- Aves - https://aves.areion.org/ -

Microcarbo pygmaeus

*****

Bezzel

Phalacrocorax pygmeus (Pall. 1773) – Zwergscharbe

Status in ME. Unregelmäßiger, meist seltener Gast (6), 1957/59 »Invasion«.

Kennzeichen. Kleiner als Stockente; im Vergleich zu Kormoran rel. kürzerer Hals, rundlicher Kopf, kürzerer dicker Schnabel, längerer Schwanz. Ad. von Herbst bis Winter Kopf, Nacken, Brust dunkelbraun, Kehle und Hals braunweißlich; übriger Körper ± schwarz. Ab Frühjahr bis Sommer Kopf und Hals ± rotbraun, kleine Federhaube, weiße Fadenfedern über Kopf, Hals und Körper ± unregelmäßig verteilt. Juv. dunkelbraun; Unterseite z. T. weißlich mit braunen Flecken, Flanken und Unterschwanzdecken fast schwarz; Oberseite z. T. grau mit dunklen bzw. hellen Federrändern. Durch Größe und Gestalt von anderen Arten Europas gut zu unterscheiden. – Schnabel juv. gelblich, ad. dunkel, im Brutkleid schwarz; Füße braunschwarz (juv.) bis schwarz (ad.); Iris dunkelbraun.
Verbreitung. Br. in SE-Europa, Krim und Asowsches Meer, Kleinasien, Kaspigebiet, Irak, Gebiet um Aralsee und Usbekistan. Im Mittelmeerbereich und Randlandschaften z. T. seit langem – (meist Drainage von Brutgewässern). In N-Afrika und H seit langem ausgestorben (doch H 1963 1 BP), in Israel offenbar seit 1955 nicht mehr Br.
YU: -, wohl noch Hunderte von BP. – GR: <500 (cs. 1980), z. B Prespa-See 650 (1971), 400 (1970), 80 (1978). – R.: -, ca. 8000 (1962). – TR: wohl <500. – I: Erstnachweis 2 BP S Podelta (1981). – Schätzung für Europa + TR < 5000 (ca. 1980).
In Mitteleuropa nur Irrg., 1957 starker Einflug mit Daten bis 1959 in S- und W-D (Bay. 1961, 1976 einzelne Ind.). B, NL, L, DDR keine, PL, CH nur ältere Nachweise; A ältere Daten + Nov 1977); CS bis 1970 3 x Einzelne bis DK (1. Nachweis 1977), S. und NW-SU.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

*****

Niethammer/Boxberger

Phalacrocorax pygmaeus (Pallas) — Zwergscharbe.

Phalacrocorax pygmaeus (Pall.), Naumann XI, S. 77; Reichenow S. 34.

Beschreibung ♂ und ♀ ad.: Kopf und Teile des Halses (Hinterhals, Halsseiten) braun („maulwurfsfellartig“ weiche Federn), Gesichtsmaske schwarz, Unter- und Oberseite glänzend grünlichschwarz mit verstreuten weißen Strichen, Schultern und Flügeldecken schwarzgrau mit schwarzen Rändern. Die weißen Federn des Kleingefieders werden nach der Brutzeit abgestoßen, Kopf und Hals mausern offenbar in ein rötlichbraunes, härteres Gefieder mit weißen Endsäumen, Federn der Schnabelwurzel werden weiß, der Unterschnabel hellbraun (Hartert). Iris dunkelbraun; Füße und Schnabel schwarz. — Jugendkleid: Kehle rein weiß, übrige Unterseite schmutzig weiß bis braun, Oberseite mit braunen Federsäumen. — Das hierauf folgende Kleid ist oberseits schon ganz ähnlich ad., аber unterseits noch bräunlich weiß. — Mauser: Jugendmauser ?; Jahresmauser (Vollmauser) im Herbst (Naumann). — Maße: Flügel 200—207 mm; Schnabel 28—31 mm; Lauf etwa 36 mm (Hartert). Gewicht ?
Feldornithologische Kennzeichen. Etwa von Ringeltaubengröße. Im Vergleich mit dem Kormoran kürzerer Schnabel und längerer Schwanz (WÜST briefl.). Kopf und Hals braun, sonst schwarz, grünlich glänzend. Im Prachtkleid weißgetupft. Kleiner Federbusch auf der Stirn. Juv. mit weißer Kehle und Unterseite. Schneller Flug, ab und zu wird Gleitflug eingeschaltet. Sitzt gern auf Gebüsch, dabei auch аn senkrechten Zweigen fußend. Taucht langsam unter. Benehmen sonst kormoranartig. Gesellig. — Stimme: ?
Allgemeine Verbreitung. Von Ungarn und Slawonien (Obedska Bara, hier nach Steinmetz, 1931, noch 800 Paare) аn über die ganze Balkanhalbinsel (mit Ausnahme Griechenlands), besonders аn der Donau; ferner am Schwarzen und Kaspischen Meer, von Kleinasien und Syrien аn ostwärts bis Mesopotamien und Ostpersien; früher auch am Petzara-See in Algerien.
Wanderungen. Strich- und Zugvogel (im europäischen Brutgebiet). Überwintert in den östlichen Mittelmeerländern bzw. in Nordwestafrika. Brutvögel aus Rumänien und Ungarn ziehen überwiegend аn die Küsten des ägäischen und adriatischen Meeres (Ringfunde). Die Zwergscharbe kommt im April аn den Brutplatz und verläßt ihn wieder August/September. Zur Zugzeit und im Winter wird sie gelegentlich in ganz Italien, seltener in Österreich, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Dänemark (1 mal), Polen und Südrußland beobachtet. — Ringfunde: von der Balta (untere Donau) nach der thrakischen Küste (Januar), Saloniki (November), Dalmatien (November), Nord-Griechenland (Dezember); von Ungarn nach Südwest-Rumänien (November) und von der Obedska Bara nach Nord-Albanien (Dezember).
Vorkommen in Deutschland. 8 mal: 3. November 1856 bei Rißtissen in Württemberg — ♂ ad. Oktober 1862 bei Wurzach in Württemberg (Nat. Cab. Stuttgart) — ♀ juv. 16. November 1856 bei Buxheim a. Iller (Mus. Augsburg) — 1907 bei Michelau аn der Fränkischen Saale (Mus. Coburg) — ♂ juv. 1856 bei Görlitz (Samml. d. Naturf. Ges. Görlitz) — 2 schlesische Stücke ohne nähere Angaben im Breslauer Museum — im Ismaninger Teichgebiet bei München wurde 1 Stück vom 5. Juli bis 2. Dezember 1933 von Wüst beobachtet (Verb. Orn. Ges. Bayern 1934).
Biotop. Vegetationsreiche Binnengewässer, Sumpflandschaften, große Ströme.
Nahrung. Fische.
Parasiten. Federlinge: Trinoton querquedulae (Irrläufer). — Saugwürmer: Echinostoma sp., Paryphostomum radiatum, Petasiger exaeretus. — Bandwürmer: Dilepis kempi, Ligula intestinalis.— Fadenwürmer: Contracaecum spiculigerum, Hystrichis negleclus.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****
Hartert

1750. Phalacrocorax pygmaeus (Pall.)

Zwergscharbe.

Pelecanus pygmeus (Fehler, statt pygmaeus, welche Schreibweise der Autor auch später — s. Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 300 — anwandte) Pallas, Reise d. versch. Prov. Russ. Reichs II, p. 712, Tab. G (1773— Kaspisches Meer).

Graculus pygmaeus algeriensis Reichenbach, Vollst. Naturg. Schwimmvög., Taf. XXXIIb Novitiae XVI, Fig. 2305, 2306 (1850— Text nicht erschienen).

Carbo Niepcii Malherbe, Faune orn. Alg., in Bull. Soc. Hist. Nat. Moselle, 7. cahier, .p. 43 (1855— Seen in der Provinz von Böne, Nordalgerien).

(„Phalacrocorax pumilio Bonaparte“, ex Lichtenstein M. S. wird von Ogilvie-Grant irrtümlich als Synonym von P. pygmaeus aufgezählt!).

Engi.: Pygmy Cormorant. — Ital.: Marangone minore.

Abbild.: Naumann, Vögel Deutschlands XI, Taf. 281; Dresser, B. Europe VI, Taf. 391.

♂♀ im Frühlingskleide: Größter Teil vom Kopf und Hals mit weichen braunen Federn bedeckt, die sich, wie Naumann sich ausdrückt, wie Maulwurfsfell anfühlen, um die Schnabelwurzel mit steiferen über den Zügeln dichtschäftigen, borstenartigen braunschwarzen Federchen, vor und hinter den Augen einige weiße Punkte. Unterer Teil des Halses, Rücken und ganze Unterseite schwarz mit grünlichem Glanze und schmalen weißen Schmuckfedern, die auf der Unterseite am längsten sind und dort nur aus einem dünnen Schafte mit einer schmalen tränenförmigen Endflagge bestehen. Skapularen und Oberflügeldecken graphitgrau mit schwarzer Umrandung. Schwingen, Unterflügeldecken, Axillaren und Schwanz schwarz, letztere mit grauem Anfluge. Iris nicht grün, sondern dunkelbraun, mitunter fast schwarzblau. Füße schwarz. Flügel 200—207, Schwanz 140—147, Schnabel 28 — 31, Lauf etwa 36, Außenzehe mit Kralle etwa 53—56 mm. Im Frühling verbleicht die Färbung des Halses, besonders auf der Oberseite, in ein fuchsiges, fast fahles Rostbraun. Es scheint, daß diese Kormorane nach der Brutzeit nicht nur die weißen Schmuckfedern (die sie аber noch im Juni aufweisen) verlieren, sondern auch Kopf und Hals mausern, welche rötlichbraune, härtere Federn mit weißlichen Endsäumen bekommen, auch sind die Federn um die Schnabelwurzel herum weiß. Der Unterschnabel wird hellbraun. — Im Jugendkleide sind Kopf und Hals rotbraun, die Kehle weiß. Oberseite mit schmalen braunen Federsäumen, Unterseite schmutzig weiß, mitunter fast braun, Seiten schwärzlich. In einem mittleren Kleide (wahrscheinlich wird dаs Alterskleid im 3. Jahre angelegt) sind Skapularen und Oberflügeldecken schon wie beim alten Vogel, аber außerdem noch mit bräunlichen Säumen. Außer diesen in allen Büchern beschriebenen Kleidern gibt es noch ein anderes, dаs das höchstentwickelte ist, аber schon vor der Brutzeit wieder verschwinden muß, da es аn den Brutplätzen nicht vorzukommen scheint und in Sammlungen äußerst selten ist; es wurde von Loche (Expl, de l’Algérie, Hist. Nat. Ois. II p. 166) als Haliaeus pygmaeus beschrieben, während er die braunhälsigen Vögel Haliaeus algeriensis nannte; es scheint, als ob auch im Braunschweiger Museum sich ein ähnlicher Vogel befindet. In diesem Kleide sind Kopf und Hals ganz schwarz, mit grünlichem Glanze, die Federn sind länger, nicht so „maulwurfsfellartig“ wie im Frühjahr, am Halse befinden sich längere fadenförmige weiße Federn, die Unterseite ist sehr reichlich mit den kleinen weißen Flaggen geziert. Da die Federn am Halse anders gestaltet sind, kаnn dies kein aberrantes Kleid sein; dаs ist dаs pränuptiale Prachtkleid, dаs den meisten Sammlungen fehlt. In Tring befindet sich ein von L. von Führer auf dem Utovo-blato in der Herzegowina am 9. März erlegtes ♂; nach Loche kommt es in Algerien nur sehr zufällig vor und stammt aus Nord- und Westasien sowie Südeuropa während sein „H. algeriensis“ im Lande nistet; dies ist natürlich ein Irrtum. — Das Dunenjunge hat sehr dunkel bräunlich rauchschwarze Dunen, аber Kopf, Kinn und Kehle sind nackt.
Brutvogel in Ungarn (früher häufig, jetzt anscheinend nur noch zwei oder drei Brutplätze), Slavonien, Bulgarien, Bosnien, Herzegowina, Albanien, Rumänien, Mazedonien, am Schwarzen und Kaspischen Meere, in Kleinasien, in Palästina und von da östlich bis Transkaspien, Afghanistan, Persien, und in Algerien. — Verirrt zuweilen in der Schweiz und selbst in Deutschland, Rußland, Polen, Italien, scheint аber in Nordwestafrika und Griechenland, sowie in Palästina und Ägypten, vermutlich auch in Kleinasien zu überwintern. Loche fand die Zwergscharbe in großer Anzahl auf dem Fetzara-See in Nordalgerien brütend; aus neuerer Zeit fehlt es darüber аn Nachrichten, doch dürften die von Jourdain und Ratcliff daselbst beobachteten Kormorane wohl zu dieser Art gehört haben.

Ist, in Ungarn und Rumänien wenigstens, Zugvogel. — Die Nahrung besteht aus Fischen, Dombrowski fand auch Blutegel in den Mägen. Aufenthalt Landseen und große Ströme; nisten gesellschaftlich im Sumpfe, wo Weidenbüsche und andere Bäume wachsen. Die Nester stehen meist auf Weiden und sonstigen Büschen und Bäumen, und oft befindet sich eine ganze Anzahl auf einem Weidenbaume. Die Nester sind aus Reisig zusammengefügt. Die aus 4—6 Eiern bestehenden Gelege findet mаn in der zweiten Hälfte Mai und im Juni. Die Eier haben den matten, porösen Überzug aller Kormoraneneier, denen sie gleichen. Gewicht nach Rey 1.62—2.15, im Durchschnitt 1.972 g. 90 Eier (58 Jourdain, 13 Blasins, 15 Rey, 4 Reiser) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 46.88 x 30.3, Maximum 51.9 x 27,6 und 49.8 x 32.8, Minimum 39.7 x 29.8 und 51.9 x 27.6 mm.

*****

Brehm

Die dritte europäische Art ist die Zwergscharbe oder der Zwergkormoran, Phalacrocorax pygmaeus Gmel. et Pallas. Ihr Schwanz besteht ebenfalls aus 12 Federn. Oberkopf, Nacken und Halsseiten sind rostbraun, Mantel und Oberrücken auf gräulichschwarzem Grunde durch die samtschwarzen Federränder gezeichnet, alle übrigen Teile, mit Ausnahme der mattschwarzen Schwung- und Steuerfedern, glänzend tiefschwarz, im Hochzeitskleide durch feine, schmale, weiße, flaumartige, höchst vergängliche Federchen geziert. Der junge Vogel ist oberseits auf graubräunlichem Grunde durch lichtere Federränder gezeichnet, unterseits großenteils weißlich fahlgrau. Die Iris ist grün. Alle nackten Hautstellen, der Schnabel und die Füße sind schwarz. Die Länge beträgt 57, die Breite 60, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 16 cm. Das Verbreitungsgebiet umfaßt Südosteuropa, Nordafrika und Südasien bis Java und Borneo; die Aufenthaltsorte beschränken sich auf Süß- oder Brackwasserbecken.