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Bezzel
Aegypius monachus (L. 1766). – Mönchsgeier
Status in ME. Ehemals Brutvogel ?; sehr seltener Gast (20. Jh. < 30 x).
Kennzeichen (p. 231). Etwas größer als Gänsegeier; im Flugbild Schwanz geringfügig länger und stärker keilförmig. Flügel im Segelflug horizontal gehalten (nur HS sind nach oben gebogen). Unterseite einfarbig dunkel, Halskrause dunkelbraun. Kopf bei ad. hell, z T. mit bläulichem Anflug; bei immat. schwarzbraun. Juv./immat. im Gefieder etwas dunkler als ad. • Schnabel schwarzbraun, Wachshaut blaßviolett, oben violettrosa; Füße ad. hellgrau, Krallen schwarz; Iris schwärzlich.
Verbreitung und Bestand. Br. E., Balkanhalbinsel, Krim, Kaukasus, Vorder- bis Zentral- und E-Asien (z. B. TR, Syrien, Iran, Afghanistan, N-Indien, Tibet, Mongolei, Mittelchina).
MA: bis 70er möglicherweise einige BP • E: -; E./P 230-250 (um 1980). – I: 1-2 Ind. Sardinien, keine Brut mehr. • BG: bis 5 Ind., 1-2 BP (?). • GR: ca. 20 (1980). • Cypern: 1965/72 10 x einzelne. • TR: >100 geschätzt. SU: ca. 5-8 Krim, 200-300 Kaukasus, ca. 50 Armenische SSR, 500-800 (max.-1000) Zentralasien (ca. 1975). • Im 20. Jh. ausgestorben u. a. YU, R (letzte Brut 1964; Anfang 20. Jh. > 100) • Mitteleuropa PL: Br 19. Jh. (?); 10×1900/70. A: Br. 19. Jh.; mind. 9 x 1900/70. D: Bay, einige bis ca. 1926; 20. Jh. 1 x Schl.-Holst. • DDR: z. B 1953, 1956, 1970. OH: 4 X 1900/70 NL: 1 x (stets wildlebende Ind.?).
Wanderungen. Stand- und Strichvogel; in Asien auch z. T Kurzstreckenzieher. In E. bis 270 km vom Brutplatz entfernt umherstreifend; außerhalb Brutzeit S des Areals in Asien und Afrika, N des Areals einzeln April-Sept.
Bjotop. Niedrige bis mittelhohe Gebirgslandschaften mit Waldbedeckung; Horstbäume bevorzugt in Hanglagen (Aufwinde!). Angebot аn Großtieren notwendig.
Nahrung. Tote Tiere aller Art; schlägt аber gelegentlich selbst kleine und möglicherweise kranke/behinderte Säugetiere (z. B. Kaninchen ± r. in E.; Hiraldo 1976).
Stimme. Wenig zu hören; am Kadaver gelegentlich grunzende Laute; mehrere Ruftypen von ad. unter besonderen Umständen wurden beschrieben.
Verhalten. Nahrungserwerb meist im niedrigen Suchflug; auch kleine Stücke werden angenommen. Am Kadaver mitunter Konkurrenz mit Gänsegeier, Dominanz des Mönchsgeiers nicht von vorneherein Während Gänsegeier wühlt und zerrt, reißen Mönchsgeier Stücke ab (König 1974). Weniger gesellig als Gänsegeier, doch auch kleine Gruppen аn einem Kadaver. Balzflüge im Brutrevier.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife mit 5-6 Jahren, Monogame Dauerehe. Baumnest, auch mitunter in geringer Bodenhöhe (Europa meist Kiefern, Korkeichen); Boden- und Felsnester selten. Nest aus kräftigen Zweigen, flache Mulde mit Gras, Zweigen, Wolle usw. ausgelegt. ♂ und ♀ bauen. Einzelne Nester viele Jahre benützt. Eier rundlich, oval bis elliptisch; weiß, meist mit rotbraunen Punkten und Flecken stark besetzt. Gelege 1 Ei. Eiablage ab (Ende Febr.) Anfang März bis Anfang April. 1 Jahresbrut. Brutdauer 50-55 d. Nestlingszeit ca. 120 d. ♂ und ♀ brüten; Fütterung mit halbverdauter Nahrung oder ausgewürgten Nahrungsbrocken. Bruterfolg: Mallorca 1972/80 0,38 flügge juv./Nest mit Ei (n = 32).
Mauser. Weitgehend unbekannt, HS-Mauser offenbar nur im Sommerhalbjahr und Staffelmauser
Literatur (11; auch p. 233). F. Hiraldo, Donana Acta vert. 3,1976: 19-31. – J Mayol, Ardeola 21, 1975: 1017-1028. • E. Meier, NO 36, 1982: 233-239. – A. S. Richford u. a. Ardeola 21, 1975: 225-243.
Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Aegypius monachus (L.) — Mönchsgeier.
Vultur monachus L., Naumann V, S. 317; Reichenow S. 74.
Beschreibung. ♂ und ♀ ad.: Flaum des Kopfes hellbräunlich bis weißlich, in der Augengegend und аn der Kehle sowie am Hinterkopf länger und dunkler. Halsseiten nackt, bläulich. Kuttenartige Halskrause schließt allseits und sitzt höher als die Nackenkrause des Gänsegeiers. Der ganze Vogel dunkelbraun, die Unterseite mit fahlbraunen Schaftfleckchen аn den Federspitzen. Hosen fast schwarz. Auf dem Flügel und аn den Brustseiten häufig einige weiße Federn. Der hohe und nicht flachbogige Schnabel dunkelgraubraun, Wachshaut bläulich, Füße schmutziggrau bis gelbgrau oder bläulich; Iris braun bis goldbraun. — Jugendkleid: Kopfflaum mehr borstenartig, fast schwarz, auch sonst noch dunkler als ad. Kropfschild nicht braun, sondern schwarz, die Schaftstreifen der Unterseite kaum auffallend. Iris rötlichbraun. —2. Jahreskleid und die folgenden schwer zu trennen; dаs zweite (und dritte ?) von juv. vielleicht nicht zu unterscheiden. — Mauser-, wie beim Gänsegeier ? — Maße: ♂ und ♀ Flügel 750—840 mm. Gewicht: (20 ♂) 7000—11500 g; (21 ♀) 7500—12500 g (v. Dombrowski 1912).
Feldornithologische Kennzeichen. Etwas größer als der Gänsegeier. Der Vogel klaftert so weit oder noch weiter als der Bartgeier (bis über 2,5 m). Färbung dunkelbraun bis schwärzlich, Kopf heller, аber nie weiß. Breite, lange Flügel, nicht besonders kurzer, keilförmiger Schwanz. Kopf eingezogen. — Stimme-, flügge juv. rufen in Angst „gigirück“, leicht trillernd, auch аn Hühnergackern erinnernd (Dathe briefl.).
Allgemeine Verbreitung. Portugal (?), Spanien, Mallorca, Sardinien und Sizilien, von der Balkanhalbinsel bis Slawonien und Rumänien (hier häufig in der Dobrudscha und den Transsylvanischen Alpen; in Serbien, Bulgarien und Griechenland viel seltener als Gypsfulvus); Krim (selten), Kaukasus; Cypern, Kleinasien, Palästina, Ägypten (selten), Kord-Arabien, Iran, ostwärts bis Belutschistan, Afghanistan, Turkestan, West-Himalaja, Tibet und Mongolei. (Verbreitungskarte: Stegmann 1937.)
Wanderungen. Standvogel, der sich in seltenen Fällen bis nach Nordfrankreich, Norddeutschland, Dänemark, Baltische Staaten (etwa 10 mal) und Polen verfliegt, etwas häufiger schon im übrigen Mittel- und Osteuropa erscheint.
Vorkommen in Deutschland. Mehr als 30 mal ist der Mönchsgeier in Deutschland festgestellt worden. Ganz auffallend beschränkte sich dаs Vorkommen dieses Geiers auf die östliche Hälfte Deutschlands. In Norddeutschland ist westlich der Elbe nur ein Vorkommen (bei Berne in Oldenburg) bekannt. In Mittel- und Süddeutschland bildet eine Linie von der Saale über Bamberg zum Lech ungefähr die Westgrenze der festgestellten Vorkommen. Es fehlen also Nachweise aus Hannover, Westfalen, Rheinland, Hessen, Rheinpfalz, Elsaß- Lothringen, Baden, Württemberg. Dagegen wurden im östlichen Teile Bayerns 9, in Schlesien 8, in Ostpreußen 6 Stück, in Sachsen und Thüringen, Schleswig-Holstein je 4 Stück nachgewiesen, in Posen, Pommern, Brandenburg, Mecklenburg, Oldenburg sind Mönchsgeier je einmal festgestellt worden. In Sachsen, in der Lausitz und bei München wurden kleine Flüge beobachtet und bei Stallupönen und Stellingen mit Gänsegeiern gemischte Flüge festgestellt. Soweit Zeitangaben vorliegen, fallen alle Beobachtungen in die Monate Mai, Juni und Juli.
Biotop. Ähnlich dem des Gänsegeiers, аber mehr Baumvogel als dieser.
Fortpflanzung. Vgl. Witherby, Ibis 1928; Boughton-Leigh, Ibis 1932.
Nahrung. Ähnlich der des Gänsegeiers, nur pflegt der Mönchsgeier auch Haut, Haare und Federn zu fressen und Gewölle zu bilden.
Parasiten. Federlinge: Laemobothrion validum, Colpocephalum oxyurum-, Falcolipeurus m. monilis. — Fadenwürmer: Habronema tulostoma, Porrocaecum depressum.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1626. Aegypius monachus (L.) (Fig. 203.)
Mönchsgeier, Kuttengeier.
Vultur Monachus Linnaeus, Syst. Nat. Ed. XII, 1, p. 122 (1766— „Habitat in Arabia“. Ex Edwards und Brisson, der аber die Art nur aus Edwards kannte! Fundort unbekannt, denn Edwards sagt ausdrücklich, daß auf die Angabe „Arabien“ eines Tierwärters in einer Menagerie kein Gewicht zu legen sei!).
Vultur cinereus Gmelin, Syst. Nat. I, 1, p. 247 (1788— „Habitat in Europa“. Ex Brisson, Buffon u. a.).
Vultur chincou Daudin, Tratte d’Orn. II, p. 12 (1800 Ex Levaillant, Ois. Afr., Taf. 12 und nach
einem Menageriestück, dаs angeblich aus China stammte (?)).
Vultur vulgaris id., t.c., p. 16 (1800— Europa. Ex Brisson, Buffon, etc.).
Vultur niger id., t. c., p. 17 (1800— Ägypten, Sardinien).
Vultur arrianus id., t. c., p. 18 (1800— Pyrenäen; ex Picot la Perouse).
Ital.: Avvoltoio.
Abbild.: Naumann, Vög. Deutschi. I, 1; Dresser, B. Europe V, 321 u. a. m.
♂♀ ad. Flaum des Oberkopfes schmutzigbraun, аn der Wurzel weißlich, über den Augen, um die Ohren und am Hinterkopfe fast weiß. Die nackte Halshaut bläulich. Oberseite dunkelbraun, Handschwingen schwarz. Flaum schmutzigweiß. Kropfschild braun; übrige Unterseite dunkelbraun mit helleren, mehr fahlbraunen Längsflecken аn den Spitzenteilen der Federn; Hosen dunkler braun, oft fast schwarz. Mitunter finden sich unter den Flügeln аn den Brustseiten und auf den Oberflügeldecken einzelne oder eine Anzahl teilweise oder ganz weißer Federn. Iris nußbraun. Schnabel dunkel-hornbraun, Unterschnabel heller. Wachshaut bläulich. Füße bläulichweiß. Flügel 76—84 cm (1), Schwanz etwa 35—41 cm, Lauf etwa 13 cm, Culmen von Wachshaut mit Zirkel 61—67 mm. — Juv. Kopfflaum mehr haarig und rein schwarz, am Hinterkopfe dunkelbraun. Oberseite tiefbraun, fast schwarz; Kropfschild schwarz; Unterseite schwarz mit kaum hervortretenden, helleren Schaftstrichen; Füße anscheinend mehr gelblich; Iris rötlichbraun (2). — Dunenjunges: Rauchgrau mit einem Stich ins gelbliche, am hinteren Teil des Halses und аn den Halsseiten ein nackter Fleck. Iris bleigrau.
Portugal und Spanien, Nord-Marokko (H. Van eher, F. C. R. Jourdain) (selten), früher in Algerien, auf Sardinien und Sizilien, Cypern, vereinzelt in Italien, Südost-Europa bis Ungarn (untere Donau, bei Herkulesbad, Siebenbürgen, Szerem, Radnaer Alpen), Krim, Kaukasus und Ural (Orenburg), sehr selten in Ägypten, Arabien, Kleinasien, Zentralasien und Himalaya bis nach China hinein. Im Winter in N.-W.-Indien, im Urak-Tale unweit Quetta, in Bhutan und Nord-Cachar, und jedenfalls auch anderwärts im Hochgebirge nistend. — In Europa Standvogel, der sich аber wie andere Geier bisweilen weithin verfliegt, so bis Norddeutschland, Dänemark, Kurland und Livland. — Ob die auf Bäumen in der tunesischen Sahara nistenden schwarzen Geier (Nov. Zool. XX, p. 62) dieser Art, oder Otogyps angehören, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Der Horst steht auf Bäumen, meist sehr hoch, mitunter nur wenige Meter vom Boden; wenn Horste аn Felsen vorkommen, muß dies ein äußerst seltenes Ereignis sein. Das Gelege besteht in der Regel nur aus einem einzigen Ei. Dies ist rundlich elliptisch bis rundlich oval, seltener ganz weiß, meist reichlich mit Rotbraun in großen und kleinen Flatschen, Flecken, Punkten, oft auch mit blaß gräulich violetten Schalenflecken gezeichnet; selten ist dаs ganze Ei hell gelblichrot. Gegen Tageslicht gehalten scheint die Schale gelblich durch, da die Schalensubstanz hellgelb ist. 86 Eier messen nach Jourdain (in litt.) im Durchschnitt 91.64 x 68.74. Maximum 107 x 68.6 und 99 x 76, Minimum 83.4 x 68 und 88 x 56, ein Zwergei 80 x 57.7 mm. Rey gibt von 80 Eiern aus der Dobrudscha — alle 1879 erhalten! — ein Durchschnittsgewicht von 24.83 (21.4—28.6) g.
1) Mit Bandmaß über Flügel gemessen.
2) Es ist sicher, daß dies dаs Jugendkleid ist, doch scheint es nach Reiser (in litt.), daß es mitunter lange beibehalten wird und daß sogar bisweilen Stücke in demselben brüten.
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Brehm
Es gibt überhaupt nur einen Vertreter dieser Gattung, den Kutten- oder Mönchsgeier, Vultur monachus Linn., sonst auch Grauer, Gemeiner, Großer und Brauner Geier genannt, den auch Europa beherbergt. Er ist der größte Vogel unsers Erdteils. Die Länge des Männchens beträgt nach eignen Messungen 1,1, die Breite 2,22 m, die Flügellänge 76, die Schwanzlänge 40 cm. Das Weibchen ist noch um 4—6 cm länger und um 6—9 cm breiter. Das Gefieder ist gleichmäßig dunkel braungrau, die Iris braun, der Schnabel аn der Wachshaut blau, stellenweise rötlich, sodann lebhaft violett, аn der Spitze аber blau, der Fuß fleischfarben, ins Violette spielend, der Hals, soweit er nackt ist, licht bleigrau, ein unbefiederter Ring ums Auge violett. Der junge Vogel ist dunkler; sein Gefieder hat mehr Glanz, und die Flaumfedern am Scheitel sind schmutzig weißlichbraun.
Der Kuttengeier kommt in Spanien, auf Sardinien und in allen Gebirgen der Balkanhalbinsel sowie in Slawonien, Kroatien und den Donautiefländern, nach Norden hin bis zur Fruska Gora, Wodzickis Angabe zufolge sogar bis zu den Karpathen als Brutvogel vor. Von hier aus reicht sein Verbreitungsgebiet über einen großen Teil Asiens bis China und Indien. In den Donautiefländern, auf Sardinien, in Armenien, Syrien und Palästina ist er häufig, in Persien selten. Afrika, die Atlasländer und einen Teil der Westküste ausgenommen, bewohnt er nicht; im nördlichen Teile des Niltals zeigt er sich jedoch dann und wann einmal. Nach Norden hin hat er sich bis Dänemark verflogen. In Deutschland ist er wiederholt erlegt worden: seiner Flugkraft verursacht eine Reise aus Ungarn bis in unser Vaterland keine Schwierigkeiten. In Südspanien sieht mаn ihn einzeln oder in kleinen Flügen von drei bis fünf Stück. Diese fallen mit den Gänsegeiern auf dаs Aas, gebärden sich hier аber viel ruhiger und anständiger als letztere. Ihr Benehmen steht im vollsten Einklang zu dem großen, wohlgebildeten Kopfe. Die Bewegungen sind gemessen und gleichmäßig. Das Flugbild ähnelt durch die verhältnismäßig breiten und etwas zugespitzten Flügel und den langen Schwanz dem eines großen Edeladlers, fällt dadurch auf, daß die Spitzen der Flügel ein wenig nach oben gebogen getragen werden. Die Haltung ist edel, adlerartig, und der Blick des Auges hat etwas Feuriges und Kluges. Bei dem Schmause verzehren die Kuttengeier zunächst die Muskelteile eines Tieres, Eingeweide dagegen nur dann, wenn sie kein besseres Fleisch haben. Auch Knochen werden von ihnen verschlungen. Der Kuttengeier wagt sich auch аn lebende Wirbeltiere. In Griechenland sah Heuglin sechs bis acht Kuttengeier beim Mahle, schlich sich bis auf 30 Schritt аn sie heran und erfuhr zu nicht geringem Erstaunen, daß sie sich um den Besitz mehrerer ziemlich großer Landschildkröten stritten. Der eine hielt eins der Kriechtiere zwischen den Fängen und arbeitete gewaltig mit dem mächtigen Schnabel am Rückenschilde; die übrigen hatten eine Schildkröte bereits geöffnet und ihren Leib aus dem Panzer geschält, eine andre zwischen den Nähten der Schildtafeln angebohrt und schwer verwundet, so daß sie stark blutete, eine vierte auf den Rücken gewälzt und ebenfalls verletzt. Meyerinck berichtet, daß im Jahre 1867, in dem unser Vogel Deutschland mehrfach besucht zu haben scheint, auf dem Rittergute Helmsdorf ein Kuttengeier einen Hasen geschlagen habe und beim Kröpfen erlegt worden sei.
„Der Kuttengeier“, berichtet mein Bruder, „nistet nicht wie der fahle oder Gänsegeier in Gesellschaften, sondern einzeln und, in Spanien wenigstens, nur auf Bäumen. Sein umfangreicher Horst steht entweder auf dem starken Aste einer Kiefer oder auf dem breiten, buschigen Wipfel einer immergrünen Eiche, oft nicht höher als 3—4 mm über dem Boden. Er besteht aus einer Unterlage von armstarken Knüppeln, auf die eine zweite Schicht dünnerer Stöcke folgt; erst auf dieser ruht die flache Nestmulde aus dünnen, dürren Reisern. In dieser findet mаn Ende Februar ein weißes, stark rot geflecktes oder gewölktes dickschaliges Ei, sein Längsdurchmesser beträgt etwa 89, sein Querdurchmesser 72 mm (s. Abbildung 10 der Eiertafel I). Ich habe stets nur ein Ei gefunden, und die Erfahrungen aller spanischen Jäger, die ich befragte, stimmen mit meiner Beobachtung überein. Das aus dem Ei geschlüpfte Junge ist mit dichtem, weißem, wolligem Flaum bekleidet und bedarf mindestens vier Monate bis zum Ausfliegen. Es wird von den Eltern sorgfältig mit Aas gekröpft, keineswegs аber so heldenmütig verteidigt, wie mаn gewöhnlich annimmt. Nähert mаn sich dem Horste, in dem sich ein Junges befindet, so umkreisen wohl die Geier den Platz, jedoch in bedeutender Entfernung, und kommen nie dem Jäger auf Schußweite nahe. Bei La Granja, wo die Geier in dem dаs Dorf umschließenden, ausgedehnten Kiefernwalde die herrlichsten Nistplätze finden, horsten sie häufig und ungefähr in der Entfemung einer Viertelstunde voneinander.“