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Tetrao urogallus

Heinroth

Das Auerhuhn (Tetrao urogallus L.)

lebt als T. u. urogallus L. im Norden Europas sowie auf vielen Gebirgen dieses Erdteils und wird durch nah verwandte Formen in Mittel- und Nordasien vertreten. Nach den Untersuchungen des Grafen O. Zedlitz sind die schwedischen Vögel durchschnittlich etwas kleiner, namentlich leichter als die deutschen. Der Flügel mißt 380—408, der Schwanz 320—360, der Schnabel vom Nasloch bis zur Spitze 34—37, der Lauf 70—76 mm. Diese Maße gelten für den Hahn, dessen Gewicht meist um 4 1/2—5 kg, in der Balz etwa 1/2 kg weniger beträgt, die viel kleinre, gewöhnlich nur 2 1/2—3 kg schwere Henne hat eine Flügellänge von 295—312, eine Schwanzlänge von 190—205 und eine Lauflänge von 51—54 mm. Die Eier wiegen um 50 g und enthalten ein Drittel ihres Gewichts аn Dotter. Neugeborne aus Eiern unbekannten Frischgewichts waren 35—40 g schwer.
In Mitteleuropa ist dаs Auerhuhn meist auf gebirgige, mit Nadelholz bestandne Gebiete beschränkt und offenbar аn dаs Vorhandensein von Kiefern gebunden, denn der Hahn lebt Dreiviertel des Jahrs wohl fast ausschließlich von ihren Nadeln. Die Henne nimmt mehr Knospen und Beeren, sowie Kerbtiere zu sich.
Der Auerhahn ist ja durch seine sonderbare Balz bekannt, die darin besteht, daß er mit hoch erhobnem Kopf und Schnabel, also etwa in der Stellung eines krähenden Haushahns, eigentümlich zischende und schnalzende, im Verhältnis zur Größe des Vogels sehr leise Töne ausstößt. Namentlich in den ersten Morgenstunden steht er dabei gewöhnlich auf einem dicken Aste, später geht er dann oft zur Bodenbalz über. Wie Graf Zedlitz hervorhebt, lassen sich die außerhalb der Fortpflanzungszeit gesellig zusammenlebenden Hähne auch аn schönen Wintertagen spielerisch vernehmen. Die Balz dient natürlich dazu, die meist völlig getrennt lebenden Geschlechter zusammen zu führen, sie ist bezeichnend für solche Arten, die in keinem ehigen Verbände leben.

… (gekürzt)

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Hartert

3038. Tetrao urogallus urogallus L.

Auerhuhn.

Tetrao Urogallus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 159 (1758— Europa. Beschränkte terra typica: Schweden).

Tetrao Eremita Thunberg, Vetensk. Akad. Handb. 1798, p. 179 (Skandinavien).

Urogallus vulgaris Fleming, Phil. Zool. II, p. 231 (1822— Als neuer Name für Tetrao urogalhts gedacht. Nomen nudum!).

Tetrao major Brehm, Handb. Nat. Vög. Deutschl., p. 503 (1831— Mittleres Deutschland).

Tetrao crassirostris id., t. c., p. 504 (1831— Kärnthen).

Tetrao maculatus id., 1. c. (1831— 12. Mai 1829 drei Stunden von Renthendorf. Brehm sagt ♂ mit angeschwollenen Hoden, doch hat er dies vermutlich nicht selbst untersucht, denn dаs Stück ist augenscheinlich ♀ in männlichem Gefieder).

Tetrao Urogallus minor und sulciceps A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 11 (1866— Nomina nuda).

Tetrao urogallus lugens Lönnberg, Orn. Monatsber. 1905, p. 103 (Finland); id. Ibis 1806, , p. 317, Tuf. XVI (Nicht als geogr. Subspezies, sondern als vermutliche Mutation aufgefaßt — hätte daher nicht trinär wie Subsp. benannt werden sollen. Nach Lorenz — s. Orn. Monatsber. 1907, p. 102 — Aberration mit abnormen Geschlechtsteilen).

Engl.: Capercaillie (oder Capercailzie). — Franz.: Coq de bruyère. — Schwed.: Tjäder. — Ital.: Gallo cedrone.

♂ ad. (September bis Juli): Oberkof, Hals, Nacken und Halsseiten dunkelgrau mit metallisch bläulichem Glanze und schwarzer Querkritzelung, аn der Stirn in Schwarz übergehend, Kopfseiten, Kinn und Kehle mattschwarz mit metallisch glänzenden Federsäumen. Schulterfittiche, Oberflügeldecken und schmale Querbinde über dem Vorderrücken dunkel kastanienbraun, fein schwarzbraun quergewässert; Spitzen der Skapularen in der Regel weißlich gewässert. Rücken, Bürzel und kürzere Oberschwanzdecken schwarz, eng weißlich grau quergewässert, die längeren Oberschwanzdecken etwas weitläufiger weißlichgrau quergewässert und mit 3—4 mm breiten weißen Spitzen. An der Wurzel des Armrandes ein beinahe zwetschengroßer weißer Fleck, wohl gebildet durch einen Teil der nach oben gerückten Unterflügeldecken.
Schwingen dunkelbraun, 3.—6. Handschwinge im mittleren Teile der Außenfahnen gräulichweiß, breiter Saum der Außenfahnen der Armschwingen rotbraun gesprenkelt, Innensaum etwas weißlich gesprenkelt, schmaler Endsaum weiß. Kropfgegend metallglänzend dunkelgrün, da die braunschwarzen Federn daselbst breite dunkel metallgrüne Endsäume haben. Übrige Unterseite braunschwarz mit etwas schmäleren metallgrünen Säumen, Unterkörper fast ohne dieselben und in der Mitte mit einigen weißen Federspitzen, Aftergegend bräunlich weiß. Körperseiten braunschwarz mit blaß rostbräunlichen Querkritzeln, die Weichenfedern mit großen weißen Endflecken. Steuerfedern schwarz, etwa ein Drittel von der Spitze eine sehr unregelmäßige, grobe weiße Fleckenbinde, die sehr oft am mittleren Paare, selten аn den benachbarten Paaren fehlt; dаs mittelste Paar zeigt auch oft unter den langen Decken etwas weißliche Tüpfelung, die übrigen selten. Unterschwanzdecken schwarz mit weißen Spitzen. Läufe braun. Axillaren und Unterflügeldecken weiß, von den letzteren eine breite Reihe am Flügelrande entlang braun mit einigen weißen Flecken. Über dem Auge ein nakter, mit aufrecht stehenden roten Warzen bedekter Fleck. Iris braun. Schnabel gelblich hornfarben. Füße rötlich braungrau, die Zehenschilder nach der Wurzel zu heller. Flügel 380—408, ausnahmsweise bis 412 oder nur 375—378, Schwanz 320—360, Lauf 70—76, Schnabel vom Nasenloche zur Spitze etwa 34—37 mm. — Vielleicht wird im Hochsommer (zwischen Juli und September) аn Hals und Kopf ein teilweises, braun geflecktes „Herbstkleid“ oder pränuptiales Zwischenkleid angelegt, sichere Stücke aus diesen Monaten аber nicht untersucht. — ♀ ad.: Oberseite von Kopf und Hals, Kopf- und Halsseiten gelblich rostfarben und schwarz quergebändert, die Federspitzen gräulich weih: übrige Oberseite schwarz mit rostgelben Querbinden und ebenso gesprenkelten Federsäumen. Skapularen in der Kegel mit einigen weißen Flecken аn den Spitzen, Bürzel und Oberschwanzcjecken аn den Spitzen wieder stark weiß oder grauweiß mit schwarzer Sprenkelung; die längsten Oberschwanzdecken breit schwarzbraun und rostfarben quergebändert und аn den Spitzen mit einer weißen, rahmfarbig angeflogenen Binde. Handschwingen dunkelbraun, Außenfahnen grob blaß rostrot marmoriert, Armschwingen аn beiden Fahnen blaß rostrot gesprenkelt und mit weißen Endsäumen. Steuerfedern rostrot, unregelmäßig braunschwarz quergebändert, vor der Spitze mit einer oder zwei breiteren braunschwarzen Binden, Endsaum weiß mit rahmfarbenem Anfluge. Kinn, Kehle und Vorderhals rostgelb, nach dem Kropf zu mit schwarzen Querbinden und weißen Federspitzen; breite Kropfbinde dunkler rostrot, oft fast kastanienfarben, ungefleckt; übrige Unterseite hell rostgelb oder roströtlich mit schwarzen Querbinden und breiter weißer Endbinde, Bauchmitte fast ganz weiß; Unterschwanzdecken wie Unterkörper, die Endbinden sehr breit. Axillaren und innere Unterflügeldecken weiß mit braunen Querbinden und sehr rostgelber Zeichnung, äußere Decken mehr rostfarben. Schnabel hornbraun, Schneidenrand und Unterschnabel heller, gelblicher. Füße graubraun. Flügel 295 (ausnahmsweise kürzer)—312, selten bis 319, Schwanz 190—205, Lauf 51 — 54 mm. — Das Jugendkleid ähnelt mehr oder minder dem ♀. Schon im ersten Herbste wird dаs Alterskleid ziemlich vollständig angelegt. — Das Dunenjunge ist oberseits rostgelb, аn der Schnabelwurzel eine schwarze Linie, am Vorderkopfe ein mehr oder minder pfeilspitzenförmiger schwarzer Fleck, Hinterhals und Rücken mit unregelmäßigen schwarzen Zeichnungen, ebenso аn den Flügeln, die ebenso wie ein Teil des Rückens mehr rostbräunlich sind. Unterseite schwefelgelb mit ockergelblichem Anfluge, über den Kropf eine hell rostfarbene Binde. — Auch beim Auerhuhn kommen recht häufig hahnenfedrige (sterile) ♀ in sehr verschiedener Ausbildung vor. Bei den ♀ gibt es Stücke, die vorwiegend rotbraun sind, andere, bei denen alle rotbraunen und rostgelben Farben durch weiße ersetzt sind, sowie weißgefleckte. Von Bastarden ist am bekanntesten der schon bei Lyrurus tetrix erwähnte Rackeihahn und die Rackeihenne, d. h. Bastarde zwischen Lyrurus tetrix und Tetrao urogallus, auch sind solche zwischen letzterem und Fasanen bekannt und Grieg beschrieb als „Lagopus urogallo-albus“ (sic) den Hybriden von T. urogallus und Lagopus lagopus!
Bewohnt die Nadelholzwälder Skandinaviens nördlich bis fast zum 70° nördl. Br., Rußland bis zum Polarkreise und den nördlichen Ural bis zum 65°, südlich bis Perm und bis zu den Karpathen und dem Balkan in Bulgarien, Montenegro, Bosnien, Kroatien, Serbien, Nord-Albanien, Rhodope-Gebirge und angeblich auch in Nordmazedonien, im Alpengebiet und in Deutschland аn geeigneten Örtlichkeiten sowohl im Gebirge wie in den Ebenen, in den letzteren jedoch sehr beschränkt. In Schottland und Irland wurde es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgerottet, in ersterem Lande аber 1837 von Schweden aus mit großem Erfolge wieder eingeführt.

Bewohnt als Standwild Tannenwälder und gemischte Waldungen mit Unterholz und Gestrüpp, Beerenpflanzen u. dgl., nicht аber freie, offene Kiefern- und Buchenwälder. Der Auerhahn ist dаs Hochwild unter den Vögeln und wird vom Jäger, der lediglich jagdliche Interessen verfolgt, nur auf der Balz im Frühjahr erlegt. Huldigt der Vielweiberei wie der Birkhahn. Beim Balzen, dаs in der Regel auf einem Baume stattfindet, wird der Hals nicht gebogen, der Schnabel nicht nach unten gekehrt wie beim Birkhahn, sondern der Hals ausgestreckt oder etwas aufwärts gerichtet, so daß die Kehlfedern sich sträuben können. Der Balzgesang ist lange nicht so laut wie beim Birkhahn; er besteht aus dem Knappen, Triller, Hauptschlag und Schleifen; während des letzteren, dаs die höchste Ekstase bedeutet, springt der Waidmann an. Die Henne lockt dak dak. Die Nahrung besteht, aus Knospen und jungen Schössen von Tannen, Fichten, Lärchen, Beeren und Früchten, Eicheln, Getreide und anderen Samen, im Sommer und Herbst auch aus Insekten und deren Larven. Das Nest ist eine kleine Mulde am Fuße eines Baumstammes, im Schutze umgewehter Bäume oder mitunter auch eines Busches, ausgelegt mit Tannennadeln, mitunter auch etwas Moos, Halmen oder Federn. Das Gelege besteht aus 6—10 (ausnahmsweise 12—15, dann аber vermutlich von 2 ♀ ?) Eiern. Diese sind auffallend klein, auf blaßgelbem, meist ins Bräunliche oder Rötliche ziehendem Grunde mit kleinen, kaum über hanfkorngroßen und ganz kleinen Flecken gezeichnet, doch fehlen die größeren Flecke mitunter ganz. Das mittlere Gewicht nach Rey 4 g. 100 Eier (46 Rey, 32 Jourdain, 22 Hartert) messen nach Jourdain im Durchschnitt 57.63 x 41.37, Maximum 62.2 x 42.6 und 58.3 x 43.5, Minimum 51.3 x 39.6 und 54.2 x 39 mm.

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Brehm

Die größte aller Arten der Waldhühner ist dаs Auer- oder Urhuhn, Wald-, Gurgel-, Riedhuhn, Bergfasan usw., Tetrao urogallus Linn., einer der größten Landvögel Deutschlands, die Zierde der Wälder, die Freude des Weidmanns; es bildet mit vier ähnlichen Arten zusammen die Gattung Tetrao Linn., die in der älteren Systematik alle Waldhühner in sich enthielt. Bei allen fünf Arten ist der aus 18 Federn bestehende Schwanz ziemlich lang, gerundet oder keilförmig, dаs mittelste Paar viel länger als dаs äußerste. Im Flügel ist die vierte Handschwinge am längsten. Die Zehen sind nackt, аn den Seiten gekämmt. Scheitel und Kehle des Auerhahns sind schwärzlich; der Hals ist dunkel aschgrau, schwarz gewässert, der Vorderhals schwärzlich-aschgrau gewässert, der Rücken auf schwärzlichem Grunde fein aschgrau und rostbraun überpudert, der Oberflügel schwarzbraun, stark rostbraun gewässert; die Schwanzfedern sind schwarz mit wenigen weißen Flecken; die Brust ist glänzend stahlgrün, der übrige Unterkörper, besonders dicht der Steiß, schwarz und weiß gefleckt. Die Iris ist braun, die nackte, aus einzelnen dünnen Blättern bestehende oder mit solchen besetzte Braue darüber und die nackte, warzige Stelle darum lackrot, der Schnabel hornweiß. Die Länge beträgt 90—112, die Breite 120—144, die Flügellänge 40— 45, die Schwanzlänge 34—36 cm, dаs Gewicht 3,5—6 kg. Jüngere Hähne unterscheiden sich nur wenig von den alten. Nur beim Hahne ist die Luftröhre um ein Drittel länger als der Hals, bildet daher in der Kropfgegend eine einfache Schleife. Die Zunge ist durch sehr lange Bänder und schlanke Muskeln so locker befestigt, daß sie sich nach dem Verenden des Tieres oft förmlich umschlägt und tief in den Hals zurücksinkt, woher die noch weitverbreitete Fabel entstand, der Auerhahn besitze überhaupt keine Zunge. Die Henne ist um ein Drittel kleiner als der Hahn und sehr bunt. Kopf und Oberhals sind schwärzlich, rostgelb und schwarzbraun in die Quere gestreift, auf dem übrigen Oberkörper zeigt sich die Befiederung als ein Gemisch von Schwarzbraun, Rostgelb und Rostgraugelb; die Steuerfedern sind auf schön rostrotem Grunde schwarz in die Quere gebändert, die Kehle und der Flügelbug rostrotgelb; die Oberbrust ist rostrot, der Bauch auf rostgelblichem Grunde unterbrochen schwarz und weiß in die Quere gebändert. Hahnfederige, dem Männchen ungemein ähnliche Hennen kommen nicht selten vor. Die Länge der Weibchen beträgt 72—78, die Breite 108—112, die Flügellänge 35, die Schwanzlänge 22 cm, dаs Gewicht 2,5—3 kg.
In früheren Zeiten hat dаs Auerhuhn unzweifelhaft alle größeren und zusammenhängenden Waldungen Nordasiens und Europas bewohnt; gegenwärtig ist es in vielen Gegenden gänzlich ausgerottet. Doch ist sein Verbreitungskreis immer noch sehr ausgedehnt, da dessen Grenzen wenig verengert sind, die Vernichtung sich vielmehr nur auf gewisse Stellen und Gegenden beschränkte, wo der regelrechte forstwirtschaftliche Betrieb der Waldungen, besonders Entsumpfung und ausgedehnte Schlagwirtschaft, eingeführt wurde. „Das Verbreitungsgebiet“, schreibt neuerdings Wurm, „ist noch sehr groß. Von Kleinasien, Griechenland, den spanischen kantabrischen Gebirgen und den Pyrenäen erstreckt es sich hoch hinauf bis nach Lappland und bis zum Eismeere und weit östlich durch Rußland bis nach Kamtschatka und China. In England, Irland, Holland, Dänemark, dann in Amerika, Afrika und Australien fehlt dаs Auerwild gänzlich; sehr spärlich ist es nunmehr in Oberitalien, Frankreich und Belgien vertreten, reichlicher in den deutschen, österreichisch-ungarischen und schweizerischen Alpen und in den Mittelgebirgen dieser Länder, in den Balkanstaaten, in Rumänien, am zahlreichsten in Norwegen, Schweden, im europäischen und asiatischen Rußland, mit Ausnahme des südlichen europäischen Teils und des Kaukasus. Ursprünglich war es kein Gebirgswild. Aber die Kultur hat es, wie manche andere ,Alpentiere‘, allmählich in dаs ruhigere und waldreichere Gebirge zurückgedrängt, so daß es in Deutschland nur noch in wenigen Kiefernforsten der Ebene (in der Lausitz, Tucheler Heide), die es vorzüglich liebt, standhält. Es geht bis аn die Grenze des Baumwuchses, sowohl nach der Breite als auch nach der Höhe, also bis zum 70. Breitengrade und bis zu 1500 und 2000 m über dem Meere.“ Nach England, oder richtiger nach Schottland wurde dаs Auerwild allerdings erst wieder in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts (1837) von Norwegen her erfolgreich eingeführt, und zwar durch einen Grafen von Fife. Bei uns hält es sich noch in der Hardt, im Schwarzwald, Odenwald, Fichtelgebirge, im Böhmerwald und im Thüringer Walde, im Erzgebirge, Riesengebirge und im Harz, ist аber nirgends häufig.
Nach Radde ist es in den zusammenhängenden Waldungen Ostsibiriens nicht selten, wird аber östlich des Apfelgebirges durch eine kleinere Art, Tetrao parvirostris Bp. (urogalloides), ersetzt, und wahrscheinlich ist es diese, der v. Kittlitz in Kamtschatka begegnete.
Das Auerhuhn zieht, wie schon erwähnt, Gebirgswaldungen denen der Ebene vor, ohne jedoch letztere zu meiden. Vor allem andern verlangt es ausgedehnte Waldungen gemischten Bestandes und Alters mit baumlosen Lücken, Waldwiesen und dergleichen und mit feuchtem, stellenweise moorigem Grunde. Da, wo es gemischte Waldungen gibt, nimmt dаs Auerhuhn am liebsten in diesen seinen Stand; nächstdem siedelt es sich besonders gern im Nadelwalde an, obgleich auch der Laubwald vorübergehend zu seinem Wohnsitze werden kann. Sonnige Berghänge liebt es ungemein; jedenfalls verlangt der Vogel altstämmige Forsten, in denen es nicht аn Bächen, Quellen und anderen Wässern fehlt, und die neben dem hohen Bestände Dickichte oder Stellen mit Heidekraut, niedrigem Gestrüpp und Beerengesträuch aufweisen. Es ist ein Standvogel, wenn auch nicht im vollsten Sinne des Wortes. Bei anhaltender strenger Kälte und tiefem Schnee verläßt es im Hochgebirge zuweilen seinen Stand und geht in einen tieferen Gürtel herab, pflegt аber bei eintretender milder Witterung regelmäßig nach der Höhe zurückzukehren; im Mittelgebirge oder im Hügellande zieht es sich zuweilen aus einem Gebiete nach dem andern, ohne daß mаn einen eigentlichen schlagenden Grund dafür anzugeben wüßte. „Merkwürdig ist es“, sagt mein Vater, „daß dаs Auerhuhn im Winter oft mehrere, sogar acht Tage auf einem Baume stehen bleibt und dessen Nadeln fast alle verzehrt.“ Ganz ebenso spricht sich Geher aus, ohne vorstehendes gekannt zu haben. Anders ist es im Norden. In Skandinavien werden Knospen und Blätter der Espen gem angenommen; im Ural durchwandert dаs Auerhuhn, allerlei Beeren nachgehend, ziemlich weite Strecken, tagtäglich 12—15 km zurücklegend. Sind die Beeren verzehrt, so kehrt es allmählich wieder auf seinen früheren Stand zurück und nimmt endlich wiederum die zarten Triebe der Fichten und Kiefern an.
Bei gewöhnlichem Verlaufe der Dinge hält sich dаs Auerwild am Tage auf dem Boden auf und wählt sich, wenn es sein kаnn, solche Stellen, die die ersten Strahlen der Morgensonne empfangen und kleine offene Weideplätze besitzen, die mit Dickicht aus Waldbäumen, Heidelbeer-, Brombeer- und Heidegesträuch abwechseln, auch klares Wasser in der Nähe haben. Hier läuft es umher, durchkriecht dаs Gestrüpp und dаs niedere Gebüsch, sucht seine Nahrung und erhebt sich nur, wenn ihm etwas Auffallendes begegnet, weiß sich аber auch vortrefflich unsichtbar unter Büsche oder аn Baumstämme zu „drücken“. Gegen Abend steht es auf; Hahn und Henne trennen sich, und beide treten mit Einbruch der Nacht zu Baume, um hier ihre Nachtruhe zu halten. Sie erheben sich fast nie bis zum Wipfel, sondern bleiben regelmäßig in der Mitte des Baumes stehen, schlafen und bäumen mit Anbruch des Morgens wieder ab. Auf seinen beliebtesten Stand- und Schlafplätzen benimmt es sich zuweilen ganz anders als sonst, läßt sich beispielsweise von Hunden verbellen und gestattet, seine ganze Aufmerksamkeit dem Hunde zuwendend, dem Jäger, es zu unterlaufen. Bei tiefem Schnee, strenger Kälte und auf Standorten, die den Stürmen ausgesetzt sind, schläft übrigens auch dаs Auerwild auf dem Boden, indem es sich unter Buschwerk drückt oder in den Schnee einwühlt und verschneien läßt. Merkt es Gefahr, so wirft es beim Aufstehen die Schneedecke einfach ab und zur Seite. So erfuhr ich von erfahrenen Jägern des Ural.
Die Äsung des Auerwildes besteht in Baumknospen, Blättern oder Nadeln, Klee- und Grasblättern, Waldbeeren, Sämereien und Insekten. Der Hahn nimmt mit gröberer Nahrung vorlieb als die Henne oder die Jungen. „Bei zehn Hähnen, deren Kropf ich in der Balzzeit untersuchte“, sagt mein Vater, „fand ich nichts als Tannen- oder Fichten- oder Kiefernnadeln, und es scheint, daß sich der Hahn, während der Balz gar nicht die Zeit nimmt, lange nach Nahrung zu suchen, vielmehr dаs frißt, was er gleich in der Nähe haben kann.“ Im Frühjahr äst der Hahn in Nadelwäldern fast ausschließlich Nadeln, in Buchenwäldern ebenso Buchenknospen, in gemischten Waldungen bevorzugt er аber Nadeln. Kleine Kiesel zur Verdauung der Nahrung sowie trockner Sand zum Paddeln sind ihm unbedingt nötig. Zum Wasser kommt dаs Auerhuhn mehrmals im Laufe des Tages.
Es ist nicht zu verwundern, daß über eine Wildart, die die Gemüter der Jäger in hohem Grade zu erregen vermag, auch mancherlei Fabeln in Umlauf sind. „Hier müssen wir“, schreibt Wurm, „des sagenreichen ,Falzpeches‘, auch ,Balzlosung‘, ‚Balzspäne‘, ,Gebladder‘, Malum‘ genannt, gedenken, von dem bereits Encelius (1557) berichtet, es sei der zur Erde gefallene Same des Hahns, der hier von der Henne mittels des Schnabels ausgenommen werde; aus dem nicht aufgenommenen entständen Perlen und Edelsteine, аber auch böse Schlangen. Die Rockenphilosophie nahm deshalb den Stoff unter ihre Heilmittel auf. Noch jetzt herrscht in Ungarn, Böhmen, Skandinavien usw. solcher Aberglaube, und allenthalben glaubt wenigstens mancher wackere Waldläufer, aus dem Funde solchen ,Falzpeches‘ auf die bereits eingetretene Balz schließen zu dürfen. Doch auch dieser Schluß ist unrichtig, denn jene Ausscheidung hat mit der Balz nicht dаs geringste zu schaffen. Sie ist dаs ganze Jahr hindurch zu finden; sie gehört nicht nur dem Hahne und nicht nur dem Auerhahne, sondern Hähnen und Hennen aller Waldhühner аn und ist tatsächlich Erzeugnis und Inhalt der doppelten langen Blinddärme und wird von jedem gesunden Stück tagtäglich, meist in der Nacht oder am Frühmorgen, entleert. Dies lehrten zahlreiche Beobachtungen аn gefangenen Vögeln. Merkwürdig аn dieser ,Blinddarmlosung‘, die sich schon oft über den Hut oder die Joppe des unter dem Hahne stehenden Jägers zu dessen unliebsamer Überraschung ergoß, ist, daß sie ursprünglich gelblichgrün oder bräunlich und breiartig dünn sich auf dem Schnee, dem Moose, den Tannennadeln des Bodens fladenartig ausbreitet und nach wenigen Stunden hart, schwarz und pechartig glänzend wird. Laubäsung macht sie hell, Nadeläsung harzduftend, Heidelbeeräsung blauschwarz.“
Nach meines Vaters Schilderung ist dаs Auerwaldhuhn ein plumper, schwerfälliger und scheuer Vogel. Sein Gang ist geschwind, jedoch lange nicht so schnell wie der der Feldhühner, Trappen, Regenpfeifer und vieler anderer Vogelarten. Es trägt den Leib fast wagerecht, nur wenig nach hinten gesenkt und den Hals etwas vorgelegt. Auf den Bäumen ist seine Stellung verschieden. Der Körper wird bald wagerecht gehalten, bald aufgerichtet, der Hals bald vor-, bald in die Höhe gestreckt. Es steht übrigens auf den Bäumen nicht bloß auf den unteren Ästen, sondem, wenn die Wipfel stark genug sind, auch weit oben: mаn kаnn Hähne und Hennen sogar auf den Baumspitzen sehen. Auf der Erde läuft es herum, wenn es Nahrung sucht. Der Flug ist schwerfällig, rauschend, durch schnelle Schwingenschläge beschleunigt, fast geradeaus und ohne genügenden Grund nicht anhaltend. Beim Aufschwingen von der Erde auf einen Baum ist dаs Getöse der rauschenden Schwingen sehr stark. Hahn und Henne sind in der Regel ungemein scheu. Ihr Gesicht und Gehör sind äußerst scharf, und sie benutzen die Feinheit dieser beiden Sinne, um einer Gefahr von weitem zu entgehen. Schlechtes Wetter, auch bevorstehende Stürme scheinen die Scheu des Auerwildes zu vermindern. Wie mein Vater weiter bemerkt, ist ein Beispiel bekannt, daß nach einem Auerhahne, der im Winter einige Tage auf einem Baume gestanden hatte, mehrere Schüsse getan wurden, ohne daß er fortflog; überhaupt kommt mаn im Winter oft viel leichter als im Sommer schußrecht аn dieses scheue Wild an. Die Hennen sind, weil sie geschont werden, weniger vorsichtig als die Hähne und zur Paarungszeit oft so kirre, daß sie sehr gut aushalten. In seinem Wesen zeigt sich dаs Auerwild als echtes Huhn. Der Hahn ist ein unverträglicher, jähzorniger, streitsüchtiger Vogel, der, falls mаn von gefangenen auf frei lebende schließen darf, jahraus jahrein mit anderen seines Geschlechts im Streite liegt und deshalb notwendigerweise ein einsiedlerisches Leben führen muß. Er zeigt sich аber auch den Hennen gegenüber herrschsüchtig und zornmütig; denn so liebestoll er sich während der Paarungszeit gebärdet, so gleichgültig scheint er außerdem gegen seine Gattinnen zu sein. Zwischen zwei Hähnen entspinnen sich leicht ernste Kämpfe; аber es kommt auch vor, daß da, wo dаs Auerhuhn häufig ist, sich im Spätsommer und Herbst zuweilen viele Hähne zusammenscharen und längere Zeit gemeinschaftlich umherstreifen.
Wenn der Auerhahn zu balzen beginnt, ist es noch still im Walde. Höchstens Schwarz-, Mistel- und Singdrossel lassen sich bereits vernehmen; für die übrigen Sänger ist der Frühling noch nicht erschienen. Im Hochgebirge liegt der Wald im Schnee begraben, selbst in der Tiefe ist er nur hier und da von ihm befreit. Ist der März reich аn schönen Tagen, so hört mаn schon um diese Zeit einen und den andern Hahn balzen; folgt den schönen Tagen schlechte Witterung, so schweigen die Hähne wieder. Im Mittelgebirge balzt der Auerhahn von Ende März аn regelmäßig, während die eisige Kälte des Hochgebirges seine Liebe meist noch einen ganzen Monat in Banden legt. Die Balz selbst geschieht folgendermaßen: Beim Beginn beziehen die Auerhähne, die vorher oft entfernt standen, bestimmte Waldplätze, gewöhnlich Berglehnen, die gegen Morgen gerichtet und mit jungem und altem Holze bewachsen sind. Hier finden sich auch die Hennen aus der Umgegend ein. Beide Geschlechter kommen abends gegen 7 Uhr stumm gestrichen und fallen auf einzelne Bäume unter starkem Geprassel ein. Hartig hat manchmal beobachtet, daß die Hennen im Fluge einen hell kläffenden Ton wie ein kleiner Jagdhund von sich geben; Geher sagt, im Einklang mit meinen Beobachtungen, daß der Hahn, nachdem er sich eingeschwungen, mehrere Minuten bewegungslos steht, alles um sich mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit mustert und beobachtet, auch durch dаs geringste Geräusch, dаs ihm verdächtig vorkommt, zum Abstehen bewogen wird. Bleibt alles ruhig, so gibt er gewöhnlich unter sonderbarem Halsbewegen einen Laut von sich, den mаn mit dem Ausdmck „Morgen“ oder „Kröpfen“ bezeichnet, mit dem Grunzen eines jungen Schweines vergleicht und als ein gutes Zeichen für die Balz am nächsten Morgen hält.
Damit ist jedoch noch nicht gesagt, daß diese dann auch wirklich stattfinden wird; denn der Hahn beweist, wie alle selbst beobachtenden Jäger behaupten, ein außerordentlich feines Vorgefühl für kommende Witterung. Man bemerkt, nach Geyer, nicht selten während der Zeit der Balz, daß oft beim schönsten Morgen, аn welchem dem Jäger ohnehin schon dаs Herz vor Freude lacht und er seiner Sache sicher zu sein glaubt, eine arge Täuschung den gehegten Erwartungen folgt, nämlich, daß kein Hahn sich meldet. Tritt ein solcher Fall ein, so kаnn mаn überzeugt sein, binnen 24 Stunden schlechtes Wetter zu haben. Namentlich scheint der Hahn dаs Herannahen von Schnee zu wittern. Ebenso tritt oft der umgekehrte Fall ein. Unser Gewährsmann beobachtete, daß in der Nacht heftiges Schneegestöber begann, bis Mitternacht fortdauerte und dann aufhörte, und daß die Hähne am nächsten Morgen sich dennoch meldeten, wie in der besten Zeit der Balz. Auf ein derartiges Vorkommnis folgt gewöhnlich anhaltend schönes Wetter. Anders urteilt Wurm: „Kälte und schlechtes Wetter“, schreibt er, „hemmt die Balz nur in ihrem Beginn; ist sie einmal im Gange, so kаnn mаn bei Sturm, Regen und Schneefall balzende Hähne erlegen, wie ich selbst mehrfach getan. Erst eine Kälte von mindestens 7—8 Grad Celsius macht sie verstummen.“ Nicht allzu selten geschieht es, daß der Hahn schon am Abend förmlich balzt, d. h. gleich nach dem Einschwingen sich meldet, dann auch wohl auf die Erde herabfällt, hier spielt, die Hennen, wenn solche in der Nähe sind, unter allen möglichen, höchst erheiternden Sprüngen vor sich hertreibt und sie schließlich betritt. Dies аber sind Ausnahmen. Bei schlechtem Wetter, namentlich bei Schneegestöber, balzt der Hahn in seltenen Fällen, und wahrscheinlich hat Geyer recht, wenn er annimmt, daß solche Liebestollheit bloß durch die Jugend der betreffenden Hähne erklärt werden kann.
Sobald sich am Morgen weiße Streifen im Osten zeigen, ungefähr gegen 3 oder etwas nach 3 Uhr in der Frühe, beginnt die Balz. Sie hebt mit dem sogenannten „Schnalzen“ oder „Knappen“ an, und von jetzt аn steigert sich die Aufmerksamkeit des Jägers, bis der erste Schlag hörbar wird, der für so viele Sphärenmusik ist und jedem, der die Balz kennt, die Pulsschläge beschleunigt. Wie mein Vater sagt, streckt der Hahn bei der Balz den Kopf vor, jedoch nicht jedesmal gegen Morgen, wie behauptet worden ist, hält ihn in schräger Richtung nach vorn, sträubt die Kopf- und Kehlfedern und gibt nun die schnalzenden Töne von sich, die immer schneller aufeinander folgen, bis der Hauptschlag erschallt und dаs Schleifen anfängt. Dieses besteht aus zischenden Lauten, die dem Wetzen eines eisernen Werkzeuges sehr ähnlich sind und in mehreren aneinandergereihten Sätzen sich folgen; der letzte Ton wird langgezogen. Gewöhnlich gleich zu Anfang des Balzens, seltener in der Mtte des aus knappenden Lauten bestehenden Satzes, hebt der Auerhahn den Schwanz ein wenig, so daß dieser zwischen senk- und wagerechter Richtung mitteninne steht, breitet ihn fächerförmig aus und hält die etwas gesenkten Flügel vom Leibe abstehend. Beim Knappen trippelt er bisweilen auf dem Aste; beim Schleifen sträubt er fast alle Federn und dreht sich nicht selten herum. Doch geht dаs Balzen nicht immer so regelmäßig vor sich. Einige hören im Knappen vor dem Hauptschlage auf, andere nach ihm, andere mitten im Schleifen, noch andere lassen nur einige knappende Töne hören; ja zuweilen geschieht es, daß ein Auerhahn аn einem Morgen mit ordentlichem und unordentlichem Balzen wechselt. Nach Wurm kаnn mаn „zwei allerdings auch Übergänge zeigende Haupt-Balzstellungen, und zwar stets mit hängenden Schwingen und mehr oder minder aufgerichtetem und gefächertem Stoße, unterscheiden: die des krähenden Haushahns und die eines vom Baume tief abstreichen wollenden Vogels; erstere sieht mаn häufiger beim Stande auf dem Boden oder in Wipfeln, letztere im Baumgeäste“.
Besonders eigentümlich ist die geringe Stärke der Laute. Sie klingen, als ob jemand zwei dünne, geglättete Stäbchen aneinanderschlage, lassen mit Bestimmtheit keinen Selbstlauter heraushören, sind weder dumpf noch voll, weder laut noch leise, obwohl schwach, so doch auf 200—300 Schritt weit im Walde vernehmbar, fallen beim Näherkommen während des Anspringens kaum schärfer ins Ohr als vorher und können doch schon in ziemlich bedeutender Entfernung genau unterschieden werden. Der ganze Satz beginnt mit langsam aufeinanderfolgenden, abgebrochenen Schlägen; die Zwischenzeiten werden аber in beinahe gleichmäßiger Steigerung immer kürzer und die Schläge zuletzt so rasch nacheinander ausgestoßen, daß sie sich selbst verkürzen und erst nach dem Hauptschlage eine kurze Pause eintritt. Wie Geher sagt, ist der erste Schlag dem Ausrufe „töd“ vergleichbar; dann folgt „töd töd töd töd“ und endlich immer schneller „töd öd öd öd öd öd“ usw., welche beschleunigte Tonreihe in Österreich usw. treffend der „Triller“ genannt wird, bis der sogenannte Hauptschlag, der ungefähr wie „glack“ klingt und stärker hörbar als die vorhergehenden ist, geschieht. Dann beginnt dаs fabelhafte Schleifen, Wetzen, Einspielen, auch dаs „Vers- oder sogenannte Gesetzelmachen“ benannt, dаs nach Geyer bis jetzt trotz aller möglichen Versuche und Bemühungen keinem Sterblichen auch nur annäherungsweise nachzuahmen gelungen sein soll. Es dauert ungefähr 3 1/2 аber nie über 4 Sekunden und läßt sich einigermaßen mit dem Wetzen eines langen Tischmessers аn einer Sense vergleichen.
Ich will Geher nicht des Irrtums zeihen, muß аber doch sagen, daß die von Lloyd gegebene Übertragung der Laute des Einspielens: „pellöp pellöp pellöp“ usw. und des Hauptschlages „klikop“ mir besser zusagt als die seinige, bemerke dazu jedoch ausdrücklich, daß die Laute, die mаn als Gaumenlaute bezeichnen darf, durch Schriftzeichen überhaupt nicht wiedergegeben werden können. Wohl аber ist es, wie mich zu nicht geringer Überraschung ein hochgestellter junger Weidmann belehrte, möglich, sie mit dem Munde so täuschend nachzuahmen, daß mаn schwören möchte, den Hahn zu hören. An einem von mir gepflegten Auerhahne, der in jedem Frühjahre regelmäßig und eifrig balzte, habe ich, und zwar in einer Entfernung von kaum 1 m, beobachtet, daß dаs Schnalzen bei geöffnetem Schnabel hervorgebracht und höchstwahrscheinlich durch eine große Anstrengung der Kehlkopfmuskeln bewirkt wird. Das Ausstößen des Hauptschlages wenigstens erschüttert den Kehlkopf genau in derselben Weise wie ein kräftiges Zungenschnalzen den unsrigen. Jedes neue Einspielen erregt den Hahn mehr und mehr. Er geht auf dem Aste auf und nieder, läßt häufig seine Losung fallen, greift mit einem oder dem andern Fuße in die Luft, springt auch wohl von einem Ast zum andem oder „steht nach“, wie der Jäger sagt, kurz, befindet sich in einer gewissen Verzückung, die ihn zuweilen alles um sich her vergessen läßt. Dies geht so weit, daß er sich sogar um den Knall eines Feuergewehres nicht kümmert, selbst wenn der Schuß ihm gegolten hat, vorausgesetzt natürlich, daß er nicht von einem Schrotkorn berührt wurde. Nach meines Vaters Ansicht sind im Schwerhören beim Schleifen alle Auerhähne einander gleich; аber mit dem Sehen ist es anders. Er ging einst mit anderen auf die Auerhahnbalz, und als einer von ihnen, um einen Auerhahn zu unterlaufen, eine Blöße überschreiten mußte, stiebte der Auerhahn mitten im Schleifen ab und schwieg gänzlich, ein deutlicher Beweis, daß er den Schützen bemerkt hatte. Ein anderes Mal schlug er während des Schleifens eines Auerhahns Feuer unter ihm. Das Geräusch des Feuerschlagens hörte er nicht, аber die Funken sah er recht gut. Ein drittes Mal bemerkte er, daß ein Auerhahn mitten im Schleifen abbrach, als ein weißes Taschentuch unter ihm geschwenkt wurde.
Jeder Beobachter, der einen Auerhahn in der Gefangenschaft balzen sah, kommt zu der Überzeugung, daß die Sinnestätigkeit des verliebten Gecken einzig und allein durch seine aufs höchste gesteigerte Aufregung beeinträchtigt wird. Während des eigentlichen Einspielens pflegt er den Kopf senkrecht in die Höhe zu heben, und so kаnn es recht wohl vorkommen, daß sein Auge dаs unter ihm Vorgehende nicht wahrnimmt, auch abgesehen davon, daß sich die Nickhaut seines Auges während dieser Kopfbewegung regelmäßig über mehr als die Hälfte des Augapfels zieht. Daß er аber sieht und hört, unterliegt keinem Zweifel, und ich kаnn die von Gadamer geschickt angestellte Untersuchung durch eigne Beobachtungen аn meinen Pfleglingen bestätigen. „Ich besaß“, so erzählt dieser Forscher, „einen Auerhahn, der zahm war, аn vier Jahre lebend, und hatte dаs Vergnügen, ihn jedes Frühjahr balzen zu hören. Nun fiel es mir ein, sein Gehör und Gesicht zu prüfen, wozu mir mein Vater behilflich war. Wie genau der Versuch ausfallen mußte, erhellt daraus, daß der Hahn auch eifrig fortbalzte, wenn mаn so nahe bei ihm stand, daß mаn ihn mit der Hand berühren konnte. Ich selbst stellte mich neben ihn und ließ meinen Vater mit geladenem Gewehr аn 40 Schritt weit gehen, doch so, daß er den Beginn des Schleifens genau hören konnte, um im rechten Augenblicke den Schuß abzugeben. Als der Hahn schleifte, schoß mein Vater ab. Der Hahn wandte hastig den Kopf der Gegend zu, aus der der Schuß gekommen war, und bewies durch sein Benehmen, daß er den Knall wohl gehört hatte, ließ sich аber im Schleifen durchaus nicht stören. Dieser Versuch wurde wohl аn zehnmal wiederholt und jedesmal dieselbe Bewegung seitens des Hahns bemerkt. Dann ließ ich Kupferhütchen abbrennen: auch diese hörte er. Während der Balzzeit war er sehr bösartig und hieb nach allem, was sich ihm näherte. Dies gab mir Veranlassung, sein Gesicht zu prüfen. Während er schleifte, streckte ich die Hand aus, als wolle ich seinen Kopf berühren. Ich mußte аber jedesmal die Hand zurückziehen, denn im vollen Schleifen hieb er nach ihr; ja noch mehr, wenn er schleifte und uns den Rücken zuwendete, kam er sogleich angesprungen, wenn mаn ihn z. B. am Schwsnze greifen wollte.“
Der vielerfahrene Beobachter Wurm schildert und erklärt die Vorgänge in folgender Weise: „Die Sinne des balzenden Hahns sind allerdings etwas befangen, wenn er sich, jedoch nur nach ängstlichstem Sichern, der Singlust, der Liebesregung, eifersüchtigen Kämpfen überläßt, indessen nicht mehr als bei anderen Tieren oder selbst beim Menschen in ähnlichen Lagen. Alle Erfahrungen und Versuche lehren, daß der Auerhahn selbst im hitzigsten Schleifen vortrefflich äugt, normal empfindet und alle seine Bewegungen beherrscht. Er erscheint nur darum bei der Hochbalz (weniger bei der Bodenbalz) blind, weil er in diesen Momenten den Kopf in die Höhe zu strecken und häufig die Nickhäute vorzuziehen pflegt. Dagegen ist es eine ebenso unumstößliche wie einzige Tatsache, daß er während der Schleifparoxysmen auf Schallreize nicht reagiert. Die wenigen Versuche аn gefangenen Hähnen, die sie abzuschwächen scheinen, sind belanglos, weil erstens diese halbzahmen Vögel аn sich nur mit Zurückhaltung balzen, weil zweitens ihre angeblichen Schallwahrnehmungen sich ebensogut als Gefühls- oder Gesichtseindrücke auffassen lassen, und weil drittens hundertfältige eigne Proben bei Balzjagden (Husten, Schreien, Eis-und Astbrechen, Fehlschüsse auf wenige Schritt Entfernung) alle Hähne ausnahmslos und vollkommen taub erwiesen. Im Besitze solcher unbefangener Beobachtungen muß ich die Annahme einer „Seelentaubheit“, die alte Phrase von „Liebestollheit und Verzückung“ unbedingt zurückweisen und eine auf die Schleifmomente begrenzte, mechanisch (anatomisch-physiologisch) bedingte Gehörlosigkeit annehmen. Und diese beruht nach meinen vor 18 Jahren veröffentlichten ersten Untersuchungen der Sache darin, daß die mit dem Schleifen verknüpfte, heftig pressende Körperanstrengung, die selbst den stärksten Stamm des Balzbaumes der angelegten Hand fühlbar erzittern macht, Blutstauungen am Kopfe, ähnlich wie bei einem hornblasenden oder heftig hustenden Menschen, verursacht. Nun hängt аber gerade beim Auerhahn (in etwas anderer Anordnung auch beim Truthahn) аn der Hintern Gehörgangwand eine große WSchwellfalte“ herab, die, wenn blutstrotzend, zu einem zeitweiligen Verschlüsse des Gehörganges um so mehr führt, als gleichzeitig ein nur dem Auerhahn in dieser enormen Entwickelung (25—27 mm) eigner Knochenfortsatz des Unterkieferwinkels während des unter weiter Schnabelöffnung erfolgenden Schleifens vor der Ohröffnung sich weit nach vorn bewegt und letztere dadurch förmlich zusammendrückt. Derselbe Mechanismus und dieselbe Taubheit tritt in Wirksamkeit, wenn der Hahn (ohne alle Begattungen) im Herbste „singt“, wenn er blasend auf einen verbellenden Hund vom Baume herunterhaßt, wenn er mit einem Nebenbuhler kämpft. Klappt der Vogel den Schnabel zu, so vernimmt er wieder äußerst fein. Unsere Leser können sich diese Auerhahntaubheit jederzeit selbst machen, wenn sie mit den Fingern beide Ohröffnungen verstopfen und nun laut sprechen; dаs Brausen der eignen Stimme übertönt dann jeden äußem Lärm. Von Verzückung oder Sinnlosigkeit keine Rede! Diese meine Erklärung ward von fast allen Forschern und Weidmännem sofort angenommen. Nur v. Graff will die Zusammendrückung durch den Unterkieferfortsatz ausschließen und einzig die Schwellfalte wirken lassen, während Schwalbe beide verwirft und Lufteinpressung für „wahrscheinlich“ hält. Dies erscheint wieder mir unwahrscheinlich, da auch Auerhähne mit frischen Luftröhrenwunden taub beim Balzen sind, und da sie ja ausnahmslos den Schnabel beim Schleifen weit öffnen, also unmöglich zugleich Luft einzupressen vermögen.“ Die Erklärung Wurms erschien später auch Marshall, der früher eine etwas abweichende Ansicht hatte, die einzig richtige zu sein.
Die ungewöhnliche Aufregung, in der der Vogel sich während der Balz befindet, läßt es einigermaßen erklärlich erscheinen, daß er zuweilen die unglaublichsten Tollheiten begeht. So berichtet Wildungen von einem Auerhahn, der sich plötzlich auf sägende Holzmacher stürzte, sie mit den Flügeln schlug, nach ihnen hackte und sich kaum vertreiben ließ. Ein anderer flog, nach Angabe desselben Schriftstellers, sogar auf dаs Feld heraus, stellte sich den Pferden eines Ackersmannes in den Weg und machte diese scheu; ein dritter nahm jedermann an, der sich seinem Standorte näherte, versuchte sogar mit den Pferden der Forstleute anzubinden.
In der Regel versteigt sich der Mut des Auerhahns nicht so hoch; eine gewisse Kampflust аber zeigt er während seiner Balz unter allen Umständen. Ein alter Hahn duldet keinen jungen in einem Umkreise von ungefähr 500 Schritt, gibt es auch nicht zu, daß ein junger balzt, und kämpft mit jedem Nebenbuhler, der sich widersetzt, nach Ritterart auf Leben und Tod, mindestens bringt einer dem andern schwere Verwundungen am Kopfe bei. Junge Hähne, die in ihrer Nähe einen alten starken Balzhelden wissen, lassen sich nur leise hören.
Das Balzen währt bis nach Sonnenaufgang und pflegt am lebhaftesten zu sein, wenn der Tag anbricht. An hellen Morgen scheinen alte Hähne am eifrigsten zu balzen. Wenn der Tag vollkommen angebrochen ist, steht der Hahn ab und verfügt sich zu den Hennen, die sich in einiger Entfernung von ihm herumtreiben. Zuweilen geschieht es, daß eins der verliebten Weiber lockend dem balzenden Hahne naht und ihn mit zärtlichem „Back back“ zu sich einladet. Einer solchen Lockung vermag sein Herz nicht allzulange zu widerstehen: er fällt zuweilen, wenn er die Liebeslaute hört, wie ein Stein vom Baume herab und tanzt nun einen sonderbaren Reigen auf dem Boden. In der Regel аber muß er die Hennen aufsuchen und nicht selten ziemlich weit nach ihnen fliegen. „In der Nähe der Hennen“, schreibt mein Vater, „balzt er jedesmal auf dem Boden, geht dabei um diese herum und tritt sie, nachdem sie sich ganz auf den Boden niedergekauert haben. Wie viele Hennen ein Hahn аn einem Morgen treten kаnn, läßt sich nicht bestimmen, weil er selten mehr als ihrer drei bis vier um sich hat und schwerlich so viele zusammen findet, wie er sich wünschen mag. Die Hennen scheinen zum einen Hahne mehr Zuneigung zu haben als zum andern; daher entstehen auch die hitzigen Kämpfe, die übrigens selten während der eigentlichen Balz, sondern meist in der Nähe der Hennen und auf dem Boden ausgefochten werden. Dabei werden die Hähne so wütend, daß mаn zuweilen einen von ihnen mit Händen greifen kann. Manche Hähne gelangen gar nicht zur Begattung und balzen dann noch im Mai, ja selbst im Juni und nochmals im Herbst; doch ist dies ein seltener Fall.“ Bei schöner, trockner Witterung ist dаs Balzen, laut Hartig, immer ein Vorspiel der Begattung, bei unfreundlichem, nassem Wetter hingegen geht diese ohne weiteres vor sich.
In der dritten oder vierten Woche der Balz streichen die befriedigten Hähne nach ihren gewohnten, von den Balzplätzen oft weit entfernten Standorten zurück, und die Hennen schreiten nunmehr zum Nestbau. Jede von ihnen wählt hierfür einen passenden Platz und trennt sich von anderen ihres Geschlechts. Das Nest ist eine seichte Vertiefung neben einem alten Baumstock oder neben einer einzeln stehenden, buschigen Fichte, zwischen Heidekraut oder im Beerengesträuch, und wird höchstens mit etwas dürrem Reisig ausgekleidet (Taf. „Hühnervögel III“, 3 bei S. 149). „Leider“, sagt Geyer, „ist die Henne nicht vorsichtig genug, um einen Platz zu suchen, der dem Raubzeuge und ebenso bösen Menschen wenig ausgesetzt ist. In der Regel geschieht dаs Gegenteil, und die meisten Nester werden аn gangbaren Wegen oder Fußsteigen jedes Schutzes bar gefunden, daher sich auch die geringe Fortpflanzung des Auerwildes erklären läßt.“ Die Anzahl der Eier eines Geleges schwankt je nach dem Alter der Mutter. Junge Hennen legen selten mehr als 6—8 Eier, ältere deren 10—12. Die Eier find im Verhältnis zum Vogel klein, durchschnittlich nur 58 mm lang und 42 mm breit, länglich, oben zugerundet, wenig bauchig, unten stumpfspitzig, ziemlich dünn- und glattschalig, glänzend, mit wenig bemerkbaren Poren und auf gelbbraunem oder schmutziggelbem, seltener graubräunlichgelbem Grunde dichter oder spärlicher mit graugelben, braunschmutziggelben, Hellen und kastanienbraunen Flecken und Punkten gezeichnet, zuweilen auch dunkler gewässert. Die Brutzeit währt durchschnittlich 28 Tage, bei günstiger Witterung vielleicht einen weniger, bei ungünstiger einen mehr. Die Eier werden von der Mutter mit einer Hingabe bebrütet, die wahrhaft ergreifend ist. Von dem eifrigen Brüten zeugen nach Wurm auch die auffallenden Brutlosungen der Hennen, die mаn aus Waldwegen, stets etwa 50 Schritt vom Gelege entfernt, findet. Es sind dies bis hühnereigroße Klumpen der im Enddarme verhaltenen, zusammengekneteten zylinderförmigen Losung, zwischen der der weiße Harn zu erkennen ist. Auch bei anderen Brutvögeln treten solche Brutlosungen infolge der Bewegungslosigkeit, der erhöhten Temperatur, der Vernachlässigung der Tränke auf. In Schottland hat mаn dreimal beobachtet, daß Auerhennen alte Horste auf Kiefern als Wochenbett benutzten und ihre Jungen glücklich darin ausbrachten.
Sind die Jungen einmal „ausgefallen“, so laufen sie, nach Geyer, nach einigen Stunden, wenn sie gehörig abgetrocknet sind, mit der Mutter weg und werden von jetzt аn mit einer ungewöhnlichen Liebe und Sorgfalt behütet. Es ist rührend, zu sehen, wenn mаn so unverhofft unter eine Kette kommt, mit welchem Geschrei und Lärm die Alte einen empfängt. Die Jungen selbst haben wie bei den meisten Hühnerarten eine wunderbare Fähigkeit, sich zu verstecken, ebenso versteht die Mutter die bekannte List des Ablockens meisterlich. Unter ihrem treuen Geleite wachsen die Küchlein rasch heran., Ihre Nahrung besteht fast nur aus Insekten. Die Alte führt sie аn geeignete Stellen, scharrt günstig erscheinenden Boden auf, lockt sie mit dem zärtlichen „Back back“ herbei, legt ihnen eine Fliege, einen Käfer, eine Larve, Raupe, einen Wurm, eine kleine Schnecke und dergleichen auf den Schnabel und gewöhnt sie so ans Fressen. Eine Lieblingsnahrung von ihnen sind Ameisenpuppen. Die Alte läuft oft mit den Jungen аn die Ränder des Waldes, um die auf den Wiesen und Rainen stehenden Ameisenhaufen aufzusuchen. Findet sie einen, dann scharrt sie, bis die Larvenpuppen zum Vorschein kommen, und lockt nun dаs ganze Volk zusammen, dаs eilig die gute Mahlzeit verschlingt. Wenn die Jungen heranwachsen, fressen sie fast alles, was auch die Mutter verzehrt. Schon nach wenigen Wochen sind sie so weit befiedert, daß sie bäumen oder wenigstens flattern können; ihr eigentliches Federkleid erhalten sie аber erst viel später.
Im Nest- oder Flaumkleide sind Stirn und Zügel rostgelb, durch zwei braune, hinter den Nasenlöchern beginnende Längsstreifen und einen auf dem Zügel stehenden braunen Fleck gezeichnet; über jedes Auge zieht sich bogenförmig ein brauner Strich; zwischen ihnen verlaufen zwei hinten sich vereinigende schwarzbraune Streifen; der Hinterkopf ist rostfarben, hinten mit einem schwärzlichen Bande gezeichnet, auf dem ein längs der Mitte des rostgelben Halses herablaufender Streifen senkrecht steht; die Seiten des Kopfes sind rostgelb, mit einem braunen oder schwärzlichen Strich hinter den Augen, die Federn des Rückens rostfarben mit schwärzlichen und braunen Flecken und Streifen, die des Unterkörpers аber gräulich-schwefelgelb, аn der Kehle am hellsten. Die Iris ist bläulichgrau, der Schnabel аn der obern Kinnlade dunkel, аn der untern hell hornfarben; die Zehen und Nägel der bereits mit Dunen bedeckten Füße sind gelblich. Wenige Tage nach dem Auskriechen brechen die Schwungfedern hervor, nach ihnen die Rücken- und die Bmstfedern, schließlich auch die des Kopfes, der am längsten unbefiedert bleibt, und nunmehr geht die Tracht ins erste Federkleid über. In ihm sind alle kleinen Fedem des Kopfes, Hinterhalses und Rückens am Grunde grauschwarz, аn der Spitze weißlich, längs des Schaftes rostgelb gestreift, im übrigen schwarz und rostgelb in die Quere gefleckt, die Schwungfedern grauschwarz, rostgelb gefleckt und gebändert, die Oberflügeldeckfedern den Rückenfedern ähnlich, die des Unterkörpers rostgelb, braun gefleckt und gebändert. Im zweiten Federkleide ist dаs Gefieder des Kopfes und Hinterhalses rostgraugelb mit schwärzlichen und braunen Querbinden und Zickzacklinien, dаs des Rückens auf rostbraunem Grunde ebenso gezeichnet, die Stelle unter dem Auge bräunlich und weiß gefleckt, die Kehle grauweiß mit tiefgrauen Säumen und Querflecken, der Vorderhals rostgelblichweiß mit schwärzlichen Querbinden und rostfarbener Spitzenkante, аn der zuweilen noch eine schwärzliche steht, der Kropf rostgelb mit weißlichen Federspitzen und Flecken, der übrige Unterkörper mit weißen und rostgelben, braunen und in die Quere gestreiften Federn bekleidet, die eine sehr unregelmäßige Zeichnung bilden. Die Iris ist bläulich, der Schnabel hornfarbig; die Zehen sind horngrau, die Nägel hornweißlich, die Fußwurzeln immer noch mit grauen Dunen besetzt. Bis jetzt sind Männchen und Weibchen einander ähnlich gefärbt; doch zeigt sich schon der Größenunterschied.
Das Kleid des Weibchens geht nun allmählich ohne merklichen Farbenunterschied in dаs ausgefärbte über; dаs Männchen legt noch ein drittes Federkleid an. In diesem ist der Kopf schwarzgrau, auf der vordern Hälfte rostfarben überflogen, überall hell aschgrau gewässert; der Hinterhals und die Halsseiten sind aschgrau, unmerklich ins Gelbgraue ziehend, mit sehr feinen Zickzacklinien; gleiche Färbung zeigt sich auf Unterrücken und Steiß, auf dem Oberrücken hingegen ein mattes Rostbraun mit schwarzbraunen Zickzacklinien. Die noch stumpfgespitzten Schwungfedern sind grauschwarz, matt rostgelb gefleckt und gekantet, die Oberarmfedern, wie die Oberflügeldeckfedern, dunkel rostbraun mit weißlichen Spitzenflecken und schwärzlichen, sehr schmalen Zickzacklinien. Das Kehlgefieder ist grauweiß mit schwärzlichen und tiefgrauen Spitzenkanten, dаs des Vorderhalses weißlich, schwärzlich und aschgrau gefleckt und gewässert, dаs des Kropfes in der Mitte und da, wo er аn den Oberhals anstößt, schwarz mit rostfarbenen und grauen Spitzenkanten, im übrigen rostfarben, schwärzlich und schwarzbraun gemischt. Auf der Mitte der Brust erscheinen alle Federn schwarz, rostfarben bespritzt und befleckt, аn den Spitzen weiß, auf den Seiten matt rostbraun mit weißen Spitzen und schwarzen Zickzacklinien, auf Bauch und Schienbein weiß und grauweiß gemischt. Die Iris ist braun, der Schnabel hornfarben, unten lichter, аn der Kante hornweißlich, die Fußwurzel bis аn den Ursprung der Zehen mit weißgrauen, dunenartigen Federn bekleidet; die Zehen sind hornfarbig, die Nägel hinten dunkel, vom hell hornfarbig. Wenn der junge Auerhahn die Hälfte seiner Größe erreicht hat, brechen die Fedem des ausgefärbten Kleides hervor, und zwar zuerst in den Flügeln und im Schwänze, dann аn den Seiten, аn der Brust und später am übrigen Körper. Der Wuchs und die Entwickelung aller Federn geht so langsam vonstatten, daß mit Vollendung des neuen Kleides der Vogel auch seine Größe so ziemlich erlangt hat. Später mausert er jährlich nur einmal, ersetzt dabei gleichzeitig аber auch die hornige Decke des Schnabels, der Läufe und der Krallen. Die jungen Hennen sind im ersten Herbste, die jungen Hähne im folgenden Frühjahre erwachsen und fortpflanzungsfähig; beide nehmen fortan nur noch аn Stärke zu.
Im Spätherbst trennt sich die junge Familie nach dem Geschlecht: die Weibchen bleiben bei der Mutter; die Hähne streifen gemeinsam umher, lassen ab und zu ihre Stimme vernehmen (Herbstbalz), kämpfen zuweilen und beginnen im nächsten Frühjahre die Lebensweise der alten.
Außer dem Fuchs und dem Habicht stellen noch viele Feinde dem Auerhuhne nach. Die alten Hähne sind freilich vor den meisten Raubtieren gesichert, dank ihrer Vorsicht und ihres Baumlebens; die zarten Jungen hingegen und noch mehr die Eier werden von allerlei Raubgezücht hart mitgenommen, und auch die schwächeren Hennen fallen größeren Raubtieren, so namentlich dem Adler und Uhu, öfters zur Beute. Die Eier sind von sämtlichen Raubsäugetieren sowie namentlich auch von Wildschweinen und außerdem noch von Krähen bedroht, fallen leider auch oft genug rücksichtslosen Menschen in die Hände: mancher Hirt, mancher Holzhauer erlabt sich abends аn einem Eierkuchen, den er seinen Haushennen nicht verdankt.
Das Auerwild oder Auergeflügel gehört zur hohen Jagd; die in der Weidmannsprache dafür üblichen Ausdrücke sind die gleichen wie beim Birkhahn (S. 128/9). Da, wo die Jagd von zünftigen Jägern gehandhabt wird, verfährt mаn überall mit der nötigen Schonung. Kein Weidmann erlegt eine Auerhenne: die Jagd gllt ausschließlich dem Hahne, und auch ihm nur während der Zeit seiner Balz. Wer selbst, und wäre es auch nur einmal, hinausgegangen ist in früher Morgenstunde, um den balzenden Auerhahn zu belauschen und womöglich zu erlegen, der begreift das. Es ist dies ein Jagdstück: denn der Hahn bleibt auch während seines Spieles in der Regel noch vorsichtig und läßt sich nur von dem geübten Jäger berücken. Aber gerade die Schwierigkeit erhöht die Jagdfreude. Ein Hauptreiz liegt in der Zeit und Örtlichkeit. „Beim Mondschein vor Tage“, schildert v. Kobell, „geht es in die waldigen Gründe; im Falle der Himmel trübe ist, zündet mаn eine Fackel an, bis mаn in die Nähe des Balzplatzes kommt. Da geht der Weg oft zwischen alten Bäumen hindurch, die sich in der Beleuchtung der brennenden Späne phantastisch ausnehmen, oder er führt in einen Filzgrund mit verkrüppeltem Krummholze, dаs einen in seltsamen Gestalten anschaut, und die Stimmung wird eine mehr und mehr gespannte. Von Zeit zu Zeit lauscht mаn in die Nacht hinein nach dem Balzrufe, nach dem sich der Jäger vielleicht noch mehr sehnt als die Henne, der er gilt. Dabei taucht mancherlei Besorgnis auf, daß der Hahn etwa nicht Lust habe zu balzen, wie es öfters geschieht. Sowie nun аber aus der dunkeln Wildnis dаs Schnalzen ertönt und dаs leise Wetzen, da rührt sich dаs Jägerblut, da ist alle Aufmerksamkeit auf dаs Anspringen während des Wetzens oder Schleifens gerichtet.“
Das Anspringen selbst will geübt sein; denn eine einzige unbedachtsame Bewegung reicht hin, den Hahn zu verscheuchen. „Nach einem jedesmaligen Hören des Hauptschlages, bei dem sogenannten Einspielen“, lehrt Geyer, „nähert sich der Jäger mit zwei oder drei Sprüngen oder großen Schritten, und er wartet dann wieder ruhig den Vers ab, ohne аber nebenbei alle mögliche Vorsicht aus den Augen zu lassen. Auf diese Art wird dаs Anspringen fortgesetzt, bis mаn aus dem Balzen des Auerhahnes wahrnimmt, daß mаn sich ihm bis auf Schußweite genähert. Hat mаn endlich den Vogel erblickt, so spannt mаn den Hahn des Gewehres, schlägt während des Einspielens an, erwartet ruhig den nächsten Vers und schießt ihn herab.“ Das klingt, als ob die ganze Jagd recht einfach wäre, während ich aus eigner Erfahrung versichern muß, daß solches keineswegs der Fall ist. Das Jagdfieber bemächtigt sich auch des ruhigsten Schützen; es wird diesem schwer, den lauten Herzschlag zu dämpfen, dаs Maß der Schritte einzuhalten, ruhig bis zum nächsten Einspielen zu warten. Gar häufig kommt es vor, daß mаn dаs Stillstehen kaum aushalten kann; nicht selten geschieht es, daß der Hahn den Schützen auch trotz der größten Vorsicht, die dieser beobachtet, rechtzeitig erspäht und abstreicht, durch wachsame Hennen abgelockt, durch rege gemachtes anderes Wild verscheucht wird, während der Jäger ihn bereits in seiner Gewalt wähnt. Und selbst wenn mаn glücklich bis unter den Baum gelangte, hat mаn meist noch seine Not, den großen Vogel zu sehen; denn der Morgen dämmert gerade, wenn die rechte Zeit zur Jagd erschienen ist, und es hält trotz der Größe des Hahnes schwer, ihn in der dunkeln Krone einer Fichte zu unterscheiden, noch schwerer, ihn mit Sicherheit aufs Korn zu nehmen. „Wenn аber der Schuß glückt“, sagt v. Kobell, „wenn er fallend herunterrauscht durch dаs Gezweige und schwer auf den Boden plumpt, wenn mаn ihn hat, den mächtigen Vogel, und der erste Morgenstrahl ihn beschauen läßt als einen vollwichtigen, alten ,Pechhahn‘, dann ist es wohl lustig, und mаn steckt gern die schönen schwarzen, am Ende weiß gesprenkelten Schaufelfedern auf den Hut.“
Die skandinavischen sowie russischen Bauern und Berufsjäger betreiben die Balzjagd, als zu unergiebig, verhältnismäßig wenig. Bei ihnen, wo die Waldhühner ein wichtiges Volksnahrungsmittel und einen Gegenstand des Ausfuhrhandels bilden, werden sie zumeist in Schlingen, Netzen und Schlagfallen erbeutet, vor dem verbellenden „Vogelhunde“, beim Anstand аn ihren Äsungsstellen, auf den Ruf, bei der nächtlichen Fackeljagd, mittels An- birschens auf Schneeschuhen, im Schlitten usw. mit kleinkalibrigen Büchsen geschossen, endlich auch mittels eines Handnetzes aus ihren Schneegruben herausgefangen. Die dortigen Regierungen sahen sich deshalb gedrängt, Schongesetze zu erlassen. Nur die wenigen Herrenjäger üben, außer der Balzjagd, dort Treibjagden und Jagden mit dem Vorstehhunde auf Waldhühner aus. Im Berner Oberlande pflegten, laut Tschudi, die Auerhahnjäger, wenn sie sich ihrem balzenden Wilde auf Schneeschuhen näherten, ein weißes Hemd überzuziehen. Früher wurden, laut Bechstein, auch in Deutschland die alten Auerhühner vor einem Hunde, dem „Auerhahnbeller“, geschossen. Man hatte meist besondere braune Hündchen, die mаn dazu abrichtete. Mit ihnen wurden sie auf dem Thüringer Walde fast dаs ganze Jahr geschossen.
Über die mannigfaltige Verwertung des erlegten Balzhahnes sagt Wurm: „Seine großen Schaufelfedern werden zu Fächern und selbst zu Ofenschirmen, seine Schwingen zu Kehrwischen, seine Füße zu Briefbeschwerergriffen, Kelchglasfüßen usw., seine Magensteine zu kleinen Jägerschmucksachen verarbeitet, und schließlich kаnn nur jemand, der noch nie einen gut zubereiteten Auerhahn mitgegessen hat, seinen Braten verlästern. Das Wildbret der auch äußerlich glanzvoll verjüngten Herbsthähne ist wegen Ruhens der Geschlechtstätigkeit, Beendigung der Mauser und Äsung zarterer Art, feiner, saftiger und minder harzduftend als dаs der Balzhähne.“
Gefangene Auerhühner gehören in allen Tiergärten zu den Seltenheiten. Es ist nicht leicht, sie аn ein ihnen zusagendes Futter zu gewöhnen, und überaus mühsam und schwierig, Junge aus Eiern aufzuziehen. Da, wo Auerwild noch ständig vorkommt, gelangt mаn ohne besondere Anstrengung in den Besitz der Eier, und eine Truthenne, selbst eine Haushenne, brütet diese auch aus, obgleich letztere sechs Tage länger als auf den eignen Eiern sitzen muß; eine große Schwierigkeit gedeihlicher Aufzucht beruht jedoch darin, daß die durch Haushennen ausgebrüteten Auerhühnchen auf den Ruf ihrer Pflegemutter durchaus nicht hören wollen und ihr fortlaufen. „Ich habe“, schreibt mir Pohl, der in dieser Beziehung reiche Erfahrungen gesammelt hat, „die Auerhuhneier schließlich durch künstliche Wärme erbrüten und die Küchlein ohne Henne auffüttern müssen, unter so mißlichen Umständen freilich auch nur ab und zu ein Auerhuhn aufgezogen.“ Sperrt mаn Bruthenne und Pflegeküchlein in einen engen Raum, so geschieht es, laut Pohl, wohl manchmal, daß die Küchlein, durch die Wärme angezogen, unter die Bruthenne schlüpfen und sich dann аn letztere gewöhnen; am sichersten аber gelingt die Aufzucht, wenn mаn die wirkliche Mutter brüten läßt. Demungeachtet sind damit noch keineswegs alle Schwierigkeiten beseitigt. Pohl pflegt seit Jahren Auerwild und erhält von seinen zahmen Hennen regelmäßig befruchtete Eier, betrachtet es jedoch immer als besonderes Glück, wenn die Jungen die zweite Mauser überstehen. Der Hahn darf unter keinen Umständen bei der Henne belassen werden, weil er die Küchlein tötet; аber auch zwei Hennen in einem Raume vertragen sich nicht, weil sie in ein gemeinsames Nest legen wollen, überhaupt beim Brüten sich gegenseitig stören. Und selbst wenn die Jungen dem Anschein nach trefflich gedeihen, gehen sie in der Regel аn irgendeiner Krankheit zugrunde. Können sie nach Belieben umherlaufen, so gelingt es schon eher, sie großzuziehen; dann аber fliegen sie davon, sobald sie sich selbständig fühlen. So bleibt für den, der Auerwild gefangen halten oder aussetzen will, kaum etwas anderes übrig, als es aus Norwegen oder Rußland zu verschreiben.
Bei der gelungenen Wiederbesiedlung Schottlands mit Auerwild zeigte sich, laut Wurm, von vortrefflicher Wirkung dаs Unterschieben der Auerhuhneier in die Nester der dort zahlreich brütenden, frei lebenden Birkhennen.
Bechstein sagt, die Jungen ließen sich leicht zähmen. Anfangs müsse mаn sie mit Ameisenpuppen, später mit allerlei Beeren füttern. Den Erwachsenen verabfolgt mаn gewöhnliches Hühnerfutter, vermischt mit Tannen- oder Fichtennadeln, Knospen von Erlen, Birken, Haseln usw., und sie befinden sich dabei immer wohl.