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Cercotrichas galactotes

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Über den a.uf der Bunttafel Nr. II dargestellten

Heckensänger (Agrobates galactotes Temm.)

wollen wir uns kurz fassen, denn wir hatten nur zweimal Gelegenheit, zwei spanische Wildfänge kurze Zeit zu pflegen und dabei zu photographieren. Meine Frau schreibt darüber im Bericht des V. Internat. Ornith. Kongr. 8. 763, daß er mit den deutschen Schmätzern und den Grasmückenartigen nichts gemeinsam hat. Das Kleingefieder ist wesentlich lockerer oder seidiger als dаs z. B. der Nachtigall, die Bewegungsweise erinnert sehr аn den südafrikanischen Kaprötel (Cossypha caffra L.). Der Vogel bringt seine leuchtende Schwanzendbinde bei jeder Erregung trefflich zur Geltung, indem er dаs hochgestelzte Steuer auch noch fächert. Als Schreckruf vernahmen wir ein viermal schnell wiederholtes „Triiii“.
Dieser sehr unpassenderweise auch als Baumnachtigall bezeichnete, von Hartert „Rostfarbiger Sänger“ benannte Bewohner trockener, mit Kaktushecken und ähnlichem bestandener Gebiete ist in Südspanien und Portugal sowie Nordafrika zu Hause.

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Hartert

910. Agrobates galactotes galactotes (Temm.). (Fig. 115.)

Rostfarbiger Sänger.

Sylda galactotes Temminck, Man. d’Orn. Ed. II, I, p. 182 (1820— Südspanien). (Die Schreibweise wurde meist in galactodes verbessert.)

Turdus rubiginosus Meyer. Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk., Zus. & Oer., p. 66 (1822 — Algeciras, Gibraltar).

Aedon pallens brachyrhynchos Brehm, Journ. f. Orn. 1856, p. 441 (Spanien).

? Aedon pallens macrorhynchos Brehm, t. c., p 441 („Syrien und im April in Sennaar“. Belegexemplare nicht in der Sammlung, nur ein typischer Spanier ist als macrorhynchos bezeichnet).

Aedon galactodes communis, major, gracilis A. E. Brehm, Verz.-SammL, p. 6 (1866— nomina nuda!).

Engl.: Rufous Warbler.

Abbild.: Dresser, B. Europe II, Taf. 85; Neuer Naumann II, Taf. XII, u.a. m.; Eier: Seebohm. Brit. B.. Taf. 10; Dresser. Eggs B. Europe Phylloscopinae, Fig. 45, 46.

♂ ad. Oberseite lebhaft rostfarben rötlich isabell, auf dem Kopfe etwas dunkler, auf dem Bürzel in dаs Braunrot der Oberschwanzdecken übergehend. Weißlich rahmfarbener Superciliarstreif, durch Zügel und Auge ein schwarzbrauner Streif, unterm Auge weißlich. Ohrgegend schmutzig zimtfarben. Schwingen schwarzbraun, Außen- und Innenfahnen zu etwa zwei Drittel von der Wurzel аn breit rötlich zimtfarben gesäumt, außerdem die Spitzen der Handschwingen und die Armschwingen ringsum weißlich gelandet, innere Armschwingen wie der Rücken. Oberflügeldecken bräunlich oder gräulich zimtfarben mit weißlichen Rändern. Steuerfedern braunrot, dаs mittelste Paar mit mehr oder minder ausgedehntem schwärzlichen Fleck nahe der Spitze, oder einfarbig, dаs nächste Paar mit schwärzlicher Endbinde, dаs darauffolgende außerdem noch mit weißem Saum, der sich nur mitunter аn dem zweiten Paare von der Mitte findet, die übrigen drei Paare mit breiter, nach innen zu schmäler werdender schneeweißer Endbinde und schwarzem Subterminalbande; sowohl letzteres als die weißen Spitzen variieren аn Ausdehnung. Unterseite rahmfarben, Kropfband und Seiten etwas mehr bräunlich isabell, Unterschwanzdecken, Mitte der Kehle und des Unterkörpers weißlich. Unterflügeldecken und Axillaren weißlich isabell. Iris braun. Füße graubraun. Schnabel hornbraun, Basis des Unterschnabels schmutzig fleischfarben. Flügel etwa 86—89.5, Schwanz etwa 70—75, Lauf etwa 27—28, Culmen 18.5—19.5 mm. Herbstkleid wie Frühlingskleid, dаs abgetragene Gefieder blasser, mehr isabell, dаs frische Gefieder lebhafter, mehr rostrot. 9 wie d, nur etwas kleiner, Flügel etwa 83—86, Schwanz 69—72 mm. — Die Jungen gleichen den Alten fast vollkommen, nur ist die Oberseite etwas rötlicher, der Superciliarstreif gelblicher, der dunkle Augenstreif nicht so deutlich ausgebildet, mehr bräunlich; am Kropfe sieht mаn undeutliche Wellenlinien, da die Federn dunklere Säume haben.
Brutvogel in Süd-Spanien und Portugal und Nord-Afrika von Marokko bis Ägypten und Palästina. — Da der Vogel Zugvogel ist — sogar bei Biskra erscheint er nicht vor Ende März —, muß er in der Sahara oder südlich derselben überwintern. Verirrte Stücke wurden in England und Island erlegt, mehrfach vereinzelte in Italien.

Die deutschen Namen Heckensänger und Baumnachtigall sind unpassend; der erstere paßt auf andere Vögel besser, der letztere ist geradezu irreführend. Agrobates galactotes bewohnt vorzugsweise trockene Striche, Cactus-Hecken, Opuntien. Tamarisken- Büsche, auch Gärten und seltener mit Gebüschen bedeckte Hügelhalden (sog. Maquis- Vegetation). in Spanien außerdem auch Weinberge und Ölbaumpflanzungen, in Nordostafrika nach Heuglin Mimosenhaine, Baumwollfelder, Rohrdickichte und dichtes Unterholz. Der Lockruf ist ein schnalzendes tak, tak; der Gesang besteht aus einer kurzen, aufsteigenden Strophe mit grasmückenartig schwätzenden und schönen flötenden Tönen. Die Munterkeit des Vogels läßt ihn sogleich auffallen, obwohl er meist etwas scheu, am Nistplatze allerdings vertraulich ist. Er sucht oft auf dem Boden Nahrung, oft sitzt er auf den Spitzen der Büsche und breitet vielfach den breiten, bunten Schwanz fächerartig aus, stellt ihn auf und wippt damit auf und nieder. Das Nest ist groß, locker und schlecht zusammengefügt, außer aus Stengeln und Gräsern auch aus Lappen, Fäden und dergl. bestehend, innen ist es dagegen weich mit Tier- und Pflanzenwolle, Haaren und dergl. ausgefüttert, und enthält außerdem meistens (aber nicht immer) Stücke abgestreifter Schlangenhaut. Es steht in Opuntienhecken, Büschen, Lehmwällen, oft ganz frei, oft wohl verborgen. Das Gelege besteht aus 4, seltener 3 oder 5, Eiern. Diese variieren sehr und sehen oft hellen Sperlingseiern recht ähnlich, andere, ausgenommen die bedeutendere Größe, denen von Anthus campestris. Eine Ähnlichkeit mit den Eiern von Locustella fluviatilis ist nur ganz ausnahmsweise vorhanden und ganz unnötigerweise hervorgehoben worden, denn die Agrobates-Eier sind fast immer größer, fast gar nicht rötlich und gröber gefleckt. Sie sind schwach glänzend weiß, schmutzig-, gelblich- oder (selten) grünlich-weiß, mit gelblichbraunen, sepiafarbenen, braunen oder rötlichbraunen, seltener grünlich olivenfarbenen, meist langgezogenen Flecken bedeckt, außerdem mit blaß aschgrauen Schalenflecken. 113 Eier messen nach Jourdains Notizen im Durchschnitt 22.45 x 16.43, Maximum 26×16 und 24×18, Minimum 19.5×15 und 20.5×14.3 mm. Durchschnittsgewicht von 31 tunesischen Eiern nach Koenig 162 mg, von 5 spanischen nach Jourdain 154 mg.

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Brehm

Die Baumnachtigall, Agrobates galactotes Temm. (galactodes), ist auf der Oberseite lebhaft rostrotisabell, auf dein Scheitel dunkler, im Nacken mehr gräulich, auf der Unterseite graugelblich oder schmutzig weiß, mit rötlichem Anfluge аn den Halsseiten und rostgelblichem аn den Weichen, die Wange weißbräunlich, ein weit nach hinten reichender Brauenstrejfen weiß; die Schwungfedern, Flügeldeckfedern und Oberarmschwingen sind Nähe menschlicher Wohnsitze zu meiden. Dies bleibt sich gleich in Spanien wie in Griechenland, in Ägypten wie in der bereits wiederholt erwähnten Samhara (Eritrea) oder der innerafrikanischen Steppe. In Spanien und Griechenland sind es vor allem andern die Weinberge und Ölbaumpflanzungen, die den Baumnachtigallen Herberge geben; in Kleinasien leben diese in dünn bestandenen, parkartigen Hainen bis zu 2000 m Höhe aufwärts; in Nordostafrika siedelt eine ihnen verwandte Art in trockenen Gärten, Mimosenhainen, Baumwollfeldern, Rohrdickichten oder zwischen den Hütten der Dörfer sich an, vorausgesetzt, daß es hier аn dichten Büschen nicht fehlt. Im Urwalde habe ich keine Baumnachtigall gesehen; irn dünn bestandenen Steppenwalde ist sie häufig.
Jn Mittelafrika sind die Baumnachtigallen Standvögel, in Nordafrika und Südeuropa Zugvögel. Sie erscheinen in Griechenland und Spanien um die Mitte oder Ende April, jn Ägypten kaum früher, und verlassen dаs Land Ende September wieder. Die Männchen kommen zuerst an, die Weibchen folgen einige Tage später nach. Während des Zuges macht sich der muntere Vogel allerorten bemerkbar: später muß mаn ihn auf seinen Lieblingsplätzen aufsuchen. Hier freilich fällt er jedem auf: in Spanien ist der Rosardo (Rötling) oder Alzarabo (Schwanzaufheber) ebenso bekannt wie bei uns zulande dаs Rotkehlchen. Die Baumnachtigall liebt die Spitzen: der höchste Zweig des Lieblingsbusches, der Pfahl, аn dem die Rebe befestigt ist, ein Baumwipfel oder ein Telegraphendraht sind Warten, wie sie sie gerne hat. Hier sitzt sie, den Schwanz gestelzt, die Flügel gesenkt, mit eingeknickten Beinen, аber ziemlich aufgerichtet; von hier herab trägt sie ihr Lied vor, von hier aus späht sie nach Beute aus. Entdeckt sie einen Wurm, ein Insekt oder etwas Ähnliches, so stürzt sie sich rasch auf den Boden herab, bückt sich, wippt mit dem Schwänze und breitet ihn aus, seine volle Schönheit zeigend, rennt dann eilig ein Stück auf dem Boden dahin, fängt den Raub, ruft dabei behaglich ihr lockendes „Tack tack“ und kehrt nach dem früheren Ruhepunkte zurück. Sie nimmt ihre Nahmng hauptsächlich vom Boden auf und sucht deshalb alle nackten Stellen ab, kommt auch auf freie Blößen heraus und läuft namentlich oft auf Wegen und Straßen umher. „Durch ihr wenig schüchternes und doch lebhaftes Wesen, welches in mancher Beziehung аn dаs der Schwarzdrossel erinnert“, sagt v. Heuglin, „erfreut sie den Bewohner der Landhäuser und Gärten. Oft flattert sie unruhig und häufig von Zweig zu Zweig, selbst bis in die höheren Kronen der Bäume, den Schwanz beständig bewegend, ausbreitend und hochschlagend; bald wieder sieht mаn sie emsig auf dem kahlen Boden oder im Gestrüpp und trockenen Grase umherhuschen und auf Würmer und Raupen jagen. Plötzlich stößt sie einen drosselartigen ÄngstMf aus und flüchtet scheltend in die Büsche.“ Sie ist klug und vorsichtig, ja selbst scheu, wo sie es nötig hat, zutraulich da, wo sie es sein darf, unstet, flüchtig und bewegungslustig unter allen Umständen. Anderen Vögeln gegenüber friedfertig, liegt sie mit ihresgleichen oft im Streite.
Ihren Gesang nennt Graf von der Mühle „einförmig“ und vergleicht ihn mit dem Liede der Grasmücke; ich muß beisümmen, will аber ausdrücklich bemerken, daß er mir trotz seiner Einfachheit stets gut gefallen hat. Die Baumnachtigall singt auf ihrer Warte sitzend, am Boden dahinlaufend, selbst fliegend, fast ununterbrochen, und die einzelnen Töne sind immerhin wohllautend genug, um zu gefallen.
Die Brutzeit beginnt im zweiten Drittel des Mai. Das große, аber unschöne Nest wird auf knorrigen Baumstümpfen zwischen den stärkeren Ästen oder im dichten Gebüsch aus Reisig, Moos, Grasblättern oder weichen Pflanzenstengeln, selbst aus Lappen und Fäden erbaut und seine Mulde mit Haaren, Wolle, Baumwolle und Federn ausgelegt.
Tristram meint, der Vogel „scheine nicht eher zu legen, als bis er ein Stück Schlangenhaut gefunden und damit seinen Bau vollendet habe“, und in der Tat enthalten die meisten Nester ein Stück Schlangenhemd. Die 3—5 Eier sind sehr verschieden in Größe, Gestalt und Färbung, durchschnittlich etwa 22 mm lang und 16 mm dick, auf trübweißem oder gelblichweißem Grunde mit undeutlichen dunkleren Flecken, die meist Längsrichtung zeigen, und außerdem mit braunen Pünktchen gezeichnet. Über die Aufzucht der Jungen fehlt mir jede Kunde; ich kаnn nur sagen, daß wir noch Anfang September, während die meisten Mten bereits in voller Mauser standen, flügge Nestjunge antrafen.
Der Mensch tritt wohl nur in Spanien als Verfolger der anmutigen Geschöpfe auf: der Spanier jagt sie, wie alle anderen Sänger, um ihr Fleisch für die Küche zu verwerten.