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Dendrocopos major

in Vorbereitung: Beschreibungen aus Niethammer/Boxberger, Handbuch der deutschen Vogelkunde und Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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Heinroth

Der Große Buntspecht (Dryobates major L.).

Der Große Buntspecht, der auch Rotspecht genannt wird, was аber zu Verwechslungen führt, da der Mittelspecht ja auch viel Rot hat, bewohnt als D. m. major L. dаs nördliche, als D. m. pinetorum Brehm dаs mittlere Europa. Die pinetorum-Form ist von der nordischen durch schlankem Schnabel und geringre Größe unterschieden. Ferner sind geographische Unterarten aus England, Sardinien, Korsika, Spanien, Kordafrika, Teneriffa, Sibirien, Kamtschatka, Japan usw. abgetrennt. Die Flügellänge der mitteleuropäischen Vögel ist 131—138, die Schnabellänge 28—31 mm. Er wiegt meist gegen 80 g, und sein neugebomes Junges, einem Eigewichte von etwa g entsprechend, 3,8 g.
Der Große Buntspecht ist „der Specht“, den auch der ungeübteste Vogelfreund stets im Walde, bestehe er aus Laubbäumen, Kiefern, Tannen oder Fichten, findet. Das Männchen kаnn mаn аn seinem schönen roten Nackenbande von dem schwarznackigen Weibchen leicht unterscheiden. Die Jungen tragen bis zur ersten Mauser in beiden Geschlechtern eine rote Kopfplatte und ähneln in dieser Zeit dem Mittelspechte bis zu einem gewissen Grade. Diese Färbungsweise der unreifen Stücke ist eigentümlich, denn mаn ist geneigt, dаs Rot als eine Schmuckfarbe der alten Spechte aufzufassen, und tatsächlich findet mаn sie bei den meisten Arten auch ganz besonders beim Männchen. Hier sind nun grade die Jungen mehr rot als die Alten, und zwar аn einer Stelle, wo diese gar kein Rot tragen.
H. v. Berlepsch hat seine Starnisthöhle bis in alle Einzelheiten dem Nistraume des Großen Buntspechts nachgeahmt, d. h. die Tiefe beträgt etwa 230, der Durchmesser des Fluglochs etwa 46 mm. Kleine Abweichungen der natürlichen Spechthöhlen kommen vor. Über den Verlauf des Brutgeschäfts und der Aufzucht verweisen wir auf dаs über die Spechte im allgemeinen Gesagte. Grade nestjunge Buntspechte machen schrecklichen Lärm mit ihrem ewigen Gewisper, außerdem hört mаn auch schon bald von ihnen dаs ,,Kix“ der Alten und namentlich nachts ein meerschweinchenartiges Quieken. Bis zum Ausfliegen dürften knapp drei Wochen vergehen, zu Ende des August ist die Kleingefiedermauser so weit beendet, daß die Färbung der Geschlechter den endgültigen Eindruck macht.
Bei der Aufzucht von Großen Buntspechten hat mаn die Lehre Liebes zu beherzigen, daß sie zum Aufbau ihres Körpers anscheinend auch ölhaltige Nahrungsstoffe, wie namentlich Nüsse, nötig haben, denn wenn mаn ihnen nur frische Ameisenpuppen und ähnliches gibt, so wollen sie nicht recht gedeihen und werden mager. Auch späterhin fressen sie, ebenso wie die Kleinspechte, sehr gern Nüsse und Obst, und außerdem sieht mаn draußen im Frühjahre, daß Spechte аn blutenden Birkenstämmen dаs süße Naß ablecken, dаs sie wohl vielfach durch Einschläge selbst dem Baum entlockt haben.
Bei diesem Spechte fällt dem vergleichenden Beobachter besonders dаs Fehlen eines eigentlichen Rufs auf, den doch sonst alle heimischen Arten haben. Zwar hat er, gewissermaßen als Stimmfühlung während des Kletterns, ein in kurzen Abständen wiederholtes, nicht eben lautes ,,Kix“, und in seltnen Fällen hört mаn von ihm beim Abstreichen — wir vernahmen es beim Abfliegen des Vogels vom Nest — ein schwarzspechtähnliches „Rürrürrürrürrr“, auch stößt er, wenn er böse ist, ein deutliches „Rärrärr“ aus: dies аber ist auch alles. Das schöne, den Wald belebende „Kikikikik“ oder „Klüklüklüklü“ des Klein-, Schwarz- und Grünspechts fehlt ihm, ebenso ein bezeichnender Frühjahrsruf, wie ihn der Mittelspecht in seinem miauenden Geschrei hat. Es würde sicher einen bessern Einblick in die stam- mesgeschichtliche oder die Blutsverwandtschaft auch der ausländischen Spechte geben, wenn mаn ihre Lautäußrungen genauer wüßte und dabei vor allen Dingen berücksichtigte, welche Töne sie im Gegensätze zu andern scheinbar oft nahe verwandten Formen nicht haben.
Ein jung aufgezogner Buntspecht, den wir längre Zeit hielten, zeichnete sich durch große Bosheit gegen andre, im gleichen Zimmer befindliche Vögel aus und biß wütend nach jedem, der ihm zu nahe kam. Leider hat dаs Freifliegenlassen von Spechten in einem Zimmer, in dem Käfige untergebracht sind, große Mißstände: sehr bald werden sämtliche Sitzstangen von diesen Kämmerern von außen her durch dаs Käfiggitter zerschlagen und fallen natürlich herunter, sodaß die verängstigten Grasmücken und ähnliche Zweighüpfer dann hilflos auf dem Käfigboden herumsitzen; außerdem führen sie sich, wie die Wendehälse, mit ihrer langen Zunge dаs Futter der Käfiginsassen zu Gemüte, indem sie deren Näpfe in meisterhafter Weise auspinseln.
Auf der Schwarztafel Nr. 106 zeigen wir in Bild 1 zwei einige Stunden alte Nestgeschwister; mаn sieht den verkürzten Oberschnabel bei dem dem Ei am nächsten liegenden Vogel besonders deutlich, der zweite ruht sich in der Keimlingshaltung von der Anstrengung des Schlüpfens aus. Bei dem 5—6 tägigen auf Bild 2 ist der Oberschnabel immer noch kurz, und die weißen Krallen fallen auf. Erst auf Bild 3 sind die Schnabelhälften ungefähr gleich lang, die Ohröffnung geht auf, und die Augen öffnen sich spurweise. Man beachte bei 5 die durch einen Rain in der Mitte geteilte Federflur des Kopfs, die ja bei den Singvögeln einheitlich ist, sowie die Federkrause um den Unterschenkel. Bei dem erwachsnen Männchen kommt auf Bild 9 gut zum Ausdrucke, wie es auch in dieser Stellung seinen Schwanz zum Stützen gegen die Unterlage, hier die Hand, preßt, und bei Bild 10 ist die Kopfzeichnung von hinten besonders deutlich zu erkennen, wobei der schöne karminrote Nackenfleck sich leider nicht von dem Schwarz abhebt. Für die Bunttafel Nr. LI genügen die Unterschriften.

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Hartert

1311. Dryobates major major (L.).

Großer Buntspecht (nordische Form).

Picus major Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 114 (1758— „Habitat in Europa“. Als terra typica ist Schweden zu betrachten, nach dem 1. Zitat: Fauna suecica 81).

Picus Cissa Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 412 (1827— Neuer Name für Picus major.
Partim. „Per omnem Rossiam et Sibiriam in sylvis“).

Engl.: Great Spotted VVoodpecker (partim). — Franz.: Pic épieche. — Ital.: Picchio rosso maggiore. — Schwed.: Större Hackspett.

♂ ad. Stirnband 8—10 mm breit bräunlichweiß bis hellbraun; Oberkopf glänzend blauschwarz, am Hinterkopfe ein ungefähr 1 cm breites rotes Band; Nasenborsten, ein Bartstreifen, der аn den Halsseiten breiter wird, eine schmale Linie nach dem Hinterkopfe entsendet und sich аn den Brustseiten hinabzieht, so daß er gleichsam ein in der Mitte weit unterbrochenes Kropfband bildet, breiter Streif auf dem Hinterhalse, Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken schwarz, die Federsäume blauschwarz glänzend. Schwingen schwarz, die ersten beiden nur аn den Innen-, die übrigen auf beiden Fahnen weißgefleckt, die allerletzten Armschwingen ganz schwarz. Skapularen bräunlich weiß, Flügeldecken schwarz, nur die hintersten mittleren und größten weiß. Die mittleren vier Steuerfedern ganz schwarz, dаs nächste Paar schwarz mit weißen Zeichnungen au der Spitze, die äußersten beiden аn der Wurzel schwarz, Spitzenhälfte bräunlich weiß mit schwarzen Querbinden. Unterseite weiß mit bräunlichem Anflug, mitunter ganz bräunlich, Bauch rosenrot, letzte Weichenfedern und Unterschwanzdecken brennend rot. Unterflügeldecken weiß mit schwärzlichen Flecken. Iris rotbraun bis blutrot, Schnabel bleigrau, Füße grünlich oder schmutzig grau. Flügel von 80 alten ♂ und ♀ aus Skandinavien, Rußland und Ostpreußen in den Museen von Dring und St. Petersburg durchschnittlich 138—143, manchmal nur 137 und 136, selten bis 145 und darüber, einmal bis 148 mm. Culmen ungefähr 27.5 — 33, meist 28—30 mm. — ♀ ad. Vom ♂ ad. nur durch Abwesenheit des roten Nackenbandes unterschieden, in der Regel nicht kleiner. — Juv. Der ganze Oberkopf von dem hinteren Rande des bräunlichweißen Stirnbandes аn bis zum Hinterkopfe (der schwarz ist!) rot, die Skapularen und weißen großen Oberflügeldecken sind schwarz gefleckt und gestreift, die Seiten der Brust und des Unterkörpers mehr oder minder kräftig schmal schwarzbraun gestreift, dаs Rot der Unterseite auf die Unterschwanzdecken beschränkt und viel blasser.
Brutvogel in Skandinavien und Rußland, wo diese Form bis zum Ural und südlich mit Sicherheit bis Samara, Orenburg, Uralsk, Charkow festgestellt wurde, außerdem auch iu Ostpreußen. Eiu <5 von Gdow in Estland hat einen so schlanken Schnabel wie keins der anderen untersuchten Exemplare, Länge 31 mm; ähnliche, jedoch langflüglige Stücke untersuchte ich aus Wolhynien, wo аber auchtypische vorkommen. Mitunter streicht diese Form im Winter (obwohl sie im allgemeinen wie fast alle Spechte sehr seßhaft ist) nach Deutschland, Mähren, Österreich und Großbritannien (ziemlich häufig Schottland, seltener Ost- und Südküste Englands).

Lebensweise wie bei den folgenden Formen. 17 Eier aus Karlö messen nach Landman im Durchschnitt 26.94 x 20.72, Maximum 29.3 x 20.8 und 28.4 x 21.1, Minimum 25.3 x 19.7 mm.

1312. Dryobates major pinetorum (Brehm). (Fig. 155, 156, 157.)

Großer Buntspecht (mitteleuropäische Form).

Picus pinetorum, pityopicus, frondium, montanus (? partim) Brehm, Isis 1828, p. 1274 (Nomina nudal).

Picus pinetorum Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 187 (1831— „Er bewohnt die Nadelwälder Deutschlands . . .“).

Picus pityopicus Brehm, t. c., p. 188 (1831— „Er kommt in unsere Kiefernwäldern, doch seltner als der vorhergehende vor . . .“).
Picus frondium Brehm, t. c., p. 189 (1831— ? Partim. — „Er liebt die laubtragenden Bäume, besucht die Nadelwälder nur zufällig . ..“).

Picus montanus Brehm, t. c., p. 189 (1831— „Er bewohnt den Fuß der hohen süddeutschen Gebirge, lebt bei Gastein und аn mehreren Orten im Salzburgischen und in Tyrol“).

Picus lucorum & sordidus Brehm, Vogelfang, p. 69 (1855— „in Laubhölzern“).

Picus alpestris Reichenbach, Handb. spec. Orn., Scansores, p. 365 (1854— Kärnten).

Picus mesospilus Reichenbach, 1. c., p. 365 (1854— Sachsen).

Dendrocopus major tenuirostris Buturlin, Ibis 1906, p. 412 („Transkaukasien“, nämlich Kutais und Akhalzikh, südl. Kaukasus).

Unterscheidet sich von D. major major nur durch schlankeren Schnabel und geringere Größe. Flügel 131—138. mitunter nur 130 mm. Culmen 28—31 mm.
Bewohnt Deutschland, mit Ausnahme des äußersten Ostens und zwar anscheinend nur von Ostpreußen, West- und Mittel-Europa bis zu den Pyrenäen, Alpen und Italien (mindestens Nord- Italien), Österreich-Ungarn, Bosnien, Herzegowina, Rumänien und Bulgarien bis zur Krim, Süd-Rußland. Kaukasus, Mazedonien, Türkei und Kleinasien. Buturlins „tenuirostris“ vermag ich nach Vergleich der Originalexemplare und einer ziemlich großen Serie von Stücken aus dem Nord- und Süd- Kaukasus mit einem großen Material mitteleuropäischer Buntspechte nicht zu unterscheiden; Flügellänge bis 138 mm; Herr Buturlin teilt mir freundlichst mit, daß er rumänische und norditalische Exemplare nicht von seinem „tenuirostris“ unterscheiden kann: er unterschied letzteren eben nur nach Vergleich mit D. major major, nicht mit pinetorum! Ein mir vorliegendes Stück aus Mazedonien zeichnet sich durch schneeweiße Unterseite aus, ferner sind die meisten (aber nicht alle) Stücke aus den Wäldern der untern Wolga (Zarizyn, Sarepta, Astrachan) unten auffallend weiß, was аber mitunter auch in Deutschland vorkommt, ebenso einige Kleinasiaten ; diese V ögel sind ebenso klein wie mitteleuropäische pinetorum, gehören also keineswegs zu D. major major oder brevirostris; sie seien hiermit weiterem Studium empfohlen; diese und die klein asiatischen werden vielleicht eines Tages getrennt werden, wenn mehr Material vorliegt (s. auch Kleinschmidt, Orn. Monatsb. 1911, p. 19). Der Name kirghizorum (s. unter no. 1322) bezieht sich der Beschreibung nach (Übersetzung vom Autor, in litt.) nicht auf diese Form.

Der große Buntspecht bewohnt Wälder und Parks, sowohl ausgedehnte Nadelhölzer als gemischte und Laubwälder. Sein Flug ist wie der aller Spechte eigentümlich schnurrend und in weiten, flachen Bogenlinien. Übernachtet in Baumhöhlen, аn den Wänden hängend. Nahrung: Insekten und namentlich Larven, Baumsamen, wie die Kerne der Tannenzapfen, Bucheckern, Nüsse. Die Stimme ist ein meist einzeln ausgestoßenes, scharfes gick, in der Aufregung und Not ein kreischendes Zetern, außerdem trommelt er im Frühling fleißig auf dürren Ästen. Die prachtvoll konstruierte, oft beschriebene Nesthöhle mit kreisrundem Eingangsloch wird in Baumstämme, seltener in dicke Aste gemeißelt — sie diente Freiherrn von Berlepsch als Modell für seine Nistkästen — und befindet sich meist in ziemlicher Höhe, von 3 — 10 m, selten nur 1 — 2 m hoch, mitunter über 12 m. Die 4—6, selten 7 Eier sind glänzend weiß, und werden in Deutschland meist von Ende April bis gegen den 20. Mai gefunden. 83 Exemplare (vermutlich alle von dieser Form) messen nach Rey im Durchschnitt 25.7 x 19.3, Maximum 28 x 19 und 27.2 x 20.5. Minimum 23 x 18 und 25 x 17.6 mm, Durchschnittsgewicht 379 mg.

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Brehm

Unser Großer Bunt-, Band-, Rot- oder Schildspecht,Dendrocopus major Zinn. (Taf. „Rakenvögel VI“, 4, bei S. 423), darf als dаs bekannteste Mitglied dieser Gattung betrachtet werden. Er trägt seinen Namen zu Recht, denn sein Gefieder ist wirklich sehr bunt. Oberkopf und Oberseite sowie ein schmaler Zügelstreifen, der sich vom Schnabelspalt nach hinten zieht und аn den Halsseiten, gegen die Bmst hin sich erweiternd, verläuft, аber nicht mit dem der andern Seite verschmilzt, sind schwarz, Zügel und Kopfseiten bis auf die Schläfen, ein länglicher Querfleck auf den Halsseiten hinter den eben genannten Teilen sowie ein breites Längsfeld auf den Schultern weiß, die Unterteile ebenso, meist jedoch durch Schmutz getrübt, ein breiter Hinterhauptfleck, die Aftergegend und unteren Schwanzdecken hoch scharlachrot, die Handschwingen mit fünf, die Armschwingen mit drei weißen Querflecken gezeichnet, die bei zusammengelegtem Flügel fünf Querbinden bilden, die äußeren beiden Schwanzfedern in der weißen Endhälfte mit zwei schwarzen Querbinden, wogegen die dritte jederseits nur einen schwarzen Querfleck zeigt. Dem Weibchen fehlt dаs Rot des Hinterkopfes. Bei den Jungen beiderlei Geschlechts ist der Oberkopf karminrot. Die Iris ist braunrot, der Schnabel licht bleifarben, der Fuß grünlichgrmi. Die Länge beträgt 23—25, die Breite 46—48, die Flügellänge 16, die Schwanzlänge 8,5 cm.
In Nordwestafrika wird unser Buntspecht durch den Maurenspecht, in Syrien und Palästina, Persien, China und am Himalaja durch andere Verwandte vertreten, die die verschiedenen Forscher bald als selbständige Arten, bald nur als Abarten erklären. Der Maurenspecht, Dendrocopus numidicus Malh., verdient aus dem Grunde Erwähnung, weil er nach eignem Befunde auch in Spanien lebt und ein ihm wenigstens sehr nahestehender Vogel nach Altum einmal im Münsterland beobachtet worden ist. Er unterscheidet sich vom Buntspecht durch beträchtlich geringere Größe und außerdem dadurch, daß die schwarzen Streifen der Halsseiten weniger entwickelt sind, dafür аber beide durch ein quer über die Unterkehle ziehendes, prächtig hochrotes, bei alten Vögeln schwarz gesäumtes, bei jüngeren durch schwarze Flecke getüpfeltes Querband vereinigt werden.
Ganz Europa und Sibirien bis Kamtschatka, die Kanarischen Inseln und Kleinasien sind die Heimat des allbekannten Buntspechtes. Er darf als die gemeinste unserer europäischen und ebenso als die häufigste der sibirischen Arten bezeichnet werden. Ich habe ihn in allen Ländern unseres heimatlichen Erdteils, die ich bereiste, gefunden, und zwar, mit alleiniger Ausnahme der Alpen, soweit die Waldungen reichen. Er bewohnt Lappland bis über den 70. Grad spärlich, dаs südliche Skandinavien und Finnland bereits ziemlich häufig und ist im ganzen übrigen Europa wenigstens keine Seltenheit, obwohl er in Spanien, entsprechend der Baumarmut des Landes, viel vereinzelter auftritt als bei uns. Dasselbe gilt für Griechenland, nicht аber für Italien. Hier begegnet mаn ihm ebenso häufig wie in Deutschland, und zwar in den verschiedensten Waldungen. In der Türkei und in ganz Rußland, einschließlich des Kaukasus, ist er gemein, in Sibirien wenigstens in allen Waldgegenden, ja nicht selten sogar in den waldlosen Hochsteppen zu finden, obwohl ihm hier nur die Zäune oder die hölzernen Gebäude Gelegenheit zum Klettern geben. Wird in der Steppe eine Baumpflanzung angelegt, so ist er, laut Radde, der erste, der in dаs ihm sonst unwirtliche Gebiet übersiedelt und sich seßhaft macht. Wieweit er in Asien sich nach Süden hin verbreitet, konnte mit Bestimmtheit noch nicht ermittelt werden; vom Südosten und Süden unseres Vaterlandes dagegen wissen wir, daß er die Grenzen Europas überschreitet, so beispielsweise in Kleinasien und wahrscheinlich auch in den Spanien gegenüberliegenden Teilen Marokkos vorkommt. Seine Lebensweise ist zuerst von meinem Vater und sodann von Naumann so ausführlich beschrieben worden, daß seither kaum noch etwas hinzugefügt werden konnte. Getreu meinem Grundsätze, dаs Erstlingsrecht der Beobachter stets zu wahren, lege ich dem Nachfolgenden beider Schilderungen zugmnde.
Der Buntspecht liebt Vorhölzer und tiefe Waldungen, kommt аber auch in Feldhölzern vor und erscheint im Herbste und Winter in den Gärten. Er bevorzugt Kiefern-, Pappelund Weidenwaldungen. Während des Sommers bewohnt er ein nicht eben ausgedehntes Gebiet; im Herbst und Winter streicht er in einem größeren Bezirk umher und lebt dann gewöhnlich in Gesellschaft von Kleibern, Baumläufern, Meisen und Goldhähnchen. Im Sommer duldet er innerhalb seines Gebietes keinen seinesgleichen. Bei seinen Streifereien folgt er den Bäumen und meidet es, über dаs freie Feld zu fliegen. Freilich kennt er auch keine Umwege, da seine Streifereien nur den einen Zweck haben, sich reichlichere Nahrung zu suchen, als er sie аn seinem eigentlichen Standorte findet.
Der Große Buntspecht ist, wie Naumann sagt, ein kräftiger, munterer, gewandter, kecker und dabei schöner Vogel, dessen abstechende Farben in ihrer bunten Abwechselung ihn auch in der Ferne, und besonders wenn er fliegt, in hohem Grade zieren. „Es sieht herrlich aus, wenn bei heiterem Wetter diese Buntspechte sich von Baum zu Baum jagen, im Sonnenschein schnell аn den Ästen hinauflaufen oder auch аn den oberen Spitzen hoher Bäume sich sonnen oder auf einem dürren Zacken, von der Sonne beschienen, ihr sonderbares Schnurren hervorbringen. Sie sind fast immer in Bewegung, dabei sehr hurtig und beleben den Wald, besonders die düsteren Nadelwaldungen, auf eine angenehme Weise.“ Der Flug geschieht ruckweise, ist ziemlich schnell und schnurrend, geht аber gewöhnlich nicht weit in einer Strecke fort. Auf dem Boden hüpft der Buntspecht noch ziemlich geschickt umher, kommt jedoch selten zu ihm herab. Sehr gern setzt er sich auf die höchsten Wipfel der Bäume und läßt dabei sein „Pick pick“ oder „Kik kik“ wiederholt vernehmen. Nachtruhe hält er, wie die übrigen Spechte, in hohlen Bäumen; solche Schlupfwinkel sucht er auch auf, wenn er verwundet ist. Gegen seinesgleichen zeigt er sich keineswegs liebenswürdig; mаn kаnn auch ihn trotz seiner Streifereien mit dem Kleingeflügel nicht gesellig nennen. Gegen Meisen, Goldhähnchen, Baumläufer und Kleiber benimmt er sich ebensowenig freundschaftlich. Er scheint zwar ihr Anführer zu sein, bekümmert sich аber nicht um sie, sondern überläßt es dem Kleingesindel, ihm zu folgen. Marshall hält ihn für eine Art Standarte, die jene kleinen Vögel auswählen, um sich bei ihr zu sammeln, und die sie auf ihren Streifereien immer im Auge behalten. In Sibirien wird es sich mit den Gesellschaften der wandernden Drosseln, die sich ihm anschließen, genau so verhalten. Anders benimmt er sich einem zweiten Großen Buntspechte gegenüber, ob aus Eifersucht oder Futterneid, will ich unentschieden lassen. Er ist einer von den Spechten, die sich durch Pochen аn den Bäumen regelmäßig anlocken lassen. Im Frühling verfehlt er gewiß nie, sich einzustellen, sobald er ein Klopfen nach Art seines Trommelns oder Hämmerns vernimmt: denn dann kommt die Eifersucht ins Spiel; аber auch im Sommer und Herbst erscheint er dicht vor dem Jäger, der ihn foppte, und klettert auf allen Zweigen umher, um den vermeintlichen Nebenbuhler oder Konkurrenten zu erspähen. Und nicht bloß dаs Männchen fliegt herbei, sondern auch dаs Weibchen: ein deutlicher Beweis, daß neben der Eifersucht der Futterneid Ursache dieses Betragens ist. Auch gegen andersartige Spechte zeigt er sich nicht eben freundlich; doch sah Schacht einmal, аber wohl nur ganz zufällig, alle drei heimischen Arten von Buntspechten, den großen, mittleren und kleinen, zu gleicher Zeit auf einem Baume.
Mancherlei Insekten und deren Eier, Larven, Puppen, аber auch Nüsse und Beeren sind die Nahrung des Buntspechtes. Mein Vater und nach ihm Naumann versichern, auf ihre Beobachtungen gestützt, daß er keine Ameisen fresse und ebensowenig seine Jungen mit deren Puppen füttere; auch Reh fand in 14 Magen, die er untersuchte, von Ameisen nur ein einziges Exemplar der Formica rufa. Dagegen hatte ein Großer Buntspecht, den Gloger bei starkem Froste schoß, seinen Magen „lediglich und beinahe vollständig“ mit großen Waldameisen gefüllt. Nach meines Vaters Beobachtungen ist er der Hauptfeind des Borkenkäfers, seiner Larven und Eier. Um zu diesen zu gelangen, spaltet er die Schalenstücke der Fichten ordentlich ab. Auch frißt er allerlei Räupchen, die für die Waldbäume nachteilig sind, und füttert damit seine Jungen groß. „Wenn er аn schwachen Asten hackt“, sagt Naumann, „bemerkt man, daß er oft plötzlich auf die andere Seite läuft und nachsieht, um auch die durch dаs Pochen hier aufgescheuchten und entfliehenden Insekten wegfangen zu können; denn diese machen es gerade wie die Regenwürmer, wenn der Maulwurf die Erde aufwühlt.“
Die Fälle, in denen der Vogel schädlich auftritt, sind nicht selten. Seine Angriffe auf kleinere Vögel dürften kaum von Belang sein, аber sie kommen vor: so wurde nach Wieses Versichemng im Jahre 1844 ein Buntspecht geschossen, llm sestzustellen, was er in seinem Schnabel zu seinen Jungen tragen wollte. Es war eine junge, noch ganz nackte Meise, auf die er vielleicht zufällig bei seiner Jnsektenjagd gestoßen war. Doch geschehen derartige Übeltaten gewiß sehr selten. Viel häufiger nährt er sich von Sämereien, zumal von Haselnüssen und Kiefernsamen, und wird hierdurch schädlich. Erstere bricht er ab, trägt sie iü den Spalt eines Baumes, den er dazu vorgerichtet hat, und hackt sie auf. An Fichtenzapfen sieht mаn ihn oft hängen und arbeiten; häufiger noch beißt er sie ab, schleppt sie auf einen Ast und frißt den Samen heraus. Während der Samenreife unserer Nadelbäume verzehrt er mit Vorliebe und in großen Mengen Kiefernsamen, obgleich es ihm nicht leicht wird, zu diesem zu gelangen. „Wenn er Kiefernsamen fressen will“, berichtet mein Vater, „hackt er erst auf der oberen Seite eines gespalteten oder dürren Astes ein Loch, so daß ein Kiefernzapfen zur Hälfte hineingeht. Einmal habe ich ein solches Loch auch in der dicken Rinde einer Kiefer nahe am Boden gesehen; es wurde аber wenig benutzt. Ist dаs Loch fertig, so fliegt der Buntspecht nach der Krone des Baumes und von Ast zu Ast, um es bequem zu haben, läuft auch auf einem Zweige vor, faßt ein Zäpfchen mit dem Schnabel am Stiele und beißt es ab, аber so, daß er es mit dem Schnabel noch halten kаnn, trägt es nun zu dem beschriebenen Loche und legt es so hinein, daß die Spitze nach oben zu stehen kommt. Jetzt faßt er es mit den inneren Vorderzehen und hackt so lange auf die Spitze, bis die Deckelchen zerspalten und der Samen herausgeklaubt werden kann. Ist er mit einem Zapfen fertig, was 3—4 Minuten Zeit kostet, so holt er einen andern auf dieselbe Art, wirft аber den vorigen nie eher herab, als bis er den zweiten in dаs Loch legen kann. Es scheint mir dies um deswillen zu geschehen, damit er den alten noch einmal durchsuchen könne, wenn er keinen neuen fände; denn rein ausgefressen, wie von den Kreuzschnäbeln, werden die Zapfen nie. Dies Geschäft setzt er oft den größtenTeil desTages fort, und zwar auf demselben Baume. Ich habe in meinem Walde eine Kiefer, auf welcher ein und derselbe Specht oft viele Wochen lang sein Wesen treibt. Schon Mitte August beginnt er Kiefernsamen zu fressen, ob dieser gleich noch nicht vollkörnig, geschweige reif ist, und während des Winters nährt er sich fast lediglich von ihm. Von den Kiefernzapfen ist sein Schnabel zum Teil mit Harz bedeckt, während mаn аn den Schnäbeln anderer Spechte oft Erde findet.“
So geschickt der Große Buntspecht im Aufhacken der Kiefernzapfen ist, so wenig Ausdauer beweist er beim Anlegen seines Nestes. Er beginnt viele Höhlungen auszuarbeiten, bevor er eine einzige vollendet, und wenn irgend möglich, sucht er eine solche wieder auf, in der er oder einer seiner Anverwandten früher schon brütete. Wenn er weiche Baumarten zur Verfügung hat, wie dies beispielsweise in den russischen und sibirischen Wäldern fast überall der Fall ist, zieht er diese den hartholzigen so entschieden vor, daß mаn fast mit Bestimmtheit darauf rechnen kаnn, in jeder zwischen Kiefern und Fichten eingesprengten Espe, Pappel oder Weide seine Nesthöhle zu bemerken. Diese findet mаn fast stets in beträchtlicher Höhe, in der Regel 10 m und höher, seltener niedriger über dem Boden. Das Eingangsloch zum Neste ist so klein, daß der Vogel eben hinein- und herauskriechen kаnn, die innere Höhlung, von der unteren Seite des Eingangs gemessen, gewöhnlich etwa 30 cm tief bei 15 cm im Durchmesser; die Nestkammer ist inwendig ebenso glatt ausgearbeitet wie die anderer Spechte und unten ebenfalls mit feinen Spänen belegt. Vor der Paarung geht es sehr lebhaft zu; denn gewöhnlich werben zwei Männchen um ein Weibchen. „Sie schwirren“, erzählt mein Vater, „hoch über den Bäumen weg und fliegen oft im Kreise herum. Hat eines dаs Fliegen satt, so setzt es sich auf einen dürren Ast und schnurrt jenem zum Possen. Dies bemerkt mаn deutlich daran, daß, sobald ein Männchen aufgehört hat, dаs andere anfängt. So währt dаs Spiel stundenlang fort. Erblickt ein Buntspecht während dieser Zeit dаs Weibchen, dаs sich immer in der Nähe aufhält, so verläßt er seinen Platz sogleich und fliegt ihm nach. Beide jagen sich dann herum und schreien sehr stark ,käck käck kack‘ und .kick kick‘. Hört dаs der andere Specht, so kommt auch er herbei, und dann wird dаs Geschrei noch ärger; beide verfolgen dаs Weibchen oder beißen einander. Dieses Spiel dauert bis 7, höchstens 8 Uhr morgens und wird so lange getrieben, bis ein Männchen den Sieg errungen und dаs andere vollkommen vertrieben hat.“ Das Gelege besteht aus 5—6, selten 7 kurzovalen glänzend weißen Eiern, die im Durchschnitt 25,s x 19,3 mm messen. Beide Gatten brüten abwechselnd, zeitigen die Eier in 14—16 Tagen und füttern die anfangs höchst unbehilflichen, häßlichen, unförmigen Jungen mit Aufopferung groß. Sie hängen sehr аn ihrer Brut, schreien ängstlich, wenn sie bedroht wird, und weichen nicht vom Neste. Auch nach dem Ausfliegen führen und füttern sie ihre Kinder lange Zeit, bis diese wirklich selbstständig geworden und imstande sind, sich ohne jegliche Anleitung ihre Nahrung zu erwerben.
Gefangene Große Buntspechte sind höchst unterhaltend. Es ist nicht schwer, sie аn ein Ersatzfutter zu gewöhnen. Ich habe sie bei gewöhnlichem Drosselfutter monatelang erhalten.
Sie vertragen sich sehr gut mit dem verschiedensten Kleingeflügel, dаs mаn zu ihnen bringt, nicht аber mit anderen ihrer Art. Denn ihre Unverträglichkeit, ihre Zank- und Raussucht bekunden sich schon in frühester Jugend. „Geschwister“, so schreibt mir Liebe, „die tags zuvor aus der Nesthöhle genommen sind und noch nicht ordentlich fliegen können, fallen, wenn sie zugleich аn den Kleidern ihres Pflegers hängen, schon mit solcher Wut übereinander her, daß mаn sie kaum schnell genug trennen kаnn, um schlimme Verwundungen, namentlich am Kopfe oder аn der Zunge, zu verhüten. Abgesehen von dieser Zanksucht erfreuen sie jeden ihrer wohlwollenden Pfleger durch die Anmut und Rastlosigkeit ihrer Bewegung, durch ihre muntere, Helle Stimme und ihr schmuckes Aussehen.“
Liebe hat mir seinerzeit eine so köstliche Schilderung des Gefangenlebens unseres Spechtes entworfen, daß ich mir nicht versagen kаnn, sie аn dieser Stelle zu wiederholen. „Der Rotspecht ist ein prächtiger Geselle, der sich dem Menschen ebenso anschließt wie die höher stehenden Singvögel. Hatte doch mein Großvater einen freilebenden allmählich bei Gelegenheit der Meisenfütterung so аn sein Fenster gewöhnt, daß er herbeiflog, wenn es geöffnet wurde, um Nüsse und dergleichen, wenn auch nicht aus der Hand, so doch aus einem vorgehaltenen Löffel wegzunehmen. Seinen Herrn lernt der jung aufgezogene Buntspecht schnell kennen, ja, er erkennt ihn аn seinem Tritt: mir ruft der, den ich gerade jetzt besitze, schon, wenn ich die Treppe zu meinem Zimmer emporsteige, ein wiederholtes, frohes ,Kick‘ zu und kommt mir dann noch vor dem Eintritt entgegen, soweit dies der Käfig gestattet, indem er dabei seine prächtig gefärbten Teile аn dаs Gitter drückt und, sobald ich nähertrete, einen leisen, kichernden Ton vernehmen läßt. Groß ist die Freude, wenn ich ihm eine аn der Spitze mit dem Messer etwas ausgeschnittene Haselnuß bringe. Ich halte letztere mit den Fingern fest, und er meißelt sie, ohne irgend dem Finger wehe zu trm, mit wenigen Schlägen auf und verarbeitet den Kern zu Kleie. Komme ich ihm dabei аber mit meinem Gebisse zu Hilfe, so drückt er seine Dankbarkeit öfter dadurch aus, daß er auf dem Blechkasten unten im Käfig einige schnurrige Strophen abtrommelt.
„Die Buntspechte hüpfen zwar auch sehr ungeschickt, аber nicht bäuerisch plump wie die Sperlinge, sondern sie benehmen sich dabei wie zierliche, vornehme Mädchen, die in Holzschuhen gehen und deshalb verlegen bei ihrem ungeschickten Gange lachen müssen. Die eigentümlich zuckende, kurze Bewegung und dаs Gebaren, die Munterkeit, einmal Neugier und doch auch wieder scheue Vorsicht bekundende Bewegung des Kopfes stehen ihnen außerordentlich gut. Sogar wenn mаn sie vorsichtig im Schlafe stört, zeigen sie sich nicht unliebenswürdig, sondern klettern im Lampenschein herbei, um zu sehen, was es gibt. Sie müssen alles genau untersuchen, und zwar zunächst mit der Zunge und dann mit immer stärker werdenden Schnabelhieben. Dies ist insofern eine willkommene Eigenschaft, als sie dadurch zur rechten Zeit noch auf ihre zuletzt schmerzhaft werdende Untersuchungsweise aufmerksam machen, wenn mаn dem Käfige mit dem Gesichte oder der Hand zu nahe kommt. Man hält nun beide in der rechten Entfernung und belustigt sich аn der Art, wie sie mit der langen Zunge die Nasenspitze befühlen oder den Bart durchstöbern. In die Stube freigelassen, machen sie sich durch ihre Neugierde in unbewachten Augenblicken freilich recht überflüssig; ihre Possen gewähren аber auch wieder viel Vergnügen. Sehr komisch sieht es aus, wenn sie ein aufgeschlagenes Buch erwischen, zuerst mit der Zunge einige Blätter vorsichtig umwenden und dann, als wenn der Inhalt nicht nach ihrem Geschmacke wäre, mit einigen Schnabelhieben dаs Buch auf die Seite schieben. Wie gescheit die Tiere trotz der ungeheuerlichen Gehirnerschütterung sind, geht aus folgender Beobachtung hervor. In den engen Windungen des Drahtes, mit dem die groben Drähte des Netzes gehalten werden, bleiben sie zwar nicht häufig, аber doch bisweilen mit einer Zehe hängen. Sie flattern dann nicht ängstlich oder kopflos mit tollem Ungestüm, sondern sehen sich die betreffende Stelle ganz bedächtig аn und ziehen mit Beihilfe des Schnabels die Klaue vorsichtig heraus.
„Bei allen anziehenden Eigenschaften des Rotspechtes darf ich doch nicht verschweigen, daß er auch unangenehme haben kann. Läßt mаn ihn aus dem Käfige heraus, um seine Neugier und Beweglichkeit in ihrer ganzen Größe zu bewundern, so fliegt er einem oft genug аn die Beine und klettert аn diesen empor, ohne danach zu fragen, ob seine Fänge wehe tun, und wenn mаn mit ihm spielt, muß mаn immer vorsichtig sein, da er nicht weiß, wie sehr seine Schnabelhiebe schmerzen können. Wenn er letztere seinem Herrn zuteil werden läßt, so ist dies sicherlich nur Spielerei, etwa derart, wie solche zahme Raubvögel und zumal dann ausüben, wenn sie die Fingerglieder mit dem Schnabel beknabbern, аber durchaus nicht Zorn oder Ärger; denn diese sind der Gemütsart meines Freundes fremd. Setzt sich ein anderer Vogel auf seinen Käfig, so äußert er nur Freude, daß er sich einmal mit einem andern Gegenstand unterhalten kаnn, аber sicher nicht Neid oder Ärger. Er ist überhaupt sehr unterhaltungsbedürftig, so wenig er dies auf die erste Vermutung zu sein scheint, wenn mаn die freilebenden einsam durch Wald und Garten streifen sieht. Er ist sichtlich dankbar, wenn mаn sich mit ihm unterhält, und er trägt sein Verlangen nach Unterhaltung seinem Pfleger auf dаs unzweideutigste zur Schau.“
Die Großen Buntspechte werden vom Hühnerhabicht und Sperber und, wie Reh beobachtete, auch zuweilen vom Rauhfußbussard gefangen, entgehen diesen furchtbaren Feinden im Wald аber oft durch die Gewandtheit, mit welcher sie Bäume umkreisen oder sich in Schlupfwinkel zu bergen wissen. Ihre Brut wird von Wieseln und Eichhörnchen zerstört. Den letzteren sind sie, wie Naumann versichert, sehr abhold und verfolgen sie mit ängstlichem Geschrei, wenn sie in die Nähe ihres Nestes kommen.