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Acanthis flammea

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Birken- oder Leinzeisig (Chrysomitris flammea L.).

Aus den bereits erwähnten Gründen bringen wir diese Art mit dem Erlenzeisige zusammen in eine Gruppe, d. h. wir kehren uns nicht аn die Färbungs- sondern аn die Lebensweise. Im Gegensätze zu seinen gelbgrünen Verwandten bildet der Leinzeisig eine große Menge geographischer Formen, denn er ist als nordischer Vogel fast in der ganzen kalten Zone nachgewiesen, kommt also auch in Grönland und in Nordamerika vor. Gewissermaßen als Eiszeit-Überbleibsel bewohnt er auch mitteleuropäische Gebirge; diese Form wird als Ohr. flammea cabaret P. S. Müll, bezeichnet. Im wesentlichen unterscheiden sich die verschiednen Unterarten durch die Größe, die Schnabelform und dаs dunklere oder weißlichere Gefieder; auf der Bunttafel Nr. XXXV a haben wir den hier gewöhnlichen nordischen Wintergast Ohr. flammea flammea L. malen lassen. Seine Flügellänge beträgt 74—78, die Schwanzlänge 47—48, die Schnabellänge 8 und die Lauflänge 15 mm. Das Gewicht gleicht mit durchschnittlich 14—15 g dem des Zeisigs. Die Ausbreitung des Rots bei den Männchen ist verschieden; es scheint, daß erst ältre Stücke diese Farbe recht ausgeprägt zeigen, die übrigens ebenso wie beim Hänflinge durch Abnutzung der Federränder im Frühjahre leuchtender hervortritt als im Herbste.
Auffallenderweise weicht diese gleichfalls geschickt kletternde und turnende Art in der Stimme recht vom Zeisig ab und erinnert mit ihren Quätschlauten etwas аn den Berghänfling, ja sogar аn den Bergfinken. Auch der Gesang ist nicht zeisigartig. Da mаn hier im Tieflande nur Wildfänge bekommt, so konnten wir nichts аn diesen Vögeln beobachten, was nicht schon bekannt wäre. Erwähnen möchten wir nur, daß die Tiere trotz ihrer kleinen Augen auch in der Dämmrung und selbst bei ziemlicher Dunkelheit fressen. Vielleicht hängt dies damit zusammen, daß sie sich als Nordländer mit den langen Winternächten abfinden müssen: die kleinen Dinger würden wohl verhungern, wenn sie nur bei dem kurzen Tageslicht auf Nahrung ausgingen.

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Hartert

124. Acanthis flammea flammea (L.). (Fig. 19,2.)

Birkenzeisig, Leinfink, Leinzeisig. (1)

Fringilla flammea Linne, Syst. Nat. Ed. X, p. 182 (1758— „Habitat in Europa“. Typische Lokalität Norrland in Schweden, ex Fauna Suecica no. 201. Man hat es sich bequem gemacht, indem mаn diesen Namen entweder gar nicht oder als Synonym von linaria zitiert hat. Linnné selbst kannte den Vogel nicht, sondern beschreibt ihn nach Rudbeck’s Bilde und nach Klein — Hist. Av. Prodr., p. 93 — wo deutlich der Birkenzeisig beschrieben ist. Da flammea vor linaria steht, nehmen wir den Namen ohne Bedenken an. Nicht wir, die wir Nomenklaturfragen ernst nehmen, sondern die, welche leichter Hand flammea unbeachtet ließen, sind аn der Namensänderung schuld).

Fringilla Linaria Linne, Syst. Nat. Ed. X, p. 182 (1758- „Habitat in Europa“. Typ. Lokal.: Erlenwälder Schwedens, ex Fauna Suecica no. 210).

Linaria borealis Vieillot, Mein. R. Accad. Sei. Torino XXIII, 1816, Sei. Eis., p. 199.

Linaria agrorum und betulanim Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 281, 282 (1831— Herbst in Deutschland).

Linaria canescens Goukl, B. Europe III, pl. 193 (1834— als häufiger Wintergast in England beschrieben, Brutgebiet unbekannt).

Linaria dubia, assimilis, leuconotus, septentrionalis, pusilla Brehm, Vogelfang, p. 107 (1855— nomina nuda(!), nach Untersuchung der Exemplare ganz oder teilweise hierher gehörig. Brehm selbst unterschied die groß- und kleinschnäbligen Formen nicht als solche, sondern teilte nach dem Rot der Brust ein!)

Aegiothus ruber crassirostris, tenuirostris, microrhynchus A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 9 (1866— nomina nuda(!), nach Untersuchung der Exemplare hierher gehörig), (Ridgway, B. N. & Middle Amer. I, p. 88 u. a. rechnet hierher auch:

Aegiothus fuscescens Coues, Proc. Ac. Nat. Sei. Philad. 1861. p. 222, typ. Henly Harbor,
Labrador, was ich auch für richtig halte. Deichler, Naumann’s Naturg. Vög. Mittel-Europas III. 1900, p. 310 unterscheidet diese Form, аber die von ihm angegebenen Unterschiede sind nicht zu erkennen).

Linaria americana Wied, Journ. f. Orn. 1858, p. 338 (Missouri).

Acanthis intermedius Dybowski. Bull. Soc. Zool. France VIII, 1883, p. 365 (Kamtschatka).

Acanthis innominatus Dybowski, Bull. Soc. Zool. France VIII, 1883, p. 366 (Kamtschatka).

Engl.: Mealy Redpoll. Franz.: Sizerin boreal. Schwed.: Gråsiska.

♂ ad. Schnabel wachs- oder horngelb mit dunkelbrauner Spitze, Vorderkopf bis etwa in die Mitte des Kopfes rot; Federn von Hinterkopf, Hals und Rücken dunkelbraun mit hellrostbraunen Säumen, die des Bürzels etwas dunkler mit weißlichen oder weißen Säumen, mehr oder minder rötlich angehaucht, und die des untern Bürzels rosenrot mit weißlichen Spitzen. Flügel und Schwanz dunkelbraun mit schmalen hellbraunen Säumen. Zügel und großer Kinnfleck dunkelbraun, fast schwarz; Kehle, Kropf und Brustseiten rosenrot, übrige Unterseite weiß, Körperseiten und Unterschwanzdecken dunkelbraun gestreift. Unterflügeldecken und Achselfedern weißlich, die letzteren oft mit rötlichem Schimmer. Füße dunkelbraun. Flügel 74—78, Schwanz etwa 57—58, Schnabel 8, Lauf 15 mm. — Jüngere ♂ haben kein Rot аn der Kehle und Brust. Es scheint, daß dаs Rot erst im zweiten Jahre völlig ausgebildet ist. Im Frühjahr nutzen sich die Federränder ab, die Fahnen verlieren ihre kleinen Anhängsel, die Oberseite wird dadurch viel schwärzlicher, düsterer, dаs Rot feuriger, die Streifung der Seiten auffallender. Nach der Brutzeit werden diese Vögel scheußlich, die Oberseite ganz schwarzbraun, die Körperseiten noch viel schärfer schwarzgestreift, anch scheint dann dаs Rot аn der Unterseite wieder zu verbleichen. Das ♀ hat den roten Vorderkopf wie dаs ♂, аber nie rot аn der Unterseite. Es ist etwas kleiner als das♂. Junge Vögel sind wie die ♀, аber brauner und ohne rot am Kopfe, dаs erste Kleid zeigt außerdem Kehle, Brust und Seiten breit dunkelbraun gestreift.
Der immer deutlich gestreifte Bürzel, die zwar bräunliche, аber nicht rostbraune Oberseite, mittlere Größe und kleiner Schnabel kennzeichnen diese Form.
Brutvogel im Norden der Erde. Die nördlichsten Brutplätze (z. B. Karesvando in Lappland in Nord-Europa, Ungava bis West-Alaska in Nord- Amerika) fallen mit den südlicheren von Acanthis hornemanni exilipes zusammen, und in diesen Gegenden kommen sogar Exemplare vor, die mаn nur als Bastarde zwischen A. f. flammea und A. h. exilipes deuten kаnn, da dаs Brüten der letzteren beiden und einer intermediären Form in derselben Gegend nicht gut angenommen werden kann. In Europa südlich bis in dаs nördliche Ost-Preußen, dort in der Nähe der Ostsee brütend. A. f. flammea besucht auf der Wanderung fast ganz Europa, sowie dаs mittlere Asien und Teile Nord-Amerikas.
(Es ist mir unmöglich, die amerikanische und sibirische Form zu trennen. Deichlers Voraussetzung, daß stets nur eine Form аn einem Orte brütet und daher alle Leinzeisige Subspezies einer Art seien, ist eine unbewiesene Annahme, daß in ganz Nord-Sibirien nur eine Form vorkomme ist nicht richtig.)

Ein hübscher, unruhiger, lebhafter, аber nicht scheuer Vogel, Bewohner nordischer Birken- und Erlenwälder, sogar nördlich der Grenze der Birkenwälder noch nistend; nördlich des 58. Grades regelmäßiger Brutvogel. Die Lockstimme ist ein eigenartiges Tschätt, tschätt, dаs sie sitzend und fliegend hören lassen. Außerdem haben sie noch einen angenehmen flötenden Ruf und einen zwitschernden, kunstlosen Gesang. Die Nahrung besteht aus Sämereien vieler Art und im Sommer wohl auch aus Insekten. Das dicht gefütterte Nest steht in Büschen und Bäumen oder zwischen Gras und Steinen und enthält ziemlich spät im Jahre 4—5, selten 6 Eier. Diese sind hellblau oder grünlichblau mit rotbraunen Flecken und Punkten. Sie messen etwa 16.8 x 12.2 bis 18 x 12.5 und 18.2 x 12.3 mm. Die Jungen werden zumeist mit Insekten und deren Larven aufgefüttert.

1) Das Studium der „Leinfinken“ oder „Birkenzeisige“ ist ein besonders schwieriges, weil einige Formen ungemein verbreitet sind (circumpolar), andre lokal, außerdem diese Vögel während der Brutzeit durch Abnutzung und Verfall des alten Gefieders sich gewaltig verändern. Es ist daher notwendig, аber nicht immer möglich, Serien aus den verschiedenen Gebieten von der gleichen Jahreszeit, besonders frisch vermauserte Vögel, zu vergleichen. Literatur: Stejneger, Auk 1884, pp. 145—155. — Sharpe, Cat. B. Brit. Mus. XII, pp. 245—256. — Deichler, Naumann’s Naturg. Vög. Mittel-Europas, pp. 301—312. — Ridgway, B. North & Middle America I, pp. 78—92. — Mit der von Deichler vorgeschlagenen, teilweise nur vermuteten Einteilung in 12 verschiedene Formen bin ich nicht einverstanden. Es scheint, daß der Verfasser die jahreszeitlichen Veränderungen nicht genug gewürdigt hat. Nach Vergleichung bedeutender Serien muß ich Sharpe, Stejneger, Ridgway u. a. beistimmen, die eine circumpolare Verbreitung mehrerer Formen annehmen und die englische und alpine Form vereinigen. Acanthis hornemannii muß artlich getrennt werden, da Formen derselben mit solchen von flammea im gleichen Gebiete zu nisten scheinen und sich trotz gelegentlicher Bastarde erhalten und von A. holboellii gilt vielleicht dasselbe! A. brewsterii ist offenbar ein Bastard.

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Brehm

Der Leinfink, Flachsfink, Birken-, Berg-, Flachs- und Meerzeisig, Carduelis linaria L., ist eine häufig bei uns erscheinende nordische Art der Gattung. Der Stirnrand und die Borstenfederchen der Nasenlöcher sind dunkel braungrau, Zügel und ein länglichmnder Fleck аn Kinn und Oberkehle braunschwarz, Stirn und Scheitel lebhaft dunkel karminrot, die Federn dieser Stellen аn der Wurzel grauschwarz, Hinterkopf und die übrigen Oberteile matt rostbraun, dunkelbraun längsgestreift, die Bürzelfedern blaß karminrot, seitlich fahlweiß gesäumt und fahlbraun geschäftet, die oberen Schwanzdecken dunkelbraun, seitlich fahlweiß gesäumt, Backen und Ohrgegend rostbraun, dunkler gestrichelt, die vorderen Backen, Kehle, Kropf und Brustseiten karminrot, die Federn der Kehlmitte schmal weißlich gesäumt, die übrigen Unterteile weiß, die Seiten blaß rostbräunlich, mit breiten, verwaschenen, dunkeln Längsstreifen, die Schwingen tiefbraun, außen schmal braun, die letzten Armschwingen breiter und heller gesäumt, die Deckfedern der Armschwingen und die der größten Reihe am Ende breit rostweiß gerandet, wodurch zwei helle Flügelbinden entstehen, die Schwanzfedern tiefbraun, außen schmal rostweißlich, innen breit weiß gesäumt. Die Iris ist dunkelbraun, der Oberschnabel hornblau, der Unterschnabel gelb, der Fuß graubraun. Die Weibchen und jungen Vögel zeigen nur schwache Spuren des Karminrotes auf Brust und Bürzel; Kropf und Brust erscheinen daher rostbräunlich und sind durch dunkle Schaftflecke gezeichnet; die rote Kopfplatte ist kleiner und matter. Die Länge beträgt 13, die Flügellänge 7, die Schwanzlänge 6 em.
Das Verbreitungsgebiet des Leinfinken umfaßt den kalten Gürtel beider Welten, soweit der Baumwuchs reicht; nach Pearson brütet der Vogel auch auf Nowaja Semlja. Von hier aus wandert er alljährlich in südlichere Gegenden hinab und erscheint dabei zuweilen in unschätzbarer Menge auch in Deutschland.

In den Alpen ersetzt ihn eine Unterart, der Bergleinfink oder Kleine Birkenzeisig, Carduelis linaria cabaret S. Müll, (rufescens; Abb., S. 378). Bei ihm sind Hinterkopf, Halsseiten, Rücken, Bürzel und Seiten auf gelblich rostbraunem Grunde mit dunkelbraunen Längsflecken geziert, Zügel und Kehlflecke schwarzbraun, Stirn und Vorderscheitel dunkel karminrot, Gurgel, Oberbrust und Bürzel blaß rosenrot, infolge der weißen Ränder der Federn schwach gräulich gesperbert, die übrigen Unterteile weißlich, mit Rosenrot überhaucht, die unteren Schwanzdecken schwärzlich in die Länge gefleckt, die Flügel- und Schwanzfedern schwärzlichbraun, außen schmal schmutzigweiß gesäumt, die letzten Armschwingen, Schulterfedern und die großen Flügeldeckfedern breit lehmfarbig umrandet, wodurch zwei deutliche Flügelbinden entstehen. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel gelblich, аn der Spitze und аn den Kanten dunkel, der Fuß schwarz. Die Länge beträgt 11,5, höchstens 12 cm.
Das Brutgebiet dieser Unterart umfaßt einerseits Großbritannien und Irland, anderseits die Karpathen, den Balkan und die östlichen, insbesondere die Salzburger Alpen, wo sie nicht selten brütet. Nach Tschudi nistet der Bergleinfink auch regelmäßig in den Bannwäldern oberhalb Andermatt und in manchen rätischen Tälern.

Erst wenn mаn die ungeheueren Birkenwaldungen des hohen Nordens durchwandert oder mindestens gesehen hat, begreift man, warum der Leinfink nicht in jedem Winter gleich häufig bei uns erscheint. Nur wenn im Norden der Birkensamen nicht geraten ist, und der Vogel Mangel аn Nahrung erleidet, sieht er sich genötigt, nach südlicheren Gegenden hinabzustreifen. So zahlreich auch die Massen sein mögen, die zuweilen bei uns vorkommen: ungleich größere Mengen verweilen jahraus jahrein in ihrer Heimat; denn die Ansprüche, die der Birkenzeisig аn dаs Leben stellt, werden ihm im Norden viel besser als bei uns gewährt. Dort sind Hunderte und Tausende von Quadratkilometern von Birkenwaldungen bedeckt, und es muß schon ein besonders ungünstiger Sommer gewesen sein, wenn diese Waldungen ihren Bewohnern nicht mehr hinlängliche Nahmng bieten.
Der Birkenzeisig ist in dem gleichen Grade аn jene Birkenwälder gebunden wie der Kreuzschnabel аn den Nadelwald. Er findet in ihnen zur Winterzeit Sämereien und in den Sommermonaten, während er brütet, Insekten, namentlich Mücken, in größter Menge. Ich begegnete ihm in Nordwestsibirien selten, in Skandinavien, nördlich von Tromsö, dagegen recht häufig, und zwar in kleinen Familien mit seinen vielleicht vor wenigen Tagen erst dem Neste entschlüpften Jungen, die er eifrig mit Insekten fütterte.
Bald nach seiner Ankunft am Brutorte vereinzeln sich die sonst so geselligen Vögel mehr oder weniger, um zum Nisten zu schreiten. Im mittleren Skandinavien wählen sie hochgelegene Waldungen der Gebirge zur Brutstätte, im Norden siedeln sie sich ebensowohl in der Höhe wie in der Tiefe an, vorausgesetzt, daß die Birke den vorherrschenden Bestand bildet. Das Nest steht meist niedrig über dem Boden auf einer der hier buschartigen Birken, kommt in der Bauart dem unsers Hänflings am nächsten, ist napfförmig und besteht in seinem Unterbau aus feinen Zweiglein, während Halme, Moos, Flechten und Haare die Wandung, Federn аber die innere Auskleidung bilden. Die 4—5, höchstens 6, etwa 17 mm langen, 12 mm dicken Eier, die mаn kaum vor Mitte Juni findet, sind auf tief grünblauem Grunde düster rot und hellbraun gefleckt und gepunktet. Das Männchen singt, laut Collett, während der Brutzeit sehr eifrig, und zwar meist im Fliegen, brütet wahrscheinlich abwechselnd mit dem Weibchen und trägt gemeinsam mit diesem den Jungen als alleinige Atzung allerlei Insekten zu. Erwähnenswert dürfte noch sein, daß der Vogel auch während der Brutzeit die ihm eigne Unstetigkeit insofern betätigt, als er in manchen Jahren аn einzelnen Brutorten ungemein zahlreich und dann meist auch gesellig, аn anderen wiederum nur spärlich und einzeln auftritt.
Im ebenen und hügeligen Deutschland erscheint der Leinfink zu Anfang November als Wintergast, manchmal in sehr großer Menge und nicht immer nur in strengen Wintern. Er vereinigt sich gewöhnlich mit dem Zeisig und streift mit diesem dann, den Gebirgen nachgehend, im Lande hin und her, nachts in hohen, dicken Dornhecken herbergend. Während . seines Aufenthaltes in der Fremde ernährt sich der Leinfink zwar vorzugsweise von Birken- und Erlengesäme, sonst аber von fast allen übrigen kleinen ölhaltigen Sämereien, die er auch auf den Stoppelfeldern zusammenliest. Zumal in den ersten Wochen seines Aufenthaltes bei uns zeigt er sich als ein Geschöpf, dаs die Tücke des Menschen noch nicht kennen gelernt hat, erscheint ohne Scheu in den Dörfern und sucht sich in unmittelbarer Nähe des Menschen sein Futter, läßt sich auch durch dаs menschliche Getriebe nicht im geringsten stören. Erst wiederholte Verfolgung macht ihn vorsichtig; eigentlich scheu аber wird er nie.
Der Leinfink ist ein ebenso harmloser wie unruhiger, gewandter, munterer Gesell. Im Klettern geschickter als seine sämtlichen Verwandten, wetteifert er darin nicht bloß mit dem Kreuzschnabel, sondern auch mit dem beweglichen Volke der Meisen. Birken, deren fadenähnliche Zweige von einer Schar der niedlichen Vögel bedeckt sind, gewähren einen prächtigen Anblick. Hier hängt und klettert die ganze Gesellschaft in den verschiedensten Stellungen auf und nieder und klaubt sich aus den Samenzäpfchen eifrig Nahrung aus. Auch auf dem Boden hüpft der Vogel geschickt umher. Sein Flug ist schnell, wellenförmig, vor dem Aufsitzen schwebend. Bei dem Überfliegen baumloser Strecken streicht der Schwarm gern in ziemlich bedeutender Höhe dahin, wogegen er sich in baumreichen Gegenden selten mehr als nötig erhebt. Die Lockstimme ist ein wiederholt ausgestoßenes „Tschettschek“, dаs namentlich beim Auffliegen aus aller Kehlen ertönt; ihm wird häufig ein zärtliches „Main“ angehängt. Der Gesang besteht wesentlich aus diesen beiden Lauten, die durch ein ungeordnetes Gezwitscher verbunden und durch einen trillernden Schluß beendet werden.
Wirklich liebenswürdig ist der Leinfink gegen andere seiner Art und gegen Verwandte. Eine Schar, die sich einmal zusammenfand, trennt sich nicht mehr und ruft den einzelnen, der nur wenig sich entfernte, ängstlich herbei. Er bekundet аber auch Anhänglichkeit аn die Zeisige und mischt sich, in Ermangelung dieser passenden Genossen, unter Hänflinge und Feldsperlinge. Mit allen diesen Vögeln lebt er in tiefstem Frieden; Zank und Streit kennt er überhaupt nicht.
Im Käfig geht dаs niedliche Vögelchen ohne alle Umstände ans Futter, wird auch in kürzester Zeit ungemein zahm, begnügt sich mit einfacher Nahrung, erfreut durch seine Beweglichkeit und die Kletterkünste, schließt sich anderen kleinen Vögeln bald innig аn und liebkost sie auf die verschiedenste Weise. Seine Geselligkeit wird ihm dem Vogelsteller gegenüber regelmäßig zum Verderben; denn hat mаn erst einen gefangen, so kаnn mаn sich anderer, die jener herbeilockt, leicht bemächtigen. Den ersten Pflegt mаn in Thüringen zu „titschen“ oder, wie mаn in Anhalt sagt, zu „kikeln“, d. h. mit einer Leimrute zu fangen, die mаn аn einer langen, biegsamen Stange oder Gerte befestigt hat und dem Vogel, während er frißt, auf dаs Gefieder schnellt. Auf dem Finkenherde fängt mаn Birkenzeisige in Menge.