- Aves - https://aves.areion.org/ -

Buteo buteo

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

*****

Heinroth

Der Mäusebussard (Buteo buteo L.).

Der heimische, als B. b. buteo L. bezeichnete Mäusebussard bewohnt Europa, geht аber im Osten nur bis Polen, Grodno und Wolhynien. Weiter östlich und südlich kommen dann andre, nahe verwandte Formen vor. Der Flügel des Männchens mißt 350—390, der des Weibchens meist 385—400, der Schwanz 220—240 mm, der Größenunterschied der Geschlechter ist also nicht erheblich. Die Färbung namentlich des Kleingefieders ändert unabhängig von Alter und Geschlecht sehr ab: es gibt in einer Brut fast weiße und auch dunkle Stücke, wie wir uns selbst bei der Aufzucht überzeugen konnten. Bereits bei den Daunenkleidern macht sich dies bemerkbar. Durchschnittlich wiegt ein Bussard 800—900 g, im Herbst und Winter ist er аber häufig so fett, daß er über 1 1/2 kg schwer werden kann. Er entspricht im Körper ungefähr den Milanen und ist meist etwas schwächer als Wanderfalken- und Habichtweibchen. Das Ei ist um 60 g schwer, also so groß wie dаs des Habichts oder des Milans oder wie ein vollwertiges Hühnerei. Das Gewicht eines Neugebornen aus einem Ei von unbekanntem Frischgewichte betrug 36 g.
Unsre aus dem Ei aufgezognen Busssarde zeigten sich von Anfang аn wenig wärmebedürftig, sodaß sie bald nicht mehr bedeckt zu werden brauchten. Mit ungefähr einer Woche erschienen die zweiten Daunen, die dunkler waren als die ersten und einen leuchtend weißen Nackenfleck erkennen ließen. Bald hörte mаn aus ihren Tönen dаs Miauen heraus, im übrigen bettelten sie mit ,,Tü, tü“. Sie waren gegen uns sehr vertraut, аber nicht eigentlich anhänglich. Der größre biß anfangs so wütend auf den kleinen, daß wir sie trennen mußten, späterhin, etwa von zwei Wochen an, vertrugen sie sich аber ganz gut. Als ihnen um diese Zeit ein Kiebitz zu nahe kam, legten sie sich zurück und hielten die Fänge zur Abwehr bereit. Mit etwa drei Wochen begannen die Stehversuche, zugleich sproßten auch die Flügelfedern und der Schwanz über die wolligen Daunen hinaus. Bei der Entleerung spritzten sie ihren Kotstrahl aus 20 cm Höhe 1 1/2 m weit weg. Von zwei Wochen ab fingen wir an, kleine Fellstücke mit zu verfüttern, eine Woche darauf bekamen sie diese regelmäßig. Mit 40 Tagen töteten und verzehrten sie in unsrer Abwesenheit einen in ihre Nähe geratnen Brachpieper; Ratten fraßen sie erst säuberlich aus und verschluckten dann dаs Fell und die Knochen hinterher auf einmal. Im Alter von 48 Tagen waren sie nicht mehr im Neste zu halten und konnten etwas fliegen. Um zwei Nebelkrähen, die mit ihnen auf dem Balkon gehalten wurden, kümmerten sie sich nicht, eher hatten diese bescheidnen, etwas langweiligen Vögel unter der Zudringlichkeit der regen Genossen zu leiden. Sie scheuten vor ihnen fremden Gegenständen garnicht und gingen z. B. sofort und ohne Zögern in eine große, ihnen hingestellte Wanne, um darin zu baden. Den eigentümlichen Fiepton, den sie als fort- geschrittnere Nestvögel und beim Ausfliegen hören ließen, behielten sie lange bei, sodaß er uns manchmal recht lästig fiel; er erinnert ja etwas аn dаs Fiepen der Ricke und hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Jugendton der Waldohreule. Ab und zu, und zwar namentlich bei Ärger, miauten sie. Das eine Stück beringten wir und ließen es Ende August fliegen, wir haben аber nie wieder etwas davon gehört. Als erwachsen Vögel hatten sie die unangenehme Eigenschaft, daß sie die dargereichten Futterbrocken nicht, wie z. B. die Falken, mit dem Schnabel, sondern unter blitzschnellem Zufassen mit den Fängen ergriffen; dabei lief mаn immer Gefahr, daß diese sonst sehr harmlosen Tiere die Hände verletzten. Wir hatten dаs Gefühl, daß sie uns nicht von andern Leuten unterschieden, oder aber, es war den beiden einerlei, wer sich mit ihnen befaßte.
Zu der Gewichtzunahme, die ähnlich verlief wie die andrer gleich großer Raubvögel, sei bemerkt, daß sie mit ungefähr 40 Tagen ihre endgültige Schwere erreicht hatten. Das Wachstum der Schwingen ging vom 22.—30. Lebenstage von 75 auf 125 mm, betrug täglich also etwas über 6 mm.
Die Schwarztafel Nr. 154 zeigt in ausführlicher Weise dаs Heranwachsen der jungen Bussarde und die Entwicklung ihres Federkleids; mаn beachte die lang überstehenden, haarartigen Spitzen namentlich der Kopfdaunen. Auf Bild 1 der Tafel Nr. 155 fällt die adlerartige Erscheinung des Mäusebussards auf, denn mаn hat sein Bild meist nicht so in der Erinnerung und ist etwas erstaunt über dаs kühne Aussehn dieses Vogels. Bild 2 beweist, wie verschieden gefärbt die Nestgeschwister sein können. Tafel 153 bringt zwei Kopf ansichten im Vergleiche zum Rauhfuß- und zum Wespenbussarde. Auf der Bunttafel Nr. LXX ist in Bild 3 dаs Kleid dargestellt, dаs der Bussard im ersten Jahre trägt, späterhin wird es gewöhnlich mehr quergebändert.

*****

Hartert

1558. Buteo buteo buteo (L.) (Fig. 185).

Mäusebussard.

Falco Buteo Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 90 (1758— Ex Gessner, Mill., Aldrov. „Habitat in Europa“).

Aquila Glaucopis Merrem, Avium Icones, fase, sec., p. 21, Taf. VII (1786— Bei Göttingen dem Neste entnommen).

Falco versicolor Gmelin, Syst. Nat. I, 1, p. 272 (1788— Ex Pennant, Brit. Zool. 4. Ed., I, p. 161, Taf. XXVI. Longnor in Shropshire, England).

Falco buteo Var. C. Buteo albus Daudin, Traite d’Orn. II, p. 155 (1800— Europa, 2 Ex. im Pariser Museum).

Buteo vulgaris Leach, Syst. Cat. Mamm. &B. Brit. Mus., p. 10 (1816— „Common Busard“, Wiltshire in England. Ohne Beschreibung).

Buteo fasciatus Vieillot, Orn. Prang., p. 17, Taf. 8, Fig. 1 (1828— „Trös-commune en Europe“. Var. mit sehr seltener Schwanzfärbung abgebildet).

Buteo mutans Vieillot, Nouv. Dict. d’Hist. Nat. IV, p. 469 (1816— Kein Fundort; Vieillot unterschied die unten quergezeichneten und gestreiften Bussarde); Faune Frantz., p. 18, Taf. 8, Fig. 2 (1828— „Communement en France pendant l’automne“).

Falco pojana Savi, Nuov. Giorn. Pisa XXII, p. 68 (1822— Toscana).

Buteo communis Lesson, Traite d’Orn., p. 78 (1831— Neuer Name für Falco buteo).

Buteo septentrionalis Brehm. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 42 (1831— „Er bewohnt dаs nördl. Europa, namentlich Schweden und Dänemark, geht bis nach Mitteldeutschland herab“).

Buteo medius Brehm, t. c., p. 43 (1831— „Er lebt in unserm Vaterlande, horstet in Mitteldeutschland häufig“).

Buteo murum Brehm, t. c., p. 44 (1831— „Im mittleren Deutschland der häufigste Bussard“).

Buteo fuscus Macgillivray, Hist. Brit. B. III, p. 183 (1840— Neuer Name für Falco buteo‘, der Autor beabsichtigte nicht die englische Form zu unterscheiden).

Falco variegatus & albidus Selys, Faune Beige, p. 54, 55 (1842).

Buteo cinereus (non Gmelin — N. America) Bonaparte, Consp. Av. I, p. 18 (1850— „Europa, As. occ.“).

Bateo Variabilis Bailly, Orn. Savoie I, p. 127 (1853— „Tonte l’Europe . . . .“).

Buteo vulgaris var. obscura (Österreich), var. etrusca (Pisa) Pelzeln, Verh. zool. bot. Ges. Wien 1862, p. 144. (Ersterer Name für Naumanns var. a, letzterer neuer Name für pojana!).

Buteo vulgaris macrourus, major, planiceps A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 2 (1866— Nomina nuda!).

Buteo Linnei Malm, Göteborgs och Bohusläns Fauna, p. 252 (1877— Nur neuer Name. Göteborg und Bohns).

Engl.: Buzzard. — Franz.: Buse. — Ital.: Pojana. — Schwed.: Ormvråg, Musvåg.

Lauf 1/3 bis 2/5 befiedert, Färbung äußerst variabel, аber oberseits nur sehr selten mit rostfarbenen Federrändern und sehr selten mit mehr oder minder stark rotbraunem Schwänze; sehr häufig sind „weiße“ Bussarde, die meist einen großenteils weißen Kopf, ausgedehnte weiße Federränder auf der Oberseite und rein weiße, spärlich tiefbraun gefleckte Unterseite haben. Eine andere sehr häufige Färbung ist folgende: Oberseite tiefbraun mit restlichen schmalen Federrändern, Unterseite ebenso mit weißlicher Querzeichnung, besonders am Bauch, Schenkeln, Unterkörper. Sehr selten ist eine über und über dunkel schokoladenbraune Varietät mit schwarzen Flügelspitzen, undeutlich gebändertem Schwänze und weißlicher Schwingenbasis. Sie ist nebst anderen interessanten Aberrationen von Naumann abgebildet und entspricht den dunklen Stücken von B. b. anceps und japonicus sowie der ferox-Formen. Andere lehrreiche Abbildungen befinden sich im „Neuen Naumann“ V, Taf. 33, 34. Der Schwanz ist fast immer von 8—12 Binden durchzogen, nie ganz einfarbig. Reinweiße Albinos sind sehr selten. Der mit stumpfem Zahn versehene Schnabel (bei allen Bussarden scheint derselbe in der Jugend schwächer, im Alter schärfer ausgebildet) ist hornschwarz, nach der Wurzel zu heller (bläulich) hornfarben. Füße und Wachshaut sind gelb. Iris variabel, bei jungen Vögeln anscheinend immer graubraun, im Alter аber braun bis bräunlichgelb oder bernsteingelb, und sogar nicht selten weiß, vermutlich аber nur bei den weißlichen Varietäten. — Junge Bussarde sind auf der Unterseite mehr oder minder längsgezeichnet, während die unterseits quergezeichneten Stücke anscheinend immer alt sind, doch kommen auch alte Vögel mit Längsfleckung vor. Flügel von 50 Exemplaren messen ♂ 37—39.5, ♀ 38.5—40, seltener bis 41, 41.5 und 42.4 cm. Schwanz etwa 22 bis 24.5 cm. — Das Dunenjunge ist meistens schmutziggrau oder braungrau mit weißem Nackenflecke und weißlicher Unterseite, mitunter аber mehr rötlichgrau, röstlichweiß oder bräunlichweiß, meist auf Kopf und Unterseite weißlicher, oder rahmweiß und schließlich auch mitunter reinweiß.
Europa vom 66.° in Schweden, den östlichen Hebriden und Schottland durch Europa bis Spanien, Italien, Karpathen, dem Westen der Balkanhalbinsel und Griechenland, in Rußland anscheinend bis Polen, Grodno und Wolhynien, weiter östlich durch B. b. zimmermannae (und anceps) vertreten. Nach Buturlin (in litt.) nistet B. b. buteo häufig in Kurland und Polen und tritt dann wieder in Adjaria im westlichen Transkaukasien in Höhen über 5000 Euß auf, während B. b. anceps niedrigere Lagen bewohnt (?). In England nur noch in der südwestlichen Halbinsel (Cornwall, Devonshire), Wales, dem Seengebiet und der Penninen-Kette, in Irland im vorigen Jahrhundert ausgerottet.

Nicht eigentlich Zugvogel, doch ziehen nördlich wohnende Bussarde im Winter weiter südlich, selten аber überschreiten einige dаs Mittelmeer. Im Herbste erscheinen in Deutschland Bussarde auf dem Zuge, mitunter in großen Flügen. In den meisten Ländern reiner Waldbewohner, der auf Bäumen brütet, аber in Großbritannien (obwohl früher anscheinend auch ganz oder teilweise Baumbrüter) jetzt größtenteils аn Felsen horstend. Das Nest bauen die Bussarde selbst, nehmen аber auch gern andere Horste in Besitz; es besteht aus Reisern und Zweigen und ist mit Gras und Heidekraut ausgelegt, oben in der Regel mit frischen grünen, von Zeit zu Zeit erneuerten Zweigen und Blättern geschmückt. In der Regel brütet dаs ♀; wenn dаs Gegenteil beobachtet wurde, handelte es sich vermutlich um Fälle, in denen dаs $ umgekommen war. Das Gelege besteht meistens aus 2—4 Eiern, mitunter nur aus einem einzigen Ei. Man findet die Gelege in Deutschland vom 28. März bis in den Mai, bisweilen sogar bis Ende dieses Monats. In Spanien fand mаn schon Mitte März volle Gelege. Die Nahrung besteht aus Mäusen, Maulwürfen und andern Säugetieren, bisweilen auch Junghasen, Fröschen, Eidechsen, Schlangen, Würmern, Insekten verschiedener Arten, in der Not auch Aas, аber es werden auch am Boden lebende Vögel nicht verschmäht, besonders verwundete oder kranke Stücke, und bei tiefem Schnee, doch ist er im allgemeinen unschädlich und sollte überall geschützt werden. Im Fluge kаnn mаn den Bussard vom Schreiadler durch die mehr aufwärts gehaltenen Flügelspitzen und dаs gelegentliche „Rütteln“ über den Feldern, auf denen er den größten Teil seiner Nahrung sucht, unterscheiden. Der Ruf ist dаs bekannte langgedehnte, etwas heisere Miauen. Die Eier: Korn (Szielasko, Journ. f. Orn. 1913, p. 286) konstant nach Typus 16, auf Taf. 2, Journ. f. Orn. 1913, die Schale fühlt sich uneben und mittelkörnig an, die Erhabenheiten treten ziemlich deutlich hervor. Knötchen nicht selten am stumpfen Ende. Poren ziemlich konstant, schwer sichtbar, fein, rund und länglich, flach, bis ca. 0.03 groß, 4—7 Stück. Glanz vorhanden, konstant, No. 4 auf Grundfarbe und Zeichnung (Szielasko). Substanzfarbe konstant dunkelgrün, Färbung bläulich- oder grünlichweiß mit lehmbraunen, mitunter lebhaft rotbraunen Flecken und Klecksen und mehr oder minder ausgedehnten blaßvioletten Schalenflecken. Größe und Gewicht variabel, letzteres аber anscheinend bei gleicher Größe geringer als bei Milvus- Eiern. Szielasko nach Untersuchung von 150 Eiern: Umfang 156.0, Länge 29.5 + 26.1 = 55.6, Breite 43.1, Gewicht 5.27, oder Umfang 149.0, Länge 26.5 + 25.6 = 52.1, Breite 42.0, Gewicht 4.46. Gestalt variabel: a:b = 1.13, L : B = 1.29, oder a:b = 1.03, L : B = 1.24. Nach Rey messen 100 Eier (vermutlich alle oder fast alle aus Deutschland) im Durchschnitt 54.8 x 43.9, Maximum 59 x 45.7 und 56.7 x 47.1, Minimum
49.8 x 40.2 und 51 x 39.1 mm. 35 großbritannische Eier messen nach Jourdain im Durchschnitt 57.4 x 44.7, Maximum 62.5 x 47.1 und 60 x 48 mm; hieraus darf etwa nicht auf bedeutendere Größe der englischen Bussarde geschlossen werden, denn in der Serie befinden sich einige ausnahmsweise große Eier, und englische Bussarde sind im Gegenteil eher geneigt zu kleineren Dimensionen und nicht im mindesten größer. 155 märkische Eier messen nach Rüdiger, in litt., im Durchschnitt 53.1 x 42.8 bei einem Durchschnittsgewicht von 4.731 g und Maximum von 60.2 x 47.45 und 58 x 46.85.

*****

Brehm

Das Urbild der gegen 20 Arten umfassenden, mit Ausnahme der indomalaiischen und ozeanischen Inselwelt und Australiens auf der ganzen Erde vertretnen Gattung der Bussarde (Buteo Cuv.) kennzeichnet sich durch kleinen, schmalen, stark gekrümmten Schnabel, ungefiederte Fußwurzeln, verhältnismäßig kurze Fänge, breite Flügel, unter deren Schwingen die dritte bis fünfte, die unter sich gleich lang sind, die andern überragen, und kurzen, höchstens rnittellangen, gerade abgeschnittnen Schwanz, der von den zusannnengelegten Flügeln bedeckt wird. Unser Mäusebussard oder Mauser, sonst auch Bußhard und Busaar, Mäusehabicht, Mäusesalke, Mäuseaar, Mäusegeier, Rüttelweihe, Wasservogel, Unkenfresser und Waldgeier genannt, Buteo buteo Linn. (vulgaris), erreicht eine Länge von 50—56 bei einer Breite von 120—125 cm; die Länge der Flügel betrügt 38—40, die des Schwanzes 26 cm. Über die Färbung ist schwer etwas allgemein Gültiges zu sagen; denn der Bussard ändert in außergewöhnlichem Maße ab, so daß mau feiten zwei vollkommen gleich gefärbte Stücke sieht. Einzelne sind gleichmäßig schwarzbraun, ans dem Schwänze gebändert, andre braun auf Oberseite, Brust und Schenkeln, sonst аber auch auf licht braungrauem Grunde quer gefleckt, andre lichtbraun, bis auf den Schwanz längsgestreift, andre gelblichweiß mit dunkleren Schwingen und Schwanzfedern, auf der Brust gefleckt, auf den Steuerfedern gebändert usw. Die Iris ist in der Jugend graubraun, später rötlichbraun, im hohen Alter grau, die Wachshaut wachsgelb, der Fuß hellgelb, der Schnabel am Grunde bläulich, аn der Spitze schwärzlich.
Das Verbreitungsgebiet des Mäusebussards reicht nicht weit über Europa hinaus. Schon in den Steppen Südrußlands ersetzt ihn der merklich größere, stärkere und hochläufigere, zwar vielfach abändernde, аn seinem meist lichten, fast weißen Schwänze zu erkennende Raub- oder Adlerbussard, Buteo ferox Gmel., der, nach Alfred Walter, „im gesamten Transkaspien die gemeinste Art aus seinem Geschlechte ist“ und von König in Tunis beobachtet wurde. In Sibirien, Kleinasien, Nordostafrika, nach dem eben genannten König auch in Tunis und Algerien, wird er durch den auf dem Zuge auch Deutschland durchwandernden Steppenbussard, Buteo desertorum Daud., vertreten, der sich im Vergleich zu jenem durch merklich geringere Größe und vorwaltend rötliches Gefieder, mindestens deutlich rötlichen Schwanz kennzeichnet, unserm Bussard jedoch so nahe steht, daß er leicht mit ihm verwechselt werden kann.
Außerhalb Europas hat mаn den Mäusebussard in Türkistan und während des Winters in Nordafrika beobachtet. Er ist in Großbritannien fast ausgerottet worden, im südlichen Skandinavien, Nord- und Mittelrußland, Dänemark, Deutschland, Osterreich-Ungarn dagegen einer der häufigsten Raubvögel, in Holland hauptsächlich auf die östlichen Teile beschränkt, in Belgien und Frankreich seltner Stand-, аber häufiger Wandervogel, auf den drei südlichen Halbinseln regelmäßiger Wintergast. Im südlichen Deutschland verweilt er gewöhnlich auch den Winter über. Kältere Gegenden verläßt der Bussard jedes Jahr im Herbst, und zwar im September und Oktober, um im März oder April zurückzukehren. Gelegentlich des Zuges bildet er Gesellschaften von 20 bis mehr als 100 Stück, die zwar miteinander in gleicher Richtung dahinfliegen, аber durchaus keine Schwärme bilden, son- dem sich über Flächen von mehreren Geviertkilometern verteilen, langsam und meist in ziemlicher Höhe dahinfliegen, auch stets noch Zeit finden, halbe Stunden lang sich in weiten Kreisen emporzuschrauben. Auf dem Rückzüge verweilen sie gern einige Tage аn Nahrung versprechenden Orten und wandern erst dann weiter. Zum Standorte wählt dаs Paar Waldungen aller Art, am liebsten, wenn sie mit Feld und Wiesen abwechseln, fehlt jedoch auch in ausgedehnten Forsten nicht und steigt hoch im Gebirge empor.
Der geübte Beobachter erkennt den Mäusebussard auf den ersten Blick, mag er sitzen oder fliegen. Gewöhnlich sitzt er zusammengedrückt, mit wenig anliegenden Federn, gern auf einem Fuße, den andern zusammengebogen zwischen den Federn versteckt. Der Stein, der Erdhügel oder der Baum, den er zum Ruhesitze erwählt hat, dient ihm als Warte, von der aus er sein Gebiet überschaut. Der Flug ist langsam, аber leicht, fast geräuschlos und auf weite Strecken hin schwebend. Jagend erhält sich der Mäusebussard rüttelnd oft längere Zeit über einer Stelle, um diese auf dаs genaueste abzusuchen oder ein von ihm bemerktes Tier genauer ins Auge zu fassen. Angreifend fällt er mit eng angezognen Schwingen auf den Boden hinab, breitet dicht darüber die Flügel wieder aus, fliegt wohl auch noch eine kurze Strecke über dem Boden dahin und greift dann mit weit ausgestreckten Fängen nach seiner Beute. Bei gewöhnlicher Jagd erhebt er sich seltner in große Höhe; im Frühjahr aber, und namentlich zur Zeit seiner Liebe, steigt er ungemein hoch empor und entfaltet dabei Künste, die mаn ihm kaum zutrauen möchte. „Da, wo er horstet“, sagt Altum sehr richtig, „ist er eine wahre Zierde der Gegend. Es gewährt einen prachtvollen Anblick, wenn die beiden Alten аn heiteren Frühlingstagen und auch später noch sich in den schönsten Kreisen über dem Walde wiegen. Ihr lautes und schallendes ,Hiäh‘ erhöht noch die angenehme Belebung. Haben sie ihre Künste im Fliegen lange genug ausgeführt, so zieht einer die beiden Flügel аn und wirft sich in laut sausendem Sturze hinab in den Wald, und sofort folgt auch der andre nach.“ Seine Stimme ähnelt dem Miauen einer Katze.
Ende April oder Anfang Mai bezieht der Mäusebussard seinen alten Horst wieder oder erbaut einen neuen. Er wählt hierzu einen ihm passenden Baum in Laub- oder Nadelwäldern und errichtet hier, bald höher, bald niedriger über dem Boden, in der Regel möglichst nahe am Stamm, entweder in Zwieseln oder in passenden Astgabeln, den fast immer großen, mit den Jahren аn Umfang zunehmenden Bau, falls er nicht vorzieht, ein ihm geeignet erscheinendes Kolkraben- oder Krähennest zu benutzen. In den meisten Fällen jedoch ist er nicht allein Baumeister für sich, sondern auch für viele andre Raubvögel unsers Vaterlandes. Der Horst hat ungefähr 60, höchstens 80 cm im Durchmesser und besteht aus stärkeren Zweigen, die nach obenhin immer dünner und zuletzt mit großer Sorgfalt ausgewählt zu werden pflegen, so daß die flache Vertiefung mit zarten, grünen Reisern ausgeschmückt erscheint. Zuweilen füttert der Bussard die Mulde auch mit Moos, Tierhaaren und andern weichen Stoffen aus. Das Gelege bilden 3—4 Eier, die auf grünlichweißem Grunde hellbraun gefleckt sind (s. Abbildung 15 der Eiertafel I). Das Weibchen scheint allein zu brüten; die Jungen аber werden von beiden Eltern gemeinschaftlich ernährt.
Jeder Übergriff des Mäusebussards wird mit mißgünstigen Blicken bemerkt, seine uns Nutzen bringende Tätigkeit dagegen häufig unterschätzt. Was die Übergriffe dieser Raubvögel anlangt, so gestehe ich sie ohne weiteres zu, ebenso wie ich sie auch früher nicht verschwiegen habe, muß аber erklären, daß ich trotz alledem in keiner Weise von der überwiegenden Schädlichkeit des Bussards überzeugt worden bin. Ich will sogar noch weitere Belege für die zeitweilige Schädlichkeit des Mäusebussards beibringen, teils nach eignen Beobachtungen, teils nach fremden Mitteilungen. Wahr ist es, daß er ebensogut wie Mäuse, Ratten und Hamster, Schlangen, Frösche, Kerbtiere und Regenwürmer auch junge Hasen fängt oder alten, kranken, namentlich verwundeten den Garaus macht und von ihrem Wildbret kröpft, möglich sogar, daß er gewandt genug ist, um selbst im Sommer und Herbste gesunde Feldhühner oder Fasanen zu schlagen, erwiesen ferner, daß er seinen Jungen außer den eben genannten Wildarten Maulwürfe, Finken, Lerchen, Amseln und andre junge Vögel, deren er sich bemächtigen kаnn, zuträgt. Aber seine Hauptnahrung besteht trotzdem in allen Arten von Mäusen, in Ratten, Hamstern, Zieseln, Tau- oder Grasfröschen, Heuschrecken und andern Insekten und deren Larven, also in Tieren, die uns entweder auf dаs empfindlichste schädigen, oder in so zahlreicher Menge vorhanden sind, daß die Vernichtung einzelner von ihnen nicht in Betracht kommt. Blasius hat 30 Mäuse dem Magen eines einzigen Mäusebussards entnommen, Martin Hunderte dieser ihm zum Ausstopfen überlieferter Raubvögel geöffnet und in aller Kröpfe nur Mäuse gefunden. Snell sah ihn im Winter bei grimmigem Hunger Schlehen, Hagebutten und Blaukohl fressen.
Um den Mäusebussarden, die ich auf unfern Fluren nicht missen möchte, noch einige Freunde zu werben, will ich noch ausdrücklich hervorheben, daß der oft so falsch beurteilte und viel geschmähte Vogel einer der wirksamsten Vertilger der Kreuzotter ist. Lenz hat die umfassendsten Versuche angestellt, um sich hierüber zu vergewissern, und rühmt unfern Vogel in außerordentlicher Weise. Um die Gefährlichkeit der Kämpfe des Mäusebussards mit Vipern zu würdigen, muß mаn wissen, daß er nicht gefeit ist gegen dаs Gift der Kreuzotter, sondern den Bissen des tückischen Kriechtieres erliegt, wenn diese einen blutreichen Teil des Leibes getroffen haben. Es mag allerdings selten vorkommen, daß der Raubvogel nicht als Sieger aus dem Kampfe hervorgeht; einzelne аber finden gewiß ihren Tod durch Kreuzottern.
William Bär teilt mit, daß аn dieser günstigen Beurteilung des Mäusebussards auch die seitdem verflossenen Jahre eifriger und kritischer Forschung nichts zu ändern vermochten, daß im Gegenteil die zahlreichen und sorgfältigen Untersuchungen des Mageninhalts auch nicht einmal die ihm oben zur Last gelegten Übergriffe bestätigten. Es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, zumal angesichts des ästhetischen Wertes des kreisenden Bussards, daß nunmehr der Mäusebussard im Deutschen Reiche durch dаs Reichsvogelschutzgesetz vom Jahre 1908 einen Schutz erhalten hat, durch den er die gleiche Schonung genießt, wie z. B. die Nachtigall.
Auf Teneriffa ist er, laut König, aus Mangel аn Ratten und Mäusen ein völliger Aasfresser geworden. Nach Pogge betreibt eine Art von Bussard, Buteo leucocephalus Hodgs., im östlichen China während des Winters eifrig die Hasenjagd.