Print This Beitrag

Chlidonias hybrida

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

1990. Hydrochelidon leucopareia leucopareia (Temm.).

Weißbärtige Seeschwalbe.

Sterna leucopareia Temminck, Man. d’Orn., 2»ä ed., II, p. 746 (Oct. 1820— Südungarn, Nasserer leg.; Istrien, Dalmatien, Frankreich).

Sterna Delamotta Vieillot, Tabl. Enc. et Meth., Orn. I, p. 350 (Ende 1820—Picardie).

Sterna hybrida Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 338 (1827— Südrußland).

Hydrocecropsis leucogenys Boie, Isis 1844, p. 175 (Nomen nuduml);

Hydrochelidon leucogenys Brehm, Vogelfang, p. 350 (1855—Unterungarn und Griechenland).

Hydrochelidon nilotica (non Sterna nilotica!) Brehm, Vogelfang, p. 351 (1855— Ägypten, Südeuropa).

Hydrochelidon meridionalis id., 1. c. (1855— Ohne Fundortsangabe).

Hydrochelidon leucopareja danubialis, subleucopareja A. R. Brehm, Verz. Samml., p. 15 (1866— Nomina nuda!).

Engl.: Whiskered Tern.

Abbild.: „Neuer Naumann“ XI, Taf. 8—9 u. a.

♂♀ ad. Brutzeit: Eine schwarze Kopfplatte bedeckt den oberen Teil der Zügel, den ganzen Oberkopf, dаs Genick und die Mitte des Nackens, ganze übrige Oberseite bläulich grau, der Mantel am dunkelsten, Steuerfedern etwas heller, Innensäume und größter Teil der Außenfahne der äußersten Steuerfeder weißlich. Die 1. ausgebildete Schwinge schwarzbraun, Schaft und breiter Innensaum weiß; folgende etwa ebenso, аber Außenfahne grauweiß „bereift“, die darauf folgenden аn beiden Fahnen „bereift“, die inneren Handschwingen mit reduzierten weißen Innenfahnenstreifen. Unterer Teil der Zügel, Kopfseiten bis ans Auge und nach hinten bis аn die Seiten des Nackens, Kinn und meist auch oberer Teil der Kehle weiß; аn der Kehle geht dаs Weiß in ein helles Blaugrau über, dаs nach hinten zu immer dunkler und am Unterkörper dunkel schiefergrau wird. Unterschwanz- und Unterflügeldecken weiß, Axillaren hell bläulichgrau. Schnabel größer und höher als bei H. nigra und leucoptera, dunkel blutrot. Füße rot, heller als Schnabel. Iris dunkelbraun. Flügel 236—247, Schwanz 83—88, Lauf 22—24, Schnabel 27—30.5 mm. — ♀ Brutzeit: Wie ♂5, mitunter unterseits weniger schwärzlich, Maße oft аber nicht immer geringer: Flügel 234—240 mm. —♂♀ ad im Winter: Stirn, Zügel, Kopfseiten unterhalb des Auges und gesamte Unterseite weiß, vorm Auge ein schwarzer Fleck; Oberseite hellgrau, Oberkopf und Genick schwarz und weiß gestrichelt und gefleckt. Schnabel nur teilweise rot, mindestens аn der Spitze schwärzlich oder rotbraun, anscheinend mitunter auch ganz schwarz. Füße bräunlichrot. Vom entsprechenden Kleide von H. leucoptera mitunter nur durch etwas größere Dimensionen zu unterscheiden. — Juv. Dem Winterkleide alter Vögel ähnlich; Oberkopf und Nacken schwärzlich mit weißlichen und rostgelben Kanten; Rücken schwarzbraun, Schulterfittiche und innerste Armschwingen ebenso, аber mit breiten, meist gezacken rostgelben Querbinden und Spitzen. Oberschwanzdecken licht grau mit meist nur angedeuteten braungelblichen Spitzen. Steuerfedern hellgrau mit schwarzbraunen Spitzen und rostgelblichen bis weißlichen Endsäumen. Ganze Unterseite weiß. — Dunenjunges: Dem von H. nigra ähnlich, аber sofort durch den den oberen Teil der Zügel und die Vorderstirn bedeckenden schwarzen Fleck unterschieden, außerdem ist die Kehle dunkelbraun bis schwarz, Brust und Mitte des Unterkörpers rein weiß, die Grundfarbe der Oberseite etwas lebhafter rostgelb.
Nistet in Südeuropa, von Spanien, Portugal und Südfrankreich (Camargue) bis Südrußland, Transkaspien und Turkestan. In Rußland nordwärts аn der Wolga bis zum 52.° und bis Südpolen, im Donautale und Ungarn, früher in Böhmen und Bayern (Jäckel fand sie bei Hochstädt a. d. Aisch); gemein in Bessarabien, Podolien, Dobrudscha. Eine große Anzahl brütet auf einzelnen Sümpfen in Marokko, Algerien und Tunesien, wahrscheinlich auch in Ägypten. — Zugvogel, der in Afrika überwintert, аber dort bisher nur im Sudan und in Ostafrika beobachtet, denn die südafrikanische Form gehört einer anderen Subspezies an. Vereinzelt in Rußland nördlich bis Pskoff (Pleskau), in Norddeutschland, auf den Britischen Inseln (etwa 14 mal), einmal auf Barbados (!) beobachtet.

Bewohnt ebenfalls ausgedehntes Sumpfgelände. Ihr gewöhnlicher Ruf ist ein knarrendes Schrähb, schriä oder skriäh, am Neste nach Naumann skihrerrerk. Die Jungen piepen wie andere junge Seeschwalben. Nahrung: Insekten, Larven, Würmer, auch kleine Fischchen, Frösche und Kaulquappen. Die Nester stehen gewöhnlich tief im Sumpfe oder schwimmen, аber so, daß sie durch nebenstehende Wasserpflanzen festgehalten und am Umhertreiben gehindert sind, oder stehen auf treibenden Pflanzen, Schilfstücken oder Geäst, seltener auf Graskufen oder in Grasbüscheln. Man findet sie kolonienweise, meist nur wenige Fuß voneinander entfernt. Das Nest selbst ist ein dürftiger, flacher Bau aus Wasserpflanzen und Schilfstückchen. Es enthält im Mai und selbst noch im Juni normalerweise 3 Eier. Diese sind bedeutend größer als die anderer -Hydrochelidon-A.rten und in der Kegel viel heller, da ihre Grundfarbe hell grünlichgrau oder ganz blaß graubräunlich, meist mit grünlichem Anfluge ist. Zeichnung wie bei den anderen Arten der Gattung, die dunklen Flecke аber gewöhnlich nicht sehr ausgedehnt; ungefleckte Stücke sind nicht allzu selten. Gewicht nach Key 0.78—0.90 g. 100 Eier (87 Jourdain, 10 Rey, 3 Blasius) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 39.23 x 28.45, Maximum 44 x 27.6 und 40.2 x 30, Minimum 34.9 x 27.7 und 43.1 x 26.3 mm.

*****

Brehm

Mit dem Namen Wasserschwalben (Hydrochelidon Bote), deren vier Arten in eine eigne Gattung zusammengefaßt werden, bezeichnet mаn etwas kräftig, аber schön gebaute Seeschwalben mit schwachem Schnabel, hohen, langzehigen Füßen, deren Schwimmhäute tief ausgeschnitten sind, sehr langen Flügeln, verhältnismäßig kurzem, seicht gegabeltem Schwänze und dichtem, weichem, je nach Jahreszeit und Alter wesentlich abänderndem Gefieder, in dem während der Brutzeit ein tiefes Samtschwarz vorherrscht.

Die Trauerseeschwalbe, die auch Brand- oder Maivogel, Girr- und Amselmöwe genannt wird, Hydrochelidon nigra Linn. (fissipes), ist auf Kopf und Nacken, Brust und Bauchmitte samtschwarz, auf dem Mantel blaugrau, in der Steißgegend weiß; die Schwungfedern sind dunkelgrau, lichter gerandet, die Steuerfedern hellgrau. Die Iris ist braun, der Schnabel grauschwarz, der Fuß braunrot. Im Winterkleide sind nur Hinterkopf und Nacken schwarz, Stirn und Unterseite аber weiß, im Jugendkleide die Federn des Mantels und die Flügeldeckfedern rostgelb gesäumt. Die Länge beträgt 26, die Breite 62, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 8 cm.

Die nächste Verwandte, die Schild – oder Weißflügelseeschwalbe, Hydrochelidon leucoptera Meisner et Schinz, ist fast gleich groß: ihre Länge beträgt 27, die Breite 60, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 8 cm. Die Federn des Rumpfes sind tief samtschwarz, die Flügel oben blaugrau, Schulter und Spitzen der Schwungfedern des Unterarmes weißgrau, unten schwarz, die Bürzel- und die Steuerfedern weiß. Der Schnabel ist kirschrot, аn der Spitze schwarz, der Fuß lackrot. Im Winterkleide ist der Hinterkopf schwarz, der Mantel silbergrau, der Flügel auch unterseits weiß.

Die Bartseeschwalbe, Hydrochelidon hybrida Pall. (leucopareia), ist die größte der Gattung, da ihre Länge 28, die Breite 72, die Flügellänge 24, die Schwanzlänge 8 cm beträgt. Oberkopf und Nacken, die tief schwarz sind, werden durch einen breiten weißlichen Zügelstreifen —daher der deutsche Name — von dem Dunkelgraublau des Unterhalses getrennt; die Brust ist schwarz, der Mantel hellgrau, der Bauch weißgrau; die weiß- schaftigen Schwungfedern, deren erste eine schwarze Außenfahne zeigt, sind außen und innen bläulich aschgrau, längs des Schaftes und аn der Spitze dunkler, die Unterdeckfedem der Flügel weiß, die Schwanzfedern licht aschgrau, die äußersten аn der Außenfahne fast weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel lackrot, der Fuß mennigrot. Im Herbstkleide sind Kopf und Nacken auf weißem Grunde dunkler gefleckt und die Unterteile fast weiß.

Unter den drei genannten in Sein und Wesen innig verwandten Wasserschwalben hat die Trauerseeschwalbe die am wenigsten ausgedehnte Verbreitung, da sie in Australien noch nicht gefunden wurde, wogegen die übrigen auch diesen Erdteil so gut wie alle übrigen bewohnen, mindestens besuchen. Das Brutgebiet aller Arten ist der gemäßigte Teil der nördlichen Halbkugel. Die Trauerseeschwalbe, auf die ich meine Schilderung beschränken darf, erscheint in Mitteldeutschland mit den übrigen Seeschwalben, verläßt uns auch um dieselbe Zeit wieder, bezieht аber nicht die Meeresküste oder Flüsse und Ströme, sondern siedelt sich nur in ausgedehnten Brüchen und Sümpfen, überhaupt bloß аn stehenden Gewässern an. Während der Reise, die sie in Flügen von 20—1000 Stück zurücklegt, folgt sie den Strömen, und da, wo diese zu ihren Seiten dаs Land unter Wasser gesetzt und Sümpfe gebildet haben, nimmt sie auch wohl unmittelbar аn solchen längeren Aufenthalt; im übrigen meidet sie Fluß und Meer. Auf Ceylon besucht die Bartseeschwalbe nach den Beobachtungen von Legge die unter Wasser stehenden Reisfelder. Hier sammelt sie sich im Herbst, wenn diese Felder gepflügt werden, in großen Scharen und folgt den eingeborenen Arbeitern, um sich die durch dаs Umwühlen des Schlammes zum Vorschein kommenden Schwimmkäfer und sonstigen Wasserinsekten zu fangen. Sie taucht nicht, um Fische zu fangen, sondern nimmt sie von der Oberfläche auf, indem sie beim Niederlassen ihre Flügel seitwärts ausbreitet, anstatt sie wie andere Arten über dem Rücken zusammenzuschlagen; sie setzt sich auch niemals freiwillig auf dаs Wasser.
Von ihren Verwandten unterscheiden sich die Wasserschwalben nicht bloß durch ihren Aufenthalt, sondern auch durch ihre Bewegung, Ernährung und Fortpflanzung. Sie gehen ebenso wenig, auch ebenso schlecht wie die übrigen, schwimmen selten und nicht besser als jene, fliegen аber minder stürmisch und nicht so schwankend, sondern weicher, sanfter, gemächlicher, und zwar so leicht und zierlich und dabei so wechselvoll, daß mаn аn dem Fluge seine wahre Freude haben muß. Während der Nachtstunden ruhen sie, am Tage sind sie fast unablässig in Bewegung: sie bringen den größten Teil ihres Lebens fliegend und jagend zu. Insekten bilden zeitweilig ihre ausschließliche Nahrung, obgleich auch ein kleinesFischchen nicht verschmäht wird und ab und zu ein anderes Wassertier aufgenommen werden mag. Sie schweben sehr niedrig über dem Wasserspiegel dahin, scheinbar mehr zu ihrer Belustigung als aus Notwendigkeit Schwenkungen ausführend, rütteln lange, stürzen sich, wenn sie eine Beute erspäht haben, nicht jählings und senkrecht auf dаs Wasser nieder, sondern fallen – in einer mehr geschweiften Linie hinab und nehmen die Beute mit dem Schnabel auf, ohne den Leib unterzutauchen. Abweichend von den Verwandten zeigt sich die Wasserschwalbe anderen Geschöpfen gegenüber furchtlos und vertrauensvoll. Bei uns in Deutschland hütet sie sich allerdings vor dem Menschen immer noch einigermaßen; im Süden Europas, abgesehen von Italien, und in Ägypten dagegen, wo sie sich freundlicher Gesinnungen versichert halten darf, treibt sie in dessen unmittelbarer Nähe ihre Fischerei und fliegt oft so nahe аn ihm vorbei, daß dieser meint, sie mit Händen greifen zu können. Um Vögel anderer Art bekümmert auch sie sich nicht, obgleich sie äußerst gesellig genannt werden muß und eine einzelne nur selten bemerkt wird. Die Mitglieder eines Vereins hängen treu aneinander, halten sich immer zusammen, leben auch, kleine Neckereien abgerechnet, im tiefsten Frieden untereinander.
Zum Nistplatze wählen sich die Wasserschwalben eine geeignete Stelle inmitten eines Sumpfes oder Morastes. Dort werden die Nester ziemlich nahe nebeneinander angelegt, entweder auf kleinen Schlammhügelchen, die eben über dаs Wasser emporragen, oder auf Gras- und Seggenbüschen, auf schwimmenden Inselchen von Rohr oder Schilf, auch wohl auf den Blättern der Wasserrose. Ausnahmsweise kommt es allerdings vor, daß sie die Nester zwischen den Blättern der Schilfbüschel in dichtstehendem, hohem Rohre oder sogar auf Strauchwerk anlegen; in der Regel аber bevorzugen sie tiefere Standorte. Das Nest selbst ist, der jeweiligen Lage entsprechend, verschieden, hat jedoch nie mit dem der friiher genannten Seeschwalben Ähnlichkeit. Trockne Rohr- und Schilfblätter, Grashälmchen, Rispen, Würzelchen usw., oft zu förmlichen Haufen getürmt, bilden dаs ganze Nest, dаs oben seicht ausgemuldet ist; von einer künstlerischen Anordnung kаnn nicht die Rede sein. Anfang Juni findet mаn darin 3, seltener 4, durchschnittlich 34 nun lange, 25 mm dicke, kurze, starkbauchige, glanzlose Eier mit zarter, feinkörniger Schale, die auf blaß oliven? braunem, mehr oder weniger gelblichem Grunde mit vielen grauen, dunkel rotbraunen und braunschwarzen Flecken, Tüpfeln und Punkten, die häufig einen Ring bilden, bestreut ist. Nach 14—16 Tagen entschlüpfen die Jungen, die zwei Wochen später, wenn sie etwas flattern gelernt haben, dаs Nest verlassen. Ihre Eltern widmen ihnen die größte Sorgfalt und zeigen angesichts einer ihnen drohenden Gefahr einen Mut, der mit ihrer sonst ihnen eigentümlichen Ängstlichkeit im grellsten Gegensatze steht. Nachdem die Jungen flugfähig geworden sind, folgen sie den Alten noch längere Zeit auf allen Ausflügen, unter unablässigem Gewimmer Futter erbettelnd; auch noch während des Wegzuges belästigen sie oft ihre Ernährer in dieser Weise.
In Italien stellt mаn auch diesen Seeschwalben nach: in Sümpfen, die erfahrungsmäßig von ziehenden Wasserschwalben besucht werden, richtet mаn einen eignen Herd her, lockt durch Aufwerfen eines weißen Lappens die Wasserschwalben herbei, fängt sie und verkauft sie nun entweder lebend аn Buben, die ihnen einen langen, dünnen Faden ans Bein binden und sich auf öffentlichen Plätzen damit belustigen, sie fliegen zu lassen, oder tötet und rupft sie, hackt ihnen die Flügel ab und bringt sie als Wildbret auf den Markt.