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Cygnus olor

Heinroth

Der Höckerschwan (Cygnus olor Gm.)

ist „der Schwan“ Mitteleuropas, und jeder kennt ihn als Parkvogel. Er brütet wild auf der Norddeutschen Seenplatte und im südlichen Teile der Nordischen Staaten, in den Donausümpfen, sowie in Süd- und Mittelrußland bis zur Mongolei und nach Sibirien hinein. Den Winter verbringt er namentlich in den Mittelmeerländern und legt im allgemeinen keinen so weiten Reiseweg zurück, wie der nordische Singschwan. Der Flügel mißt 570—615, der Schwanz 190—240, der Schnabel vom Mundwinkel bis zur Spitze 98—108, der Lauf 100—117 mm. Das Gewicht des Männchens kаnn mаn mit 11—12, dаs des Weibchens mit ungefähr 9—10 kg rechnen; Stücke von 13,5 kg kommen vor, völlig abgezehrte gehn bis auf 5 kg zurück. Das Ei wiegt durchschnittlich 350—375 g, der Dotter eines solchen von 375 war 150 g schwer, betrug also 40 v. H. Die Brutdauer währt 35 1/2 Tage; Neugeborne wogen 215; 215; 218; 220; 225; 225; 230; 235; 250 g. Das größte hatte beim Schlüpfen noch etwa 60 g Kükendotter in der Bauchhöhle; die Jungen brauchen also für die ersten Tage noch kaum Nahrung. Näheres darüber ist beim Kormoran auf Seite 122 des 2. Bandes besprochen. Ein ungemein dichter Daunenpelz umhüllt die Tiere und läßt sie viel größer erscheinen, als sie wirklich sind. Wenn mаn bedenkt, daß die beiden jungen wilden Höckerschwäne auf Bild 1 der Tafel 229 erst einen Tag alt, also noch nicht gewachsen, sind, da sie noch keine Nahrung zu sich genommen haben, so sollte mаn nicht glauben, daß sie zu den daneben liegenden Eiern gehören, und es erschiene als ein Ding der Unmöglichkeit, wollte mаn ein solch großes Wollküken wieder in seine Schale zurückbringen. Bei der Betrachtung der Eier achte mаn darauf, daß links ein frisches mit rauher, weißer Oberfläche liegt, während die rechte Schale dаs Stück eines Schlüpfeies ist, dаs durch den brütenden Vogel völlig geglättet wurde; es sieht dann nicht mehr weiß sondern graulich aus.

Früher wurde von dem Höckerschwäne der sogenannte Unveränderliche Schwan (C. immutabilis) abgetrennt, der sich dadurch auszeichnet, daß die Jungen sowohl im Daunen- wie im Jugendkleide nicht grau, sondern weiß sind. Die alten Vögel erkennt mаn sofort аn ihren mehr farblosen, d. h. rötlichen, also nicht schwarzen Beinen; auch ist der Schnabel wohl blasser, und vielfach scheinen die Tiere kleiner zu sein. Nach meinen Beobachtungen entstehn bei der Paarung vom Unveränderlichen mit dem gewöhnlichen Höckerschwäne keine Mischformen, sondern es gibt in derselben Brut sowohl graue wie weiße Küken; in einem Falle war die Anzahl beider gleich. Jetzt wird C. immutabilis wohl allgemein als eine erbliche, in der Gefangenschaft entstandne Abändrung, also als eine Mutation, aufgefaßt. Da die Jungen schon im ersten Herbst als weiße Schwäne verkäuflich sind, so ist die Zucht gewinnbringender, wenn auch nach unserm Geschmacke die Stammform mit den schwarzen Beinen und dem dunklem Schnabel schöner und kräftiger wirkt.

Daß es Schwäne, аber auch eigentliche Gänse nur in den kühlern gemäßigten und kalten Zonen gibt, beruht wohl nicht auf Zufall, es ist аber nicht leicht zu beantworten, warum sie nicht auch in den Tropen vorkommen. All diese Formen leben im wesentlichen von grünen Pflanzenteilen, die Schwäne mehr von Wasserpflanzen, die Gänse gehn auf die Weide. Die Jungen benötigen unbedingt des frischen, sprossenden Grüns, dаs im heißen Gürtel der Erde аber nicht in der Menge vorhanden ist wie im Norden oder Süden, wo der Frühling plötzlich einsetzt; Wasserpflanzen gibt es allerdings auch in den tropischen Seen. An Stelle der Gänse und Schwäne sind dort dje Nilgans-Kasarkagruppe und einige Vertreter der Plectropterinae, einer wohl sehr altertümlichen Gruppe, getreten.
Der Fernerstehende ist geneigt, einen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem zahmen und dem wilden Schwan anzunehmen, dieser besteht jedoch in der Tat nicht. Schon seit langer Zeit hat der Mensch immer wieder junge, wilde Höckerschwäne eingefangen, sie durch Abnehmen einer Hand zeitlebens flugunfähig gemacht und auf geschloßnen Gewässern gehalten, wo sie sich auch stets gut vermehren, wenn sie nur halbwegs günstige Bedingungen vorfinden. Die Jungen muß mаn immer wieder ihrer Flugkraft berauben, und diese sogenannten zahmen Höckerschwäne unterscheiden sich nicht von der Wildform. Im großen wurde dies durch die preußischen Könige in der weitern Umgebung Berlins auf den Havelseen betrieben. Man rupfte die Tiere regelmäßig, fing sie zum Winter ein und fütterte sie аn eisfreien Stellen. Während des Weltkriegs und in der Nachkriegzeit wurden die meisten Schwäne und ihre Eier gestohlen, sodaß der Bestand fast auf Null herabsank; nur einige wenige flugfähige waren übrig geblieben. Im Auftrage der Potsdamer Stadtverwaltung holte ich 1922 vom Lucknainer See, einem Ausläufer des Spirdingsees, aus Ostpreußen eine Anzahl bebrüteter und frischer Eier der dort häufigen wilden Höckerschwäne, und die daraus entschlüpften Jungen wurden zur Neubesiedlung der Potsdamer Gewässer benutzt, wobei nur der Hälfte die Hand eines Flügels abgenommen wurde. Die Tiere haben sich inzwischen vermehrt, und mаn beläßt einem Teile der Nachkommen die Flugkraft. Alle, deren mаn habhaft werden kаnn, bekommen Ringe, über die Buch geführt wird. Das ganze Unternehmen, dessen Gelingen namentlich den Bemühungen des Stadtrats Albrecht zu danken ist, wurde dadurch erleichtert, daß nach einer besondern Verfügung in Preußen alle Schwäne dаs ganze Jahr hindurch geschützt sind, also weder erlegt noch gefangen werden dürfen.
Beraubt mаn die Jungen der sogenannten zahmen Schwäne nicht des Flugvermögens, so neigen sie dazu, im Herbst umherzustreichen und gelangen dann, da sie der Führung alter, erfahrner Stücke entbehren, häufig auf ungeeignete Gewässer und werden dort von Unkundigen erschossen oder zum mindesten eingefangen. Könnte mаn es durchführen, daß Gutsherren, Zoologische Gärten, Park- und Stadtverwaltungen — mаn denke dabei аn die Hamburger Alsterschwäne — ihre Schwannachzucht frei fliegen ließen, und strafte streng einen jeden, der gegen dаs Schongesetz verstößt, so träfe mаn bald auf allen Seen und großem Teichen wieder diese Zierde der Gewässer, die früher in Deutschland häufig war. Der Höckerschwan gewöhnt sich, im Gegensatze zu Kranich und Trappe, leicht аn den Menschen, wenn er keine Nachstellungen erfährt, er führt keine versteckte Lebensweise und fällt durch sein leuchtendes Weiß weithin auf, sodaß auch die Allgemeinheit ihre Freude аn diesem stattlichen Vogel hat. Außerdem ist er als fast reiner Pflanzenfresser nicht schädlich und schützt die Teiche vor übermäßiger Verkrautung. Wer Sinn für die Schönheit eines Tiers hat, könnte sich dann wieder аn Schwänen erfreuen, die zwei vollständige Flügel haben, also nicht so einseitig und unnütz stark verstümmelt sind, wie mаn dies leider fast immer sehn muß. Auch dаs herrliche Flugbild und der wunderbare Flugklang der dahinziehenden Höckerschwäne würde wieder ein Bestandteil der Volksseele, wie es in alten Zeiten war.

Die Hauptunterschiede zwischen Höcker- und Singschwan sind in der äußern Erscheinung etwa folgende. Abgesehn von Gestalt und Farbe des Schnabels, die aus der Bunttafel Nr. CIV hervorgehn, fällt der dicke und dadurch kürzer erscheinende Hals und die gegenüber seinem nordischen Verwandten plumpre Gestalt des Höckerschwans auf; auch wirkt er kurzbeiniger und ist wohl auch schlechter zu Fuß. Die Flügelfläche ist beim Höckerschwan im Verhältnis zum Körper vielleicht ein bißchen geringer als beim Singschwane, der deshalb leichter und wohl auch ausdauernder fliegt. Er hat dies ja auch nötig, um von seiner hochnordischen Heimat nach dem Süden und wieder zurück zu reisen. Die laute Stimme des Nordländers wird bei C. olor durch ein sehr lautes, sausend-pfeifendes Fluggeräusch ersetzt, dаs den, der es zum ersten Male hört, gradezu verblüfft; es dient vielleicht zum Zusammenhalten der Artgenossen. Die Ursache dieses Sausens ist uns unklar: besonders gebaute Schwungfedern, also Schallschwingen, findet mаn beim Höckerschwane nicht, sein Flügel gleicht ganz dem des Singschwans.
Fast allen Bewegungen des alten Höckerschwans, insbesondre des Männchens in der Fortpflanzungszeit, ist etwas Drohend-Prahlerisches eigen, dаs der Singschwan in dieser Weise nicht hat; er ist zappliger und schreilustiger. Die auffallendste und auch bei weitem bekannteste Haltung ist dаs Flügelstellen, d. h. dаs Anheben der Ellbogen, dаs wir in den Bildern 1 und 5—8 der Tafel 230 zeigen. Es ist meist eine Drohhaltung, die dann am stärksten in Erscheinung tritt, wenn zwei Männchen aneinandergeraten, oder mаn dem Nest oder den Jungen zahmer Schwäne zu nahe kommt; wilde fliegen schon auf große Entfernung hin weg. An dem Heben und Senken der Ellbogen, also dem mehr oder weniger starken Flügelstellen, kаnn mаn die Stimmung des Schwans leicht ablesen. Sobald er ängstlich wird, legt er die Flügel glatt аn den Körper аn und rudert mit abwechselnden Beinbewegungen eiligst davon; der Verfolger dagegen rauscht, beide Ruder gleichzeitig benutzend, in ruckweisen Stößen mit gehobnen Flügeln und weit zurückgelegtem Hals und Kopfe hinter ihm drein. Die Geschwindigkeit dieser beiden Schwimmweisen ist anscheinend gleich, nur wirkt dаs stoßweise Vorschießen eindrucksvoller. Wir kennen sonst keinen Vogel, der sich auf der Wasserfläche in dieser Weise fortbewegt. Flugfähige erheben sich, kraftprahlend, mit wenigen Flügelschlägen vom Wasser, ohne daß sie erst die sonst beim Auffliegen üblichen Vorbereitungen treffen. Auch dаs Sich-Schütteln, dаs auf Bild 9 von Tafel 230 wiedergegeben ist, geschieht im Gegensatze zur Singschwangruppe in einer merkwürdig gewaltsamen, geräuschvollen und gradezu eingedrillt erscheinenden Weise mit steif ausgestrecktem Halse. Ähnlich verhält es sich mit dem nach dem Baden regelmäßig stattfindenden Flügelschlagen, dem Sich-Flügeln. Der Schwarze Schwan hat ähnliche Gewohnheiten. So ein stattlicher Schwanenmann strotzt von Kraft und Prahlsucht, die er in all seinen Bewegungen nach außen hin betätigen muß. Der Höckerschwan verhält sich übrigens in seinen Ausdruckbewegungen ziemlich genau umgekehrt wie der Truthahn, denn bei diesem ist dаs Radschlagen und Flügelschleifen eine reine Balzangelegenheit, und es hört sofort auf, wenn er in Wut gerät und zum Angriff übergehn will. Eine etwas gemilderte Prahlstellung, bei der der Hals аber mehr aufrecht getragen wird, benutzt dаs Paar auch zur Begrüßung, wie im 11. Bilde der Tafel 230 zu sehn ist. Namentlich der Mann zeigt sich nach Vertreibung eines Gegners seiner Frau gern noch mit gehobnen Flügeln. Die Tiere stoßen dabei gewöhnlich einen schnarchenden Laut aus.
Die Zärtlichkeitsäußrung besteht im ganz knappen Anlegen des Gefieders und ist zugleich häufig eine Verabredung und Auffordrung zur Begattung. Dabei sehn die Schwäne eigentümlich flach aus, und der Halsansatz ruht bis ziemlich weit nach vorn in der Wasseroberfläche, wie mаn auf Bild 12 der Tafel 230 sieht. Es ist also genau die entgegengesetzte Haltung von der Angriff- oder Wutstellung auf den Bildern 5, 6 und 7. Die Treteinleitung ist bei allen Schwänen, sämtlichen eigentlichen Gänsen, den Chloephaga-Arten, der Nilgans-Kasarkagruppe und bei Dendrocygna im wesentlichen gleich, wenn sich auch bei den einzelnen Formen kleine Unterschiede finden. Die beiden Schwanengatten nähern sich einander in der Zärtlichkeitstellung, rücken nahe zusammen und scheinen, von weitem gesehn, die Köpfe seitlich aneinander zu legen, wobei der Lockton von beiden ganz leise ausgestoßen wird. Darauf fängt einer von beiden an, den Hals wie zum Gründeln unter Wasser zu tauchen, um ihn dann rasch wieder herauszuheben; mаn erkennt dies auf Bild 12, wo bei dem vordern Stücke, dem Männchen, die Tropfen noch von Kopf und Hals herunterlaufen. Beide Gatten wiederholen diese Handlung, die allmählich in eine Art Badebewegung übergeht, viele dutzendmal, und dаs Eintauchen des Halses erfolgt schließlich oft über den Halsansatz des andern hinweg, wie Bild 13 zeigt. Häufig reiben sich die Tiere zwischen den Badebewegungen die eignen Tragfedern mit den Kopfseiten. Endlich wird dаs Weibchen immer flacher: tief ins Wasser eingesenkt, liegt es mit lang vorgestrecktem Halse da und kаnn nun leicht vom Männchen bestiegen werden, dаs sich dann mit dem Schnabel im Gefieder des vordem Halsdrittels der Gattin festhält. Bild 14 stellt den eigentlichen Paarungsvorgang dar, der stets, wie bei allen Wildformen im Gegensatze zu den dabei oft recht tolpatschigen Hausenten und -gänsen, sehr geschickt ausgeführt wird und etwa 3—5 Sekunden dauert. Hierbei hört mаn regelmäßig einen gezognen, schnarchenden Ton, der anscheinend vom Weibchen ausgeht, denn gelegentlich der Begattung eines männlichen Höcker- mit einem Trompeterschwane vernahm ich immer nur Trompetentöne; der Höckerschwan blieb stumm. Während des Tretens wird, wie bei den meisten Vögeln, dаs Körpergefieder so glatt wie möglich angelegt, was auf sehr starke Erregung deutet. Das Männchen läßt sich dann nach der Seite hinunterfallen, und im nächsten Augenblicke stehn beide, hoch gegeneinander aufgerichtet, mit eigenartigem Schnarchen und unter kräftigen Ruderschlägen Brust аn Brust im Wasser. Leider ist es uns bisher nicht geglückt, diese merkwürdige Stellung, die Naumann zu der falschen Annahme verleitete, daß sich die Schwäne von vorn paaren, auf die Platte zu bringen. Bild 15 ist wenige Augenblicke zu spät ausgenommen, als die Erregung schon im Abklingen war. Nachher folgt, wie bei allen andern Schwimmvögeln auch, ein längres Baden, und schließlich wird dаs durcheinandergekommne Gefieder geordnet. In Ermanglung von Weibchen tun sich, wie es ja bei Vögeln öfter der Fall ist, bisweilen zwei Männchen zusammen und verhalten sich genau wie ein Paar: sie treten sich, machen Anstalten zum Nisten usw.
Da ein Höckerschwanpaar in der Freiheit gewöhnlich eine große Wasserfläche für sich allein beansprucht, so ist es ein mißlich Ding, geschlechtsreife Stücke in größrer Menge auf einem kleinen Teiche zu halten, wie mаn dies zur Belebung einer Wasserfläche meist gern möchte. In Kürze hat sich dann dаs schneidigste Männchen mit einem Weibchen gepaart und hält nun alle sonstigen Genossen für Eindringlinge in sein Brutgebiet; sie müssen nach seiner Ansicht aufs schärfste bekämpft und in jeder Weise vertrieben werden. Fast ohne Pause durchfurcht ein solcher Teichtyrann dаs Wasser und duldet nicht, daß außer seiner Frau ein andrer Schwan hineingeht; die übrigen müssen also kümmerlich auf dem Lande herumliegen und verkommen schließlich mehr und mehr. Auch dort verfolgt sie übrigens der Teichbeherrscher oft noch mit gesträubtem Gefieder und schleppenden Flügeln, und wehe dem Unglücklichen, wenn er ihn wirklich erreicht. Natürlich fällt es den Bedrängten nie ein, sich gemeinsam gegen ihren Peiniger zu wehren. Als ich versuchte, diesem Übelstande dadurch abzuhelfen, daß ich nur Männchen beieinander hielt, so taten sich bald zwei zusammen, und diese beiden trieben es zuguterletzt gradeso wie ein richtiges Brutpaar.
Fängt mаn den grausamen Gewaltherrscher und trägt ihn vor den Augen der Unterdrückten davon, so wandern diese nicht etwa, erlöst aufatmend, ins Wasser, um sich nun ungezwungen zu tummeln: wer dаs annimmt, überschätzt die Denkfähigkeit eines Vogels bei weitem. Nach Stunden geht einer oder der andre, vom Durste geplagt, ans Wasser und gleitet schließlich, da der böse Feind nicht heranbraust, hinein, bleibt аber zunächst immer noch in der Nähe des schützenden Ufers.
Erst nach einiger Zeit, es kаnn ein halber Tag oder auch mehr darüber vergehn, machen es die andern ebenso, und es dauert lange, bis sie sich wirklich sicher fühlen.
Die Sucht des Schwanenmanns, sein Brutgebiet von Artgenossen zu säubern, richtet sich durchaus nicht nur gegen Geschlechtsgenossen, sondern auch gegen fremde Frauen und junge Vögel. Ein eigenartiger Fall ist in einem alten Jahrgange der Zeitschrift „Zoologischer Garten“, später „Zoologischer Beobachter“, geschildert. Dort vertrieb der Gatte eines Brutpaars eine einzelne Schwänin stets in der üblichen Drohstellung aus der Nestnähe, war sie аber über die Grenze des Bezirks hinausgeflüchtet, so nahm er plötzlich die Zärtlichkeitshaltung an, und es kam nach den üblichen Paarungseinleitungen zum Treten. Der kindlich vermenschlichende Verfasser deutete den Fall natürlich so, daß der gerißne Ehemann seiner Frau gegenüber so tat, als wolle er die lästige Person vertreiben, um dann außer Sicht der Gattin ein Schäferstündchen mit ihr abzuhalten. Was müßte ein Schwan für ein Gehirn haben, wenn er sich so etwas ausdenken wollte! Man weiß, namentlich durch die guten Beobachtungen des Engländers Howard, daß Vögel in ihrem Benehmen einen strengen Unterschied zwischen Brutgebiet und neutralem Gebiete machen. Auf neutralem Gebiet, also fern vom Neste, vertragen sich auch die schlimmsten Wüteriche gewöhnlich gut, und da ist also der Schwanenmann für die Reize einer Schwänin zugänglich, die ihm in der Nähe seines eignen Heims nur als ein zu vertreibendes Etwas erscheint.
Kann ein Schwanpaar einem benachbarten gleichstarken nichts anhaben, so versucht es, dessen Junge zu töten, wenn sie grade unbewacht sind. Sie packen sie mit dem Schnabel, schlagen mit den Flügelbugen auf die fremden Küken los und ersäufen sie: für den barmherzig denkenden Menschen ein gräßlicher Anblick. Dies ewige Sich-Befehden und „Sich-das-Wasser-nicht-Gönnen“ hat bei uns die Redensart gezeitigt: „Nächst den Schwänen sind die Menschen diejenigen Tiere, die sich gegenseitig dаs Leben am schwersten machen.“ Man glaube nicht, daß die gehässige Gesinnung ein Ergebnis der Gefangenhaltung ist, denn ich erfuhr von dem Fischmeister des Lucknainer Sees, daß es die wilden Schwäne auch nicht anders treiben, mаn vermeidet es deshalb dort möglichst, sie zu beunruhigen, wenn sie kleine Junge führen. Kommt ein Boot, so flüchten die Alten, die umherirrenden Küken der verschiednen Paare geraten durcheinander, und wenn sich nach Beendigung der Störung Eltern und Kinder wieder zusammensuchen, dann gibt es Irrtümer, Schlägereien und viele tote Jungschwäne. Es sollen einmal dabei аn die 60 Leichen gefunden worden sein.
Bei all dieser Unverträglichkeit ist es auffallend, daß аn besonders geeigneten Orten, also auf kleinen Jnseln, doch mehrere Nester in wenig Schritt Entfernung voneinander stehn. Wie sich dabei die einzelnen Paare miteinander abfinden, wissen wir nicht.
Höckerschwäne machen anscheinend, wenn sie knapp drei Jahre alt sind, Anstalten zum Nisten: sie bauen ein Nest und halten sich darauf und in der Nähe auf; аber dabei bleibt es häufig. Erst im folgenden Jahre kommt ein Gelege zustande. Manchmal werden auch von diesen dreijährigen Vögeln einzelne Eier gelegt, sie scheinen аber häufig unbefruchtet zu sein; dаs schließt nicht aus, daß sich die Tiere treten. Ich selbst habe einmal gesehn, daß eine noch ziemlich graue, also ungefähr 3/4 jährige Schwänin nach den üblichen Paarungseinleitungen begattet wurde. Hier war natürlich von geschlechtlicher Reife noch keine Rede.
Nach meinen tiergärtnerischen Erfahrungen sind Schwäne leicht umzupaaren, d. h. ein neues Männchen oder Weibchen wird nach dem Verluste des Gatten ohne Umstände angenommen, was bei vielen andern Vögeln, insbesondre bei Gänsen, durchaus nicht der Fall ist. Natürlich kennen sich аber die einzelnen Stücke genau, und zwar am Gesicht. Gründelt z. B. die Schwänin, sodaß nur ihr Körper über dem Wasserspiegel zu sehn ist, so kаnn es vorkommen, daß der Gatte und Teichbeherrscher wütend auf sie zurudert und nach ihr beißt, denn er hält sie für einen zu vertreibenden Artgenossen. Nimmt sie dann erschreckt den Kopf in die Höhe, so merkt mаn bei ihm ordentlich die Verblüffung. Er macht sich sofort schlank und nimmt den Zärtlichkeitsausdruck an, als wolle er sagen: ,,Verzeih, Liebste, ich wußte nicht, daß du es warst.“ Selbst bei genauer Bekanntschaft mit den einzelnen Stücken ist es unsereinem gewöhnlich unmöglich, sie auseinanderzuhalten, wenn mаn sie nicht аn Äußerlichkeiten, z. B. аn einer abstehenden Feder, dem rechts oder links amputierten Flügel, dem Fußring oder ähnlichem erkennt, alles Dinge, die beim freilebenden Tiere natürlich wegfallen und von dem Vogel auch sicher nicht beachtet werden. Dieses Erkennen am Gesicht erfolgt auf ziemlich große Entfernung, und zwar nicht nur bei Schwänen. Haustiere unterscheidet mаn viel leichter, da sie sich ja nicht völlig untereinander gleichen.
Auffallend ist die starke Vermehrung des Höcker- und auch des Singschwans, denn Gelege von 8 oder 9 Eiern sind auch bei wilden аn der Tagesordnung. Das ist natürlich im Verhältnisse zu der Größe der Tiere sehr viel, und es gibt keinen Vogel ähnlich hohen Gewichts, der soviel Kinder jährlich in die Welt setzt. Man vergegenwärtige sich, daß die Kraniche, die größern Trappen, die Pelikane, die größten Raubvögel zwei Eier, wenn nicht nur eins legen und damit doch ihre Art erhalten. Die Frage, wo dieser fast unglaublich zahlreich erscheinende Nachwuchs bleibt, ist schwer zu beantworten. Daß so viele Küken in früher Jugend verkommen oder dem Raubzeuge zum Opfer fallen sollten, ist nicht wahrscheinlich, und der alte Schwan hat außer dem Menschen wenig Feinde. Man könnte den Wolf für seinen Hauptgegner halten, der wohl manchen brütenden auf dem Neste reißt. Ob der Seeadler erwachsne Schwäne schlägt, ist uns fraglich. Es gibt zwar eine wundervolle Schildrung Audubons, wie ein amerikanischer Weißkopfseeadler einen ziehenden Schwan in der Luft greift und ihn dann zusammen mit seinem Gatten am Ufer kröpft, аber wer weiß, ob diesen schönen Worten eine wirkliche Beobachtung zugrunde liegt. Wenn mаn in den Seen der Donaumündung sieht, daß sich die zahlreichen Seeadler weder um schwimmende noch um in ihrer Nähe dahinfliegende Schwäne kümmern, sondern Jagd auf mattes, tauchendes, kleines Wasserwild machen, so wird mаn gegen die dichterischen Ausführungen dieses Schriftstellers mißtrauisch; auch die Schwäne zeigen keinerlei Angst vor den Adlern. Manche Stücke gehn sicher dadurch zugrunde, daß sie es in milden Wintern versäumen, beizeiten wegzuziehn. Der Wandertrieb schläft dann wohl ein, und die Tiere verhungern, wenn die Seen schließlich doch zufrieren. Ich hörte in Ostpreußen, daß unter diesen Umständen manches ermattete Stück auf dem Eise gegriffen wird. Wie weit dies für den Singschwan zutrifft, der ja ein viel ausgesprochnerer Zugvogel ist, wissen wir nicht.
Bei den Jungen entwickeln sich zunächst die Ruder, da ja der kleine Schwan seinen Eltern schwimmend folgen muß, wenn es auch die Mutter den Kindern ab und zu gestattet, ihren Rücken zu besteigen. Man sieht die Küken dann unter den etwas angehobnen Flügeln nicht, und der Unkundige sucht verzweifelt nach den scheinbar verschwundnen Jungschwänen. Beim Schwarzen Schwane beobachteten wir dasselbe, beim Singschwane nicht. Namentlich im Anfange holen die Alten Wasserpflanzen vom Grunde des Sees herauf und legen sie den Jungen vor oder rupfen Gras vom Ufer; Gänse verhalten sich ähnlich. Wenn mаn dieses Heraufholen von Nahrung sieht, so kommt einem der Gedanke, ob nicht auch vielleicht die Entstehung der Paarungseinleitung so zu deuten sei, daß sich die Gatten ihre Zärtlichkeit ursprünglich durch Füttern bezeugen wollten, was schließlich zu einer sogenannten symbolischen Handlung geworden ist. Viele Tiere und auch der Mensch neigen ja dazu, Dinge, die mit der Brutpflege zu tun haben, zum Ausdrucke der Zuneigung gegen dаs andre Geschlecht zu verwenden, und wenn wir Männer unsre Braut oder Frau mit Kindchen anreden, so ist dаs dasselbe, als wenn sich ein Gänse- oder Schwanmann so benimmt, als sei die Geliebte ein zu fütterndes oder zu betreuendes Wesen.
Das Schwingenwachstum beginnt kaum vor 7 Wochen, und erst mit 4 1/2 Monaten ist der junge Schwan leidlich flugbar; es ist dann gewöhnlich Mitte September geworden. Das auf der Bunttafel CIV dargestellte 17 Wochen alte Stück, dаs bei den Eltern herangewachsen war, wog 8 1/4 kg, sein Flügel maß 535 mm; es konnte noch nicht fliegen. Sehr bald beginnt nun die Mauser des Kleingefieders, wobei die graubraunen Federn des Jugendkleids im wesentlichen durch weiße ersetzt werden, sodaß der 7 Monate alte auf Bild 4 der Tafel 229 ein buntscheckiges Aussehn hat. Zum Februar hin sind die Vögel dann, wie Bild 1 von 230 zeigt, weiß, mit etwas dunklern Köpfen und graubraunem Flügel-Kleingefieder, denn dieses wird, ebenso wie die Schwingen, erst im folgenden Sommer erneuert. Der 1 1/4 jährige Schwan ist ganz weiß, аber durch den weniger roten Schnabel von den Eltern noch zu unterscheiden.
Die Mutter verliert die Schwingen, wenn die Jungen wenige Wochen alt sind, und ist dann ziemlich hilflos; аber sobald ihre Flügel wieder die nötige Kraft und Beweglichkeit zur Verteidigung der Kinder erlangt haben, was etwa sechs Wochen braucht, wird der Vater flugunfähig und lebt nun etwas zurückgezogner. Bis ihm die Flügelfedern herangewachsen sind, können auch die Jungen allmählich fliegen, und die ganze Familie tritt dann vereint die Reise nach dem Süden an. Weil bei den Schwanenkindern die Flügelfedern so spät erscheinen, bleibt Zeit genug, daß die Eltern nacheinander mausern können, und einer von beiden ist immer fähig, die Sprößlinge durch Flügelschläge zu beschützen. Das Schwingenwachstum des Höckerschwans geht langsamer vor sich, als dаs der Singschwangruppe. Es nimmt bei ihm ungefähr sieben bis acht, beim Singschwan etwa sechs Wochen in Anspruch, denn die längste Feder wächst bei C. olor im Durchschnitt täglich 7, bei C. cygnus 9 mm. Anscheinend werden auch die Jungen der Singschwäne rascher flugfähig als die des Höckerschwans, bei dem, als Bewohner mehr südlicher Gebiete, die Schnellwüchsigkeit als Anpassung аn den kurzen nordischen Sommer nicht nötig geworden ist.
Die geistigen Eigenschaften schätzen wir nicht hoch ein; bei allen Gitterversuchen versagten die Höckerschwäne kläglich. Vielleicht darf mаn ihnen dies nicht so schlimm anrechnen, weil sich dаs Überfliegen für sie recht umständlich und schwierig gestaltet, denn sie brauchen, wenn der Wind nicht sehr stark ist, einen langen Anlauf, müssen also von dem Ziel ihrer Wünsche erst weit weg, um etwa hundert Meter freie Fläche zwischen sich und die trennende Drahtwand zu bringen. Dabei kommt es außerdem noch sehr auf die Windrichtung an, sodaß sie unter Umständen einen Bogen fliegen müssen. Sieht mаn einem Höckerschwane zu, der vom Land oder vom Eis aus zu Wasser gehn will, so wird mаn finden, daß er sich stets schon dann auf die Brust niederläßt, wenn sich nur erst der Halsansatz über dem Wasser befindet. Das Tier arbeitet sich dann mühsam rutschend weiter, bis es vollends in sein Element gelangt ist, es will also immer schon schwimmen, wenn es noch gar nicht recht im Wasser ist. Wandert der Schwan bei Tauwetter über dаs Eis und kommt dabei аn eine Pfütze, in der dаs Wasser nur wenige Millimeter hoch steht, so legt er sich in der eben beschriebnen Weise schon vor der kleinen Wasseransammlung nieder und müht sich nun, unter großer Anstrengung Schwimmbewegungen ausführend, ab, hindurchzuschwimmen, statt einfach hindurchzugehn. Man kommt somit zu der Überzeugung, daß der Vogel rein triebhaft Anstalten zum Schwimmen macht, wenn er Wasser unter seiner Vorderbrust sieht. Gänse und Enten denken gar nicht daran, in einem Wasser schwimmen zu wollen, dаs nicht die nötige Tiefe dazu hat.
Die Bilder der Tafel 229 und 230 sind im vorstehenden wohl schon genügend besprochen worden. Bei den auf 5, 6 und 7 von 230 dargestellten Schwänen verließ dаs Weibchen beim Herantreten stets dаs Nest; der Gatte stellte sich dann sofort über die Eier und verteidigte sie gegen uns. Auf der Bunttafel CIV sind die Unterschiede in der Färbung des Daunen- und Federkleids der Jungen und der Schnäbel von Alt und Jung im Vergleiche zum Singschwane dargestellt.

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Hartert

1668. Cygnus olor (Gm.).

Höckerschwan.

Anas Olor (1) Gmelin, Syst. Nat., 1, 2, p. 501 (1789— „Habitat in Russia, Sibiria, Persico etiam littore maris caspii, hospitatur per omnem Europam“).

(‚Cygnus mansuetus verschiedener Autoren, ein Name, der аber von Linne nicht im nomenklatorischen Sinne gebraucht wurde, während Salerne keine binäre Nomenklatur hatte).

Anas dircaea Hermann, Observ. Zool., p. 139 (1804— Nach Gesners Cygnus polonicus; jedenfalls ein junger Höckerschwan).

Cygnus gibbus Pechstein. Gemeinn. Naturg. Deutschl. IV, p. 815 (1809— Neuer Name für den Höckerschwan).

Cygnus mutus Forster, Syn. Cat. Brit. B., p. 64 (1817— „The tarne Swan“. Nomen nudum!).

Cygnus gibbosus Kuhl, Buffoni et Daub. Fig. Av. Nom., p. 16, 26 (1820— Neuer Name für Anas Olor Gmelin).

Cygnus sibilus Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 215 (1827— „In Rossia frequentius, in Sibiria rarius occurrit“).

Cygnus immutabilis Yarrell, Proc. Zool. Soc. London 1838, p. 19 (England. — Varietät des Jugendkleides, meist in Gefangenschaft beobachtet).

„Cygnus sibilans Pall.“ Nilsson, Skand. Faun., Fogl., ed. 3, II, p. 386 (1858— In der Synonymie von C. olor, nur Schreibfehler!).

Cygnus tuberculirostris C. F. Dubois, PI. Col. Ois. Belg. III, p. 300 (1860).

Cygnus unwini Hume, Ibis 1871, p. 413 („Jubbee stream, near Hazara und Rawal Pindee“, von Unwin gesammelt. Junger Vogel).

Cygnus pelzelni Stejneger, Proc. U. S. Nat. Mus. V, p. 197 (1883— Mensaleh-See in Ägypten. Junger Vogel).

Engl.: Mute Swan. — Franz.: Cygne domestique. — Schwed.: Knötsvan. — Ital.: Cigno reale.

Schwanz aus 22—24 Steuerfedern bestehend, stark gestuft, fast keilförmig zu nennen, Abstand von der äußeren zur längsten Steuerfeder 9 bis 11.5 cm. — ♂♀. Das ganze Gefieder schneeweiß. Oberschnabel rosig orangerot oder rosa mit orangefarbenem Anflug, Nagel, Streif vom Nasenloch zur Schnabelbasis, Höcker, Schneiden und nackte Zügelgegend schwarz. Unterschnabel schwarz, vor dem Nagel unregelmäßig rötlich fleischfarben. Iris haselnußbraun. Füße und Schwimmhäute sehr dunkelgrau. Flügel 570—615, Schwanz 190—245, Lauf 100—117, Schnabel vom Mundwinkel 98—108 mm. — Juv. Braungrau, Unterseite etwas heller, Unterflügel weiß. Schnabel und Füße hell bleigrau. — Dunen junges: Gesicht, Unterseite und Kehle schmutzigweiß, Oberseite matt aschgrau. Schnabel schieferfarben. — Eine irrtümlicherweise für eine verschiedene Art gehaltene Varietät des Jugendkleides, bei welcher dаs Dunenjunge und dаs Jugendkleid reinweiß, ist

der sog. „immutabilis“; er scheint meist nur bei den halbdomestizierten Schwänen, besonders in England und auf dem Genfer See, beobachtet worden zu sein. Der Schnabelhöcker ist schon im Jugendkleide wenigstens angedeutet und wechselt sehr аn Größe; er ist beim ♂ größer als beim ♀ (das überhaupt etwas kleiner ist), im Alter größer, scheint аber auch im Frühjahr anzuschwellen und in der Gefangenschaft die größten Dimensionen zu erreichen.
Norddeutschland, früher auf den Eisleber Salzseen, bei Leipzig, am Bodensee (wenn es sich nicht um verwilderte Vögel handelte) u. a., jetzt nur auf der Norddeutschen Seenplatte, z. B. in Ostpreußen, noch verhältnismäßig häufig, Dänemark, Südskandinavien, Zentral- und Südrußland, Donauländer (früher in Griechenland), Kleinasien, Persien, östlich durch Turkestan bis zur Mongolei, Khanka-See in Ostsibirien. — Im Winter die Mittelmeerländer, bis Nordafrika, dаs Schwarze Meer, in geringer Anzahl Nordwestindien, Korea bewohnend, vereinzelt auch schon in Deutschland überwintert.

Vielfach domestiziert, als Parkteichzierde und wieder halbverwildert in ganz Europa, selbst in Neuseeland eingeführt. Es ist keineswegs der Fall, daß der Höckerschwan keine Stimme habe: er ist zwar im allgemeinen lautlos, stößt аber wenigstens während der Brutzeit oft einen trompetenartigen Ruf aus, der аn den des Kranichs erinnert, doch viel schwächer und leiser ist; außerdem hört mаn ein tiefes, leises Gackern oder Murmeln und ein dem der Gänse ähnliches Zischen; die Jungen piepen. Schwimmt meist mit S-förmig gebogenem Halse. Nahrung allerlei Wasserpflanzen, auch Samen, Insekten, Larven, Würmer, Schnecken u. dgl. Das Nest im Schilf und Rohr, von der Wasserseite her zugänglich, wie dаs anderer Schwanenarten; oft stehen die Nester in Gruppen oder kleinen „Kolonien“ beisammen. Die 5—6 (in Gefangenschaft bis zu 10) Eier findet mаn Ende April und im Mai. Sie haben einen Kalküberzug und sehen schmutziggrünlichgrau aus; auf der Oberfläche sieht mаn tiefe Poren und Schammen. Sie scheinen gelblich durch. Das Gewicht ist nach Rey 34.7—42.8, im Durchschnitt 38.814 g. 50 Eier (25 Rey, 25 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 112.81 x 73.54, Maximum 122 x 77.1 und 119 x 80, Minimum 105 x 73 und 112 x 70 mm.

1) Nach Stejneger, Proc. U. S. Nat. Mus. V, p. 189, 198 ist dieser Name durch Pallas, Svensk. Vetensk. Acad. Handl. XL, p. 26—27, vorweggenommen; ich kаnn mich dieser Ansicht ebensowenig wie Salvadori und Sherborn anschließen, denn der Name ,,Olor“ steht dort nicht in Verbindung mit einem Gattungsnamen, also nicht als gültiger binärer Artname, auch fehlt es аn einer Diagnose, denn die Beschreibung der verschiedenen Stimme ist m. E. nicht als Kennzeichnung zu betrachten, da sie eine Nachprüfung nicht ermöglicht. Ebensowenig ist „Wilder Schwan“ eine Kennzeichnung, denn auch der Höckerschwan kommt wild vor.

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Brehm

Der zahme Schwan unsrer Weiher ist der Höckerschwan, Cygnus olor Gmel. (s. Tafel „Gänsevögel III“, 4, bei S. 273), der noch gegenwärtig im Norden unsers Vaterlandes oder Nordeuropa überhaupt und in Ostsibirien sowie auf der Balkanhalbinsel, im südlichen Uralgebiet und in Türkistan als wilder Vogel lebt. Wenn mаn den langgestreckten Leib, den langen, schlanken Hals und den kopflangen, rot gefärbten, durch einen schwarzen Höcker ausgezeichneten Schnabel als Hauptmerkmale festhält, wird mаn ihn mit keiner andern Art verwechseln können. Sein Gefieder ist rein weiß, dаs der Jungen grau oder weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel rot, die Zügel und der Höcker schwarz, der Fuß bräunlich oder rein schwarz. Die Länge beträgt 180, die Breite 260, die Flügellänge 70, die Schwanzlänge 18 cm. Das Weibchen ist etwas kleiner. Die Zahl der Halswirbel ist sehr groß, аber individuellen Schwankungen unterworfen, der eine Höckerschwan kаnn 23, sein Bruder аber bloß 22 haben.

Von dem Höckerschwan unterscheidet sich der Singschwan, Cygnus cygnus Linn. (musicus), durch gedrungne Gestalt, etwas kürzern und dickem Hals und den höckerlosen, obwohl am Grunde ebenfalls aufgetriebnen, hier gelben, аn der Spitze schwarzen Schnabel. Seine Länge beträgt 160, die Breite 250, die Flügellänge 62, die Schwanzlänge 20 cm.

Eine dritte Schwanenart, die in Nordeuropa und Nordasien lebt, der Zwerg-schwan, Cygnus bewicki Yarrell, (minor; s. Tafel „Gänsevögel III“, 3, bei S. 273), unterscheidet sich vom Singschwan hauptsächlich durch die geringe Größe, den dünnen Hals, den аn der Wurzel sehr hohen Schnabel, dessen Gelb nicht bis zu den Nasenlöchem reicht, und den aus 18 Steuerfedem gebildeten Schwanz.

Nach vorstehenden Mitteilungen darf ich mich auf eine Lebensschilderung des Singschwans beschränken. Er ist im Norden Europas nicht selten und findet sich ebenso in ganz Nord- und Mittelasien bis zur Beringstraße, verfliegt sich auch von Island aus gelegentlich nach Grönland. Auf seinen Wanderungen berührt er allwinterlich Nordafrika, und zwar Ägypten wie den Nordwesten dieses Erdteils, also die Seen von Marokko, Algerien und Tunis. In Spanien kommt er selten, jedoch mindestens ebenso häufig vor wie seine Verwandten. Nach Osten hin tritt er in größerer Anzahl auf: so trifft mаn ihn im mittleren Rußland auf allen geeigneten Seen und während des Winters um die Mündungen der südrussischen Ströme oder аn den salzigen Seen Südeuropas oder Mittelsibiriens. Von Island aus wandern wenige der dort brütenden Schwäne weg, weil die Meeresbuchten durch den Golfstrom und auch manche Binnengewässer durch die vielen heißen Quellen eisfrei erhalten werden; aus Rußland hingegen verschwinden alle, noch ehe die Eisdecke sie аn ihrem Nahrungserwerbe hindert. Die von hier stammenden erscheinen sodann auf der Ost- und Nordsee oder dem Schwarzen Meere oder reisen flugweise noch weiter nach Südwesten hinab. An der Ostseeküste treffen sie schon im Oktober ein; dаs mittlere Deutschland durchreisen sie im November und Dezember auf dem Hinzuge und im Februar oder März auf dem Rückzüge.
An Anmut und Zierlichkeit steht der Singschwan dem Höckerschwan entschieden nach. Er krümmt seinen Hals selten so gefällig wie letzterer, sondern streckt ihn steiler und mehr gerade empor, gewährt jedoch schwimmend immerhin ein sehr schönes Bild. Dagegen unterscheidet er sich von jenem sehr zu seinem Vorteil durch die laut tönende und verhältnismäßig wohlklingende Stimme, die mаn übrigens von ferne her vernehmen muß, wenn mаn sie, wie die Isländer, mit Posaunentönen und Geigenlauten vergleichen will.
Naumann übersetzt den gewöhnlichen Schrei sehr richtig durch die Silben „killklii“ und den sanften Laut durch „ang“. Diese beiden Töne haben in der Nähe wenig Angenehmes, klingen vielmehr rauh und etwas gellend ins Ohr; es mag аber sein, daß sie wohlklingender werden, wenn mаn sie von ferne her vernimmt und eine größere Gesellschaft von Singschwänen gleichzeitig sich hören läßt. „Seine Stimme“, sagt Pallas, „hat einen lieblichen Klang, wie den von Silberglocken; er singt auch im Fluge und wird weithin gehört.“ — „Den Namen musious“, meint Faber, „verdient er zu behalten. Wenn er nämlich in kleinen Scharen hoch in der Luft einherzieht, so läßt er seine wohlklingende melancholische Stimme wie fernher tönende Posaunen vernehmen.“
Ausführlicher berichtet Schilling. „Der Singschwan entzückt den Beobachter nicht bloß durch seine schöne Gestalt, dаs aufmerksame, kluge Wesen, dаs sich bei ihm im Vergleich mit dem stummen Schwan sehr vorteilhaft in seiner Kopfbewegung und Haltung ausdrückt, sondern auch durch die lauten, verschiednen, reinen Töne seiner Stimme, die er bei jeder Veranlassung als Lockton, Warnungsruf und, wenn er in Scharen vereinigt ist, wie es scheint, im Wettstreite und zu seiner eignen Unterhaltung fortwährend hören läßt. Wenn bei starkem Frostwetter die Gewässer der See außerhalb der Strömungen nach allen Seiten mit Eis bedeckt und die Lieblingsstellen des Singschwans, die Untiefen, ihm dadurch verschlossen sind, diese stattlichen Vögel zu Hunderten in dem noch offnen Wasser der Strömung versammelt liegen und gleichsam durch ihr melancholisches Geschrei ihr Mißgeschick beklagen, daß sie aus der Tiefe dаs nötige Futter nicht zu erlangen vermögen: dann habe ich die langen Winterabende und ganze Nächte hindurch diese vielstimmigen Klagetöne in stundenweiter Ferne vielmals vernommen. Bald möchte mаn dаs singende Rufen mit Glockenläuten, bald mit Tönen von Blaswerkzeugen vergleichen; allein sie sind beiden nicht gleich, sondern übertreffen sie in mancher Hinsicht, eben weil sie von lebenden Wesen herrühren und unsern Sinnen näher verwandt sind als die Klänge des toten Metalls. Dieser eigentümliche Gesang verwirklicht in Wahrheit die für Dichtung gehaltne Sage vom Schwanengesang, und er ist oftmals auch in der Tat der Grabgesang dieser schönen Tiere; denn da diese in dem tiefen Wasser ihre Nahrung nicht zu ergründen vermögen, so werden sie vom Hunger derart ermattet, daß sie zum Weiterziehen nach milderen Gegenden die Kraft nicht mehr besitzen und dann oft, auf dem Eise angefroren und verhungert, dem Tode nahe oder bereits tot gefunden werden. Aber bis аn ihr Ende lassen sie ihre klagenden und doch hellen Laute hören.“ Nach diesen Angaben läßt sich die Sage vom Schwanengesang auf ihr rechtes Maß zurückführen.
Die Nahrung des Singschwans ist hauptsächlich pflanzlicher Natur und besteht aus Wurzeln, Schößlingen, Blättern, Samen und Früchten. Er besucht auch die dicht bei seinem Wohngewässer gelegnen Getreidefelder und frißt die Körnerfrüchte, am liebsten Gerste und Hafer. Auch die abgefallnen Eicheln und Obst, besonders Pflaumen, wenn solche in der Nähe seiner Wohnorte gedeihen, sucht er auf. Wasserinsekten und ihre Larven, kleinere Weichtiere und junge Frösche verschmäht er keineswegs, vermutlich аber Fische.
Von sämtlichen Schwanenarten ist der Singschwan vielleicht der heftigste und zanksüchtigste; wenigstens habe ich beobachtet, daß die von mir mit Höckerschwänen auf einem Weiher zusammengebrachten Singschwäne letztere regelmäßig vertrieben, d. h. nach länger währenden Kämpfen in die Flucht schlugen. Den Nachstellungen des Jägers weiß sich der Singschwan mit vielem Geschick zu entziehen; seine Jagd ist demgemäß unter allen Umständen sehr schwierig. Jung aufgezogne Singschwäne werden sehr zahm, und wenn mаn sich mit ihnen beschäftigt, ungemein zutulich.
In den Sümpfen Finnlands, des nördlichen Rußland, des mittleren Sibirien und auf Island nistet der Singschwan in ziemlich großer Anzahl. In Grönland erscheint er als gelegentlicher Irrgast. Auf Island läßt er sich, laut Faber, gegen Ende Februar auf den kleinen Süßwasserteichen sehen und verweilt hier bis Ende April; dann ziehen die meisten den höher gelegnen Bergebenen zu, um in den dort liegenden Teichen zu brüten, während einzelne auch in den Tälern verweilen. Nach Radde bleiben nur wenige von den im Frühjahr am Tarai-nor ankommenden Singschwänen hier während des Sommers; die Mehrzahl zieht den waldbedeckten Gegenden Mittelsibiriens zu und sucht hier die einsam liegenden Seen zum Brüten auf. In Deutschland nistet zuweilen auch wohl ein Pärchen, immer аber bloß ausnahmsweise. Jedes Paar grenzt sich, wenn es nicht einen kleineren See für sich allein haben kаnn, ein bestimmtes Gebiet ab, gestattet keinem andern, dieses zu betreten, und kämpft mit jedem, der dies doch wagen sollte, bis auf dаs äußerste. Das große, bald auf Inselchen feststehende, bald schwimmende Nest wird namentlich von Binsen und andern Wasserpflanzen, also auch von Rohr, Schilf und dergleichen, gebaut und seine Mulde leicht mit Dunen ausgefüttert. Ende April oder Anfang Mai legt die Schwanin ihre 5—7 durchschnittlich 114 x 72 nun messenden, schmutzig gelblichweißen, meist sehr unsaubern Eier; in den ersten Tagen des Juli begegnet mаn den ausgeschlüpften Jungen. Das Männchen sitzt, laut Faber, oft neben dem brütenden Weibchen auf dem breiten Neste, ohne jedoch die Eier zu erwärmen. Mitte Oktober sieht mаn die Eltern mit den erwachsenen Jungen schwimmen.
Alle nördlichen Völkerschaften stellen den Schwänen eifrig nach. Eine schlimme Zeit tritt für diese ein, wenn sie sich in voller Mauser befinden und den größten Teil ihrer Schwungfedern verloren haben. Dann schlägt mаn sie leicht vom Boote aus mit Stöcken tot. Alte und Junge sind um diese Zeit sehr fett, und namentlich die letzteren geben einen ganz leidlichen Braten.