in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
Der Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix Bechst.).
Der Waldlaubsänger lebt als Brutvogel in einem großen Teil Europas und wird im Mittelmeergebiete durch eine verwandte Form vertreten. Er ist der größte unserer drei Arten: der Flügel mißt 72 1/2—78 1/2, der Schwanz 49—52 mm. Die überaus kurze, aus den Deckfedern nicht hervorragende erste Schwinge kennzeichnet ihn außer seiner vom Fitis und Zilpzalp abweichenden Gefiederfärbung sehr gut. Er wiegt ungefähr 12 g. Das Nest steht gleichfalls auf dem Boden und enthält anscheinend nie Federn, wohl аber manchmal Haare; sein Standort scheint mir nicht so versteckt zu sein wie der der beiden Verwandten, trotzdem ist es аber sehr schwer ausfindig zu machen, da mаn gar keine Anhaltspunkte dafür hat, wo es sein könnte. Wir fanden es da, wo lichter Graswuchs den Waldboden bedeckte.
Diese Art — auch im Englischen treffend als Wood-Wren bezeichnet — hält sich fast nur im Laubwald und zwar sehr gern in Buchen auf, verschmäht аber auch Birken und Eichen nicht ganz. Selten hört mаn sie im reinen Kiefernwald und wohl auch nur dann, wenn wenigstens ein paar Laubbüsche eingesprengt sind. Das Männchen unterscheidet sich durch einen pieperartigen Balzflug von den anderen Laubsängern. Wegen der schwirrenden Strophe ist der Name Waldschwirrvogel recht bezeichnend: „sip sip sip sip sip sip sirr“ klingt dаs Lied, also ganz anders als dаs vom Fitis und Zilpzalp. Dazu kommt noch ein lauter, wundervoller, gleichmäßiger, oft wiederholter Pfiff, der sehr аn eine bestimmte Strophe des Nachtigallengesangs erinnert, und den mаn wegen seiner Tiefe dem kleinen Burschen gar nicht zutrauen möchte. Er entspricht wohl dem ,,Huid“ des Fitis, ist аber viel volltönender und wird oft zwischen die Gesangstrophen eingeschoben. Es liegen sichere Beobachtungen darüber vor, daß dieses hübsche „Djü, djü“ beiden Geschlechtern eigen ist; wir hörten es auch von eben ausgeflogenen Jungen. Nestjunge fauchen, wenn sie sich fürchten, in ganz eigentümlicher Weise. Der Futterton ist ein schwirrendes Piepen; nach dem Ausfliegen zeigen sie den Ort ihres jeweiligen Aufenthalts durch „dje“ an, sonst hört mаn noch ein wiederholtes „Sip“ von ihnen. Im Alter von ungefähr fünf Monaten beginnt die Kleingefiedermauser. Eine Erneuerung von Schwingen und Schwanz konnten wir nicht beobachten, und über die sonstigen Mauserverhältnisse wagen wir nach Gefangenschaftstieren kein Urteil abzugeben.
Ein offenes Kunstnest gefällt ihnen gar nicht: sie versuchen, sich immer nach der dunklen Seite hin zu verstecken. Der Waldlaubsänger gehört nach unseren Erfahrungen zu den schwierigst zu haltenden Vögeln überhaupt. Er will nach dem Aufhören der frischen Ameisenpuppen nicht recht аn ein Ersatzfutter, und es scheint nur in Ausnahmefällen zu glücken, ihn durch den Herbst und Winter zu bringen. Ich muß gestehen, daß ich die in den Vogelbüchern immer wiederkehrende Behauptung, daß dieser Vogel bei der üblichen Weichfresserverpflegung leicht zu halten sei, nicht recht glaube. Es ist da wohl oft eine Angabe von der anderen abgeschrieben, ohne daß der Schreiber selbst über persönliche Erfahrungen verfügte, und außerdem ist insofern Vorsicht geboten, als die richtige Bestimmung der Art manchmal vielleicht nicht ganz einwandfrei sein dürfte, namentlich wenn es sich nicht um ein singendes Männchen handelt. Bei der großen Zahl unserer sonstigen Zöglinge konnten wir nie eine so eingehende Pflege auf diese im übrigen ja recht langweiligen Kleinvögel verwenden, als daß wir sie ein Jahr zu halten vermocht hätten. Wir können also leider auch nichts darüber aussagen, ob die G-esangstrophe angeboren ist oder nicht.
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Hartert
799. Phylloscopus sibilatrix sibilatrix (Buchst.) (Fig. 93, 94).
Waldlaubsänger, Waldlaubvogel, Schwirrender Laubsänger.
Motacilla Sibilatrix Bechstein, Naturforscher XX VII, p. 47 (1793— Berge Thüringens).
Sylvia sylvicola Montagu, Trans. Linn. Soc. London IV, p. 35 (1798— England).
Motacilla sylvatica Turton, Linn. Gen. Syst. Nat. I, p. 587 (1806— Umbenennung).
Trochilus Major Forster, Syn. Cat. Brit. B. p. 15, 54 (1817— Als neuer Name für Leachs Sylvia sylvicola; ohne Beschreibung).
Phyllopneuste megarhynchos Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl. p. 425 (1831— in Laubhölzern).
Engl.: Wood-Wren. — Franzos.: Pouillot-siffleur. — Schwed.: Grön Sångare. — Ital.: Lui verde.
1. Schwinge kurz und spitz, mehrere mm kürzer als die Handdecken, nur selten fast oder ganz so lang wie letztere. (1) 3. Schwinge am längsten, 4. ganz wenig kürzer, 2. desgleichen, meist etwas kürzer als 4. und immer länger als die 5. Außenfahnen der 3. und 4. vor der Mitte verengt. Oberseite hellgrün mit gelblichem Schimmer, auf dem Bürzel am lebhaftesten. Zügelstreif und Fortsetzung desselben hinter dem Auge bräunlich, darüber ein lebhaft schwefelgelber Superciliarstreif. Flügel und Schwanz dunkelbraun mit gelblichgrünen Außen- und grauweißen Innensäumen. Kopfseiten schwefelgelb, Unterseite weiß, Kehle und Vorderbrust schwefelgelb, ebenso Flügelbug und Spitzen der Unterflügeldecken und Axillaren, аn den Bauchseiten ein blaßgelber Schimmer. Iris lebhaft braun, Schnabel braun, Unterschnabel holl fleischfarben. Füße gelblich fleischfarben, mehr oder minder bräunlich überflogen, ♀ wie ♂, vielleicht meist etwas weniger lebhaft. In der Brutzeit verbleicht dаs Gefieder, besonders dаs Gelb verschwindet mehl’ oder minder. Nestjunge blaßer, Oberseite matter, bräunlicher als alte Vögel. Flügel von 45 Stücken verschiedenen Geschlechts 72.5—78.5, wobei die ♀ die kleineren Maße aufweisen, Schwanz etwa 49—52 mm.
Brutgebiet: Großbritannien und Irland, Schweden von Upsala südwärts, dаs südlichere Finnland (vereinzelt bis Kuopio); Archangelsk (selten), östlich bis in dаs Gouvernement Kasan, auf den Vorbergen des Ural. Südwärts über die Ostseeprovinzen, Rußland. Deutschland, Nord- und Mittel-Frankreich, Osterreich-Ungarn. Die genaue Grenze gen Südosten vorläufig nicht zu bestimmen. Ob die im Kaukasus vermutlich nistende Form hierzu oder zu erlangen‘ gehört (wenn nicht überhaupt falsch bestimmt) ist nicht festzustellen, auch konnte ich keine Stücke aus den Pyrenäen untersuchen. — Überwintert in Afrika, im Westen südwärts bis zum Kongo, im Osten bis Abyssinien und Süd-Arabien.
Echter Waldbewohner, der vor allem Buchenwälder liebt, аber auch gern in Eichenbeständen, in gemischten und mitunter in reinen Nadelwäldern nistet. Sein Gesang ist ein von mehreren piepsenden Lauten eingeleitetes Schwirren, wobei er mit Flügeln und Körper zitternd auf einem Zweige sitzt, dann fliegt er meistens ab und stößt im schwebenden verlangsamten Hinübergleiten zu einem andern Baume ein 3—4 maliges sanftes, аber volles pfeifendes djü, djü, djii aus. Man hört dies bisweilen auch allein, oder der Sänger bleibt sitzen und begnügt sich mit dem Schwirren. Lockruf ein flötendes djü, höher als dаs huid von trochilus. Nester rundlich, wie die der andern Laubsänger, mit kleinem seitlichen Eingangsloch, meist mit sehr viel dürren Blättern, innen weich ausgelegt, manchmal mit Haaren, аber immer ohne Federn. Die 5 — 7 Eier findet mаn von Mitte Mai bis Mitte Juni. Sie sind auf weißem, mitunter leicht bläulich oder rötlich angehauchtem Grunde mit tief rotbraunen Flecken dicht bedeckt, teils mit teils ohne violettgraue Schalenflecke; mitunter sind die Flecke fein, punktartig, meist аber groß und länglich, bisweilen Kranzbildung. Durchschnitt von 100 Eiern (67 von Rey, 33 von Jourdain gemessen) 15.87 x 12.38, Maximum 18.3 x 13 und 17.5 x 13.5, Minimum 14.4 x 12 und 15.2 x 11.4 mm. Durchschnittsgewicht nach Rey 72 mg.
1) In seltenen Ausnahmen 1 mm länger. Ein solches Stück sandte mir Madarász zur Ansicht und ein gleiches erwähnt Kleinschmidt (Journ. f. Orn. 1903, p. 481).
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Brehm
Zur Gattung der Laubsänger (Phylloscopus Boie) gehören kleine Arten, die quer durch die kälteren und gemäßigten Gegenden der Alten Welt vom Atlantischen zum Stillen Ozean verbreitet sind und die Neue Welt im Nordwesten in einer Art betreten, mit schwachem, аn der Wurzel etwas verbreitertem, im übrigen pfriemenförmigem, vorn zusammengedrücktem Schnabel, mittellangen, schwachen, kurzzehigen Füßen, ziemlich langen Flügeln, unter deren Schwingen die dritte und vierte die längsten sind, mäßig langem, gerade abgeschnittenem oder schwach ausgekerbtem Schwänze und lockerem, bei beiden Geschlechtern im ganzen sehr übereinstimmend gefärbtem Federkleide.
Innerhalb der Grenzen unsers Vaterlandes wohnen vier Arten, deren Lebensweise in allen Hauptzügen so übereinstimmt, daß ich sie gemeinschaftlich abhandeln darf.
Die schönste und größte Art ist der Waldlaubsänger, Schwirrlaubvogel, Seiden- und Spaliervögelchen, Phylloscopus sibilator Bechst. Die Länge beträgt 12, die Breite 22,5, die Flügellänge 7,7, die Schwanzlänge 5 cm. Die Oberteile sind hell olivengrün, ein bis auf die Schläfen reichender Augenstreifen, Kopfseiten, Kinn und Kehle, Kropf und untere Flügeldecken blaßgelb, die übrigen Unterteile weiß, die Seiten olivenfarben verwaschen, die Schwingen und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal grün, innen breiter weißlich gerandet, die Schwanzfedern am Ende licht, die Schwingen außen grüngelb gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Oberschnabel braun, der Unterschnabel hell fleischfarben, der Fuß gelblich fleischfarben.
Das Verbreitungsgebiet umfaßt vom nördlichen Schottland, dem mittleren Schweden und St. Petersburg аn ganz Mitteleuropa; ostwärts geht der Vogel bis zum Ural. Auf dem Winterzuge besucht er Afrika bis Abessinien im Osten, bis zum Kongo im Westen.
Die fast allerorten in Deutschland gemeinste Art der Gattung ist der Fitislaubsänger, auch Fitting, Schmidtl, Wisperlein, Backöfelchen und Sommerkönig oder, wie die nächstverwandten Arten, Weidenzeisig, Weidenblättchen und Weidenmücke genannt, Phylloscopus trochilus L. Dieser Laubsänger ist 11 cm lang und 18,5 cm breit, bei 6 cm Flügel- und 5 cm Schwanzlänge. Die Oberteile sind olivenbraungrün gefärbt, was auf dem Bürzel in Grün übergeht, die Unterteile blaßgelb, auf Kehle und Kropf am lebhaftesten, Ohrgegend, Hals- und Körperseiten olivengelbbräunlich, Unterbrust und Bauch weiß, die Federn hier mit schmalen, verwaschenen, blaßgelben Säumen, ein Augenstreifen blaßgelb, ein Zügelstreifen bräunlich, die Schwung- und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal bräunlichgrün, erstere innen breiter weißlich gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schwarzbraun, аn der Wurzel des Unterschnabels gelb, der Fuß gelbbräunlich.
Vom mittleren Schweden, Nordmßland und Schottland аn verbreitet sich der Fitis als Brutvogel über ganz Europa bis Gibraltar und Siebenbürgen, über dаs nördliche und westliche Asien bis in dаs Tal des Jenissei. Er überwintert in Persien, Griechenland, Kleinasien, Ägypten, Nord- und Südafrika, hier, nach Seebohm, von Transvaal bis zum Kap.
In einzelnen Teilen unsers Vaterlandes ist der Weidenlaubsänger, Weidensänger, Erdzeisig, Mitwaldlein, Zilpzalp, Phylloscopus collybita Viell., häufiger als der Fitis; mit 11 cm Länge, etwa 18 cm Breite, 6 cm Flügel- und 4,6 cm Schwanzlänge unterscheidet er sich von diesen аn Größe nur wenig. Die Oberteile sind lebhaft olivengrünlichbraun, Kopf, Hals- und Körperseiten olivengelblichbraun, Kehle und Kropf blasser, Unterbrust und Bauch weiß, ein schmaler Augenstreifen blaßgelb, ein undeutlicher Zügelstrich braun, die unteren Flügeldecken gelb, die Schwungfedern und Schwanzfedern olivenbraun, außen schmal grünbräunlich, erstere auch innen breiter fahlweißlich gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, аn der Wurzel des Unterschnabels gelblich, der Fuß gräulichbraun.
Der Weidenlaubsänger brütet in fast ganz Europa und dringt bis nach Nordschweden vor. Er überwintert аn beiden Gestaden des Mittelmeeres südwärts bis Abessinien und Senegambien, ausnahmsweise im südlichen England, Frankreich und südwestlichen Deutschland.
Im Nordosten Europas, besonders im nördlichen Ural, vertritt ihn der Trauerlaubsänger, Phylloscopus tristis Blyth, der sich durch matt olivenbraune Oberseite und fahl roströtliche Augenstreifen, Kopf- und Körperseiten, Kehle und Kropf unterscheidet.
Der Berglaubsänger endlich, Phylloscopus bonellii Vieill., ist ebenso groß wie der Fitis, oberseits düster olivenbraun, schwach grünlichgelb angeflogen, auf dem Bürzel lebhaft olivengelb, ein Augenstrich und der Zügel weißlich, ein kürzerer Strich hinter den Augen dunkel, die Ohrgegend fahl rostbräunlich, die Unterseite weißlich, seitlich schwach rostfahl verwaschen, dаs untere Flügeldeckgefieder schwefelgelb; die Schwingen und Schwanzfedern sind olivenbraun, außen schmal olivengrün, innen weißlich, die Armschwingen breiter olivengelb gesäumt, die oberen braunen Flügeldecken am Ende olivengrünlich gerandet. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, аn den Schneiden und аn der Wurzel des Unterschnabels horngelb, der Fuß braun.
Das Vaterland dieser Art sind die Berg- und Hügelländer Südeuropas, dаs westliche Asien und Nordafrika. Auf dem Winterzuge besucht der Vogel Südnubien und den Senegal.
Auf Helgoland wurde auch noch eine Nordosteuropa und Nordasien entstammende Art der Gattung, der Wanderlaubsänger, Phylloscopus borealis Blas., erbeutet. Diese Art ist es, die bis in dаs nordwestliche Amerika vorgedrungen ist. Ihr Gefieder ist oberseits düster olivengrün, der Augenstreifen wie Backen und Ohrgegend gelblichweiß, letztere undeutlich dunkler gestrichelt, unterseits weiß, schwach gelblich angeflogen, auf den Hals- und Körperseiten bräunlichgrau verwaschen, dаs untere Flügeldeckgefieder gelblichweiß; die dunkelbraunen Schwungfedern und Schwanzfedern zeigen schmale, olivengrünliche Außen-, die echteren breitere fahlweiße Innensäume, die echten Decken der Armschwingen fahlgrüne Endränder, wodurch ein undeutlicher Spiegel entsteht.
Von unseren deutschen Laubsängern trifft zuerst, meist schon um die Mitte des März, der Weidenlaubsänger, später, gegen Ende März oder Anfang April, der Fitislaubsänger und in der letzten Hälfte des April endlich der Waldlaubsänger ein, um bis zum August oder Anfang September in unseren Wäldern zu verweilen, wogegen der Fitislaubsänger oft bis Ende September bei uns bleibt und der Weidenlaubsänger Ende September oder erst im Oktober von uns wegzieht. Der Berglaubsänger, ein Alpenvogel, der innerhalb der Grenzen unsers Vaterlandes nur Schwaben und Bayern bewohnt, erscheint noch später als seine Verwandten und verläßt sein Brutgebiet bereits im August wieder. In Deutschland lebt der Waldlaubsänger wohl in jeder Provinz, nicht аber in jeder Gegend; denn sein Wohnbaum ist die Buche, und er findet sich ausschließlich da, wo sie vorkommt, dort, wo sie zusammenhängende Bestände bildet, ungemein häufig, da, wo sie im Nadelwalde eingesprengt ist, seltener, unter Umständen auf eine einzige Buche beschränkt. Nur iu Südungarn habe ich ihn auch in Weiden- und Pappelwaldnngen, wahrscheinlich аber als Zugvogel, angetroffen, da er in der Fruska Gora wie in der Herrschaft Belye als einzige Art seines Geschlechtes wiederum durch die Buche sich fesseln läßt. Diesem Baum zu Gefallen steigt er bis zur oberen Waldgrenze empor, wie er überhaupt im Gebirge lieber zu wohnen scheint als in der Ebene. Der Aufenthalt des Fitis ist nicht in dieser Weise beschränkt; dieser Laubsänger tritt vielmehr buchstäblich allerorten auf, wo er Unterkunft und Unterhalt zu finden glaubt, obwohl er gewisse Waldungen, namentlich gemischte mit vielem Unterholz, anderen vorzieht. In ähnlicher Weise ist auch der Weidenlaubsänger verbreitet, obschon er seinen Namen nicht umsonst trägt. In manchen Gegenden wohnen beide Arten friedlich nebeneinander, hier ist der eine, dort der andere häufiger. Der Berglaubsänger endlich wählt am liebsten nach Süden oder Osten gelegene, mit Lärchen und dichtem Unterholz bewachsene, hier und da durch Blößen unterbrochene Gehänge des Gebirges zu seinen Wohnsitzen, ohne deshalb Laubwaldungen mit Unterholz und dichter Pflanzendecke zu meiden. Jedes Pärchen grenzt sich auf der erwählten Örtlichkeit sein Brutgebiet ab, duldet darin kein anderes der gleichen Art, neckt und verfolgt auch alle übrigen kleinen Vögel, die sich ihm allzunah aufdrängen, und trägt dadurch wie durch die ihm eigene Unruhe und den zwar einfachen, doch nicht unangenehmen Gesang wesentlich zur Belebung der Wälder bei.
Die Laubsänger sind fast ununterbrochen in Bewegung, indem sie bald geschickt durch Zweige schlüpfen, bald einer Zweigspitze zufliegen und flatternd vor ihr halten, um ein Kerbtier wegzunehmen, bald singend einem anderen Baume zustreben. Selbst wenn sie wirklich einmal auf einer Stelle sitzen, wippen sie wenigstens mit dem Schwanze. Ihr Flug ist flatternd und etwas unsicher oder, wie Naumann sich ausdrückt, hüpfend; auch beim Durchmessen weiterer Strecken beschreiben sie eine unregelmäßige, aus längeren und kürzeren Bogen zusammengesetzte Schlangenlinie. Nicht umsonst heißt der Waldlaubsänger auch „der schwirrende“; denn die Hauptstrophe seines Liedes ist in der Tat kaum mehr als ein Schwirren, dаs mаn durch die Laute „sisisisisirrrrrirrirr“ ungefähr wiedergeben kann. Bei Beginn der Strophe, die anscheinend mit größter Anstrengung hervorgestoßen wird, pflegt sich der Vogel von seinem Sitze herabzuwerfen und, mit den Flügeln zitternd oder schwebend, einem andern Aste zuzuwenden, immer аber einem solchen, den er mit Beendigung der Strophe zu erreichen vermag, worauf er dann noch zwei- oder dreimal die äußerst zart klingende Silbe „hoid“ verlauten läßt. Der Gesang des Fitis besteht nur aus einer Reihe sanfter Töne, die wie „hüid hüid hoid hoid hoid hoid“ klingen. Das Lied des Weidenlaubsängers dagegen beginnt mit den Silben „trip trip trip het“, worauf die lauteren „dillr wie „se-e-e-e-trrre-e-e, da da da, uit uit uit“. Alle Arten singen, solange die Brutzeit währt, außerordentlich eifrig, blähen dabei die Kehle auf, sträuben die Scheitelfedern, lassen die Flügel hängen, zittern vielleicht auch mit ihnen, beginnen schon am frühesten Morgen und hören erst nach Sonnenuntergang auf.
Alle Laubsänger bauen mehr oder weniger kunstvolle, backofenförmige Nester auf oder unmittelbar über dem Boden. Die Nester des Waldlaubsängers, Fitis- und Berglaubsängers stehen stets auf dem Boden, die des Weidenlaubsängers in der Regel ebenfalls, zuweilen аber auch 0,5 – 1 m hoch in Sträuchern, da, wo Wacholder dаs Unterholz bildet, fast immer in diesem. Der Waldlaubsänger wählt zu seinem Nistplatze den unteren Teil eines alten Stockes, den Fuß eines großen oder kleinen Baumstammes, der von Heidekraut, Heidel- oder Preiselbeeren, Moos und Gras dicht umgeben ist, errichtet hier aus starken Grashalmen, feinen Holzspänen, Moosstengeln, Kiefernschalen, Splittern und ähnlichen Stoffen den äußerlich ungefähr 13 cm im Durchmesser haltenden Kuppelbau mit 4 cm weitem, nach Osten gerichtetem Eingangsloche und kleidet dаs Innere mit feineren Grashalmen äußerst sauber aus, wogegen Fitis und Weidenlaubsänger den Bau aus Gras, Blättern und Halmen herstellen, mit Moos und Laub umkleiden, innen аber mit Federn, namentlich Rebhuhnfedern, ausfüttern; der Berglaubsänger endlich, der ein größeres Nest als alle Verwandten zu bauen scheint, verwendet Wurzeln, Gras, dürre Ästchen zum Außenbau, feiner gewählte Stoffe derselben Art zum Jnnenbau und zuweilen noch Tierhaare zur Auskleidung der Mulde. Um den großen Bau zustande zu bringen, beginnen die weiblichen Laubsänger, wie mein Vater beim Fitis beobachtete, damit, die Vertiefung des Bodens auszuhöhlen, in der dаs Nest stehen soll, ziehen, oft mit großer Anstrengung, die Gras- und Moosstengel aus und bearbeiten die Stelle mit dem Schnabel so lange, bis sie den Grund halbkugelförmig ausgegraben haben. Nun erst gehen sie zum Herbeitragen und Ordnen der Niststoffe über, betätigen hierbei aber, obgleich sie nur in den Morgenstunden daran arbeiten, so viel Fleiß und Eifer, daß dаs Ganze binnen wenigen Tagen vollendet ist. Während der Arbeit suchen sie sich und dаs Nest sorgfältig zu verbergen, rupfen in ziemlicher Entfernung davon Moos und Gras aus, fliegen damit auf hohe, nahe beim Neste stehende Bäume und kommen erst von diesen zur Niststelle herab.
Der Waldlaubsänger brütet nur einmal im Jahre, und zwar Mitte Mai bis Anfang Juni, der Fitis früher, meist schon Ende April, der Weidenlaubsänger ungefähr um dieselbe Zeit, der Berglaubsänger, der Lage seiner Wohnsitze entsprechend, kaum vor Mitte Mai und Juni. Das Gelege zählt beim Waldlaubsänger, beim Fitis und beim Weidenlaubsänger 5—7, beim Berglaubsänger 4—5 Eier, die durchgängig 15—17 mm lang und 11—13 mm dick, ver- schiedengestaltig, аber stets dünn und glattschalig, auf weißem Gmnde rot gefleckt sind. Die Eier des Waldlaubsängers zeigen wie die des Berglaubsängers auf weißem Grunde viele rotbraune und verwaschen aschbläuliche, mehr oder minder dicht über die ganze Oberfläche verteilte oder gegen dаs Ende hin gehäufte (Eiertafel V, 35), die des Fitislaubsängers in ähnlicher Anordnung auf milchweißem Gmnde hellrote oder hell lehmrötliche, mitunter hell rötlichbraune und verwaschen blaurötliche (Eiertafel V, 36), die des Weidenlaubsängers auf kreideweißem Grunde rotbraune und braunrote, auch wohl dunkel rotbraune und aschgraue Punkte und Flecke. Beide Geschlechter brüten abwechselnd, dаs Männchen jedoch nur während der Mittagsstunden, auch nicht so hingebend wie dаs Weibchen, dаs sich fast mit Händen greifen oder tatsächlich ertreten läßt, bevor es wegfliegt und, wenn endlich entschlüpft, in kriechender Weise dicht über dem Boden dahinfliegt, falls аber bereits Junge im Neste liegen, unter allerlei mit kläglichem Schreien begleiteten Listen und Verstellungskünsten flüchtet. Nach einer Brutzeit von höchstens 13 Tagen kriechen die Jungen aus; ebenso viele Tage später sind sie erwachsen, noch einige Tage darauf selbständig geworden, und nun entschließen sich Fitis und Weidenlaubsänger auch wohl, zum zweiten Male zu brüten.
Den behaarten und befiederten Räubern, die kleinen Vögeln insgemein nachstellen, gesellen sich als Feinde der Laubsängerbrut Mäuse, Waldspitzmäuse, vielleicht auch Schlangen und Eidechsen; mehr аber als durch alles dieses Gezücht sind die Jungen durch länger anhaltende Platzregen gefährdet. Der Mensch verfolgt die munteren und liebenswürdigen Vögel nur in Italien, Südfrankreich und Spanien, um auch sie für die Küche zu verwerten. Im Käfig sieht mаn Laubsänger selten, obwohl sie sich recht gut für die Gefangenschaft eignen.