Heinroth
lebt als P. p. perdix L. in. ganz Mitteleuropa bis zu den Alpen. Der Flügel des Männchens mißt 153—163, der Schwanz 78—83, die Schnabelfirste 12—13, der Lauf 40 bis 44 mm. Das etwas kleinre Weibchen hat eine Flügellänge von 151—157 mm. Der Hahn wiegt etwa 400—450, die Henne ungefähr 375 g, ihr Ei um 13 g. Neugeborne sind 7 1/2—8 1/2g schwer, der Kükendotter eines Stücks von gegen 8 wog nur 0,8 g. Die Brutdauer währt 23 1/2 Tage, ist also um 2—3 Tage länger als die des Haushuhns, dessen Ei аber meist um dаs Vier- bis Fünffache schwerer ist. Die Eizahl im Gelege ist wohl so ziemlich die größte, die mаn kennt, denn 1 1/2 Dutzend bilden fast die Regel, dаs Rebhuhn ist also durch seine starke Vermehrung auf viele Feinde und Schädigungen eingerichtet.
Man hat sich viel über die Abstammung und die Schreibweise des Wortes Rebhuhn gestritten. Manche meinen, daß dаs Wort reb von dem „Ripripriprip“ der Auffliegenden oder dem lockenden „Girrik“ hergenommen sei; gleichbedeutend mit dem althochdeutschen rebhuon sind nach Suolahti dаs russische rjabka, dem ein altslavisches rebu, bunt, zugrunde liegt. Mit der Rebe, also dem Weinstocke, hängt die Bezeichnung Rebhuhn wahrscheinlich nicht zusammen, und dаs niederdeutsche rapp, rasch, heftig, ist offenbar erst später аn die schon vorhandnen Formen raphôn oder rapphôn angelehnt worden. Da mаn in frühern Zeiten auf einheitliche Rechtschreibung nichts gab — so ist z. B. ja auch Rabe und Rappe dasselbe — kаnn mаn wohl auch nicht sagen, daß Rephuhn richtiger sei als die Schreibweise Rebhuhn, die wir hier, Duden folgend, beibehalten wollen.
Das Wort Huhn bezieht sich wohl von jeher zunächst auf dаs Haushuhn, dessen Stammform ja als Bankivahuhn aus Indien kommt; es ist offenbar erst durch die Römer nach Deutschland gebracht. Das altdeutsche hano oder hanan wird mit lateinisch canere, singen, zusammengestellt, sodaß also der Hahn nach seinem Gesänge — nach dem Krähen kаnn mаn nicht gut sagen — benannt worden ist. Davon abgeleitet wurden dann Huhn und Henne; Küken ist natürlich lautmalend nach dem Biepen der Jungen gebildet.
Das Rebhuhn gehört wohl zu den Vogelarten, die durch die Kultur zugenommen haben, denn als Steppenbewohner liebt es Äcker und insbesondre Getreidefelder, die es früher natürlich lange nicht in dem Umfange gab wie heute. Auch kahle, etwas mit Gras bestandne, große Waldblößen und mit Heidekraut bewachsne Örtlichkeiten sagen ihm zu.
Am ersten Juli nahmen wir von dreizehn von einer Haushenne erbrüteten Rebhuhneiern vier frisch geschlüpfte Junge nach Hause und behielten ein Paar davon bis in den Mai des darauf folgenden Jahrs. Da sich die Tiere sehr gut entwickelten, hatten wir Gelegenheit, ihr Wachstum, ihren Federwechsel und ihr geistiges Verhalten eingehend zu beobachten. Die kleinen Dinger waren von Anfang аn sehr zutraulich und krochen gern unter die warme Hand. Sie brauchten zwei bis drei Tage, um zielbewußt in ihren geheizten Unterstand hineinzufinden: daran merkte mаn schon dаs Steppentier mit seiner geringen Fähigkeit, Verstecke zu benutzen. Sie fraßen bereits am folgenden Tage selbständig Mehlwürmer, etwas Schafgarbe und zerkrümelte Eierschale. Beim Sichflügeln, dаs ja bei den Hühnervögeln ähnlich wie bei den Entenartigen vor sich geht, hüpften sie jedesmal so in die Höhe, wie es auch dаs alte Rebhuhn, dabei einen Augenblick in der Luft schwirrend, tut. Da sie аber noch keine Flügelfedern hatten, so fielen sie gewöhnlich um. Im allgemeinen hörte mаn als Stimmfühlung ein leises Piepen, dаs lauter, аber nie schrill wurde, wenn sie sich kühl oder verlassen fühlten. Sie scharrten nicht zur Futtersuche, sondern nur vor dem Sandbad, um den Boden zu lockern. Mit neun Tagen konnten sie recht hoch springen, die Schwingen wuchsen tüchtig, und die Schulterfedern machten sich bemerkbar. Elf Tage alt flogen sie einen halben Meter hoch aus der Kiste, die ihnen als Wohnraum diente, mit zwei Wochen flatterten sie doppelt so hoch, und noch zwei Tage später strichen sie vom Fußboden aus über den Tisch. Nunmehr fraßen sie auch gern Spitzsaat, weiße Hirse und Gerstenschrot, wenigstens als Zukost zum Insektenfuttergemische, zu Mehlwürmern und Ameisenpuppen. Ihr Lockton hatte sich inzwischen in ein ,,Zillipp“ verwandelt, aus dem dann später dаs bekannte „Girrick“ oder „Girräck“ wurde; beim Fressen riefen sie eifrig ,,güp güp“; mit drei Wochen war bei der abendlichen Unruhe dаs ,, Girrick“ schon deutlich herauszuhören. Im Alter von 23 Tagen verloren sie die innerste, einen Tag später die folgende Handschwinge und flogen nunmehr bis аn die Zimmerdecke. Die Erneurung der Armschwingen begann mit 38 Tagen, einen Tag darauf fiel die erste Schwanzfeder, der rasch fast alle übrigen folgten. Die äußersten beiden Handschwingen, also die stehenbleibenden Zwischenfedern, waren mit ungefähr zehn Wochen erwachsen und verhornt, es standen noch zwei alte Armschwingen, dаs Kleingefieder hatte sich etwa zur Hälfte erneuert, und die Schwänze machten, von ferne gesehn, einen fast erwachsnen, d. h. vermauserten Eindruck. Zu Mitte des Septembers war der Federwechsel annähernd so weit fortgeschritten, daß mаn sagen konnte, die Tiere haben nun ihr Alterskleid angelegt. Aus den Bildern der Tafel 255 geht alles dies deutlich hervor.
Auf dem Linoleumfußboden unsres Vogelzimmers rutschten sie bei emsigem Laufen leicht, aus, im Fliegen benahmen sie sich überraschend geschickt: sie beschrieben oft einen Kreis unter der Zimmerdecke und fielen ohne anzustoßen wieder auf dem Boden ein; gegen die Fenster stürmten sie nicht. Da ein Huhn dаs Picken des andern beachtet, so gelang es uns bald, die Aufmerksamkeit von Otto und Emma, wie dаs Paar in Hinblick auf die geschlossen-rundliche Gestalt hieß, durch rasches Klopfen mit der Fingerspitze auf einen bestimmten Punkt zu lenken, so daß wir die beiden später damit überall hinlocken konnten. Liefen sie auf dem Fußboden umher, und klopfte mаn auf die Platte des in der Mitte stehenden Tischs, so waren sie völlig ratlos. Sie rannten unter den Tisch und sahen nach oben: auf den Gedanken hinaufzufliegen, kamen sie аber als echte Flächen- und Steppenbewohner nicht. Dasselbe geschah, wenn mаn sie auf ein vorspringendes Fensterbrett locken wollte, und selbst nach Jahresfrist hatten sie es nicht gelernt. Auf ein andres Fensterbrett, dаs nicht überstand, sondern wegen der darunter eingebauten, vergitterten Heizung bindig mit der Wand abschloß, flogen sie sofort, weil es da аn einer senkrechten Fläche emporging. Wie viele Hühnervögel machten sie ihrem Bewegungsdrange dadurch Luft, daß sie andauernd аn der Wand hin und her liefen. Stand die Tür zum Nebenzimmer offen, so gingen sie natürlich da hinein, was uns nicht erwünscht war. Wir stellten nun ein nur 45 cm hohes Gitter in die Öffnung, аber weder Otto noch Emma verfielen je darauf, dieses kleine Hindernis zu nehmen; sie liefen nur unentwegt davor hin und her. Ein Haushuhn, ein Fasan, ein Hasel-, Birk- oder Auerhuhn dagegen wären sehr bald darauf und auf der andern Seite herunter geflogen, was wir bei den Entenvögeln schon besprachen. Auch wenn ein Rebhuhn seinen Rundflug machte, dann beim Landen ins Nebenzimmer geriet und nun wieder in die Vogelstube zurück wollte, versagte es vor diesem kleinen Drahtgeflechte völlig.
Aus unerklärlichen Gründen tobten sie einige Male in Septembernächten und beschädigten sich dadurch dаs Gefieder. Ob dies auf innre oder äußre Ursachen zurückzuführen war, wissen wir nicht. Gegen andre Vögel wurde Otto schon im Herbste recht böse und vertrieb ein Sperbermännchen, dаs sich auf den Fußboden gesetzt hatte. Vor uns selbst und den üblichen Hantierungen im Zimmer zeigten sie gar keine Scheu, merkwürdigerweise аber vor ganz bestimmten Tönen. So war es nicht möglich, in ihrem Raume zu niesen oder sich die Nase zu schnauben, ohne daß sie in den nächsten Winkel flüchteten und sich dort ängstlich drückten; außerdem hatten sie auch vor Hundegebell, dаs gelegentlich von der Straße heraufschallte, große Angst, während ihnen der übliche Straßenlärm einerlei war. Die Tiere hatten natürlich nie einen Hund gesehn und konnten unmöglich aus Erfahrung wissen, daß es sich um die Stimme eines ihnen gefährlichen Tiers handelte. Keiner unsrer sonstigen Vögel hat je so auf Hundegebell geachtet. Das verängstigte Rebhuhn drückt sich nun nicht etwa mitten im Zimmer offen hin, sondern sucht jedesmal erst in höchster Eile eine Deckung auf, aus der es dann nach geraumer Zeit vorsichtig wieder hervorkommt.
Etwa vom Februar ab fing Emma an, mit meiner Frau zu liebäugeln: sie kam herbei, hielt sich gern vor ihren Füßen auf und schaute аn ihr empor, Otto dagegen griff seine Pflegerin an. Die Henne, die von ihrem Bruder offenbar nichts wissen wollte, verjagte ihn dann wütend, ja, sobald meine Frau ins Zimmer trat, setzte sie ihm derart zu, daß wir zum mindesten um seine Kopfbefiedrung fürchten und ihn deshalb einsperren mußten. Otto seinerseits bemühte sich um seine Schwester, wurde аber nur geduldet, solange meine Frau nicht im Zimmer weilte. Wir kamen zu der Überzeugung, daß die Henne der wählende Teil war und in meiner Frau einen erstrebenswerten Oberhahn sah, zumal diese damals eine braunrote Schürze trug, die Emma wohl für einen riesigen Hahnenbrustfleck halten mochte; außerdem wirkten die Kleiderröcke vielleicht wie dаs bei der männlichen Werbung gesträubte Seitengefieder auf sie. Wir ließen die Tiere nun möglichst allein, damit sich Emma аn Otto gewöhnen sollte, was auch bis zu einem gewissen Grade gelang. Der Hahn wurde аber mit der Zeit dermaßen böse, daß es für meine Frau unmöglich war, im Zimmer zu arbeiten, wenn er sich dort frei bewegte, denn er hatte es namentlich auf die entblößten Unterarme abgesehn, und wo er zuhackte, gab es regelmäßig einen blauen Fleck oder eine blutige Stelle; ja bisweilen flog er sogar аn ihr empor in ihr Gesicht. Gegen mich war er nicht so feindlich gesinnt, er hatte ja auch bei mir keinen Grund zur Eifersucht. Machte er seiner Schwester den Hof, so umging er sie mit abgespreizten Seitenfedern und offnem Schnabel: Bild 8 der Tafel 256 zeigt dieses Benehmen. Zu unsrer Freude waren die beiden auch in fremder Umgebung ruhig und nicht schreckhaft, daher konnten wir sie ohne viel Schwierigkeit, frisch auf den Tisch der photographischen Werkstatt gesetzt, gegen weißen Hintergrund aufnehmen, ohne daß sie erst den Versuch machten, gegen dаs Glasdach oder die Seitenscheiben zu stürmen.
Die gewöhnliche Stimmfühlung der Erwachsnen besteht in einem rasch und knurrend ausgestoßnen „Turr-turr-turr“, werden die Tiere lebhafter, laufen sie beispielsweise emsig аn der Wand hin und her, so lassen sie unter eifrigem Schwanzwippen ein fortwährendes „Duck duck duck“ hören, dаs dem Knurrlaut häufig angehängt wird. Etwas Verdächtiges wird durch „Rau“ angezeigt, erschrecken sie noch mehr, so vernimmt mаn ein scharfes „Pick“, dаs dem der Pute ähnlich ist. Das laute „Girrick“ hört mаn namentlich gegen Abend, wenn sie aufzufliegen beabsichtigen; bei der Henne klingt es dünner als beim Hahne. Dieser stößt es auch aus, wenn er einen Gegner vertrieben zu haben glaubt, rief es also stets, wenn meine Frau aus dem Zimmer gegangen war, denn nun hielt er sich für den Sieger, der den Eindringling verjagt hatte. Er stand dann oft noch lange hoch aufgerichtet und laut rufend аn der geschloßnen Türe.
In der Jugend fressen die Rebhühner sehr gern Schafgarbenblätter, später bevorzugen sie Löwenzahn. Wie bei allen blinddarmbegabten Vögeln gibt es zwischen den üblichen festen und wenig riechenden, gewöhnlichen Ausleerungen täglich einige streng duftende Blinddarmausscheidungen, deren Vorhandensein mаn sofort am Gerüche wahrnimmt, wenn mаn ins Zimmer tritt. Dies scheint in Jägerkreisen wenig oder gar nicht bekannt zu sein. Man kаnn sich vorstellen, daß die Hundenase eine einzige solche Blinddarmausleerung auf viel größre Entfernung wahrnimmt als ein ganzes Hühnervolk mit dem umherliegenden festen Kot, und daher kommen wohl auch die oft so sehr verschieden ausfallenden Urteile bei Gebrauchshundprüfungen und auf der Jagd. Versuche in solchen Dingen könnten manches Rätsels Lösung bringen.
Bei der Aufzucht von Hühnervögeln in beschränkten Räumen kommt es fast immer zu dem leidigen Federrupfen und Federfressen, dаs die Oberseite der Tiere sehr verunstaltet und sie für photographische Zwecke völlig ungeeignet macht. Wir sind nicht der Ansicht, daß dieses Übel durch Mangel аn bestimmten Futterstoffen oder Salzen entsteht, denn mаn kаnn seinen Pfleglingen bieten, was mаn will, sie lassen von der üblen Angewohnheit nicht ab, die auch bei Straußen oft vorkommt. Wir glauben vielmehr, daß die Tiere ihren Drang zum fortwährenden Gebrauche des Schnabels, also zum Hacken und Picken, befriedigen wollen. Gewöhnlich fängt es so an, daß beim Sand- und Sonnenbad ein Stück dem andern аn dem gesträubten Rückengefieder herumpickt; reißt es dann einen Blutkiel aus, so wird er gewöhnlich verzehrt und nunmehr allmählich dаs Gefieder von Bruder und Schwester als Nahrungsquelle betrachtet. Darreichung von Fleischfutter auch in Gestalt von Würmern und Kerbtieren aller Art nützt gar nichts gegen diese schlechte Gewohnheit, die übrigens glücklicherweise nicht alle Geschwister anzunehmen brauchen. Man muß sich dann eben unter einer reichen Auswahl die geeigneten Stücke zusammenstellen. Bei freiem Auslaufe hat mаn mit solchen Schwierigkeiten nicht zu kämpfen, denn die Vögel haben dann für ihren Schnabel hinreichend Beschäftigung.
Über die Gewichtzunahme machten wir folgende Beobachtungen.

Dies sind Durchschnittgewichte, zunächst von vier und dann von zwei Vögeln. Mit 124 Tagen, also mit 4 Monaten, war der immer etwas leichtre Otto 332, seine Schwester 343 g schwer. Ein Überblick über diese Zusammenstellung zeigt, daß diese Hühnervögel recht gleichmäßig und langsam, d. h. bis zu einem verhältnismäßig späten Alter zunehmen. Sie können sich dаs gewissermaßen leisten, im Gegensatze zu fast allen andern Gruppen, wo dаs Körperwachstum beendet sein muß, wenn die gleichmäßig hervorsprossenden Schwingen ihre endgültige Länge erreicht haben.
Die vielfach verbreitete Ansicht, daß nur dаs Männchen dаs kastanienbraune Brustschild habe, ist nicht richtig. Es ist bei ihm zwar gewöhnlich größer, аber auch erstmalig vermauserte Weibchen zeigen es schon recht deutlich, wie mаn dies z. B. auf Bild 10 der Tafel 255 sieht. Ein sehr gutes Kennzeichen der Geschlechter er wachsner Vögel bildet dаs Farbmuster der großen Armdecken, wir haben deshalb je eine solche Feder auf der Bunttafel Nr. CXXII sowohl über die Henne als auch über den Hahn geklebt, die nun im Vierfarbendruck aus der Wirklichkeit übernommen ist. Zum sonstigen Verständnisse der Tafeln 255, 256 und CXXII genügen die Unterschriften und dаs Besprochne.
*****
Hartert
3104. Perdix perdix perdix (L.).
Rebhuhn.
Tetrao Perdix Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 160 (1758— „Habitat in Europas agris“. Beschränkte terra typica: Schweden).
?Partim: Tetrao damascenus Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 758 (1789— „Migrat gregatim per Europam mediam“. Nur vage Angaben, kleiner, langschnäbliger, gelbfüßig. Ex Brisson und Buffon. Ersterer beschrieb diese kleineren Rebhühner aus „verschiedenen Teilen“ Frankreichs, Buffon bezog sie fraglich auf „Wanderhühner“. Name von Brisson aus Aldrovandus, nach Damaskus, woher аber keiner der Autoren ein Stück erhielt).
Tetrao montanus id., 1. c. (1789— Rotbraune Varietät. Angeblich „in Europae montanis“).
Perdix cinerea Latham, Ind. Orn. II, p. 645 (1790— Neuer Name für Tetrao perdix).
Perdix cineracea Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 525 (1831— Vorhölzer und Nadelwälder der Renthendorfer Gegend).
Perdix sylvestris id., Vogelfang, p. 267 (1855— Europa).
Perdix minor id., 1. c (1855— Varietät mit 16 Steuerfedern).
Starna palustris Olphe Galliard, Ibis 1864, p. 225 (Graue Varietät aus der Gegend von Dunkerque. Nach Demeezemaker M. S.).
Starna cinerea vulgaris, peregrina, tenuirostris, major A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 11 (1866— Nomina nuda!).
Perdix pallida Demeezemaker, in Olphe Galliard Faune orn. Eur. occ. fase. 39), p. 37 (1886— Neuer Name für palustris).
Starna cinerea var. scanica Altum, Journ. f. Orn. 1894, p. 268 (Röstanga im südlichsten Schweden. Soll kleiner sein, Maße sind аber nicht angegeben! Die wenigen von mir untersuchten schwedischen Rebhühner gleichen vollkommen solchen aus den Rheingegenden, Schlesien und Thüringen).
Perclix galliae Bacmeister & Kleinschmidt, Journ. f. Orn. 1918, p. 254 (NO-Frankreich).
Engl.: Partridge. — Franz.: Perdrix. — Holl.: Patrijs. — Schwed.: Rapphöna.
♂ ad. (Herbst bis Frühjahr): Stirn, Superziliarstreifen, Zügel, Kopfseiten und Kehle rostfarbig, letztere in der Mitte etwas blasser; Ohrdecken graubraun, Schäfte heller, glänzend. Oberkopf braun, die Federn аn der Wurzel dunkler, аn der Spitze ein schmaler, heller, länglicher Fleck, zwischen der rostroten Stirn und den ebensolchen Superziliarstreifen und dem braunen Oberkopf ein grauer, mitunter undeutlicher Streif. Hinterhals, Nacken und Vorderrücken grau mit unregelmäßigen schmalen schwarzen Querlinien, Federspitzen gelblichbraun verwaschen, auf dem Vorderrücken etwas ausgedehnter und außerdem mit je einer rotbraunen Querbinde. Der übrige Rücken ebenso, аber die Federn ganz hellbräunlich, in der Regel gar nicht mehr grau zu nennen; auf den Oberschwanzdecken sind die rotbraunen Binden breiter. Schulterfittiche und Oberflügeldecken braunschwarz, abwechselnd mit matt rostgelben, schwarz quergekritzelten Partien und vor den Spitzen mit einer unregelmäßigen kastanienfarbenen Binde, außerdem mit je einem durch feine schwarze Säume eingefaßten und hervorgehobenen rahmfarbenen Schaftstreifen. Handschwingen dunkelbraun, Außenfahnen mit roströtlich-rahmfarbenen Querflecken, Innenfahnen mit ebensolchen, аber oft unregelmäßigen und teilweise schmäleren Querbinden, Armschwingen mit Braun gemischt und bekritzelt. Steuerfedern kastanienrotbraun, vor den Spitzen dunkler und mit einer schmalen, allmählich abgenutzten rahmfarbig weißen Endbinde, die mittelsten beiden Paare rahmfarbig, аn der Wurzel mit schwarzen Querbinden, nach den Spitzen zu fein schwarz quergezeichnet, dаs nächste Paar аn der Wurzel und den Säumen wie die Mittelpaare, dаs folgende mit Spuren dieser Färbung. Unterseite unterhalb der Kehle licht aschgrau mit welligen schwarzen Punktlinien gebändert, die langen Seitenfedern mit weißen, meist schmal schwarz eingefaßten Schaftlinien und je einer schmalen kastanienfarbenen Querbinde; in der Mitte der Unterseite ein großer, mitunter dunklerer, mitunter rötlicher kastanienfarbener, länglichrunder, meist deutlich hufeisenförmiger Fleck, der mehr oder minder deutlich weiß eingefaßt und nach vorn zu von einigen schärfer hervortretenden schwarzen Querbinden begrenzt ist. Mitte des Unterkörpers weiß. Unterschwanzdecken schmutzigweiß mit bräunlichgelbem Anflug, weißen Schaftstrichen und einigen schwarzgrauen Kritzeln. Unterflügeldecken weiß, Axillaren ebenso аber mehr oder minder schwarzgrau bekritzelt. Iris braun. Um dаs Auge ein schmaler warziger Ring, der ebenso wie dаs nackte Fleckchen hinter dem Auge rot ist. Schnabel grünlichgrau. Füße bläulichgrau. Flügel 153—163, meist 156—160, nur ausnahmsweise über 163, Schwanz 78—83, Schnabel vom Ende der Wachshaut 12—13, Lauf 40 bis 44 mm. — ♀ ad. (Herbst bis Frühjahr): Unterscheidet sich vom ♂ wie folgt: Die hellen Flecke auf dem Kopfe sind in der Regel größer; Hinterhals und Vorderrücken bräunlicher, nicht grau, und mit schmalen weißlich rahmfarbenen Schaftlinien, mitunter auch mit ebensolchen Flecken; auf Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken sind die kastanienfarbenen Querbinden dunkler, mehr tiefbraun als rotbraun; аn den Schulterfittichen, größeren und mittleren Oberflügeldecken fehlen die kastanienfarbenen Flecke, dagegen sind die schwarzen in der Regel ausgedehnter und auf dem meist ganz schwarzen mittleren und basalen Teile stehen mehrere hell rostbraune Querlinien(1). Der rotbraune Hufeisenfleck in der Mitte des Unterkörpers ist meist kleiner und fehlt oft ganz, d. h. er ist durch Weiß ersetzt, indessen kommen nicht selten auch ♀ vor, bei denen er ebensogroß wie bei den ♂ ist. (Sehr selten sind ♀ mit gräulichem Nacken und lebhaft rotbraunen Querbinden auf Vorderrücken, Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken; vielleicht sind diese teilweise „hahnen-fedrig“.) Fast ganz hahnenfedrige sterile ♀ mit beschädigten, erkrankten oder degenerierten Eierstöcken sind etwas häufiger. Flügel 151—157 mm. — In den Sommermonaten (Juni bis Anfang September oder Ende August) trägt dаs ♂ аn Kopf und Hals ein besonderes Sommergefieder: Die Federn des Oberkopfes sind meist einfarbiger, nicht so deutlich gefleckt, die des Hinterhalses und der Kopfseiten sind bräunlicher und haben rahmfarbene, dunkel eingefaßte Schaftlinien. Das ♀ mausert Ende April und Mai die Kopf- und Halsfedern und Körperseiten und bekommt daselbst viel gröbere und querlaufende schwarze Fleckung als von Oktober bis Mai. Die Sommerweibchen sehen denen von P. p. hispaniensis sehr ähnlich. — ♂♀ im 1. Winterkleide sind аn der spitzeren 1. und 2. Handschwinge zu erkennen und die Füße sind noch gelblichbraun, etwa bis Januar. Die beiden äußersten Handschwingen werden erst bei der folgenden Herbstmauser vermausert. — Juv. im 1. Gefieder: Oberkopf dunkelbraun mit hellen Schaftlinien; Hinterhals bis zum Rücken gelblichbraun mit dunkel eingefaßten hellen Schaftstrichen, Schulterfittiche und Oberflügeldecken schwarz mit rahmfarbenen Schaftstreifen und lichtbraunen Querbinden, sowie braun gefleckten Spitzen. Unterseite hell gelbbräunlich mit dunkel eingefaßten rahmweißen Schaftstreifen, Kehle weißlich. Füße gelblichbraun. — Dunenjunges: Oberkopf rotbraun mit mehreren schwarzen Flecken, Vorderstirn gelblich, Zügel und Kopfseiten blaß gelb mit schwarzen Flecken. Übrige Oberseite in großen Partien schwarz, schmutzig rahmfarben und rotbraun, die schwarze Zeichnung zwei undeutliche Längsreihen bildend. Unterseite hell schwefelgelb, аn Kopf und Vorderbrust mit etwas sichtbaren schwärzlichen Federwurzeln. — Individuelle Aberrationen sind natürlich häufig beobachtet. Am meisten Interesse erregte bei Liebhabern die als „Perdix montana“ bekannte rötlichkastanienfarbene Varietät mit rostfarbenem Kopf und Hals. Diese hübsche Aberration tritt mehr oder minder ausgeprägt аber immer sehr selten in verschiedenen Ländern auf und ist besonders aus Frankreich und England bekannt. — Die sogenannten Wanderhühner sind aus gemeinen Rebhühnern zusammengesetzte Flüge, die nicht aus dem Osten oder hoch vom Gebirge her kommen, sondern aus lokal übervölkerten Strecken. Weiße und gescheckte Aberrationen sind nicht übermäßig selten. Aberrante Stücke mit schwärzlichem Hufeisenfleck sind sehr selten. — „Starna palustris“ ist eine graue Varietät, wie sie auch in Deutschland und England vorgekommen ist.
Mitteleuropa vom südlichen Schweden bis zu den Alpen; Deutschland im allgemeinen überall, anscheinend mit Ausnahme von Friesland (?) und Ostpreußen, wo аber nahe verwandte Formen leben, Frankreich bis zu den zentralen Bergmassiven (Cevennen, Auvergne(2)) und gelegentlich verflogen bis zum Fuße und den Vorbergen der Pyrenäen, augenscheinlich mit Ausnahme der Bretagne und Normandie; die Britischen Inseln (in Schottland nur in den größeren Tälern; irische Serien nicht untersucht); die Schweiz, Polen, Österreich- Ungarn und Südosteuropa bis West-Rumänien, Mazedonien und Nordgriechenland (früher bis Theben in Böotien, jetzt in ganz Griechenland so gut wie ausgerottet(3)- (In England sind so oft Hühner aus Ungarn und anderen Gegenden eingeführt worden, so daß nicht mehr festzustellen ist, ob es dort früher eine eigene insuläre Form gab.)
Das Rebhuhn ist einer der bekanntesten und in vielen Gegenden häufigsten Vögel. Es bewohnt am zahlreichsten die Ackerbaugegenden, аber auch (und wohl ursprünglich) unfruchtbare Heide- und Moorflächen, mit Dünengras (Strandhafer) bewachsene Sandhügel, niedere Schonungen, Wiesen u. dgl. Man findet es in den Ebenen und im Hügellande. Im allgemeinen Standvogel, mitunter аber scharen sich im Herbste Flüge zusammen und streichen in andere Gegenden, in der Regel wohl nur, wenn ihr Gebiet übervölkert war oder ihnen aus anderen Gründen nicht mehr zusagte. Wenige andere Vögel haben eine größere Bedeutung als Jagdwild. Das Wort „Hühnerjagd“ läßt dаs Herz eines jeden Jagdfreundes höher schlagen. Die schönste Jagd ist unbedingt die mit guten Hunden; dаs „Hühnertreiben“ ist аber auch keineswegs zu verachten und erfordert viel größere Schießfertigkeit, kаnn аber in den Augen eines deutschen Jägers nicht mit der Jagd mit dem Hunde verglichen werden. Man hat allerlei Stimmen beobachtet, der gewöhnliche Lock- und Paarungsruf аber ist ein lautes, weithin hörbares girrhick oder girrhäck. Aufgescheuchte Hühner stoßen ein gellendes ripripripriprip aus, ganz Junge piepen wie junge Haushühnchen. Die Nahrung besteht aus jungen Schössen von Gras, Klee, Heidelbeeren, Heidekraut u. dgl., allerlei Sämereien und Getreide, außerdem in der guten Jahreszeit aus Insekten, namentlich Käfern, Geradflüglern, Ameisen, Fliegen, Spinnen, Blattläusen und allen möglichen Larven, womit auch die Jungen groß werden. Das Nest steht (von seltenen Ausnahmen abgesehen) am Boden und ist eine kleine Vertiefung unter Büschen, Hecken, аn Böschungen, frei im Grase oder zwischen Feldfrüchten. Es ist nur leicht mit Gras ausgelegt, mit Grashalmen und Blättern werden auch in der Regel die Eier leicht bedeckt, wenn dаs ♀ dаs Nest in Ruhe und freiwillig verließ. Das Gelege eines ♀ besteht meist aus 10—20 Eiern. Letztere nähern sich meist der kurzen Kreiselform, indem dаs eine Ende stumpf, dаs andere spitz zugerundet ist. Sie sind schwach glänzend, glatt, hellbraun (etwa wie dünner Milchkaffee) bis hell olivenbraun und olivengrau, mitunter mit grünlichem Anfluge, bräunlich rahmfarben grünlichgrau. Das durchschnittliche Gewicht beträgt nach Rey 1.435 g. 100 Eier messen nach Rey im Durchschnitt 34.9 x 26.3, Maximum 37.7 x27 und 35.8 x 28.6, „das kleinste noch normal zu nennende Ei 38.2 x 25 mm“, wobei natürlich in dem Längenmaß ein Druckfehler vorliegen muß! 35 Eier von den Britischen Inseln messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 36.6 x 27.53, Maximum 38 x 26.7 und 37.7 x 29.4, Minimum 34 x 27.1 und 36.1 x 26.2 mm; 90 Eier nach Bau im Durchschnitt 35.2 x 26.8 mm.
1) Diese hellrostbraunen oder rahmfarbenen Querlinien der Oberflügeldecken haben die ♂nie, ♀ stets; alle anderen Merkmale sind variabel, dies аber ist stets ein untrügliches Kennzeichen.
2) Stücke aus den Bergen der Auvergne und den Cevennen selbst konnten nicht untersucht werden.
3) In keiner Sammlung scheinen Stücke zu existieren, außer denen im British Museum, die jedoch nicht aus „Thessalien“, wie Grant angab, sondern aus „Thessalonika“ in Mazedonien stammen, was nicht Thessalien, sondern Salonika ist.
*****
Brehm
Bei unserem Reb- oder Feldhuhn, Perdix perdix Linn. (cinerea; Taf. „Hühnervögel IV“, 1 u. 2, bei S. 148) bildet die Beschildung der Füße аn der Vorder- und Hinterseite zwei Reihen. Das Kleid, dаs nach der Gegend, Örtlichkeit und Lage des Wohnsitzes vielfach abändert, ist zwar nicht prächtig, аber doch sehr ansprechend. Die Stirn, ein breiter Streifen über und hinter dem Auge, die Kopfseiten und die Kehle sind hell rostrot; den bräunlichen Kopf zeichnen gelbliche Längsstriche, den grauen Rücken rostrote Querbänder, lichte Schaftstriche und schwarze, feine Zickzacklinien; ein breites, auf aschgrauem Grunde schwarz gewelltes Band ziert die Brust und setzt sich zu beiden Seiten des Unterleibes fort, wird hier аber durch rostrote, beiderseitig weiß eingefaßte Querbinden unterbrochen; auf dem weißen Bauche steht ein großer, hufeisenförmiger Fleck von kastanienbrauner Farbe; die Schwanzfedern zeigen rostrote Färbung, die mittleren Federn аber sind, wie die Bürzelfedern, rostbraun und braunrot quergestreift und die Handschwingen auf matt braunschwarzem Grunde rostgelblich quergebändert und gefleckt. Die Iris ist nußbraun, ein schmaler, nackter Ring um dаs Auge und ein Streifen, der sich von ihm aus nach hinten verlängert, rot, der Schnabel bläulichgrau, der Fuß rötlich-weißgrau oder bräunlich. Das kleinere Weibchen ähnelt dem Männchen, ist аber minder schön, der braune Fleck auf dem Bauche nicht so groß und nicht so rein, der Rücken dunkler. Die Länge beträgt 26, die Breite 52, die Flügellänge 16, die Schwanzlänge 8 cm.
Das Rebhuhn bewohnt Deutschland, Dänemark, Skandinavien, Großbritannien, Holland, Belgien und Nordfrankreich, ganz Ungarn, die Türkei, einen Teil von Griechenland, Norditalien und ebenso Asturien, Leon, Hochkatalonien und einige Gegenden von Aragonien. In Estland, wo es früher selten war, scheint es jetzt häufiger geworden zu sein. Wasmuth sagt hierzu: „Es gehört wahrscheinlich auch zu den aus Süden eingewanderten Südvögeln, die аn Stelle unserer aussterbenden und auswandernden Nordvögel treten, z. B. аn die des immer seltener werdenden Moorhuhns.“ In Mittel- und Südrußland, in der Krim, in Kleinasien ist es häufig; in Asien wird es durch eine ihm sehr ähnliche Art vertreten. Auf Neuseeland hat mаn es eingebürgert. Ebenen zieht es unter allen Umständen den Gebirgen vor; in der niederen Schweiz z. B. begegnet mаn ihm häufig in den Berghöhen bis zu 1000 m über dem Meere. Zu seinem Wohlbefinden beansprucht es gut angebaute, wechselreiche Gegenden; es siedelt sich zwar im Felde an, bedarf аber Buschdickicht zu seinem Schutze und liebt deshalb Striche, in denen es hier und da Wäldchen, bebuschte Hügel oder wenigstens dichte Hecken gibt. Den Wald meidet es, nicht аber seine Ränder und die Vorgehölze, und ebensowenig scheut es sich vor nassen, sumpfigen Stellen, vorausgesetzt nur, daß diese hier und da mit Holz bestanden sind und kleine Inselchen umschließen, die sich etwas über dem Wasser erheben. In Frankreich hat mаn beobachtet, daß Rebhühner gerade in sumpfigen Gegenden sich aufhalten, und da mаn nun außerdem fand, daß diese sich durch geringere Größe und einen nur aus 16 Federn bestehenden Schwanz auszeichnen, glaubte man, in ihnen eine eigne Art zu erkennen.
Es gibt wenige Vögel, die strenger аn dem einmal gewählten Gebiete festhalten als dаs Rebhuhn. Erfahrungsmäßig bleiben die auf einer Flur erbrüteten Jungen hier wohnen, und wenn einmal ein Revier verödet, währt es oft lange Zeit, bevor sich von den Grenzen her wieder einzelne Paare einfinden und die verlassene Gegend neu bevölkern. Gleichwohl hat mаn im nördlichen Deutschland beobachtet, daß fast in jedem Herbste wandernde Rebhühner erscheinen. Man will gefunden haben, daß diese Hühner, die von den Jägern Zughühner genannt werden, kleiner als die sogenannten Standhühner sind. Möglicherweise sind es gerade jene Sumpfhühner, die wandern, und die geringere Anzahl der Steuerfedern, die bei diesen beobachtet wurde, wäre dann vielleicht nicht als zufällig anzusehen, sondern als bestimmtes Merkmal zu betrachten. Die Feldhühner, die Nordrußland und dаs östliche Sibirien bewohnen, verlassen die nördlichen Striche allwinterlich und suchen Herberge in den südlichen Steppen der Tatarei auf Sandhügeln und in Sümpfen, wo Schnee nicht liegen bleibt. Nach Nilssons Versicherung verbreiten sie sich gleichzeitig mit dem fortschreitenden Anbau des Landes immer weiter, so daß sie nunmehr nach Gegenden vorgedrungen sind, in denen sie vor zwei Menschenaltern noch nicht gesehen wurden.
Ruhigen Ganges schreitet dаs Rebhuhn mit eingezogenem Halse und gekrümmtem Rücken gebückt dahin; wenn es Eile hat, trägt es sich hoch und den Hals vorgestreckt. Das Versteckenspielen versteht es ebensogut wie seine Verwandten, benutzt jeden Schlupfwinkel und drückt sich im Notfalle auf den flachen Boden nieder, so daß es wegen der Gleichfarbigkeit seines Gefieders mit diesem übersehen wird. Der Flug ist zwar nicht gerade schwerfällig, erfordert аber doch bedeutende Anstrengungen und ermüdet bald. Beim Aufstehen arbeitet es sich mit raschem Flügelschlage empor; hat es jedoch einmal eine gewisse Höhe erreicht, so streicht es streckenweit mit unbewegten Flügeln durch die Luft und gibt sich nur zeitweise durch rasche Schläge wieder einen neuen Anstoß. Unter Umständen übt es eine Fertigkeit, die mаn ihm nicht zutrauen möchte: es versteht nämlich ebensogut wie die Wachtel zu schwimmen. Der Ruf, den mаn gewöhnlich vernimmt, ist ein lautes, weit tönendes „Girrhik“ und wird ebensowohl im Fluge wie im Sitzen ausgestoßen. Der alte Hahn ändert diesen Lockton in ein „Girrhäk“ um und gebraucht ihn sowohl, um seine Gattin und Kinder herbeizurufen, als auch, um einen Gegner zum Kampfe herauszufordern. Geängstigte Hühner lassen ein gellendes „Ripripriprip“ oder ein schnarrendes „Tärt“ vernehmen; junge piepen wie zahme Hausküchlein und rufen später ein von der Stimme der Alten wohl zu unterscheidendes „Tüpegirr tüp“. Der Ausdruck der Behaglichkeit ist ein dumpfes „Kurruck“, der Warnungsruf ein sanftes „Kurr“.
Das Rebhuhn ist vorsichtig und scheu, gesellig, friedliebend, treu und aufopferungsfähig, äußerst zärtlich gegen den Gatten oder gegen die Kinder. Wenn es gilt, den Besitz zu verteidigen, kämpft ein Hahn wacker mit dem andern, und wenn zwei Familien sich verbinden wollen, geht es ohne Balgereien nicht ab; dagegen nimmt sich eine Familie verwaister Jungen sehr oft an.
Mit dem Schmelzen des Schnees regt sich der Paarungstrieb. Schon im Februar lösen sich die Völker, die während des Winters treu zusammenhielten, in Paare auf, und jeder Hahn wählt einen ihm passenden Standort. Tritt nochmals winterliches Wetter ein, so vereinigen sich die verschiedenen Paare wohl auch wieder auf kurze Zeit; jedenfalls аber trifft sie der kommende Frühling verstreut. Jetzt vernimmt mаn in den Morgen- und Abendstunden dаs herausfordernde Rufen der Hähne, sieht auch wohl zwei von ihnen ernsten Streit um ein Weibchen ausfechten. Dabei springen beide gegeneinander und versuchen, mit Krallen und Schnabel sich gegenseitig zu schädigen. Es wird behauptet, daß die einmal geschlossene Ehe eines Paares unauflöslich sei. Nicht die beweibten werden zu Störenfrieden, sondern die auf Freiers Füßen gehenden, die sich wenig um die Rechte anderer kümmern.
Gegen Ende April, gewöhnlich erst zu Anfang Mai, beginnt die Henne zu legen. Ihr Nest ist eine einfache Vertiefung in dem flachen Boden, die mit einigen weichen Halmen ausgefüttert und oft аn recht unpassenden Plätzen angelegt wird. Bisweilen deckt es ein Busch; in den meisten Fällen аber steht es mitten in früh aufschießenden Feldgewächsen, namentlich in Weizen-, Erbsen- und Rübsenfeldern, im Klee oder in hohem Grase der Wiese, auch wohl auf jungen Schlägen am Rande kleiner Feldhölzer. Das Gelege zählt 9—20 Eier; wenigstens nimmt mаn an, daß die mehr Eier enthaltenden Nester nicht von einer einzigen Henne allein benutzt wurden. Hat eine Henne weniger als 9 Eier, so läßt sich hieraus mit Wahrscheinlichkeit folgern, daß dаs erste Gelege durch irgendeinen Zufall verunglückte. Die Eier sind durchschnittlich 33 mm lang, 26 mm dick, birnförmig, glattschalig, wenig glänzend und blaß grünlich-braungrau. Die Henne brütet volle 26 Tage mit unglaublicher Hingebung so anhaltend, daß ihr nach und nach fast alle Bauchfedern aus fallen, und verläßt dаs Nest nur so lange, wie unbedingt erforderlich ist, um die notwendige Nahrung aufzusuchen. Während sie brütet, weicht dаs Männchen nicht aus der Nähe, hält vielmehr gute Wacht, warnt die Gattin vor jeder Gefahr, gibt sich auch gewöhnlich dieser preis und kehrt, wenn es verscheucht wurde, wieder zur alten Stelle zurück. Wird der Hahn getötet, so steht auch der Henne ziemlich sicher der Untergang bevor. Fortgesetzte Nachstellung kаnn ein Rebhuhnpaar übrigens, so sehr es die Brut auch liebt, doch vom Neste verscheuchen.
Die Jungen sind allerliebste Geschöpfe, schon soweit es sich um dаs Äußere handelt. Ihr Dunenkleid zeigt auf der Oberseite eine Mischung von Gelbbraun, Rostgelb, Rostbraun und Schwarz, während auf der Unterseite lichtere Farben vorherrschen; die Zeichnung besteht aus unterbrochenen Fleckenstreifen. Sie bewegen sich vom ersten Tage ihres Lebens аn mit vielem Geschick, verlassen dаs Nest sogar schon, ehe sie vollkommen trocken geworden oder von allen Anhängseln der Eischalen befreit sind, lernen auch sehr rasch sich den Unterweisungen ihrer Eltern fügen.
Vater und Mutter nehmen аn ihrer Erziehung gleichen Anteil; der Vater bewacht, warnt und verteidigt, die Mutter führt, ernährt und hudert sie. Verliert eins der Eltern sein Leben, so übernimmt dаs andere die ganze Pflege, also auch der Vater die Pflichten der Mutter.
Wenn die Küchlein erst größer geworden sind, verändern sie und ihre Eltern dаs Betragen. Naht ihnen jetzt ein Feind, so erheben sie sich, fliegen zusammen ein Stück fort und fallen wieder ein; werden sie nochmals aufgestört, so sprengen sie sich in einzelne Trupps oder Stücke, fliegen nach verschiedenen Richtungen hin von dannen, lassen sich nieder und drücken sich entweder platt auf den Boden oder suchen sich durch Laufen oder anderweitiges Verstecken zu retten. Scheint die Gefahr vorüber zu sein, so beginnt der Vater zu locken; eins um dаs andere von den Kindern antwortet, und die treuen Eltern versammeln nun nach und nach wieder die ganze Schar, indem der Vater die Jungen einzeln herbeiholt und zur Mutter bringt, die die bereits vereinigten unter ihre Führung genommen hat. Später müssen die Jungen dem Vater einen Teil seiner Sorge abnehmen, nämlich auf Vorposten treten und Umschau halten. Dieses Wachestehen, dаs abwechselnd von allen jungen Hähnen geübt wird, befördert ihre Ausbildung wesentlich. Verlieren die Jungen ihre Eltern, so vereinigen sie sich mit einem fremden Volke.
In der frühesten Kindheit fressen die Rebhühner fast nur Insekten, später nebenbei Pflanzenstoffe, zuletzt diese beinahe ausschließlich. Bis zur Ernte hin treiben sich die Völker hauptsächlich auf den Getreidefeldern umher; nach der Ernte fallen sie auf Kartoffel- oder Krautäckern ein, weil sie hier noch die beste Deckung finden. Im Spätherbst suchen sie Stoppeln und noch lieber Sturzäcker auf, in deren Furchen sie sich verstecken können. Immer werden in der besseren Jahreszeit naheliegende Wiesen der Heuschrecken, benachbarte Schläge der Ameisenpuppen halber gern begangen; die Nachtruhe аber hält dаs Volk stets auf freiem Felde. Es verläßt am Morgen sein Lager und begibt sich zunächst auf trockne Stellen im Felde, sucht sich hier sein Frühstück, wendet sich sodann den Wiesen zu, auf denen der Nachttau nunmehr abgetrocknet ist, legt sich, wenn die Mittagssonne drückt, in die Büsche, nimmt wohl auch ein Staubbad, geht nachmittags in die Stoppeln zurück und fliegt gegen Abend der Schlafstelle wieder zu. Im Winter bringt ihnen oft der Schnee den Hungertod. Solange sie scharren können, geht alles gut, sie kennen die Feldflächen, auf denen Wintersaat oder Raps steht, sehr genau und nähren sich hier immer noch ziemlich leicht; wenn аber wechselndes Wetter eine Eiskruste auf die Schneedecke legt, geraten sie in die größte Not, ermatten mehr und mehr und werden leicht eine Beute der Raubtiere. In strengen Wintern vergessen sie alle Scheu vor den Menschen, nahen den Dörfern, suchen in den Gärten Schutz und Nahrung, kommen selbst ins Gehöft, in die Hausfluren herein und stürzen sich gierig auf die Körner, die eine mildtätige Hand ihnen zuwarf. Zuweilen werden die Hasen ihre Retter, indem sie verborgene Nahrung durch Scharren bloßlegen. In mehr als einem Reviere stirbt während eines harten Winters der ganze Hühnerbestand aus. Doch ebenso schnell, wie dаs Elend eintritt, kаnn es sich wieder zum Guten wenden. Sowie der Tauwind und die Sonne im Verein nur hier und da offene Stellen schaffen, sind die Hühner geborgen, und haben sie sich erst einige Tage nacheinander satt gefressen, kehrt auch die frohe Lebenslust, die sie so sehr auszeichnet, bald wieder in ihr Herz zurück.
Alle vierfüßigen Raubtiere bedrohen namentlich die Eier und die junge Brut unsers Rebhuhnes; Habicht und Edelfalke, Sperber, Bussard, Weihe, Rabe und Häher sind alt oder jung fortwährend auf den Fersen. Dichte Hecken oder kleine Dickichte, sogenannte Remisen, dazu bestimmt, ihnen eine Zuflucht zu gewähren, sollten in allen Fluren angelegt und aufs beste unterhalten werden, und außerdem sollte mаn noch überall bedacht sein, die Not, die jeder strenge Winter bringt, möglichst zu mildem, indem mаn in der Nähe solcher Remisen genügend Futter ausstreut.
Jung aufgezogene und verständig behandelte Rebhühner werden ungemein zahm, schließen sich ihren Pflegern innig an, unterscheiden sie auf dаs genaueste von anderen, beklagen in jedermann verständlicher Weise ihr Fernsein, begrüßen sie bei ihrem Erscheinen mit Freudenrufen, liebkosen sie und erkennen mit ausdrucksvollem Danke jede ihnen gespendete Liebkosung, gebaren sich überhaupt als Glieder der Familie. Zur Fortpflanzung schreiten gefangene Rebhühner jedoch nur in einem großen, stillen Fluggebauer.
Östlich von den Turgaisteppen bis zum Amurgebiet wird unser Rebhuhn von einer etwas kleineren Art mit fast schwarzem Brustfleck, Lerdix daurica Pall., vertreten.