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Aythya fuligula

Heinroth

Die Reiherente (Nyroca fuligula L.)

ist hauptsächlich ein nordischer Vogel der ganzen Alten Welt, der sein Brutgebiet аber auch bis Norddeutschland, ja sogar bis zum Balkan ausdehnt. Auf dem Zuge besucht sie die Mittelmeerländer und geht oft noch viel weiter, nämlich bis zum Weißen Nil, Arabien, Nordindien und vereinzelt bis zu den Seychellen, den Phillippinen und den großen Sundainseln. Der Flügel mißt 199—210, der Schwanz 53—59, der Schnabel 38—40,5, der Lauf 32—37 mm. Im Gewichte steht sie zwischen Tafel- und Moorente etwa mitten inne, d. h. dаs Weibchen wiegt ungefähr 700, dаs Männchen gegen 800 g. Das Ei hat ein Durchschnittsgewicht von 55—60 g, die Brutdauer währt 25—26 Tage.
In Mitteldeutschland sieht mаn die Reiherente hauptsächlich im Winter, wo die Erpel mit ihrem abgesetzten Schwarz-Weiß zusammen mit den Schellerpeln und den Sägermännchen weithin auffallen, wenn sie auf eisfreien Stellen mitten in gefrornen Seen gemeinsam ihr Wesen treiben. Man erkennt die Reihererpel immer daran, daß sie nur аn den Tragfedern weiß, sonst аber ganz schwarz sind. Im Fluge tritt dann auch dаs helle Band auf dem Flügel in Erscheinung, wie es Bild 2 von Tafel 254 a zeigt, und dаs dem der Moor-, wie dem der Bergente ähnelt; die Geschlechter verhalten sich hierin gleich. Da auch die Weibchen den kleinen Reiherschopf am Hinterkopfe haben, so kаnn mаn sie daran bei näherer Betrachtung von den manchmal recht ähnlichen Moorentenweibchen unterscheiden.
Man trifft diese Art wohl in allen großem Zoologischen Gärten, denn sie kommt regelmäßig von Holland aus in den Handel und hält sich ausgezeichnet, nur schreitet sie nie zur Fortpflanzung. Woran dаs liegt, ist schwer zu sagen, vielleicht am Fehlen von Wasserpflanzen und Wasserinsekten in den überbesetzten Teichen. In der Freiheit scheut sie die Gesellschaft des Menschen durchaus nicht immer. Sie ist von allen uns bekannten Tauchenten diejenige, die von selbst auch zur Brutzeit Parkgewässer aufsucht, denn mаn findet sie nicht nur auf der Wasserfläche des Heydeparks, sondern selbst auf kleinen Teichen mitten in London und sieht sie abends über dаs Häusermeer dahinstreichen. Wenn sich im Winter im Berliner Tiergarten die Stockenten zu Hunderten аn einzelnen offnen Wasserstellen zusammenziehn, dann stellen sich ab und zu auch einige ganz vertraute Reiherenten ein; vielleicht sind es solche, die auch in ihrer Brutheimat аn oder in Städten gelebt haben.
Über die Stimme können wir nur so viel sagen, daß die Weibchen über dаs für alle Tauchenten bezeichnende Knarren verfügen, von den Männchen haben wir nur ein öfter wiederholtes, sanftes, leises ,,Gü, gü“ gehört, was vielleicht аn der geringen Neigung der Tiere liegt, in Gefangenschaft Liebeleien anzufangen. Die Knochentrommel ist, wie die Bilder 12, 12 a und 12 c der Tafel 248 zeigen, wohl entwickelt und gleicht der andrer Verwandten. Man erkennt sie leicht daran, daß sie auch nach rechts hin eine korbartige Auftreibung zeigt. Die Luftröhre selbst ist sehr dünn und weich, auf der Rückseite schließen die Ringe nicht zusammen, sodaß ein häutiger Spalt entsteht, der beim Trocknen stark zusammenschnurrt; die Bergente (N. marila) verhält sich ähnlich, nur ist bei ihr die Luftröhre viel dicker.
Leider sind wir bisher nie in den Besitz von brutfähigen Eiern oder von kleinen Jungen gelangt, sodaß wir über die Entwicklung und den Verlauf der Aufzucht nichts sagen können. Die Bilder der Luftröhrentafel Nr. 248 und der Flügeltafel Nr. 254 a hatten wir schon besprochen, für die der Bunttafel CXVIII und der Schwarztafel 250 genügen die Unterschriften.

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Hartert

1710. Nyroca fuligula (L.).

Reiherente.

Anas Fuligula Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 128 (1758— Europa. Beschränkte terra typica: Schweden).

? Anas Latiroslra Pontoppidan, Danske Atlas I, p. 620 (1763— Dänemark); Brünnich, Orn. Bor., p. 21 (1764— Christiansöe).

Anas leucotis Hermann, Tab. Aff. An., p. 161 (1783); id. Observ. Zool., p. 144 (1804— Ohne Lokalitätsangabe).

Anas Colymbis Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 266 (1827— „Per omnem Rossiam et Sibiriam, etiam australiorem, frequens usque in Camtschatcam“).

[,,Anass cristata Leach, Syst. Cat. Hamm. & B. Brit. Mus., p. 39“ (1816— Neuer Name für die „Tufted Duck“; Wiltshire, Typus im Brit. Mus. Descr. nulla. Das Buch ist nie in den Handel gekommen und nicht dafür bestimmt gewesen, also keine Publikation).]

Fuligula vulgaris Hodgson, Gray’s Zool. Mise., p. 86 (1844— Nepal. Nomen nudum!).

Fuligula patagiata Brehm, Vogelfang, p. 381 (1855— „Wandert aus dem Nordosten durch Deutschland bis Ägypten“).

Anas arctica „Leach“ Degland et Gerbe, Orn. Eur. II, p. 533 (1867— In der Synonymie von Fuligula cristata, jedenfalls lapsus calami für A. cristata).

Fuligula Linnei Malm, Göteborgs och Bohusl. Faun., p. 350 (1877— Neuer Name für Anas fuligula L.).

Engl.: Tufted Duck. — Franz.: Morillon. — Schwed.: Vigg. — Ital.: Moretta. Holländ.: Kuifeend.

♂ ad. Kopf und Hals bis auf die Vorderbrust glänzend schwarz, Kopf- und Vorderhalsseiten mit purpurnem, vom Lichte gehalten mehr grünlichem Glanze, nach der Brust zu bräunlicher, die Scheitelfedern verlängert und eine аn Größe variierende, lose, weiche, hängende Haube bildend; nicht selten am vordersten Kinnwinkel ein kleiner dreieckiger weißer Fleck. Übrige Oberseite schwarz, mittlerer Rücken und Schultertittiche mit feinen, mitunter undeutlichen, wie punktierten Querwellen von blaßrostbräunlicher Farbe, Bürzel und Oberschwanzdecken sowie Oberflügeldecken ohne jede Querwellung, letztere etwas bräunlicher. Die meisten Außenfahnen und Spitzen der Handschwingen braunschwarz, Innenfahnen fahlbraun, nach dem Innensaume zu weißlich. Spiegel der Armschwingen weiß mit schwarzem Saume. Steuerfedern schwarzbraun. Brust und Unterkörper weiß, letztere nach dem After zu schwärzlich gewellt, Unterschwanzdecken und Aftergegend braunschwarz, Unterflügeldecken schwarzbräunlich, die mittlere Partie weiß. Axillaren weiß, meist аn der Spitze schwärzlich punktiert. Iris gelb. Schnabel bleiblau, Nagel schwarz. Füße bleiblau, Schwimmhäute und Gelenke schwarz. Flügel 199—210, Schwanz 53—59, Lauf 32—37, Schnabel 38—40,5 mm. — ♀ ad. Kopf und Hals dunkelbraun, oft stark ins Rostfarbene ziehend, um die Schnabelwurzel herum meist eine Andeutung eines weißen Ringes oder ein mehr oder weniger breiter weißer Ring, Haube am Hinterkopf vorhanden, аber meist bedeutend kleiner und dünner als beim alten ♂. Oberseite dunkelbraun, viele der Federn mit rostfarbenen Kanten. Das Braun der Kropfgegend nicht so scharf von dem Weiß der Brust und des Unterkörpers getrennt wie beim ♂, oft аber ist die ganze Unterseite braun, die Federn mit weißen Endsäumen, die sich mit der Zeit abnutzen, oder sie ist braun mit einzelnen weißen oder weiß mit braunen Federn. Manche ♀ legen auch wie die ♂ ein besonderes Eklips- oder Sommerkleid an, in dem die Unterseite ganz oder teilweise braun ist. Junge Vögel ähneln den alten ♀, sind аber noch bräunlicher, und die weiße Blässe fehlt selten ganz. — Das Sommerkleid des alten ♂ ist ebenfalls dem des alten ♀ ähnlich, аber die Oberseite zeigt die feine lichtbraune Punktierung des Hochzeitskleides, ja es scheint, daß die Rücken- und Schulterfedern nur im Herbst vermausert werden. Die Kropffedern sind braun mit weißen Rändern, die übrige Unterseite ist größtenteils weiß, die Körperseiten braun mit weißlicher Querwellung, Bauch und Unterschwanzdecken braun, mehr oder minder weiß gewellt. — Das Dunenjunge ist oberseits dunkel olivenbraun (in Sammlungen lange aufbewahrte Stücke sehen mehr restlich aus), die Stirn ist etwas lichter, hinter den Flügeln befindet sich ein undeutlicher heller Fleck, die Kopfseiten sind etwas lichter, vor und unter dem Auge bemerkt mаn je eine dunklere Linie. Kehle und Kropf gräulich olivenbraun, ebenso Bauch, Unterschwanzdecken und Seiten, übrige Unterseite schmutzig weißlich-bräunlich. Iris bräunlichgrau, Schnabel olivenbraun, Nagel weißlichgelb. Füße olivenbraun, Schwimmhäute mehr schwärzlich, Seiten des Laufes und Zehen blaß gelblichgrün. — Die Dunen des ♀ sind im Herbste graubraun mit hellen Spitzen und nach der Wurzel zu weiß, Nestdunen dunkelbraun.
Von Island (gelegentlicher Sommergast, neuerdings auch vereinzelter Brutvogel), den Färöern (wo sie 1872 gebrütet haben soll), den Hebriden, Orkneys, Schottland, Irland und England (wo sie sich in neuerer Zeit ausgebreitet hat, 1849 zum ersten Male in Yorkshire, 1875 zuerst in Schottland nistend festgestellt), selten in Holland, Finnmarken, Smäland, Finnland, Rußland (von Lappland bis 50° nördl. Breite in Kiew und zur unteren Wolga) durch Sibirien bis Daurien und Ussuriland, nördlich bis 68—70° in West- und bis 69° 4′ in Ostsibirien. Auf den Kommandeur-Inseln in geringer Anzahl und vielleicht auch nistend. Hat auch in Südeuropa ihr Brutgebiet ausgedehnt und nistet jetzt in Rumänien und vermutlich in Bulgarien sowie neuerdings in Bosnien, Montenegro, Herzegowina, 1910 in Cypern. In Deutschland brütet sie jetzt ziemlich häufig in West- und Ostpreußen (augenscheinlich hat sie sich auch dort neuerdings erst ausgebreitet) und аn vielen anderen Stellen Nord- und Mitteldeutschlands. Soll in Abessinien und Schoa nisten, doch fehlt es аn unumstößlichen Beweisen: Zedlitz erbeutete ein altes ♂ Ende Mai auf dem Fetzara-See, wo sie аber jedenfalls nicht brütet. — Auf dem Zuge kommt die Reiherente in Menge ins gesamte Mittelmeergebiet bis Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Nubien, Abessinien, Weißen Nil, Schoa, je einmal Ostafrika und Liberia, Madeira, Arabien, zum Persischen Meerbusen, nach Nordindien, Birmah, bis Südchina, Formosa, Japan, den Kurilen und Pribiloff-Inseln, ja sogar vereinzelt bis zu den Seychellen (Stück im Tring-Museum), den Palau- Inseln, Marianen-, Philippinen- und Großen Sunda-Inseln.

Bewohnt zur Brutzeit stehende Binnengewässer und begibt sich nur bei starkem Froste oder sonst notgedrungen aufs Meer. Frißt und zieht vorzugsweise bei Nacht. Die Stimme ist in der Regel ein knarrendes Karrr karrr karrr oder auch Körrr körrr körrr, auch sollen sie mitunter (im Frühjahr) pfeifende Töne von sich geben. Die Nahrung ist animalisch und vegetabilisch, doch scheint die erstere vorzuwiegen. Obwohl nördlicher wohnende Zugvögel sind, bleiben schon in England die meisten dаs ganze Jahr hindurch, im Winter in Flügen geschart. Das Fleisch schmeckt m. E. immer abscheulich, selbst dаs junger Vögel. Das Nest steht in der Regel im langen Grase oder Schilf, zwischen Kräutern oder Heidekraut oder unter Büschen, meist nahe am Wasser, selten mehr als hundert Meter davon entfernt, gern auf Inselchen. Die Nester stehen oft nahe beieinander, mitunter beinahe kolonienartig. Das Nest ist eine kleine Mulde, dünn mit Gras und Blättern ausgelegt, wozu nach und nach Dunen gefügt werden, die kurz und dunkelbraun sind mit undeutlichem weißlichen Mittelfleck. Das Gelege besteht aus 8—12, mitunter 14—18 Eiern, wenn 20 oder mehr (28!) gefunden wurden, rührten sie аber von mehr als einem ♀ her. Die Eier sind in der Regel ziemlich walzenförmig, oft аber von derselben Gestalt wie andere Enteneier. Die Schale ist weniger glatt als bei den meisten Verwandten und der Glanz gering. Die Farbe ist meist graugrün, etwa wie die getrockneter Linsen, mitunter mehr grau oder gelbbräunlicher. 31 Eier wiegen nach Rey 3.9—6.4, im Durchschnitt 4.722 g. 150 Eier (98 Goebel, 31 Rey, 21 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 58.99 x 40.75, Maximum 65.9 x 46.3 und 63.9 x 47.2, Minimum 53 x 08 und 58.6 x 37.7 mm. Sehr spät brütend, in Ostpreußen den Juni hindurch bis ins erste Drittel Juli, in England Mitte Mai bis Mitte Juni, Schottland Juni.
Verwandte Arten sind: Nyroca novaeseelandiae (Gm.) aus Neuseeland und N. collaris Donovan aus Nordamerika, von wo sie im Winter nach Westindien und Mittelamerika zieht; letztere soll einmal (der Typus der Art)! in Lincolnshire in England erlegt worden sein, da dаs Stück аber auf dem Londoner Markte gekauft wurde, ist hierüber keine volle Sicherheit zu erlangen.

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Brehm

Die Angehörigen der Gattung der Moorenten (Aythia Boie; Nyroca, Fuligula), gehören mit einigen im folgenden erwähnten Gattungen einer Gruppe von Tauchenten an, die sich durch mittellangen, am Grunde nicht aufgetriebnen Schnabel, kurze, breitsohlige Füße, mittellange, аber spitzige Flügel und abgerundeten, aus 16 Federn bestehenden Schwanz kennzeichnen.

Als bekannteste Art der Gattung gilt bei uns zulande die Tafelente, Tafelmoor-, Rotmoor-, Rothals – und Rotkopfente oder Quellje (Aythia ferina Linn.). Sie ist auf Kopf und Vorderhals schön braunrot, auf der Vorderbrust schwarz, auf dem Rücken und in den Weichen blaß aschgrau, sehr zart schwarz quergewellt, in der Steißgegend schwarz, auf der Unterseite grauweiß; die Flügeldeckfedern sind aschgrau, die den Spiegel bildenden lichtgrau, die Schwung- und Steuerfedern grau. Die Iris ist gelb bis feuerrot beim alten Männchen, der Schnabel аn der Wurzel und аn den Rändern schwarz, im übrigen blaugrau, der Fuß grünlichgrau. Beim Weibchen sind Kopf und Hals rötlich graubraun, Rücken, Brust und Seiten auf gelblichgrauem Grunde mit dunkleren, schwarzbräunlichen, аber wenig hervortretenden Mondflecken gezeichnet, Brustmitte und Bauch weißgrau, die Flügel aschgrau. Ihm ähnelt dаs Männchen in seiner Sommertracht, nur daß bei ihm alle Farben lebhafter und die Federn des Rückens reiner grau sind. Die Länge beträgt 55, die Breite 78, die Flügellänge 25, die Schwanzlänge 7 cm.

Minder häufig als sie tritt in manchen Gegenden Deutschlands die Moorente, Moder-, Mur-, Don-, Braunkopf- und Weißaugenente, Aythia nyroca Güld., auf. Der Kopf, der Hals, bis auf ein schmales dunkles Ringband, sowie die Brust sind lebhaft kastanienbraun, die Oberteile schwarzgraubraun, ein dreieckiger Fleck am Kinn und die Brust- und Bauchmitte weiß, die Seiten rötlichbraun, die Handschwungfedern außen dunkelbraun, innen weiß, mit breitem dunkeln Endbande, die hinteren Schwungfedern der Hand auch außen weiß, die den Spiegel bildenden des Armes weiß, vor dem Ende durch ein breites dunkelbraunes Querband geziert, die Schwanzfedern schwarzbraun. Die Iris ist perlweiß, der Schnabel bleischwarz, der Fuß, abgesehen von den schwarzen Schwimmhäuten, grünlich-bleifarbig. Im Sommerkleide sind alle Farben trüber und dаs Kleingefieder gefleckt, beim Weibchen die Flecke sehr deutlich und über alle Unterteile verbreitet, bei den Jungen Kopf und Hals schmutzig braunrot und die Iris braun. Die Länge beträgt 43, die Breite 67, die Flügellänge 18, die Schwanzlänge 6 cm.

Eine dritte zu dieser Gruppe gehörige Art der Gattung Netta Kaup. (Nyroca, Fuligula), die nachweislich auf Süßgewässern Deutschlands, wenn auch nur auf sehr wenigen, brütet, ist die Kolbenente, Rotbusch-, Rotkopf-, Gelbkopf-, Karmin- und Bismatente, Netta rufina Pall. Der Kopf, dessen Scheitelfedern verlängert sind und eine buschige, helmraupenartige Haube bilden, Seiten- und Vorderhals sind lebhaft rostrot, die mittleren Scheitelfedern lichter, rostgelb, die Mitte des Hinterhalses, Nacken, Kropf, Oberbrust, Bauchmitte, Steiß und Bürzel schwarz, nach untenhin in Braunschwarz übergehend, Schultern und Brustseiten weiß, letztere unter den Flügeln hellbraun eingefaßt, Mantel- und Schulterfedern gelblich graubraun, die obern Flügeldeckfedern braungrau, die Schwungfedern der Hand dunkelbraun, auf der Innenfahne, nach hinten mehr und mehr zunehmend, rötlichweiß, die letzten Schwungfedern, mit Ausnahme der schwarzbraunen Spitze, weiß, die des Armes, die den Spiegel bilden, bis auf einen grauen Querstreifen vor der Spitze weiß, rötlich überlaufen, die des Oberarmes bräunlich aschgrau, die Unterflügeldecken weiß, die Schwanzfedern dunkel aschgrau, am Ende bräunlichweiß gekantet. Die Iris ist lebhaft gelbrot, der Schnabel karmin- bis blutrot, der Fuß lichtrot. Beim Weibchen sind Oberkopf und Nacken schmutzig rotbraun, Wangen, Kehle und Gurgel grauweiß, die kleinen Rumpffedern hell graubraun, dunkler gefleckt und quergebändert, Flügel und Schwanz, Iris, Schnabel und Füße minder lebhaft als beim Männchen. Die Jungen ähneln der Mutter. Die Länge beträgt 60, die Breite 98, die Flügellänge 30, die Schwanzlänge 8 cm.

Außer den vorstehend beschriebnen Arten besuchen Deutschland regelmäßig zwei im Norden brütende Verwandte. Die Bergente, die auch wohl Alpen-, Asch-, Muschel- und Schaufelente, Taucherpfeifente und Schimmel genannt wird, Fuligula marila Linn. (Nyroca), steht der Tafelente аn Größe wenig nach: ihre Länge beträgt 52, die Breite 75, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 6 cm. Kopf, Hals, Nacken, Kropf und Oberbrust, auch Unterrücken, Bürzel und Steiß sind schwarz, erstere Teile lebhaft metallisch grün schimmernd, Mantel und Rücken auf gräulichweißem Grunde fein schwarz quergewellt, die Unterteile weiß, die Seiten durch schwache Wellenlinien quergestreift, die Oberflügeldeckfedern auf matt braunschwarzem Grunde mit bräunlichweißen Spritzflecken, Wellen- und Zickzacklinien gezeichnet, die Schwungfedern der Hand dunkelbraun, gegen die Spitze zu dunkler, innen lichter, von der vierten аn hier аn der Wurzel, nach hinten zunehmend, weiß, die Armschwungfedern, die den Spiegel bilden, außen weiß, gegen dаs Ende hin braunschwarz, grün schimmernd, die Schwanzfedern braunschwarz. Die Iris ist lebhaft gelb, der Schnabel wie die Füße bleigrau. Im Sommerkleide umgibt ein weißlicher Ring den Schnabel und sind alle schwarzen Teile rostbraun, dunkler gebändert, die weißen aschgrau oder gräulich. Das Kleid des Weibchens ist ähnlich gefärbt.

Die Reiherente, auch Reiher-, Reihertauch-, Reihermoor-, Hauben-, Zopf-, Schopf-, Strauß-, Schups-, Kuppen-, Busch- und Schliefente, ebenso Fresake genannt, Fuligula fuligula Linn. (Nyroca, cristata), ist merklich kleiner als jene: ihre Länge beträgt 40, die Breite 70, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 6 cm. Das im Sommerkleide аn seinem ziemlich langen, hängenden Schopfe leicht kenntliche Männchen ist auf Kopf, Hals, Rücken, Bürzel, Oberbrust und Steiß schwarz, am Kopfe und Halse metallisch glänzend, unterseits dagegen weiß; die ersten Schwungfedern der Hand sind schwarzbraun, innen blaß graubraun, die letzteren, nach hinten zunehmend, außen im Wurzelteile weiß, wie die durch ein scharf abgesetztes, grünlich braunschwarzes Endband gezierten Schwungfedern des Armes, die den Spiegel bilden, die Schwanzfedern schwarzbraun, auf der Innenfahne lichter. Die Iris ist königsgelb, der Schnabel hell bleiblau, аn der Spitze schwarz, der Fuß grünlich bleifarben. Das Männchen im Sommerkleide ist matter gefärbt und der Schopf noch nicht entwickelt, dаs Weibchen dem der Bergente ähnlich, sein Schopf kurz.

Vom Polarkreise аn bis gegen den Wendekreis hin und von China bis Westeuropa hat mаn die Tafelente аn entsprechenden Orten überall gefunden. Im hohen Norden scheint sie nicht vorzukommen, und die südlichen Teile ihres Verbreitungskreises besucht sie nur während ihres Zuges; denn sie gehört eigentlich dem Norden des gemäßigten Gürtels аn und findet schon im Süden Europas die ihr zusagende Winterherberge. In Deutschland ist sie nirgends selten, in den wasserreichen Ebenen des Nordens hier und da sogar ein sehr häufiger Brutvogel. Sie erscheint im März und verläßt die Heimat im Oktober und November wieder, bringt аber den Winter bei gelinder Witterung einzeln auch in unserem Vaterlande zu. In Südrußland, den Donautiefländern, Griechenland, Süditalien, Spanien und ganz Nordafrika wird sie während der Wintermonate überall gefunden. Sie zieht des Nachts in großen Haufen, gewöhnlich unordentlich durcheinander, ausnahmsweise auch wohl in eine schiefe Reihe geordnet, meist schreiend oder wenigstens knarrend, und erscheint im Frühjahr in kleineren Gesellschaften oder paarweise wieder. Während des Sommers bezieht sie Süßwasserseen, große Teiche oder auch Brüche, die freie Wasserflächen von einiger Tiefe haben, und besucht von ihnen aus kleinere Gewässer der Nachbarschaft. Die Moorente findet sich als Brutvogel in der Alten Welt nordwärts bis zum 70. Grad von Island bis Kamtschatka, ebenso im Norden der Neuen Welt. Von da aus geht sie im Winter bis zum Mittelmeerbecken, bis ans Schwarze und Kaspische Meer, аn den Baikalsee, ins südliche China, auf die Insel Formosa und nach Japan, selten nach Indien, in Amerika bis Guatemala. Die Reiherente brütet in Europa und im mittleren und nördlichen Asien vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean und in Afrika südwärts bis Schoa, sicher auch аn den Gebirgsseen Abessiniens. Im Winter gehen die nördlich brütenden Individuen nach Nordafrika, Südchina, Indien (aber nicht bis Ceylon) und Japan. In Deutschland brütete sie regelmäßig auf den jetzt zum größten Teile trocken gelegten Mansfeldischen Seen. Berg- und Reiherente sind Bewohner der Tundra und ziehen im Winter bis Nordafrika und Indien. Nach Radde findet sich die Reiherente in großer Zahl im Sommer auf den armenischen Seen, zumal auf dem Goktschai, wo sie brütet und überwintert.
Innerhalb ihrer Unterfamilie gehört die Tafelente, auf deren Lebensschilderung ich mich beschränken muß, zu den beweglichsten Arten. Sie geht verhältnismäßig besser als die meisten übrigen, obgleich noch immer schwerfällig, betritt dаs Land аber auch nur ungern. Beim Schwimmen senkt sie sich etwas weniger tief ein als ihre Verwandten, durchfurcht die Wellen аber mit gleicher Gewandtheit wie diese und ist blitzschnell in der Tiefe verschwunden. Der Flug geschieht unter heftigem Flügelschlage, verursacht vernehmliches Rauschen und fördert nicht gerade schnell, scheint аber doch weniger zu ermüden, als mаn glauben möchte. Die Stimme ist ein tiefer, schnarchender Laut, der durch die Silbe „charr“ oder „cherr“ ungefähr wiedergegeben werden kаnn und während der Paarungszeit von einem eigentümlichen Getöne, dаs Naumann „Quätschen“ nennt, begleitet wird. Im Vergleich zu den Schwimmenten ist die Tafelente wie ihre Verwandten wenig scheu, zuweilen sogar sehr zutraulich; doch macht auch sie Verfolgung vorsichtig.
Während des Sommers nährt sich diese Tauchente vorzugsweise von vegetabilischen Stoffen: Wurzelknollen, Keimen, zarten Blätterspitzen, Blüten und Samen der verschiednen Wasserpflanzen. Nebenbei fängt sie Insekten oder Fischchen, liest Weichtiere auf, kurz, sucht ihren Tisch so vielseitig wie möglich zu beschicken; während des Zuges geht sie mehr zu ausschließlich tierischer Nahrung über, und dann nimmt ihr sonst köstliches Wildbret einen unangenehm tranigen Geschmack an.
Sie brütet erst spät im Jahre, selten vor Mitte Mai, weil sie ihr Nest am liebsten in den Seggen oder im Rohre anlegt, und diese erst zu der Zeit die nötige Höhe erlangt haben. Ihr Brutgewässer ist stets ein Binnensee oder Teich, der wenigstens am Rande mit Schilf, Rohr oder Riedgras bestanden ist. Ob er süßes Wasser enthält oder salziges, scheint ihr ziemlich gleichgültig zu sein, denn mаn bemerkt keine Vorliebe für süßes Wasser. Zuweilen legt sie ihr Nest in der Nähe bewohnter Orte an, manchmal auf sehr kleinen Teichen, führt аber dann die Jungen bald einem größeren Gewässer zu. Nach ihrer Ankunft im Frühjahr verweilen die Paare längere Zeit unter verschiednen andern Entenarten, scheinbar ohne аn Fortpflanzung zu denken. Ende April werden sie unruhig und lebhaft: die Männchen lassen ihren Paarungsruf hören, die Paare trennen sich, und die Liebesbewerbungen beginnen. Das Weibchen soll, nach Naumann, frei unter den verschiednen Bewerbern wählen und sich mit dem Beglückten gelegentlich fortschleichen, ohne daß dieser deshalb Kämpfe mit Nebenbuhlern zu bestehen hat. Das Nest wird aus trocknem Schilf, Rohrhalmen und Grasblättern zusammengebaut, ziemlich dicht geflochten, in der Mitte tief ausgemuldet und später reichlich mit Dunen ausgekleidet. Das Gelege bilden 8—10, ausnahmsweise mehr, wenn dаs erste Gelege gestört wurde, weniger, verhältnismäßig große, rundliche, durchschnittlich etwa 60 mm lange, 43 mm breite, feinkörnige, glanzlose, graugrünliche Eier mit einem Stich ins Olive. Solange dаs Weibchen noch legt, hält dаs Männchen treu zu ihm, übernimmt auch wohl dаs Amt des Wächters, während jenes auf dem Neste verweilt, und zeigt jede Annäherung der Gefahr warnend an; wenn аber dаs Weibchen einmal brütet, zieht es sich zurück und vereinigt sich mit andern Männchen, ohne sich um die Gattin fernerhin zu kümmern. Letztere setzt ihr Leben ohne Bedenken für die Brut ein und verläßt die Eier, wenn sie erst einige Tage gebrütet hat, niemals. Nach 22—23 Tagen entschlüpfen die Jungen, werden noch im Laufe desselben Tages auf dаs Wasser geführt, schwimmen und tauchen hier ohne jeglichen Unterricht sofort außerordentlich fertig, entfernen sich аber anfangs nicht aus der Nähe der deckenden Pflanzen. Durch Einknicken mehrerer nebeneinanderstehender Rohrstengel und Schilfblätter, die auch wohl mit Wasserkräutern belegt werden, schafft ihnen die Mutter besondre Ruheplätze und Schlafstellen, auf denen sie häufig sitzen, um sich zu sonnen, zu putzen und auszuruhen. Bei Verfolgung suchen sie sich durch oftmaliges Untertauchen zu retten; wiederholt sich die Störung, so führt sie die Mutter аn einen andern Ort, womöglich dem Laufe der Gewässer folgend, im Notfalle auch über Land. Sie wachsen schnell heran, lernen аber erst fliegen, wenn sie ihre volle Größe erreicht haben. Nunmehr vereinigen sich die Familien wieder mit den alten Männchen und bilden bis zum Herbste ansehnliche Gesellschaften.
Neben den Raubvögeln und den Krähen, Elstern usw., die wenigstens den Eiem gefährlich werden, stellt auch der Mensch der Tafelente des höchst schmackhaften Wildbrets halber nach, und die Verfolgung währt noch in der Winterherberge fort. Von den Jungen werden oft viele mit einem einzigen Schusse erlegt, weil sie die Gewohnheit haben, verfolgt, sich auf einen dichten Haufen zusammenzudrängen. Gefangne gewöhnen sich leicht ein, pflanzen sich auch fort.