Heinroth
Die Kolbenente (Netta rufina Pall.)
wird deshalb als besondre Gattung Netta Kaup. auch von Hartert abgetrennt, weil sich der Schnabel nach vorn verjüngt und überhaupt etwas anders gebaut ist als bei den besprochnen Süßwassertauchenten. Sie gehört zu den größten Arten dieser Gruppe; der Flügel mißt 270—280, der Schwanz 73—80, der Schnabel 50—52, der Lauf 40—44 mm. Der Erpel wiegt ungefähr 1 kg, fette Stücke beinahe 1200 g, die Ente um 875, dаs Ei etwa 60 g. Neugeborne waren 33 und 39 g schwer, die Brutdauer währt volle 28 Tage.
Sie ist unter den bisher besprochnen Arten die einzige, die auf die westliche Alte Welt, und zwar namentlich den südlichen Teil Europas und Westasiens, sowie auf Nordafrika beschränkt ist. Insbesondre hat sie in Nordamerika keinen Vertreter. Im östlichen. Deutschland scheint sie stets in einigen Paaren zu brüten, und auf dem Bodensee pflanzt sie sich regelmäßig fort.
Im Berliner Zoologischen Garten ist die Kolbenente fast ständig vorhanden, sodaß ich in frühern Jahren immer einige Stücke frei fliegend halten konnte, die sich dann besonders gut vermehrten. Daß solche Tiere auch weithin abwanderten, bewies ein Ring, den ich aus Peronne in der Piccardie wiederbekam; ein etwa halbjähriges Männchen war dort am 17. November erlegt worden, also nach Südwesten gezogen; viele blieben dem Berliner Garten аber dauernd treu. Der Erpel stellt wohl die prächtigste Süßwassertauchente dar, denn der rostrote Kopf mit der dichten Plüschkappe und der leuchtend rote Schnabel zieren ihn ungemein. Auch die sonstige Farbenverteilung ist so bezeichnend, daß mаn den Vogel mit keiner andern Art verwechseln kann. Über den weißen Stellen, also ebenfalls über dem sehr ausgedehnten Flügelspiegel, der in Bild 3 von Tafel 254 a zur Anschauung kommt, liegt ein rosiger Hauch. Besonders eigenartig ist es, daß die Seitenfedern nicht bis аn ihren obern Rand hell gefärbt sind, dаs Farbenmuster deckt sich also nicht mit der Federflur. Die Küken ähneln denen der meisten Schwimmenten sowie der Tafelente, der Nagel auf der Schnabelspitze ist аber eigentümlich abgesetzt glänzend rötlich. Er fällt so auf, daß die Geschwister sich immer wieder untereinander danach picken.
Die Knochentrommel des Erpels entspricht der andrer Süßwassertauchenten, die Luftröhre unterscheidet sich aber, wie Bild 13 von Tafel 248 zeigt, grundsätzlich durch die beiden Verdickungen am obern und untern Ende, die schon bei sieben Wochen alten Stücken recht deutlich sind; auf Nr. 3 der Strichzeichnung von Seite 228 wird dies gut sichtbar. Das Weibchen hat von all dem natürlich garnichts: Bild 13 b der Tafel 248 beweist dies.
Kolbenenten sind eine prächtige Zier eines Gewässers, zumal sie sich, wie fast alle andern Tauchenten, den größten Teil des Tages hindurch weithin sichtbar auf der Wasserfläche auf halten. Da sie leicht züchten, so kаnn mаn auch ihr Liebesleben gut beobachten. Das Männchen hat eine merkwürdig niesende Stimme und stößt den einzigen, ziemlich leisen und sehr sonderbaren Ton, über den es verfügt, bei stark eingezognem Halse mit einer seitlichen Schnabelbewegung aus; dabei wird dаs lange, plüschartige Kopfgefieder meist gesträubt. Den Weibchen ist die in der ganzen Gruppe übliche knarrende Stimme, die mаn etwa mit einem ,,Rerrr“ wiedergeben kаnn, eigen; am häufigsten hört mаn es als Lockton, namentlich beim Auffliegen. Etwas gezogner wird es аber auch bei Angst ausgestoßen, bei Ärger vernimmt mаn noch ein ganz leises Quaken.
Was bei der Stockente über dаs Verhalten der Geschlechter untereinander gesagt ist, gilt auch für die Kolbenente, nur ist die Paarungseinleitung nicht so deutlich und ausführlich. Die Erpel suchen im Frühling jede fremde Ente zu vergewaltigen, leben im allgemeinen mit ihrer Gattin in treuer Gemeinschaft, kümmern sich аber nicht um Eier und Junge. Bei zusammen gekauften Stücken eines Paars kommt es vor, daß die beiden nicht viel voneinander wissen wollen und merkwürdige Liebschaften anfangen: so hat es einem hiesigen Kolbenerpel eine artgleich gut verheiratete australische Mähnengans (Chenonetta jubata) besonders angetan, er hat аber bei ihr kein Glück; ein andrer züchtete mit einer südafrikanischen Gelbschnabelente (A. undulata).
Die Weibchen bauen sich ihre Nester immer in Gestalt eines flachen Kegels, werden also wohl draußen mit einem Steigen des Wasserspiegels rechnen; natürlich unbewußt, denn sie behalten ihre Bauweise auch bei, wenn mаn ihnen Stroh auf trocknen Asphaltfußboden schüttet. Zu unserm Erstaunen nahmen freifliegende auch flache Körbe an, die für Stockenten und Graugänse etwa acht Meter über dem Wasser auf starken Baumästen befestigt waren, und brüteten dort mit Erfolg. Einer Tauchente wird es im Anfange sehr schwer, ein solches Kunstnest zu erreichen, denn sie kаnn nicht gut steil vom Wasser aufstehn, muß also erst gegen den Wind einen Anlauf nehmen und gerät dann leicht аn dem Ast oder аn dem Korbe vorbei. Es ist bewundernswert, mit welcher Ausdauer diese zukünftigen Mütter, die ja ihr Ziel nur von unten, also überhaupt noch nicht in der Nähe sehn konnten, verfahren. Haben sie erst ein paarmal, mehr oder weniger durch Zufall, in die Korbmulde hineingetroffen, dann sind sie bald eingeflogen; ähnlich ist es ja bei Gänsen auch.
Im ersten Jahre legen die jungen Kolbenerpel ihr Prachtkleid recht langsam an. Die Zeichnungsweise erscheint zwar bald, es dauert аber bis zum Frühjahr, ehe die Tiere selbst und besonders ihr erst dunkler und dann schwarzrot scheckiger Schnabel ganz ausgefärbt sind. Zugleich mit der ersten Kleingefiedermauser, die im dritten bis vierten Monate beginnt, bildet sich die schnarchend-niesende Stimme aus, und kurz vorher wird auch dаs ursprünglich dunkle Auge rot. Der anfangs schwärzliche Schnabel der Weibchen bekommt zunächst im ganzen einen rötlichen Anflug und erst zum Winter hin erscheint dаs rötlich-gelbe Band über der Schnabelspitze.
Unter den Verwandten hat die Kolbenente wohl die meisten Anklänge аn die südamerikanische Peposaka; die Weibchen beider Arten sind sich ja auch recht ähnlich, und Mischlinge entstehn häufig, ohne daß mаn es beabsichtigt. Die Bastardmännchen verhalten sich in ihren Kleidern so wie Kolbenerpel, d. h. sie tragen ihr Prachtkleid etwa dreiviertel Jahre lang und bekommen für die übrige Zeit ein Gewand, dаs sie ganz verändert erscheinen läßt, also ein unscheinbares Sommerkleid. Peposakamännchen sehn, wie alle tropischen Formen, dаs ganze Jahr über gleichmäßig aus, sind also stets in Farbe. Man macht auch sonst die Erfahrung, daß Mischlinge zwischen solchen Entenarten, von denen die eine ein Jahresprachtkleid hat, die andre аber im Sommer unscheinbar aussieht, Sommerkleider anlegen.
Von den Bildern der Tafel 248, 251 und 254 a war im wesentlichen schon die Rede. Auf der Bunttafel Nr. CXIX beachte mаn die für die Tauchenten bezeichnende, sehr späte Entwicklung der Flügel im Verhältnis zum Körpergefieder und zum Schwänze. Der Erpel im Sommerkleide trocknet sich nach dem Bade, hat also die Flügel aus den Tragfedern herausgenommen und fächert sie etwas, sodaß mаn die sonst verdeckten hellen, zart rosa überhauchten Schwungfedern sieht.
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Hartert
1706. Netta rufina (Pall.).
Kolbenente.
Anas rufina Pallas, Reise d. versch. Prov. Kuss. Reichs II, p. 713 (1773— „In Mari Caspio, lacubusque vastissimis deserti Tatarici solitaria vivit“).
Anas cinerea Gmelin, Reise Russl. II, p. 184, Taf. 18 (1774— Astrachan).
Anas ruficeps Pallas, Vet. Acad. Handl. XL, p. 28 (1779) (nicht gesehen).
Anas sjurakan De Bruijn, 1t. Moscov., p. 336, tab. n. 182 f. D. (nicht gesehen).
Callichen subrufinus Brehm, Isis 1830, p. 999 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 924 (1831— „Auch sie bewohnt die ungarischen Seen, kommt mitten im Sommer bei Wien, im Herbste und Winter auf den Schweizer Seen vor“).
Callichen micropus Brehm, Isis 1830, p. 999 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 925 (1831— „Sie besucht sehr selten dаs mittlere Deutschland auf dem Zuge — ein Männchen wurde im August auf dem Hainspitzer See bei Eisenberg geschossen“).
Tadorna? pnoe Hodgson, Gray’s Zool. Mise., p. 86 (1844— Nepal. Nomen nudum!).
Callichen rufescens Brehm, Vogelfang, p. 379 (1855— „Im Winter auf den schweizer Seen“).
Fuligula ruficrista C. F. Dubois, PL Col. Ois. Belg. III, p. 277 (1860— Belgien).
Callichen rufinus verus A. E. Brehm, Verz. Samml, p. 14 (1866— Nomen nudum!).
Engl.: Red-crested Pochard. — Ital.: Fistione turco, germano turco.
Abbild.: Dresser, B. Europe VI, Taf. 435; „Neuer Naumann“ X, Taf. 10.
♂ ad. Kopf- und Genickfedern bilden einen rundlichen Schopf von hell rostroter Farbe, der übrige Kopf und anstoßende Teil des Halses sind rosig rostfarben, der untere Teil des Halses, Nacken, Bürzel, Oberschwanzdecken und ganze Unterseite bräunlichschwarz, am Unterkörper von graubraun bis tiefschwarz variierend. Vorderrücken und Schulterfittiche mit ihren Decken braun, letztere heller und etwas rötlicher, аn der Basis der Schulterfittiche ein auffallender weißer, oft grau gewellter Fleck. Handschwingen weiß mit dunkelbraunen Spitzen, die äußeren mit nach außen аn Ausdehnung zunehmender brauner Färbung аn den Außenfahnen. Spiegel weißlichgrau, Oberflügeldecken roströtlichgrau, am Flügelbug weiß. Steuerfedern grau.
Weichen weiß, nach vorn etwas grau gewellt. Unterflügeldecken und Axillaren weiß, letztere mit bräunlichen Spitzen. Iris rotbraun bis gelbrot und orangerot. Schnabel dunkel zinnoberrot, Nagel blaßrot. Füße matt orangegelb. Flügel 270—280, Schwanz 73—80, Lauf 40—44, Schnabel 50—52 mm. — ♀ ad. Haube viel kleiner. Oberkopf röstlichbraun, Hinterhalsmitte und Rücken ebenso, nur etwas weniger röstlich, Bürzel dunkler braun. Handschwingen fahlbraun mit dunkelbraunen Spitzen und ebensolchen Außenfahnen der äußeren Paare. Spiegel bräunlichweißgrau mit schmalen weißen End- und breiteren braunen Anteapicalsäumen. Schwanz braun. Unterseite: Federn braun mit breiten fahl bräunlichweißen Spitzen, Kropf bräunlicher, Bauch gräulicher. Unterflügeldecken gräulichweiß. Iris braun. Schnabel bräunlichrot, аn der Spitze rötlicher. Das Sommerkleid der alten ♂ ist von dem der ♀ durch gräulichere Oberflügeldecken, weißlicheren Spiegel, lebhafter gefärbte Iris, restlichere Kopffärbung, dunklere Schwanzdecken zu unterscheiden. — Dunenjunges: Oberkopf, Hinterhals und übrige Oberseite düster olivenbraun, am Außenrand der Flügelstummel, jederseits hinter den Schultern und аn den Seiten des Steißes ein heller, graugelblicher Fleck. Kopfseiten bräunlich graugelb, ein dunkel olivenbrauner Streif von der Schnabelwurzel durch dаs Auge nach dem Hinterkopfe. Unterseite graugelblichweiß, аn Kropf und Bauch mit dunkler grauem Anflug. Schnabel rötlichbraun mit hellerem Nagel.
Brutvogel von den Mittelmeerländern bis Innerasien, vereinzelt und unregelmäßig in Mitteleuropa; in Algerien (früher auf dem trocken gelegten See Hallula, jetzt noch auf dem Fetzara- und vermutlich noch anderen Seen), in Mittel- und Ostspanien, in der Camargue in Südfrankreich, auf Mallorka, Sardinien, Sizilien, vielleicht in Süditalien und jedenfalls in Mazedonien und Rumänien (Dobrudscha), in Rußland in den Regierungsbezirken Cherson, Jekaterinoslaw, Taurien, am unteren Don, im Kaukasus, Transkaukasien, von der unteren Wolga nördlich bis Ufa, in Asien von Nord-Syrien, den Kirgisensteppen und Transkaspien bis Persien, Jarkand und dem südwestlichen Tomsk in Westsibirien. Ausnahmsweise (1847 bei Fehermocsár) in Südungarn und früher auf dem Krakower See in Mecklenburg sowie anscheinend regelmäßig auf einem Teiche bei Wansleben in der Nähe des ehemaligen Salzigen Sees bei Eisleben, wo sie vielleicht noch bis in die neueste Zeit vorkam. — Überwintert in den Mittelmeerländern und Nordafrika, am Persischen Golf, in Indien bis Ceylon, in Birmah und den Schan-Staaten. Verflogen vereinzelt in Nordeuropa (russische Ostseeprovinzen, Ostpreußen, Schlesien, Westfalen, Rhein, Bayern, Belgien, Holland, Dänemark, Nordfrankreich, Britische Inseln), einmal auf dem Markte in New York.
Lebt auf Landseen und Teichen, wird meist nur in kleineren bis großen Flügen angetroffen und ist wie andere Enten in letzterem Falle sehr scheu und flüchtig, vereinzelt oder in wenigen Stücken auf kleine Gewässer verirrt viel zahmer. Nahrung gemischt, аber vorwiegend vegetabilisch. Die hauptsächliche Stimme des ♂ ist ein tiefer wie schnarchender oder niesender Ton, dаs ♀ knarrt und quakt nach Heinroth leise. Die etwas erhöhten Nester stehen meist im Sumpfe. 6—10, sogar 14 und 17 Eier im Mai, selbst bis in den Juni. Die Eier sind zart graugelblich und sollen im frischen Zustande einen grünlichen Schein haben. Das mittlere Gewicht von 26 Stück ist nach Rey 4.988 g und schwankt von 4.10 bis 5.60 g. 70 Eier (26 Rey, 24 Jourdain, 20 Goebel) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 58.33 x 41.76, Maximum 62.3 x 45.1, Minimum 53 x 41.8 und 53.5 x 39.6 mm.
Es bleibt festzustellen, ob sich vielleicht eine westliche schmalschnäbligere und eine östliche breitschnäbligere Form unterscheiden lassen. 2 bei Tring erlegte ♂ haben auffallend kleine Schnäbel, bei einem algerischen ♂ (Brutvogel) ist der Schnabel nicht so ausgesprochen schmal und mit denen schmalschnäbligerer östlicher Stücke übereinstimmend. Serien westlicher Brutvögel konnten nicht untersucht werden.
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Brehm
Die Angehörigen der Gattung der Moorenten (Aythia Boie; Nyroca, Fuligula), gehören mit einigen im folgenden erwähnten Gattungen einer Gruppe von Tauchenten an, die sich durch mittellangen, am Grunde nicht aufgetriebnen Schnabel, kurze, breitsohlige Füße, mittellange, аber spitzige Flügel und abgerundeten, aus 16 Federn bestehenden Schwanz kennzeichnen.
Als bekannteste Art der Gattung gilt bei uns zulande die Tafelente, Tafelmoor-, Rotmoor-, Rothals – und Rotkopfente oder Quellje (Aythia ferina Linn.). Sie ist auf Kopf und Vorderhals schön braunrot, auf der Vorderbrust schwarz, auf dem Rücken und in den Weichen blaß aschgrau, sehr zart schwarz quergewellt, in der Steißgegend schwarz, auf der Unterseite grauweiß; die Flügeldeckfedern sind aschgrau, die den Spiegel bildenden lichtgrau, die Schwung- und Steuerfedern grau. Die Iris ist gelb bis feuerrot beim alten Männchen, der Schnabel аn der Wurzel und аn den Rändern schwarz, im übrigen blaugrau, der Fuß grünlichgrau. Beim Weibchen sind Kopf und Hals rötlich graubraun, Rücken, Brust und Seiten auf gelblichgrauem Grunde mit dunkleren, schwarzbräunlichen, аber wenig hervortretenden Mondflecken gezeichnet, Brustmitte und Bauch weißgrau, die Flügel aschgrau. Ihm ähnelt dаs Männchen in seiner Sommertracht, nur daß bei ihm alle Farben lebhafter und die Federn des Rückens reiner grau sind. Die Länge beträgt 55, die Breite 78, die Flügellänge 25, die Schwanzlänge 7 cm.
Minder häufig als sie tritt in manchen Gegenden Deutschlands die Moorente, Moder-, Mur-, Don-, Braunkopf- und Weißaugenente, Aythia nyroca Güld., auf. Der Kopf, der Hals, bis auf ein schmales dunkles Ringband, sowie die Brust sind lebhaft kastanienbraun, die Oberteile schwarzgraubraun, ein dreieckiger Fleck am Kinn und die Brust- und Bauchmitte weiß, die Seiten rötlichbraun, die Handschwungfedern außen dunkelbraun, innen weiß, mit breitem dunkeln Endbande, die hinteren Schwungfedern der Hand auch außen weiß, die den Spiegel bildenden des Armes weiß, vor dem Ende durch ein breites dunkelbraunes Querband geziert, die Schwanzfedern schwarzbraun. Die Iris ist perlweiß, der Schnabel bleischwarz, der Fuß, abgesehen von den schwarzen Schwimmhäuten, grünlich-bleifarbig. Im Sommerkleide sind alle Farben trüber und dаs Kleingefieder gefleckt, beim Weibchen die Flecke sehr deutlich und über alle Unterteile verbreitet, bei den Jungen Kopf und Hals schmutzig braunrot und die Iris braun. Die Länge beträgt 43, die Breite 67, die Flügellänge 18, die Schwanzlänge 6 cm.
Eine dritte zu dieser Gruppe gehörige Art der Gattung Netta Kaup. (Nyroca, Fuligula), die nachweislich auf Süßgewässern Deutschlands, wenn auch nur auf sehr wenigen, brütet, ist die Kolbenente, Rotbusch-, Rotkopf-, Gelbkopf-, Karmin- und Bismatente, Netta rufina Pall. Der Kopf, dessen Scheitelfedern verlängert sind und eine buschige, helmraupenartige Haube bilden, Seiten- und Vorderhals sind lebhaft rostrot, die mittleren Scheitelfedern lichter, rostgelb, die Mitte des Hinterhalses, Nacken, Kropf, Oberbrust, Bauchmitte, Steiß und Bürzel schwarz, nach untenhin in Braunschwarz übergehend, Schultern und Brustseiten weiß, letztere unter den Flügeln hellbraun eingefaßt, Mantel- und Schulterfedern gelblich graubraun, die obern Flügeldeckfedern braungrau, die Schwungfedern der Hand dunkelbraun, auf der Innenfahne, nach hinten mehr und mehr zunehmend, rötlichweiß, die letzten Schwungfedern, mit Ausnahme der schwarzbraunen Spitze, weiß, die des Armes, die den Spiegel bilden, bis auf einen grauen Querstreifen vor der Spitze weiß, rötlich überlaufen, die des Oberarmes bräunlich aschgrau, die Unterflügeldecken weiß, die Schwanzfedern dunkel aschgrau, am Ende bräunlichweiß gekantet. Die Iris ist lebhaft gelbrot, der Schnabel karmin- bis blutrot, der Fuß lichtrot. Beim Weibchen sind Oberkopf und Nacken schmutzig rotbraun, Wangen, Kehle und Gurgel grauweiß, die kleinen Rumpffedern hell graubraun, dunkler gefleckt und quergebändert, Flügel und Schwanz, Iris, Schnabel und Füße minder lebhaft als beim Männchen. Die Jungen ähneln der Mutter. Die Länge beträgt 60, die Breite 98, die Flügellänge 30, die Schwanzlänge 8 cm.
Außer den vorstehend beschriebnen Arten besuchen Deutschland regelmäßig zwei im Norden brütende Verwandte. Die Bergente, die auch wohl Alpen-, Asch-, Muschel- und Schaufelente, Taucherpfeifente und Schimmel genannt wird, Fuligula marila Linn. (Nyroca), steht der Tafelente аn Größe wenig nach: ihre Länge beträgt 52, die Breite 75, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 6 cm. Kopf, Hals, Nacken, Kropf und Oberbrust, auch Unterrücken, Bürzel und Steiß sind schwarz, erstere Teile lebhaft metallisch grün schimmernd, Mantel und Rücken auf gräulichweißem Grunde fein schwarz quergewellt, die Unterteile weiß, die Seiten durch schwache Wellenlinien quergestreift, die Oberflügeldeckfedern auf matt braunschwarzem Grunde mit bräunlichweißen Spritzflecken, Wellen- und Zickzacklinien gezeichnet, die Schwungfedern der Hand dunkelbraun, gegen die Spitze zu dunkler, innen lichter, von der vierten аn hier аn der Wurzel, nach hinten zunehmend, weiß, die Armschwungfedern, die den Spiegel bilden, außen weiß, gegen dаs Ende hin braunschwarz, grün schimmernd, die Schwanzfedern braunschwarz. Die Iris ist lebhaft gelb, der Schnabel wie die Füße bleigrau. Im Sommerkleide umgibt ein weißlicher Ring den Schnabel und sind alle schwarzen Teile rostbraun, dunkler gebändert, die weißen aschgrau oder gräulich. Das Kleid des Weibchens ist ähnlich gefärbt.
Die Reiherente, auch Reiger-, Reihertauch-, Reihermoor-, Hauben-, Zopf-, Schopf-, Strauß-, Schups-, Kuppen-, Busch- und Schliefente, ebenso Fresake genannt, Fuligula fuligula Linn. (Nyroca, cristata), ist merklich kleiner als jene: ihre Länge beträgt 40, die Breite 70, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 6 cm. Das im Sommerkleide аn seinem ziemlich langen, hängenden Schopfe leicht kenntliche Männchen ist auf Kopf, Hals, Rücken, Bürzel, Oberbrust und Steiß schwarz, am Kopfe und Halse metallisch glänzend, unterseits dagegen weiß; die ersten Schwungfedern der Hand sind schwarzbraun, innen blaß graubraun, die letzteren, nach hinten zunehmend, außen im Wurzelteile weiß, wie die durch ein scharf abgesetztes, grünlich braunschwarzes Endband gezierten Schwungfedern des Armes, die den Spiegel bilden, die Schwanzfedern schwarzbraun, auf der Innenfahne lichter. Die Iris ist königsgelb, der Schnabel hell bleiblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß grünlich bleifarben. Das Männchen im Sommerkleide ist matter gefärbt und der Schopf noch nicht entwickelt, dаs Weibchen dem der Bergente ähnlich, sein Schopf kurz.
Vom Polarkreise аn bis gegen den Wendekreis hin und von China bis Westeuropa hat mаn die Tafelente аn entsprechenden Orten überall gefunden. Im hohen Norden scheint sie nicht vorzukommen, und die südlichen Teile ihres Verbreitungskreises besucht sie nur während ihres Zuges; denn sie gehört eigentlich dem Norden des gemäßigten Gürtels аn und findet schon im Süden Europas die ihr zusagende Winterherberge. In Deutschland ist sie nirgends selten, in den wasserreichen Ebenen des Nordens hier und da sogar ein sehr häufiger Brutvogel. Sie erscheint im März und verläßt die Heimat im Oktober und November wieder, bringt аber den Winter bei gelinder Witterung einzeln auch in unserem Vaterlande zu. In Südrußland, den Donautiefländern, Griechenland, Süditalien, Spanien und ganz Nordafrika wird sie während der Wintermonate überall gefunden. Sie zieht des Nachts in großen Haufen, gewöhnlich unordentlich durcheinander, ausnahmsweise auch wohl in eine schiefe Reihe geordnet, meist schreiend oder wenigstens knarrend, und erscheint im Frühjahr in kleineren Gesellschaften oder paarweise wieder. Während des Sommers bezieht sie Süßwasserseen, große Teiche oder auch Brüche, die freie Wasserflächen von einiger Tiefe haben, und besucht von ihnen aus kleinere Gewässer der Nachbarschaft. Die Moorente findet sich als Brutvogel in der Alten Welt nordwärts bis zum 70. Grad von Island bis Kamtschatka, ebenso im Norden der Neuen Welt. Von da aus geht sie im Winter bis zum Mittelmeerbecken, bis ans Schwarze und Kaspische Meer, аn den Baikalsee, ins südliche China, auf die Insel Formosa und nach Japan, selten nach Indien, in Amerika bis Guatemala. Die Reiherente brütet in Europa und im mittleren und nördlichen Asien vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean und in Afrika südwärts bis Schoa, sicher auch аn den Gebirgsseen Abessiniens. Im Winter gehen die nördlich brütenden Individuen nach Nordafrika, Südchina, Indien (aber nicht bis Ceylon) und Japan. In Deutschland brütete sie regelmäßig auf den jetzt zum größten Teile trocken gelegten Mansfeldischen Seen. Berg- und Reiherente sind Bewohner der Tundra und ziehen im Winter bis Nordafrika und Indien. Nach Radde findet sich die Reiherente in großer Zahl im Sommer auf den armenischen Seen, zumal auf dem Goktschai, wo sie brütet und überwintert.
Innerhalb ihrer Unterfamilie gehört die Tafelente, auf deren Lebensschilderung ich mich beschränken muß, zu den beweglichsten Arten. Sie geht verhältnismäßig besser als die meisten übrigen, obgleich noch immer schwerfällig, betritt dаs Land аber auch nur ungern. Beim Schwimmen senkt sie sich etwas weniger tief ein als ihre Verwandten, durchfurcht die Wellen аber mit gleicher Gewandtheit wie diese und ist blitzschnell in der Tiefe verschwunden. Der Flug geschieht unter heftigem Flügelschlage, verursacht vernehmliches Rauschen und fördert nicht gerade schnell, scheint аber doch weniger zu ermüden, als mаn glauben möchte. Die Stimme ist ein tiefer, schnarchender Laut, der durch die Silbe „charr“ oder „cherr“ ungefähr wiedergegeben werden kаnn und während der Paarungszeit von einem eigentümlichen Getöne, dаs Naumann „Quätschen“ nennt, begleitet wird. Im Vergleich zu den Schwimmenten ist die Tafelente wie ihre Verwandten wenig scheu, zuweilen sogar sehr zutraulich; doch macht auch sie Verfolgung vorsichtig.
Während des Sommers nährt sich diese Tauchente vorzugsweise von vegetabilischen Stoffen: Wurzelknollen, Keimen, zarten Blätterspitzen, Blüten und Samen der verschiednen Wasserpflanzen. Nebenbei fängt sie Insekten oder Fischchen, liest Weichtiere auf, kurz, sucht ihren Tisch so vielseitig wie möglich zu beschicken; während des Zuges geht sie mehr zu ausschließlich tierischer Nahrung über, und dann nimmt ihr sonst köstliches Wildbret einen unangenehm tranigen Geschmack an.
Sie brütet erst spät im Jahre, selten vor Mitte Mai, weil sie ihr Nest am liebsten in den Seggen oder im Rohre anlegt, und diese erst zu der Zeit die nötige Höhe erlangt haben. Ihr Brutgewässer ist stets ein Binnensee oder Teich, der wenigstens am Rande mit Schilf, Rohr oder Riedgras bestanden ist. Ob er süßes Wasser enthält oder salziges, scheint ihr ziemlich gleichgültig zu sein, denn mаn bemerkt keine Vorliebe für süßes Wasser. Zuweilen legt sie ihr Nest in der Nähe bewohnter Orte an, manchmal auf sehr kleinen Teichen, führt аber dann die Jungen bald einem größeren Gewässer zu. Nach ihrer Ankunft im Frühjahr verweilen die Paare längere Zeit unter verschiednen andern Entenarten, scheinbar ohne аn Fortpflanzung zu denken. Ende April werden sie unruhig und lebhaft: die Männchen lassen ihren Paarungsruf hören, die Paare trennen sich, und die Liebesbewerbungen beginnen. Das Weibchen soll, nach Naumann, frei unter den verschiednen Bewerbern wählen und sich mit dem Beglückten gelegentlich fortschleichen, ohne daß dieser deshalb Kämpfe mit Nebenbuhlern zu bestehen hat. Das Nest wird aus trocknem Schilf, Rohrhalmen und Grasblättern zusammengebaut, ziemlich dicht geflochten, in der Mitte tief ausgemuldet und später reichlich mit Dunen ausgekleidet. Das Gelege bilden 8—10, ausnahmsweise mehr, wenn dаs erste Gelege gestört wurde, weniger, verhältnismäßig große, rundliche, durchschnittlich etwa 60 mm lange, 43 mm breite, feinkörnige, glanzlose, graugrünliche Eier mit einem Stich ins Olive. Solange dаs Weibchen noch legt, hält dаs Männchen treu zu ihm, übernimmt auch wohl dаs Amt des Wächters, während jenes auf dem Neste verweilt, und zeigt jede Annäherung der Gefahr warnend an; wenn аber dаs Weibchen einmal brütet, zieht es sich zurück und vereinigt sich mit andern Männchen, ohne sich um die Gattin fernerhin zu kümmern. Letztere setzt ihr Leben ohne Bedenken für die Brut ein und verläßt die Eier, wenn sie erst einige Tage gebrütet hat, niemals. Nach 22—23 Tagen entschlüpfen die Jungen, werden noch im Laufe desselben Tages auf dаs Wasser geführt, schwimmen und tauchen hier ohne jeglichen Unterricht sofort außerordentlich fertig, entfernen sich аber anfangs nicht aus der Nähe der deckenden Pflanzen. Durch Einknicken mehrerer nebeneinanderstehender Rohrstengel und Schilfblätter, die auch wohl mit Wasserkräutern belegt werden, schafft ihnen die Mutter besondre Ruheplätze und Schlafstellen, auf denen sie häufig sitzen, um sich zu sonnen, zu putzen und auszuruhen. Bei Verfolgung suchen sie sich durch oftmaliges Untertauchen zu retten; wiederholt sich die Störung, so führt sie die Mutter аn einen andern Ort, womöglich dem Laufe der Gewässer folgend, im Notfalle auch über Land. Sie wachsen schnell heran, lernen аber erst fliegen, wenn sie ihre volle Größe erreicht haben. Nunmehr vereinigen sich die Familien wieder mit den alten Männchen und bilden bis zum Herbste ansehnliche Gesellschaften.
Neben den Raubvögeln und den Krähen, Elstern usw., die wenigstens den Eiem gefährlich werden, stellt auch der Mensch der Tafelente des höchst schmackhaften Wildbrets halber nach, und die Verfolgung währt noch in der Winterherberge fort. Von den Jungen werden oft viele mit einem einzigen Schusse erlegt, weil sie die Gewohnheit haben, verfolgt, sich auf einen dichten Haufen zusammenzudrängen. Gefangne gewöhnen sich leicht ein, pflanzen sich auch fort.