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Mareca strepera

Heinroth

Die Schnatterente (Anas strepera L.).

Salvadori faßt diese Art nach dem Vorbilde Brehms als eine besondre Gattung Chaulelasmus auf, Hartert vereinigt ja alle Schwimmenten unter Anas, eine Ansicht, die uns zwar widerspricht, der wir аber in diesem Buche der Einheitlichkeit wegen folgen wollen. Der Flügel des Männchens mißt 262—280, der Schwanz 95—115, der Schnabel 42—47, der Lauf 38—41mm; es wiegt etwa 800—850g. Das kleinre Weibchen, dessen Flügellänge nur 240—260 mm beträgt, ist ungefähr 700 g, sein Ei um 47 g schwer. Ein neugebomes Junges aus einem Ei unbekannten Frischgewichts wog 32 g. Die Brutdauer währt, wie bei der Stockente, 26 Tage. Von Mitteleuropa aus gerechnet ist diese Art ein vorwiegend östlicher Vogel, sodaß sie in Deutschland und den im Westen und Norden angrenzenden Staaten verhältnismäßig selten und erst von Rußland ab durch Nord- und Mittelasien bis Kamtschatka häufiger ist. Außerdem kommt sie nicht nur in Südspanien und Nordalgerien, sondern auch in einem großen Teile Nordamerikas vor. Als eigentlicher Zugvogel verläßt sie die Brutheimat wohl regelmäßig und wandert dann nach Süden.
Sowohl die deutsche Bezeichnung Schnatterente als die wissenschaftliche strepera ist wohl nicht auf dаs tastend-seihende Herausschnattern von Nahrung, sondern auf dаs Schnattern im volkstümlichen Sinne, d. h. auf geschwätziges Lärmmachen, zurückzuführen. Wer die Tiere аber genauer kennt, versteht nicht recht, wie sie zu diesem Namen kommen, denn es wäre jedenfalls besser, wenn mаn dаs Schnattern mit dem feinen, durch sehr entwickelte Tastplättchen ausgezeichneten Schnabel in Beziehung brächte.
Wie bei der Pfeifente sieht der Flügel des alten Männchens anders aus als der des jungen bis zu seinem vierzehnten Monate. Da ja sämtliche, also auch die kleinsten Flügelfedern beim Ablegen des Jugendkleids stehn bleiben, also nicht mit vermausert werden, so hat der einjährige, аber schon fortpflanzungsfähige Erpel noch den dem Weibchen ähnlichen Erstlingsflügel, der sich bei diesen beiden Arten recht sehr vom Altersflügel unterscheidet; dieser ist auf Bild 2 der Tafel CXV wiedergegeben. Nicht nur dаs völlige Fehlen eines glänzenden Spiegels, wodurch diese Art übrigens von allen andern Schwimmenten abweicht, sondern auch in ihrer Stimme und in ihrem Benehmen unterscheidet sich die Schnatterente deutlich sowohl von der Stockente als auch von den andern heimischen verwandten Formen. Die Erpel lassen, außer in der Mauserzeit, einen аn dаs Pfeifen des Stockerpels erinnernden, hohen Ton, der аber etwas feiner ist, hören, dem ein schnarrendes, tiefes „Räb“ unmittelbar angehängt wird. Es hat in seiner Klangfarbe eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schnarren des Knäkerpels, dаs Ganze klingt also wie „uit-räb“. Dabei richten sich die Tiere nicht wie die Stockerpel auf, sondern heben nur den Kopf mit wagrecht gestelltem Schnabel in die Höhe, den sie dann beim zweiten Tone mit einer raschen seitlichen Bewegung senken. Es fehlt also die eigentümliche Umständlichkeit, wie sie den „Gesellschaftsspielen“ der Stock-, Spieß- und Krickerpel eigen ist. Diese nicht grade laute Stimmäußrung ist draußen erstaunlich weit vernehmbar, wovon wir uns im November in der Dobrudscha аn den Tausenden von Zugvögeln überzeugen konnten. Auch im Fluge wird dies sonderbare, pfeifend-rätschende Getön ausgestoßen. Das Fluggeräusch dieser leicht und schnell fliegenden Art ist nicht so laut pfeifend wie dаs der Stockenten. Die Stimme des Weibchens, dаs übrigens ziemlich schweigsam ist, ähnelt der der Stockentenfrau, nur sind alle Töne milder; dаs Hetzen über die Schulter weg scheint ihm zu fehlen.
Bei zwei im hiesigen Zoologischen Garten erbrüteten Brüdern und einer Schwester, die ich alle drei frei fliegen lassen konnte, stellte sich heraus, daß sich die beiden Männer im folgenden Frühjahr um diese Ente nicht kümmerten, vielleicht besteht hier also auch eine geschlechtliche Abneigung der Geschwister gegeneinander. Das Weib führte lange ein einsames Dasein auf einem bestimmten, ihr sehr zusagenden Teich, auf dem viele wilde Stockenten verkehrten; niemals wurde es аber von einem solchen Erpel mit einer Stockente verwechselt und irgendwie beachtet. Später geseilte sich ihr ein einsamer Pfeiferpel zu, und sie erzielte Nachkommen mit ihm; Pfeif-Schnatterentenmischlinge sind ja auch sonst öfter gezüchtet worden. Merkwürdigerweise bewarben sich die Brüder um eine wildfarbige, ziemlich große Hausente, und der eine paarte sich sogar oft mit ihr. Wir zogen zwei Schnatterenten, die sich leider beide als Weibchen entpuppten, im Zimmer auf. Sie wogen beim Schlüpfen 32, nach 4 Tagen 45, mit 18 Tagen 245 und, 44 Tage alt, 570 g. Mit ungefähr sieben Wochen konnten sie fliegen. Als wir ein woanders groß gewordnes Geschwister zu ihnen setzten, bissen sie es so in den Hinterkopf, daß wir es wieder entfernen mußten.
Wie auf der Kükentafel CVIII zu sehn ist, hat dаs Daunenkleid mit dem der Stockente viel Ähnlichkeit. Die Flügel des alten Paars von Tafel CXV erwähnten wir schon. Auf Tafel CX beachte man, daß der im Prachtkleide schwarze Schnabel des Erpels während des Sommerkleids fast dаs Färbungsmuster von dem des Weibchens annimmt. Tafel 242 stellt die Jugendentwicklung dar, die der der Stockente sehr ähnelt. Die Knochentrommel Nr. 4 auf Tafel 248 ist kleiner als die des Stockerpels, dem Weibchen fehlt sie natürlich völlig.

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Hartert

1698. Anas strepera L.

Schnatterente.

Anas strepera Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 125 (1758— „Europa“. Beschränkte terra typica: Schweden).

Anas cinerea Gmelin, Reise d. Russland II, p. 184, Taf. 17 (1774— ♀ Südrußland).

Anas Kekuschka Gmelin, op. cit. III, p. 249, Taf. 26, 27 (1774— Kaspisches Meer).

Anas mail Hodgson, Gray’s Zool. Mise., p. 81 (1844— Nepal. Nomen nudum!).

Chaulelasmus americanus Brehm, Vogelfang, p. 374 (1855— Nordamerika).

Engl.: Gadwall. — Franz.: Chipeau bruyant. — Ital.: Canapiglia. — Schwed.: Snatterand. —- Holländ.: Kraakeend.

Schwanz mit 16 Steuerfedern. — Hals und Kopf bräunlichweiß mit dunkelbraunen Fleckchen, wie bespritzt, hinterm Auge eine schmale braune Linie, Scheitel dunkler rötlichbraun. Basis des Halses und Vorderrücken schwärzlichbraun mit schmalen konzentrischen weißen Querlinien, die auf dem Hinterrücken ganz schmal werden und allmählich verschwinden, Bürzel und Oberschwanzdecken schwarz. Schwingen fahl graubraun, Innenfahnen heller, äußere Armschwingen mit schmalen weißen Endsäumen, äußere Fahnen der mittleren Armschwingen schwarz, die der folgenden drei weiß, innerste fahl graubraun, spitz und verlängert. Kleine Oberflügeldecken braun mit bräunlichweißen Querwellen, mittlere kastanienrotbraun, große аn den Spitzen schwarz. Steuerfedern graubraun mit schmalem weißen Endsaume. Kropfgegend weiß mit breiten konzentrischen dunkelbraunen Querwellen, die nach der Brust zu spärlicher werden, Seiten fein braun, Bauch undeutlicher quergewellt, übrige Unterseite weiß, Unterschwanzdecken schwarz. Unterflügeldecken und Axillaren weiß. Iris braun. Schnabel dunkel bleigrau, fast schwarz. Füße orangefarben. Flügel 262—280, Schwanz 95—115, Schnabel 42 — 47, Lauf 38—41 mm. — ♀ ad. Kopf und Hals ähnlich wie beim ♂, аber Oberkopf dunkelbraun statt rotbraun, Kropf blaß rötlichbraun mit großen schwarzbraunen Flecken. Vorderrücken, Oberschwanzdecken und Skapularen tiefbraun mit breiten gelbbräunlichen Säumen und ebensolchen Querzeichnungen, Hinterrücken matt braunschwarz mit undeutlichen hellbraunen Säumen, die nach dem Schwänze zu deutlicher werden. Flügel wie beim alten ♂, nur der rotbraune Fleck bedeutend kleiner, mitunter kaum angedeutet. Unterkörper weiß, Seiten und Bauch mit rundlichen braunen Flecken, Unterschwanzdecken blaß bräunlichgelb mit braunen Flecken. Die Dunen sind im Herbst und Winter bräunlichgrau mit weißlicher Basis und Spitze, im März kommen die dunkel rußfarbenen, fein weißgespitzten Nestdunen. Schnabel аn den Seiten braungelb. Etwas kleiner, Flügel 240—260 mm. — Das Sommerkleid des ♂ ist dem des ♀ sehr ähnlich, аber der Schnabel fast ganz dunkelgrau. Das 1. Jugendkleid ähnelt ebenfalls dem des alten g, auf dem Mittelflügel fehlt dаs Schwarz und Rotbraun. Auf dem ganzen Unterkörper oft zerstreute braune Flecke. Schnabel bräunlichgelb, auf der Firste dunkler. — Das Dunenjunge gleicht dem von A. platyrhyncha.
Brutvogel in Island (selten), Großbritannien (sehr lokal in Schottland und nur in Norfolk und Suffolk einigermaßen häufiger, аn Zahl zunehmend), Südostschweden, Dänemark, Holland (im allgemeinen selten), Deutschland und von dort ostwärts durch Rußland, Nord- und Mittelasien bis Kamtschatka. Außerdem in Südspanien und Nord-Algerien. (Nach Bolle in den fünfziger Jahren auf Gran Canaria nistend). Im Winter südlich bis Kleinafrika (Atlasländer), Abessinien (selten), Suakin und Sokotra, Indien (bis Mysore), China und Japan. — Außerdem in Nordamerika von British Columbia, Alberta und Keewatin bis Südkalifornien, Südcolorado und Südwisconsin; im Winter vom südlichen British Columbia, Arizona und Carolina südlich bis Niederkalifornien, Mexiko und Florida; vereinzelt in Grönland, Bermuda, Cuba, Jamaika.

Lebt in Sümpfen und auf größeren stehenden Gewässern. Der gewöhnliche Ruf ist ein hohes pfeifendes „quäk“, bekannter, weil eigenartig, ist ein quarrendes Krächzen, auch schnattern die ♀ wie räck, räck, räck, räck pihp, pihp räck räck räck räck. Die Nahrung besteht aus allerlei Sumpfpflanzen, auch aus Insekten, Würmern und dergl. mehr. Das Nest wird auf grünen Inselchen oder аn den Ufern von Sümpfen, Seen und Teichen im Grase oder Schilf, womöglich unter einem Weiden-, Erlen- oder sonstigen Busche, auch wohl zwischen Steinen und Felsblöcken angelegt. Nach Dombrowski in der Dobrudscha mitunter auch in hohlen Weiden. Im Mai findet mаn darin meist 8—12 Eier, die glatt- und feinporig sind und von einer warmen Rahmfarbe, wie die von A. penelope, angeblich auch blaß olivengelblich. Die Nestdunen sind sehr dunkel, mit kleinem hellen Fleck аn der Basis und Spitze. Durchschnittsgewicht von 39 Eiern nach Rey 4.096 und von 2.98 bis 4.70 g schwankend. 100 Eier (39 Rey, 36 Göbel, 25 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 55.34 x 39.71, Maximum 58 x 41 und 57.5 x 43.5, Minimum 51 x 34.5.

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Brehm

Hier und da gesellt sich zur Stockente die ihr gleichgestaltete, аber durch den verhältnismäßig kleineren und schmäleren, mit längeren Zähnchen ausgerüsteten Schnabel unterschiedne Schnatterente, Schnarr-, Lärm-, Nessel – und Mittelente, Chaulelasmus streperus Linn. (Anas). Kopf und Hals sind auf licht rostgrauem Grunde mit kleinen rundlichen, dunkelbraunen Flecken getüpfelt, Kropf und Oberbrust auf aschgrauem Grunde muschelartig dunkel gewässert, Nacken, Mantel und Seiten auf ebenfalls grauem Grunde sehr fein quergewellt, Bürzel, obere und untere Schwanzdecken tiefschwarz, Brust- und Bauchmitte weiß, die Schwungfedern der Hand dunkelbraun, außen lichter gerandet, die vorderen des Armes аn der weiß gesäumten Spitze tiefschwarz, im übrigen aschgrau, die hinteren, die den Spiegel bilden, weiß, die Schulterfedern aschgrau, die vordern größeren Oberflügeldeckfedern rostrot, die hinteren braun-, die größten hinteren tief samtschwarz, die Schwanzfedern braungrau, außen weiß gekantet. Die Iris ist braun, der Schnabel blauschwarz, der Fuß schmutziggelb. Im Sommerkleide ist dаs Gefieder oberseits vorherrschend dunkel graubraun, heller gekantet, unterseits auf rotbraunem Grunde schwarz, аn den Seiten pfeilspitzig quergefleckt, auf den Oberflügeln gräulich. Ein ähnliches, nur lichteres Kleid trägt dаs Weibchen. Die Länge beträgt 52, die Breite 85, die Flügellänge 26, die Schwanzlänge 10 em. Das Weibchen ist, wie gewöhnlich, kleiner. Das Verbreitungsgebiet der Schnatterente ist ungefähr dаs gleiche wie dаs der Stockente.