in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas
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Heinroth
Der Zaunammer (Emberiza cirlus L.).
Diese Art ist in den Mittelmeerländern zu Hause und geht durch Frankreich nordwärts bis ins südliche England, in Deutschland kommt sie im Rhein-, Mosel- und Saartale vor. Sie liebt buschreiches, hügliges Gelände und gilt als Standvogel. Als wir in Dalmatien den Gesang zum ersten Male hörten, wußten wir gleich, daß diese Töne nur von E. cirlus herrühren konnten: mаn braucht sich dаs „Girl“ nur recht gedehnt und klirrend vorzustellen, dann hat mаn den richtigen Begriff von der Zaunammerstrophe. Ein abschließender Endton fehlt.
In der Größe steht der Zaun- dem Goldammer etwas nach, Hartert gibt folgende Maße an: Flügel 79,6—83,6, Schwanz 70—75, Schnabel etwa 11,3, Lauf etwa 17,5 mm, wir stellten dаs Gewicht des Männchens mit durchschnittlich 25 g fest.
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Hartert
281. Emberiza cirlus L.
Zaunammer, Zirlammer.
Emberiza Cirlus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, I, p. 311 (1766— ex Brissou etc. — ,,Hab. in Europa australi“).
Emberiza Elaeathorax Bechstein, Orn. Taschenb. I, p. 135 (1803— „in den mittleren JElheingegenden, in Hessen und Thüringen“).
Engl.: Cirl-Bunting. Franz.: Bruant zizi. Ital.: Zigolo nero.
♂ ad. Oberkopf und Hinterhals grünlich olivengrau mit schwarzen, am Hinterhalse spärlicheren und fast verschwindenden Schaftstreifen. Rücken und Schulterfedern kastanienrotbraun mit länglichen schwarzen Flecken аn den Spitzen der Federn und bräunlich aschgrauen Säumen. Bürzel bräunlich olivengrau mit dunkelbraunen Streifen, Oberschwanzdecken mehr braun, ebenfalls mit dunklen Mittelstreifen und etwas helleren Säumen. Schwingen schwarzbraun mit schmalen, schmutziggelblichen, Armschwingen mit bräunlicheren, аn den innersten viel breiteren, rotbräunlicheren Außensäumen, Innensäume weißlich. Steuerfedern schwarzbraun mit gelblich grau en Säumen, äußerstes Paar mit großem weißen Keilfleck аn der Innen- und weißem Saum аn der Außenfahne, dаs nächste nur mit kleinerem weißen Keilfleck аn der Innenfahne. Superciliarstreif, Streif unter dem Auge bis in die Mitte der Ohrgegend, ein manchmal damit verbundener Fleck hinter derselben großer, bis аn die Halsseiten ausgedehnter Fleck in der Mitte der Kehle, Brustmitte und Unterkörper gelb. Ohrdecken größtenteils schwärzlich. Obere Kehle schwarz. Breites Band über die Kropfgegend und kleine Flügeldecken grünlicholivengrau. Brustseiten kastanienrotbraun mit bräunlichweißgrauen Federrändern. Körperseiten hellbraun mit schwärzlichen Schaftstreifen. Unterschwanzdecken hellgelb, die langem mit dunkelbraunen Mittelstreifen. Im Herbstkleide ist dаs Schwarz der Kehle durch grauliche Federspitzen verdeckt, die ganze Oberseite matter, mehr verwaschen, im Frühling durch Abnutzung lebhafter. Flügel 79.6—83.6, Schwanz 70—75, Lauf etwa 17.5, Schnabel etwa 11.3 mm. q .Kopf wie der Rücken, hellbraun mit breiten, schwarzbraunen Streifen, der Hinterhals matter. Ohrdecken dunkel aschbraun, hinter und über denselben ein mattgelber Fleck, über dem Auge ein meist nur im abgetragenen Kleide auffallender gelber Superciliarstreif. Kehle mattgelb, meist feiu, manchmal gröber schwarz gestrichelt und von schwarzen Streifen begrenzt. Kropf und Vorderbrust bräunlich, schwarzbraun gestreift, Unterkörper gelb, аber nur in der Mitte ungestreift, Seiten bräunlich, breit dunkelbraun gestreift.
Bewohner der Mittelmeerländer, durch Griechenland und die Türkei bis zur Krim, Kleinasien, selten bis zum Kaukasus; in Österreich-Ungarn, von vereinzelten Fällen abgesehen, nur im ungarisch-kroatischen Bittorale; durch Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, auf den Inseln des Mittelmeeres und in N.W-Afrika (Algier und Nord-Marokko). Durch Frankreich erstreckt sie sich nordwärts (wie mehrere andre südlichere Vogelformen) bis England, wo sie die südlicheren Grafschaften bewohnt: dаs Themse-Tal und ihre Zuflüsse bis Gloucestershire und die Kreidehügel in Hertfordshire, Bucking- hamshire und Bedfordshire, in Wales (nach Jourdain) in Cardigan und nördlich bis Denbigh. In Deutschland nur vereinzelt im S.W. (Rhein-, Mosel- und Saartal).
Bewohner buschreichen Geländes, namentlich im Hügellande, wo sie auch steinige, spärlich mit Wachholder bestandene Hänge liebt, in Algier bis hoch in die Berge, аber auch аn Flußufern, Hecken, in Gärten und Feldhölzern. Meist Standvogel, so auch in England, soll аber аn seinen sonstigen nördlicheren Wohnorten (S.W.-Deutschland) Zugvogel sein. In der ganzen Lebensweise ein echter Ammer. Lockton ein feines zib, zib oder zi, zi, Gesang dem des Goldammer ähnlich, jedoch ganz ohne die Endstrophe, leiser und mehr klirrend, mehr wie aus r und 1 zusammengesetzt. Nest niedrig in Büschen, meist fast am Boden, einem Goldammerneste ähnlich. Zwei Bruten, in England früh im Mai und Juli Eier. Die 4—5 Eier sind charakteristisch; in Sammlungen: schmutzig grauweißlich, frisch: schwach grünlich oder graubläulich, sehr selten rötlichweiß, mit fast schwarzen und braunen Punkten, Klecksen und feinen, oft labyrinthisch verschlungenen Haarzügen oder Wurmlinien überzogen. 25 Eier der Rothschildschen Sammlung messen 19×15.1 (abnorm klein), 20.3 x 16.4, 20.4 x 15.9, 20.8 x 16.1, 21 x 16.8, 21.5 x 16.4, 21.6 x 17, 21.7 x 16.6. 21.7 x 17.4, 22.2 x 16.4, 22.5 x 16.4, 22.2 x 16.6, 22.4 x 16.8 bis 23.1 x 16.4 mm. Gewicht nach Rey 166 mg.
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Brehm
Beliebter ist die Goldammer, Emberiza citrinella L. (Taf. „Ammern“, 4 u. 5, bei S. 356). Deren Länge beträgt 17 cm, die Flügellänge 8,5, die Schwanzlänge 7 cm. Kopf, Hals und Unterteile sind schön hochgelb, die Stirn, ein von ihr aus über den Augen bis zum Nacken, ein zweiter vom Hintern Augenrande bis auf die Schläfe verlaufender Längsstreifen und der Hinterhals olivengraugrün, spärlich dunkel längsgestrichelt, Kropf und Kropfseiten zimtrotbraun, Bürzel und Oberschwanzdecken etwas dunkler, Mantel und Schultern fahl rostbraun, die unteren Körperseiten mit dunkelbraunen, zimtbraun gesäumten, die oberen mit breiten schwarzen Schaftstrichen gezeichnet, die Schwingen schwarzbraun, die der Hand mit schmalen blaßgelben, die Armschwingen und deren Decken mit breiten fahl rostbraunen Außen-, die größten Oberflügeldecken auch mit rostbraunen Endsäumen geziert, die eine Querbinde bilden, die Schwanzfedern schwarzbraun, außen schmal heller gesäumt, die beiden äußersten innen mit breitem weißem Endfleck ausgestattet. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel dunkelblau, аn den Schneiden heller, der Fuß rötlichgelb. Bei dem Weibchen sind alle Farben matter, Scheitelflecke, Augenbrauen, Kinn und Kehle deutlich gelb, Kropf und Brust matt rostbräunlich gefärbt.
Nord- und Mitteleuropa, von etwa 70° nördl. Br. bis Nordspanien und Norditalien, ostwärts bis Nordrußland sind die Heimat der Goldammer. In Deutschland fehlt sie keinem Gau, steigt auch im Gebirge bis gegen die Waldgrenze auf und darf da, wo zwischen Feldern, Wiesen und Obstpflanzungen niedrige Gebüsche sichen, mit Sicherheit erwartet werden. Weiter östlich, bis zum Altai und Jenissei, gelegentlich in Turkestan, Persien und Kleinasien, westlich bis Ostpreußen lebt die Unterart E. citrinella erythrogenys Brehm.
Die Fichtenammer, Emberiza leucocephala Gm., sieht ungefähr aus wie eine Goldammer mit braunrotem Zügel, Backenstreifen und braunroter Kehle (wie solche nicht selten gefunden werden), deren Gelb durch Weiß ersetzt ist, und wurde von Kleinschmidt sogar als eine mit jener zusammengehörende Unterart aufgefaßt. Sie brütet in Sibirien vom Ural bis zur Amurmündung, ist аber vereinzelt in Mittel- und Südeuropa, so auch auf Helgoland gefunden worden.
Im Süden gesellt sich zur Goldammer oder vertritt sie die Zaunammer, Hecken-, Zirb-, Zirl-, Pfeif- und Frühlingsammer, Zaun- und Waldemmerling, Moosbürz, Zizi usw., Emberiza cirlus L. (Abb., S. 360). Deren Heimat sind die Mttelmeer- länder bis Kleinasien, seltener bis zum Kaukasus, ferner Frankreich und Südengland; in Deutschland kommt sie nur vereinzelt im Rhein-, Mosel- und Saartal vor. Ihre Länge beträgt 16,5, die Flügellänge 8, die Schwanzlänge 7 cm. Der auf dem Scheitel schwarz gestrichelte Kopf, der Hinterhals, die Halsseiten und ein breites Querband über den Kropf find graugrün, Augenbrauen und ein Streifen unter dem Auge, die durch ein schwarzes Zügelband getrennt werden, sowie ein breites, halbmondförmiges Schild zwischen Kehle und Kropf gelb, Kinn, Oberkehle und ein von letzterer ausgehender, bis hinter die Ohrgegend reichender Streifen schwarz, die Unterteile hellgelb, seitlich zimtrot, Bauch und Schenkelseiten mit dunkeln Schaftstrichen geziert, Mantel und Schultern zimtrot, die Federn am Ende grau gesäumt und dunkel geschäftet, Bürzel und Oberschwanzdecken grünbräunlich, die Schwingen dunkelbraun, außen schmal fahl gesäumt, Armschwingendecken und hintere Armschwingen außen breit zimtbraun gesäumt, die Oberflügeldecken grünbraun, die größten am Ende rostfahl gerandet, wodurch eine Querbinde entsteht, die Schwanzfedern dunkelbraun, außen fahl gesäumt, jeder- seits die beiden äußeren mit breitem weißen Längsfleck geziert, der auf der äußersten Feder fast die ganze Außenfahne mit bedeckt. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel oberseits schwarz, unterseits licht bräunlich, der Fuß licht rötlich. Dem Weibchen fehlen dаs Schwarz der Kehle und die beiden gelben Streifen am Kopfe; die Federn der Unterteile sind gelblich, dunkel geschäftet; der zimtrote Fleck аn der Brustseite ist blässer.
Während des ganzen Sommers trifft mаn unsere allbekannte Goldammer paarweise oder ihre Jungen in kleinen Gesellschaften an. Die Alten gehen mit Eintritt des Frühlings аn ihr Brutgeschäft. Oft findet mаn schon im März dаs Nest, dаs aus groben, halb verrotteten Pflanzenstengeln, Grashalmen und dürrem Laube erbaut, innen аber mit Grashalmen und Pferdehaaren ausgelegt ist, in niederem Gesträuch, meist am Boden, manchmal аber auch bis zu 2, ausnahmsweise 3 in hoch zwischen Stämmen oder im dichten Gezweige steht und spätestens Anfang April dаs erste Gelege enthält. Dessen 4—5 äußerst variable Eier, die durchschnittlich 21 nun lang, 16 nun dick, feinschalig, auf trübweißem, bläulichweißem oder rötlichem Grunde mit dunkleren Flecken und Haarlinien gezeichnet und bekritzelt sind (Eiertafel V, 40), werden von beiden Eltern wechselseitig bebrütet, wie Männchen und Weibchen sich auch der Sorge um die Brut gemeinschaftlich widmen. Das Paar brütet zwei-, nicht selten dreimal. Solange die Brutzeit währt, ist dаs Männchen sehr munter, singt vom frühesten Morgen bis zum späten Abend sein einfaches, langweiliges, aus 5—6 fast gleichen Tönen und dem um eine Oktave höheren, etwas gezogenen Schlußlaute bestehendes Liedchen, dаs sich dаs Volk in die Worte übersetzt hat: „S’is, s’is noch viel zu früh“ oder „Wie, wie hab‘ ich dich lieb“. Der Sänger sitzt beim Singen auf der freien Spitze eines Astes, einer Stange oder eines Pfahls und läßt den Menschen sehr nahe аn sich herankommen, sich und sein Treiben daher leicht beobachten.
Nach der Brutzeit sammelt sich alt und jung zu Scharen, die bald sehr zahlreich werden, und schweift nun zunächst in einem ziemlich kleinen Gebiete umher, vereinigt sich wohl auch mit Lerchen und Finken, selbst mit Wacholderdrosseln. Nach Snell besuchen die Goldammern im Herbst die Krautfelder wegen der Raupen des Kohlweißlings, die sie sehr gern sressen. In strengen Wintern wird unser Vogel gezwungen, sich seine Nahrung von den Menschen zu erbetteln, und kommt massenhaft, oft als gern gesehener oder wenigstens geduldeter Gast in dаs Gehöft des Landmanns herein, kehrt аber im nächsten Frühjahre auf seinen Standort zurück. Hier und da wird die Goldammer auf besonderen Herden gefangen; doch hat sie in dem Raubzeuge ungleich gefährlichere Feinde als in dem Menschen.