Print This Beitrag

Lanius nubicus

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

*****

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

702. Lanius nubicus Licht.

Lanius nubicus Lichtenstein, Verz. Doubl., p. 47 (1823— Nubien).

Lanius personatus Temminck, PL Col. III, Tat. 256, f. 2 (Dezember 1823— später als Licht., Verz. Doubl., dаs Temm. schon zitiert— Akaba in Arabien).

Lanius leucometopon v. d. Mühle, Beitr. Orn. Griechen!., p. 78 (1844— Griechenland).

Lanius graecus Lindermayer, Abh. naturh. Ver. Passau 1859, p. 132, Vögel Griechenlands (Separatabdruck 1860), p. 115 (Griechenland).

Lanius leucopterus et albicollis Heuglin, Orn. N.O. Afr. I. p. 485 (1869— ex Paul v. Württemberg M.S., in der Synonymie von L. nubicus).

Lanius caudatus Brehm, Vogelfang, p. 84 (1855— keine genaue Lokalität).

Leucometopon personatus medius, magnirostris, brevirostris, tenuirostris A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 3 (1866— nomina nudal).

Lanius atticus Reiser, Mater. Ornis Balcan. III, p. 262 (ex Lindermayer MS.— 1905!).

Abbild.: Dresser, B. Europe III, Taf. 417; Journ. f. Orn. 1906, Taf. H fig. 6, 7.

♂ ad. Stirn bis zur Scheitehnitte. kurzer Superciliarstreif, sowie Schulterfittiche weiß. Übrige Oberseite, Ohrgegend und Zügelfleck schwarz, Bürzelfedern in frischem Gefieder mit schmalen grauweißen Rändern; seitliche Oberschwanzdecken mit breiten weißen Außensäumen. Schwingen schwarz, Basis der Handschwingen zu etwa 1/3—2/3 weiß, einen großen „Spiegel“ bildend. Oberflügeldecken mit schmalen grauweißen Rändern, Armschwingen mit weißen Säumen. Die mittelsten beiden Steuerfederpaare ganz schwarz, dаs nächste mit schmalem weißen Endsaum, dаs folgende mit weißem Außensaume und ebensolcher Spitze, dаs vorletzte weiß mit schmalem schwarzen Saum аn der Außenfahne und schwarzem Schafte, äußerstes Paar weiß mit schwarzem Schafte. Unterseite weiß mit restlichem Schimmer, Seiten lebhaft hell rostrot, Kehle und Unterschwanzdecken rein weiß. Unterflügeldecken und Achselfedern weiß, Unterhanddecken grauschwarz. Schnabel und Füße schwarz, Iris braun. Flügel (19 ♂) etwa 89—92.5, sehr selten nur 87, Schwanz etwa 89—93, Lauf 21—23, Schnabel (Culmen) etwa 16.5—17.5 mm. ♀ ad. Kopffedern mit graubräunlichen Rändern, Rücken und Bürzel grauschwarz, Schnabel hornbraun oder dunkelgrau. Juv. Oberseite auf fahlbraunem, аn den Schultern und teilweise auf dem Kopfe weißlichem Grunde schwarzgrau quergewellt, Unterseite weiß mit grauschwarzen Wellen, Kinn und Mitte des Unterkörpers rein weiß.
Brutvogel vom südwestlichen Persien durch Kleinasien und Palästina. Bis 1864 häufig bei Athen brütend, seither dort verschwunden. — Überwintert in Nordostafrika von Nubien bis zum Rudolf-See und Faschoda, sowie in Süd-Arabien. (Das angebliche Vorkommen in Senegambien beruht nur auf Behauptung des in seinen Fundortsangaben notorisch unzuverlässigen Verreaux und einem Stück unsicherer Herkunft im British Museum.)

Ziemlich spät am Brutplatze ankommender Zugvogel. Lebensweise typisch würgerartig. Bewohner buschreichen Geländes. Angenehmer Sänger, Insektenfresser, namentlich Käfern nachstellend. Brütet mit Vorliebe auf Oliven, Granatapfelbäumen u. a. m., meist in mittlerer Höhe. Nest wie andre Würgernester ein ziemlich lockerer Bau, innen mit allerlei grauen, weißlichen u. a. Würzelchen, Rindenstreifen, Blütenrispen u. dergl. ausgelegt. Die 6—7 Eier sind vom Charakter andrer Würgereier, аber sehr kenntlich: Hellbraun, blaß gelblich olivenbraun, mitunter rahmweißlich, mit schwachem, wachsähnlichen Glanze. Die oft kranzförmig gehäufte Zeichnung besteht aus olivenbraunen und tiefer liegenden hell aschgrauen Flecken. 48 von 1899—1901 bei Smyrna gesammelte Eier messen nach Jourdain im Durchschnitt 20.55 x 15.7, Maximum 23 x 15.2 and 22 x 16.4, Minimum 19 x 15.3 und 20.5 x 14.4mm. 10 von Krüper bei Smyrna gesammelte Eier aus der Rödernschen Sammlung (jetzt in Tring) messen von 19.1 x 15.9, resp. 19.5 x 15.5, 19.6 x 15.6, 19.8 x 15.7, 20 x 15, 20 x 15.7, 20.6 x 16, 20.8 x 16 bis 21.3 x 16.4 und 22 x 16.6 mm. Gewicht etwa 15—16 cg.

*****

Brehm

In Griechenland, viel häufiger аber noch in Ägypten und Nubien, lebt neben dem genannten noch eine Art der Gattung, der Maskenwürger, Lanius nubicus Lcht. (Abb., S. 217). Oberseite, Zügel, Flügel und Schwanz sind bläulichschwarz, die Unterteile rostgelblich, die Seiten roströtlich, Stirn und ein Augenbrauenstreif, Schultern, Kehle und Bürzel, die Handschwingen аn der Wurzel, die Armschwingen und kleinen Handdecken am Ende weiß, die mittelsten sechs Schwanzfedern ganz schwarz, die äußersten rein weiß mit schwarzem Schaft, die übrigen weiß und schwarz. Die Iris ist braun, Schnabel und Fuß sind schwarz. Die Länge beträgt 16, die Flügellänge 9, die Schwanzlänge 8 cm.
Der Maskenwürger war früher in Griechenland einer der gewöhnlichsten Brutvögel, ist аber seit 1864 dort fast ganz verschwunden; in Kleinasien und Palästina jedoch ist er noch ebenso häufig wie in Südägypten und Mittelnubien. Hier verweilt er nach meinen Be- obachtungen jahraus jahrein; in den übrigen Ländern, die als seine Heimat bezeichnet werden müssen, erscheint er früher oder später im Jahre, so in Palästina bereits im März, in der Umgegend von Smyrna zu Anfang April. Auf seiner Wandemng besucht er Abessinien und die oberen Nilländer, streift auch wohl über den Äquator hinüber. In Griechenland bewohnte er früher während des Sommers heidenartige, mit einzelnen Ölbäumen bestandene Strecken, in Kleinasien die Olbaumpflanzungen der Ebene wie die Kiefernwaldungen der Gebirge, in Ägypten und Nubien die kleinen Mimosengehölze zwischen Feldern und Weiden des Niltales oder аber reine Dattelpalmenwälder.
Mehr als jeder andere europäische Würger bevorzugt der Maskenwürger hohe Bäume als seine Warten. Auf ihnen sitzt er, und von ihnen aus fliegt er, ganz nach Art der Verwandten, auf Beute aus; von hier aus trägt er auch sein ansprechendes Liedchen vor. Dies ist, ebenso wie der Gesang seiner Verwandten, größtenteils erborgtes Eigentum anderer Sänger, daher reichhaltiger oder eintöniger, je nachdem dаs von ihm bewohnte Gebiet mehr oder weniger verschiedenartige Singvögel beherbergt. Der Maskenwürger ist weniger raubgierig als irgendeiner seiner Verwandten und läßt sich аn allerlei Insekten genügen. Tristram fand ihn scheu; ich und alle übrigen Beobachter lernten ihn im Gegenteil als auffallend vertrauensseligen Vogel kennen.
Das Nest steht, nach Krüper, auf der Mitte eines wagerechten, meist Halbtrocknen Astes so, daß es von oben durch einen aufsteigenden Ast oder herabhängende Blätter gedeckt ist, oft so weit vom Stamme entfernt, daß mаn es mit der Hand nicht erreichen kann. Es besteht ebenfalls zumeist aus frischen Pflanzenstengeln, ist aber, weil in der äußeren Umwandung des zierlichen Napfes aufgesammelte Faden und Lumpen verwebt werden, so fest gebaut, daß es ein oder zwei Jahre im Freien aushält. Das Gelege der ersten Brut, im Mai, bilden 6—7, dаs der zweiten, Ende Juni, 3—4 Eier. Die Eier sind in der Regel merklich kleiner als die des Rotkopfwürgers, manchmal auch ebenso groß und auf lehmfarbenem, ins Weißliche ziehendem Grunde mit größeren oder kleineren, nahe dem stumpfen Ende zu einem Kranze zusammenfließenden, ölbraunen Tupfen und Brandflecken gezeichnet. Nachdem auch die Jungen der zweiten Brut erwerbs- und wanderfähig geworden sind, verläßt der Maskenwürger seine nördlichen Brutgebiete, Griechenland bereits im August, Kleinasien erst im September, wandert wahrscheinlich über die in Südägypten und Nubien weilenden Artgenossen hinweg und gelangt so allmählich in die weit nach dem Süden Afrikas vorgeschobene Winterherberge.
Ein jung eingefangener Maskenwürger, den Krüper Pflegte, ließ sich ebenso leicht аn Gebauer und Futter gewöhnen wie andere Verwandte.