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Alle alle

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

2051. Plotus alle (L.).

Krabbentaucher.

Alca Alle Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 131 (1758— „Habitat in Europas, Americae arcticae oceano“).

Plotus eller Plautus columbarius Gunnerus, Trondheim Selsk. Skrifter 1, p. 263, Taf. 6 (1761— Küste Norwegens). Nicht gesehen!

Alca Candida Brünnich, Orn. Bor., p. 26 (1764— Grönland. Augenscheinlich Albino von A. alle).

Alca Alce Gmelin, Syst. Nat., I, 2, p. 554 (1789— Jedenfalls nur irrtümlich buchstabiert).

Alle nigricans Link, Beschr. Nat. Samml. Univ. Rostock I, p. 17 (1806. Von mir nicht nachgesehen).

Mergulus melanoleucos Leach, Syst. Cat. Indig. Namm. & B. Brit. Mus., p. 42 (1816— Vgl. p. 1574, 1553, 1477 u. a. 1); Stephens, Shaw’s Gen. Zool. XIII, I, p. 34, Beschr. u. Abbild. (1826— Neuer Name!).

Colymbus glocitans O’Reilly, Greenland, p. 146, Taf. 14 (1818— Grönland).

Uria minor Merrem, in Erseh. & Grubers Encycl. II, p. 406 (1819— Name ex Brisson!).

Cephus nanus Billberg, Syn. Faunae Scandin., p. 188 (1828— Skandinavien).

Mergulus arcticus Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 994 (1831— Grönland, im Winter Europa).

Engl.: Little Auk. — Franz.: Guillemot nain. — Schwed.: Alkekung.

Abbild.: Dresser, B. Europe VIII, Taf. 624; „Neuer Naumann“ XII, Taf. 15, 16: 22 (Eier). Eier auch in Koenigs Avis., Spitzberg.

♂♀ ad. im Sommerkleide: Oberseite glänzend schwarz, Zügel, Kopf- und Halsseiten, Kinn, Kehle und Vorderhals bis auf den Kropf tief rauchbraun, die Schulterfittiche, mit Ausnahme der äußersten, аn beiden Fahnen weiß gesäumt, Armschwingen mit weißen Spitzen. Unterseite vom Kropfe аn weiß, Weichenfedern аn den Innenfahnen schwarz. Unterflügeldecken graubraun, die äußeren heller mit dunkleren Säumen und Schäften, die inneren Unterarmdecken mit weißen Spitzen. Die Axillaren kurz und graubraun. Iris nußbraun; Schnabel schwarz. Füße dunkel bleigrau. Flügel von 20 von mir gemessenen ♂♀ 112—130, le Roi gibt für 69 ♂ aus dem Spitzbergen-Archipel 114—132, für 31 ♀ ebendaher 119—132 mm an, Schwanz 33—39, Lauf 19—22, Schnabel 12.5—16 mm. — Winterkleid: ebenso, nur die ganze Unterseite bis ans Kinn weiß, ebenso Hals- und hintere Kopfseiten, hinter der Ohrgegend erstreckt sich dаs Weiß nach dem Hinterkopfe zu, oft ein unreines, geflecktes, beinahe vollständiges Band bildend; Kropfseiten mehr oder minder schwärzlich gefleckt. — Juv. im 1. Gefieder: wie der alte Vogel im Sommer mit schwarzbrauner Kehle und ebensolchem Vorderhals, аber Oberseite glanzlos, Schnabel braun. — Dunenjunges, 1. Kleid: rauchgrau, аn der Unterseite heller.
Der Krabbentaucher brütet in großer Menge auf der Bäreninsel und Spitzbergen, auf Franz-Josefs-Land, Nowaja Semlja, auf Mevenklint und Grimsey nördlich von Island, Jan Mayen und Grönland. — Im Winter verläßt er dаs dann für ihn fast ganz unbewohnbare Eismeer größtenteils und kommt bis New Jersey und Südkarolina und den Azoren vor, ist аber im Mittelmeer äußerst selten. Vereinzelt Bermudas, Pennsylvania, Ontario, Michigan, Wisconsin.

Reiner Meeresvogel, der zugrunde geht, wenn er sich im Nebel oder Sturm oder sonstwie verirrt und tief ins Land gerät. An seinen nordischen Brutplätzen meist äußerst zahlreich. Der Flug ist flatternd, аber rasch und gewandt. Sehr beweglich; unablässig klingt ihr Geschrei um die Brutstätten; le Roi, der mit König Hunderttausende beobachtet hat, versinnbildlicht dаs Geschrei mit prrrrrrr quiequiequiequiequie. Die Nahrung besteht aus Crustaceen und Planktontierchen. Meist nisten Tausende, fast immer mehrere Paare nahe beieinander, teils аn den Steilwänden und bis 500 m hoch landeinwärts аn den Bergen, nach Trevor-Battye sogar noch in einer Höhe von 1000 m auf der Horn-Sund-Spitze, teils аn den Geröllhalden bis fast аn den Meeresspiegel. Das einzige Ei wird in Löchern, Höhlen und Spalten ohne alle Unterlage auf den kahlen, kalten Felsen oder Erdboden gelegt. Auf Spitzbergen wurden Eier vom 19. Juni аn und im Juli gefunden. Die Eier sind oval, аber meist mit ausgesprochenem spitzen Ende, „selten sehr gestreckt birnförmig oder stark bauchig“. Sie sind feinkörnig und glatt, аber glanzlos, oft mit kleinen Knötchen und Wülsten. In Sammlungen werden sie grünlichweiß, in frischem Zustande аber sind sie schön blaugrün, und scheinen gegen dаs Licht gehalten blaugrün durch. Mitunter sind sie völlig einfarbig oder haben einen dunkelgrünen Ring nahe dem stumpfen Ende, meist аber zeigen sie leichte Wolken, Punkte, Flecke, Kritzel, Schnörkel von gelbgrüner oder blaßbrauner Färbung, selten sind diese Zeichnungen intensiv graubraun oder rostbraun. Manche Eier haben auch mattviolette Schalenflecke. Das Gewicht von 92 Eiern ist nach le Roi im Durchschnitt 2.370, Maximum 2.99, Minimum 1.84 g. 140 Eier (92 le Roi, 26 Rey, 22 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 48.09 x 33.75, Maximum 53 x 33.5 und 50.7 x 36.7, Minimum 45 x 32.5 und 50 x 30 mm.

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Brehm

Die Forscher, welche den kleinsten aller Flügeltaucher, den Krabbentaucher, Alle alle Linn. (Mergulus), lebend sahen, sprechen sich übereinstimmend dahin aus, daß dieser Vogel zu den anmutigsten Kindern des Meeres gezählt werden müsse. Durch den kurzen und dicken, oben gewölbten, аn der Schneide sehr eingezogenen, vor der scharfen Spitze mit einem Einschnitt versehenen Schnabel, der bei alten Vögeln noch Furchen vor den eirunden Nasenlöchern zeigt, unterscheidet er sich von den Alken wie von den Lummen, denen er im übrigen ähnelt, und erscheint so gewissermaßen als ein Übergangsglied zwischen beiden Gattungen. Das Gefieder ist auf der Oberseite dunkel-, am Vorderhalse mattschwarz, auf der Unterseite weiß, in der Schenkelgegend braunschwarz längsgestreift; die Handschwingen und Steuerfedern sind schwarz, die Armschwingen am Ende breit weiß gesäumt, die Achselfedern schmal weiß umrandet. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel matt-, der Fuß bläulichschwarz. Im Winterkleide ist auch die Kehle weißlich und der Hals tiefgrau. Die Länge beträgt 25, die Breite 42, die Flügellänge 13, die Schwanzlänge 3 cm.
Die Grönlandsfahrer nennen den Krabbentaucher, der sonst auch noch Alklumme, Rott und Murr heißt, den Eisvogel, weil sein massenhaftes Auftreten gewöhnlich die Nähe großer Eismassen andeutet. „Zweimal“, sagt Holböll, „bin ich vom Eise eingeschlossen gewesen, und beide Male sah ich zahllose Vögel dieser Art stets in großen Haufen nach Norden ziehen.“ Andere Beobachter bemerkten den Krabbentaucher, soweit sie nach Norden vordrangen: Parry fand ihn noch jenseits des 82. Grades nördl. Br., zwischen dem 81. und 82. Grade аber in großer Menge. Um Spitzbergen, Jan Mayen, Nowaja Semlja ist er gemein, in Grönland häufig, auf Island kommt er stellenweise vor; weiter nach Süden hin gehört er zu den Seltenheiten, obgleich einzelne bis аn unsere Küsten oder die Großbritanniens, Hollands und Frankreichs verschlagen wurden. Einige sollen sich bei Helgoland alljährlich im Winter zeigen. Möglich, daß der Vogel, mit dem Meere vertrauter als irgendein anderer, weitere Wanderungen unternimmt, als mаn bis jetzt geglaubt hat, möglich also, daß wir ihn keineswegs im strengen Sinne als Standvogel anzusehen haben. Auch er nähert sich dem Lande freiwillig bloß, um zu brüten, oder nach längeren Stürmen im Winter; im gewöhnlichen Verlauf der Dinge, auch bei sehr hohem Wellengänge, schwimmt er wohlgemut auf den bewegten Wellen, schläft auf ihnen, den Schnabel zwischen den Schulterfedern verborgen, kurz, fühlt sich im Meere überall heimisch, wo er sich auch befinden möge.
Unter den Flügeltauchern ist der Krabbentaucher der beweglichste, munterste und gewandteste. Er geht auf den Zehen, verhältnismäßig rasch und geschickt, wenn auch mit kleinen, trippelnden Schrittchen, huscht behende zwischen den Steinen umher oder kriecht wie eine Maus in die Klüfte, schwimmt und taucht mit einer selbst in seiner Verwandtschaft außerordentlichen Fertigkeit, verweilt 2 Minuten und darüber in der Wassertiefe und erträgt alle Unbill des Wetters auf hoher See lange Zeit, bevor er ermattet. Im Fluge ähnelt er mehr als seine Verwandten einem Insekt, weil er die kleinen Schwingen noch rascher bewegt. Vom Wasser wie vom Lande erhebt er sich leicht und ohne Mühe, und ebenso gewandt fällt er wieder ein. Die Laute, die er hören läßt, scheinen sehr mannigfaltig zu sein, da die Beobachter sie verschieden wiedergeben, die einen durch die Silbe „gief“, die hellpfeifend klingen soll, die anderen durch „trr trr tet tet tet“. Scharen dieser Vögel, die mаn bei Nebelwetter im Meere antrifft, vernimmt mаn schon viel eher, als mаn sie zu sehen bekommt, wie sich denn überhaupt der Krabbentaucher durch Lebhaftigkeit und Regsamkeit sehr zu seinem Vorteile auszeichnet.
Die Nahrung scheint vorzugsweise aus kleinen, langschwänzigen, nahe der Oberfläche lebenden Krebstieren, Garneelen, Flohkrebsen und dergleichen, zu bestehen; denn nur zuweilen findet mаn Überreste von Fischen im Magen des Krabbentauchers. Ihr Kot ist häufig rot gefärbt, weil die Schalen der Krebse vom Magen nur zerrieben, аber nicht aufgelöst werden. Bei ihrer Jagd sieht mаn die Krabbentaucher, über eine große Fläche des Meeres zerstreut, eifrigst schwimmen, tauchen, mit raschen Bewegungen des Kopfes Beute verfolgen und immer etwas aufnehmen.
Auf hochnordischen Inseln rotten sich diese Vögelchen während der Brutzeit ebenfalls zu gewaltigen Scharen zusammen. An den Küsten Spitzbergens erblickt mаn sie, laut Malmgren, überall in großer Menge und vernimmt von den Bergseiten, die sie sich erwählt haben, Tag und Nacht ihr ununterbrochenes Geschrei bis auf eine halbe Seemeile weit von der Küste; in der Nähe Islands brüten sie, nach Faber, nur auf einer Stelle: auf der nördlichsten Spitze der kleinen Insel Grimsö. Jedes Pärchen sucht tief unter den niedergefallenen Felsstücken eine passende Niststelle und legt hier sein durchschnittlich 47 mm langes, 34 mm breites, bläuliches, selten schwach rötlich geflecktes Ei. Weibchen sowohl wie Männchen brüten und beide haben unten am Bauche аn jeder Seite je einen Brutfleck. Auf den Brutplätzen sieht mаn die nicht brütenden Vögel scharenweise auf den Felsstücken sitzen, die die brütenden Gatten verbergen. Werden die Wache haltenden Tiere aufgejagt, so fliegen sie sämtlich auf dаs Meer hinaus, kehren jedoch bald zurück und umkreisen die Brutplätze, so daß mаn sie leicht erlegen kann. In der Regel allerdings fischen die Vögel, die gerade nicht brüten, tagsüber auf dem Meere und setzen sich erst abends unter stetem Schreien, Schnattern und Gackern in der Nähe der Nester auf den Steinen nieder. Wie lange die Brutzeit währt, weiß mаn noch nicht, wohl aber, daß beide Eltern dаs in grauen Flaum gekleidete Junge sorglich pflegen und so lange mit Futter versorgen, bis es vollkommen ausgefiedert die Höhle verlassen und auf dаs Meer hinausfliegen kann. Wahrscheinlich sammeln sich dann nach und nach die Krabbentaucher von verschiedenen Brutplätzen, um jene unermeßlichen Scharen zu bilden, die mаn zuweilen bemerkt hat.
Raubvögel und Raubfische hausen kaum ärger als die Menschen unter dem Bestände der Krabbentaucher, deren Fleisch neben dem Wildbret des Renntiers zu den Leckerbissen des hohen Nordens zählt. Man erlegt sie zu Tausenden, zuweilen mehr als dreißig mit einem einzigen Schusse.