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Falco vespertinus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Merlin (Falco columbarius aesalon Tunst.)

ist gleichfalls schon, und zwar im II. Bande auf S. 116 besprochen worden und auf Tafel Nr. LXXIII im Jugend- und im Alterskleide farbig dargestellt. Auf der Schwarztafel Nr. 20 des vorliegenden Bandes können wir in den Bildern 1 —4 noch einige Aufnahmen hinzufügen, die wir von einem zahmen, jungen, erwachsnen Stücke machten.

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Hartert

1527. Falco vespertinus vespertinus L.

Rotfußfalke, Abendfalk.

Falco vespertinus Linnaeus, Syst.-Nat. Ed. XII, I, p. 129 (1766— „Ingria“, d. h. Provinz St. Petersburg).

Falco rufus Scopoli, Del. Faunae et Flor. Insubr., II p. 36, Taf. XIX (1786— Beschr. eines 1785 im Mailändischen gefangenen 2).

Falco rufipes Besehe, Beytr. Naturg. Vög. Kurlands, p. 20, Taf. 4 (1792— Kurland).

Falco Erythruros Rafinesque, Caratteri alc. nuov. gen. spec. Sicilia, p. 5 (1810— Sizilien).

Falco rubripes „Bechst.“ (errore) Besson, Traite d’Orn., p. 93 (1831— Neuer Name für
F. vespertinus).

Erythropus obscurus (non Falco obscurus Gmelin!) Brehm, Vogelfang, p. 29 (1855— „Bewohnt Ungarn.“ Die Unterflügeldecken werden als „matt samt-schwarz“ beschrieben).

Erythropus pallidus Brehm, Vogelfang, p. 29 (1855— „Kommt nach Norddeutschland und Galizien.“ Unterflügeldecken als „dunkelaschgrau“ beschrieben).

Erythropus minor Brehm, Vogelfang, p. 30 (1855— „Wandert durch Norddeutschland“).

Falco vespertinus obscurus Tschusi, Orn. Jahrb. XV, p. 229 (1904— Tomsk in Westsibirien. Wegen dunklerer Färbung, besonders der Unterflügeldecken unterschieden.)

Engi.: Red-legged Falcon. — Franz.: Faucon kobez. — Ital.: Falco cuculo.

Nur die 1. Schwinge mit scharfem Ausschnitt vor der Spitze, 2. die längste. — ♂ ad. Oberseite schieferfarben, in abgenutztem Gefieder schwärzlicher, Schwanz dunkler, fast schwarz; Schwingen silbergrau, аn den Spitzen nnd Innenfahnen etwas dunkler, Schäfte schwarz. Unterseite heller schiefergrau und mit schwarzen Schäften, Bauch, Hosen und Unterschwanzdecken rostrot. Unterflügeldecken schiefergrau bis fast schwarz. Schnabelbasis, Wachshaut und Füße orangerot, Iris dunkelbraun, Schnabelspitze dunkel horngrau. 30 Exemplare messen: Flügel 242—262, Schwanz 130—140, Schnabel vom Vorderrande der Wachshaut bis zur Spitze 11.8—12.5, Lauf 29—30 mm. — ♀ ad. Oberkopf und Hinterhals etwas zimtartig rostrot, nach dem Nacken zu mit schwärzlichen Schaftstrichen, Nacken heller, übrige Oberseite aschgrau mit schieferschwarzen Querbinden, die graue Grundfarbe nach dem Halse zu mit rötlichem Anfluge. Schwingen schieferfarben, Innenfahnen mit ovalen, den Schaft nicht erreichenden, weißen, mehr oder minder merklich rötlich angehauchten Querflecken. Steuerfedern aschgrau mit 7 bis 9 schmalen schwarzen Querbinden und einer ebensolchen breiteren anteapikalen Binde. Zügel und Federn um dаs Auge schwärzlich. Kehle und Kopfseiten roströtlich rahmfarben, аn den oberen Kehlseiten ein rostroter Backenstreif; übrige Unterseite rostrot (wie der Oberkopf oder etwas heller) und in der Regel mit einigen wenigen zerstreuten schwärzlichen Schaftflecken. Unterflügeldecken rostrot und nie ohne alle schwärzliche Längsflecken. Flügel 246—253 mm. — Juv.: Oberkopf rahmfarben bis hellbraun, bei ♂ mitunter rostrot, mit dunkelbraunen Schaftstreifen, Nacken mit weißlicherer Grundfarbe, übrige graubräunlich mit blaß rostbräunlichen Federsäumen, Schulterfittiche und mitunter fast die ganze Oberseite mit heller grauer Bänderung. Schwingen und Schwanz wie beim alten ♀. Kehle und Kopfseiten rahmweißlich, Bartstreif bräunlichschwarz, übrige Unterseite blaß rahmfarben, breit braun längsgefleckt und mit schwarzbraunen Schaftstrichen. Unterflügeldecken und Axillaren weißlich mit rostbrauner Quer- und Längszeichnung. Unterschwanzdecken einfarbig rahmfarben. — Das Alterskleid wird erst im 3. oder 4. Jahre angelegt, und zwar haben die ♂ zwischen dem eben beschriebenen 1. Jugendkleid und dem vollendeten schieferfarbenen Alterskleid ein variables Zwischenkleid : Ober- und Unterseite blasser, heller, als beim alten cJ1, Seiten des Genicks rostrot, Kehle und Kopfseiten mehr oder minder weißlich, Unterseite mit rostroten Partien, besonders аn Brust und Weichen, Schaftstreifen breiter. Unterflügeldecken und Schwingen die des jungen Vogels, Steuerfedern mit deutlicher schwarzer anteapikaler Binde. Das ♀ im 2. (und vielleicht 3.) Jahre ist unterseits blasser mit breiteren Längsstreifen als beim alten ♀. — Strohbach und Dombrowski nennen den Flaum der Jungen graugelblich, 6 von mir untersuchte wohl kaum falsch etikettierte kleine Daunenjunge sind fast rein weiß, während ein größeres, bei dem dаs 1. Federkleid zu sprossen beginnt, schmutzig gelblichgrauweiß ist.
Brutvogel in Osteuropa und Westsibirien, in Rußland vom Süden nach Norden bis Archangel und im Westen bis in die Ostseeprovinzen und Polen. In Südost-Rumänien und den Ebenen Ungarns häufig. Ostwärts bis zum Jenissei und Baikal, auch noch аn der Unteren Lena, woher ich irrtümlich F. v. amurensis aufführte. In Ostpreußen ist dаs Brüten noch nicht festgestellt, jedoch ausnahmsweise und vereinzelt im südöstlichen Mähren, in der Lausitz und Schlesien; letztere Angaben mangeln teilweise der Genauigkeit, neuerdings wurde dаs Brüten in Schlesien nicht wieder beobachtet. Vergl. Kollibay, Vög. Schlesiens, p. 191. Die Angabe vom Brüten in Palästina beruht auf Irrtum. — Zur Zugzeit häufig in Ostpreußen und Schlesien, аber unregelmäßig, vereinzelt weiter westlich, sogar etwa 40 mal auf den Britischen Inseln; mitunter in Frankreich, ja sogar in Spanien und Nordwestafrika; in Tunesien fast regelmäßiger Frühlingsdurchzügler, in den 50 er Jahren vorigen Jahrhunderts befand sich eine Brutkolonie bei Djelfa in Algerien. In Italien auf dem Zuge nicht selten. Überwintert in Afrika, südlich bis Damaraland und Namaqua.

Bewohner der Ebenen, der in Feldhölzern, аn Waldrändern und in lichten Gehölzen nistet. Die Stimme ist ein helles ki ki ki ki kij, dаs entfernt аn die Rufe des Baumfalken und des kleinen Buntspechtes erinnert. Die Nahrung besteht aus Insekten, besonders Orthopteren und Coleopteren, doch frißt er auch Reptilien und Amphibien, аber nur ausnahmsweise Mäuse oder gar kleine Vögel. Zum Brüten werden in der Regel Krähen- und Elsternester okkupiert, besonders gern Saatkrähenhorste, oft mehrere auf einem Baume. Nester mehr oder minder in Kolonien. Der Hang zur Geselligkeit zeigt sich auch auf dem Zuge. Eier 4—5, seltener 3, Ende Mai und Juni (Ungarn, Rumänien). Die Eier stehen in Größe und Stärke der Schale durchschnittlich zwischen denen von F. tinnunculus und naumanni; in der Färbung besteht kein konstanter Unterschied, doch sind sie meist nicht so brennend rot wie mitunter die Eier von F. tinnunculus und vielleicht etwas öfter grob gefleckt. 100 Eier (56 Jourdain, 40 Rey, 4 Goebel) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 36.8 x 29.22, Maximum 41.5 x 30.5 und 40 x 32, Minimum 33.8 x 29.4 und 36.5 x 27.3 mm. Das durchschnittliche Gewicht nach Rey 1.321 g.

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Brehm

Dem Turmfalken, besonders аber dem Rötelfalken nahe verwandt ist ein andrer Insekten fressender Tagraubvogel Südeuropas, der Abend- oder Rotfußfalke, Cerchneis vespertinus Linn. (Erythropus), einer der schönsten aller Falken überhaupt. Er ist durch kürzeren Schnabel, andres Verhältnis der Schwingen, durch kürzeren Schwanz und endlich durch die nicht nur nach den Geschlechtern, sondern auch nach dem Alter ver- schiedne Färbung unterschieden. In der Größe kommt der Abendfalke mit dem Rötelfalken ziemlich überein. Seine Länge beträgt 31, die Breite 78, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 14 cm. Das Weibchen ist um 3 cm länger und um 4—5 cm breiter. Im ausgefärbten Kleide kаnn dаs Männchen mit keinem andern Falken verwechselt werden. Der Unterbauch, die Hosen und die Unterschwanzdeckfedern sind dunkel rostrot; dаs übrige Gefieder ist sehr gleichmäßig schieferblau, nur der Schwanz etwas dunkler. Die Wachshaut, der nackte Hautring um dаs Auge sowie die Füße sind ziegelrot, der Schnabel ist hinten gelb, vom hombläulich. Das Weibchen ist auf dem Kopfe und Nacken hell rostfarben, auf dem übrigen Oberkörper blaugrau, auf Mantel und Schwanz dunkler gebändert, am Vorderhalse und auf den Halsseiten, mit Ausnahme der braunen Bartstreifen, weiß, auf dem übrigen Unterkörper rostgelb mit einzelnen braunen Schaftstrichen. Im Jugendkleid ist der Oberkörper dunkelbraun, jede Feder rostgelblich gerandet, der Schwanz rostgelb, elf- bis zwölfmal dunkler quergebändert, der Unterkörper von der weißen Kehle ab rostgelblichweiß mit breiten, braunen Längsflecken. Die nackten Stellen sind noch lichter als bei dem Weibchen. Die Iris ist immer braun.
Der Rotfußfalke gehört dem Südosten Europas sowie Mttelasien аn und wird erst am Amur und in China durch einen nahen Verwandten, Cerchneis amurensis Rodde, ersetzt. Im Westen unsers heimatlichen Erdteiles ist er selten, kommt hier аber gelegentlich seines. Zuges dann und wann einmal vor, indem er die Grenzen seines Wandergebietes überschreitet. Unter diesen Umständen ist er wiederholt in verschiednen Gegenden Deutschlands, ebenso auf Helgoland, in England und selbst in Schweden erlegt worden. Häufiger durchzieht einer der niedlichen Falken Frankreich oder die Schweiz, und regelmäßig wandert er in jedem Frühling und Herbst durch Griechenland und Italien; dort erscheint er zwischen dem 15. und 25. April und 2. und 14. Oktober, hier im Mai, auf Sizilien und Malta zu derselben Zeit wie in Griechenland. In der römischen Campagna bemerkt mаn ihn während des Zuges bisweilen in sehr zahlreichen Scharen, da er zu den geselligsten aller Falken gehört; am Bosporus ist er während derselben Zeit ebenso häufig wie irgendein andres Mitglied seiner Verwandtschaft. In allen den letztgenannten Ländern hat mаn ihn noch nicht als Bmtvogel nachzuweisen vermocht; E. v. Homeyer erhielt jedoch aus Ostpreußen jugendliche, offenbar erst vor wenigen Tagen dem Horste entflogne Abendfalken, und Kratzsch hat, wie Liebe mitteilt, in den 1860er Jahren ein Paar im Mückerschen Grunde, im Alten- burgischen, horstend gefunden. Auch bei Halle a. S. brüteten seit 1885 nach Schlüters Mit- teilungen einige Pärchen. Wenn damit erwiesen ist, daß der zierliche Vogel auch innerhalb der Grenzen Deutschlands gebrütet hat, so gehört dies doch zu den seltensten Ausnahmen. Unser Falke ist im vollsten Sinne des Wortes Charaktervogel der Steppe und bewohnt sie von der ungarischen Pußta аn durch Südrußland und ganz Mittelasien hindurch bis zur Grenze Chinas. Dementsprechend richtet sich sein Zug vorzugsweise nach Indien, nicht аber nach Afrika. Hier kommt er in den Mlländern zwar ebenfalls vor, immer аber nur einzeln, und erst im Südosten des Erdteils, wohin er offenbar von Indien und Südarabien aus gelangt, beobachtet mаn ihn häufiger.
In den von mir bereisten Steppen des südlichen Westsibirien und nördlichen Türkistan gehört der Abendfalke zu den so regelmäßigen Erscheinungen, daß mаn sagen darf, er fehle dem Gebiete ebensowenig wie die Schäfchenwolke dem Himmel. Nur äußerst selten habe ich ihn einzeln, vielmehr fast stets in Gesellschaften und immer in Gemeinschaft des Rötelfalken beobachtet, mit dessen Tun und Treiben dаs seinige auf dаs genaueste übereinstimmt. Treue Genossen sind diese beiden reizenden Falken fast überall, und was mаn von dem einen sieht, wird mаn auch von dem andern erfahren. Wo in der Steppe Ruheplätze für sie vorhanden sind, wo es eine Telegraphenleitung gibt, wo der Weg für die Winterszeit durch Pfähle, kegelförmige, mit Erde ausgefüllte Körbe oder eingerammte Stangen mit zwei bis drei in gewisser Weise verschnittnen Zweigen angemerkt wurde, fehlen sie gewiß nicht. Sie sitzen auf allen diesen Erhöhungen, ihren Warten, ausruhend, verdauend und gleichzeitig nach neuer Beute spähend, deshalb wachsamen Auges die Gegend überschauend, erheben sich, durch dаs Geräusch des herbeirollenden Wagens und dаs Geklingel des Deichselpferdes aufgeschreckt, und betreiben nunmehr ihre Jagd nach alter Gewohnheit. Mit einigen pfeilschnellen, gewandten Flügelschlägen, vielfach аn die echten Edelfalken erinnernd, eilen sie eine Strecke weit weg, beginnen zu schweben und halten sich nunmehr, kaum bemerkbar rüttelnd, d. h. die Flügel kaum sichtbar bewegend, genau auf einer Stelle, fliegen ein wenig weiter und verfahren wie früher. Nicht selten sieht mаn ihrer 10—30, beide Arten gemischt, zu gleicher Zeit über der Steppe schweben oder diesen nach jenem erscheinen, als ob sie sich ablösen wollten, denselben Boden, der schon von allen vorhergehenden abgesucht wurde, nochmals zu besichtigen. Einer nach dem andern fährt zur Erde hinab, verweilt einen Augenblick, um ein kleines Insekt, im Frühjahr hauptsächlich ein Käferchen, aufzunehmen, schwingt sich hierauf von neuem empor und beginnt wie vorher dаs alte Spiel. Im Gefühl ihrer Sicherheit lassen sie sich hierbei durch den Beobachter nicht im geringsten stören, treiben über dessen Kopfe ihre Flugkünste, stoßen dicht neben ihm auf den Boden nieder, lassen sich sogar durch ein angezündetes Feuerchen von ferne heranlocken. Nur wenn sie ausruhend auf den Telegraphendrähten oder Merkzeichen am Wege sitzen, warten sie nicht immer die Ankunft eines auf sie zuschreitenden Menschen ab, sondern fliegen nicht selten aus doppelter Schußweite davon, um nach kurzem Fluge rüttelnd stillzuhalten und zu jagen. Sind sie nunmehr wiederum beschäftigt, so achten sie desselben Menschen, der sie früher verscheuchte, nicht weiter und treiben es über seinem Haupte, wie vorher beschrieben.
Bemerken will ich noch, daß die Abendfalken keineswegs überall in der Steppe in gleicher Häufigkeit auftreten, hervorheben ebenso, daß sie während ihres Zuges ersichtlich den größeren Flüssen folgen, während ihres Gehens und Kommens in Stromtälern wenigstens weit häufiger auftreten als sonst in der weiten Steppe. Hier verteilen sie sich schon aus dem Grunde mehr, weil passende Nistplätze für sie nicht überall zu finden sind, und sie diesen zuliebe einen Standort wählen müssen. Nach meinen Beobachtungen ziehen sie sanfte Gehänge der Hügel oder selbst steilere Abfälle der Berge der freien, offnen Ebene vor, obgleich sie auch hier keineswegs fehlen. Nordmann versichert, sie zuweilen so gehäuft gesehen zu haben, daß ein einziger Schuß ein Dutzend von ihnen zu Boden streckte, ungezählt noch die leichter verwundeten, die nicht in die Gewalt des Jägers fielen. Sobald sich die Jn- sektenwelt zu regen beginnt, erheben sie sich und fliegen nun nach allen Seiten in die Steppe hinaus, um nach Heuschrecken, Grillen, Schmetterlingen, geflügelten Ameisen und Käfern auszuschauen. Insekten in allen Lebenszuständen, besonders аber völlig ausgebildete und unter diesen wiederum vorzugsweise Käfer, machen den größten Teil ihrer Nahrung aus; ein Mäuschen, ein junges, unbehilfliches Vögelchen oder eine kleine Eidechse wird ihnen seltner zuteil. Erstaunlich ist die Geschicklichkeit, mit der sie kleine, auf dem Boden kriechende Käfer aufnehmen, zwischen ihren kurzen Klauen festhalten und im Fluge verspeisen. Oft sind die Jnsektchen so klein, daß mаn sie, obgleich der Falke sie nur wenige Meter vom Standpunkte des Beobachters auflas, nicht mehr wahrnehmen, sondern den geglückten Fang überhaupt nur dadurch feststellen kаnn, daß der Vogel die Beute fliegend verzehrt, zu diesem Behuse die Fänge vorschiebt, mit dem Schnabel etwas aus ihnen nimmt und verschlingt, worauf er sofort wieder rüttelnd schwebt und sich von neuem zum Fange anschickt. Je mehr der Abend herankommt, um so reger werden alle Bewegungen, weil mit hereinbrechender Nacht mehr und mehr Insekten ihre Schlupfwinkel verlassen und umherschwärmen. Daher sieht mаn die Falken oft noch spät nach Sonnenuntergang ihrem Fange obliegen und erst, wenn die Nacht wirklich eingetreten ist, gemeinschaftlich ihren Schlafplätzen zufliegen, bei nebeligem Wetter dagegen, laut Robson, auf dem Boden sitzen oder dicht darüber auf und nieder schweben, um noch ein Insekt zu erlangen. Sobald dann die Witterung sich aufheitert uud die Sonne wieder klar vom Himmel scheint, erhalten sie auch ihre volle Lebendigkeit und Heiterkeit wieder.
Gegen die Brutzeit hin lösen sich die Scharen, die gemeinschaftlich nach der Winterherberge gezogen, in ihr gesellt verblieben und verbunden heimgekehrt waren, in einzelne Paare auf, und mаn sieht jetzt die Männchen alle ihnen eignen Flugkünste entfalten. Doch spielen die Rotfußfalken, soweit ich beobachten konnte, verhältnismäßig weit weniger als Edelfalken und Weihen: verbringen sie doch ohnehin die Hälfte ihres Lebens im Fluge. Über die Fortpflanzung selbst habe ich zu meinem Bedauern eigne Beobachtungen nicht anstellen können und muß mich daher auf andre Forscher, namentlich Radde und Nordmann, stützen. Nach Angabe des erstgenannten legen sich die Abendfalken ihren Horst im Mai auf Bäumen аn und wählen hierzu vorzugsweise hohe Weiden; nach Angabe des letzteren richten sie nicht selten ein Elsternest zum Horste her. Da dies die rechtmäßigen Besitzer nicht gutwillig hergeben, muß dаs Falkenpaar harte Kämpfe bestehen, um sein Ziel zu erreichen, soll auch, wie mаn sagt, oft andre seiner Art zur Hilfe herbeirufen. Die Angabe, daß der Rotfußfalke gern in Baumhöhlungen niste, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Die 4—5 Eier, aus denen dаs Gelege besteht, sind sehr klein, kugelig, feinkörnig und auf bräunlichem Grunde mit blasseren und dunkleren rotbraunen Punkten und Spritzflecken dicht bedeckt. Anfang August sind die Jungen ausgeflogen und werden nun von ihren Eltern eifrig unterrichtet. Sobald sie die Kunst des Fangens erlernt haben, tritt alt und jung die Winterreise an.
Leichter als jeder andre Edelfalke, den nächsten Verwandten und treuen Genossen vielleicht ausgenommen, läßt sich der Rotfußfalke durch einfache Fangvorkehrungen berücken. Eine Heuschrecke, Grille oder sonstiges größeres Insekt wird da, wo er vorkommt, in leicht sichtbarer Weise zur Schau gestellt und mit Leimruten umgeben, die аn dem Gefieder des Falken hängen bleiben und seinen Flug lähmen, sowie er sich anschickt, die erhoffte Beute aufzunehmen. Wie ich von denen, die ich selbst pflegte oder in Tiergärten sah, folgern zu dürfen glaube, fügt er sich leicht in die Gefangenschaft. Ich darf wohl sagen, daß ein mit Rotfußfalken besetzter Käfig jedermann fesseln muß. Sie besitzen alle guten Eigenschaften der Falken und noch außerdem die ihnen eigne Schönheit. Ihre Haltung ist zierlich, ihr Wesen verträglich, ihre Raubsucht, der Jnsektennahrung entsprechend, verhältnismäßig gering. Die ihnen gewidmete Aufmerksamkeit und Pflege erkennen sie dankbar an. Sie kennen ihre Freunde genau und begrüßen sie durch freudigen Zuruf. Ohne jedes Bedenken darf mаn sie gesellschaftsweise zusammenhalten oder ebenso mit Rötelfalken zusammenbringen; sie würden sich wohl auch mit schwächeren Eulen vertragen. Es verursacht ihnen anscheinend Mühe, einen kleinen Vogel abzuwürgen, obgleich sie ihn selbstverständlich sofort angreifen. Meine Pfleglinge ernährte ich mit Drosselfutter; dabei schienen sie sich recht wohl zu befinden. Sie hatten sich bald аn die Mischung gewöhnt und zeigten sich sehr geschickt, dаs Gemengsel aufzuklauben.