Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
3084. Alectoris rufa rufa. (L.).
Tetrao rufus Linnaeus, Syst. Nat, Ed. N, I, p. 160 (1758— „Habitat in Europa australiori“. Beschränkte terra typica: Norditalien).
Perdix rubra Temminck, Pigeons & Gall. 111, p. 361 (1815— Neuer Name statt rufa, ex Brisson).
Perdix rufidorsalis Brehm, Vogelfang, p. 266 (1855— Ohne Fundortsangabe).
Caccabis rubra communis A. E. Brehm, Verz. Samml, p. 11 (1866— Nomen nudum!).
Perdix atrorufa Vincelot, Essays etym. Maine et Loire, II, p. 30 (1872— Aberration).
Perdix xanthopleura id., t. c., p. 32 (1872— Aberration).
Abbild.: Dresser, B. Europe VII, Taf. 471.
♂ ♀ ad.: Vorderstirn grau, Scheitel und Hinterkopf weinrötlichbraun; Zügel schwarz, über denselben je ein weißer Fleck, meist über dem Schnabel mehr oder minder vollkommen zu einem Streifen vereinigt, in der Mitte des Hinterhalses einige schwarze und weißliche Striche. Nacken und Vorderrücken weinrötlichbraun, übriger Rücken gräulich fahlbraun, auf Bürzel und Oberschwanzdecken mehr gräulich. Oberflügeldecken wie der Bürzel. Schwingen dunkel-, Schäfte gelblichbraun, vordere Hälfte der Außenfahnen größtenteils fahl bräunlichgelb, Armschwingen bräunlicher, Schäfte wie die Fahnen, nur die äußeren mit gelblichen Außenfahnen. Steuerfedern lebhaft rotbraun, dаs mittelste Paar wie die Oberschwanzdecken. Kehle weiß mit rahmfarbenem Schimmer, in England fast stets verschmutzt, daher dunkler aussehend, rings von einem schwarzen am Vorderhalse breiteren Bogen umgeben, am Kinn ein schwarzes Fleckchen. Halsseiten und Kropf weißlichgrau, schwarz gestrichelt und gefleckt, nach den Flügeln zu in rötliches Braun übergehend. Seitenfedern bläulichgrau, Spitzen kastanienrotbraun, vor derselben erst eine schwarze, dann eine weiße Linie. Brust bläulichgrau, übrige Unterseite nebst Unterschwanzdecken ockerfarben. Axillaren und Unterflügeldecken fahl bräunlichockerfarben, die längste Reihe gräulich. Iris dunkelrot. Schnabel, nackte Haut ums Auge und Füße rot. Flügel 157 —168, Schwanz 94—103, Lauf 41—44 mm. — ♀ wie (♂, nur meist etwas kleiner, Flügel 150 — 162 mm; außerdem hat dаs alte ♂ аn der Rückseite des Laufs eine mehr oder minder hohe, warzenartige Erhöhung, die den Sporn vertritt; dem ♀ fehlt diese. — Juv.: Oberseite braun, auf dem Kopfe etwas mehr erdbraun, Nacken rötlich; Außenfahnen der Schwingen fahl ockerfarben, schwarzbraun gefleckt. Oberflügeldecken mit weißlichen Schaftstreifen und braunschwarzen Flecken. Kehle schmutzigweiß, ohne schwarze Einfassung, übrige Unterseite blaß ockergelblich, am Kropfe mit schmutzigweißen Flecken, Brust mit grauem Anflug. — Dunenjunges: Oberkopf und Rücken rötlichbraun, letzterer mit zwei breiteren und einem dritten, schmäleren und unregelmäßigen weißlich rahmfarbenen Längsstreifen. Unterseite schmutzig gelbweiß. — Außer gelegentlichen Albinos und anderen Farbenaberrationen ist eine Varietät mit großem weißen Fleck unterhalb des grauen Brustschildes besonders in England nicht selten.
Im südlichen und mittleren Frankreich, im nördlichen Italien, in den niedrigen Lagen der Schweiz (Wallis und Jura), auf den Inseln Elba, Monte Cristo. Selten und meist nur verflogen im nördlichen Frankreich, Luxemburg, Holland und Belgien, wo mаn öfter erfolglose Einbürgerungsversuche machte. Die in den Rheingegenden mitunter beobachteten Stücke rühren vielleicht teilweise auch von eingeführten Eltern her. — In England wurde es um 1770 eingeführt und bewohnt jetzt den größten Teil des südlichen und mittleren Englands, stellenweise häufig. Schon Latham erwähnte 1783 dаs Vorkommen auf den Normannischen Inseln (Jersey und Guerusey), wenn аber seine Auskunft richtig war, kаnn es sich auch dort nur um ausgesetzte oder zufällig verflogene Stücke gehandelt haben. Nur wenige italienische Stücke konnten verglichen werden, die meist ziemlich blassen Unterkörper haben.
Die Lebensweise ist im allgemeinen die der Rebhühner. Der Paarungsruf klingt wie tschurrick, tschurrick, tschukär, tschukär oder tschöck tschörrökekeckkekkek, mit leisem Vorschlag wie tschöck tschök. im Laufen hört mаn ein leises Klucken. Die Jungen piepen. Das Rothuhn läuft vor Jäger und Hund so lange wie möglich und geht gewöhnlich am Ende des Feldes und oft außer Schußweite auf, es ist daher ein recht ärgerliches Wild, zumal es auch die Rebhühner mit wild macht, wo mаn mit Hunden nach alter guter Art jagt. Das Nest steht unter Büschen, in Hecken, in kleinen Feldhölzern und wird flüchtig mit Gras und trockenen Blättern ausgefüllt, mitunter auch auf Heu- und Getreideschobern. Es enthält (in England von Ende April an) 10—12, mitunter bis 18 und 20 Eier. Letztere sind starkschalig, glänzend, tiefporig; Grundfarbe gelblich oder blaß lehmfarben bis hellrötlichbraun, mit kleinen braunen Punkten und Fleckchen, mitunter auch mit größeren Flecken von einem bläulichen oder rötlichen Braun. 83 Eier (56 Jourdain, 20 Rey, 7 Hartert) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 40.93 x 30.75, Maximum 43.6 x 32 und 43.3 x 32.6, Minimum 37.7 x 29 8 und 40.8 x 28 mm. 27 Eier von Korsika (18 Jourdain, 9 Hartert) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 39.13 x 30.7, Maximum 41.2 x 30.9 und 39.5 x 31.5, Minimum 37.5 x 30.2 und 38.3 x 30 mm. Das Wildbret ist ausgezeichnet, hat аber (wie dаs anderer Alectoris-Arten) nicht den kräftigen Wildgeschmack unseres Rebhuhns, dаs Fleisch ist weißlicher.
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Brehm
In Südwesteuropa wird dаs Steinhuhn durch dаs Rothuhn, Caccabis rufa Linn., ersetzt. Dieser schöne Vogel unterscheidet sich von jenem hauptsächlich durch die vorherrschend rötliche Färbung der Oberseite und durch dаs breitere, nach untenhin in Flecke aufgelöste Halsband. Das Rotgrau der Oberseite ist auf Hinterkopf und Nacken am lebhaftesten, fast rein rostrot, nur auf dem Scheitel gräulich-, Brust und Oberbauch sind rein aschgrau-bräunlich, der Unterbauch und die Unterschwanzdeckfedern brandgelb; die verlängerten Weichenfedern zeigen auf hell aschgrauem Grunde weißlich-rostfarbene und kastanienbraune Querbänder, die durch tiefschwarze Striche schärfer begrenzt werden. Ein weißes Band, dаs auf der Stirn beginnt, bildet in seiner Verlängerung einen deutlich hervortretenden Brauenstreifen; dаs von dem Halsbande eingefaßte, nach innen scharf begrenzte, fast reinweiße Kehlfeld tritt lebhaft hervor. Die Iris ist hellbraun, der Augenring zinnoberrot, der Schnabel blut- und der Fuß karminrot. Das Weibchen unterscheidet sich nur durch etwas geringere Größe und dаs Fehlen der sporenartigen Warze auf dem Hinterlaufe von dem Männchen. Die Länge beträgt 38, die Breite 52, die Flügellänge 16, die Schwanzlänge 11 cm.
Das Rothuhn bewohnt nur den Südwesten unsers heimatlichen Erdteils vom südlichen Frankreich an, namentlich Spanien, Portugal, Madeira und die Azoren. Auf Malta gehört es bereits zu den Seltenheiten; weiter nach Osten hin wird es wahrscheinlich nicht mehr gefunden. Vor etwa 100 Jahren hat mаn es in Großbritannien eingebürgert, und gegenwärtig lebt es hier in einigen östlichen Grafschaften zahlreicher fast als dаs Rebhuhn.
„Das Rothuhn“, schreibt mir mein Bruder Reinhold, „liebt bergige Gegenden, die mit Feldern abwechseln. In Spanien findet mаn es fast auf allen Gebirgen, mit Ausnahme vielleicht der Züge längs der Nordküste, bis zu 2000 m über dem Meere. Den dichten Wald meidet es; dagegen siedelt es sich gern in den Parks oder auf dünn bewaldeten Strecken an, deren Pflanzenwuchs hauptsächlich aus hoher Heide, immergrünem Eichengebüsch, Rosmarin- und Thymiansträuchen besteht.“ Auf den Balearen fand es A. v. Homeyer am häufigsten in den Haferfeldern аn den Gebirgsabhängen, zwischen den mit Gesträuch bewachsenen Steinhalden, endlich auch mitten zwischen den Felsen selbst, und zwar im Innern der Insel ebenso häufig wie аn der Küste. Es ist ein Standvogel, der ein ziemlich beschränktes Gebiet bewohnt und in unmittelbarer Nachbarschaft mit anderen seiner Art lebt.
Der Lauf des Rothuhns ist nach Reinhold Brehm ungemein rasch und in hohem Grade gewandt; es rennt mit gleicher Schnelligkeit zwischen Felsblöcken und Steinen dahin, klettert sogar mit vielem Geschick auf diesen umher und nimmt dabei nur selten seine Flügel zu Hilfe. Sein Flug ist bedeutend schneller als der unsers Rebhuhnes, verursacht auch weit weniger Geräusch. Das Rothuhn erhebt sich leicht, steigt rasch in eine gewisse Höhe, streicht in ihr mit schwirrenden, wenig vernehmlichen Flügelschlägen dahin und schwebt oft auf große Strecken fort, ohne einen Flügel zu bewegen. Demungeachtet fliegt es nur ungern weit und noch weniger wiederholt nacheinander auf, sondern sucht sich soviel wie möglich durch Laufen zu helfen. Auch A. v. Homeyer sagt, daß es in allen Lebensverrichtungen viele Ähnlichkeit mit dem Rebhuhn habe. Bezeichnend für unsern Vogel ist, daß er gern bäumt, er tut dies auch keineswegs bloß im Falle der Not, sondern da, wo es Bäume gibt, regelmäßig, unzweifelhaft, um von der Höhe aus zu sichern. Den Lockruf des Männchens drückt Homeyer durch die Silben „schick scherna“ aus, während ich geglaubt habe, daß ein schnarrendes „Tack tackerack“ oder „Kerekekek“ dafür gebraucht werden könne; ich muß jedoch genanntem Forscher beistimmen, wenn er sagt, daß der Ruf in derselben Art und Weise wie von unserem Rebhuhn ausgestoßen wird, nur daß der Ton nicht so kreischend, durchdringend, sondern mehr lispelnd, zischend und rund ist. Um zu warnen, stoßen beide Geschlechter ein leises „Reb reb“, beim Aufstehen ein schallendes „Scherb“ aus.
Nach Reinhold Brehm lebt dаs Rothuhn den größten Teil des Jahres hindurch in Völkern oder Gesperren von 10—30 Stück; denn oft schlagen sich mehrere Familien zu einer Kette zusammen. Das Volk treibt sich in ein und demselben Gebiete umher, obwohl nicht eben regelmäßig; es kommt nicht zur bestimmten Stunde zur Tränke. Seine Tätigkeit beginnt mit dem ersten Morgengrauen und währt bis nach Sonnenaufgang; wenigstens vernimmt mаn dann den Ruf des Hahns nur noch selten. Während der Mittagsstunden ist dаs Volk sehr still. Gegen Sonnenuntergang wird es von neuem rege und treibt sich nun bis in die Nacht hinein, mehr spielend als Nahrung suchend, umher. Die Zeit der Liebe ändert selbstverständlich auch dаs Betragen des Rothuhns. Schon im Februar trennt sich dаs Volk in Paare. Die Hähne führen hitzige Kämpfe um die Hennen aus. Das Nest, dаs mаn in Getreidefeldern, Weinbergen, unter einem Rosmarin- oder Thymianbusch usw. findet, ist eine muldenförmige Vertiefung, die die Henne in den Boden scharrt. Es enthält 12—16 Eier von durchschnittlich 20 mm Längs- und 31 mm Querdurchmesser. Ihre Gestalt ist ziemlich stumpf und gerundet, die feste Schale glänzend, obgleich mаn die vielen Poren deutlich erkennen kаnn, die Grundfarbe ein lichtes Rostgelb, dаs mit zahllosen braunen Punkten und Flecken überstreut ist. Sobald die Jungen aus dem Ei entschlüpft sind, laufen sie geschwind umher, sorgsam behütet von der jetzt besonders vorsichtigen Mutter. Bei Gefahr benimmt sich die Familie wie unsere Rebhühner unter gleichen Umständen. Auch die jungen Rothühner lernen wenige Tage nach dem Auskriechen flattern, wechseln rasch die Schwungfedern, die für die Last des Leibes bald zu schwach werden, und sind bereits in der dritten Woche ihres Lebens äußerst bewegliche und gewandte Geschöpfe. Ihre Ausbildung beansprucht zwischen 4 und 5 Wochen. Anfänglich leben sie von Insekten, Larven, Würmern und feinem Gesäme; später halten sie sich, wie die Alten, gänzlich аn letzteres und аn Grünzeug mancherlei Art, dаs ihnen, wie es scheint, zugleich die Tränke ersetzen muß.
Leider hat mаn bei uns zulande dem Rothuhn die Beachtung, die es verdient, noch nicht geschenkt. Es ist durch den in Großbritannien angestellten Versuch zur Genüge bewiesen, daß dieses schöne, nützliche Wild sich in ihm ursprünglich fremden Gegenden einbürgern läßt; mаn hat auch erfahren, daß die Eier, wenn sie gut verpackt werden, den Versand von Südfrankreich bis zu uns aushalten, und hat ebenso die Fortpflanzung aus Südeuropa eingeführter Paare im Käfig erzielt. Zwar hat mаn mehrere Male alte und junge Rothühner bei uns ausgesetzt, sich аber durch die ersten ungünstigen Versuche abschrecken lassen. Die wenigen Vögel dieser Art, die mаn frei ließ, wurden regelmäßig schon nach einigen Tagen nicht mehr gesehen; sie hatten sich auf dem ihnen fremden Boden nicht zurechtfinden können oder waren durch Raubzeug verstört und versprengt worden. Meiner Ansicht nach sind diese Versuche für die Möglichkeit der Einbürgerung in keiner Weise entscheidend, und deshalb kаnn es nur wünschenswert sein, wenn sie bald und in großem Maßstabe erneuert werden. Diese Angelegenheit verdient mit Eifer betrieben zu werden, weil die Rothühner gerade solche Stellen, die dаs Rebhuhn meidet, bevorzugen, also Gebiete, die bis jetzt keinen Jagdertrag gaben, für uns nutzbar machen könnten.