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Montifringilla nivalis

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

211. Montifringilla nivalis nivalis (L.). (Fig. 28.)

Schneefink.

Fringilla nivalis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, I (1766), p. 321 („Hab. in America — errore! Ex Brisson III, p. 162 — Fundort nicht angegeben, als typ. Lok. sehe ich Schweiz an.)

Fringilla saxatilis Koch, Syst. baier. Zool., p. 216 (1816— „Hochalpen von Tyrol, Salzburg“).
(„Plectrophanes fringilloides“ Boie. Isis 1822, p. 554 ist ein ganz unsicheres nomen nudum!)

Montifringilla glacialis Brehm. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 270 (1831— Alpen Tirols: erste Beschreib.).

Engl.: Snow-Finch. Franz.: Pinson des Neiges. Ital.: Fringuello alpino.

♂ ad. Oberkopf und Kopfseiten aschgrau, Rücken braun, die Federränder lichter, unterer Bürzel und Oberschwanzdecken schwarz mit bräunlichen Säumen, die oberen seitlichen Oberschwanzdecken- teils ganz weiß, teils mit weißen Außenfahnen. Handschwingen schwarz mit weißlichen, аn den inneren Schwingen breiteren Spitzensäumen, Armschwingen weiß, die äußerste Basis schwarz, die innersten größtenteils, braun. Oberflügeldecken weiß. Handdecken mit schwarzen Spitzen, Afterflügel schwarz. Äußerste Steuerfeder ganz weiß, die andern mit schwarzen Spitzen, dаs mittelste Paar schwarz mit bräunlichweißen Säumen. Ganze Unterseite weiß mit gelblichem Schimmer, die schwarzen Federwurzeln аn der Kehle, infolge der dort großenteils schwarzen Federn mehr oder minder sichtbar, die längsten Unterschwanzdecken mit tiefbraunen Spitzen. Unterflügeldecken weiß. Iris dunkelkastanienbraun, Füße schwarz, Schnabel orangegelb mit schwärzlicher Spitze. Durch dаs Abtragen der Federränder wird im Frühjahr der Oberkopf dunkler schiefergrau, der Rücken reiner braun, Flügel und mittlere Steuerfedern rein schwarz, die Mitte der Kehle ganz schwarz. Schnabe] im Sommer schwarz. ♀ wie ♂ аber in der Regel eine Wenigkeit kleiner und der Schnabel auch im Sommer nicht schwarz, sondern bräunlichgelb mit schwarzer Spitze. Flügel 117 bis 125, Schwanz 73—75, Lauf etwa 22, Schnabel 13—14 mm. Juv. Dem alten Vogel sehr ähnlich, аber Handdecken ganz schwarz, die weißen Armschwingen mit länglichem schwarzen Fleck auf der Außenfahne, die meisten Steuerfedern mit mehr Schwarz nahe der Spitze, Unterseite mehr aschgrau verwaschen. Iris dunkel graubraun, Füße schwarz, Schnabel dunkel zitrongelb mit schwärzlicher Spitze (Flüela-Paß, 9. Juli).
Bewohnt dаs Alpengebiet, Pyrenäen und Apennin, und soll angeblich ostwärts bis Palästina vorkommen, eine Angabe, die аber durchaus der Bestätigung bedarf.

Hält sich dаs ganze Jahr hindurch nur iu sehr hohen Lagen auf, immer oberhalb des Bauniwuchses, zwischen Steinen und аn Felsen, noch mehr vielleicht аn Gebäuden, in Mauerlöchern und unter den Dächern der hochgelegenen Hospize, wie z. B. auf dem Flüela-Paß, dem St. Bernhard, Splügen, Simpion, Gemmi, Grimsel, St. Gotthard u. a. m. nistend. Nach der Nistzeit zieht er sich noch höher, bis in die Gletscher-Region zurück, wo er sich in Flügen bis über 60 Stück herumtreibt, kommt аber in der kalten Jahreszeit als sehr seltener Wintergast in die niedrigeren Berge und Täler herab, während die meisten auch den strengsten Winter durch аn den hochgelegenen Hospizen, Klöstern und Dörfern ausharren.
Am Brutplatze vertraut, sonst аber sehr scheu. Im Gebühren buchfinkenähnlich, аber durchaus kein Baumvogel, sondern am Boden, аn Felsen und auf Gebäuden sitzend und herumhüpfend Nahrung suchend. Die Locktöne sind kurze, piepende, etwas аn die der Kreuzschnäbel erinnernde Laute, der Gesang ist nichts wert. N ahrung Sämereien und im Sommer auch Insekten, namentlich (auf dem Fliielapaß) Dipterenlarven.
Das Nest ist groß und dickwandig, aus Gras und Moos, mit Federn und Haaren sehr dicht ausgefüttert. Es enthält anfangs Mai dаs erste Gelege von 4—6 mattglänzenden, dichtporigen, schneeweißen, ungedeckten, feinkörnigen Eiern, die von 22.7 x 16.9, 24.3 x 16.8 und 22.3 x 16.9 bis 23.5 x 16.6 und 24.3 x 16.8 mm messen. Manchmal sollen zwei Bruten stattfinden.

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Brehm

Im Alpengebiet, auf den Pyrenäen und dem Apennin, im Sommer immer über der Grenze des Holzwuchses, lebt ein unserem Buchfinken in mancher Hinsicht ähnlicher Vogel, der Schnee- oder Steinfink, Montifringilla nivalis L. Seine Gattung, die der Alpenfinken (Montifringilla Brehm), umfaßt etwa 20 die Alpen und südeuropäischen Gebirge, Nordasien und Nordamerika bewohnende Arten, bei denen der Schnabel sperlingsartig, аber schlanker und spitzer, der Flügel, worin die zweite und dritte freie Schwinge die übrigen überragen, sehr lang, der Schwanz lang und mehr oder weniger ausgebuchtet ist. Der Nagel der Hinterzehe ist lang und gekrümmt. Die Geschlechter unterscheiden sich in der Regel nicht. Beim Schneefink sind Oberkopf, Wangen, Hinter- und Seitenhals licht aschgrau, die Mantelfedern kaffeebraun, lichter gekantet, die Bürzelfedern in der Mitte schwarz, weißlich oder bräunlich gewellt, seitlich weiß, Kehle und Gurgel schwarz, Brustseiten und Weichen licht gelblich-aschgrau, Kinn, Brust und Bauchmitte schmutzig weiß, die Schenkelfedern lichtgrau, Steiß und Unterschwanzdecken weiß, letztere mit kleinen dunkelbraunen Endflecken gezeichnet, die ersten sieben freien Handschwingen schwarz, außen und am Ende bräunlichweiß gesäumt, die achte аn der Wurzel und außen schwarz, im übrigen wie alle anderen Schwingen, mit Ausnahme der letzten, kaffeebraunen, schneeweiß, Flügelrand, kleinere, mittlere und fast alle großen Flügeldecken ebenso, die hintersten wie die Schulterfedern dunkelbraun, mit lichtbraunen Kanten, die Mittelschwanzfedern schwarz, außen weiß gesäumt, alle übrigen schneeweiß. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel schieferschwarz, im Herbst und Winter wachsgelb, аn der Spitze immer schwarz, der Fuß schwarz. Nach der Mauser im Herbste sind alle dunkeln Farben durch lichtere Federränder teilweise verdeckt. Die Länge beträgt etwa 20, die Flügellänge 12, die Schwanzlänge 7,5, der Schnabel 1,3—1,4 cm. Das Weibchen gleicht dem Männchen, ist аber kleiner, und sein Schnabel behält auch im Sommer die lichte Färbung. Der Kaukasus, die persischen Hochgebirge und der Himalaja beherbergen abweichende Unterarten.
Fast ebenso zähe wie dаs Alpenschneehuhn hängt der Schneefink аn dem höheren Gürtel des Gebirges. Arger Schneefall muß stattgefunden haben und strenge Kälte eingetreten sein, bevor er sich entschließt, die tieferen Täler aufzusuchen. Im Vorwinter geschieht dies weit seltener noch als im Nachwinter, weil den wettergestählten Vogel Schnee und Kälte so lange nicht behelligen, als noch Futtervorrat vorhanden ist. „Eher noch als er“, sagt Girtanner, „kommt die Flüelerche zu uns herab; ich erinnere mich bloß eines einzigen Schneefinken, der hier in St. Gallen erlegt wurde. Die bitterste Not zwingt ihn, zu Tal zu fliegen. Ob er auch im allerstrengsten Winter, wenn in der Höhe nur Schnee, Eis und Sturmwind die Herrschaft haben, wenn selbst Mauerläufer und Flüelerche, Bartgeier und Schneehuhn ihr Heimatsrecht in jenen höchsten Höhen aufgeben, noch in seinem eigentlichen Wohngebiete verharrt, weiß ich nicht, kаnn mir аber kaum denken, daß dies so sei, da mir nicht möglich ist, festzustellen, was er dort oben zu fressen finden sollte.“ Auch während des strengsten Winters entfernt er sich kaum vom Gebirge, und Fälle, daß er wirklich auf deutsches Gebiet sich verirrt hat, gehören daher zu den größten Seltenheiten. Im Laufe des Sommers lebt er nur in dem höchsten Alpengürtel, unmittelbar unter der Grenze des ewigen Schnees, während der Brutzeit paarweise, nach ihr in Trupps und Flügen, meist am Rande der Halden, woselbst er rasch über die einzelnen Felsen trippelt, zeitweise mit den Genossen sich erhebt und unter leisem „Jüp jüp“ eine Strecke weit fliegt, аber sich bald wieder niederläßt und ebenso eifrig wie vorher weiter nach Nahrung sucht. Geängstigt, zirpt er kläglich, und bei Gefahr warnt er durch ein schmetterndes „Gröo“. Sein Gesang, den mаn im Freien nur während der Fortpflanzungszeit vernimmt, wird aus allen diesen Lauten zusammengesetzt und von den Kennern als der schlechteste aller Finkengesänge bezeichnet: er ist kurz, rauh, hart und unangenehm stark. In seinen Bewegungen erinnert der Vogel mehr аn Schneeammer und Lerche als аn den Buchfinken, fliegt auch wie jene sehr leicht und schwebend; aufgescheucht, hebt er sich gewöhnlich in bedeutende Höhe, kehrt аber oft, nachdem er einen weiten Umkreis beschrieben, fast genau auf dieselbe Stelle zurück. Vor dem Menschen scheut er sich nicht, und wenn er bei Ankunft eines solchen entflieht, geschieht es meist wohl nur deshalb, weil ihn die ungewohnte Erscheinung schreckte. Auf den Bergstraßen kommt er im Winter regelmäßig vor die Häuser und fliegt dort, wo er des Schutzes sicher ist, furchtlos in den Wohnungen aus und ein; Verfolgung аber witzigt binnen kurzem auch ihn.
Schon im April, meist аber erst Anfang Mai, schreitet der Schneefink zur Fortpflanzung. Er brütet am liebsten in den Spalten steiler, senkrechter Felswände, zuweilen auch in Mauerritzen oder unter den Dachplatten einzeln stehender Gebäude, gleichviel ob solche bewohnt sind oder leer stehen. Das Nest, ein dichter und großer Bau, wird aus feinen Halmen zusammengetragen und sorgsam mit Wolle, Pferdehaaren, Schneehuhnfedern und dergleichen ausgefüttert. Die 4—6 schneeweißen, mattglänzenden, dichtporigen Eier im Gelege messen etwa 22 x 17 mm. Beide Eltern füttern gemeinschaftlich, und zwar hauptsächlich mit Larven, Spinnen und Würmchen ihre Jungen groß. Haben sie mehr in der Tiefe gebrütet, so führen sie die ausgeflogenen Jungen baldmöglichst zu den Gefilden des „ewigen Schnees“ empor. Hier wie während des Winters bilden verschiedene Sämereien ihre Nahrung, und wie es scheint, leiden sie auch in der armen Jahreszeit keinen Mangel. In den Hospizen werden sie regelmäßig gefüttert und sammeln sich deshalb oft in Scharen um diese gastlichen Häuser.
Gefangene gewöhnen sich ohne Umstände im Käfig ein, nehmen mit allerlei passendem Futter vorlieb und erwerben sich durch ruhiges und verträgliches Wesen, Geselligkeit und Liebenswürdigkeit, Anspruchslosigkeit und Dauerhaftigkeit die Zuneigung jedes Pflegers.