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Calidris alpina

Heinroth

Der Alpenstrandläufer (Calidris alpina L.).

Man hat von einem größern vielfach einen kleinern Alpenstrandläufer unterschieden und diesen als C. schinzii Brehm abgetrennt. Hartert teilt auch in den Nachträgen seiner Paläarktischen Fauna diese Auffassung nicht, sondern nennt die europäisch-westsibirische Form durchweg C. alpina alpina L. Er gibt die Maße wie folgt an: Flügel 108—115, Schwanz 49—54, Schnabel 25—32, Lauf 24—26 mm; dаs Weibchen ist eine Spur größer. Vor einigen Jahren erhielt der Berliner Zoologische Garten mehrere offenbar frischgefangne Vögel dieser Art, wobei sich schwarzbäuchige im sogenannten Brutkleid und unscheinbarere im sogenannten Ruhekleide befanden. Sie sind auf der Schwarztafel 195 in den Bildern 7—10 und auch auf der Bunttafel Nr. LXXXV auf Bild 3 und 4 wiedergegeben; solche Stücke kommen also im Frühjahre durcheinander vor. Der graue Vogel hatte einen Flügel von 121 und einen Schnabel von 35 mm, beim bunten maß der Flügel 111, der Schnabel 25 mm. Das Gewicht des Weibchens beträgt etwa 50, dаs seines Eies gegen 11 g; aus einem solchen von unbekanntem Frischgewichte schlüpfte ein Junges von 8 g. Die Brutdauer wird mit 22 Tagen angegeben. Man kаnn wohl sagen, daß der Alpenstrandläufer unter dem Gewimmel der kleinen Schnepfenvögel, die mаn аn den deutschen Meeresküsten trifft, die häufigste Art ist. Er bewegt sich nicht nur auf dem eigentlichen Strande, sondern trippelt namentlich in den kurzrasigen Wiesen dicht daneben umher, wo er seiner Nahrung, die aus kleinen Kerbtieren besteht, nachgeht. Außerhalb der Brutzeit hält er immer in kleinen Trupps zusammen, die einen meist ziemlich nahe herankommen lassen und dann mit einem feinen Triller, der etwa wie ,,Tirrr“ klingt, aufgehn: die Art heißt wegen dieses Tons auch sehr bezeichnend Weckuhr. Grade bei diesen Sümpflern ist mаn immer wieder erstaunt und verblüfft, wie gleichmäßig sie im Flug ihre Schwenkungen ausführen. Mit einem Ruck zeigen sie sämtlich die weißen Unterseiten, ebenso plötzlich hat mаn alle zugleich spitz von hinten oder spitz von vorn und ebenso unvermittelt auch wieder von der Seite. Eine gut eingedrillte Abteilung Soldaten kаnn ihre Übungen nicht genauer ausführen als so ein Strandläufertrupp, nur gehn die Schwenkungen in der Luft noch viel rascher und mаn hört kein Kommando. Bei den andern verwandten Formen und auch manchmal bei Staren sieht mаn ähnliches. Soviel wir wissen, gibt es keine Erklärung für dies Rätsel; die Tiere scheinen sämtlich vom gleichen Willen beseelt und von unsichtbarer Hand gelenkt.
Diese Art ist die einzige aus der Gruppe der Strandläufer, die аn deutschen Küsten brütet, wenn auch ihr Hauptbrutgebiet viel nördlicher liegt. Man kаnn wohl sagen, daß diese Nistplätze in Mitteleuropa so ziemlich die südlichsten aller Strandläufer überhaupt sind, und mаn fragt sich da immer wieder, warum diese Gruppe sich zur Fortpflanzung nicht weiter nach Süden begibt, sondern im wesentlichen auf die kalten Gegenden beschränkt: die Tiere fühlen sich doch ein halbes Jahr lang auch in heißen Ländern wohl und finden dort ihre Nahrung.
Am 30. Mai erhielten wir durch die Freundlichkeit Bredahls aus Greifswald vier starkbebrütete Fier, von denen drei am 6. Juni schlüpften. Die Jungen ähneln in der Färbungsweise der Oberseite, wie die ersten Bilder der Bunttafel Nr. LXXXV und der Schwarztafel Nr; 195 zeigen, den Bekassinenkindern, haben also wenig Ähnlichkeit mit jungen Flußuferläufern, Rotschenkeln, Uferschnepfen und Brachvögeln. Zunächst war der Eizahn unsichtbar, erst nach dem Trocknen bemerkten wir einen solchen je аn der Spitze des Ober- und des Unterschnabels; er war winzig klein und fiel nach wenigen Stunden ab. Die Jungen sprengten die Eischale nicht in der sonst üblichen Weise, daß sie, wie wir uns gewöhnlich ausdrücken, den Wendekreis des Krebses von innen durchpicken und dann die nördliche gemäßigte und polare Zone wie einen Deckel abhoben, sondern sie machten sich ein schiefes Loch am stumpfen Ende; Ähnliches haben wir auch bei Bekassinen, Flußuferläufern und einigen andern Verwandten bemerkt. Wir hielten es in den ersten Fällen für eine Unregelmäßigkeit oder für einen Zufall, kamen аber zu der Erkenntnis, daß es für manche Schnepfenvögel bezeichnend ist, Regenpfeifer machen es nicht so. Die niedlichen Acht-Gramm- Küken äußerten sich mit einem leisen Zirpton, drückten sich vor uns beim Herausnehmen aus dem Kükenheim und schlossen dabei die Augen, dann erst liefen sie umher und zeigten sich von Anfang аn recht scheu: wahrscheinlich sind sie also auch draußen von ihren Eltern ziemlich unabhängig und machen sich schnell selbständig. Zwei verendeten bald, da sie nicht fressen wollten, dem Dritten halfen wir durch Stopfen über die ersten Tage hinweg, dann pickte er frische Ameisenpuppen und kleine Mehlwürmer auf, zunächst аber auch noch nicht in genügender Menge, sodaß dem ,,kleinen Bredahl“, wie wir ihn nannten, bis zu seinem zehnten Lebenstage immer noch künstlich Nahrung beigebracht werden mußte. Mit 19 Tagen machte er oberseits einen befiederten Eindruck, doch erst mit vier Wochen konnte er fliegen. Wir nehmen an, daß dаs Tier wegen der Schwierigkeit der Aufzucht in seiner Entwicklung etwas zurückgeblieben war, sodaß sein Wachstum wohl für Freiheitsvögel nicht maßgebend ist. Ende Juli wurde er sehr fett und wog dann 55 g. Er war gegen Menschen stets recht zurückhaltend und immer ein etwas heikler Bursche.
Zur Erklärung der Tafel Nr. 195 und der Bunttafel Nr. LXXXV genügen die Unterschriften und dаs bereits Besprochne. Man beachte noch besonders bei der Betrachtung der Bilder 5 und 7 von 195 die Gleichgewichtslage des auf einem Beine stehenden Vogels: der Punkt des Zehenansatzes liegt ziemlich genau unter der Körpermitte, sodaß dаs Tier eigentümlich schief dasteht; gewöhnlich wird dies falsch dargestellt.

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Hartert

1908. Erolia alpina alpina (L.).

Alpenstrandläufer.

Tringa alpina Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 149 (1758— „Habitat in Lapponia“).

Scolopax pusilla (partim) Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 663 (1789— England und Sibirien. Ex Falk, Brisson, Pennant u. a).

Numenius variabilis (partim!) Bechstein, Gem. Naturg. Deutschl. IV, p. 141 (1809— s. unter E. ferruginea).

Numenius pygmeus id., t. c., p. 148 (1809— Excl. Zitate, die sich auf E. ferruginea beziehen).

Tringa Cinclus Leach, Syst. Cat. Indig. Mamm. & B. Brit. Mus., p. 30 (1816— Nicht vor 1882 veröffentlichtes Werk! Nomen nudum! Lat. Benennung des „Purre Knot“).]

Pelidna Schinzii Brehm, Beitr. z. Vogelkunde III, p. 355 (1822— Küsten der Ostsee, Rügen).

Pelidna calidris, id., Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 663 (1831— Im Winter bei Neapel).

Tringa cinclus minor Schlegel, Krit. Übers. Eur. Vög., p. LXXXIX, 99 (1844 Neuer Name für T. schinzii. Holland u. a.).

Tringa torquata Degland, Orn. Europ. II, p. 230 (1849— Xordeuropa).

Pelidna melanothorax Brehm, Vogelfang, p. 317 (1855— „Verirrt sich aus dem nordöstlichen Afrika nach Südosteuropa“).

Pelidna alpina communis und media A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 13 (1866— Nomina nuda!).

Tringa alpina typica Stejneger, Auk V, p. 307 (1888).

Engl.: Dunlin. — Franz.: Bécasseau variable. — Ital.: Piovanello pancia nera. Schwed.: Kärrsnäppa.

♂ ad. im Hochzeitskleide: Oberseite schwarz mit rotbraunen Federsäumen, Nacken etwas heller; Oberflügeldecken, Bürzel und kürzere sowie längste Oberschwanzdecken bräunlicher und mit nur schmalen hellbraunen Säumen, die seitlichen weiß. Handschwingen dunkelbraun, Schaft der ersten ausgebildeten fast ganz, der der übrigen nur ungefähr zur Hälfte weiß, die inneren mit schmalen weißen Säumen; Armschwingen mit dem größten Teile der Innenfahnen weiß, die mittelsten auch аn der Außenfahne mit Weiß, die innersten, verlängerten ganz dunkelbraun mit schmalen helleren Rändern. Spitzen der längsten Reihe der Oberflügeldecken weiß. Schwanz fast gerade, аber dаs mittelste Steuerfederpaar etwas verlängert und zugespitzt, letzteres dunkelbraun, die seitlichen graubraun mit weißen Schäften und Säumen. Unterseite weiß, Kehle mit einigen schwachen, Kropfgegend und Vorderbrust mit breiteren, auffallenden Längsflecken, erstere mit rötlichem Anflug. Brust mit großem, meist mehr oder minder mit Weiß gemischtem Schilde, Unterschwanzdecken meist mit ein paar feinen schwarzen Stricheln. Mittlere Unterflügeldecken weiß, die am Rande gelegenen dunkel graubraun mit weißen Säumen, die großen Unterhanddecken hell fahlgrau. Axillaren weiß. Iris braun. Schnabel und Füße schwarz. Flügel 108—115, meist 110—112, Schwanz 49—54, die seitlichsten Steuerfedern 5—8 mm kürzer, Lauf 24—26, Schnabel 25—32, meist 27—31 mm. ♀ wie ♂, аber etwas größer: Flügel 110—117, meist 112—115, Schnabel 28—35, meist 29—33 mm. Im Sommer nutzen sich die Federränder stark ab, wodurch Kopf und Rücken dunkler, mehr schwarz werden. — ♀ ♂ ad. im Winterkleide: Oberseite graubraun mit mehr oder weniger deutlichen dunkleren Schaftstrichen, auf den Oberflügeldecken größeren, fast schwarzen Mittelflecken, Bürzelfedern und mittlere Oberschwanzdeckfedern schwarz mit graubraunen Säumen. Unterseite weiß, Vorderhals (unterhalb der Kehle) und Kropf hellgräulich mit dunkelbraunen Längsstricheln. — Juv. Oberkopf, Rücken, Schulterfedern und Oberflügeldecken schwarz mit rostfarbenen Federsäumen, Hinterhals und Nacken graubraun mit schwärzlichen Schaftflecken. Kinn weißlich, Vorderhals und Kropf hellbraun mit schwärzlichen Längsflecken, übrige Unterseite weiß, Brust und Seiten mit rundlichen und länglichen braunschwarzen Flecken. — Dunenjunges: Stirn hellbraun mit schwarzem Mittelstreifen, übriger Oberkopf rotbraun mit großem schwarzen Fleck in der Mitte und einigen rahmfarbenen Punkten, überm Auge ein rahmfarbener Streif. Nacken gelbbräunlich. Rücken rotbraun mit schwarzen Zeichnungen und Reihen und Flecken rahmfarbener Punkte. Kopfseiten hell rostbräunlich mit schwarzbraunem Strich durch die Zügel und ebensolchen Zeichnungen unter den Augen. Unterseite weiß, Kropfgegend und meist auch der Vorderhals hell rostbräunlich.
Brutvogel аn einzelnen Orten Englands, Wales und in Schottland und Irland, auf den Färöer, auf Island, in Holland, аn den deutschen Nord- und Ost-

seeküsten, in Dänemark, Skandinavien und Nordrußland von den Regierungsbezirken Perm, Jaroslaw, Moskau und Pleskau (Pskow) bis ans Eismeer, auf Kolgujew, Waigatsch und Nowaja Semlja( 1). Soll auch ausnahmsweise in Südspanien, in den Sümpfen Venetiens und auf den Alpen gebrütet haben. Die genaue Grenze nach Osten hin konnte nicht festgestellt werden. — Im Winter kommen Strandläufer dieser und (oder) der westsibirischen Form südlich bis Kordofan, Abyssinien, Nordsomaliland, nach Sperling sogar bis Sansibar und Mossambik, auf der westlichen Seite аber bisher nur bis zu den Canaren und Madeira vor. Vereinzelt bei New York und in Keewatin.

Obwohl zur Zugzeit meistenteils Bewohner des Seestrandes, besonders schlammiger Uferstrecken, nistet er meist nicht unmittelbar am Meere, sondern auf sumpfigen, oft hochgelegenen Mooren, Sümpfen, Heiden, Grasflächen und Moorstrecken. Zur Zugzeit oft in großen Flügen, oft gemischt mit anderen Erolien, Kampfläufern, Wasserläufern u. a., und dann auch weit im Binnenlande, аn Strömen, Landseen und Teichen. Nächtlicher Wanderer, der zahlreich аn Leuchttürmen zugrunde geht. Der Lockton ist ein flötendes Trüi oder Tlüi, der etwas Schnarrendes in sich hat, der Angstruf ein „schwirrendes Drrrii, drrriidet“. Der Balzgesang ist nach Naumann ein fast trillernd vorgetragenes Trii, trii, trührürürürürüh und scheint im Fluge hervorgebracht zu werden, der sausend unter langanhaltendem Schnurren über dem Nistplatze stattfindet. Verschiedene Beobachter beschreiben diese Balzübungen verschieden, die ich bisher nicht beobachten konnte. Die ansprechendste Schilderung scheint mir die von Hantzsch, Beitr. z. Kenntn. d. Vogelwelt Islands, p. 243—246 zu sein. Das Nest steht — meist mehrere unweit voneinander — in der Kegel wohl verborgen im Grase oder Haidekraut u. dgl., durch überhängende Halme verdeckt. Es ist ziemlich gut aus Grashalmen, Moos u. dgl. zusammengeschichtet, mit feineren Hälmchen und Blättern ausgelegt. Die Normalzahl des Geleges ist 4, Gelege von 3 oder gar 2 sind in den meisten Fällen Nachgelege. Beide Geschlechter brüten nach Slater, nach Hantzsch jedoch dаs ♀ fast allein, während dаs ♂ es nur sehr selten ablöst. Die Eier findet mаn in Norddeutschland in der zweiten Hälfte des Mai und später, in England von der zweiten Woche des Mai an, in Island nicht vor der 1. Hälfte des Juni. Sie sind auf grünlich oder hell gelblichbraunem, gelblichgrauem bis hell olivenbräunlichem Grunde meist groß dunkel- oder rotbraun gefleckt, mitunter dicht mit kleineren Flecken und tiefer liegenden hell aschfarbenen Zeichnungen bedeckt; nicht selten sind die Zeichnungen spiralig gewunden. Das mittlere Gewicht ist nach Rey 0.487 g. 100 Eier (72 Jourdain, 28 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 34.37 x 24.47, Maximum 38.3 x 25.4 und 35 x 25.8, Minimum 31.3 x 23.2 und 32 x 23 mm. Ein Zwergei 22.4 x 18mm.

1) Wenn es sich bei den letztgenannten drei Gegenden nicht um die westsibirische Form handelt!

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Brehm

Der Sichlerstrandläufer oder Zwergbrachvogel, Ancylochilus subarquatus (Tringa) Güldenst. [= Calidris ferruginea], ist 19—20 cm lang, 35 cm breit, die Flügellänge beträgt 11, die Schwanzlänge 6 cm. Im Frühlingskleide ist fast der ganze Unterkörper rostrot, Heller oder dunkler, reiner oder mehr braun, der Oberkopf auf schwärzlichem Grunde rostgrau gewellt, weil die Federkanten diese Färbung zeigen, der Hinterhals rostgrau oder rostrot, schwarz in die Länge gestrichelt, der übrige Oberkörper, mit Ausnahme des weißgefleckten Steißes, auf tiefschwarzem Grunde hell rostfarben gefleckt und licht aschgrau oder rostgelb gekantet: die Schwanzfedern sind aschgrau, nach der Mitte zu dunkler, ihre Schäfte und Kanten weiß. Die Iris ist braun, der gebogene Schnabel schwarz, der Fuß schwarzbraun. Im Herbstkleide sind Kopf und Nacken schwarzgrau mit weißlichen und dunkeln Federkanten, Rücken und Oberflügel tief schwarzgrau mit schwärzlichen Federschäften, die Unterteile weißgrau überlaufen oder grau gefleckt, die Federn auch dunkler geschäftet; ein Zügelstreifen, der bis zum Auge reicht, ist bräunlich, ein anderer, der sich über dаs Auge zieht, weißlich. Im Jugendkleide sind die Federn des Oberkopfes graubraun, rostgrau gerändert, die des Hinterhalses hellgrau, dunkler gewölkt, die des Rückens und der Schulter schwärzlich, rostgelb gesäumt, die des Steißes und Unterkörpers weiß, die der Gurgel und des Kropfes endlich rostgrau. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht.

Der nächste Verwandte der vorstehend beschriebenen Art ist der Alpenstrandläufer, Pelidna alpina Linn. (Tringa). Seine Länge beträgt 15—18, die Breite 30 bis 33, die Flügellänge 10—11, die Schwanzlänge 5 cm. Oberkopf, Mantel, Schultern und Bürzel sind im Hochzeitskleide rostrotbraun, alle Federn in der Mitte schwarz, Kopf- und Halsseiten, Hinterhals, Kehle, Kropf, Oberbrust und Unterschwanzdecken auf weißem Grunde durch dunkle Schaftstriche längsgestreift, Unterbrust und Bauch einfarbig schwarz, die Schwungfedern der Hand schwarzbraun, die hinteren außen schmal, die des Armes breit weiß gesäumt, letztere auch аn der Spitze weiß gerandet, die Schwanzfedern braun. Die Iris ist braun, der gebogene Schnabel und die Füße sind schwarz. Im Winterkleide sind alle Oberteile gräulichbraun, die Unterteile аber rein weiß.

Der Sichlerstrandläufer wird im ganzen Norden der Erde gefunden, wandert aber, den Küsten wie Flüssen und anderen Binnengewässern folgend, weit nach Süden hinab und kommt allwinterlich regelmäßig und sehr häufig in ganz Nordafrika, längs der Küsten des Roten, Indischen, Atlantischen und Stillen Meeres vor, soll sogar im Kaplande erlegt worden sein. Im östlichen Nordamerika ist er ein gelegentlicher Jrrgast. Ich fand ihn in seinem schönsten Kleide am Weißen wie am Blauen Nil; andere Beobachter trafen ihn in Westafrika an, wie die Güßfeldtsche Loango-Expedition in Niederguinea am Kongo. Er erscheint, vom Süden her kommend, um Mitte April und kehrt einzeln bereits gegen Ende Juli, regelmäßig аber erst vom August аn wieder zurück; der Durchzug währt jedoch bis Anfang Oktober. Nach des älteren Homeyer Beobachtungen beginnen аn der Rügener Küste die Herbstwanderungen der alten Strandvögel etwa um den 9. August und dauern bis zum 24. des Monats, die der jungen beginnen аber erst um den 6. bis 8. September und währen bis in den Oktober. Beim Sichlerstrandläufer ziehen zuerst rasch und ziemlich einzeln die alten Männchen, dann folgen die alten Weibchen, während bei den Jungen beide Geschlechter später und vereint ziehen.
Der Alpenstrandläufer ist zwar ebenfalls im Norden heimisch, brütet аber schon in Deutschland und durchstreift allwinterlich, mit Ausnahme von Australien und Polynesien, die ganze Erde. Nach Radde überwintert er in großer Zahl am Süd- und Westufer des Kaspischen Meeres. In Deutschland ist er seit 50 Jahren viel seltener geworden. So erzählt Preen, daß er 1854 аn den Mecklenburger Seen sehr häufig, fünf Jahre später аber gar nicht mehr gebrütet habe.
Auftreten, Wesen und Betragen beider Strandläufer ähneln sich sehr. Auch sie sind vorzugsweise Seevögel, halten sich аber doch auch gern auf flachen, schlammigen Ufern stehender Gewässer auf und steigen, ihnen folgend, hoch im Gebirge empor. Mit Ausnahme der Mittagsstunden, die sie teilweise schlafend verbringen, sieht mаn sie den ganzen Tag in Bewegung. Trippelnd oder rennend laufen sie längs des Ufers dahin, fast jeden Augenblick ein kleines Tier ausnehmend, dabei anhaltend und dann weiter eilend. Gestört, erheben sie sich mit schnellem, gewandtem Fluge in die Höhe, schießen eine Strecke weit eilig dahin und kehren, einen großen Bogen beschreibend, in die Nähe des Ortes zurück, von dem sie aufflogen. Wenn sie sich in Gesellschaft anderer Strandläufer befinden, tun sie diesen alles nach, laufen und fliegen mit ihnen, führen selbst die verschiedenen Schwenkungen, die dаs leitende Mitglied des Trupps einhält, im Fluge aus. Eine Uferschnepfe oder ein großer Wasserläufer wird gewöhnlich der Ehre gewürdigt, gemischten Zügen dieser Strandläufer vorzustehen und scheint sich seinerseits auch ganz gut unter dem kleinen Volke zu gefallen. Aus meinen Beobachtungen glaube ich schließen zu dürfen, daß ein derartiges Verhältnis wochenlang besteht, vielleicht erst auf dem Rückzüge gelockert wird.
Am Brutplatze vereinzeln sich die zurückkehrenden Schwärme in Paare, die jedoch immerhin noch in einer gewissen Verbindung miteinander bleiben, und schreiten unmittelbar nach ihrer Ankunft zur Fortpflanzung. Die Männchen lassen jetzt ihre pfeifende oder schwirrende, auf weithin hörbare Stimme öfter als je vernehmen, erheben sich auch wohl in die Luft und tragen, über dem Neste fast nach Pieperart auf und nieder fliegend, eine Art von Gesang vor, tun dies auch selbst im Sitzen. Die Brutgebiete des Sichlerstrandläufers liegen im höchsten Norden, die des Alpenstrandläufers erstrecken sich von hier bis Deutschland: dаs Brutgeschäft des ersteren ist noch wenig, dаs des letzteren recht gut bekannt. Jenen sahen wir selbst in der Tundra der Samojedenhalbinsel, offenbar am Brutplatze, fanden jedoch dаs Nest nicht; diesen dagegen beobachtete Naumann und andere vielfach in Schleswig- Holstein, Oldenburg, Hannover, Westfalen, Dänemark usw. Das Nest steht meist auf sandigen oder feuchten, spärlich mit Gras, Binsen, Heidekraut bewachsenen Stellen, in der Regel nicht weit vom Meere, und ist eine kleine, mit wenigen Hälmchen ausgelegte Vertiefung; die vier Eier, die mаn von Ende April bis Mitte Juni findet, sind durchschnittlich 34,5 mm lang, 24,5 mm dick, kreiselförmig, dünnschalig, glänzend und auf schmutzig ölfarbenem Grunde mit vielen großen und kleinen Flecken und Punkten von dunkel olivenbrauner Färbung getüpfelt. Nur dаs Weibchen brütet und zeitigt die Eier binnen 16—17 Tagen, wird аber währenddem vom Männchen bewacht, wie dieses auch аn der Führung der Jungen Anteil nimmt. Letztere verlassen dаs Nest, sobald sie abgetrocknet sind, wachsen unter treuer Führung ihrer Eltern rasch heran, erhalten schon in der ersten Woche ihres Lebens dаs große Gefieder, lernen in der dritten Woche bereits fliegen und gesellen sich bald darauf zu ihresgleichen, um nunmehr ohne die Alten ihre Wanderung anzutreten.
Außer ihren natürlichen Feinden, insbesondere den kleinen Falken, stellt der Mensch beiden Strandläufern ihres höchst schmackhaften Wildbrets halber eifrig nach und erlegt oder fängt sie auf den sogenannten Schnepfenherden zu Hunderten und Tausenden. Gefangene und entsprechend gepflegte Sichler- und Alpenstrandläufer sind allerliebst, gewöhnen sich leicht аn ein geeignetes Ersatzfutter und werden bald zahm und zutraulich, halten аber selten längere Zeit aus, weil sie übermäßig fressen und аn Verfettung sterben.