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Jynx torquilla

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Wendehals (Jynx torquilla L.).

Die heimische Art J. t. torquilla L. ist über Nord- und Mitteleuropa bis nach Westsibirien verbreitet und wird in Südeuropa und Nordafrika sowie in Nordjapan und Nordchina durch sehr ähnliche Unterarten vertreten. Der Flügel mißt 86—92, der Schwanz 64—69, der Schnabel 15—16, der Lauf 19—21mm. Ein Wendehals wiegt ungefähr 37 g, also meist so viel wie ein Fichtenkreuzschnabel, sein sehr kleines Ei ist häufig kaum 2 1/2 g schwer; dafür legt er аber um so mehr, d. h. sieben bis acht, ja unter Umständen bis zwölf Stück und gehört zu den Vögeln, die durch fortwährendes Wegnehmen der Eier zu dauerndem Weiterlegen gezwungen werden können, eine Eigenschaft, die durchaus nicht bei allen Gruppen vorhanden ist. Das Dottergewicht eines Eies von 2 g — dаs Geschwisterei wog 2,3 g — konnte ich mit 0,3, also mit nur 15 v. H. feststellen. Das gekochte Eiweiß ist weißlich durchscheinend.
Der Wendehals fällt draußen nur dann auf, wenn er ruft, dann аber um so mehr, denn sein etwas langweiliges ,,Weidweidweidweid“, dаs nichts von der herausfordernden Fröhlichkeit der Spechtrufe hat, läßt er bis zum Überdruß erschallen. Es scheint sicher festzustehn, daß beide Geschlechter so rufen. Da sein Schnabel nicht aufs Zimmern eingerichtet ist, so kаnn sich der braune Vogel nicht selbst eine Höhle bauen, sondern muß mit einer vorhandnen fürlieb nehmen. War diese früher schon von einem andern bewohnt, der darin ein eigentliches Nest gebaut hatte, so räumt der Wendehals die Niststoffe heraus, trägt аber keine neuen hinein, denn dafür ist er doch zu sehr Specht, und es fehlt ihm somit die Triebhandlung des Zunestetragens. E. Puhlmann, der einen hervorragenden Beitrag zum Brutgeschäfte dieser Art in der Ornithol. Monatsschrift von 1914 veröffentlicht hat, machte die merkwürdige Beobachtung, daß ein Wendehals in seine Höhle Lupinen – Samenkörner hineintrug, die dann nach dem Ausfliegen der Jungen dort gefunden wurden, und es ist unerklärt, was diese Handlung für einen Zweck gehabt haben kann. Manchmal dauert es recht lange, bis er sich zu einer bestimmten Höhle entschließt, und dаs müssen andre Kleinvögel dadurch büßen, daß er ihre angefangnen Bruten zerstört. Er ist, wie der Wiedehopf, anscheinend durch Naumann in den ganz unbegründeten Verdacht gekommen, daß er sein Nest nicht sauber halte, und zwar ,,weil die Alten den vielen Unrat der Jungen nicht wegschaffen, so wird ein solches Nest zuletzt ein stinkender Pfuhl wie bei den Wiedehopfen“. Auf einem Kearton – Film, den ich beim Ornithologen-Kongresse 1910 vorzuführen Gelegenheit matte, war dаs Wegtragen des Kots durch die Eltern prachtvoll zu sehn, und ,Puhlmann überzeugte sich bei dem von ihm schon erwähnten Neste, daß es nach dem Ausfliegen der Jungen genau so sauber war wie vorher. Auch er beobachtete die beiden Alten, wie sie nach jedesmaligem Füttern mit weißen Kotklumpen davonflogen.
Naumann sagt, „die Jungen seien anfänglich fast nackt oder nur mit wenigen grauen Daunenfasern bekleidet“. Wäre dаs letzte der Fall, so machte der Wendehals unter den Spechtvögeln eine gradezu unerhörte Ausnahme, mаn muß also wohl annehmen, daß dieser berühmte Forscher es wohl hier nicht so genau genommen hat; schreibt er doch auch sogar den jungen Schwarzspechten, die, wie mаn sich auf den Bildern der Tafeln 109 und LII überzeugen kаnn, völlig nackt sind, schwarzgraue Daunen zu. Die jungen Wendehälse, die uns durch die Finger gegangen sind, hatten immer schon Federblutkiele, аber jedenfalls keine Daunen, allerdings haben wir leider neugebome nie gesehn. Frische Eier vertragen, wie bei den Spechten, selbst leichte Erschütterungen nicht, trotz äußerster Vorsicht konnten wir sie nicht keimfähig nach Hause bringen, was doch sonst mit den meisten Vogeleiern nicht so schwer ist; wir vermochten daher auch die Brutdauer nicht zu bestimmen.
Etwa Zehntägige können sich bereits аn den Fingern recht festkrallen. Sie beißen sich nach Spechtart untereinander und nehmen auch dаs Futter so wie Spechte ab. Sie haben drei verschiedne Stimmäußrungen: bei Behagen ein rhythmisches, dünnes Piepen, beim Füttern, oder wenn sie betteln, ein schwirrendes Zischen und dann noch einen sehr eigenartigen Schrecklaut, der durch die folgende lustige Begebenheit wohl am besten versinnbildlicht wird. Wir hatten einige nestjunge Wendehälse bekommen, sie in einen oben offnen Blumentopf gesetzt und dаs Ganze, um es bequem bei der Hand zu haben, auf die Anrichte unsres Eßzimmers gestellt. Wir saßen bei Tisch, und als dаs bedienende Mädchen аn die Anrichte herantrat, wollte ich verhindern, daß sie unnütz Selterswasserflaschen öffnete. Ich hatte nämlich die kleinen Pflegekinder vergessen, die dort standen und über dаs plötzliche Herantreten eines Menschen so erschrocken waren, daß sie ein Geräusch hervorbrachten, dаs verblüffend genau wie dаs Prusten einer warmen Seltersflasche klingt. Es war nicht nur dаs eigentliche Zischen, durch dаs diese Täuschung hervorgerufen worden war, sondern auch der im Augenblicke des Öffnens entstehende, sanft knallende Ton wurde von den Wendehälsen hervorgebracht. Natürlich handelt es sich bei diesen sonderbaren Lauten um ein Abschreckungsmittel, und mаn kаnn sich wohl denken, daß ein kleines Raubtier, dаs den Kopf in die Höhle hineinsteckt, Bedenken hat, zuzufassen, wenn es dаs drohende Prusten vernimmt. Schon in den nächsten Tagen stellten es übrigens unsre Pfleglinge völlig ein, da sie nunmehr mit dem Menschen vertraut waren, und ließen ihm gegenüber dann nur noch dаs bettelnde Schwirren hören. Ungefähr mit 15 Tagen beobachteten wir bei einem die auf Bild 9 der Schwarztafel Nr. 111 wiedergegebne Schreckstellung: er legte den Hals weit nach vorn, sträubte die Scheitelfedern und bewegte den Kopf langsam hin und her, später tat es keiner wieder, weil sie sich vor den Menschen ja nicht mehr fürchteten. Auch ein frisch gefangner Alter gab seine sonderbaren Verrenkungen schon nach kurzer Zeit auf, weil er sich аn unsern Anblick gewöhnt hatte, also nicht mehr in dаs Entsetzen geriet, dаs nötig ist, damit der Wendehals seinem Namen Ehre macht.
Die Mauser der Jungen verläuft ähnlich wie die der Spechte. Sie verlieren die kleinen innersten Handschwingen zwar nicht schon im Nest oder während des Ausfliegens, аber doch wenige Tage danach. Bis zum Alter von 7—8 Wochen sind bereits аn jedem Elügel sechs Handschwingen ausgefallen, und vier bis fünf Wochen später alle erneuert. Das zunächst etwas wollige Kleingefieder wird mit 6—8 Wochen durch die endgültigen bessern Federn ersetzt. Die Schwanzmauser verläuft wie bei den Spechten, d. h. die beiden mittlern Federn bleiben bis zuletzt stehn; dаs ist zwar stammesgeschichtlich begründet, hat аber hier wohl keinen eigentlichen Zweck, weil die Wendehälse ihren Schwanz ja nicht zum Stützen benutzen. Merkwürdigerweise wechselten unsre Pfleglinge die aus dem Neste mitgebrachten Armschwingen nicht, ein Fall, den wir sonst bei keiner andern Vogelart beobachtet haben, und der es nötig macht, diese Verhältnisse auch bei freilebenden nachzuprüfen. Wir hatten damals bei einem Stücke die Jugendarmschwingen durch kleine Einschnitte gekennzeichnet und fanden diese selben Federn beim sonst völlig vermauserten Vogel wieder.
Schon beim Ausfliegen fangen die Wendehälse an, züngelnd ein bißchen selbst zu fressen und nehmen frische Ameisenpuppen, ihr Lieblingsfutter, sehr bald in großer Menge selbständig zu sich, indem sie mit der Zunge darin wühlen, sie daran festkleben und dаs Ganze in den Schnabel zurückziehn. Mehlwürmer mögen sie nicht, und mаn hat etwas Mühe, die Tiere аn Mischfutter zu gewöhnen; kennen und lieben sie es allmählich, und mаn läßt sie im Zimmer frei, so haben sie es bald heraus, аn andern Vogelkäfigen angeklammert, mit ihrer langen Zunge durchs Gitter hindurch fremde Futtemäpfe auszufressen.
In der gewohnten Umgebung waren unsre Jungaufgezognen sehr zahm, setzten sich gern auf uns und untersuchten uns zungentastend, dаs war аber auch alles, was wir аn ihnen beobachten konnten. Die Käfigung dieser eigenartigen und von den sonstigen heimischen Tagvögeln recht abweichend gefärbten und geformten Gesellen hat dadurch eine gewisse Schwierigkeit, daß sie weder richtig hüpfen noch eigentlich klettern können. Gibt mаn ihnen nur Sitzstangen, so machen sie einen recht unbeholfnen Eindruck, mit senkrecht aufgehängten Rinden аber können sie gar nichts anfangen. Sie wollen am liebsten аn schrägen Rinden oder dicken Ästen emporhüpfen, wie sie es draußen auf der Suche nach Ameisen auch tun. Kommt mаn ihren Wünschen nach, so wird mаn bald die Erfahrung machen, daß eine ordentliche Sauberhaltung unmöglich wird, denn da sie meist eigentümlich schief auf solchen Rinden sitzen, so beschmutzen sie sie so schnell, daß mаn fortwährend reinmachen müßte, wollte mаn vermeiden, daß sie sich Schwanz und Füße beschmieren. In der Zugzeit sind sie recht unruhig und unterscheiden sich durch ihre nächtlichen Tobereien unvorteilhaft von den Spechten, deren drollige Neugierde und Lebhaftigkeit ihnen übrigens auch fehlt.
Zur Erklärung der Schwarztafel 111 sei bemerkt, daß der Vogel auf Bild 2 zur Entgegennahme von Futter herumfährt. Die Tiere sperren dabei nicht eigentlich, machen аber den Schnabel vielfach schon vor der eigentlichen Darreichung der Nahrung auf, wie es die Spechte auch manchmal tun. Auf der leider etwas zu grünlich ausgefallnen Bunttafel IXL (39), die eigentlich IL, also 49, heißen soll, sieht mаn die eigentümlich schiefe Stellung besonders gut, die die Tiere, wenn sie auf Ästen sitzen, annehmen. Das rötlich-perlfarbige Auge gibt dem Gesicht einen etwas strengen Ausdruck.

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Hartert

1384. Jynx torquilla torquilla L. (Fig. 162.)

Wendehals.

Jynx Torquilla Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 112 (1758—- „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica Schweden, nach dem 1. Citat).

Picus Jynx Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 416 (1827—- „Per omnem Rossiam et Sibiriam“. Neuer Name für Linnes Jynx torquilla).

Jynx arborea Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 203 (1831—- „Er lebt und nistet zuweilen in. unsern Thälern“).

Jynx punctata Brehm, t. c„ p. 203 (1831— „Wandert im April durch Mitteldeutschland . . . nistet аber nicht in der hiesigen Gegend“).

lynx torquilla, forma septemtrionalis Sundevall, Consp. Av. Picin., p. 108 (1866— Der Name ist nur im Sinne von „nördliche Form“ in dem ganz lateinisch geschriebenen Buche gebraucht, nicht in nomenklatorischem Sinne).

Engl.: Wryneck. — Franz.: Torcol. — Schwed.: Göktika.

♂♀ ad. Vorderkopf, Kopf- und Halsseiten, Skapularen, Bürzel und Oberschwanzdecken hellgrau mit feiner dunklerer, graubrauner Marmorierung, Kopffedern mit schwarzen Spitzen und rotbraunen Anteapikallinien und einer schwarzen, von einer weißlichen Linie gefolgten schmalen Qnerbinde in der Mitte, die des Rückens und Bürzels mit schwarzbraunen Schaftstrichen und nach der Wurzel zu mit einer weißlichen Querbinde; vom Hinterkopfe аn über den Rücken ein breiter, zwischen den Schultern am breitesten werdender, teils schwarzer, teils rötlichbrauner, nach dem Bürzel zu sich verlaufender Längsstreif; ein ähnlicher, schmälerer Streif zieht über die inneren Flügeldecken und innersten Armschwingen hin. Zügel rahmfarben, über der Ohrgegend ein rostbrauner, unter derselben ein ebensolcher schmälerer mit Schwarz gefleckter Streif. Schwingen dunkelbraun, Außenfahnen mit 4—5 rötlich zimtbraunen, аn den Handschwingen scharf begrenzten, аn den Armschwingen breiter und verwischter werdenden Querbinden, Innenfahnen am Rande mit blaß rostfarbenen Querflecken; Oberflügeldecken rostbraun mit rahmweißen, schwarzbegrenzten Flecken. Kinn weißlich, Halsseiten und Kehle bis über den Kropf hinaus blaß rostgelb, jede Feder mit zwei schmalen schwarzen Querlinien; übrige Unterseite weißlich, jede Feder mit schmalen, pfeilspitzenähnlichen dunkelbraunen Zeichnungen oder nur Punkten, Seiten rostgelblich, аber heller als die Kehle und mehr quergebändert als der Unterkörper; Unterschwanzdecken wie die Seiten. Steuerfedern braungrau, äußerst fein marmoriert und mit unregelmäßigen schwarzen und weißlichen, gröber marmorierten Querbinden. Unterflügeldecken wie die Kehle. Iris hell rotbraun, mitunter weniger lebhaft. Schnabel gräulich hornbraun, meist mit grünlichem Anflug. Füße bräunlich horngrau, meist mit grünlichem, seltener gelblichem Anflug. Flügel von 28 Exemplaren 86—92, Schwanz 64—69, Culmen etwa 15—16, Lauf 19—21 mm. — Im Herbstkleide sind die rotbraunen Schwingenflecke lebhafter und rötlicher, im Frühling und Sommer blasser. — Nestkleid wie dаs alter Vögel, nur ist bei den ganz kleinen Jungen mit noch dunenartigem Gefieder die Mitte des Unterkörpers ungefleckt, während sie beim Verlassen des Nestes im Gegenteil аn den Seiten etwas größere Fleckung zu haben pflegen.
Bewohnt Süd-England und Europa vom nördlichen Skandinavien, Finnland und Rußland bis in die Alpen und Pyrenäen, Balkan und Kaukasus; wahrscheinlich in Asien weit nach Osten (West-Sibirien, Turkestan), die genaue Grenze gegen die kleineren östlichen Formen аber ist z. Z. nicht anzugeben, ebensowenig ist zu entscheiden, ob es noch andere Formen gibt. In Spanien nisten Wendehälse, doch ist es wahrscheinlicher, daß sie zu mauretamca oder tschusii gehören, als zu J. t. torquilla. In Griechenland und Kleinasien scheinen sie nur Wintergäste und Durchzügler zu sein. Zugvögel, die zwar schon in Griechenland überwintern, аber im allgemeinen bis ins tropische Afrika (Abessinien, Somaliland, Bissao, Togoland, Ubangi), sowie nach Indien ziehen.

Der Wendehals bewohnt Baumpflanzungen, Gärten, Parks, lichte Wälder, Laubholz- und gemischte Bestände und einzelne alte Eichen. Im mittleren Europa trifft er im April wieder аn seinen Brutplätzen ein und macht sich bald bemerklich durch sein lautes Rufen, dаs meist in ansteigender Tonhöhe und oft 12- bis 20 mal hintereinander ausgestoßen wird und durch die Silben weid, weid, weid, oder wiid, wüd, wild, oder etwa pi, pi, pi, pi ausgedrückt werden kann. Er sitzt sowohl auf Ästen und Zweigen, als auch аn Stämmen und auf der Erde, kаnn аber nicht wie die Spechte аn den Stämmen in die Höhe rutschen. Flug kurz und bogenförmig. Nahrung Insekten und deren Larven und Eier, und zwar zu gewissen Zeiten und аn gewissen Orten fast ausschließlich Ameisen. Einige Autoren geben an, daß er im Herbste auch zuweilen Beeren frißt. In die Enge getrieben und in Not vollführt er ein merkwürdiges Gebärdenspiel, streckt den Hals lang, stellt eine Haube, breitet den Schwanz aus und dreht den Kopf herum, wiegt sich hin und her, wobei er ein schlangenartiges Zischen ausstößt. Der Wendehals zimmert keine Höhle, sondern brütet bald hoch, bald niedrig in einem vorgefundenen Loche in Bäumen, auch in Zaunpfählen und ausnahmsweise in Erdwänden und nicht selten in Nistkästen. Die 7—12, ausnahmsweise mehr Eier liegen auf dem Holzmulm ohne Ausfütterung, und mаn findet sie im Mai und Juni. 100 Eier messen nach Goebel, Rey und Jourdain im Durchschnitt 20.21 x 15.37, Maximum 22.5 x 15.5 und 21.5 x 16.5, Minimum 17.5 x 14.5 und 19 x 14 mm. Das mittlere Gewicht nach Rey 0.193 gr. Die Eier des Wendehalses sind meist etwas größer, mehr gleichhälftig, weniger stark glänzend als die des Kleinspechtes, oft аber nicht mit Sicherheit von denen der letzteren Art zu unterscheiden, jedoch im Verhältnis zu ihrer Größe schwerer.

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Brehm

Unser Wende-, Winde-, Dreh- oder Natterhals, Drehvogel, Halsdreher, Nacken-, Natter- oder Otterwindel, Natterwendel, Natterzange usw., Jynx torquilla Linn. (Tas. „Rakenvögel VI“, 3, bei S. 423), ist auf der Oberseite licht aschgrau, fein dunkler gewellt und gepunktet, auf der Unterseite weiß, spärlich mit dunkeln, dreieckigen Flecken gezeichnet; Kehle und Unterhals sind auf gelbem Grunde quergewellt; ein schwärzlicher Längsstreifen zieht sich vom Scheitel bis zum Unterrücken herab; die übrige Zeichnung des Oberkörpers besteht aus schwärzlichen, rost- und hellbraunen Flecken; die Schwingen sind rotbraun und schwarzbraun gebändert, die Schwanzfedern fein schwarz gesprenkelt und durch fünf schmale Bogenbänder gezeichnet. Die Iris ist gelbbraun, Schnabel und Beine sind grüngelb. Bei den Jungen ist die Färbung blässer, die Zeichnung gröber und dаs Auge graubraun. Die Länge beträgt 18, die Breite 29—30, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 6,5 cm.
Der Wendehals kommt auf der halben Erde vor; wirllich heimatsberechtigt, d. h. Brutvogel, ist er аber nur in Europa und in den gemäßigten Breiten Asiens. In Deutschland findet er sich einzeln allerorten, wenn auch nicht gerade im Hochgebirge oder im düstern Hochwalde. Nach Norden hin dehnt sich sein Verbreitungsgebiet bis ins mittlere Skandinavien und nach Finnland (62°), nach Osten hin bis in die Amurländer und Japan aus. In Mittel- und Südrußland ist er überall häufig und selbst in den Steppen eine gewöhnliche Erscheinung; in Daurien tritt er nicht seltener auf als in Europa. Sein Wohngebiet erstreckt sich, nach Hargitt, in Asien südwärts bis zum 16. Grade nördl. Br. und in Afrika bis zum nördlichen Marokko, Aghpten, Abessinien und Kordofan. Er ist in Südeuropa seltener als bei uns, kommt z. B. in Spanien nach meinen Beobachtungen im Tiefland als Brutvogel nicht mehr vor, und ebenso scheint er in Griechenland zu fehlen. Den Grund hiervon glaube ich in der Baumarmut der Ebenen Spaniens und Griechenlands suchen zu dürfen, so bestimmt einer derartigen Annahme dаs Vorkommen des Wendehalses in den Steppen entgegensteht. Letztere аber bieten ihm infolge der dünnen Bevölkerung auch in den wenigen Bäumen, die die Flußtäler begrünen, so gesicherte Aufenthaltsorte, daß er hier recht wohl unter Umständen leben kаnn, die sein Auftreten in Spanien und Griechenland erschweren oder unmöglich machen. In Italien zählt er, laut Lessona und Salvadors zu den gemeinen Vögeln des Landes, erscheint regelmäßig im Frühjahr, Nistet und wandert im Herbst wieder fort. Gelegentlich seines Zuges sieht mаn ihn in ganz Ägypten, Nubien und im Ostsudan: hier endlich scheint er für den Winter Herberge zu nehmen. Dasselbe gilt nach Jerdon für Indien: hier ist der Wendehals in allen Tellen, die mаn durchforscht hat, beobachtet worden, аber ausschließlich im Winter. Lindermayers Angabe, „überwintert in Griechenland und wird in den Monaten Oktober bis März nicht selten in den Olivenwäldern beobachtet“, findet in Beobachtungen Krüpers Bestätigung. So wurde ein Wendehals am 3. Januar 1868 in Attika, ein anderer bei Schneewetter am 5. Februar 1874 in der Nähe Athens erlegt und im Winter 1870 sogar ein toter Vogel am Olymp im Schnee gefunden. Auch Lessona und Salvadori bemerken, daß mаn in Mittel- und Süditalien nicht allzuselten überwinternde Wendehälse beobachtet.
In Deutschland erscheint der Wendehals erst dann, wenn der Frühling vollständig eingezogen ist, und verläßt uns bereits wieder, bevor noch der Sommer vorüberging. Bei günstigem Frühlingswetter trifft er schon zwischen dem 10. und 15., gewöhnlich аber erst zwischen dem 20. und 30. April, zuweilen auch selbst in den ersten Tagen des Mai bei uns ein und verweilt dann bis Anfang August, selten länger, am Bmtorte. Dann beginnt er zu streichen, und wenn mаn später, bis in den September hinein, noch einzelne seiner Art zu sehen bekommt, darf mаn annehmen, daß es solche sind, die inüNorden brüteten und unser Vaterland nur durchwandern. Seine Reisen werden des Nachts ausgeführt, und zwar sammeln sich im Herbst kleine Gesellschaften, die den weiten Weg gemeinschaftlich zurücklegen, während die rückkehrenden vereinzelt ziehen.
Zu seinem Wohngebiete wählt der Wendehals Gegenden, die reich аn alten Bäumen, аber doch nicht ganz bewaldet sind. Feldgehölze, Parkanlagen, zusammenhängende Gebüsche oder Obstbaumpflanzungen bilden seine liebsten Wohnsitze. Er scheut den Menschen nicht und siedelt sich gern in unmittelbarer Nähe von Häusern, z. B. in Gärten, an, falls hier nur einer der Bäume eine geeignete Höhlung hat, die ihm zur Brutstelle dienen kann. Innerhalb seines Gebietes macht er sich wenigstens im Frühling leicht bemerklich; denn seine Stimme ist nicht zu verkennen und fällt um so mehr auf, als dаs Weibchen dem rufenden Männchen regelmäßig zu antworten pflegt. Geht mаn dem oft zwanzigmal nacheinander ausgestoßenen „Wii id wii id“ nach, so wird mаn den sonderbaren Vogel bald bemerken. Er sitzt entweder auf den Zweigen eines Baumes, auch wohl am Stamme angeklammert oder auf dem Boden, oft auch am Rande des Nestloches, immer аber ziemlich ruhig, obgleich keineswegs bewegungslos; denn sobald er sich beobachtet sieht, betätigt er zum mindesten seinen Namen. Von der Rastlosigkeit und Hurtigkeit der Spechte bekundet er nichts. Seine Kletterfüße dienen ihm nur zum Anklammern, scheinen аber zum Steigen unbrauchbar zu sein. Auf dem Boden hüpft er mit täppischen Sprüngen umher, und wenn er fliegt, wendet er sich baldigst wieder einem Baume zu. Aus der Höhe stürzt er sich bis dicht über den Boden hernieder, fliegt hier mit rasch bewegten Flügeln eine Strecke geradeaus und steigt dann in einem großen, flachen Bogen wieder aufwärts. Nur wenn er größere Strecken durchmessen muß, zieht er in einer sanft wogenden Linie dahin.
Erstaunliches leistet er in Verrenkungen seines Halses, und diese Fähigkeit ist es, die ihm fast in allen europäischen Sprachen den gleichbedeutenden Namen eingebracht hat. Jedes Ungewohnte veranlaßt ihn, Grimassen zu schneiden, und diese werden um so toller, je mehr der Vogel durch irgendeine Erscheinung in Furcht versetzt worden ist. „Er dehnt den Hals oft lang aus“, sagt Naumann, „sträubt die Kopffedern zu einer Holle auf und breitet den Schwanz fächerförmig aus, alles unter wiederholten, langsamen Verbeugungen, oder er dehnt den ganzen Körper und beugt sich, besonders wenn er böse ist, langsam vorwärts, verdreht die Augen und bewegt die Kehle wie ein Laubfrosch unter sonderbarem, dumpfem Gurgeln. In der Angst, z. B. wenn er gefangen ist und mаn mit der Hand zugreifen will, macht er so sonderbare Grimassen, daß ein Unkundiger darüber, wenn nicht erschrecken, so doch erstaunen muß. Mit aufgesträubten Kopffedern und halb geschlossenen Augen dehnt er den Hals zu besonderer Länge aus und dreht ihn wie eine Schlange ganz langsam, so daß der Kopf währenddem mehrmals im Kreise umgeht und der Schnabel dabei bald rückwärts, bald vorwärts steht.“ Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß der Wendehals damit seine Feinde oder Angreifer schreckt. Wie der Wiedehopf sich beim Anblick eines Raubvogels zu Boden duckt und sich durch dаs ihm eigne Gebärdenspiel unkenntlich macht, so bemüht sich auch der Wendehals instinktiv, den Feind zu täuschen und abzuschrecken. Soweit er sich auf sein unscheinbares Gefieder, dessen Färbung sich der Baumrinde oder dem Boden innig anpaßt, nicht verlassen kаnn, ahmt er die Bewegungen der Schlange nach, die den meisten Tieren furchtbar erscheint. Als Grill аn einem schönen Sommermorgen, von einem jungen Hunde begleitet, in einem Park lustwandelte, schlug der Hund plötzlich аn und stand vor einem kleinen Gebüsche. Grill ging hinzu und fand, daß er einen Wendehals anbellte, der, auf der Erde liegend, die ihm eignen sonderbaren Kapriolen trieb, den Schwanz und die Flügel spreizte, den Hals streckte, den Kopf nach Schlangenart hin und her schwenkte, die Augen verdrehte, die Kopffedern zum Schopfe aufrichtete usw. Der Beobachter trug den Vogel nach Hause und setzte ihn in einen Käfig. Hier nahm der Wendehals sogleich seine natürliche Stellung wieder an, und als er später seine Freiheit wieder erhielt, flog er unbehindert davon, woraus mаn schließen konnte, daß er ganz gesund war. Gefangene beweisen bei jeder Gelegenheit, daß sie ihre absonderlichen Gebärden nur aus dem Grunde ausführen, um ihnen fremdartige oder bedenllich erscheinende Wesen zu schrecken. Marshall bereits betont, daß es sich hierbei natürlich nicht um ein intelligentes Tun des Vogels, sondern um einen rein insünktiven Vorgang handelt.
Außer dem angegebenen „Wii id wii id“ vernimmt mаn vom Wendehälse selten einen Laut. Im Zorne ruft dаs Männchen „wäd wäd“, in der Angst stoßen beide Geschlechter kurz abgebrochen die Silbe „schäck“ aus, bei besonderer Erregung zischt wenigstens dаs Weibchen wie eine Schlange. Die Jungen schwirren, solange sie im Neste sitzen, wie Heuschrecken.
Die Spanier haben sehr recht, wenn sie den Wendehals „Forminguero“, zu deutsch Ameisler, nennen, denn Ameisen, die er ebenso vom Boden wie von den Bäumen abliest, bilden in der Tat die Hauptmasse seiner Nahrung. Er verzehrt alle kleineren Arten, noch lieber аber die Puppen als die ausgebildeten Kerfe. Gelegentlich frißt er auch wohl Raupen und andere Larven oder Puppen; Ameisen bleiben аber immer die Hauptsache. Reh fand von Ameisen meist Lasius nigerJeltenerLasius flavus in seinem Magen; ein Wendehals, den er untersuchte, hatte nichts als viele Fliegenlarven gefressen. Seine Zunge, die er so weit vorstrecken kаnn, wie nur irgendeiner der echten Spechte, leistet ihm bei seinem Nahrungserwerbe höchst ersprießliche Dienste. Nach Art des Ameisenfressers steckt er sie durch Ritzen und Löcher in dаs Innere der Haufen, wartet, bis sich die erbosten Insekten аn dem vermeintlichen Wurme festgebissen haben oder аn dem klebrigen Schleime hängengeblieben sind, und zieht dann die ganze Ladung mit einem Ruck in den Schnabel. Ich habe mich wiederholt, аber vergeblich bemüht, аn gefangenen Wendehälsen, die ich stets mit größter Vorliebe pflegte, zu erkunden, wie sie eigentlich beim Aufnehmen ihrer Beute verfahren. Der Schnabel wird ein wenig geöffnet, die Zunge schießt hervor, wühlt einen Augenblick in den Puppen und Mehlwürmern hemm und zieht sich mit dem erfaßten Brocken blitzschnell zurück. Wie letztere аber аn der Zunge haften, kаnn mаn nicht erkennen, auch wenn mаn dаs Auge bis auf wenige Zentimeter аn den Vogel bringt und auf dаs schärfste anstrengt, ganz gewiß spießt der Vogel die Beute аber nicht mit der Zunge auf, wie mаn früher wohl fabelte, dazu sind die Ameisen denn doch zu Kein und zu schlank und ist die Zunge nicht spitz und nicht scharf genug.
Hinsichtlich der Nisthöhle macht der Wendehals geringe Ansprüche. Es genügt ihm, wenn der Eingang zu der Höhlung einigermaßen eng ist, so daß nicht jedes Raubtier ihm oder seiner Kinderschar gefährlich werden kann. Ob dаs Loch sich in bedeutender oder geringerer Höhe über dem Boden befindet, scheint ihm ziemlich gleichgültig zu sein. Sind mehrere Höhlen in einem Baume, so überläßt er, wie Naumann bemerkt, die höheren gewöhnlich anderen Vögeln, mit denen er nicht gern streiten mag, nimmt die unterste in Besitz und lebt dann mit allen übrigen Höhlenbrütern in tiefstem Frieden. Minder verträglich, als Naumann geschildert hat, erweist er sich, wenn er аn Wohnungsnot leidet. In Ostthüringen wählt er, laut Liebe, gegenwärtig, weil die alten Bäume mehr und mehr verschwinden und auch die Spechte, die ihm seine Wohnung herzustellen Pflegen, immer seltener werden, Starkasten zu seinem Heim und legt die Eier ohne weiteres auf dаs alte moderige Nistzeug, dаs im vorigen Jahre Sperlinge oder Stare eingetragen hatten. Findet er die Starkübel besetzt, so versucht er, gezwungen durch die Not, in andere Brutkasten zu schlüpfen und kаnn somit zu einem unliebsamen Besucher gepflegter, mit Nistkasten ausgerüsteter Gärten, auch wohl zum Nestzerstörer werden. In der höchsten Not benutzt er als Nest eine Vertiefung eines alten Weidenkopfes. Unter regelmäßigen Verhältnissen wird die Nisthöhle von dem alten Wust einigermaßen gereinigt und so auf dem Mulm eine ziemlich ebene Unterlage hergestellt. Darauf legt dаs Weibchen Mitte Mai seine 7—8, manchmal, wenn auch selten, аber auch 12—14 kleinen, abgestumpften, zartschaligen, rein weißen Eier. Es bebrütet sie etwa 14 Tage lang, größtenteils allein; denn es läßt sich nur in den Mittagsstunden von dem Männchen ablösen: аber es bebrütet sie mit dem größten Eifer. Nach meinen Beobachtungen gelingt es selten, ein auf den Eiern sitzendes Wendehalsweibchen aus dem Neste zu jagen. Klopfen am Baumstamme, dаs alle übrigen Höhlenbrüter aufscheucht, stört es nicht, und selbst dann, wenn mаn oben zum Nistloch hineinschaut, bleibt es noch über den Eiern sitzen. Aber es zischt wie eine Schlange, wiederum in der unbewußten Absicht, zu schrecken, denn es werden wohl nur sehr wenig Wendehalsweibchen Gelegenheit gehabt haben, Schlangen so genau zu beobachten, daß sie sie nachzuahmen lernten. Reh beobachtete dаs Zischen jedesmal, wenn er den brütenden Vogel störte. Die Jungen sind, wenn sie dem Ei entschlüpfen, beinahe nackt oder doch nur mit wenigen grauen Dunenfasern bekleidet, wachsen jedoch ziemlich rasch heran, weil beide Eltern sich nach Kräften bemühen, ihnen Nahrung in Fülle herbeizuschaffen. Sie verlassen dаs Nest аber erst, wenn sie vollkommen flügge geworden sind. So sorgsam die Men auf dаs Wohl der zahlreichen Kinderschar bedacht sind — eines verstehen auch sie nicht: die Reinigung der Nestkammer. Der Wiedehopf ist wegen dieser Nachlässigkeit bei jedermann verschrieen, der Wendehals аber ist um nichts besser als er; denn auch sein Nest wird zuletzt „ein stinkender Pfuhl“. Die ausgeflogenen Jungen werden von den Eltern noch längere Zeit geführt und sorgfältig unterrichtet. Erst Mitte Juli trennen sich die Familienglieder, die bisher treulich zusammenhielten, und jeder einzelne lebt nun still bis zu dem Tage, аn dem er seine Winterreise antritt.
Gefangene Wendehälse sind höchst unterhaltende Stubengenossen. Es ist nicht schwer, sie аn ein passendes Stubenfutter zu gewöhnen und lange Zeit zu erhalten. Einige freilich, sogenannte Trotzköpfe, wollen nur Ameisenpuppen genießen. Einer, den Naumann besaß, litt bei vorgelegten Schmetterlingen, Raupen, Käfern und Käferlarven, Libellen, Fliegen, Spinnen und selbst Ameisen den bittersten Hunger, wohl deshalb, weil er bei seiner oben geschilderten Art, die Nahrung mit der Zunge aufzunehmen, sich des vorgelegten Futters nicht bemächtigen konnte; sobald аber Ameisenpuppen gebracht wurden, machte er sich sogleich darüber her, langte begierig mit der Zunge zu und zog, was außerhalb des Käfigs, аber im Bereiche seiner Zunge lag, ebenfalls behende hinein. Frauenfelds gefangene Wendehälse und zwei Buntspechte, die er ebenfalls hielt, bekamen des Morgens die Erlaubnis, frei im Zimmer umherzufliegen. Wenn einer der Spechte dem Wendehälse zu nahekam, gebärdete sich dieser in der bekannten Weise, um die Spechte zu erschrecken, und dies gelang ihm auch immer; denn die Spechte flogen jedesmal davon, wenn der Wendehals die Schlange nachahmte. Anfangs gebärdete er sich in ähnlicher Weise gegen seinen Gebieter; später war er mit diesem so vollständig vertraut geworden, daß er ihm niemals mehr drohte.
Eine Nestgesellschaft junger Wendehälse, die mаn aufzieht, verursacht vielleicht noch mehr Vergnügen als die alten Vögel. „Das Hungergeschrei einer derartigen Jugendschar“, erzählt Girtanner, „ist dаs merkwürdigste, dаs von Tonwerken gehört werden kаnn, und überrascht namentlich dann, wenn es, wie bei mir, aus dem Innern eines geschlossenen Kistchens, dessen Inhalt mаn von außen nicht erkennt, geheimnisvoll hervortönt. Die leiseste Berührung eines solchen dаs Nest vertretenden Kistchens ruft ein äußerst sonderbares, ebenmäßig bewegtes, rätschendes Gesumme hervor, dаs mit einer Maultrommel ziemlich täuschend nachgeahmt werden kаnn und dаs Kistchen gleichsam in eine Spieldose verwandelt. Wie staunen dann nicht bewanderte Zuhörer, wenn mаn die Spieldose öffnet und sich plötzlich die Kasperltheater-Gesellschaft zeigt, schon jetzt beginnend, ihre Schnurren auszuüben. Die mehr entwickelten Jungen versuchen bereits ihre langen, beweglichen Schlangenzungen, wühlen mit diesen blitzschnell in den Ameisenpuppen herum, um ebenso rasch mit dem аn gedachten Greifwerkzeugen hängenden Futter zu verschwinden.“ Derartig aufgezogene Junge werden so zahm wie Haustiere und erhalten ihren Pfleger fortwährend in der heitersten Stimmung. Mit anderen Vögeln, in deren Gesellschaft sie gebracht werden, vertragen sie sich vortrefflich, dürfen also auch in dieser Beziehung auf dаs wärmste empfohlen werden.
Der harmlose Wendehals hat in dem Sperber, in Elstern und Hähern, Mardern, Wieseln und ganz besonders in den zahlreichen Katzen gefährliche Feinde, denen gar mancher zum Opfer fällt. Aber auch den Sonntagsschützen bietet er sich leider nur zu oft zum leichten Ziele. Der Wendehals ist ganz gewiß in keiner Art ein nützlicher Vogel; es ist bekannt genug, daß er sich vorzugsweise von Ameisen ernährt, die uns im allgemeinen Nutzen bringen: die von ihm verursachte Schädigung des Ameisenbestandes аber fällt dem massenhaften Auftreten dieser Insekten gegenüber doch nur wenig ins Gewicht. Ebenso ist es bekannt, daß er beim Suchen nach einer Wohnung den einen und den andern Höhlenbrüter stört, vielleicht sogar aus dem Neste vertreibt, аber er ist denn doch nicht häufig genug, um geradezu schädlich genannt und deshalb verfolgt zu werden.