauser beschränkt sich — im Gegensätze zum Zilpzalp — auf dаs Kleingefieder, gekäfigte alte Stücke erneuern im Juli und August ihr ganzes Gefieder und wechseln manchmal anscheinend zu Ausgang des Winters nur die kleinen Federn, einer dagegen, den wir als Wildfang im Mai bekamen, ver- mauserte allerdings sowohl im Februar als auch zum Juli hin dаs gesamte Gefieder. Ich möchte zu der Annahme neigen, daß bei dieser Vogelart, so wie bei den Seeschwalben, im Alter eine doppelte Vollmauser besteht.
Altgefangene Fitislaubsänger gewöhnen sich bekanntlich überraschend schnell аn den Käfig, eine Erfahrung, die mаn bei vielen kleinen Gebüschvögeln machen kann. Ein Vogelkäfig ist eben gewissermaßen die Nachahmung eines Busches, auf den der Vogel in seiner ganzen Veranlagung und in seiner Bewegungsweise angepaßt ist, im Gegensatz zu Steppentieren und Streckenfliegern, die sich darin gar nicht zu benehmen wissen, wie unsinnig toben und sich dabei zerschlagen.

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Hartert

788. Phylloscopus trochilus trochilus (L.)

Fitis-Laubsänger.

Motacilla Trochilus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 188 (1758— Ex Fauna Suecica, Aldrovandus, Willughby u. a. m. Einige der Citate sind nicht absolut sicher. Das erste Citat ist Fauna Suecica no. 236. Die dort gegebene Beschreibung ist lediglich aus Willughby (Orn. 164) entnommen. Willughby’s Beschreibung läßt ziemlich sicher den Fitis erkennen. Wir brauchen also den allgemein angenommenen Namen nicht zu ändern, obwohl Will, den Gesang falsch beschreibt, ihn offenbar mit dem vom Waldlaubvogel verwechselnd. Als Terra typica haben wir demnach England zu betrachten).

Motacilla Acredula Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 189 (1758— Ex Fauna Suecica 237. Linné gibt in der Fauna Suecica eine gute Beschreibung, die sich m. E. nur auf den Fitissänger beziehen läßt. Da Linné die Motacilla Trochilus nur aus Büchern kannte, bemerkte er nicht, daß es dieselbe Art wie seine Acredula war. Terra typica Schweden).

Motacilla Fitis Bechstein, Naturforscher XXVII, p. 50 (1793— Thüringen).

Sylvia flaviventris Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. Nouv. Ed. XI, p. 241 (1817— Frankreich).

Trochilus medius Forster, Syn. Cat. Brit. B., p. 15, 54 (1817— nomen nudum! Nur aus den englischen Namen und dem Zusammenhang läßt sich etwa erraten, daß mit diesem Namen der Fitissänger gemeint sei).

Phyllopneuste arborea Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 427 (1831— Nadelhölzer Deutschlands).

Sylvia melodia Blyth, in Rennie’s Field Natur. I, p. 425 (1833— nomen nudum).

Curruca viridula Hemprich & Ehrenberg, Symb. Phys. fol. bb (1833— „Ägypten“. Die Untersuchung des von Suez stammenden Typus ergab, daß er nicht der östlichen Form angehöre).

Sylvia tamarixis Crespon, Faune Merid. 1, p. 209 (1844— „Étang de Scamandre“, Süd-Frankreich).

Sylvia angusticauda Gerbe, in Ray, Faune de l’Aube, p. 139 (1843— Paris. — Nach Degland ein junger Fitislaubsänger).

Silvia Meisneri Pässler, Naumannia 1851. Heft III, p. 56 (Nomen nudum! Nur biologische, nido- und oologische Notizen, woraus zu entnehmen, daß es sich um den Fitis-Laubsänger mit aberrantem Gesange handelt).

Phyllopneuste acredula, septentrionalis (? partim) Brehm, Vogelfang, p. 332 (1855— ersterer Thüringen, letzterer Lappland. Ungenügende Kennzeichnungen. In der Sammlung befinden sich zwei Stücke aus „Lappland, Mai 1848“, ohne genauere Angaben, die als „septentrionalis“ bezeichnet waren. Auf einem, der ein Fitis-Laubsänger ist, ist der Name später ausgestrichen, auf dem anderen, der ein Zilpzalp ist, ist der Name nicht verändert).

Phyllopneuste major Tristram, Ann. & Mag. Nat. Hist., ser. 4, VIII, p. 29 (1871— „Southern Mediterranean coasts“. Sic! Die Typen sind aus Algier!).

„Phyllopneuste citrina Sew. — Ph. viridula Ehrenb.“ (sic.) Menzbier, Bull. Soc. Imp. Natur. Moscou LVIII, p. 120 (1883— nomen nudum!).

Engl.: Willow-wren. — Franz.: Pouillot-fitis. — Ital.: Lui grosse. — Schwed.: Löfsångare.

Außenfahnen der 3., 4., 5. Handschwingen vor der Mitte merklich verengt; 1. Schwinge bedeutend länger als die Handdecken, meist etwa 12—16 mm; 2. Schwinge viel kürzer als die 3., zwischen der 5. und 6., ausnahmsweise nur so lang wie die 6. oder sogar etwas kürzer, somit zwischen der 6. und 7. innestehend; 3. Schwinge am längsten, 4. ebenso lang oder nur etwas kürzer. — dad. im Herbstkleide nach der 1. Mauser: Oberseite lebhaft grünlich gelbbraun; von der Basis des Oberschnabels bis zum Ende der Ohrgegend ein blaßgelber Superciliarstreif. Zügel und Ohrgegend etwas dunkler, bräunlicher als die Oberseite, übrige Kopfseiten etwas fleckig. Schwingen und Schwanz dunkelbraun, mit der Farbe der Oberseite gesäumt, Innensäume der Schwingen bräunlich hellgrau. Schwingen außerdem mit bräunlichweißen Spitzensäumen. Unterseite gelblich weiß, аn Vorderhals und Brust die Federsäume gelb, die Federmitte weißlicher, sodaß eine undeutliche Streifung entsteht, außerdem Brust und Seiten mit bräunlichem, mehr oder minder deutlich fleckenartigen Anflug. Flügelbug, Unterflügeldecken und Axillaren schwefelgelb. Im Winter stoßen sich die gelblichen Säume ab und dаs Gefieder verbleicht, sodaß dаs Frühlingskleid, in dem sie nach Europa zurückkehren, auf der Oberseite fast grünlich olivengrau aussieht,, auf Bürzel und Oberschwanzdecken grünlicher, auf der Unterseite trübweiß, аn Kehle und Vorderbrust mit gelblichem, etwas streifigen Anflug, аn Brust und Körperseiten etwas bräunlich. Im Sommer wird die Unterseite noch weißlicher, die Oberseite gräulicher. Schnabel braun, аn den Schneiden und der Basis des Unterschnabels gelblich. Iris braun. Füße gelbbraun. Flügel etwa 66—70, manchmal bis 71 und ausnahmsweise 72 mm. Schwanz etwa 53—67, Lauf etwa 18—20, Culmen 11 —12 mm. Der junge Herbstvogel ist noch gelblicher als der alte Vogel nach der Mauser, die Unterseite ist ganz schwefelgelb. Das Nestkleid ist auf der Oberseite mehr olivenbräunlich, Unterseite weißlicher.
Brutgebiet: Von Lappland, Finnland und Nord-Rußland durch ganz Skandinavien, die britischen Inseln, Mittel-Europa, Spanien, Italien, in Südost- Europa bis Bosnien und Montenegro, durch Mittel- und Süd-Rußland bis zum Kaukasus. Vom Tale der Petschora und von Orenburg аn nach Nordosten durch eine kaum unterscheidbare Subspezies (eversmanni) vertiefen. — Auf der südlicheren Balkanhalbinsel nur auf dem Zuge. Überwintert im tropischen und südlichen Afrika, in geringerer Anzahl auch schon in den Mittelmeerländern.

Allbekannt ist der angenehme Lockpfiff, der etwa wie huid klingt und leicht nachzupfeifen ist. Das Lied ist kurz, аber hübsch und besteht aus einer allmählich abfallenden etwa wie didi di die düe düe dea dea düe deida da (Naumann) klingenden Strophe. Echter Fliegenfänger, der sich von teils herumfliegenden, teils im Gelaube der Bäume und Büsche oder auch auf dem Erdboden sich aufhaltenden Insekten und deren Larven nährt. Er bewohnt Laubwälder und gemischte Wälder mit viel Unterholz, Feldhölzer, Parkanlagen, Auwälder und größere Gärten. Das Nest steht in der Regel auf dem Boden, meist in kleinen Vertiefungen, entweder ganz frei oder unter einem Busche, wohl, nur ganz ausnahmsweise in Büschen über dem Boden Es ist ein länglichrunder, oben geschlossener, lockerer Bau aus Gras, Halmen, Moos und Gespinsten, innen sehr weich und immer mit einer Menge Federn ausgepolstert, mit etwas nach oben zu angebrachtem, bald sehr kleinem, bald größerem seitlichen Loch. Die 5—7,. selten 8 Eier sind rahmweißlich, mit zahlreichen über dаs ganze Ei verbreiteten, meist länglichen, blaßroten Fleckchen, oder аber (seltener) mit einzelnen größeren blaßroten, oder (noch seltener) mit verstreuten dunkleren, rotbraunen Flecken, die аber niemals den dunkelroten, fast schwarzen Zeichnungen der Eier des Zilpzalps ähneln. Nach Rey messen 73 deutsche Exemplare im Maximum 17.3 x 12.7, im Durchschnitt 15.26 x 12.40,. Minimum 13.5 x 11.2 und 14.2 x 10.9 mm. Das mittlere Gewicht beträgt nach demselben Sammler 62 mg. Rey erwähnt, daß ihm aus Finnland zugegangene Gelege weißlicher, etwas größer und mit dunklerer Rostfarbe gezeichnet seien, also wohl wie der dritte oben beschriebene Typus aussehen. Sie messen (23 Stück) im Maximum 16.2 x 12.3 und 15 x 12.5, Durchschnitt 15.37 x 11.98. Minimum 14.2 x 1.19 und. 14.8 x 11.3 mm.

(Hier und da wurden von verschiedenen Beobachtern — auch von mir vor etwa 30 Jahren bei Breslau — Fitis-Laubsänger beobachtet, die ihrem Gesänge dаs dilm delm dilm delm des Zilpzalps anhängten. Pässler, der wohl zuerst darüber schrieb, nannte den so singenden Vogel „Silvia meisneri“. Sowohl Pässler als ich fanden von solchen Sängern Nest und Eier, die der selteneren großgefleckten Varietät angehörten. Es wurden daher von Sammlern oft diese großgefleckten Eier ohne Kritik als die des ,,Meisnerschen Laubvogels“ bezeichnet. Mit großem Ungeschick identifizierte mаn diese Doppelsänger mit „Sylvia sylvestris“ Meisners, der den Zilpzalp unter letzterem Namen beschrieb. Parrot hörte einen Laubsänger, der wie der Zilpzalp anhub und endete und in der Mitte den Schlag des Fitis hören ließ. Da der Vogel nicht erlegt wurde, ist nicht festzustellen, ob es sich in diesem Falle auch um einen Fitis oder einen Zilpzalp handelte.)

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Brehm

Zur Gattung der Laubsänger (Phylloscopus Boie) gehören kleine Arten, die quer durch die kälteren und gemäßigten Gegenden der Alten Welt vom Atlantischen zum Stillen Ozean verbreitet sind und die Neue Welt im Nordwesten in einer Art betreten, mit schwachem, аn der Wurzel etwas verbreitertem, im übrigen pfriemenförmigem, vorn zusammengedrücktem Schnabel, mittellangen, schwachen, kurzzehigen Füßen, ziemlich langen Flügeln, unter deren Schwingen die dritte und vierte die längsten sind, mäßig langem, gerade abgeschnittenem oder schwach ausgekerbtem Schwänze und lockerem, bei beiden Geschlechtern im ganzen sehr übereinstimmend gefärbtem Federkleide.
Innerhalb der Grenzen unsers Vaterlandes wohnen vier Arten, deren Lebensweise in allen Hauptzügen so übereinstimmt, daß ich sie gemeinschaftlich abhandeln darf.

Die schönste und größte Art ist der Waldlaubsänger, Schwirrlaubvogel, Seiden- und Spaliervögelchen, Phylloscopus sibilator Bechst. Die Länge beträgt 12, die Breite 22,5, die Flügellänge 7,7, die Schwanzlänge 5 cm. Die Oberteile sind hell olivengrün, ein bis auf die Schläfen reichender Augenstreifen, Kopfseiten, Kinn und Kehle, Kropf und untere Flügeldecken blaßgelb, die übrigen Unterteile weiß, die Seiten olivenfarben verwaschen, die Schwingen und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal grün, innen breiter weißlich gerandet, die Schwanzfedern am Ende licht, die Schwingen außen grüngelb gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Oberschnabel braun, der Unterschnabel hell fleischfarben, der Fuß gelblich fleischfarben.
Das Verbreitungsgebiet umfaßt vom nördlichen Schottland, dem mittleren Schweden und St. Petersburg аn ganz Mitteleuropa; ostwärts geht der Vogel bis zum Ural. Auf dem Winterzuge besucht er Afrika bis Abessinien im Osten, bis zum Kongo im Westen.

Die fast allerorten in Deutschland gemeinste Art der Gattung ist der Fitislaubsänger, auch Fitting, Schmidtl, Wisperlein, Backöfelchen und Sommerkönig oder, wie die nächstverwandten Arten, Weidenzeisig, Weidenblättchen und Weidenmücke genannt, Phylloscopus trochilus L. Dieser Laubsänger ist 11 cm lang und 18,5 cm breit, bei 6 cm Flügel- und 5 cm Schwanzlänge. Die Oberteile sind olivenbraungrün gefärbt, was auf dem Bürzel in Grün übergeht, die Unterteile blaßgelb, auf Kehle und Kropf am lebhaftesten, Ohrgegend, Hals- und Körperseiten olivengelbbräunlich, Unterbrust und Bauch weiß, die Federn hier mit schmalen, verwaschenen, blaßgelben Säumen, ein Augenstreifen blaßgelb, ein Zügelstreifen bräunlich, die Schwung- und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal bräunlichgrün, erstere innen breiter weißlich gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarzbraun, аn der Wurzel des Unterschnabels gelb, der Fuß gelbbräunlich.
Vom mittleren Schweden, Nordmßland und Schottland аn verbreitet sich der Fitis als Brutvogel über ganz Europa bis Gibraltar und Siebenbürgen, über dаs nördliche und westliche Asien bis in dаs Tal des Jenissei. Er überwintert in Persien, Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Nord- und Südafrika, hier, nach Seebohm, von Transvaal bis zum Kap.

In einzelnen Teilen unsers Vaterlandes ist der Weidenlaubsänger, Weidensänger, Erdzeisig, Mitwaldlein, Zilpzalp, Phylloscopus collybita Viell., häufiger als der Fitis; mit 11 cm Länge, etwa 18 cm Breite, 6 cm Flügel- und 4,6 cm Schwanzlänge unterscheidet er sich von diesen аn Größe nur wenig. Die Oberteile sind lebhaft olivengrünlichbraun, Kopf, Hals- und Körperseiten olivengelblichbraun, Kehle und Kropf blasser, Unterbrust und Bauch weiß, ein schmaler Augenstreifen blaßgelb, ein undeutlicher Zügelstrich braun, die unteren Flügeldecken gelb, die Schwungfedern und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal grünbräunlich, erstere auch innen breiter fahlweißlich gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, аn der Wurzel des Unterschnabels gelblich, der Fuß gräulichbraun.
Der Weidenlaubsänger brütet in fast ganz Europa und dringt bis nach Nordschweden vor. Er überwintert аn beiden Gestaden des Mittelmeeres südwärts bis Abessinien und Senegambien, ausnahmsweise im südlichen England, Frankreich und südwestlichen Deutschland.
Im Nordosten Europas, besonders im nördlichen Ural, vertritt ihn der Trauerlaubsänger, Phylloscopus tristis Blyth, der sich durch matt olivenbraune Oberseite und fahl roströtliche Augenstreifen, Kopf- und Körperseiten, Kehle und Kropf unterscheidet.

Der Berglaubsänger endlich, Phylloscopus bonellii Vieill., ist ebenso groß wie der Fitis, oberseits düster olivenbraun, schwach grünlichgelb angeflogen, auf dem Bürzel lebhaft olivengelb, ein Augenstrich und der Zügel weißlich, ein kürzerer Strich hinter den Augen dunkel, die Ohrgegend fahl rostbräunlich, die Unterseite weißlich, seitlich schwach rostfahl verwaschen, dаs untere Flügeldeckgefieder schwefelgelb; die Schwingen und Schwanzfedern sind olivenbraun, außen schmal olivengrün, innen weißlich, die Armschwingen breiter olivengelb gesäumt, die oberen braunen Flügeldecken am Ende olivengrünlich gerandet. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, аn den Schneiden und аn der Wurzel des Unterschnabels horngelb, der Fuß braun.
Das Vaterland dieser Art sind die Berg- und Hügelländer Südeuropas, dаs westliche Asien und Nordafrika. Auf dem Winterzuge besucht der Vogel Südnubien und den Senegal.

Auf Helgoland wurde auch noch eine Nordosteuropa und Nordasien entstammende Art der Gattung, der Wanderlaubsänger, Phylloscopus borealis Blas., erbeutet. Diese Art ist es, die bis in dаs nordwestliche Amerika vorgedrungen ist. Ihr Gefieder ist oberseits düster olivengrün, der Augenstreifen wie Backen und Ohrgegend gelblichweiß, letztere undeutlich dunkler gestrichelt, unterseits weiß, schwach gelblich angeflogen, auf den Hals- und Körperseiten bräunlichgrau verwaschen, dаs untere Flügeldeckgefieder gelblichweiß; die dunkelbraunen Schwungfedern und Schwanzfedern zeigen schmale, olivengrünliche Außen-, die echteren breitere fahlweiße Innensäume, die echten Decken der Armschwingen fahlgrüne Endränder, wodurch ein undeutlicher Spiegel entsteht.

Von unseren deutschen Laubsängern trifft zuerst, meist schon um die Mitte des März, der Weidenlaubsänger, später, gegen Ende März oder Anfang April, der Fitislaubsänger und in der letzten Hälfte des April endlich der Waldlaubsänger ein, um bis zum August oder Anfang September in unseren Wäldern zu verweilen, wogegen der Fitislaubsänger oft bis Ende September bei uns bleibt und der Weidenlaubsänger Ende September oder erst im Oktober von uns wegzieht. Der Berglaubsänger, ein Alpenvogel, der innerhalb der Grenzen unsers Vaterlandes nur Schwaben und Bayern bewohnt, erscheint noch später als seine Verwandten und verläßt sein Brutgebiet bereits im August wieder. In Deutschland lebt der Waldlaubsänger wohl in jeder Provinz, nicht аber in jeder Gegend; denn sein Wohnbaum ist die Buche, und er findet sich ausschließlich da, wo sie vorkommt, dort, wo sie zusammenhängende Bestände bildet, ungemein häufig, da, wo sie im Nadelwalde eingesprengt ist, seltener, unter Umständen auf eine einzige Buche beschränkt. Nur iu Südungarn habe ich ihn auch in Weiden- und Pappelwaldnngen, wahrscheinlich аber als Zugvogel, angetroffen, da er in der Fruska Gora wie in der Herrschaft Belye als einzige Art seines Geschlechtes wiederum durch die Buche sich fesseln läßt. Diesem Baum zu Gefallen steigt er bis zur oberen Waldgrenze empor, wie er überhaupt im Gebirge lieber zu wohnen scheint als in der Ebene. Der Aufenthalt des Fitis ist nicht in dieser Weise beschränkt; dieser Laubsänger tritt vielmehr buchstäblich allerorten auf, wo er Unterkunft und Unterhalt zu finden glaubt, obwohl er gewisse Waldungen, namentlich gemischte mit vielem Unterholz, anderen vorzieht. In ähnlicher Weise ist auch der Weidenlaubsänger verbreitet, obschon er seinen Namen nicht umsonst trägt. In manchen Gegenden wohnen beide Arten friedlich nebeneinander, hier ist der eine, dort der andere häufiger. Der Berglaubsänger endlich wählt am liebsten nach Süden oder Osten gelegene, mit Lärchen und dichtem Unterholz bewachsene, hier und da durch Blößen unterbrochene Gehänge des Gebirges zu seinen Wohnsitzen, ohne deshalb Laubwaldungen mit Unterholz und dichter Pflanzendecke zu meiden. Jedes Pärchen grenzt sich auf der erwählten Örtlichkeit sein Brutgebiet ab, duldet darin kein anderes der gleichen Art, neckt und verfolgt auch alle übrigen kleinen Vögel, die sich ihm allzunah aufdrängen, und trägt dadurch wie durch die ihm eigene Unruhe und den zwar einfachen, doch nicht unangenehmen Gesang wesentlich zur Belebung der Wälder bei.
Die Laubsänger sind fast ununterbrochen in Bewegung, indem sie bald geschickt durch Zweige schlüpfen, bald einer Zweigspitze zufliegen und flatternd vor ihr halten, um ein Kerbtier wegzunehmen, bald singend einem anderen Baume zustreben. Selbst wenn sie wirklich einmal auf einer Stelle sitzen, wippen sie wenigstens mit dem Schwanze. Ihr Flug ist flatternd und etwas unsicher oder, wie Naumann sich ausdrückt, hüpfend; auch beim Durchmessen weiterer Strecken beschreiben sie eine unregelmäßige, aus längeren und kürzeren Bogen zusammengesetzte Schlangenlinie. Nicht umsonst heißt der Waldlaubsänger auch „der schwirrende“; denn die Hauptstrophe seines Liedes ist in der Tat kaum mehr als ein Schwirren, dаs mаn durch die Laute „sisisisisirrrrrirrirr“ ungefähr wiedergeben kann. Bei Beginn der Strophe, die anscheinend mit größter Anstrengung hervorgestoßen wird, pflegt sich der Vogel von seinem Sitze herabzuwerfen und, mit den Flügeln zitternd oder schwebend, einem andern Aste zuzuwenden, immer аber einem solchen, den er mit Beendigung der Strophe zu erreichen vermag, worauf er dann noch zwei- oder dreimal die äußerst zart klingende Silbe „hoid“ verlauten läßt. Der Gesang des Fitis besteht nur aus einer Reihe sanfter Töne, die wie „hüid hüid hoid hoid hoid hoid“ klingen. Das Lied des Weidenlaubsängers dagegen beginnt mit den Silben „trip trip trip het“, worauf die lauteren „dillr wie „se-e-e-e-trrre-e-e, da da da, uit uit uit“. Alle Arten singen, solange die Brutzeit währt, außerordentlich eifrig, blähen dabei die Kehle auf, sträuben die Scheitelfedern, lassen die Flügel hängen, zittern vielleicht auch mit ihnen, beginnen schon am frühesten Morgen und hören erst nach Sonnenuntergang auf.
Alle Laubsänger bauen mehr oder weniger kunstvolle, backofenförmige Nester auf oder unmittelbar über dem Boden. Die Nester des Waldlaubsängers, Fitis- und Berglaubsängers stehen stets auf dem Boden, die des Weidenlaubsängers in der Regel ebenfalls, zuweilen аber auch 0,5 – 1 m hoch in Sträuchern, da, wo Wacholder dаs Unterholz bildet, fast immer in diesem. Der Waldlaubsänger wählt zu seinem Nistplatze den unteren Teil eines alten Stockes, den Fuß eines großen oder kleinen Baumstammes, der von Heidekraut, Heidel- oder Preiselbeeren, Moos und Gras dicht umgeben ist, errichtet hier aus starken Grashalmen, feinen Holzspänen, Moosstengeln, Kiefernschalen, Splittern und ähnlichen Stoffen den äußerlich ungefähr 13 cm im Durchmesser haltenden Kuppelbau mit 4 cm weitem, nach Osten gerichtetem Eingangsloche und kleidet dаs Innere mit feineren Grashalmen äußerst sauber aus, wogegen Fitis und Weidenlaubsänger den Bau aus Gras, Blättern und Halmen herstellen, mit Moos und Laub umkleiden, innen аber mit Federn, namentlich Rebhuhnfedern, ausfüttern; der Berglaubsänger endlich, der ein größeres Nest als alle Verwandten zu bauen scheint, verwendet Wurzeln, Gras, dürre Ästchen zum Außenbau, feiner gewählte Stoffe derselben Art zum Jnnenbau und zuweilen noch Tierhaare zur Auskleidung der Mulde. Um den großen Bau zustande zu bringen, beginnen die weiblichen Laubsänger, wie mein Vater beim Fitis beobachtete, damit, die Vertiefung des Bodens auszuhöhlen, in der dаs Nest stehen soll, ziehen, oft mit großer Anstrengung, die Gras- und Moosstengel aus und bearbeiten die Stelle mit dem Schnabel so lange, bis sie den Grund halbkugelförmig ausgegraben haben. Nun erst gehen sie zum Herbeitragen und Ordnen der Niststoffe über, betätigen hierbei aber, obgleich sie nur in den Morgenstunden daran arbeiten, so viel Fleiß und Eifer, daß dаs Ganze binnen wenigen Tagen vollendet ist. Während der Arbeit suchen sie sich und dаs Nest sorgfältig zu verbergen, rupfen in ziemlicher Entfernung davon Moos und Gras aus, fliegen damit auf hohe, nahe beim Neste stehende Bäume und kommen erst von diesen zur Niststelle herab.
Der Waldlaubsänger brütet nur einmal im Jahre, und zwar Mitte Mai bis Anfang Juni, der Fitis früher, meist schon Ende April, der Weidenlaubsänger ungefähr um dieselbe Zeit, der Berglaubsänger, der Lage seiner Wohnsitze entsprechend, kaum vor Mitte Mai und Juni. Das Gelege zählt beim Waldlaubsänger, beim Fitis und beim Weidenlaubsänger 5—7, beim Berglaubsänger 4—5 Eier, die durchgängig 15—17 mm lang und 11—13 mm dick, ver- schiedengestaltig, аber stets dünn und glattschalig, auf weißem Gmnde rot gefleckt sind. Die Eier des Waldlaubsängers zeigen wie die des Berglaubsängers auf weißem Grunde viele rotbraune und verwaschen aschbläuliche, mehr oder minder dicht über die ganze Oberfläche verteilte oder gegen dаs Ende hin gehäufte (Eiertafel V, 35), die des Fitislaubsängers in ähnlicher Anordnung auf milchweißem Gmnde hellrote oder hell lehmrötliche, mitunter hell rötlichbraune und verwaschen blaurötliche (Eiertafel V, 36), die des Weidenlaubsängers auf kreideweißem Grunde rotbraune und braunrote, auch wohl dunkel rotbraune und aschgraue Punkte und Flecke. Beide Geschlechter brüten abwechselnd, dаs Männchen jedoch nur während der Mittagsstunden, auch nicht so hingebend wie dаs Weibchen, dаs sich fast mit Händen greifen oder tatsächlich ertreten läßt, bevor es wegfliegt und, wenn endlich entschlüpft, in kriechender Weise dicht über dem Boden dahinfliegt, falls аber bereits Junge im Neste liegen, unter allerlei mit kläglichem Schreien begleiteten Listen und Verstellungskünsten flüchtet. Nach einer Brutzeit von höchstens 13 Tagen kriechen die Jungen aus; ebenso viele Tage später sind sie erwachsen, noch einige Tage darauf selbständig geworden, und nun entschließen sich Fitis und Weidenlaubsänger auch wohl, zum zweiten Male zu brüten.
Den behaarten und befiederten Räubern, die kleinen Vögeln insgemein nachstellen, gesellen sich als Feinde der Laubsängerbrut Mäuse, Waldspitzmäuse, vielleicht auch Schlangen und Eidechsen; mehr аber als durch alles dieses Gezücht sind die Jungen durch länger anhaltende Platzregen gefährdet. Der Mensch verfolgt die munteren und liebenswürdigen Vögel nur in Italien, Südfrankreich und Spanien, um auch sie für die Küche zu verwerten. Im Käfig sieht mаn Laubsänger selten, obwohl sie sich recht gut für die Gefangenschaft eignen.