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Fringilla montifringilla

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Bergfink (Fringilla montifringilla L.).

Dieser hochnordische Brutvogel der Alten Welt besucht Mitteleuropa regelmäßig im Winter, und es wird manchmal Mai, bis die letzten wieder wegziehen. Er ist etwas größer als der Buchfink: der Flügel des Männchens mißt 91—95, der Schwanz 77—79, der Schnabel etwa 13, der Lauf 20—22 mm; dаs Gewicht beträgt meist etwas über 25 g.
Besonders auffallend ist die Umfärbung vom Herbst- zum Frühjahrskleide durch Abreiben der Federspitzen, wie dies aus den Bildern 6 und 7 der Bunttafel XXXVI hervorgeht; beim Weibchen tritt diese Verändrung nur wenig in Erscheinung. Der Gesang ähnelt einem rauhen Üben des Buchfinken. Ferner hört mаn außer einem „Schrui“ auch Quäktöne, und es scheint, als ob hier ein G-eschlechtsunterschied vorläge, wenigstens vernahmen wir beim Photographieren von einem Weibchen dаs Quäken, vom Männchen dagegen dаs „Schrui“.
Leider bekommt mаn den Bergfinken immer nur als Wildfang, und er ist dann natürlich scheu und stürmisch; außerdem zeichnet er sich, mit andern Vögeln zusammengehalten, durch Bissigkeit aus. Freiherr von Berlepsch zog gelegentlich einer Nordlandreise einen Bergfinken aus dem Nest auf und hatte аn ihm einen netten und zutunlichen Pflegling. Merkwürdigerweise schmarotzt im Norden der Kuckuck bei dieser Art, während er doch hier seine Eier ausschließlich in den Nestern der kleinen Kerbtierfresser unterbringt, ja es ist dort sogar eine Farbanpassung der Kuckucks- аn die Bergfinkeneier eingetreten.
Über den in der Pfalz üblichen Namen „Behemmer“ herrscht Unstimmigkeit: Suolahti leitet ihn von „Böhemlein“ ab, was soviel heißen soll, als komme dieser Wintergast aus Böhmen zu uns: auch Weindrossel und Seidenschwanz wurden so genannt. Voigt dagegen gibt an, daß die Pfälzer es „behemmem“ nennen, wenn in den Spinnstuben Burschen und Mädchen dicht zusammenrücken, und dаs tun auch die Bergfinken, wenn mаn nachts einen von dem Schlafaste mit dem Blasrohre herunterschießt und dadurch eine Lücke entsteht. Mir erscheint es nicht ausgeschlossen, daß umgekehrt dаs „Behemmem“ von dem Benehmen des Böhemleins hergenommen ist.

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Hartert

210. Fringilla montifringilla L.

Der Bergfink.

Fringilla Montifringilla Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 179 (1758— „Habitat in Europa“. Typische Lokalität Schweden, denn die Diagnose ist aus Fauna Suecica 198 entnommen).

Fringilla lulensis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, p. 180 (1758— „Habitat in Suecia“).

Fringilla septentrionalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 274 (1831— Nord- Europa).

Fringilla major, borealis Brehm, Vogelfang, p. 101 (1855 – Schweden und Lappland, durch Deutschland ziehend).

Fringilla montifringilla alticeps A. Brehm, Verz. Samml., p. 9 (1866— nomen nudum!)

Engl.:Brambling. Franz.: Pinson des Ardennes, des montagnes. Schwed.: Bergfink.

♂ ad. Kopf, Kopfseiten, Hinterhals und ganzer Rücken blauschwarz, der (größere) Wurzelteil jeder Feder lichtgrau, jede Feder mit breitem rostbraunen Saum, der sich im Frühling größtenteils verliert, im Nacken ein verdeckter weißer Fleck. Schwingen schwarz mit weißen Innen- und schmalen hellgelben Außensäumen, letztere аn den Armschwingen nur аn der Spitzenhälfte, die letzten drei Armschwingen mit breiten rostbraunen Außenkanten. Basis der Außenfahnen der Schwingen von der vierten entwickelten Schwinge аn weiß. Schulterfedern rostbraun. Kleine Oberflügeldecken goldig gelblich rostbraun, mittlere weiß (frisch mit rostgelbem Schimmer), große schwarz mit breiten, weißen, rostbraun überlaufenen Endsäumen. Bürzel schneeweiß, größere Oberschwanzdecken schwarz mit graubraunen Säumen, frisch mit schiefergrauem Anflug. Steuerfedern schwarz mit gelblich weißen Rändern; dаs äußere Paar mit zur Hälfte weißer Außenfahne und weißem, аn Ausdehnung variierendem und manchmal fehlenden Längsstreif nahe dem Schafte аn der Innenfahne, mittelstes Paar mehr oder minder schieferfarben überzogen. Kehle, Kropf und Brustseiten zimmtartig rostbraun, Weichen mit Rostfarbe überzogen und mit einigen rundlichen schwarzen Flecken, übrige Unterseite weiß, Unterschwanzdecken rostbräunlich angeflogen. Unterflügeldecken und Achselfedern gelb. Schnabel orangegelb mit schwarzer Spitze, Iris braun, Füße graulich fleischfarben, ♀ oben nicht so schwarz, da dаs Schwarz nur einen subterminalen Fleck аn jeder Feder einnimmt, außerdem die Kopfseiten und ein Superciliarstreif hell aschbräunlich, Halsseiten und Fleck quer über den Hinterhals hell aschgrau, weil die Federn dort ganz bräunlich, beziehungsweise hellgrau sind. — Im ersten Federkleide dem 9 ähnlich, аber mehr olivenbräunlich, der Hinterhalsfleck sehr markiert, Bürzel und Unterkörper mit Gelbbraun überzogen. (5ad: Flügel 91—95. Schwanz 77—79, Schnabel etwa 13, Lauf 20 22 mm.
Brutvogel im Norden der Alten Welt, in den subarktischen Nadel- und Birkenwäldern, von Norwegen bis Kamtschatka. Zugvogel, der im Winter Europa und Nord-Asien überzieht. Er zieht in Menge nach Deutschland und England, vereinzelt bis nach Nord-Afrika, häufig noch in Nord-Italien, in Asien bis Turkestan und sogar bis N.W.-Indien, im Osten bis nach China, und Japan.

Kräftig, nicht so scheu wie Buchfinken, auf dem Zuge in großen Flügen, auch die Nester gern nahe beieinander. Lockton ein gezogenes lautes Quäken, auch ein kurzes jäck, jäck, sowie ein kreischendes Schrüik. Gesang kreischend, klirrend, аn dаs „Dichten“ der Buchfinken erinnernd. Nahrung allerlei, besonders ölhaltige Sämereien, Bucheckern, daher sie in Buchenwäldern in guten Nußjahren massenhaft auftreten. Im Sommer verzehren sie viele Insekten. Das Nest steht meist in einer Astgabel nahe am Stamm auf Birken, Tannen, Kiefern, Wachholder, in Bäumen oder Büschen, ist loser und umfangreicher, sonst аber wie dаs des Buchfinken. Die 5—7 Eier sind ganz wie die gewöhnlichen bräunlichgrünlichen Buchfinkeneier, blaue Varietäten, die den Dompfaffeiern ähneln, scheinen аber nicht vorzukommen. 56 Eier der Rey’schen Sammlung messen 16.8 x 13.8, 17.3 x 13.5, 19.3 x 14.6 bis 21.5 x 14.5 und 19.8 x 15.5 mm. Das Durchschnittsgewicht ist 0.127 gr. Bergfinken waren früher eine beliebte Speise, sie sind die „Bohämmer“ der Elsässer.

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Brehm

Der nächste in Deutschland vorkommende Verwandte unsers Buchfinken ist der Bergfink, Wald-, Baum-, Laub-, Buch-, Tannen-, Mist-, Kot-, Winter-, Rot-, Gold-, Quätschfink, Quäker, Wäckert, Kegler, Zetscher, Zerling, Böhammer und Böhmer, Fringilla montifringilla L. (Abb., S. 384). Seine Länge beträgt 16, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 7—8 cm. Kopf, Nacken und Mantel, Wangen und obere Halsseiten sind tiefschwarz, bläulich glänzend, der Unterrücken in der Mitte rein weiß, аn den Seiten schwarz, Kehle und Brust gelblich überflogen, Zügel, Kinn und Bauchseiten gelblichweiß, letztere schwarz gefleckt, die Unterschwanzdecken rostgelb, die Schwingen braunschwarz, außen, die vordersten ausgenommen, schmal gelbweiß gesäumt und аn der Wurzel mit einem weißen Fleck ausgestattet, die Schulterfedern gelblich-rostfarben, die kleinen Flügeldeckfedern etwas lichter, die mittleren schwarz, am Ende gelblichweiß, die großen schwarz mit langen, scharf abstechenden gelbroten Endkanten und Spitzen, die Schwanzfedern in der Endhälfte weiß, gelblich umsäumt, innen mit weißen Keilflecken. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel licht blauschwarz, im Herbste wachsgelb, аn der Spitze schwärzlich, der Fuß rotbraun. Beim Weibchen sind Kopf und Nacken grünlichgrau, die Oberteile olivengraubraun, die Unterteile hellgrau. Nach der Mauser sind die lebhaften Farben durch gelbbraune Federränder verdeckt, die sich im Frühjahr größtenteils verlieren.
Das Verbreitungsgebiet des Bergfinken erstreckt sich über den höheren Norden der Alten Welt, vom 59. Breitengrade аn nach den Polen zu, soweit der Baumwuchs reicht, östlich bis Kamtschatka. Von hier aus durchstreift und durchzieht der Vogel im Winter ganz Europa bis Spanien und Griechenland, vereinzelt sogar bis Nordafrika, sowie Asien bis zum Himalaja, Japan und China. Auf seinem Zuge kommt er sehr häufig zu uns, аber doch nicht mehr in solchen Mengen, wie zu Zorns Zeiten (1742), wo sie „die Luft gleichsam verdunkelten und ein Getöse machten, als wenn es donnerte“. Er rottet sich bereits im August in Scharen zusammen, treibt sich in den nächsten Monaten in den südlichen Gegenden seiner Heimatsländer umher und wandert nun allmählich weiter nach dem Süden hinab. Bei uns erscheint er Ende September und im Oktober; in Spanien trifft er wenige Tage später ein, jedoch nicht in derselben Häufigkeit und Regelmäßigkeit wie bei uns. Gebirge und zusammenhängende Waldungen bestimmen die Richtung seiner Reise, falls diese nicht durch Scharen anderer Finken, mit denen sich unsere Art gern vermischt, einigermaßen abgelenkt wird. In Deutschland begegnet mаn den Bergfinken, regelmäßig mit Buchfinken, Hänflingen, Ammern, Feldsperlingen und Grünlingen vereinigt, in Wäldern und auf Feldern. Eine Baumgruppe oder ein einzelner hoher Baum im Felde wird zum Sammelplätze, der nächstgelegens. Wald zur Nachtherberge dieser Scharen. Von hier aus durchstreifen sie, Nahrung suchend, die Felder. Hoher Schneefall, der ihnen ihre Futterplätze verdeckt, treibt sie aus einer Gegend in die andere. Ihr Strich ist unregelmäßig, durch zufällige Umstände bedingt.
Der Bergfink hat mit seinem edlen Verwandten viel Ähnlichkeit. Auch er ist als einzelner Vogel zänkisch, jähzornig, bissig und futterneidisch, so gesellig er im übrigen zu sein scheint. Die Scharen teilen gemeinsam Freud und Leid, die einzelnen unter ihnen liegen sich ohne Unterlaß in den Jedem. Hinsichtlich seiner Bewegung ähnelt der Bergfink dem Buchfinken sehr; im Gesang steht er tief unter ihm. Sein Lockton ist ein kurz ausgestoßenes „Jäckjäck“ oder ein langgezogenes „Quäk“, dem zuweilen noch ein kreischendes „Schrüig“ angehängt wird, der Gesang ein erbärmliches Gezirpe ohne Wohlklang, Regel und Ordnung, eigentlich nichts weiter als eine willkürliche Zusammenfügung der verschiedenen Laute. Wie alle nordländischen Wandervögel, zeigt sich der Bergfink anfangs vertrauensselig und dreist, wird аber doch durch Verfolgung bald gewitzigt und oft sehr scheu.
In der Heimat bewohnt er Nadelwaldungen, zumal solche, die mit Birken untermischt sind, oder Birkenwaldungen selbst, tritt аber keineswegs ebenso häufig auf wie unsere Buchfinken unter gleichen Umständen, sondern vereinzelt sich oft so, daß mаn lange nach ihm suchen muß. Jedes Paar grenzt sein Bmtgebiet ab; die Männchen kommen аber auch während der Brutzeit noch zeitweilig zusammen, um friedlich miteinander zu verkehren. In einzelnen Waldungen habe ich diese Vögel außerordentlich vertrauensvoll, in anderen auffallend scheu gefunden. Im übrigen gleicht ihr ganzes Betragen dem, dаs wir im Winter zu beobachten gewohnt sind. Besonders anziehend er cheinen sie auch in der Zeit ihrer Liebe nicht. Das Nest ähnelt dem unsers Buchfinken, ist аber stets dickwandige rund außen nicht bloß mit Moosen, sondern sehr häusig auch mit Birkenschalen, innen mit feiner Wolle und Federn ausgekleidet, durch letztere, die am obern Rande eingebaut zu sein pflegen, zuweilen halb verdeckt. Die 5—7 Eier, die einen Längsdurchmesser von 20 und einen Querdurchmesser von 15 nun haben, unterscheiden sich durch etwas intensivere Grundfärbung von denen des Verwandten; solche mit hellblauer Grundfarbe kommen indes nicht vor.
Ölhaltige Sämereien verschiedener Pflanzen, im Sommer außerdem Insekten, bilden die Nahrung auch dieses Finken.
Man jagt den Bergfinken bei uns hauptsächlich seines wohlschmeckenden, wenn auch etwas bittern Fleisches halber und fängt ihn namentlich auf den Finkenherden oft in großer Menge. Bei seiner Unerfahrenheit werden ihm Vogelfallen aller Art leicht verderblich. Eine eigenartige Jagdweise schildert Gräßner und erklärt zugleich, warum die Bewohner von Bergzabern in der ganzen Pfalz als „Böhämmer“ bekannt sind. Die Bergzaberner stellen dem Böhämmer, wie volkstümlich auch der Bergfink bezeichnet wird, zu gewissen Zeiten eifrig nach, wenn nämlich in den herrlichen, dаs Städtchen umrahmenden Buchenwäldern eine gute Buchelernte die nordischen Gäste in Masse herbeilockt. „Ein solcher Fall“, schreibt Gräßner, „findet durchschnittlich in 2—5 Jahren einmal statt und gestaltet sich dann seit undenklichen Zeiten für die Bewohner dieses Städtchens zu einem Ereignis. Sobald mаn nach Eintritt des winterlichen Wetters ihre Ankunft vermuten darf, durchstreifen eifrige und kundige Späher die Wälder nach allen Richtungen, und kehren sie mit dem Jubelruf in die Stadt zurück: ,Sie sind da!‘, so weiß jedermann, daß die Vorposten unserer Finken angelangt sind; die ganze Stadt gerät in Aufregung; es wird von nichts weiterem mehr gesprochen als von diesem Wilde, und der, dem es die Verhältnisse gestatten, rüstet sich zur Jagd. Diese ist für alle Teilnehmenden völlig gefahrlos; denn als Schußwaffe bedient mаn sich etwa 3 ra langer Blaserohre, aus denen Lehmkugeln, die im Kugeleisen gehörig abgerundet und geglättet sind, geschleudert oder vielmehr gepustet werden.“