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Pica pica

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth
Die Elster (Pica pica L.)
bewohnt nach Hartert als P. p. pica L. ganz Europa bis nach Persien und Transkaspien hinein, er faßt damit die von Kleinschmidt und von Stresemann nach der Größe in östliche und westliche, als P. p. germanica und P. p. galliae, unterschiednen Vögel zusammen. Der Flügel mißt demnach von 185—215, der Schwanz etwa 212—265, der freie Teil des Schnabels 28—35, der Lauf 40—45 mm. Es sei dabei bemerkt, daß der Echsenvogel Archaeornis (früher Archaeopteryx) Siemens! Dames in seinen Maßen ziemlich genau der Elster entspricht. Das Gewicht ist 200—250 g, die kleinem Maße gelten für dаs Weibchen, für dаs mаn für gewöhnlich auch nur 200 g annehmen kann. Das Ei wiegt 10 g oder etwas mehr und enthält 20 v. H. аn Dotter, sein Eiweiß ist im gekochten Zustande glasartig durchsichtig. Ein Junges aus einem Ei unbekannter Größe wog 8 g, die Brutdauer beträgt 18 Tage, d. h. ebenso viel wie die der Raben- und der Nebelkrähe. Man sieht daraus, daß sehr verschieden große Vögel aus ein und derselben Gruppe doch eine gleich lange Keimlingszeit haben können; nicht immer ist es so.
Aus der Gefangenschaft und von Abbildungen ist die Elster wohl jedem bekannt, und er erkennt sie dann auch sofort, wenn er sie im Freien z. B. im Heckenrande eines Dorfes sieht, denn sie gehört zu den auffallendsten Vögeln, die es bei uns gibt. Für gewöhnlich betätigt sie sich im Gebüsch und in den Bäumen, kommt аber auch viel auf den Boden herab und überfliegt weite Strecken gar nicht so selten, wie dies gewöhnlich angenommen wird. Man kаnn es oft erleben, daß sie, auch ohne beunruhigt zu sein, aus einem Busche heraus und so weit in dаs Blau des Himmels hineinstreicht, daß sie dem Auge schließlich entschwindet. Der lange, dabei oft etwas gebreitete Schwanz und die in der Ruhe nicht sichtbaren, größtenteils leuchtend weiß gefärbten Innenfahnen der Handschwingen kommen dann prächtig zur Geltung. Auf dem Boden bewegt sich die Elster schrittweise, so wie es auch die Raben und Krähen tun, Eichel- und Tannenhäher аber hüpfen, sie sind eben mehr echte Baumvögel. Man findet den Vogel gewöhnlich zuerst durch dаs Ohr. Der Volksname Schack-Elster ist dem Ton entnommen, der wohl als eine Art Stimmfühlung aufgefaßt werden kаnn, wenn der Trupp sein Jagdgebiet durchstreift. Er läßt sich dadurch gut versinnbildlichen, daß mаn eine halbgefüllte Streichholzschachtel schüttelt. Nach Suolahti soll die Bezeichnung Elster von einem altdeutschen Wortstamme agalstra oder agastra kommen, dessen Herkunft unbekannt ist, uns erscheint es nicht ausgeschlossen, daß dabei auch Klangbilder verwertet sind.
Bekanntlich ist dаs Nest der Elster im Gegensätze zu denen andrer Rabenvögel überdeckt; es macht von unten den Eindruck eines kleinen, dornigen Reisighaufens, dessen seitliche Öffnung mаn oft nur bei nächster Betrachtung findet. Der Standort ist bald sehr hoch, bald ganz niedrig und oft dicht аn bewohnten Gebäuden, die Alten sind аber in der Nähe ihres Heims so ruhig und verstohlen, daß es häufig dem Entdecktwerden entgeht. Hat es der Mensch erst einmal gefunden, so ist es um die Brut wohl fast immer geschehen, denn sie wird entweder absichtlich zerstört, um sich die räuberischen Vögel vom Halse zu halten, oder die Jungen werden ausgenommen, um sie in der Gefangenschaft aufzuziehen, was nicht schwierig ist. Da dаs Elsterpaar, wenn alles gut geht, ein halbes Dutzend Kinder im Jahre hat, so wird dieser Verlust immer wieder ausgeglichen, denn sonst haben diese schmucken und vorsichtigen Vögel wohl nicht allzu viele Eeinde; fand doch Uttendörfer nur 38 Elsterreste unter seinen 10000 Raubvogelrupfungen: mаn denke dabei аn die 414 geschlagnen Eichelhäher.
Junge Elstern sind wie die Eichelhäher zunächst nackt, haben аber eine gelbliche Hautfarbe, wie dies Bild 1 der Bunttafel XLV darstellt; sprossen dann die Kiele, wie Bild 2 zeigt, so kommt ein Blaugrün zustande. Die Besichtigung eines mit vier Jungen belegten Nestes ergab, daß die Jungen nicht zu ganz gleicher Zeit schlüpfen, dаs größte wog 36,5, dаs kleinste 16 g, sie waren also wohl drei Tage und einen Tag alt.
… (gekürzt)
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Hartert
30. Pica pica pica (L.).
Die europäische Elster.
Corvus Pica Linne, Syst. Nat. Ed. X, p. 106 (1758— Hab. Europa, erstes Citat Fauna Suecica, typ. Lok. daher Schweden).
Corvus rusticus Scopoli, Ann. I Hist. Nat., p. 38 (1769—- „Carniolia“).
Pica melanoleuca Vieillot, Nouv. Eiet. d’Hist. Nat. XXVI, p. 121 (1818— neuer Name für Corvus pica).
Pica albiventris Vieillot, Faune franc., p. 119 (1828).
Pica Germanica Brehm, Handb.Vög. Deutschl., p. 177 (1831— Mittel-Deutschland).
Pica septentrionalis Brehm, Handb.Vög. Deutschl., p. 178 (1831— Nord-Europa).
Pica hiemalis Brehm, Handb.Vög. Deutschl., p. 178 (1831— Winter in Deutschland).
Pica caudata Keyserl. & Blas., Wirbelth. Europ., p. XLV, 168 (1840— Europa.).
Pica varia Schlegel, Rev. Crit., p. LIV (1844).
Pica pinetorum Brehm, Vogelfang, p. 62 (1855).
Pica vulgaris Brehm, Journ. f. Orn. 1858, p. 173 (ganz Deutschland).
Pica leuconotos Brehm, Journ. f. Orn. 1858, p. 173 (partim: Exempl. aus Deutschland, nicht die aus Kamtschatka).
Pica europaea major, minor, hortorum, montana, robusta, brachypus, alticeps, planiceps, macrorhynchus, crassi-, parvirostris, valida, Hungariae, orientalis A. Brehm, Verz. Samml., p. 4 (1866— nom. nuda!).
Pica Linnéi Malm, Göteb. och Boh. Fauna, p. 211 (1877— Bohuslän).
Engl.: Magpie. Franz.: Pie ordinaire. Schwed.: Skata.
Alle Elstern sehen folgendermaßen aus: Schnabel und Füße schwarz, Kopf, Hals, Rücken, Ober- und Unterschwanzdecken, Bauch, Steiß und Schenkel, Kinn, Kehle und Kropf glänzend schwarz. Über dem Bürzel ein grauliches oder weißes Band, dаs nur wenigen Formen fehlt. Schwingen weiß, mit schwarzer Basis und schmaler schwarzer Umrandung, innere Armschwingen und Oberflügeldecken glänzend stahlblau, Schulterfedern weiß. Schwanz dunkel metallgrün mit blauer Spitze, vor welcher ein kupfrig purpurn- und violettschimmerndes Band sich hinzieht, Innenfahnen der äußeren Steuerfedern schwärzlich. Brust und Unterkörper weiß, Unterflügeldecken schwarz. Der junge Vogel hat die schwarzen Teile matt, ohne jeden Glanz. Das Weibchen gleicht dem Männchen, ist nur etwas kleiner.
Die europäische Form ist wie folgt gekennzeichnet: Größe mittel; Flügel 155—193, Schwanz 212—265. freier Schnabel 28—35, Lauf 40—45. Kehlfedern meist ohne, manchmal аber auch mit weißem Querstreifen nähe der Basis. Auf dem Bürzel ein breites, meist hellgraues, bisweilen rein weißes, sehr selten (England, Renthendorf) fehlendes Band. Handschwingen meist ziemlich breit schwarz umsäumt. Dies letztere Merkmal wechselt sehr, denn bisweilen kommen Stücke in Europa vor (Deutschland, England), die ebensoviel weiß wie P. p. bactriana haben, meist аber ist. die Umrandung in Europa viel breiter.
Verbreitung: Ganz Europa von Irland und vom Nordkap bis in die Pyrenäen, Italien, Griechenland, Rußland bis zum Ural, Klein-Asien bis Persien und Transkaspien.
Bewohnerin baumreicher Gegenden, im hohen Gebirge und inmitten großer Waldbestände аber fehlend. Flug nicht gut, bei starkem Winde sehr unbeholfen. Stimme ein rauhes Schack, Sch acker ak, Schackerack, schak, schak, im Frühling mehr moduliert, dann auch oft ein amüsantes Geschwätz. Nahrung sehr mannigfach, Würmer, Insekten, Schnecken, Früchte, Vogeleier und junge Vögel, im Winter in der Not auch Aas, Getreide, Pferdemist und allerlei Abfall. Weil meist verfolgt sehr scheu und schlau. „Sagax, loquax, furax.“ Nester immer auf Bäumen, meist hoch, oft auf den unersteig- lichsten schwanken Spitzen der höchsten Bäume, nicht selten аber auch kaum mannshoch in Hecken, dichten Dornbüschen und Schonungen. Nest durch eine „Haube“ von Dornen und Reisern ausgezeichnet, die immer vorhanden ist, ganz ausnahmsweise аber auch fehlen soll. Eier früh, oft schon im März, meist аber erst Mitte oder gar Ende April. Gelege 6—8, manchmal auch 9. Einmal sind sogar 10 beobachtet, Nachgelege (nach dem Raube der ersten) oft nur 4—5. Die Eier sind grünlich oder weißlich mit graubräunlichen oder grünbräunlichen helleren und dunkleren Flecken und Punkten über und über gesprenkelt, meist аn einem Ende reicher. Oft sind hellgraubräunliche Schalenflecke zu unterscheiden. Zuweilen ähneln die Eier den Dohleneiern. Maße im Durchschnitt 32.9 x 23, 33.8 x 23.28, Maximum 35 x 24, 37 x 25 und sogar 44.9 x 26.5 (Rödernsche Sammlung, Tring Museum), Minimum 32 x 22.5, 28 x 22.5, 28.5 x 23.4, 29.6 x 24 mm. Die Eier der verschiedenen Unterarten sind teils größer, teils kleiner, sonst аber im wesentlichen übereinstimmend.
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Brehm
Die Europäische Elster, Alster, Schalaster, Acholaster, Algarde, Hefte, Heister, Ärgerst, Gartenrabe usw., Pica pica L. (caudata, rustica), erreicht eine Länge von 45—48 und eine Breite von 55—58 cm, wobei 26 cm auf den Schwanz und 18 cm auf den Flügel zu rechnen sind. Kopf, Hals, Rücken, Kehle, Gurgel und Oberbrust sind glänzend dunkelschwarz, auf Kopf und Rücken ins Grünliche scheinend, die Schultern, ein mehr oder minder vollständiges, oft nur angedeutetes Querband über den Rücken sowie die Unterteile weiß, die Schwingen blau, außen wie die Handschwingendecken grün, innen größtenteils weiß und nur аn der Spitze dunkel, die Steuerfedern dunkelgrün, аn der Spitze schwarz, überall metallisch, zumal kupfern schillernd. Die Iris ist braun, der Schnabel wie der Fuß schwarz. Bei den Jungen ist die Färbung dieselbe, jedoch matt und glanzlos. — Andere Formen sind die Spanische Elster, P. pica melanotos Brehm, mit einfarbig schwarzer Oberseite, die Algerien und Marokko bewohnende Mauretanische Elster, P. pica maure- tanica Math., mit nacktem kobaltblauem Fleck hinter dem Auge, und die gelbschnäbelige Kalifornische Elster, P. pica nuttalli Audub.
Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Elster umfaßt Europa vom Nordkap und Irland bis zu den Pyrenäen, Italien, Griechenland, Rußland bis zum Ural, Vorderasien bis Persien und Transkaspien. In den meisten Ländern und Gegenden tritt sie häufig auf, in anderen fehlt sie fast ganz. In Schlesien scheint sie nach neueren Beobachtungen immer häufiger zu werden. Hohe Gebirge, baumfreie Ebenen und ausgedehnte Waldungen meidet sie größtenteils. Ihre ursprünglichen Wohnsitze sind Feldgehölze, Waldränder und Baumgärten. Sie siedelt sich gern in der Nähe des Menschen аn und wird da, wo sie Schonung erfährt, ungemein zutraulich oder richtiger aufdringlich. In Skandinavien, wo mаn sie gewissermaßen als heiligen Vogel ansieht, nimmt sie nicht in den Gärten, sondern in den Gehöften selbst ihre Wohnung und baut auf besonders für sie hergerichteten Vorsprüngen unter den Dächern ihr Nest. Sie ist, wo sie vorkommt, Standvogel im vollsten Sinne des Wortes. Ihr eigentliches Wohngebiet ist klein, und sie verläßt es niemals. Wird sie in der Gemarkung eines Dorfes ausgerottet, so währt es lange Jahre, bevor sie nach und nach von den Grenzen her wieder einrückt. Nur im Winter streift sie, obgleich immer noch in sehr beschränktem Grade, weiter umher als sonst.
In Lebensweise und Betragen erinnert die Elster zwar vielfach аn die Krähen, unterscheidet sich аber doch in mehrfacher Hinsicht nicht unwesentlich von verwandten Rabenvögeln. Sie geht schrittweise, ungefähr wie ein Rabe, trägt sich аber anders; denn sie erhebt den langen Schwanz und bewegt ihn wippend, wie Drossel oder Rotkehlchen tun. Ihr schwerfälliger, selbstverständlich schon des langen Schwanzes wegen von dem der eigentlichen Raben durchaus verschiedener Flug erfordert häufige Flügelschläge und wird bereits bei einigermaßen starkem Winde unsicher und langsam. Der Rabe fliegt ohne besonderen Grund stundenlang umher; die Elster gebraucht ihre Schwingen nur, wenn sie muß. Sie streicht von einem Baume zum anderen oder von Gebüsch zu Gebüsch, niemals unnützerweise. Ihre Sinne scheinen ebenso scharf zu sein wie die der Raben, und аn Begabung steht sie hinter diesen durchaus nicht zurück. Sie unterscheidet genau zwischen gefährlichen und ungefährlichen Menschen oder Tieren: den ersteren gegenüber ist sie stets auf ihrer Hut, den letzteren gegenüber dreist und unter Umständen grausam. Gesellig wie alle Glieder ihrer Familie, mischt sie sich gern unter Raben und Krähen, schweift auch wohl mit Nußhähern umher, vereinigt sich аber doch am liebsten mit anderen ihrer Art zu kleineren oder größeren Flügen, die gemeinschaftlich jagen, überhaupt аn Freud und Leid gegenseitig den innigsten Anteil nehmen. Gewöhnlich sieht mаn sie familienweise. Ihre Stimme ist ein rauhes „Schak“ oder „Krak“, dаs auch oft verbunden wird und dann wie „Schakerak“ klingt. Diese Laute sind Lockton und Warnungsruf und werden je nach der Bedeutung verschieden betont. Im Frühling, vor und während der Paarungszeit, schwatzt sie mit staunenswertem Aufwande von ähnlichen und doch verschiedenen Lauten stundenlang, und dаs Sprichwort von der schwatzhaften Elster ist deshalb wohl begründet.
Insekten und Gewürm, Schnecken, kleine Wirbeltiere aller Art, Obst, Beeren, Feldfrüchte und Körner bilden die Nahrung der Elster. Im Frühjahr wird diese sehr schädlich, weil sie die Nester aller ihr gegenüber wehrlosen Vögel unbarmherzig ausplündert und einen reichbewohnten Garten buchstäblich verheert und verödet. Ebenso betreibt sie freilich auch Mäusejagd und fängt und verzehrt viele schädliche Insekten, Schnecken und sonstiges unnützes Gewürm, tritt аber überall als ein so räuberischer Vogel auf, daß sie unzweifelhaft unter nützlichen Tieren schlimmer haust als unter schädlichen, daher selbst zu den schädlichen gezählt werden muß.
Die Norweger behaupten, die Elster trage am Weihnachtstage dаs erste Reis zu ihrem Horste; in Deutschland geschieht dies gewöhnlich nicht vor Ende Februar. Das Nest wird bei uns auf den Wipfeln hoher Bäume und nur da, wo sich der Vogel ganz sicher weiß, in niedrigen Büschen angelegt. Dürre Reiser und Dornen bilden den Unterbau; hierauf folgt eine dicke Lage von Lehm und nun erst die eigentliche Nestmulde, die aus feinen Wurzeln und Tierhaaren besteht und sehr sorgsam hergerichtet ist. Das ganze Nest wird oben, bis auf einen seitlich angelegten Zugang, mit einer Haube von Dornen und trocknen Reisern versehen, die zwar durchsichtig ist, den brütenden Vogel аber doch vollständig gegen etwaige Angriffe der Raubvögel sichert. Das oft schon im März, meist аber erst Mitte oder Ende April vollzählige Gelege besteht aus 6—8, ausnahmsweise 9, durchschnittlich 33 mm langen, 23 mm dicken, auf grünlichem oder weißlichem Grunde bräunlich gesprenkelten Eiern. Nach einer Bmtzeit von 18 Tagen entschlüpfen die Jungen und werden nun von beiden Eltern mit Insekten, Regenwürmern, Schnecken und kleinen Wirbeltieren groß gefüttert. Vater und Mutter verlassen die Kinderschar nie. Wenige Vögel nähern sich mit größerer Vorsicht ihren Nestern als die Elstern, die alle möglichen Listen gebrauchen, um jene nicht zu verraten. Werden die Jungen geraubt oder auch nur bedroht, so erheben die Alten ein Zetergeschrei und vergessen nicht selten die ihnen eigne Vorsicht. Um ein getötetes Junges versammeln sich alle Elstern der Umgegend, die durch dаs Klagegekrächze der Eltern herbeigezogen werden können.
Jung aus dem Neste genommene Elstern werden außerordentlich zahm, lassen sich mit Fleisch, Brot, Quark, frischem Käse leicht auffüttern und zum Aus- und Einfliegen gewöhnen; sie lernen Lieder pfeifen und einzelne Worte sprechen und bereiten dann viel Freude, durch ihre Sucht, glänzende Dinge zu verstecken, аber auch wieder Unannehmlichkeiten.
Der Mensch, der dem Kleingeflügel seinen Schutz angedeihen läßt, wird früher oder später zum entschiedenen Feinde der Elster und vertreibt sie erbarmungslos aus dem von ihm überwachten Gehege. Auch der Aberglaube führt den Herrn der Erde gegen sie ins Feld. Eine im März erlegte und аn der Stalltür aufgehangene Elster hält, nach Ansicht abergläubischer Leute, Fliegen und Krankheiten vom Vieh ab; eine in den zwölf Nächten geschossene, verbrannte und zu Pulver gestoßene Schalaster аber ist ein unfehlbares Mittel gegen die Fallsucht. Liebe, dessen trefflichem Berichte über die Brutvögel Thüringens ich vorstehende Angaben entnehme, meint, daß der letzterwähnte Aberglaube wesentlich dazu beigetragen habe, die früher in Thüringen häufigen Elstern zu vermindern: so viele von ihnen wurden erlegt, verbrannt und zerstoßen, um dаs fallsuchtheilende „Diakonissinnen- pulver“ zu erzielen. Ihre Scheu und Sinnesschärfe macht übrigens selbst dem geübtesten Jäger zu schaffen und fordert Verstand und List des Menschen heraus. Außer diesem stellen wohl nur die stärkeren Raubvögel dem gewandten und mutigen Vogel nach. Am schlimmsten treibt es der Hühnerhabicht, gegen dessen Angriffe nur dichtes Gebüsch rettet.