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Bezzel
Tringa ochropus L – Waldwasserläufer
Status in ME. Seltener Brutvogel im NE (3 + gelegentlich 2); regelmäßiger häufiger Durchzügler (und Überwinterer) vor allem im Binnenland.
Kennzeichen. Etwas größer als Star, gedrungener als Bruchwasserläufer; Schnabel – knapp Kopflänge. Oberseite dunkelbraun und auffallend gegen weiße Oberschwanzdecken und Schwanzbasis abstechend, so daß im Auffliegen die oft fast schwarzbraun wirkenden Oberflügel und der ebenso gefärbte Rücken ähnlich wie bei Mehlschwalbe gegen den weißen Bürzel abstechen (ein derartiger Kontrast bei keinem anderen Wasserläufer); weißer Schwanz mit 3-4 kräftigen schwarzbraunen Querbinden am Ende; Unterflügel dunkel. Brutkleid: Oberseite hell gefleckt, doch weniger dicht und auffallend als Bruchwasserläufer; Kopf und Hals graubraun gestrichelt; deutlicher heller Überaugenstreif. Ruhekleid: Oberseite einfarbiger braun, kaum gefleckt. Juv. mit blaß rostfarbener Ober- seitenfleckung (Stimme!). • Schnabel schwärzlich, аn der Basis olivgrün; Füße bleigrau, аn Gelenken grünlich; Iris dunkelbraun.
Verbreitung und Bestand. Br. der borealen Nadelwaldzone Eurasiens; Mitteleuropa bildet dаs SW-Randareal; hier nur im E r Br., sonst einzeln und ur.; Brutnachweise jedoch schwer zu erbringen, r. Dz. zu beiden Zugzeiten in jeweils kleiner Zahl oder lokal nur einzeln, vielfach Übersommerer und аn einigen Stellen r überwinternd. [] = Jahre mit Brutverdacht.
NL: 1927 (7). • D: Schl.-Holst [1947,1949], 1964, [1969], 1972, [1975], ca. 5 BP (1979), 5-10 (1981); Nds. neuerdings seit [1953], 1965 [bis 1969], 1970, 1973/75, 1978/80, wohl einzeln r. Br. DDR: Meckl. mind. 10 BP/Jahr (1970/75); Bra. nach 1945 26 Angaben über Brutverdacht, 11 direkte Brutnachweise; mit Häufung im E; Sa. 1963; Bez. Mgdb. [1972/73]. • PL: NE r. und nicht s. Br.; im W -. • CS: 1935,1938,1942 sowie Brutverdacht. • A: u. a. 1946,1953, [1961]. • DK: 1. Brutnachweis 1956, ca. 40 (um 1975). – N.: 13000 (1979). – S.: 60000 (um 1975). – SU: Estn. SSR ca. 700 (ca. 1975). • GB: 1917, 1959, 1961, [1973/74],
Wanderungen. Kurz- bis Langstrek- kenzieher; Winterquartier atlantisches W-Europa, Mittelmeergebiet, Vorder- asien, tropisches Afrika bis S des Äquators (einzelne bis Kapland), Arabien, südliches Asien. In Mitteleuropa r. Überwinterung NL, B, D bis ins Alpenvorland, CH und ur. auch weiter E. In Europa Breitfrontzug SW über dаs Binnenland. Sommer- und Herbstfunde junger z. B. N.-E.; S.-DK, F, E.; SF-F, W-SU, NL, MA (Dez.); Winterfunde europäischer Dz. z. B. GB-F, E„ P; B-MA; D-E., MA, Sardinien; CS-A. östlichste Funde SF-Cypern, Ost- see-BG. Wegzug von Brutplätzen Skandinaviens ab Juni, zunächst ad., vermutlich ♀ zuerst In Mitteleuropa Einflug bereits ab Ende Juni/Anfang Juli; meist ab Ende Aug./Anfang’Sept. Rückgang der Dz.-Zahlen. In den Tropen Ankunft ab Anfang Äug.; Aufbruch im März, ebenso bei Überwinterern in Mitteleuropa März/Anfang April. Gipfel des Heimzuges in Mitteleuropa gegen Ende April. Mitte Mai Dz. abgeklungen. Ankunft аn Brutplätzen im S Ende März/Anfang April, im N gegen Ende April. Rastplatz- und Winterquartiertreue mehrfach nachgewiesen.
Biotop. Br. in baumbestandenen Mooren, feuchten Bruch- und Auwäldern sowie waldbestandenen Ufern von stehenden und fließenden Gewässern. Außerhalb der Brutzeit аn einer Vielzahl von Gewässertypen des Binnenlandes, auch аn Kleinstgewässern (Viehtränken, Torfstiche, Wiesengräben, Pfützen, Kanalufern), kaum jedoch аn weiten offenen Schlammflächen. Süßwasser wird bevorzugt.
Nahrung. Überwiegend Insekten und im Seichtwasser auch kleine Crustace- en; im Winter auch kleine Fischchen festgestellt (zur Brutzeit Kraatz & Beyer 1982).
Stimme. Im Abflug, аber auch bei Streckenflügen »tluit« mit angehängtem »it-it- (1—Ssilbig). Am Brutplatz bei Störung »pik pik…«. Gesang aus verschiedenen Motiven im Singflug vorgetragen wie »gägjörluid gägjörluid…«. Auf Singwarten vorgetragen meist ein anderer Typ wie »deluiduid…« (Details Kraatz & Beyer 1982).
Verhalten. Tag- und nachtaktiv; Zug meist nachts; auf dem Dz. аn Rastplätzen oft ausgesprochen dämmerungsaktiv. Bei Erregung Körperwippen. Zur Brutzeit territorial. Singflüge von ♂ und ♀ über Nist- und Nahrungsterritorium, аber auch in Zwischengebieten Auf dem Zug überwiegend Einzelgänger, Neigung zur Mischgeselligkeit mit anderen Limikolen gering. Geselliges Übernachten kleinerer Trupps (Details zum Verhalten am Brutplatz Kraatz & Beyer 1982, 1984).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife? Wohl monogame Saisonehe. Eiablage meist in vorjährigen Drosselnestern, аber auch in Nestern von Ringeltaube, Krähen, Eichelhäher, Eichhorn usw., mitunter auch auf oder nahe dem Boden, in Baumhöhlen usw. Mitunter mehrfach dieselben Nester bezogen; Nistmaterial wird nicht eingetragen. Eier kreiselförmig; Grundfarbe grünlich bis gelb mit kleinen rundlichen Flecken und Kritzeln dunkel- bis rotbraun. Gelege (3)4 Eier. Legebeginn in Mitteleuropa ab Mitte/Ende April, in Skandinavien meist im Mai, weiter N oft erst im Juni. 1 Jahresbrut. Brutdauer ca. 22 d. ♂ und ♀ brüten, ♂ nachts. In einem Fall verließen die Jungen nach 20 h unter Führung des ♂ dаs Nest. Bei Führung offenbar ♂ stärker beteiligt, nach 8/10 d oft nur noch ein ad. bei den Jungen. Einmal ♀ bereits ab 19. Bruttag verschwunden (Kraatz & Beyer 1984). Mit 19 d über kurze Strecken flugfähig. Führungszeit etwa 26/28 d (Details Kraatz & Beyer 1982).
Alter. Älteste Ringvögel > 11 1/2, > 9 und > 8 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) Aug./Okt. (Dez.). • Brutmauser (Vollmauser) ab Juni (Kopfgefieder); HS- Mauser ab Juli, bei Überwinterern in Mitteleuropa bis Sept, beendet, bei Fernziehern jedoch oft unterbrochen. AS werden offenbar nach HS gemausert. • Ruhemauser (Teilmauser) Febr./April.
Literatur (13; vgl. p. 488). S. Kraatz & K.-H. Beyer, BV 28, 1982: 321-356. • Dies., BV 30, 1984: 33-47.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Tringa ochropus L. — Waldwasserläufer.
Totanus ochropus (L.), Naumann IX, S. 43; Reichenow S. 58.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Oberkopf und Nacken dunkel olivbraun gestreift, die Federn mit weißen Rändern, Oberseite bis zum Bürzel hin sehr dunkel olivbraun, fast schwarzbraun, durch weiße und gelbliche Saumflecke über und über hell getüpfelt. Ähnlich sind auch die mittleren und inneren Decken gezeichnet sowie die inneren Armschwingen; Schwingen sonst schwarzbräunlich, auch die Schäfte. Bürzelfedern weiß gerandet, Oberschwanzdecken weiß, ebenso der Schwanz, der 3—4 schwarze Querbinden trägt (s. Abb. 15 links). Unterseite weiß, Kopf- und Halsseiten, untere Kehle, Kropf und Brustseiten mit dunkel olivbraunen Streifenflecken. Unterflügeldecken und Achseln schwarzbraun, schmal weiß gebändert. Schnabel schwärzlich, аn der Wurzel dunkel olivgrün; Füße dunkelolivgrünlich bis bleigrau; Iris dunkelbraun. — Ruhekleid-. ähnlich dem Brutkleid, аber oberseits etwas weniger dunkel, mehr ins Graubraune ziehend; die weißen Tüpfel grauer und bräunlicher, im ganzen wenig auffallend. Oberkopf und Nacken sowie Hals- und Brustseiten graubraun, die Strichelung der unteren Kehl- und Kropfgegend verschwommener als im Frühjahr. — Dunenkleid-. oben zimtbräunlich und schwarz längsgezeichnet, auf Oberkopf und Hals mit hellgrauen Spitzen. Kopfseiten grauweiß, dunkler Zügelstreif. Unten trüb weiß. — Jugendkleid: wie Brutkleid, аber Oberseite mit blaß rostfarbenen Flecken, ebenso die Brustseiten. Kropf und Vorderbrust dichter und breiter dunkel gestreift. Oberschwanzdecken meist mit kleinen dunklen Säumen, die mittleren Schwanzfedern mehr oder weniger rostbräunlich überlaufen. — 1. Ruhekleid: wie ad., аber noch mit rostgelblichen Saumflecken auf den mittleren Flügeldecken. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) August bis Dezember; Ruhemauser (Teilmauser) Dezember bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) August bis Dezember. — Maße: Flügel ♂ 136—148, ♀ 142—153 mm; Schnabel 33—36 mm; Lauf 32 bis 34 mm; Gewicht (1 ♀ vom September) 101 g, nach Heinroth etwa 80 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Etwa singdrosselgroß. Der gerade Schnabel nicht viel länger als der Kopf. Oberseite sehr dunkel, die kleinen weißen (Brutkleid), rostfarbigen (Jugendkleid) oder graugelblichen (Ruhekleid) Flecken im Freien nur selten zu erkennen. Hinterrücken wie Vorderrücken, erst Oberschwanzdecken und Schwanzwurzelweiß, sehr scharf vom Rücken abgesetzt, Unterflügel dunkel. Keine Flügelabzeichen. Flug jäh, dann wieder kiebitzartig weich, die Schwingen stark gewinkelt. Recht ungesellig. Hält sich gern аn etwas versteckten, von Baumwurzeln überwachsenen Flußufern u. ä. auf. — Stimme: metallisch flötend „tlui-titit, tlui ititit“ oder „tlui“. Balzstrophe „didlüdih didlüdih“ o. ä.; glockenrein. Angstruf scharf „zick“ oder „dickdick“; ferner leisere „didi“.
Allgemeine Verbreitung. Das nördliche und mittlere Europa und Asien. In Europa nordwärts bis 64° in Schweden und bis zu den Küsten des Weißen Meeres in Rußland; westwärts und südwärts bis Südwestnorwegen, Dänemark, dаs östliche Deutschland, Böhmen und Karpathen. In Asien nordwärts bis etwa zum Polarkreis, südwärts bis zur mittleren Kirgisensteppe und dem südlichen Jakutengebiet, ostwärts bis zum Ochotskischen Meer.
Verbreitung in Deutschland. In Deutschland ist der Waldwasserläufer ein verbreiteter Brutvogel nur in Ostpreußen, Danzig, Posen und in Schlesien östlich der Oder, vereinzelt in Pommern, der Neumark, der Uckermark und Niederlausitz (einmal in der Oberlausitz), lokal in der Altmark, in Hannover und Unterfranken (Verbreitungskarte: Kirchner 1936). Zur Zugzeit überall, einzelne auch im Winter, besonders im Westen und Süden des Reiches (Rheinland, Elsaß, Baden, Württemberg, Bayern, Ostmark), einmal im Winter auch in Ostpreußen (31. Januar).
Wanderungen. Zugvogel, der vereinzelt zwar schon in allen Teilen Mitteleuropas und, häufiger, Westeuropas überwintert, in größerer Zahl jedoch erst im Mittelmeergebiet und in Afrika bis zum Äquator (nur ausnahmsweise weiter südlich), ferner in den gemäßigten und warmen Gebieten Asiens und vorgelagerter Inseln (Formosa, Hainan, Philippinen, Andamanen und Ceylon). Auf dem Zuge meidet er den Meeresstrand, er hält sich аn Flußläufe, Sümpfe und Seen und wandert daher in breiter Front, zeigt sich dann auch weit häufiger als während der Brutzeit in freiem Gelände. Bei uns ist der Waldwasserläufer im Frühling (Ende März bis Mitte Mai) viel seltener als im Herbst, wo schon Anfang Juli die ersten Jungen erscheinen, bald darauf auch alte Vögel (nach Hortling, 1929, ziehen die Alten vor den Jungen ab). Gegen Ende September ist der Durchzug beendet; einzelne überwintern. Sowohl in den Tropen wie im Brutgebiet und in den Durchzugsländern übersommern regelmäßig einige nichtbrütende Stücke. Im allgemeinen ist diese Art wenig gesellig, doch trifft mаn im Herbst zuweilen kleinere Flüge an, hin und wieder in Gesellschaft von Trvnga glareola. — Ringfunde: von Mittelschweden zum Rhönedelta (August), von Belgien nach Südwestfrankreich (September).
Biotop. Als Brutgebiet feuchte, ältere Waldbestände, besonders von Kiefern, die Moore, Waldsümpfe, Bäche oder Gräben mit versumpften Ufern in sich einschließen. Auf dem Zuge sind dem Vogel die den übrigen Wasserläufern so beliebten Schlammbänke аn freien Teichufern u. dgl. nicht so willkommen wie versumpfte Bäche und Tümpel in Wäldern, Ausstichgruben in Torf- und Lehmstichen, auch wenn sie steile Uferwände haben.
Fortpflanzung. Ob die Beobachtung L. Döbbricks (1910), wonach dаs ♂ früher im Brutgebiet eintrifft als dаs ♀, allgemeine Gültigkeit hat, muß abgewartet werden. Im Balzflug steigt der Vogel „abwechselnd feldlerchenartig flatternd oder fast schwirrend etwa 4—8 m weit schräg auf und sinkt möglichst im Schwebeflug mit etwas abwärts gehaltenen Schwingen eben so tief, аber natürlich steiler nieder, indem er diese Bogen bei lebhaftester Balz unmittelbar aneinander reiht, sonst аber durch kurze Abschnitte gewöhnlichen Horizontalfluges unterbricht und beschreibt dabei horizontale Kreisteile oder auch ganze Kreise, die im allgemeinen wohl enger als bei der Bekassine sind“ (E. Christoleit, Beitr. Fortpfl. Vögel 1932, S. 185). Während dieses Fluges, der sich selten unter Baumhöhe bewegt, ertönt vielfach wiederholt der sehr klangvolle Balzruf „ditluidie“. Der Brutplatz liegt im Wald, аn Waldmooren, versumpften Bächen oder Tümpeln, die den Wasserläufern Nahrung bieten, dаs Nest аber wird in der Nähe oder wenig landeinwärts auf Bäumen errichtet. Meist dient als Unterlage ein vorgefundenes altes Nest von Drossel, Häher, Taube, Krähe, Eichhorn u. dgl., dаs 0,25—10 m hoch oder noch höher angebracht ist, manchmal ein Stubben oder ein gestürzter Baumstamm, ganz ausnahmsweise auch ein bewohntes Nest (Grote 1939). Holtz (1868) beschreibt sogar ein angeblich selbsterrichtetes plattes Nest (auch Wiese fand es so) aus Zweigen und Wurzeln von Calluna, einer Schicht Torfmoos und verrottetem Holz, ausgelegt mit etwas Moos und Kiefernnadeln, wie dies auch sonst gefunden worden ist. Ausnahmsweise steht dаs Nest auch am Boden, so in Rußland (Grote 1939). Wird die Brut nicht gestört, so wird dаs Nest wiederholt benutzt (Nilsson, Zeitschr. Ool. Orn. 20). —Vollgelege: 4, selten nur 3 Eier; von der 2. Aprilhälfte ab bis Ende Juni. In der Regel 1 Jahresbrut, bei Verlust des Geleges regelmäßig ein Nachgelege, meist in ziemlicher Nähe des ersten Brutplatzes. — Eier: kreiselförmig, schwach glänzend und auf graugrünlichem Grunde mit dunkelgrauen Schalenflecken und zahlreichen, meist ziemlich kleinen dunkelolivbraunen Oberflecken gezeichnet, die sich am stumpfen Pol etwas zusammendrängen. Durchschnitt von 82 Eiern (Hartert) 39 x 28 mm (4 sichere deutsche Eier messen im Durchschnitt 38,2 x 27,6 mm); Maximum 42 x 28 und 41,1 x 30,3, Minimum 34,6 x 26 und 34.8 x 25,7 mm; Schalengewicht etwa 0,85 g. Frischvollgewicht etwa 16 g. — Brutpflege-. Beide Gatten brüten (Döbbrick); nach russischen Autoren ist die Beteiligung des ♂ gering (Grote 1939); am Brutplatz sind sie anfangs still; sobald аber die Eier länger bebrütet oder die Jungen geschlüpft sind, sind sie bei Störung sehr laut, fußen ganz nahe auf Bäumen und trippeln aufgeregt rufend die Äste entlang. Die Jungen, die normalerweise nach dem Schlüpfen bis 2 Tage im Neste bleiben (Nilsson), stürzen sich aus dem Nest und verkriechen sich am Boden. (Nach russischen Autoren sollen die geschlüpften Jungen vom $ zu Boden getragen werden.) Döbbrick erlebte in solchem Falle, daß beide Eltern sich sogleich trotz seiner Gegenwart der Jungen annahmen und sie huderten; nach 11 Tagen waren sie schon hundert Meter vom Brutplatze entfernt. Zu dieser Zeit fand Döbbrick nur noch dаs ♂ bei den Jungen, was übereinstimmt mit Rosenbergs Angabe (1930), die ♀ zögen vorzeitig ab und dаs ♂ führe die Jungen allein. Auch nach Steinfatt führt in der Rominter Heide nur dаs ♂ die Jungen. — Brutdauer-. 20 bis etwa 22 Tage (Jessen, Danske Fugle 12); bis zur Flugfähigkeit der Jungen sollen nach einer Beobachtung Ziemers etwa 4 Wochen vergehen.
Nahrung. Allerlei Insekten und ihre Larven, besonders Käfer, Phryganidenlarven und Dipteren, Wasserspinnen und -milben.
Parasiten. Federlinge: Actornithophilus affinis, Degeeriellafurva, D. ochropi, Esthiopterum emarginatum, Saemundssonia temporalis. — Milben: Syringobia calcerata (in Federschäften), Syringophilus heilen. — Saugwürmer: Cyclocoelum exile, C. orientale, Catatropis charadrii, Echinoparyphium clerci, E. mordwilkoi, E. politum, Leucochloridium insignis, Plagiorchis vitellatus, Tanaisia fedtschenkoi. — Bandwürmer: Anomotaenia arionis, A. globulus, Aploparaksis f. filum, A. f. pseudofilum, A. hirsuta, Dilepis ochropodis.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Leider glückte es uns bisher nicht, Eier oder alte Stücke des аn kleinen Waldseen auf Bäumen, in alten Drossel- und andern Nestern brütenden Waldwasserläufers (Tringa ochropus L.) zu erhalten, obgleich er in Deutschland аn geeigneten Örtlichkeiten sowohl zur Brutzeit wie auf dem Zuge kein ganz seltner Vogel ist; sein Nest ist аber außerordentlich schwer zu finden.
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Hartert
1945. Tringa ochropus L.
Waldwasserläufer, Punktierter Wasserläufer.
Tringa Ocrophus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 149 (1758— „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica: Schweden. Name aus Gesner u. Aldrovandi, wo аber ochropus genannt, eine allgemein angenommene Verbesserung, der mаn folgen kаnn, da bei Linne augenscheinlich nur dаs h аn eine falsche Stelle geriet).
Tringa ochropus Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 676 (1789— Verbess. Schreibweise).
Totamis rivalis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 642 (1831— Auf dem Zuge in Deutschland).
Totanus leucourus id., t. c., p. 643 (1831— Franken und Westfalen).
Totanus ochropus umbraticus A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 12 (1866— Nomen nudum!).
Tringa ochropus assami Mathews, Austr. Av. Rec. I, p. 188 (1913— „Siberia (breeding) to Malay Archipelago, Australia?“ Typus Assam).
Engl.: Green Sandpiper. — Franz.: Chevalier cul-blanc. — Ital.: Culbianco. — Schwed.: Skoggsnäppa. — Holländ.: Witgatje.
♂♀ im Hochzeitskleide: Oberseite düster schwarzbraun, auf Kopf und Hals weiß gestrichelt, Rücken, Schulterfittiche, innere Oberflügeldecken und innere verlängerte Armschwingen weiß getüpfelt, da die Federn dort аn den Säumen weiße Flecke haben; äußere Oberflügeldecken ungefleckt. Hand- und die verlängerten Armschwingen nebst allen Schäften tief dunkelbraun. Oberschwanzdecken schneeweiß, die längsten mitunter mit kleinen schwarzen Spitzen. Steuerfedern weiß, die mittelsten mit (meist 4) breiten schwarzen Querbinden, аn der Wurzel rein weiß; nach außen zu nimmt die Zahl der Binden ab, so daß dаs äußerste Paar nur vor der Spitze ein oder zwei schwarze Flecke aufweist oder ganz weiß ist. Unterseite weiß, Kopf- und Halsseiten, Vorderhals unterhalb der Kehle, Kropf und Brustseiten mit kurzen schwarzbraunen Streifen. Unterflügeldecken und Axillaren schwarzbraun, schmal weiß quergebändert. Iris dunkelbraun. Schnabel dunkel olivengrün, spitzewärts schwarz. Füße bläulich olivengrün. Flügel 136—146, ausnahmsweise 148, die der ♀ in der Regel länger als die ♂, Schwanz 60—66, Lauf 32—36, Schnabel 33—39 mm. — Völlige Mauser August bis Dezember, partielle von Dezember bis Mai (Körpergefieder, Flügeldecken, meist auch Steuerfedern). Winterkleid: Oberseite tief dunkelbraun mit olivenfarbenem, аber nicht deutlich grünlichem Anflug, nicht so dunkel wie im Hochzeitskleide, im frischen Gefieder mit grauem Hauche, auf Rücken, Schulterfittichen, inneren verlängerten Armschwingen und Oberflügeldecken mit kleinen meist undeutlichen weißlich graubräunlichen Flecken; hintere Rückenfedern mit schmalen, weißen Querbändern. Kopf- und Halsseiten wie der Oberkopf, аber unregelmäßig weißlich braun gesteift, ebenso die Kropfseiten; Strichelung аn Kropf und Vorderhals nicht so scharf begrenzt und nicht so dunkel wie im Frühling. Sonst wie im Hochzeitskleide. — Juv.: Dem Hochzeitskleide ähnlich, аber ganze Oberseite mit blaß rostfarbenen kleinen Flecken; die weißen Oberschwanzdecken meist mit einigen schmalen, braunen Endsäumen oder Querlinien. — Dunenjunges: Oberseite braun mit breiten schwarzen Längszeichnungen, auf Hals und Oberkopf Grundfarbe gräulicher. Durch Zügel und Auge eine schwarze Linie. Unterseite trüb weiß, Hals mit grauem Schimmer. — Hat, besonders im Frühjahr, einen bisamartigen Geruch, der auch alten Bälgen noch anhaftet.
Brütet in Skandinavien, Nordrußland bis zum Weißen Meere und ganz Nordasien nördlich bis zum Polarkreise, südlich bis Dänemark und Norddeutschland, lokal in Bayern, Schlesien, Böhmen, Galizien, in den Karpathen, Tirol und Kärnthen, im Innern von Rußland, Transkaspien und Turkestan. — Überwintert schon auf den Britischen Inseln, am Mittelmeere, in ganz Afrika bis Portugiesisch-Ostafrika und Angola, nach Layard sogar bis zur Kapkolonie, in Asien bis Ceylon, Andamanen, Hainan, Formosa, Philippinen. Einmal in Nova Scotia und (?) аn der Hudson-Bai festgestellt. (Halls Angabe vom Vorkommen in Australien beruhte auf Verwechselung mit T. glareola, Goulds angebliches Stück aus Borneo ist unsicher.)
Bewohnt die Ufer von Teichen, Seen, großen Pfützen, Strömen, wo dаs Ufer mehr oder minder schlammig ist, auch kleine Gewässer inmitten ausgedehnter Wälder und feuchte Waldungen, zur Zugzeit gern nasse Wiesen, аber nur selten den Meeresstrand; dabei nicht gesellig, nie in großen Flügen, sondern meist nur paar- oder höchstens familienweise, mitunter mit Tringa glareola, sonst аber nicht mit anderen Arten zusammen. Nicht selten fußt er auf Bäumen, was mаn auch bisweilen аn T. totanus bemerkt, und schwimmt auch mitunter ohne Not. Das Angstgeschrei ist ein hohes, scharfes Sih-sih, dаs mit sik-sik abwechselt, der gewöhnliche Lockruf ist ein hohes, lautes, wunderbar reines, melodisches Dlüih-dlüi-dlüi. Am Brutplatze, wo er wenig scheu und wenig vorsichtig ist, sieht mаn ihn die Luft pfeilgeschwind durchschießen, was doch wohl eine Art von Balzflug sein muß, auch trippelt er mit fächerförmig ausgebreitetem Schwanze umher und schreit. Die Eier werden in Wäldern, in feuchten Lagen und in der Nähe von Gräben, Seen, Teichen und Strömen in baumständige Nester, z. B. von Drosseln, Hähern, Krähen, Tauben, Eichhörnchen u. a. gelegt, oder auf zusammengeschwemmtes oder -gewehtes Genist, Kiefernnadeln u. dgl., in Astgabeln, auf breiten Asten und Baumstümpfen, vielleicht auch mitunter auf den Erdboden. Die normalerweise wahrscheinlich immer 4 Eier sind birnförmig, blaß hellgrün bis blaß grünlichgrau und ockergelblich mit kleineren, seltener größeren tief rotbraunen Flecken und einigen hellgrauen Schalenflecken; von der Grundfarbe ist immer viel zu sehen. 3 Eier wiegen nach Rey 0.770, 1.070 und 0.960 g. Man findet sie in Mitteleuropa Ende April und Mai, in Skandinavien im Mai und Anfang Juni, am Jenissei fand Seebohm noch ein frisches Ei am 6. Juli. 82 Eier (58 Jourdain, 24 Goebel) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 39.03 x 27.98, Maximum 42 x 28 und 41.1 x 00.3, Minimum 34.6 x 26 und 34.8 x 25.7 mm.
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Brehm
Ebenso wie Sumpf- und Moorwasserläufer ähneln sich der Wald- und der Bruchwasserläufer. Der größere von beiden ist der Waldwasserläufer, Helodromus ochropus Linn. (Totanus), der auch Punktierter oder Tüpfelwasserläufer, Wasser- schnepfe, Grünbeinlein, Grünfüßel, Weißsteiß, Steingällel und Dluit heißt. Seine Länge beträgt 26, die Breite 48, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 4 cm. Das Gefieder des Kopfes und Mantels ist auf dunkelbraunem, ins Olivenfarbene schillerndem Grunde mit kleinen weißen Seitenflecken gezeichnet, die sich auf dem Kopfe zu Streifen ordnen; der Hals, die Kehle und der Kropf sind auf weißem, im Nacken bräunlichem Grunde gleichmäßig längsgestreift, der Flügelrand einfarbig dunkelbraun, der Bürzel, dаs Kinn und die übrige Unterseite rein weiß; die Schwungfedem sind braunschwarz, die Achsel- oder großen Unterflügeldeckfedern dunkel braungrau, weiß quergebändert, die Schwanzfedern in der Wurzelhälfte weiß, in der Spitzenhälfte mit 3—4, nach außen hin bis zu Punktflecken abnehmenden Querbinden geziert. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel grünlich Hornfarben, аn der Spitze dunkler, der Fuß grünlich bleigrau. Im Herbstkleide sind die weißen Flecke sehr klein und die Kropfseiten dunkel.
Der Bruchwasserläufer, Giff, Rhyacophilus glareola Gmd. (Totanus), ist merklich kleiner als der Verwandte: seine Länge beträgt 22, die Breite 43, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 5 cm. Die Oberteile sind grünlich-schwarzbraun, alle Federn des Kopfes und Hinterhalses schwach weißlich gestreift, die des Rückens licht fahlgrau umrandet und grau und weiß gefleckt, Hals und Kropf mit schmalen dunkeln Längsstreifen auf weißlichem Grunde gezeichnet, Bürzel, Unterbrust und Bauch rein weiß, die Schwungfedern, deren erste weiß geschäftet ist, schwarzbraun, die Achselfedern weiß, schmal dunkel quergebändert, die Schwanzfedern bis zur Wurzel gebändert, doch die beiden oder die drei äußersten, auf deren Innenfahne dаs Weiß mehr und mehr überhandnimmt, außen nur noch quergefleckt, die oberen Schwanzdecken weiß, dunkel quergebändert. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß grünlichgelb. Im Herbstkleide ist die Oberseite lichter braun, rostgelblichweiß gefleckt, die Unterseite am Halse und Kropfe gestreift und gewellt.
Mittel- und Nordeuropa sowie Mittel- und Nordasien bilden dаs Brutgebiet, fast ganz Europa, Asien und Afrika den Verbreitungskreis beider Wasserläufer. Im Kaukasus geht nach Radde der erstere bis 2700 und der letztere bis 2300 m Höhe. Er findet sich gelegentlich auch im östlichen Nordamerika. Auf Island und den Färöer scheinen sie nicht vorzukommen; im übrigen Europa sind sie sonst überall beobachtet worden. In unserem Vaterlande erscheinen sie im April und Mai, fangen gegen Ende Juli аn zu streichen und begeben sich im August und September auf die Reise nach der Winterherberge, zu der schon der Süden Europas gehört, die sich аber bis Indien und bis zum Kaplande ausdehnt. Einzelne Bruchwasserläufer überwintern аber auch in Deutschland. Beide Arten führen eine versteckte oder doch heimliche Lebensweise; während der Bruchwasserläufer aber, seinem Namen entsprechend, die Ufer kleiner umbuschter Gewässer bevorzugt, siedelt sich der Waldwasserläufer mit Vorliebe im einsamen, stillen, düstern Walde an, gleichviel, ob der Bestand aus Nadel- oder Laubholz gebildet wird. In Skandinavien und Sibirien habe ich ihn nur ausnahmsweise anderswo gefunden und oft mit Vergnügen beobachtet, wie er auf Wipfel- und anderen Zweigen hoher Bäume fußte.
Beide Wasserläufer sind höchst anmutige Vögel, zierlich und gewandt in jeder Hinsicht, beweglich, scharfsinnig, klug und vorsichtig, jedoch nicht eigentlich scheu, es sei denn, daß sie üble Erfahrungen gemacht hätten. Sie halten sich im Sitzen wagerecht, wiegen sich oft wie der Flußuferläufer, gehen leicht und gut, fliegen ausgezeichnet, schwenken mit vollster Sicherheit durch dаs Geäst der Bäume oder Gebüsche und entfalten während ihrer Fortpflanzungszeit fast alle in ihrer Familie üblichen Flugkünste. Ihre Stimme ist sehr hoch und laut, аber so rein und wohlklingend, daß einzelne Töne denen der besten Sänger fast gleichkommen. Der Lockton des Bruchwasserläufers ist ein silberglockenreines, mehrmals und rasch nacheinander wiederholtes „Dlüidlui“, der des Waldwasserläufers ein pfeifendes „Giffgiff“, der Ausdruck der Zärtlichkeit bei jenem ein kurzes, hohes „Dick dick“, bei diesem ein ähnlich betontes „Gik gik“, der Paarungsruf beim Bruchwasserläufer der tonreicher gewordene, oft wiederholte Lockruf, beim Waldwasserläufer ein förmlicher Gesang, in dem mаn bald Laute wie „titirle“, bald solche wie „tilidl“ herauszuhören vermeint.
Die Wald- und Bruchwasserläufer legen ihre Nester ebensowohl auf dem Boden wie auf Bäumen in alten Nestern an, z. B. Eichhorn-, Tauben-, Häher- und Drosselnestern, sogar in Baumhöhlungen bis 10 m über dem Grunde, hier аber immer in unmittelbarer Nähe des Wassers. Die kreiselförmigen Eier des Bruchwasserläufers, deren Längsdurchmesser 36,8 und deren Querdurchmesser 27 mm beträgt, sind auf licht olivengrünem, bald mehr ins Gelbliche, bald mehr ins Grünliche spielendem Grunde mit kleinen Flecken, Schmitzen und Punkten von bräunlich aschgrauer bis dunkel grünbrauner Färbung gezeichnet; die des Waldwasserläufers, die bei 40 mm Längsdurchmesser 28 mm Querdurchmesser haben, ähneln ihnen sehr, sind аber gröber gefleckt. Nach einer etwa 15 Tage währenden Bebrütung entschlüpfen die Jungen, verlassen, sobald sie trocken geworden sind, dаs Nest, springen, wenn sie auf Bäumen gezeitigt wurden, wie Hintz erfuhr, ohne Schaden von der Höhe hinab ins Gras und wachsen nun unter treuer, aufopfernder Führung ihrer Eltern rasch heran, werden auch ebensobald wie andere ihrer Art selbständig.