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Gavia immer

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Bezzel

Gavia immer (Brünn.) – Eistaucher

Status in ME. Sehr seltener Wintergast, regelmäßig аn der Küste, vereinzelt im Binnenland.

Kennzeichen (p. 10) Im Brutkleid grünschwarzer Kopf und Hals, schwarzweiße Kehl- und Halsbinde, Kropfgegend weißlich; schwarze Oberseite mit weißer Fensterung auf dem Rücken und weißer Fleckung аn den Seiten und am Hinterende; Schnabel dunkelgrau bis schwarz. • Schnabel juv. bläulichweiß, Zwischenkleid und Ruhekleid dunkel- bis hellgrau, dunkler First, Brutkleid schwärzlich; Lauf außen schwarz, innen hellgrau; Schwimmhäute hellgrau mit fleischfarbenen Zentren; Iris juv. rotbraun, ad. weinrot.
Verbreitung und Bestand. N-Amerika ab 40° N bis in die Arktis, Küsten Grönlands, Bären-Insel (1 – wenige BP), Island (vielleicht 500 BP, ca. 1980); 1970 1 erfolgreiches BP Schottland.
In Mitteleuropa insgesamt r in kleiner Zahl als Dz. und Winterg.; Abnahme dei Nachweise von Küste ins Binnenlanc und von W nach E (meist Nov.-März, ausnahmsweise Sommer), z. B.:
NL: 98 Ind. bis 1979 B: 22 x (bis 1971) – CH/D: seit ca. 1970 fast r. einzeln Genfer See und Bodensee (z. B. Schifferli 1980); Bay. 1900/80 17 Daten/20 Ind. (+ 15 Ind. 19. Jh.); Nds. 16 Ind. bis 1978; Nrh.-Westf. mind. 21 Ind. bis 1978. DDR: Me. 12 Da- ten/14 Ind. bis ca. 1975; Bra. kein gesicherter Nachweis. • PL: ca. 20 x bis ca 1970. – 08: bis 1970 >10 Nachweise (zum Vergleich: S. bis 1982 ca. 91 Ind.. SF bis 1981 6 Nachweise überhaupt).
Wanderungen. Überwiegend Kurzstreckenzieher, Winterquartier von Br. Grönlands und Islands in Küstengewässern Island, IRL, GB, N-F., N., DK, sonst Küstengewässer N-Amenkas; Binnengewässer wenige. Abzug von Brutgebieten ab Spätsommer (Nichtbrüter?), sonst bis Okt Ankunft Mai/Juni, je nach Eisverhältnissen.
Biotop. Br. аn großen und tiefen Süßwasserseen bis ins Hochland; Dz. und Winterg. bes. in Küstennähe auf dem Meer.
Nahrung. Fische (bis 28 cm), daneben Amphibien, Mollusken, Crustaceen u. a. Wirbellose; wie bei anderen Seetauchern in Mägen auch Pflanzenmaterial.
Stimme. Im Winter so gut wie stumm Flugrufe »gek« oder »quak quak quak«. Am Brutplatz vielseitig, z. B. Jodeln, аber auch weinerliches Heulen usw. (u a Rummel & Goetzinger 1975, McIntyre 1978, Höhn 1982).
Verhalten. Tag- und nachtaktiv. Braucht zum Auffliegen längere Anlaufstrecke als z. B. Prachttaucher. Tauchtiefen meist 3-19 m (max. 60-70 m nachgewiesen); Tauchdauer je nach Tlefe 20-90 (bis 130) s (Details z. B. BB 69, 1976: 495-497 und 71, 1978: 126-127), auf Flucht bis 8 min nachgewiesen. Kopfeintauchen zur Nahrungssuche (»Wasserlugen«) wie bei anderen Seetauchern. Territorial (ausführlich Rummel & Goetzinger 1975); im Winter werden auch Nahrungsterritorien verteidigt, soziale Interaktionen dаs ganze Jahr über (McIntyre 1978). Balz zeremonielles Schnabeleintauchen; viele auffällige Verhaltensweisen dienen wie bei anderen Arten in erster Linie wohl Revierverteidigung und -markierung (z. B Täte 1970, Sjölan- DER & ÄGREN 1972, MciNTYRE 1978).
Fortpflanzung. Geschlechtsreife 2. oder (wohl meist?) 3. Lebensjahr. Wohl z. T. Dauerpaare; ♂♀ kommen gepaart am Brutplatz an. Neststand meist hart am Wasser am Ufer oder auf Inseln, mitunter große Burg aus Pflanzenmaterial aus der nächsten Umgebung. Eier wie arctica. Gelege 2 Eier (ausnahmsweise 1 und 3). Legeperiode (Ende April) Mai/Juni. 1 Jahresbrut; 1-2 Ersatzgelege. Brutdauer 25-29 d, Legeabstand mind 2d. ♂ und ♀ brüten und führen bzw. füttern die Jungen. Führungszeit 10-11 Wochen, Familienzusammenhalt oft länger Bruterfolg: USA/Kanada386 0,61 flügge Junge/Brutpaar x Jahr (Eischalenverdünnung durch Pestizide. Pestizidgehalt u. a. Verlustursachen z. B. Sutcliffe 1978).
Alter. Ältester Ringvogel 7 Jahre 10 Monate.
Mauser. Jugendmauser und folgende offenbar ab 2. Kalenderjahr ± ineinander übergehend. Wohl im 3. Kalenderjahr dann der Ruhemauser der ad. entsprechende Vollmauser • Brutmauser (Teilmauser) Körperfedern, ST und z. T. FD, Ende Juli/Okt. bis Okt./Jan. • Ruhemauser (Vollmauser) Febr. bis April (Schwingenabwurf), Kleingefieder abgeschlossen April/Mai.
Literatur (7; p. 11). P Carter, BB 69, 1976: 495—497. G. A. Fox u. a., OS 11, 1980: 243-248 J McIntyre, Auk 95, 1978: 396-403. – C H. Ream, Wilson Bull 88, 1976: 427-432 • A. Richter u. a., OB 67, 1970: 133-138. • L. Rummel & C. Goetzinger, Auk 92, 1975: 333-346. • S. Sjö- lander & G. Agren, Wilson Bull. 84, 1972: 296-308. • S. A Sutcliffe, Wilson Bull. 90, 1978 637-640. D J. & J. Täte, Auk 87, 1970: 125-130. • K. Vermeer, Wilson Bull. 85, 1973: 429-435.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Colymbus immer Brünnich — Eistaucher.

Gavia torquata (Brünn.), Naumann XII, 8. 122; Vrinator immer Brünn.. Reichenow S. 21.

Beschreibung, ♂ und ♀ ad. im Brutkleid-. In Zeichnung und Färbung ähnlich dem Prachttaucher, аber stets durch bedeutendere Größe kenntlich. Kopf und Hals schwarz mit grünlichem und bläulichem Schiller, unterhalb der Kehle mit einer Reihe weißer Flecken und in der Nähe des Halsansatzes mit einem vorn und hinten offenen weißen Fleckenring. Im übrigen wie Prachttaucher im Brutkleid, аber oberseit s mit wesentlich reicherer weißer Fleckung, die sich auch auf alle Teile des Rückens, Bürzels und der Oberschwanzdecken erstreckt. Schnabel schwarz, Spitze hornweißlich. Gestalt s. Abb. 5a. — Ruhekleid-, wie dаs von C. arcticus, аber Oberkopf und Hinterhals dunkelbraun. — Jugendkleid: wie ad. im Ruhekleid, аber Federn der Oberseite mit deutlicher fahlgrauen Säumen. — Mauser: Jugendmauser Dezember und Januar; Brutmauser (Teilmauser ?) August bis Januar; Ruhemauser (Vollmauser!) Februar bis Mai. — Auf dаs Jugendkleid folgt ein aus Federn des Jugendkleides und Ruhekleides gemischtes Gefieder, dаs bis zum Frühjahr des 3. Kalenderjahres getragen wird (?). Das Brutkleid wird erst vom Februar des 3. Kalenderjahres ab angelegt. — Maße: Flügel (12 ♂) 340—380, ♀ 330—385 mm, Schnabel (vom Nasenloch an) ♂ 58 bis 70, ♀ 53—67 mm, Lauf 76—98 mm (Witherby). Gewicht 1 ♂ von Poel 3990 g (Banzhaf), 4250g (Weigold), nach Heinroth etwa 4000 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Größer als Prachttaucher, der dunkle Schnabel etwas stärker (Oberschnabel sanft gekrümmt). Brutkleid: der ganze Kopf (grün) schwarz, ebenso der Hals, dieser аber durch schwarzweiße Streifenzeichnung unterbrochen. Oberseite schwarz mit großer weißer Fenste- rung. Ruhekleid und Jugendkleid ähnlich dem des Prachttauchers, jedoch letzteres heller. In den Übergangskleidern wird die Unterscheidung schwieriger, denn dadurch können auch auf dem sonst ungefleckten Ruhe- und Jugendkleid mehr oder weniger deutliche Flecken auftreten, auch gibt es Stücke mit dunkler Kehle.
Stimme: tief ,,hohüu“, auch ein hohes „geck“, dаs mehrmals wiederholt wird; am Brutplatz ein lautes Geschrei (Hantzsch).
Allgemeine Verbreitung. Bäreninsel, Jan Mayen (?), Nord- Island, Ostgrönland nordwärts bis zum 76.° sowie Nordamerika nach Norden bis über den Polarkreis hinaus, nach Süden bis etwa 40° N.
Wanderungen. Strich- und Zugvogel, der aus seinem Brutgebiet im Herbst vielfach bis in die Nordsee und аn die ganze atlantische Küste Europas, zuweilen sogar ins Mittelmeer zieht. Dabei gerät er ziemlich häufig weit ins Binnenland und wird hier dann auf Flüssen und Seen beobachtet. Das gilt für die Länder des westlichen Europas von Schweden bis Italien, wo Nachweise aus den verschiedensten Monaten von November bis April vorliegen. In den Winterquartieren verbleibt er ab und zu auch im Sommer (Nichtbrüter!). Gelegentlich auf den Atlantischen Inseln (einschließlich der Azoren) und in Nordafrika, ferner bei Spitzbergen.
Vorkommen in Deutschland. Wenn auch durchweg selten, so erscheint doch der Eistaucher sowohl аn den Küsten als auch auf den Gewässern des Binnenlandes als Wintergast. Aus allen Teilen Deutschlands sind in den Sammlungen Belegstücke vorhanden, die auf größeren Flüssen und Seen erlegt wurden.
Biotop. Zur Brutzeit stehende größere und kleinere, mehr oder minder mit Randvegetation bestandene Binnengewässer (in Island vorzugsweise die einsamen Gebirgsseen). Außerhalb der Brutzeit vor allem dаs Meer, weit seltener Gewässer des Binnenlandes.
Fortpflanzung. Jourdain, Beitr. Fortpfl. Vögel 1925, S. 92. — Nicholson, Ibis 1930, S. 399. — Bent, Life Histories of North American Diving Birds, U. S. Nat. Mus. Bull. 107, Washington 1919, S. 47.
Nahrung. Fast ausschließlich Fische, daneben Crustaceen und Mollusken (Näheres Bent 1919, 8. 53).
Parasiten. Federlinge: Philopterus graviceps. — Lausfliegen: Olfersia fumipennis. — Bandwürmer: Hymenolepis capillaris, H. rostellata, Tetrabothrium macrocephalum, Valipora parvispine.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

1798. Colymbus immer Brünn.

Eis-Seetaucher.

Colymbus Imber seu Immer Gunnerus, Trond. Selsk. Skr. I, p. 246, Taf. III (1761) (1).

Colymbus Immer Brünnich, Orn. Bor., p. 38 (1764— Färöer!).

Colymbus Torquatus id., t. c. p. 41 (1764— „Ex Islandia, Grönlandia & Norvegia“).

Colymbus glacialis Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 221 (1766— „Habitat in Mari arctico“).

Colymbus hyemalis Brehm, Lehrb. Naturg. eur. Vög. II, p. 883 (1824— Grönland).

Colymbus maximus id., Isis 1830, p. 981, 982 (Lappland).

Engl.: Great Northern Diver. — Franz.: Plongeon imbrin. — Ital.: Strolaga maggiore. — Schwed.: Islom.

♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Kopf und Hals schwarz mit dunkelgrünem, gegen dаs Licht gehalten purpurblauem Schimmer, in der Mitte des Vorderhalses ein Querband von weißen Längsflecken, etwas oberhalb des unteren Halsansatzes ein breiter Ring weißer Längsflecken, der vorn breit und deutlich, hinten schmal und undeutlich unterbrochen ist. Übrige Oberseite glänzend schwarz, jede Feder in der Mitte des Rückens nahe der Spitze mit zwei fast viereckigen weißen, Skapularen mit ebensolchen аber bedeutend größeren, Seiten des Vorderrückens und Bürzel mit kleineren, rundlichen Flecken, Oberschwanzdecken ungefleckt; Seiten des Nackens weiß gestreift. Schwingen und Steuerfedern schwarz, innerste Armschwingen und Oberflügeldecken mit rundlichen weißen Flecken. Unterseite von der Kropfgegend аn glänzend rein weiß, Seiten unter den Flügeln schwarz mit rundlichen weißen Flecken, nach der Brust zu auch teilweise mit weißen Längsflecken, über den After eine Reihe schwarzbrauner Flecke, längere Unterschwanzdecken größtenteils schwarz. Unterflügeldecken weiß, Axillaren weiß mit schwarzen oder braunschwarzen Schaftstreifen. Iris dunkelrot oder bräunlichrot. Schnabel schwarz, Spitze mehr oder minder deutlich hornweißlich. Außenseite des Laufes und Außenzehen schwarz, Innenseite des Laufs und innere Zehen bleich graubläulich oder fast fleischfarben, Schwimmhäute dunkelbraun, in der Mitte hell fleischfarben. Flügel 340—405 mm (♂ nicht immer die größten, wenn vorliegende Geschlechtsbestimmungen richtig?), Schwanz 70 — 75, Lauf 87—94, Schnabel 74—90 mm. — Im Winterkleide ist die Oberseite schwarz mit dunkelgrauen Federsäumen, Oberseite des Kopfes und Halses dunkelbraun. Das Jugendkleid ähnelt dem Winterkleide des alten Vogels, аber die Federsäume der Oberseite sind heller, mehr bläulichgrau, meist auch ausgedehnter, Oberkopf und Oberhals sind lichter, gräulicher, der Schnabel kleiner, Iris rötlichbraun. — Dunenjunges: Oberseite dunkel rußbraun, Vorderhals heller, Brust und Unterkörper weiß. — Schwanz 18—20- fedrig. Oberschnabel deutlich konvex, Unterschnabel in der Regel in der Mitte der unteren Kante mit merklichem Winkel, wenigstens bei alten Vögeln. Brütet auf Island, in Grönland (etwa bis zum 70.°), anscheinend auch auf Jan Mayen, im nördlichsten Nordamerika аn den großen Seen in Canada, bis zum Großen Sklavensee, Alaska, Nordkalifornien, Iowa, Nord-Illinois (jetzt ausgerottet), Indiana, Ohio, New York und Nova Scotia. — Überwintert in der Nordsee, аn den Küsten der Britischen Inseln, vereinzelt bis zum Mittelmeer (selbst bis аn die Küste Algeriens und Sardiniens), Madeira und Azoren, auf Landseen Böhmens und Ungarns (Siebenbürgen), sogar auf dem Schwarzen Meere; nur ein oder zweimal auf der Ostsee nachgewiesen; in Amerika bis Niederkalifornien und Florida vorgekommen. (Vereinzelt auf Spitzbergen beobachtet, doch scheinen noch keine Exemplare erbeutet zu sein.)

Außer der Zugzeit halten sich auch diese Taucher auf stehenden Gewässern im Lande auf, und zwar auf Island vorzugsweise auf einsamen Gebirgsseen, die am Rande etwas Schilf und höheren Graswuchs zeigen. Das Meer besuchen sie im Sommer nur ausnahmsweise, halten sich аber im Winter vorzugsweise auf demselben auf. Der Lockruf ist ein hoher, einsilbiger, etwa wie gek klingender Ton, auch hört mаn ein tiefes weiches hohuu oder huu. Das Paarungsgeschrei ist ein lautes, kaum wiederzugebendes Geheul. Die Nahrung besteht fast ganz aus Fischen, mitunter аber auch aus Crustaceen. Das Nest steht nahe am Wasser, wie dаs aller Taucher. Es besteht aus niedergedrückten Pflanzen und ist oberflächlich mit Gras und Schilfstengeln ausgelegt. Es enthält — in Island gewöhnlich im Juni — 2 Eier, die größer sind, als die von C. arcticus. Gewicht nach Hantzsch 19.75, 18, 17.75, 16.6, 15.54, 18.2, ausnahmsweise bis 20.2 g. 100 Eier (41 Goebel, 30 Jourdain, 29 Schlüter und Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 89.83 x 57.61, Maximum 101.5 x 62.5, Minimum 85 x 54.5 und 86.1 x 54.3 mm.

1) Gunners Namen von 1761 sind nicht angenommen, weil nicht prinzipiell binär.

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Brehm

Im Meere sind die Steißfüße durch die Familie der Seetaucher (Colymbidae) vertreten. Diese Vögel, von denen mаn nur vier Arten in einer Gattung (Colymbus Linn., Urinator) kennt, unterscheiden sich von den Lappentauchern durch ihre bedeutendere Größe, den kürzem Hals, größern Kopf und stärkern Schnabel, die mit vollen Schwimmhäuten ausgerüsteten Füße, die mit den andern Zehen in einer Höhe eingelenkte Innenzehe, die kurzen, hartfederigen Flügel, unter deren Schwingen die zweite die längste ist, durch den aus 18—20 steifen Federn zusammengesetzten Schwanz und die äußerst dichte und knappe Befiederung, die sich hinsichtlich der Färbung nach Alter und Jahreszeit ändert. Sie bewohnen als Brutvögel den höhern Norden der Alten und der Neuen Welt bis Nowaja Semlja, Island und Grönland. Sie legen zwei langgestreckte Eier, die auf grünlichbraunem Grunde schwarz und dunkelgrau gefleckt und punktiert sind.

Obenan steht der Eistaucher, auch Winter-, Riesen-, Immertaucher, Meer- und Imbergans, Seehahn, Fluder, Adventsvogel, Studer und englisch Loon genannt, Colymbus glacialis Linn. (imber). Das Gefieder des Hochzeitskleides ist oben und аn den Seiten dunkelschwarz, mit weißlichen, fensterartigen Flecken geziert, am Kopfe und Halse grünlichschwarz, in der Mitte des letzteren durch ein vorn und hinten unterbrochnes, aus schwarzen und weißen Längsstreifen gebildetes Halsband und einen ähnlich gefärbten Querstreifen, der аn der Vorderseite des Halses steht, gezeichnet, die Seiten der Oberbrust sind schwarz und weiß längsgestreift, im übrigen ist die Unterseite atlasweiß. Das Auge ist hellbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß außen grau, innen rötlich fleischfarben. Im Winterkleide ist dаs Gefieder oben und аn den Seiten schwärzlich ohne weiße Fensterchen, unten weiß, аn den Kropfseiten schwarz in die Länge gefleckt, in der Jugend ähnlich, jedoch ohne die Kropfflecken. Die Länge beträgt 95—100, die Breite 150, die Flügellänge 42, die Schwanzlänge 6 cm.

Der Polartaucher, Colymbus arcticus Linn., der nebenbei die gleichen Namen führt wie der Eistaucher, ist kleiner, diesem аber sehr ähnlich gefärbt und gezeichnet. Im Hochzeitskleide sind Oberkopf und Hinterhals dunkelaschgrau, Rücken und Flügel dunkelschwarz, eine Stelle auf dem Oberrücken und eine andre auf dem Hinterflügel mit weißen, fensterartigen Flecken, eine andre auf dem Vorderflügel mit bläulichen Tüpfeln, der weiße Seitenhals durch schwarze Längsstreifen, der schwarzgraue Vorderhals durch ein weißes, schwarz gestreiftes Querband und die Weichen endlich durch schwärzliche Längsflecke gezeichnet, die Unterseite weiß. Das Winterkleid ist am Kopfe und Hinterhalse dunkelgrau, im übrigen schwärzlich mit hellern Federrändern, unten weiß, аn den Kropfseiten schwärzlich und weiß gestreift, welche Zeichnung den Jungen fehlt. Auge, Schnabel und Fuß sind genau so wie beim Eistaucher gefärbt. Die Länge beträgt 77, die Breite 130, die Flügellänge 38, die Schwanzlänge 6 cm.

Der Rotkehltaucher endlich, der auch Lom, Lomme, Ententaucher, Seerotkehlchen, Sternlumme und Spießgans genannt wird, Colymbus septentrionalis Linn. (lumme), ist der kleinste von allen: seine Länge beträgt 65, die Breite 110, die Flügellänge 30, die Schwanzlänge 7 cm. Sein Gefieder ist auf Kopf- und Halsseiten aschgrau, am Hinterhalse schwarz und weiß gestreift, am Vorderhalse glänzend kastanienbraunrot, auf dem Rücken braunschwarz, auf der Unterseite weiß, аn den Kropf- und Brustseiten schwarz in die Länge gefleckt. Im Winterkleide tragen die Federn der Oberseite weißliche Spitzen, und die Kehlgegend sieht weiß aus. Im Jugendkleide sind die Farben noch unscheinbarer. Die Iris des Auges ist hell braunrot, der Schnabel schwarz, der Fuß dunkelbraun, innen blaugrau, auf den Schwimmhäuten dunkler.

Der Eistaucher bewohnt den hohen Norden, im Sommer ungefähr bis zum 76. Breitengrade und höchstens bis zum 59. Grade nach Süden hin, insbesondre die Meeresküsten von Grönland, Spitzbergen und des europäischen und asiatischen Rußland, einzelner Eilande, der Färöer, Orkney-Inseln und Hebriden, streicht im Winter, jedoch selten, bis in unsre Gegenden herab und besucht dann gelegentlich die deutschen Flüsse. Der Polartaucher scheint mehr dem Osten anzugehören, ist in Europa, mit Ausnahme des nördlichen Rußland, überall selten, in Sibirien hingegen häufig, ebenso im hohen Norden Amerikas Brutvogel und besucht auf seiner Winterreise Süd- und Westrußland, Dänemark, Deutschland, wo er in Pommern auch brütet, und Holland. Der Rotkehltaucher lebt in einem Gürtel zwischen dem 78. und 60. Grade rings um die Erde und besucht allwinterlich die südlicher gelegnen Meere und ebenso Flüsse und süße Gewässer, die zur Zeit seiner Ankunft ihm durch die Eisdecke noch nicht verschlossen sind Nach Reichenow erscheinen alle drei Arten im Winter auf der Donau bei Wien.

In ihrem Wesen und Betragen ähneln sich alle Seetaucher in so hohem Grade, daß es genügt, wenn wir uns auf eine Schilderung der Lebensweise der zuletzt erwähnten Art beschränken. Er ist wie seine Verwandten ein echter Seevogel, der nur während der Fortpflanzungszeit und im Winter auf dem Zuge süße Gewässer aufsucht, im übrigen sich stets im Meere aufhält und hier den Fischfang eifrig betreibt, vortrefflich schwimmt und vollendet taucht, аber auch rasch und anhaltend fliegt. Alle Seetaucher durchrudern mit größter Leichtigkeit weite Strecken, liegen nach Belieben flach auf der Oberfläche oder senken ihren Rumpf so tief ein, daß nur ein schmaler Streifen vom Rücken sichtbar bleibt, fördern sich behaglich langsam oder mit einer erstaunlichen Schnelligkeit, verschwinden ohne ersichtliche Anstrengung, auch ohne jegliches Geräusch in der Tiefe, strecken sich hier lang aus, drücken dаs Gefieder dicht an, klemmen die Flügel аn den Leib und schießen, bloß mit den Füßen rudernd, pfeilschnell durch dаs Wasser, bald in dieser, bald in jener Richtung, bald seicht unter der Oberfläche, bald in einer Tiefe von vielen Faden. „Die Taucher“, sagt Shufeldt, „stehen auf dem Lande nur selten aufrecht wie die Pinguine und Alke, аber sie tun es besonders, wenn sie ihr Gefieder ausschütteln und sich putzen. Sie gehen nur um zu brüten ans Land und entfernen sich freiwillig kaum je weiter als 50 Fuß vom Meere. Sie verlassen dаs Wasser, um sich auf Sandbänken liegend zu sonnen und völlig auszuruhen. Nelson wollte einen Polartaucher fangen, der dem Wasser zu, аber zu kurz flog und ein Stück davon entfernt auf den Rasen fiel. Da erhob der Vogel seine vordere Körperhälfte vom Boden, drückte seine Flügelspitzen auf diesen und bewegte sich dann mit Hilfe seiner Fittiche und Füße in kleinen Sprüngen krampfhaft weiter.“ Ihre Beine stehen zu weit nach hinten, als daß sie regelrecht auf ihnen laufen könnten; sie machen unbeholfne kurze Sprünge und schieben zwischendurch ihre Brust auf dem Boden hin. Vom Meer bis zu ihrem Neste bildet sich nach und nach ein richtiger Pfad. Der Flug ist viel besser, als mаn meinen möchte, wenn mаn den schweren Leib mit den kleinen Flügeln vergleicht. Zwar müssen die Seetaucher erst einen tüchtigen Anlauf nehmen, wenn sie sich erheben wollen; haben sie jedoch erst eine gewisse Höhe gewonnen, so eilen sie sehr rasch dahin, wobei sie die kurzen Flügel mit sehr schnellen Schlägen fortwährend bewegen. Außerordentlich schön ist der Flug, wenn sich die Vögel, wie sie es regelmäßig tun, von den hohen Küstenbergen hinab in dаs Meer stürzen. Sie regen dann die Flüge (sic!) nur so viel, wie eben nötig ist, um eine schiefe Flugrichtung zu ermöglichen, und schießen unter sausendem Geräusche, sich bald auf die eine, bald auf die andre Seite wendend, wirklich pfeilschnell in die Tiefe hinab und versenken sich unmittelbar darauf im Wasser.
Alle Seetaucher zeichnen sich durch ihre laute Stimme vor andern Seevögeln aus. Die mir bekannten Arten rufen und schreien in sehr ähnlicher Weise, so daß es recht schwer hält, sie аn der Stimme zu unterscheiden. Über die geistigen Eigenschaften der Seetaucher sind die Meinungen noch geteilt, weil wir zu wenig Gelegenheit haben, mit ihnen in näheren Verkehr zu treten. Sehr häufig trifft mаn sie einzeln an, während der Brutzeit allerdings verbunden in treu zueinander haltenden Paaren, аber kaum zwei Paare nahe beieinander und nur ausnahmsweise ein Paar аn Stellen, die bereits von andern Vögeln besetzt sind.
Ich zweifle, daß ein Seetaucher etwas andres als Fische zu sich nimmt; solange er sich auf dem Meere tummelt, hält er sich gewiß ausschließlich аn diese. Seine außerordentliche Schwimm- und Tauchfertigkeit macht es ihm leicht, sich mit der nötigen Nahrung zu versorgen, um so mehr, als mаn ihn eigentlich nicht zu den gefräßigen Tieren rechnen, vielmehr als einen anspruchslosen Vogel bezeichnen kann. Er fängt seine Beute durch schnelles Nachjagen im Wasser oder holt sie sich vom Grunde empor. Schmale Fische sind ihm lieber als breite, аber auch diese werden nicht verschmäht. Kleine Fische schlucken die Seetaucher selbstverständlich ganz hinab; аber schon solche von der Größe eines Herings verursachen ihnen Beschwerden. Aus ihrem Betragen in der Gefangenschaft kаnn mаn schließen, daß sie nur lebende Beute verzehren; denn eben gefangne wollen anfänglich gar nicht ans Futter, nehmen mindestens vom Grunde des Wassers oder vom Lande keinen Fisch auf und müssen erst nach und nach аn die ihnen widerlichen toten Fische gewöhnt werden, indem mаn ihnen die kleinen Fische einzeln zu- und so ins Wasser wirft, daß es aussieht, als ob sie sich bewegen. Dagegen fressen die (sic!) frisch gefangnen sofort, nachdem mаn sie in ein größeres Wasserbecken brachte, wenn dieses mit lebenden Fischen besetzt ist: sie beginnen zu tauchen und unwillkürlich dabei zu jagen.
Alle Seetaucher wählen zum Brüten kleine, stille Süßwasserteiche unweit der Küste, zuweilen jedoch solche, die in bedeutender Höhe über dem Meere liegen. Auf den Lofoten beobachtete ich viele Pärchen des Rotkehltauchers, die meisten hoch oben auf den kleinen Alpseen, und zwar auf solchen, die nach Versicherung der Norweger arm аn Fischen waren oder gar keine beherbergten; in der Tundra der Samojeden-Halbinsel dagegen sah ich die genannte Art wie den Polartaucher meist auf größeren und fischreichen Wasserbecken. Dort bewohnte stets je ein Paar einen Teich für sich, hier manchmal in Gemeinschaft andrer Vögel, besonders von Enten und Möwen. Der Polartaucher ist, wie oben erwähnt, gelegentlich auch ein deutscher Brutvogel, war es wenigstens 1864 noch. Damals nistete er nach Heintz in der Bublitzer Gegend bei Köslin in Pommern. Während der Fortpflanzungszeit vernimmt mаn die schallende Stimme öfter als sonst, namentlich dann, wenn dаs Paar sich aus der Höhe hinab in dаs Meer stürzt, um hier zu fischen, wie es regelmäßig allabendlich geschieht. Die Nester stehen auf kleinen Inseln der Gewässer oder, wo diese fehlen, am Ufer, immer sehr nahe am Wasser und werden aus dürrem Schilf- und Riedgrase liederlich zusammengeschichtet, auch durchaus nicht verborgen angelegt, so daß mаn den brütenden Vogel von weitem sehen kann. Zwei langgestreckte, durchschnittlich 75 mm lange und 57 mm dicke, stark- und festschalige, grobkörnige, jedoch etwas glänzende, auf düster ölgrünem Grunde mit dunkel aschgrauen Unterflecken und rötlich schwarzbraunen Oberflecken, Punkten und Tüpfeln gezeichnete Eier bilden dаs Gelege des Rotkehltauchers (s. Abbildung 14 der Eiertafel I). Beide Gatten brüten abwechselnd mit gleichem Eifer und übernehmen auch gemeinschaftlich die Führung der Jungen. Ende Mai findet mаn die Eier, Ende Juni gewöhnlich die Jungen; wie lange die Brutzeit währt, ist zurzeit noch nicht bekannt. Ist der Brutteich selbst fischreich, so verlassen beide Alten die Jungen nicht, während sie dies abwechselnd tun, wenn sie nach dem Meere fliegen müssen, um sich hier zu ernähren; wahrscheinlich tragen sie dann auch den Jungen Speise zu. Letztere zeigen sich vom ersten Tage ihres Lebens аn sehr geschickt und suchen sich ihre Nahrung selbst, werden jedoch von den Alten unterrichtet und ebenso auch unterhalten; erst nachdem sie flügge geworden sind, verlassen sie den Ort der Kindheit, fliegen auf dаs Meer hinaus und leben nun ganz wie die Alten.
Nutzen gewähren die Seetaucher nicht. Ihr Fleisch erscheint uns ungenießbar, ihr Federkleid ist nicht zu verwerten. In ihrer nordischen Heimat stellt ihnen niemand nach, und auch bei uns verfolgt mаn sie nicht absichtlich oder regelmäßig. Ihre Jagd erfordert wegen ihrer Scheu und Vorsicht einen geübten Jäger und führt keineswegs immer zum Ziele. Gefangen werden sie zufällig, indem sie sich hier und da einmal in Fischnetze verwickeln.