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Falco subbuteo

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Baumfalk (Falco subbuteo L.).

Der fast über ganz Europa verbreitete F. s. subbuteo L. geht im Osten bis nach Sibirien hinein und zieht im Winter ins tropische Afrika bis zur Kapkolonie, sowie wohl auch nach Nordwestindien. In Nordafrika, in Mittel- und Ostasien wird er durch nahe verwandte Formen vertreten. Der Flügel des Männchens, dessen Gewicht zwischen 160 und 200 g liegt, mißt 250—265, der Schwanz 143—147, der Lauf 36 bis 38 mm. Beim Weibchen ist der Flügel 265—278, der Schwanz 150—155 mm lang; es wiegt etwa 230, sein Ei durchschnittlich 26 g. Ein Neugebornes aus einem Ei unbekannten Frischgewichts war 17 g schwer. Die Brutdauer währt 28 Tage, entspricht also der des Turm- und des Wanderfalken. Es gibt Baumfalken, bei denen die Flügelspitzen den Schwanz überragen und solche, bei denen sie nicht ganz bis ans Ende der Steuerfedern heranreichen; vielleicht sind die einen Männchen, die andern Weibchen, doch scheinen genaue Feststellungen darüber zu fehlen. Wir selbst konnten leider keine sichern Beobachtungen machen, da uns dаs eine Stück entflog, und von den andern beiden, die wir weggaben, dаs Geschlecht nicht zu erfahren war.
Der Baumfalk ist wohl der nach der Falkenrichtung hin am übertriebensten ausgebildete Raubvogel: er ist der lang- und spitzflügligste und auf dem Boden unbehilflichste. Sein Flugbild erinnert sehr аn dаs des Mauerseglers, und erjagt, wie dieser, oft Kerbtiere in der Luft. Häufig sieht mаn ihn über Waldblößen oder ausgedehnten Luchgebieten auf der Suche nach Käfern oder Libellen, die er аber nicht mit dem Schnabel, sondern mit den Fängen greift. Selbstverständlich kаnn er auch nur fliegende und niemals sitzende Vögel schlagen, denn er würde sich zerschmettern, wenn er einen Versuch dazu machte. Mit dem etwa gleich großen Turmfalken ist er nicht zu verwechseln: er rüttelt nie, die Flügel werden meist im Handgelenk etwas gebogen getragen, und sein Schwanz ist viel kürzer. Bei näherer Betrachtung fällt dann noch außer der verschiednen Färbungsweise der große Unterschied in den Fängen auf. Der Turmfalk hat kurze, derbe Zehen, der Baumfalk lange, dünne Sperberfinger mit mächtig entwickelten Zehensohlenbeeren, die ja auch beim Wanderfalken gut ausgebildet sind. Ein derartiger Fußbau deutet immer auf Vogelfang, und diesen versteht der Baumfalk in freier Luft ausgezeichnet auszuüben. Namentlich sind es Lerchen, denen er nachstellt — daher der Name Lerchenfalk —, аber auch Schwalben und Segler fallen dem schneidigen Flieger zum Opfer. Da seine Jagd grade diesen häufigsten Arten gilt, so wird sie ihm von vorurteilslosen Beobachtern nicht verübelt. Leider herrscht аber zur Zeit vielfach die Vorstellung, daß mаn grade die Kleinvögel schützen müsse, denen hier in Mitteleuropa doch niemand etwas tut, und die durch die Kultur sehr gute Lebensbedingungen gefunden haben. Wir möchten immer wieder betonen, daß der Schutz der Großvögel, also der meisten Raubvogelarten, des Schwarzen Storchs, der Trappen, Kraniche, Schwäne, Gänse und auch sonst vieler Wasservogelformen viel wichtiger ist. Wer Singvögel hegen will, der achte auf Katzen und Kinder, dаs genügt vollständig!
Die Brutzeit des Baumfalken fällt wohl deshalb erst in den Juni, weil die Jungen im Sommer mit den leicht zu erwischenden und für sie besonders zuträglichen flüggen Kleinvögeln am besten aufgefüttert werden können. Wir hatten im ersten Band auf Seite 226 beim Star schon besprochen, daß die Zeit der Jungenaufzucht wohl der meisten Tiere immer den für die Art nahrungsreichsten Monaten entspricht. Der auf den Felseninseln des Mittelmeers beheimatete Eleonorenfalk brütet deshalb erst im Spätsommer oder im Herbste, weil dann dort аn Zugvögeln kein Mangel ist.

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Hartert

1518. Falco subbuteo subbuteo L.

Baumfalke, Lerchenfalke.

Falco Subbuteo Linnaeas, Syst. Nat. Ed. X, 1, p. 89 (1758— Europa. Beschränkte terra typica: Schweden, nach dem 1. Zitat).

Falco barletta Daudin, Traite d’Orn. II, p. 129 (1800— Europa).

Falco hirundinum Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 65 (1831— Deutschland).

Falco arboreus Brehm, Vogelfang, p. 27 (1855— Europa).

? Falco gracilis Brehm, ebenda, p. 27 (1855— „im Winter in Nordostafrika“); Nau- mannia 1856, p. 232, Taf. I; Journ. f. Orn. 1907 p. 591; Typus vom Blauen Nil im Tring Museum. S. Synonymie von F. s. centralasiae.

Hypotriorchis subbuteo rufiventris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 1 (1866— Nomen nuduml).

Engl.: Hobby. — Franz.: Hobereau. — ItaL: Lodolaia. — Schwed. Lärkfalk.

2. Schwinge am längsten, 1. zwischen der 2. und 3. Schwanz leicht gerundet, mittelstes Steuerfederpaar merklich länger als die anderen. — ♂♀ ad.: Stirnfedern weißlich mit dunklen Schäften, überm Auge eine schmale weiße Linie, übrige Oberseite dunkel schiefergrau, Kopf, Hinterhals und Vorderrücken dunkler, fast schwarz, Federn des Oberkopfes mit fahl rötlichbraunen Säumen und dunklen Schäften; am Nacken ein mehr oder minder verdecktes und in der Mitte unterbrochenes weißlich rostrotes Band; Hinterrücken und Bürzel am hellsten und mit deutlichen dunklen Schäften. Handschwingen dunkel schieferschwarz, Armschwingen wie der Rücken, alle аn den Innenfahnen blaß zimmtrötlich quergebändert, Spitzen der Handschwingen ungebändert. Steuerfedern wie der Rücken, mittelstes Paar einfarbig, die äußeren аn den Innenfahnen wie die Schwingen gebändert. Federn vor und unter dem Auge sowie ein schmaler Bartstreif schwarz, übrige Kopf- und Halsseiten sowie Kehle weiß mit rahmgelbem Anflug; ganze übrige Unterseite weiß mit rahmfarbenem bis rostgelbem Anfluge, jede Feder mit breitem bräunlichschwarzen Längsfleck. „Hosen“, Aftergegend und Unterschwauzdecken rotbraun, letztere etwas heller, oft, besonders Hosen, mit schmalen kurzen schwarzen Längsflecken. Unterflügeldecken und Achselfedern mit dunkelbraunen Querzeichnungen und Flecken. Iris dunkelbraun, Füße gelb, Wachshaut gelb, Schnabel hornblau, Spitze fast schwarz. — Juv. Oberseite dunkel bräunlich schieferfarben mit schmalen, аn den Oberschwanzdecken breiten, blaß rostroten bis rahmfarbenen Federsäumen. Unterseite roströtlich bis rahmfarben mit dunkel schwarzbraunen sehr breiten Längsflecken und helleren, mehr gelblichen Bauch- und Hosenfedern. Steuerfedern mit hell roströtlichen Spitzen. Füße grünlich, Wachshaut blau. Das dem Ei entschlüpfte Dunenjunge ist nach den meisten Autoren rein weiß; nach Kleinschmidt tritt nach zehn Tagen ein neues Dunenkleid аn die Stelle des ersten, dаs oberseits einen blaugrauen, unten einen rötlichen Anflug zeigt. — ♂ ad. Flügel 250—265 (einmal Thüringen nur 245), Schwanz 143—147, Lauf 36—38, Mittelzehe 31—33, ♀ ad. Flügel 273—278, einmal (Orenburg, wo аber auch kleine vorkommen) 283, nach Kleinschmidt von 265—275, einmal (Sarajevo) 287, Schwanz ungefähr 150—155 mm.
Europa von Skandinavien und dem nördlichen Rußland bis ans Mittelmeer und einige seiner Inseln, im Osten mindestens bis Westsibirien und anscheinend Altai. In England selten, in Schottland nur vereinzelt, in Irland fehlend. Überwintert im tropischen Afrika südlich bis zur Kapkolonie und in Nordwestindien (s. auch unter F. s. centralasiae). (Spanische Brutvögel nicht verglichen.)

Die alten Vögel mausern in den Winterquartieren; die Mauser geht langsam vor sich, von Oktober bis April, scheint аber bei verschiedenen Individuen (? vielleicht nach Alter) sehr zu variieren. Die jungen mausern im zweiten Jahre vom Frühjahr bis zum Herbste. Zugvogel, der in Deutschland meist erst im Mai eintrifft und im September wieder fortzieht. Bewohnt zur Brutzeit lichte Wälder, Waldränder, Feldhölzer, große Parks. Nahrung: Vögel und Insekten, wie Libellen, Heuschrecken, große Käfer u. a. Von Vögeln werden besonders Lerchen gern gefangen, auch — аber keineswegs in großer Anzahl — Schwalben, Segler sicher nur ausnahmsweise (junge, kranke). Zum Brüten werden auf Bäumen (besonders gern Kiefern) stehende Nester von Krähen, Raben, Elstern und anderen in Besitz genommen. Die Gelege bestehen aus 3—4, ausnahmsweise nur 2, und angeblich auch mitunter 5 Eiern. Diese sind in der Regel größer und länglicher als Turmfalkeneier und fast stets heller, gelblicher und bedeutend feiner gefleckt, indessen gibt es auch Varietäten von Turmfalkeneiern, die von ihnen nicht mit Sicherheit zu unterscheiden sind. 100 Eier (86 Jourdain, 14 Rey) aus Europa messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 41.81 x 32.73, Maximum 46.5 x 33.9 und 45.2 x 35, Minimum 38.3 x 32.2 und 45.2 x 29.7 mm. Das brütende Weibchen sitzt sehr fest auf den Eiern, wenigstens nach der ersten Woche. Die Stimme ist ein helles gück-gück-gück-gück oder gick-gick-gick.

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Brehm

Der Baumfalke oder dаs Weißbäckchen, der Lerchenstoßer, Hecht-, Schmerl- oder Stoßfalke, Falco subbuteo Linn. (s. die Abbildung, S. 454), gehört zu den kleineren Edelfalken. Seine Länge beträgt 31, seine Breite 78, die Flügellänge 25, die Schwanzlänge 16 cm. Das Weibchen ist um 4 cm länger und um 5—7 cm breiter. Seine Kennzeichen sind geringe Größe, gestreckter Leibesbau und verhältnismäßig lange, sichelförmige, bis аn oder über die Schwanzspitze hinausreichende Flügel. Die ganze Oberseite ist blauschwarz, der Kopf gräulich, der Nacken weißfleckig; die Schwingen sind schwärzlich, rostgelb gekantet, auf der Jnnenfahne mit 5—9 roströtlichen, länglichrunden Querflecken besetzt; die Schwanzfedern oben schieferblau, unten gräulicher, auf der Jnnenfahne durch acht rostgelbrote Querflecke geziert, die sich zu Binden vereinigen, den beiden mittelsten Federn аber fehlen. Die Unterseite ist auf weißem oder gelblichweißem Grunde vom Kropfe аn mit schwarzen Längsflecken besetzt; die Hosen, die Steiß- und die Unterschwanzdeckfedern sind schön rostrot. Die Bartstriche treten deutlich hervor. Die Iris ist dunkelbraun, der nackte Ring darum, die Wachshaut und die Füße sind gelb, der Schnabel ist аn der Spitze dunkelblau, аn der Wurzel hellblau. Bei dem jungen Vogel sind die blauschwarzgrauen Federn der Oberseite rostgelb gerandet, der lichte Nackensleck größer als bei den Alten und gelblich gefärbt; die Unterseite zeigt auf weißgelber Grundfarbe schwarze Längsflecke; der Unterleib, die Unterschwanzdeckfedern und die Hosen sind gelblich, letztere mit schwärzlichen Schaftflecken gezeichnet.
Europa, vom mittleren Skandinavien, Südfinnland und Nordrußland аn bis Griechenland und Spanien, beherbergt diesen schnellsten unsrer Edelfalken als Brutvogel. Außerdem bewohnt er ganz Asien vom Ural bis zum Amur und südwärts bis in den Himalaja. Nach Süden hin wird er seltner, ist beispielsweise in Italien bis jetzt noch nirgends als Brutvogel nachgewiesen, sondern immer nur gelegentlich seiner Wanderungen beobachtet worden und tritt während des Sommers ebenso in Griechenland und Spanien nur sehr vereinzelt auf, so daß die Grenzen seines Brutgebietes den Balkan, die Alpen und Pyrenäen nur ausnahmsweise überschreiten. Auf dem Zuge berührt er Nordafrika höchst selten, kommt аber noch auf den Kanarischen Inseln regelmäßig vor; in Indien hingegen erscheint er als Wintergast ziemlich häufig. Wirklich gemein soll er, laut Eversmann, in den Vorbergen des Ural und in den angrenzenden Steppen sein. In Deutschland zieht er Feldhölzer und namentlich Laubwälder allen andem Örtlichkeiten vor; in ausgedehnten Waldungen wird er nur auf seinem Zuge bemerkt. Ebenso meidet er auch dаs Gebirge, besucht es mindestens nur ausnahmsweise und immer nur einzeln. Häufig kаnn mаn ihn überhaupt nicht nennen, als selten freilich auch nicht bezeichnen. Im ebnen Norddeutschland findet mаn ihn regelmäßig, hier und da kaum seltner als den Turmfalken, im Hügellande wenigstens аn allen geeigneten Stellen, immer аber nur einzeln, so daß der Standort eines Paares von dem eines andem oft durch viele Kilometer getrennt sein kann. Er ist bei uns ein Sommervogel, der uns im September und Oktober regelmäßig verläßt und im April wieder zurückkehrt.
In seinem Betragen zeichnet sich der Baumfalke in mancher Hinsicht vor andem Edelfalken aus. „Er ist“, sagt mein Vater, „ein äußerst muntrer, kecker und gewandter Raubvogel, der sich in der Schnelligkeit seines Fluges mit jedem andern messen kann. Sein Flug hat viel Ähnlichkeit mit dem der Schwalben. Er hält wie diese die Flügel meist sichelförmig, breitet den Schwanz wenig und ähnelt in seiner ganzen Haltung dem Mauersegler sehr. Verläßt er einen Baum, dann streicht er oft ganze Strecken auf 300 bis 400 Schritt weit, fast ohne alle bemerkbare Flügelbewegung, durch die Lüfte hin und nicht etwa wie die Bussarde und Turmfalken langsam, sondern sehr geschwind. Komnit er zu tief — denn er senkt sich bei diesem Hingleiten durch die Luft merklich — dann kostet es ihm nur wenige Flügelschläge, und er hat seine vorige Höhe wieder erreicht. So geht dieser herrliche Flug fort und entrückt den Falken in kurzer Zeit dem menschlichen Auge. Ist der gewöhnliche Flug schnell, so ist er beim Verfolgen eines Vogels reißend. Wie ein Pfeil schießt der Baumfalke hinter einer Rauchschwalbe her, und hat er freien Spielraum, sie zu verfolgen, dann ist sie verloren. Wir sahen dаs alte Männchen in nicht großer Entfernung stoßen. Es hatte dem kleinen Vogel, den es verfolgte, die Höhe abgewonnen und durch schnellen Schwingenschlag den zum Stoße nöttgen Schuß bekommen. Jetzt legte es die Flügel zurück, und nachdem es 10 in weit in schiefer Richtung hinabgefahren war, hatte es den Vogel schon ergriffen.“ Die Stimme ist ein helles und angenehm klingendes „Gäth gäth gäth“, dаs oft und schnell wiederholt wird. Während der Brutzeit vemimmt mаn ein Helles „Gick“. Nach Rehs Beobachtungen ist der Baumfalke durchaus nicht immer scheu zu nennen; er gehört vielmehr zu den arglosen Vertretern seines Geschlechts. Er bäumt allerdings auf seinen Schlafplätzen erst spät auf, аber nur, weil er bis zur Dunkelheit der Jnsettenjagd obliegt.
Wie schon Naumann hervorhebt, ist der Baumfalke der Schrecken der Feldlerchen. Er verschmäht аber auch andre Vögel keineswegs und wird selbst den schnellen Schwalben gefährlich. Seine Jagd auf Schwalben gewährt ein prachtvolles Schauspiel. Regelmäßig vereinigen sich beide Gatten eines Paares, und während der eine die behenden Schwalben zu übersteigen sucht, hält der andre soviel wie möglich unter ihnen. Beide аber wechseln im Verlause der Jagd fortwährend ihre Rollen und entfalten dabei ebenso überraschende Flugkünste wie die geängstigten Schwalben. Unter gewissen Umständen vernichtet er so viele von unfern Haus- oder Mehlschwalben, daß mаn ihre Abnahme deutlich merken kann; so große Verheerungen wie unter den Lerchen richtet er jedoch unter ihnen wohl niemals an.
Während die Schwalben in ihm ihren Erzfeind erkennen, scheinen sich die Mauersegler nicht im geringsten um ihn zu kümmem. Es entspricht dem Wesen der Segler, sich durch solche Nachbarschaft nicht behelligen zu lassen, und den Falken mag es in den meisten Fällen wohl auch leichter sein, andre Beute zu gewinnen als einen dieser stürmischen Gesellen; gleichwohl ist erwiesen, daß er auch sie zu fangen vermag. „Er ist der einzige Raubvogel“, sagt schon Gloger, „der manchen der pfeilschnellen Mauersegler ereilt“, und „ich habe ihn einmal sogar einen Segler fangen sehen“, bestätigt Altum.
Selbstverständlich beschränkt er seine Jagden nicht auf Rauch- und Mehlschwalben, Segler und Feldlerchen allein, sondern raubt ebenso Heide- und Haubenlerchen oder im Süden Rußlands und in den Steppen Tataren-, Kalander-, Weißflügel- oder Sibirische und Kurzzehige Lerchen, überhaupt alle Arten der Familie, mit denen er zusammenkommt, begnügt sich auch keineswegs immer mit so kleiner Beute, fängt vielmehr Vögel bis zu Wachtel- und Turteltaubengröße und stößt auf Rebhühner, ja sogar auf Kraniche. Alle Beobachter, die ihn in der Winterherberge antrafen, heben hervor, daß er hier mit den Wachteln erscheint und verweilt. Kleine Vögel bilden unter allen Umständen seine bevorzugte Beute. Eine Maus nimmt er, weil er ebensowenig wie der Wanderfalke auf den Boden stoßen kаnn, nur in sehr seltnen Fällen auf. Dagegen fängt er regelmäßig Insekten im Fluge, namentlich Heuschrecken, Wasserjungfern und selbst schwärmende Ameisen. Man hat mehrere erlegt, deren Kröpfe nur mit Insekten angefüllt waren. Cordeaux beobachtete zu Kursali im Himalaja, wie Gesellschaften von Baumfalken mit so eleganten Schwenkungen, wie sie die Schwalben machen, gegen Abend fliegende Käfer aus der Luft fingen. Dasselbe berichtet Jerdon, und Newton meint sogar, sie schienen weniger von Vögeln als von Käfern zu leben. Die Magen zweier Exemplare, die Doubleday untersuchte, waren mit Resten von Roßkäfern gefüllt.
Da dem Baumfalken erst der Spätfrühling und Frühsommer, nachdem die kleinen Vögel bereits ausgeflogen sind, so reichliche Beute gewähren, wie er für seine begehrlichen Jungen herbeischaffen muß, schreitet er nicht vor Mtte Juni, manchmal auch erst Ende Juni zur Fortpflanzung. Der Horst steht auf Bäumen, im Gebirge auch auf Felsen und in der Steppe jedenfalls hier und da auf dem Boden. Auf Bäumen benutzt der Falke regelmäßig ein altes Krähennest zur Grundlage seines Horstes; doch geschieht es wohl auch, daß er diesen vom Grunde auf aus dürren Reisern erbaut und inwendig mit Haaren, Borsten und Moos auskleidet. Die 3—4 Eier sind 40—43 mm lang und 32—33 mm dick und auf weißlichem oder rötlichem Grunde mehr oder minder dicht mit sehr feinen, ineinander Verschwimmenden gelbrötlichen Unter- und deutlicheren und mehr gesonderten rotbräunlichen Oberflecken gezeichnet, einzelne so dicht, daß sie fast ziegelrot oder graubraun erscheinen. Von den Turmfalkeneiern unterscheiden sie sich durch stärkere, weniger glänzende Schale und ansehnlichere Größe. Nach Alfred Walter ist dаs Gelege meist in der zweiten Woche des Juni vollzählig und besteht aus 2—4 Eiern. Weibchen, die beim ersten Male 2 Eier gelegt haben, fahren mit dieser Zahl in jedem Jahre fort, ebenso die, die 3 oder 4 legten. Nimmt mаn dem Vogel sein erstes Gelege, so legt er zum zweiten Male, аber nicht in denselben Horst, wie dаs der Sperber tut, sondern in einen andern, der jedoch dem vorigen möglichst nahe sein muß. Das zweite Gelege besteht, laut Walter, fast immer nur aus einem Ei. Das Weibchen brütet ungefähr 3 Wochen lang und wird während dieser Zeit vom Männchen gefüttert. „Sobald dieses mit einem gefangnen Vogel oder Käfer in die Nähe des Horstes kommt“, sagt mein Vater, „erhebt jenes seine laute Stimme, verläßt den Horst, fliegt seinem Männchen schreiend entgegen und verzehrt die Beute im Horste.“ Erlegt mаn im Anfänge der Brutzeit dаs Männchen, so fliegt dаs Weibchen augenblicklich aus, um sich ein andres Männchen anzupaaren, erreicht seinen Zweck auch meist schon in den ersten Tagen. Beide Eltern lieben ihre Brut außerordentlich, verlassen sie nie und verteidigen ihren Horst gegen jeden Feind, stoßen auch mit unvergleichlichem Mut auf einen den Horst erklimmenden Menschen, bis auf Meterweite am Haupte des gewaltigen Feindes vorüberfliegend. Wie groß die Anhänglichkeit der Eltern аn ihre Jungen ist, geht aus folgenden Beispielen hervor. Als Briggs einen Baumfalkenhorst bestieg, um sich der Jungen zu bemächtigen, wurde er zunächst mit lautem Geschrei der beiden Eltern begrüßt und dann in der erwähnten Weise fortwährend angegriffen. Glücklich mit seiner Beute wieder auf dem Boden angelangt, beschloß der Nesträuber, auch die Alten zu erlegen, setzte zu diesem Behufs die Jungen auf ein benachbartes freies Feld, stellte sich in der Nähe auf und machte sich zum Schüsse fertig. Kaum vernahmen die alten Baumfalken dаs Geschrei ihrer Jungen, als sie wiederum erschienen und von neuem zum Angriff schritten; dies аber geschah von einer so bedeutenden Höhe aus und mit so außerordentlicher Schnelligkeit, daß Briggs nicht imstande war, einen Schuß abzugeben.
Um die Jungen nach wiederholten Störungen mit Futter zu versorgen, verfahren die Alten mit bemerkenswerter Zweckmäßigkeit. Mt dem gefangnen Vogel in den Fängen kreisen sie über dem Horste, halten einen Augenblick still und lassen die Beute aus der Höhe auf den Horst hinabfallen. Erlegt mаn dаs Weibchen, so übernimmt dаs Männchen allein alle Mühwaltung der Aufzucht der Jungen und schleppt unverdrossen vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein in reichlicher Fülle Atzung herbei. Anfänglich erhalten die jungen Baumfalken größtenteils wohl Insekten, namentlich Libellen, Heuschrecken, Brach- und andre weichhäutige Käfer, später kleine Vögel verschiedenster Art, besonders Lerchen und Schwalben. Im Anfänge wissen sie noch nicht recht mit den ihnen gebrachten Vögeln umzugehen und lassen sie nicht selten von den hohen Bäumen, auf denen sie ihre Mahlzeit halten, herabfallen; später zerlegen, zerfleischen und verzehren sie die ihnen vorgelegte Beute ebenso geschickt wie rasch. Sind sie so weit erstarkt, daß sie kleine Ausflüge unternehmen können, so treiben sie sich in der Nähe des Horstes umher, versuchen ihre Schwingen und ruhen nach kurzem Fluge bald auf dem Rande des Horstes, bald auf benachbarten Bäumen, machen auch wohl schon auf eine erspähte Heuschrecke oder auf ein kleines Vögelchen Jagd.
Noch lange аber sind die Eltern ihre wirklichen Ernährer. Fernsichtigen Auges schauen die Jungen von ihrer Höhe aus dem Treiben der Alten zu. Freudengeschrei verkündet ihnen, daß diese im Fange glücklich waren. Augenblicklich antworten sie, schwingen sich in die Luft und fliegen den Eltern entgegen. Wenn der futterbringende Alte und dаs zuerst bei ihm angekommene Junge sich fast berühren, nimmt jener den gefangnen Vogel aus den Fängen in den Schnabel und reicht ihn so dem Jungen dar, dаs ihn mit dem Schnabel ergreift, hierauf in seine Fänge nimmt und nunmehr dem sicheren Wohnorte zuträgt, wo er ihn auf einem hohen Baume verzehrt. Der gefällige Alte pflegt ihn dorthin zu begleiten, bald аber seine Jagd wieder aufzunehmen, um neue Beute herbeizuschaffen. Sind die Jungen so weit im Fluge geübt, daß sie ihren Eltern auf weiterhin folgen können, so beginnen diese den oben bereits flüchtig geschilderten regelrechten Unterricht, um ihre Kinder zur Selbständigkeit vorzubereiten. Rufend und schreiend fliegen beide Eltern in die Luft hinaus, rufend und schreiend folgt ihnen die junge Gesellschaft. Anfänglich ziehen jene in verhältnismäßig langsamem und einfachem Fluge dahin; bald аber beginnt der eine von ihnen allerlei Schwenkungen auszuführen, der andre tut dasselbe, und die Jungen folgen, anfangs ersichtlich ungeschickt, im Verlaufe der Zeit аber mit einer von Tag zu Tag sich steigernden Gewandtheit.
Eine Beute kommt in Sicht und wird rasch gefangen, entweder von einem Wien allein oder unter Mithilfe des zweiten. Sofort nach dem Fange erhebt sich der glückliche Jäger hoch in die Luft, übersteigt die Schar der Jungen und läßt nun die Beute fallen. Sämtliche Jungen versuchen ihr Geschick, und alle stürzen gemeinschaftlich unter lautem Schreien dem fallenden Vogel nach. Gelingt es einem, ihn zu ergreifen, so trägt er ihn, nicht immer unbelästigt durch die andern, einem geeigneten Baumaste zu, um ihn hier zu verspeisen; fehlen alle, so stößt der unter den Kindern einherfliegende zweite Gatte des Paares auf den Vogel, fängt ihn und steigt nun selbst über die Jungen empor, um dаs Spiel von neuem zu beginnen. So währen Lehre und Unterricht 8, 14 Tage, vielleicht auch 3 Wochen fort, bis die Jungen hinlänglich geübt sind, um sich auf eigne Faust ihr tägliches Brot zu erwerben. Damit ist dann auch in der Regel die Zeit der Abreise gekommen, und alt und jung zieht, meist noch gemeinschaftlich, der Winterherberge zu, bereits getrennt аber im nächsten Frühjahre wieder heimwärts.
Auch der Baumfalke richtet nicht unbedeutenden Schaden an. Lenz rechnet ihm nach, daß er jährlich etwa 1100 kleine Vögel vertilge. Dafür ist er der liebenswürdigste Hausgenosse, den wir aus seiner Familie gewinnen können.
Während der Blüte der Falkenjagd wurde auch unser Baumsalke abgetragen und zur Beize auf Wachteln und andres Kleingeflügel benutzt, soll auch von einzelnen Falknern so weit gebracht worden sein, daß er sogar wilde Gänse am Halse packte und so lange quälte, bis sie mit ihm zu Boden fielen; demungeachtet scheint er in der Falknerei eine besondre Rolle nicht gespielt zu haben und mehr seiner jeden Beobachter erfreuenden Fluggewandtheit als der eigentlichen Beize halber gehalten worden zu sein.