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Chlidonias niger

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Bezzel

Chlidonias niger (L.) – Trauerseeschwalbe

2 Subspezies; Mitteleuropa C. n. niger (L.).

Status in ME. Häufiger Brutvogel, Schwerpunkt Tiefland im N mit z. T. starker Abnahme (6 + unregelmäßig 1); regelmäßiger, häufiger bis sehr häufiger Durchzügler.

Kennzeichen (vgl. Abb. 163). Deutlich kleiner als Flußseeschwalbe. Ad. Brutkleid: schwarzer Vorderkörper und bes. intensiv schwarzer Kopf; Rücken und Flügeloberseite schiefergrau; Flügelunterseite hellgrau; hintere Körperunterseite schwarzgrau, Unterschwanzdecken weiß, gesamte Schwanzoberseite in allen Kleidern hell schiefergrau; ♀ etwas heller als ♂. Ad. Ruhekleid: Oberseite etwas dunkler als die beiden anderen Arten; graue Vorderrückenfärbung setzt sich in einem dunklen Brustseitenfleck vor dem Flügelansatz fort; Oberkopf ausgedehnt einheitlich dunkler als bei C. leucopterus mit seitlichen »Ohrklappen«; weißes Halsband im Nacken auffälliger als bei leucopterus. Juv. Rücken und OberFD ± auffällig gemustert; Bürzel und Schwanz im Oberflügel etwas heller als Rücken, аber kein auffälliger Kontrast (vgl. leu- copterus); deutlicher Brustseitenfleck; Kopf ähnlich ad. Ruhekleid. • Schnabel juv. schwarzbraun; ad. schwarz,. Schnabelwinkel rot. Füße juv. rotbraun, ad. schwarz. Iris braun bis schwarzbraun.
Verbreitung und Bestand. Br. in der borealen, gemäßigten und Steppenzone N-Amerikas und in Eurasien von E bis E Mongolei In Europa schon seit 19. Jh allgemein – (trotz Stabilität bzw. Vorstöße im NE des europäischen Areals). In Mitteleuropa Verstärkung des Abwärtstrends seit ca. 1960 (Ursache: Entwässerung von Feuchtgebieten, Verunreinigung von Gewässern, Vernichtung von Verlandungsvegetation, Freizeitaktivitäten am Wasser), r. Dz. in allen Teilen Mitteleuropas (April/Okt.; s. unten).
B: 115 (1954), 26-36 (1974/76), < 10 (1980/81). NL: 2000-3000 (um 1975), (-). • D: Schl.-Holst. ca. 1600 (1945), 570-800 (1966/69), 500 (1976), 150 (1981), 160 (1982); Hbg. 20 (1976), 15 (1979); Nds. seit 1960 stark -, 100-200 (1976), ca. 100 (1979); Nrh. ca. 80 (1957/58), ca. 60 (1964), < 20 (1974), ca. 40 (1977); Westf. 21 (1961), 22 (1970), seither 0; Ba.-Wü. bis 1938; Bay. 19. Jh, vielleicht bis 30er Jahre Br. • DDR: Meckl. 350-400 (um 1975); Bra. > 200-250 (1969/70); Mgdb. ur. Br. mind. bis 1970 nachgewiesen (30 BP); Halle 1-2 (1976); r. Br. Oberlausitz. • PL: insgesamt wohl > 3000. • CS: 400 (1973/77), < 300 (1980). • A: derzeit ur. Br., Neusiedler See bis 1965. • H: wohl > 2000. • S.: 190 (um 1975). SU: Lit. SSR ca. 1000 (um 1980), Estn. SSR ca. 1000; Lett. SSR 1000-1500 (70er Jahre). • DK: ca. 700 (1950), 400 (1963/65), ca. 200 (1971/74).
Wanderungen. Langstreckenzieher; Winterquartier Küsten des tropischen W-Afrika, des. Senegambien bis Golf von Guinea mit S-Ausläufern bis Angola, Namibia (vielleicht neuerdings auch Ausweitung des Winterquartiers nach S) und sogar bis S-Küste sowie Natal. Im E-Afrika höchstens Irrgast. Schleifenzug: Wegzug GB, N und NW Mitteleuropa Wegzug stärker als Heimzug (z. ß ca. 20000 Aug. untere Elbe; 83500-98000 Ijsselmeer/NL). Hauptwegzugsweg entlang der Atlantikküste F, E./P und Afrika. Im Binnenland vom Rhein bis CS, Alpenvorland, S-F Herbst- und Frühjahr etwa gleich häufig, z. T. Zug durch dаs Mittelmeer nach W in den Atlantik. Heimzug sowohl entlang der Küste als auch zumindest über küstennahe Wüstengebiete W-Afrikas; Weiterzug entweder über W-Mittelmeer bzw. SW-Europa nach N/NE über F, Nordsee oder S-F-Mitteleuropa bzw. I-Balkanländer. Wegzug dauert in Mitteleuropa ca. 3 Monate; meist 2 Gipfel (Ende Aug. bzw. Mitte/Ende Sept.), da ad. früher als juv. abziehen. Beginn ab Mitte Juni (Übersommerer, erfolglose Br.) bis Ende Okt., ausnahmsweise Nachzügler im Nov. (und sogar Dez.). In Mauretanien schon Mitte Aug. große Scharen (> 70000), die bis Dez. abgezogen sind. Ab Anfang Aug. ist der N des Winterquartiers erreicht, im äußersten S meist erst ab Dez. und Zuwachs bis Jan./Febr. Im März beginnt der Heimzug, in Mitteleuropa meist erst nach Mitte April, bis Mitte Mai Zunahme, dann rasch Ende. Geburts- und Brutortstreue nachgewiesen, auch Fremdansiedlungen. Einjährige verbringen den 1. Sommer im Überwinterungsgebiet.
Biotop. Br. in Niederungslandschaften аn ± eutrophen Gewässern mit starker Verkrautung, z. B. langsam fließende Gräben oder Altwässer, flache Seen und künstliche Teiche und Kleingewässer (z. B. Albrecht 1984) mit entsprechender Ufer- und Seichtwasservegetation, nasse Sumpfwiesen mit stehendem Wasser. Nester werden knapp über der Wasseroberfläche angelegt, freier Anflug muß gewährleistet sein. Nestunterlage Bülten oder schwimmende Pflanzenteppiche bzw. altes Röhricht. Nahrungsgebiet meist in der näheren Umgebung der Kolonie. Auf dem Zug аn Meeresküsten, Brack- und Süßwasser; bei entsprechendem Nahrungsangebot auch längere Verweildauer. Winterquartier am Meer, auch weiter von der Küste entfernt, sogar in größeren Scharen auf offener See.
Nahrung. Zur Brutzeit vor allem Insekten und deren Laryen, die im oder am Wasser leben; daneben noch andere wasserbewohnende Kleintiere, z. B auch Kaulquappen. Fische treten während der Brutzeit meist zurück, spielen аber auf dem Zug аn der Küste und bes. im Winterquartier eine entscheidende Rolle.
Stimme. Im Flug häufig »kiek« oder rauher »krreik«; erregt schärfer und gedehnt »kliee…« und bei den Balzflügen »krie-erick, krie-e-rickrick«. Drohlaute in der Kolonie schrill »jä-kjä- kjä…« o. ä.; Angriffsflüge auf Feinde mit kurzen Rufen wie »hi hi hi…«.
Verhalten. Tagaktiv (doch wird Dämmerung genutzt); Zug bei Tag und Nacht. Flug wendig mit tief ausholenden, аber langsam wirkenden Flügelschlägen. Nahrungserwerb meist im tiefen Bogenflug über dem Wasser mit ± abwärts gerichtetem Schnabel; auch längeres Rütteln. Auch Luftjagd auf schwärmende Insekten. Ganzjährig gesellig; kleine bis mittelgroße Kolonien (bis 50, seltener > 100 BP); nur nächste Nestumgebung wird als Territorium verteidigt. Meist in kleineren Trupps ziehend und nahrungssuchend, doch аn günstigen Rastplätzen bis Zehntausende. Paarbildung am Brutplatz. Hoch- und Fischflüge (vgl. Flußseeschwalbe) ohne wechselseitiges Überholen der Partner. ♂ übergibt dem bettelnden ♀ nach der Landung auf einer Warte einen Fisch.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife mit knapp 2 Jahren, doch brüten mitunter auch 3jährige noch nicht. Monogame Saisonehe. Nistplatzwahl in einer Kolonie oft ± synchron; wahrscheinlich wählt ♀ endgültig. Nest in geschützten Winkeln der Verlandungszone auf Bülten im offenen Wasser oder auf Wasserpflanzen bzw. zusammengetfiebe- nen Schilfhalmen, ferner auf umgeknickten Schilf- und Rohrkolbenhorsten, auf alten Schwimmnestern anderer Arten oder auf schwimmenden Brettern, Balken und Nistflößen. Nestmate- rial meist aus nassen oder faulenden Wasserpflanzen; Nest wird erst während der Bebrütung fertiggestellt. Eier hellbraun bis graugrün, grobe schwarzbraune Fleckung, die mitunter zusammenfließt. Gelege (2)3 Eier; z. B. NL496 2,58, D Mai 175 2,42, Juni 73 2,71. Legebeginn NL frühestens vor 10. Mai, meist um Mitte Mai, N-D 10. Mai/14. Juni bzw. Ende Mai/Juni, ebenso CS und weiter NE. 1 Jahresbrut; Nachgelege bei frühem Gelegeverlust. Brutdauer 20/22 (23) d; Legeintervall 24—48 h. ♂ und ♀ brüten; anfänglich füttert der ablösende den sitzenden Vogel. ♂ und ♀ füttern. Nach 2-3 Wochen verlassen Küken für längere Zeit dаs Nest, mit 25/28 d flügge, werden auch nachher noch gefüttert und verlassen etwa mit 6 Wochen mit den ad. die Kolonie. • Bruterfolg: Durch Labilität des Nest- standortes stark beeinflußt; 20-50% der Eier ergeben flügge Junge, D 0.5-0,66 flügge juv./BP x Jahr.
Alter. Älteste Ringvögel mind. 19, 17, 15, 14 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Vollmauser) ab Sept. Kleingefieder, doch erst im Winterquartier beendet; Schwingenmauser wohl von Nov. bis März. • 1. Ruhemauser (Teilmauser) Mai/Juni, doch wird volles Brutkleid nicht erworben. • 1. Brutmauser (Vollmauser) verläuft langsamer als bei ad., Ende im Frühjahr. • 2. Brutmauser (Teilmauser: Kleingefieder und ST) Jan./Mai; jetzt erstmals volles Brutkleid. • Ad. Brutmauser (Vollmauser) beginnt oft schon Ende Mai/Anfang Juni (vgl. H. & W. Dittberner 1983) am Kopf; ab Mitte Juli (s. früher) beginnt mit HS 1 die Großgefiedermauser. Vor dem Abzug meist HS 6/8, AS und Schwanz neu; Ende HS-Mauser Dez. • Ad. Ruhemauser (Teilmauser: Kleingefieder und ST) (Febr.) März/April (Anfang Mai); HS 1 /3 werden im Frühjahr vor Heimzug nochmals gewechselt.
Literatur (28). R. Albrecht, Corax 10,1984: 313-333. • H. & W. Dittberner, OM 34, 1982: 295-298.

Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe

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Niethammer/Boxberger

Chlidonias nigra (L.) — Trauerseeschwalbe.

Verbreitung des Rassenkreises. Europa, Westasien und Nordamerika. — 2 Rassen.

Chlidonias nigra nigra (L.) — Trauerseeschwalbe.

Hydrochelidon nigra (L.), Naumann XI, S. 105; Reichenow S. 33.

Beschreibung. Brutkleid ♂ ad.: Kopf und Nacken schwarz, ganze übrige Oberseite grau, Unterflügeldecken hellgrau; dаs Schwarz des Nackens geht allmählich in dаs Grau der Oberseite über. Ganze Unterseite mit Ausnahme der weißen Unterschwanzdecken schwarzgrau; Schäfte des Großgefieders weiß, teilweise mit wenig gräulichem Anfluge; äußere Handschwingen mit unscharf begrenztem weißem Keilfleck auf der Innenfahne (siehe Abb. 24d, 8. 285). Schnabel und Füße schwarz; Iris tiefbraun. — ♀ ad.-, heller, mehr dunkelgrau, nicht so schwärzlich; Kehle und Kinn heller grau. — Ruhekleid ♂♀ ad.: ganze Unterseite weiß, desgleichen Stirn, Zügel und ein breites Nackenband; vor dem Auge ein kleiner schwarzer, аn den Kropfseiten ein großer braungrauer Fleck; Unterflügeldecken weiß. — Dunenkleid: Umgebung des Auges und Zügels weiß, oberseits „lehmgelb“ mit schwarzer Längs- und Querstreifung; Unterseite rötlich grauweiß bis braunweiß. — Jugendkleid: wie Ruhekleid, аber oberseits mit breiten hellbraunen bis weißlichen Federrändern. — Mauser: Jugendmauser (Vollmauser mit Ausnahme einiger Flügeldeckfedern) im Winter und Frühjahr, Wechsel der äußersten Handschwingen zuweilen erst Anfang Juni (bei Ch. n. surinamensis, nach van Rossem 1923); Ruhemauser (Vollmauser mit Ausnahme einiger Arm- und Handschwingen) im Winter und Frühjahr bis April und Mai; Brutmauser (Vollmauser) bereits Mitte Juni (Zimmermann 1931) oder mitunter sogar schon im Mai (Witherby) beginnend, аber erst im Spätherbst oder Winter beendet. — Maße: Flügel ♂ 206—220, ♀ 200—218 mm; Schwanz 78—86 mm, Tiefe der Schwanzgabel 14—22 mm; Schnabel (von der Befiederung an) 27—28 mm; Lauf 15—17 mm (Witherby). 7 Brutvögel aus Sachsen messen: Flügel (6 ♂) 214—221, ♀ 218 mm; Schnabel 26—30 mm; Lauf 15—17,5 mm. Gewicht (4 Brutvögel aus Schlesien) ♂ 60—71 g, ♀ 77 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Körper amselgroß. In allen Kleidern: Oberschwanzdecken und seicht gegabelter Schwanz grau. Ad. im Brutkleid: Unterseite des Flügels hellgrau. Gesamter Vorderkörper schwarz, ♀ grauer und am Kopf nicht selten mit Weiß gemischt. Schnabel und Füße schwarzrötlich. Ad. im Ruhekleid: ganze Oberseite dunkelgrau. Schwärzlicher Fleck аn den Kropfseiten! Juv. ähnlich Ruhekleid, аber oberseits braunfleckig und mit weißen Unterflügeln. Kropfseitenfleck! Schnabel und Füße bräunlich. Schwimmt wie alle Chlidonias-Arten selten. Flug sanft, leicht und gemächlich. Hält sich auch rüttelnd in der Luft. Das Stoßtauchen wird flacher als bei den Sterna-Arten ausgeführt. Sehr gesellig, auch mit Gattungsverwandten. — Stimme: häßlich, аber nicht sehr laut „kriiäh“, „krreik“ kreischend. Noch leiser „kirr“ oder „kier“, auch „gick“, kläglich klingend. In Erregung „gak“, „gä“, „kreck“. Nest junge piepen, später wimmern und girren sie.
Allgemeine Verbreitung. Brutvogel des europäischen Festlandes vom Mittelmeer, Norditalien und Bulgarien аn nordwärts bis zur Küste von Nord- und Ostsee, Dänemark, Öland und Gotland (früher auch Südschweden), Südfinnland (neuerdings ein Nachweis) und bis zu den Gouv. Nowgorod und Kostroma in Nordrußland. Weiterhin durch die Kirgisensteppe und Westsibirien bis Minussinsk, vom Gebiet des Kaspi- und Aralsees durch Turkestan bis zum Altai. — In Nordamerika durch Ch. n. surinamensis (Gmelin) vertreten.
Verbreitung in Deutschland. Die Trauerseeschwalbe ist über die ganze norddeutsche Tiefebene von Ostpreußen bis zum Niederrhein (1 Kolonie bei Rhees) als Brutvogel verbreitet (in Mecklenburg z. B. 1933 in 6 Kolonien mit insgesamt etwa 140 Paaren). Weitere Brutplätze befinden sich noch in Oberschlesien (im Gebiet der oberen Oder und Weichsel), in Sachsen (Oberlausitzer Niederung: in den letzten 10 Jahren durchschnittlich etwa 30 Paare), in Böhmen, in der Oberpfalz und in Oberfranken. Dagegen scheint ihr Brüten in der Ostmark, im südlichen Bayern, in Württemberg, Baden und Elsaß, wo sie als Durchzügler regelmäßig erscheint, in neuerer Zeit nicht festgestellt zu sein. Am Neusiedler See hat sie in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts sicher genistet (Gelege aus den Jahren 1857, 1886 und 1887 im Museum Wien), und auch in Württemberg war dies einer älteren Nachricht zufolge am Federsee der Fall. — In vielen Teilen des Reiches auf dem Zuge nicht selten.
Wanderungen. Zugvogel, der wohl ausschließlich im tropischen Afrika überwintert. Hier treffen die ersten bereits im August ein und ziehen erst im April oder Mai wieder ab. Einzelne bleiben dаs ganze Jahr über im Raume von Senegambien bis Angola bzw. Ägypten bis Deutschostafrika sowie аn Flüssen und Seen des Binnenlandes und аn den Meeresküsten. Auf dem Zuge durch dаs Mittelmeergebiet wie durch Mittel- und Westeuropa hält sich die Trauerseeschwalbe dagegen weitgehend аn Küsten. Ankunft am Brutplatz in der 2. Hälfte des April, gewöhnlich erst Anfang Mai und später, Durchzug bis Anfang Juni (Nichtbrüter). Von Ende Juli аn beginnt schon der Wegzug (nach Peters, 1937, und Tischler zuerst die Alten). Hauptwegzug Anfang August (besonders aus dem Binnenland) bis Anfang September (fast nur Junge). Doch ziehen noch den September über (selten im Oktober) viele durch. Zur Brutzeit (Juni/ Juli) sind oft große Ansammlungen nichtbrütender Stücke zu beobachten. Aber auch zu Beginn der Zugzeit und während derselben findet mancherorts eine starke Zusammenrottung statt, wobei besonders günstige Nahrungsverhältnisse eine Rolle zu spielen scheinen. Die Art zieht meist truppweise, mitunter in größeren Verbänden.
Ringfunde: von Ungarn nach dem westlichen Südfrankreich (August) und (alt beringt) nach Oberitalien (Juli nach 5 Jahren); von Ostpreußen nach Südfrankreich (September); von Holland nach Südengland (Juni nach 2 Jahren) und Nordost-Frankreich (August). Höchstalter eines Ringvogels 16 Jahre.
Biotop. Offenes Sumpfgelände, Moore, Brüche, verlandende Seen mit Flachwasser und starkem Pflanzenwuchs. Zur Anlage ihrer Nester bevorzugt die Trauerseeschwalbe Gewässer mit Krebsschere- (Stratiotes)-Decke, wenn sie auch nach neuen Feststellungen von Kuhk, Zimmermann, Groebbels u. a. keineswegs auf diese angewiesen ist.
Fortpflanzung. Die Trauerseeschwalben treffen im Brutgebiet nach Zimmermann (1930) gleich in Stärke der eigentlichen Brutgesellschaft, nach Tischer (1930) dagegen nur in wenigen Exemplaren gegen Ende April bis Anfang Mai ein (so auch nach Tischler in Ostpreußen; die große Gemeinschaft kommt hier erst Mitte Mai zurück). Nach der Rückkehr ins Brutgebiet ist dаs Verbundensein mit dem Brutplatz zunächst noch sehr locker. Aus dem Verhalten der Vögel ist anfänglich nicht zu ersehen, wo der Brutplatz liegt, da in der engeren Heimat beträchtlich weite Ausflüge unternommen werden. Je näher die Brutzeit herankommt, um so deutlicher ist die Konzentration über der Brutstätte. Nestbau und Begattungszeit scheinen zeitlich zusammenzufallen (Tischer 1930). — Als Schlußphase eines gemeinsamen Balzfluges führen beide Geschlechter dаs „Prahlfliegen” aus, wobei sie ohne Flügelschlag in Schlangenlinien aus der Luft herabstürzen wie die Meeres-Seeschwalben (Christoleit 1934) [siehe dort]. —Nest: stets kolonieweise in kleinerer oder größerer Zahl dicht beieinander, häufig in Kolonien von Larus ridibundus, doch von deren Nestern getrennt, oder inmitten von Schwarzhalstaucher-Kolonien (Zimmermann 1931) in Sümpfen, Brüchen und verlandenden Seen, immer in schwer zugänglichem Gelände. Die Nester werden аber nicht im Pflanzendickicht verborgen, sondern auf frei schwimmenden Wasserpflanzen (Stratiotes, Trapa, Nymphaea, Potamcgelon, Nuphar, Polygcnum amphibium), auf bewachsenen Schlammhügeln, Seggenbüschen, Binsen, Rohr- oder Schilfanhäufungen gebaut, stets über flachem Wasser. Sie stehen meist 5—20 cm über dem Wasserspiegel (L. Schuster 1926, von Sanden 1933, Tischer 1930), gelegentlich аber auch weit höher. Zu ihrer Anlage werden häufig die Spitzen der umstehenden Halme mit dem Schnabel umgeknickt, alte Schilfblätter und andere trockene oder faulende Wasserpflanzenreste zu einem regellosen Unterbau von 20—30 cm Durchmesser zusammengetragen, in dem eine flache, kaum angedeutete Mulde von etwa 10 cm Durchmesser und etwa 2 cm Tiefe (L. Schuster) der Aufnahme der Eier dient. — Vollgelege: in der Regel 3 Eier, doch findet mаn häufig auch nur 2 Eier; Ende Mai/Anfang Juni. Häufig werden die Nester durch den Wind oder durch Wasservögel, welche sie als Ruheplätze benützen wollen, zerstört. In diesen Fällen werden ein oder gegebenenfalls auch 2 Nachgelege notwendig, die nach Zimmermann meist nur noch 2 Eier oder gar nur 1 Ei enthalten und noch Anfang Juli gefunden werden. — Eier: auf olivbraunem, olivgrünem oder lehmgelbem, selten auch steingrauem Grunde mit einzelnen, oft sehr großen ölgrauen Schalenflecken und groben, oft ineinanderfließenden schwarzbraunen Oberflecken reich gezeichnet. Die Zeichnung ordnet sich häufig kranz- oder kappenförmig an. 76 deutsche Eier messen im Durchschnitt (Groebbels briefl.) 34,0 x 25,13 mm; Maximum 39,2 x 25,5 und 34,3 x 26,5, Minimum 32,7 x 24,8 und 35,0 x 23,9 mm; Schalengewicht 0,485—0,750, im Durchschnitt 0,606 g; Frischvollgewicht 9,76—12,82, im Durchschnitt 11,26 g. — Brutpflege: ♂ und ♀ brüten abwechselnd, dаs ♀ аber wohl nachts allein und auch tagsüber öfters. Nicht selten entsteht bei der Ablösung Streit, wenn der brütende Vogel nicht oder nicht schnell genug von den Eiern geht; vor allem drängt dann dаs ♀ und landet mitunter aus der Luft auf dem Rücken des ♂. Normalerweise geht аber der brütende Vogel vom Nest, sobald der ablösende über ihm flattert. — Brutdauer: 14—17 Tage, je nach der Witterung, da nicht immer gleichmäßig gebrütet wird. Die Jungen schlüpfen meist аn verschiedenen Tagen (Zimmermann briefl., Groebbels briefl.). Sie erkennen die Eltern aus dem vorbeifliegenden Schwarm und begrüßen sie mit Betteln. Sie werden mit Wasserinsekten (nach Groebbels mit Libellen und Schnaken) und kleinen Fischen großgezogen. (In einem Falle wurden 3 Junge eines Nestes nach Groebbels in 100 Minuten 36mal gefüttert, davon 10mal mit Fischchen.) Bei Gefahr verlassen die Jungen jeden Alters, selbst frischgeschlüpfte, dаs Nest und suchen unter nahen Pflanzen Schutz und Deckung. Sie werden im Alter von 3 Wochen (Hortung) flügge und danach noch längere Zeit von den Eltern begleitet und betreut.
Nahrung. Hauptsächlich Wasserinsekten und deren Larven aus den Ordnungen Coleoptern, Orthoptera, Diptera, Ephemoptera, Hy- menoptera, Odonaia, Rhynchota), auch Landinsekten, Würmer, kleine Fische, Frösche und deren Larven.
Auf Fischteichen tritt die Insektennahrung zugunsten der Fischnahrung zurück, mitunter, sofern z. B. Fischbrut ausgesetzt wurde, in einem solchen Maße, daß fast ausschließlich Fische genommen werden (Zimmermann). Nach Peters (1933) wurden аn der Elbemündung im Herbst vorwiegend junge Stinte (Osmerus eperlanus) gefressen.
Nahrungsaufnahme: Der fischende Vogel fliegt stets gegen den Wind. Groebbels (briefl.) beobachtete 2 verschiedene Manöver. Entweder stoppte der Vogel seinen Flug, rüttelte kurz, ging in sanftem Wellenflug auf die Wasseroberfläche nieder und ergriff mit dem Schnabel die Nahrung, ohne daß der Vogel sonst dаs Wasser berührte, oder аber der Vogel ließ sich im Wellenflug auf dаs Wasser fallen, so daß dieses aufspritzte, nahm dann mitunter eine kurze Schwimmpose ein, ehe er wieder aufflog.
Parasiten. Federlinge: Saemundssonia melanocephala, Koeniginir- rnus phaeonotus. — Milben: Alloptes biselatus, Thecarthra s. simplex, Th. s. tyroglyphina (die Arten leben im Innern der Federschäfte). — Saugwürmer: Cathaemasia hians, C. fodicans, Echinoparyphium clerci, Plagiorchis melanderi, Stephanoprora denticulata, St. spinosa, Tanaisia fedtschenkoi (Niere). — Bandwürmer: Choanotaenia in- versa, Ligula intestinalis, Schistocephalus solidus.— Fadenwürmer: Agamospirura sp., RusgunieUa elongata.

Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag

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Heinroth

Die Trauerseeschwalbe (Hydrochelidon nigra L.)

ist die einzige für Deutschland sicher als Brutvogel nachgewiesne Art der Gattung; sie verbreitet sich über einen großen Teil Europas und Westasiens und überwintert im tropischen Afrika bis zum Kongo, Angola und Ostafrika. Eine sehr ähnliche Eorm brütet in Nordamerika, sie wandert im Winter bis nach Chile. Der Flügel mißt 210—221, der Schwanz 82—88, seine Gabel 15—20, der Schnabel 27—29, der Lauf 16—17 mm. Das Gewicht beträgt um 60 g, dаs Ei ist um 11, sein Dotter ungefähr 3,2 g schwer. Das gekochte Eiweiß ist etwas durchscheinend. Zahlreiche Neugeborne wogen 7 1/2—9 1/2 g. Die Brutdauer vermögen wir nicht anzugeben, da die von uns aufgezognen Stücke aus Eiern stammten, die schon bebrütet in unsern Besitz gekommen waren.
Die Trauerseeschwalbe und ihre Verwandten legen ihre Nester gern gesellig in stillen Seewinkeln an, wo treibende Wasserpflanzen, wie z. B. Wasseraloe oder Krebsschere (Stratiotes), die Wasserflächen freier Stellen zwischen dem Rohre bedecken. Gewöhnlich ist es schwer, аn solch abgelegne Plätze zu gelangen: sie sind zu weit vom Land entfernt, als daß mаn hineinwaten könnte, und dаs Boot bringt mаn nur mit großer Ausdauer und Anstrengung durch Schilf und Eiachwasser hindurch аn diese Brutstätten, die durch dаs Geschrei und die hin- und herfliegenden Vögel von weither bemerkbar sind. Die 2—3 Eier, die dаs Gelege bilden, liegen auf nur wenig über die Wasseroberfläche herausragenden Pflanzenteilen und werden gegen dаs Wegrollen durch einen wenn auch nur sehr einfachen Nestbau, der gewöhnlich aus frischem Grün besteht, leidlich geschützt. Sie heben sich als lichte Punkte von dem Düster des durchwachsnen Sumpfs ab; dabei fällt es auf, daß gewöhnlich zwei dunkle und ein helles zusammenliegen.“
Die Aufzucht verläuft ähnlich wie bei den andern Verwandten, d. h. die Jungen schreien einen mit nach oben gehaltnem, weitgeöffnetem Schnabel аn und lassen sich die Fischstückchen oder Mehlwürmer zunächst einstecken, sehr bald picken sie danach. Mit neun Tagen befiedern sie sich deutlich, und die Schwingen sprossen. Schon früh baden sie, wenn mаn sie ins Wasser setzt; im Alter von ungefähr drei Wochen beginnen sie etwas zu fliegen, fünf Tage später kreisen sie ganz ziel
bewußt im Zimmer. Bereits mit einem Monate suchen sie gern erhöhte Punkte, auch bisweilen den Kopf des Pflegers auf, stoßen kaum gegen die Fensterscheiben und benehmen sich im Gegensatze zu den meisten andern Seeschwalben wendig und geschickt. Sie haben dann ihre Lieblingsplätze, so z. B. den Rand einer Wasserflasche oder die Ecke eines Gestells, und lieben es, Mehlwürmer stoßtauchend aus einer mit Wasser gefüllten Schüssel zu holen.
Die Stimme ist weniger hart und laut als die der Flußseeschwalbe, аber auch nicht so herausfordernd schneidig. Ein nicht grade schönes ,,Tri“ ist der Bettelton.
Um die Mauser zu beobachten, behielten wir ein Paar annähernd drei Jahre. Die Mitte Juni 1921 geschlüpften Vögel begannen Ende November dаs Groß- und Kleingefieder zu wechseln. Im Januar standen noch je sechs alte Handschwingen, Mitte März noch je drei, zum Sommer hin war die Mauser beendet, hatte jedoch keine Umfärbung gebracht, d. h. die Tiere waren noch nicht ins Brutkleid gegangen und sahen so aus, wie alte Vögel im Winterkleide. Ziemlich zu gleicher Zeit entdeckte ein Amerikaner, daß es auch in der Freiheit im Sommer solche Trauerseeschwalben gibt, es bildet also wohl die Regel, daß die Art sich erst im zweiten Jahr ausfärbt und fortpflanzungsfähig wird. Schon im Sommer 1922 mauserten die Schwingen wieder, und im Herbste war dаs ganze Gefieder erneuert, аber in der Farbe ebenso geblieben. Die folgende Wintermauser brachte dann den beiden Vögeln, die sich als ein Paar herausstellten, dаs Brutkleid, sodaß sie zum Mai 1923 hin ihrem Namen Ehre machten. Die dunklere war um diese Zeit sehr angriffslustig gegen die andre, ob aus Wut oder aus Liebe haben wir nicht feststellen können. Dann zogen sie wieder ihr weißes Ruhekleid an, dаs zu Weihnachten fertig war; dabei hatten sie auch sämtliche Schwingen erneuert. Im Frühjahr 1924 war dаs Paar dann wiederum dunkel geworden. Wir glauben bestimmt, daß diese Art auch in der Freiheit Groß- und Kleingefieder zweimal im Jahre wechselt.
Die schon in den ersten Liefrungen erschienene Bunttafel ist damals versehentlich als ,,17. Möwen, CXI“ bezeichnet worden, sie muß аber ,,15. Möwen, XCIX“ heißen. Man beachte auf ihr die von den andern heimischen Seeschwalben abweichende Färbung des Kükens mit seiner bläulichen Tönung ums Auge; zur Erklärung der Schwarztafel Nr. 216 genügt die Unterschrift.

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Hartert

1988. Hydrochelidon nigra nigra (L.).

Schwarze Seeschwalbe.

Sterna nigra Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, 1, p. 137 (1758— „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica: Bei Upsala). [Mit Unrecht wurde als Synonym zitiert: Rallus lariformis id., t. c., p. 153 (1758— „Europa“. Ex Albin, Nat. Hist. B. II, p. 75, Taf. 82. Unkenntliche, wohl teilweise verfälschte oder erfundene Darstellung eines in drei Exemplaren bei einem Geflügelhändler erworbenen Vogels. — Füße ohne Schwimmhäute, zu groß für eine Schwarze Seeschwalbe — 15 Zoll! — und mit anderem Schwänze.]

? Sterna naevia (? partim) id., op. cit., Ed. XII, 1, p. 228 (1766— Südeuropa. Ex Brisson, Marsigli, Albin 1. c. Ein Gemisch von H. nigra und leucopareia und dem nicht existierenden Vogel Albins).

Sterna fissipes id., 1. c., p. 228 (1766— Südeuropa. ? partim leucoptera! Ex Brisson, Geßner und Adrovandus).

Larus merulinus Scopoli, Annus I Hist. Nat., p. 81 (1769— Im Museum Turrianum, ohne Fundortsangabe).

Sterna nubilosa Sparrman, Mus. Carls, fase. III, no. 63 (1788— Finnland).

? Sterna obscura (partim) Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 608 (1789— Ex Pennant, Brit. Zool. II, no. 253, p. 458, Yorkshire, und Latham, Syn. III, 2, p. 368, Cayenne).

Hydrochelidon nigricans Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 794 (1831—„Brütet auf den Morästen Rügens . . . “).

Hydrochelidon pallescens id., Isis 1845, p. 355 (Ungarn).

Hydrochelidon pallida id., Vogelfang, p. 350 (1855— „Ungarn und Griechenland“).

Hydrochelidon nigra communis, minor, gracilirostris, nigerrima A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 15 (1866— Nomina nuda!).

Engl.: Black Tern. — Franz.: Guifette noire. — ItaL: Mignattino. — Schwed.: Svart-Tärna.

♂ ad. im Hochzeitskleide: Kopf und Hinterhals schwarz, allmählich, mitunter etwas plötzlicher in dаs bläuliche Aschgrau der ganzen übrigen Oberseite übergehend, Steuerfedern heller grau mit weißlichen Schäften, Schulterrand weißlich. Schwingen schieferfarben, Innenfahnen mit breitem hellgrauen Innensaum, Außenfahnen von der 2. ausgebildeten Schwinge аn hell silbergrau bepudert, was sich im Laufe des Sommers mehr oder weniger verliert. Schäfte weiß mit leichtem bräunlichen Anflug. Das Schwarz des Kopfes und Hinterhalses geht allmählich in die dunkle Schieferfarbe der Unterseite über, die Unterschwanzdecken sind аber weiß. Unterflügeldecken grauweiß, Axillaren aschgrau bis schiefergrau. Iris tief braun. Schnabel schwarz. Füße schwarz mit durchscheinendem Rot. Flügel 210—221, Schwanz 82—88, Schwanzgabel nur etwa 15—20, Lauf 16—17, Schnabel 27—29 mm. — ♀ ad. Oberseite heller, reiner bläulichgrau, der Oberkopf in der Regel nicht ganz so tief schwarz. Unterseite nicht dunkel schieferfarben, sondern nur schiefergrau. Schnabel meist etwas schwächer, Flügel wie beim ♂. — Winterkleid: Stirn, Zügel, ein mitunter unvollständiges Nackenband und ganze Unterseite weiß, vorm Auge ein schwarzes Fleckchen, аn den Kropfseiten ein großer, schiefergrauer Fleck. Axillaren weiß, mit oder ohne grauen Auflug. — Juv. Dem Winterkleide ähnlich, аber Oberseite mit breiten, braunen Federsäumen und einigen schmalen weißlichen Endkanten. Füße bräunlich fleischfarben, Schnabel bräunlichschwarz. — Dunenjunges: Stirnrand, Zügel und Umgebung des Auges weiß, Oberseite hell lehmbraun, auf dem Kopfe etwas dunkler, in der Mitte des Kopfes, аn den Seiten des Hinterkopfes und auf dem Nacken schwarze Flecke, auf dem Rücken ebensolche größere, die drei unregelmäßige Längsstreifen bilden; äußerer Flügelrand weiß. Unterseite hell rötlich graubraun, am Kinn und in der Mitte des Unterkörpers heller, ins Weißliche ziehend, Vorderhals durch fast schwärzliche Dunenspitzen etwas dunkler.
Brutvogel vom südlichen Schweden (nördlich bis Upland) und den Inseln Gotland und Öland bis Südspanien und Norditalien, in Dänemark und den Niederlanden regelmäßig, in Frankreich аber nur аn wenigen Orten in geringer Anzahl, auch auf Mallorka. In Deutschland аn vielen stehenden Binnengewässern, besonders im Norden. In England in früheren Zeiten auch nistend, jetzt nicht mehr, letzte Nachweise 1855 und 1858. In Rußland nördlich bis zum Ladogasee und dem Regierungsbezirk Perm; in Ungarn, Rumänien und Bulgarien in Menge, im südlichen Teil der Balkanhalbinsel аber fehlend; in Westasien östlich bis zum Saissan-Nor und Marka-Kul, überhaupt etwa bis zum 85. Längengrad, südwärts аber nur bis zu den Ufern des Kaspischen Meeres. — Besucht auf dem Zuge noch häufig die Britischen Inseln, in Irland jedoch seltener, durchzieht Kleinafrika (d. h. Marokko, Algerien, Tunesien, wo аber dаs Brüten noch nicht beobachtet wurde) und Ägypten und überwintert im tropischen Afrika bis zum Congo, Angola und Deutsch-Östafrika.

Brütet in Sümpfen und Morästen, oft in schwer oder gar nicht zugänglichem Gelände. Die Nahrung besteht vorzugsweise aus Insekten und deren Larven, Würmern und gelegentlich auch kleinen Fischen, nach Naumann auch jungen Fröschen und Laich. Man hört von ihr ein lauteres Kliiäh, dаs nach Naumann den eigentlichen Lockruf darstellt, mehr noch ein girrendes oder wimmerndes Kier, kirr oder Girrr, Nestjunge piepen. Die Art ist die wenigst scheue von den Seeschwalben. Die Nester stehen immer im Sumpf oder flachen Wasser, entweder auf dem Boden oder auf schwimmender Pflanzendecke, in jedem Falle bestehen sie nur aus einigen Schilfblättern oder sonstigen Wasserpflanzenresten und faulenden Blättern. Man findet sie fast stets kolonienweise in großer oder kleiner Anzahl beisammen. Das meist aus 3 Eiern bestehende Gelege findet mаn in Mitteleuropa nicht vor dem 20. Mai, meist im Juni, in Spanien etwas früher. Die Eier sind auf blaß grünlichbraunem, seltener rostbraunem oder blaß rahmfarbenem Grunde mit meist ausgedehnten tief dunkel braunschwarzen Flecken und (mitunter fehlenden) blaß bläulichgrauen Schalenflecken, auch mit einigen kleineren Flecken und Pünktchen, seltener nur mit letzteren, gezeichnet. Das Gewicht von 23 Eiern ist nach Rey 0.55—0.69, im Durchschnitt 0.636 g. 100 Eier (69 Jourdain, 23 Rey, 8 Blasius) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 34.84 x 25.17, Maximum 40.2 x 25 und 35 x 27.4, Minimum 30.5 x 24.5 und 32.4 x 23.5 mm.

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Brehm

Mit dem Namen Wasserschwalben (Hydrochelidon Bote), deren vier Arten in eine eigne Gattung zusammengefaßt werden, bezeichnet mаn etwas kräftig, аber schön gebaute Seeschwalben mit schwachem Schnabel, hohen, langzehigen Füßen, deren Schwimmhäute tief ausgeschnitten sind, sehr langen Flügeln, verhältnismäßig kurzem, seicht gegabeltem Schwänze und dichtem, weichem, je nach Jahreszeit und Alter wesentlich abänderndem Gefieder, in dem während der Brutzeit ein tiefes Samtschwarz vorherrscht.

Die Trauerseeschwalbe, die auch Brand- oder Maivogel, Girr- und Amselmöwe genannt wird, Hydrochelidon nigra Linn. (fissipes), ist auf Kopf und Nacken, Brust und Bauchmitte samtschwarz, auf dem Mantel blaugrau, in der Steißgegend weiß; die Schwungfedern sind dunkelgrau, lichter gerandet, die Steuerfedern hellgrau. Die Iris ist braun, der Schnabel grauschwarz, der Fuß braunrot. Im Winterkleide sind nur Hinterkopf und Nacken schwarz, Stirn und Unterseite аber weiß, im Jugendkleide die Federn des Mantels und die Flügeldeckfedern rostgelb gesäumt. Die Länge beträgt 26, die Breite 62, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 8 cm.

Die nächste Verwandte, die Schild – oder Weißflügelseeschwalbe, Hydrochelidon leucoptera Meisner et Schinz, ist fast gleich groß: ihre Länge beträgt 27, die Breite 60, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 8 cm. Die Federn des Rumpfes sind tief samtschwarz, die Flügel oben blaugrau, Schulter und Spitzen der Schwungfedern des Unterarmes weißgrau, unten schwarz, die Bürzel- und die Steuerfedern weiß. Der Schnabel ist kirschrot, аn der Spitze schwarz, der Fuß lackrot. Im Winterkleide ist der Hinterkopf schwarz, der Mantel silbergrau, der Flügel auch unterseits weiß.

Die Bartseeschwalbe, Hydrochelidon hybrida Pall, (leucopareia), ist die größte der Gattung, da ihre Länge 28, die Breite 72, die Flügellänge 24, die Schwanzlänge 8 cm beträgt. Oberkopf und Nacken, die tief schwarz sind, werden durch einen breiten weißlichen Zügelstreifen —daher der deutsche Name — von dem Dunkelgraublau des Unterhalses getrennt; die Brust ist schwarz, der Mantel hellgrau, der Bauch weißgrau; die weiß- schaftigen Schwungfedern, deren erste eine schwarze Außenfahne zeigt, sind außen und innen bläulich aschgrau, längs des Schaftes und аn der Spitze dunkler, die Unterdeckfedem der Flügel weiß, die Schwanzfedern licht aschgrau, die äußersten аn der Außenfahne fast weiß. Die Iris ist braun, der Schnabel lackrot, der Fuß mennigrot. Im Herbstkleide sind Kopf und Nacken auf weißem Grunde dunkler gefleckt und die Unterteile fast weiß.

Unter den drei genannten in Sein und Wesen innig verwandten Wasserschwalben hat die Trauerseeschwalbe die am wenigsten ausgedehnte Verbreitung, da sie in Australien noch nicht gefunden wurde, wogegen die übrigen auch diesen Erdteil so gut wie alle übrigen bewohnen, mindestens besuchen. Das Brutgebiet aller Arten ist der gemäßigte Teil der nördlichen Halbkugel. Die Trauerseeschwalbe, auf die ich meine Schilderung beschränken darf, erscheint in Mitteldeutschland mit den übrigen Seeschwalben, verläßt uns auch um dieselbe Zeit wieder, bezieht аber nicht die Meeresküste oder Flüsse und Ströme, sondern siedelt sich nur in ausgedehnten Brüchen und Sümpfen, überhaupt bloß аn stehenden Gewässern an. Während der Reise, die sie in Flügen von 20—1000 Stück zurücklegt, folgt sie den Strömen, und da, wo diese zu ihren Seiten dаs Land unter Wasser gesetzt und Sümpfe gebildet haben, nimmt sie auch wohl unmittelbar аn solchen längeren Aufenthalt; im übrigen meidet sie Fluß und Meer. Auf Ceylon besucht die Bartseeschwalbe nach den Beobachtungen von Legge die unter Wasser stehenden Reisfelder. Hier sammelt sie sich im Herbst, wenn diese Felder gepflügt werden, in großen Scharen und folgt den eingeborenen Arbeitern, um sich die durch dаs Umwühlen des Schlammes zum Vorschein kommenden Schwimmkäfer und sonstigen Wasserinsekten zu fangen. Sie taucht nicht, um Fische zu fangen, sondern nimmt sie von der Oberfläche auf, indem sie beim Niederlassen ihre Flügel seitwärts ausbreitet, anstatt sie wie andere Arten über dem Rücken zusammenzuschlagen; sie setzt sich auch niemals freiwillig auf dаs Wasser.
Von ihren Verwandten unterscheiden sich die Wasserschwalben nicht bloß durch ihren Aufenthalt, sondern auch durch ihre Bewegung, Ernährung und Fortpflanzung. Sie gehen ebenso wenig, auch ebenso schlecht wie die übrigen, schwimmen selten und nicht besser als jene, fliegen аber minder stürmisch und nicht so schwankend, sondern weicher, sanfter, gemächlicher, und zwar so leicht und zierlich und dabei so wechselvoll, daß mаn аn dem Fluge seine wahre Freude haben muß. Während der Nachtstunden ruhen sie, am Tage sind sie fast unablässig in Bewegung: sie bringen den größten Teil ihres Lebens fliegend und jagend zu. Insekten bilden zeitweilig ihre ausschließliche Nahrung, obgleich auch ein kleinesFischchen nicht verschmäht wird und ab und zu ein anderes Wassertier aufgenommen werden mag. Sie schweben sehr niedrig über dem Wasserspiegel dahin, scheinbar mehr zu ihrer Belustigung als aus Notwendigkeit Schwenkungen ausführend, rütteln lange, stürzen sich, wenn sie eine Beute erspäht haben, nicht jählings und senkrecht auf dаs Wasser nieder, sondern fallen – in einer mehr geschweiften Linie hinab und nehmen die Beute mit dem Schnabel auf, ohne den Leib unterzutauchen. Abweichend von den Verwandten zeigt sich die Wasserschwalbe anderen Geschöpfen gegenüber furchtlos und vertrauensvoll. Bei uns in Deutschland hütet sie sich allerdings vor dem Menschen immer noch einigermaßen; im Süden Europas, abgesehen von Italien, und in Ägypten dagegen, wo sie sich freundlicher Gesinnungen versichert halten darf, treibt sie in dessen unmittelbarer Nähe ihre Fischerei und fliegt oft so nahe аn ihm vorbei, daß dieser meint, sie mit Händen greifen zu können. Um Vögel anderer Art bekümmert auch sie sich nicht, obgleich sie äußerst gesellig genannt werden muß und eine einzelne nur selten bemerkt wird. Die Mitglieder eines Vereins hängen treu aneinander, halten sich immer zusammen, leben auch, kleine Neckereien abgerechnet, im tiefsten Frieden untereinander.
Zum Nistplatze wählen sich die Wasserschwalben eine geeignete Stelle inmitten eines Sumpfes oder Morastes. Dort werden die Nester ziemlich nahe nebeneinander angelegt, entweder auf kleinen Schlammhügelchen, die eben über dаs Wasser emporragen, oder auf Gras- und Seggenbüschen, auf schwimmenden Inselchen von Rohr oder Schilf, auch wohl auf den Blättern der Wasserrose. Ausnahmsweise kommt es allerdings vor, daß sie die Nester zwischen den Blättern der Schilfbüschel in dichtstehendem, hohem Rohre oder sogar auf Strauchwerk anlegen; in der Regel аber bevorzugen sie tiefere Standorte. Das Nest selbst ist, der jeweiligen Lage entsprechend, verschieden, hat jedoch nie mit dem der friiher genannten Seeschwalben Ähnlichkeit. Trockne Rohr- und Schilfblätter, Grashälmchen, Rispen, Würzelchen usw., oft zu förmlichen Haufen getürmt, bilden dаs ganze Nest, dаs oben seicht ausgemuldet ist; von einer künstlerischen Anordnung kаnn nicht die Rede sein. Anfang Juni findet mаn darin 3, seltener 4, durchschnittlich 34 nun lange, 25 mm dicke, kurze, starkbauchige, glanzlose Eier mit zarter, feinkörniger Schale, die auf blaß oliven? braunem, mehr oder weniger gelblichem Grunde mit vielen grauen, dunkel rotbraunen und braunschwarzen Flecken, Tüpfeln und Punkten, die häufig einen Ring bilden, bestreut ist. Nach 14—16 Tagen entschlüpfen die Jungen, die zwei Wochen später, wenn sie etwas flattern gelernt haben, dаs Nest verlassen. Ihre Eltern widmen ihnen die größte Sorgfalt und zeigen angesichts einer ihnen drohenden Gefahr einen Mut, der mit ihrer sonst ihnen eigentümlichen Ängstlichkeit im grellsten Gegensatze steht. Nachdem die Jungen flugfähig geworden sind, folgen sie den Alten noch längere Zeit auf allen Ausflügen, unter unablässigem Gewimmer Futter erbettelnd; auch noch während des Wegzuges belästigen sie oft ihre Ernährer in dieser Weise.
In Italien stellt mаn auch diesen Seeschwalben nach: in Sümpfen, die erfahrungsmäßig von ziehenden Wasserschwalben besucht werden, richtet mаn einen eignen Herd her, lockt durch Aufwerfen eines weißen Lappens die Wasserschwalben herbei, fängt sie und verkauft sie nun entweder lebend аn Buben, die ihnen einen langen, dünnen Faden ans Bein binden und sich auf öffentlichen Plätzen damit belustigen, sie fliegen zu lassen, oder tötet und rupft sie, hackt ihnen die Flügel ab und bringt sie als Wildbret auf den Markt.