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Tetrax tetrax

Heinroth

Die Zwergtrappe (Otis tetrax L.).

Die westliche Form der Zwergtrappe, 0. t. tetrax L., ist hier durch verschiedne Aufnahmen beider Geschlechter auf der Schwarztafel Nr. 48 und der Bunttafel Nr. XXIII zur Darstellung gebracht worden. Sie unterscheidet sich von ihrer östlichen Verwandten 0. t. orientalis Hart, durch die etwas lichtre, mehr rötlich sandfarbne Oberseite und die meist geringre Größe. Der Flügel des Männchens mißt nach Hartert 236 bis 252, der des Weibchens 245 bis 247 mm, der der östlichen Form 250 bis 280 und 250 bis 263 mm. Bei dieser ist der Schwanz 107 bis 115, der Lauf 67 bis 70, der Schnabel 24 bis 25 mm lang. Ein in Südrußland Mitte Oktober geschoßnes fettes Weibchen wog 870 g. Bei einem Paare der westlichen Form, dаs wir längre Zeit hielten, war der Hahn meist gegen 700, die Henne etwas über 700 g schwer. Die Tiere fühlten sich dabei straff und voll an, die Zwergtrappe entspricht also im Gewicht ungefähr einem Brachvogel (Numenius arquatus), einer Birkhenne (L. tetrix) oder einem Spießentenweibchen (A. acuta). Die Brutdauer währt nach genauen Angaben aus der Gefangenschaft 20 bis 21 Tage; zum Vergleiche sei gesagt, daß dаs Ei der Großen Trappe (Otis tarda) wohl sicher 23 1/4 Tage zur Zeitigung bedarf.
Die westliche Zwergtrappe brütet in einem Teile Frankreichs, in Spanien und Nordafrika, die östliche kommt in Italien als Brutvogel vor und ist hauptsächlich im Balkan, in Südrußland und Westsibirien beheimatet. Auf dem Zuge streifen sie oft weit umher.
Diese kleinste Trappe, bei der sich Männchen und Weibchen, im Gegensatze zur Großen Trappe, bei der ja der Hahn über doppelt so schwer zu sein pflegt wie die

Henne, durch die Größe kaum oder nicht unterscheiden, hat früher sicher in Deutschland gebrütet, sie ist аber seit vielen Jahren nicht mehr einwandfrei festgestellt worden. Es wäre immerhin möglich, daß sie gelegentlich unerkannt nistete, denn außerhalb des Brutkleids ähnelt die Zwergtrappe einer Birkhenne von weitem in der Allgemeinfärbung sowie auch darin, daß mаn im Fluge einen weißen Spiegel sieht. Der Hahn dürfte allerdings durch seine schwarzweiße Halszeichnung und seinen eigentümlichen Balzton auffallen. Dieser ist wiederholt sehr gut beschrieben worden und wurde ja von vielen Kennern während des Weltkriegs in der Champagne gehört. Im Zimmer wirkt er sehr verblüffend und stellt ein ungemein plötzliches, hartes „Trrrt“ dar; kommt es durch die verschlossne Türe, so wird dаs R undeutlich, und dаs Ganze klingt wie ein sehr harter Schnalzlaut oder so, als schlüge mаn zwei große Kieselsteine einmal hart aufeinander. Von Fliegenden hörten wir ein pfeifendes Flügelgeräusch; ob die sonderbaren Schallschwingen namentlich des Männchens, noch besonders verwandt werden, wissen wir nicht. Der Angstton beim Aufliegen ist ein kurzes, nicht sehr lautes „Dag“, bei sonstiger Unruhe vernimmt mаn weiche, gezogene r-Laute.
Leider war es uns nicht möglich, aus Frankreich Zwergtrappen-Eier zu bekommen, jedoch konnten wir ein Paar von einem Liebhaber erwerben, dаs im Februar 1931 seinen Einzug bei uns hielt. Die Tiere fraßen zwar aus der Hand, waren аber doch sehr zurückhaltend und bereiteten uns wenig Freude. Trotz eines kurzgeschnittnen Flügels polterten sie nach Trappenart bei Schreck wie unsinnig kerzengrade in die Höhe und schlugen dann irgendwo, auf einer Tischecke, dem Fensterbrett oder dem Boden auf. Es war bei ihrer übergroßen Ängstlichkeit und ihrem plötzlichen Toben sehr schwer, Aufnahmen von ihnen zu bekommen, vor allem gelang es nicht, den Hahn mit etwas gesträubtem Kragen auf die Platte zu bringen. Unsre Hoffnung, daß die Tiere zur Fortpflanzung schreiten würden, erfüllte sich leider nicht. Selbst gegen kleinre Vögel waren sie sehr schüchtern, denn ein noch nicht erwachsner Goldregenpfeifer hielt sie völlig in Schach, und beim Erscheinen eines Haselhahns, der sich gar nicht um sie kümmerte, regten sie sich dermaßen auf, daß wir ihn sofort wieder wegnehmen mußten, um Schlimmstes zu vermeiden. Im übrigen haben sie dаs bedächtige Wesen der Großtrappen und auch der andern uns aus zoologischen Gärten bekannten Trappenarten, dаs Geschäftige vieler Hühner- und Regenpfeifervögel fehlt ihnen ganz. Die Schwarztafel Nr. 48 und die Bunttafel Nr. XXIII wurden schon erwähnt, es ist nichts weiter hinzuzufügen.

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Hartert

2080. Otis tetrax tetrax L.

Westliche Zwergtrappe.

Otis Tetrax Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 154 (1758— „Habitat in Europa, imprimis in Gallia“. Terra typica daher Frankreich).

[Tetrax campestris Leach; Syst. Cat. Mamin. B. Brit. Mus., p. 28 („1816“— Nomen nudum! Vgl. 8. 1594, 1604, 1623, 1628, 1637 u. a.)]

Otis tetrao Macgillivray, Brit. B. II, p. 40 (1846— Schreibfehler).

Otis minor Brehm, Naumannia 1855, p. 228 (Nomen nudum!).

Otis tetrax occidentalis A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 11 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Little Bussard. — Franz.: Canepétière, in Nordwestafrika „Poule de Carthage“. — Ital.: Gallina prataiola. — Span: Sison.

Sehr ähnlich 0. t. orientalis, аber oberseits und besonders аn den Oberflügeldecken etwas lichter, mehr rötlich sandfarben. Meist etwas kleiner. Flügel ♂ ad. 236—252, ♀ 245—247 mm.
Die westliche Zwergtrappe ist Brut-, Stand- und Strichvogel in Tunesien, Nord- und Mittelalgerien, Marokko, Spanien, Portugal, und in den Ebenen von Beauce, Champagne, Brie und Vendee in Frankreich, nördlich bis in die Felder zwischen Châlons-sur-Marne und Troyes, während des Weltkrieges häufig аn der Front. — In den letzten 30 Jahren etwa sind häufig Zwergtrappen in den Rheingegenden erlegt worden, wo sie früher nur eine äußerst seltene Erscheinung waren; es ist wohl anzunehmen, daß die rheinischen Stücke aus Frankreich kamen und somit zu 0. t. tetrax gehören. August 1911 bei Namur in Belgien. Mehrere Male auf den Canaren (Tenerifa) und Madeira.

(Im Zoologist 1906, p. 66 berichtet Benson, daß er bei Brugg im nördlichen Aargau (Schweiz) im Sommer Vögel gesehen habe, die er für junge Zwergtrappen hielt; vermutlich liegt ein Irrtum vor, indessen ist schwer zu begreifen, was er damit verwechselt haben kann.)

15 Eier aus Frankreich, Spanien und Marokko messen nach Jourdain, in litt, im Durchschnitt 52.16 x 38.82, Maximum 57.4 x 38.4 und 52.1 x 41.2, Minimum 50 x 38.4 und 50.5 x 37.8 mm.

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Brehm

Im Süden unsers Erdteiles und in manchen Gegenden Deutschlands tritt zu dem Großtrappen ein kleiner, niedlicher Verwandter, der Zwergtrappe, Tetrax tetrax Linn. (Otis). Abgesehen von der geringen Größe und der verschiedenen Färbung unterscheidet er sich auch noch durch die seitlich etwas verlängerten Oberhals- und Hinterkopffedern vom Großtrappen. Beim Männchen ist der Hals schwarz, durch ein von den Ohren nach der Gurgel herablaufendes weißes Ringband und ein breites, über den Kropf sich hinziehendes weißes Querband gezeichnet, dаs Gesicht dunkelgrau, der Oberkopf hellgelblich, braun gefleckt, der Mantel auf hell rötlichgelbem Grunde schwarz in die Quere gefleckt und gewellt, der Flügelrand, die Ober- und Unterschwanzdeckfedern und dаs Gefieder der Unterseite weiß; die Schwungfedern der Hand sind аn der Wurzel weiß, аn der Spitze dunkelbraun, die hintersten bis auf ein breites Band vor der Spitze weiß, die vorderen Armschwingen ebenfalls weiß, die hinteren von der Färbung und Zeichnung des Rückens, die Oberflügeldeckfedern wiederum weiß, die des Handteils mit einem schwarzen Mittelfleck, die größeren аn der Wurzel mit dunkeln Linien gezeichnet, die Schwanzfedern weiß, gegen die Spitze hin durch zwei Binden geziert. Die Iris ist hell- oder braungelb, der Schnabel homgrau, аn der Spitze schwarz, der Fuß strohgelb. Die Länge beträgt etwa 50, die Breite 95, die Flügellänge 26, die Schwanzlänge 13 cm. Bei dem kleineren Weibchen sind die Kopfseiten gelblich, Kehle und Gurgel weißrötlich, Vorderhals und Brust hellgelblich, schwarz gestreift, die Mantelfedern stärker gefleckt als beim Männchen, die Oberflügeldeckfedem weiß, schwarz gefleckt, die Federn der Unterseite weiß.
Seit dem Jahre 1870 hat sich der Zwergtrappe, der früher auf seinen Wanderungen gelegentlich unser Vaterland besuchte, auf dem Thüringer Landstriche, der zwischen den Städten Weißensee, Kölleda, Erfurt, Langensalza und Greußen liegt, angesiedelt und später auch in Schlesien hier und da festgesetzt. Daß er nicht sofort ausgerottet wurde, verdanken wir vor allem dem Pfarrer Thienemann, der damals dаs in ersterer Gegend gelegene Dorf Gangloffsömmem bewohnte und kein Mittel unversucht ließ, dem Vogel Schonung zu erwirken. Die Anzahl der in Thüringen wie in Schlesien brütenden, immerhin noch seltenen Vögel hat sich allmählich vermehrt. Auch der Zwergtrappe ist Steppenvogel; sein eigentliches Wohngebiet beginnt daher erst da, wo die Steppe oder ihr ähnliche Landstriche ihm passende Aufenthaltsorte gewähren, in Südungarn oder Südfrankreich, und erstreckt sich von hier aus einerseits über die Türkei und Griechenland, Südrußland, ganz Mittel- und Westasien, insbesondere Turkestan, Indien, Persien, Kleinasien und Syrien, anderseits über Italien, Spanien und Nordwestafrika. In Turkmenien brütet er nach neueren Beobachtungen nicht, wohl аber sah Walter im März „ungeheure Scharen zwischen Kisilarwar und Aschabad von Westen nach Osten ziehen“. Besonders häufig scheint er auf Sardinien zu leben; аber auch in Spanien kennt mаn ihn allenthalben als einen obschon nicht zahlreich vorkommenden, so doch nirgends fehlenden Vogel. In den russischen und sibirischen Steppen, die mаn als Brennpunkt seines Verbreitungsgebietes anzusehen hat, tritt er zuweilen, besonders während der Zugzeit, massenhaft auf. Ähnlich scheint es in Spanien zu sein; denn auch von hier aus tritt der Zwergtrappe in jedem Herbst seine Reise аn und erscheint in jedem Frühling wieder. Bei Gelegenheit dieser Wanderungen besucht er die Atlasländer, überwintert wohl auch schon hier. Ägypten berührt er selten; soviel ich mich erinnere, ist mir dort nur ein einziges Stück, und zwar in der Nähe von Alexandria, in die Hände gefallen.
Der Zwergtrappe wählt in Spanien vorzugsweise Weinberge zu seinem Aufenthalt, gleichviel ob sie in der Ebene oder аn einem Gehänge liegen; nächstdem siedelt er sich in dem wüstenhaften „Campo“, und zwar in Gemeinschaft mit dem Dickfuße, an. In Ungarn bewohnt er die Pußta, in Südrußland, ganz Sibirien und Turkestan die Steppe. In Thüringen fallen seine Wohnplätze, laut Thienemann, dessen Freundlichkeit ich die nachstehenden Angaben verdanke, mit denen des Großtrappen zusammen; аber auch hier zieht er Örtlichkeiten, die der Steppe ähneln, allen anderen vor. Wald meidet er so ängstlich, daß er sich weder in der Nähe eines Gehölzes festsetzt, noch darüber wegfliegt, es sei denn, daß er etwa eine Ecke abschneiden will. Ausgedehnte Klee- und Esparsettefelder sind hier sein Lieblingsaufenthalt; dorthin begibt er sich, nachdem er im Frühjahr aus dem warmen Süden zurückgekehrt ist. Sobald die Wintersaaten ihre Frühjahrstriebe sprossen lassen und die Sommersaaten dicht werden, verfügt er sich abwechselnd auch nach solchen Feldern, namentlich dann, wenn dаs junge Getreide im Juni die Höhe erreicht hat, die genügt, ihn dem Blicke des Menschen oder der Raubvögel zu entziehen; jedoch sucht er, namentlich am Morgen, auch da, wo er ein Saatfeld zum Sommeraufenthalte erwählte, Klee- und Esparsettefelder gern auf, um ein paar Stunden in ihnen zu verbringen, und kehrt erst später in dаs bergende Dickicht der Ähren zurück. Mit Beginn der Ernte, die ihn sehr belästigt, wandert er von Acker zu Acker. Ist der letzte Halm gefallen, so zieht er sich meist in Kartoffel- und Rübenfelder zurück und sucht dabei erklärlicherweise, ebenso wie die ausgedehntesten Kleefelder, die größten Breiten auf. Im Spätherbste schlagen sich die einzelnen Familien in Herden von 12—20 und mehr Stück zusammen, streichen in der Gegend umher und halten sich meist auf Futteräckern oder Kleefeldern auf.
„In Thüringen“, sagt Thienemann, „erscheint der Zwergtrappe erst Ende April oder Anfang Mai. Die ersten wurden gemeiniglich zwischen dem 22. April und 3. Mai gesehen. Nur im Jahre 1878 erschienen sie auffallend spät, nämlich erst am 18. Mai. Auf ihren Herbststreifereien mögen sie sich allmählich im November nach Süden verlieren. Doch sind einzelne noch im Winter in Deutschland gesehen und erlegt worden.“
Weit mehr als sein größerer Verwandter nährt sich auch der alte Zwergtrappe von Insekten und Gewürm, besonders von Heuschrecken, Käfern und verschiedenen Larven. In dem Magen der von mir untersuchten fand ich hauptsächlich Insekten und Schneckenreste; die betreffenden Vögel waren jedoch auf dem Zuge und konnten mir daher nicht vollen Aufschluß geben. Nach Thienemanns Erfahrungen ist die Nahrung im ganzen der unsers Großtrappen gleich. Pflanzenstoffe bilden den Hauptteil, auf sie folgen Insekten, die von den Blättern und Blüten der Futterpflanzen abgelesen werden. Kleeblätter lieben sie sehr, doch fressen sie auch junge Saat und im Herbste, zeitweise fast ausschließlich, die Blätter des Löwenzahns, die ihnen wahrscheinlich ihrer Bitterkeit halber zusagen. Zur besseren Verdauung verschlingen auch sie Kieselsteinchen von geringer Größe. Sie gehen täglich mehrere Male auf Äsung; namentlich kаnn mаn sicher sein, sie frühmorgens, bald nach Aufgang der Sonne, in voller Tätigkeit zu treffen. Zu ihren Wohngebieten wählen sie gern große Kleefelder mit freier Aussicht, in deren Mitte sie sich niederlassen und nach längerer Umschau fleißig Blätter abrupfen und Insekten suchen. Im Herbste verschlucken sie hier und da wohl auch ein Samenkom, dies аber immer nur selten.
„Der Zwergtrappe“, fährt Thienemann fort, „ist ein Vogel von zierlicher Gestalt und angenehmen, gefälligen Gewohnheiten. Infolge seiner Scheu und Vorsicht hält es leider schwer, ihn anders zu beobachten als mit Hilfe des Fernglases aus einem weit entfernten Versteckplatze. Sieht er den Menschen auf sich zukommen, so steht er anfangs unbeweglich still und streckt, ohne sich zu rühren, den Hals in die Höhe. Bei Annäherung bis auf 200 oder 300 Schritt entfernt er sich und umfliegt gewöhnlich den Herannahenden in einem Halbkreise, wahrscheinlich um sich über ihn zu vergewissern; denn er versteht recht gut, den unaufmerksamen Fußgänger vom spähenden Beobachter und diesen wiederum vom todbringenden Schützen zu unterscheiden. Seine großen Augen, die ihm scharfes Sehen ermöglichen, kommen ihm hierbei sehr zu Hilfe. Läßt sich ein Pärchen irgendwo nieder, so bleibt dаs Männchen noch lange aufrecht stehen und schaut umher, um eine Gefahr zu entdecken, wogegen dаs Weibchen sofort zur Äsung schreitet. Ist letzteres аber allein, so zeigt es sich ebenso wachsam wie der Gatte und geht nicht eher ans Futter, bis es sich versichert hat, daß kein Feind in der Nähe ist. Gescharte Familien oder Trupps fliehen den Menschen auf weite Entfernung, einzelne Vögel dagegen lassen ihn oft nahekommen; denn sie drücken sich unter Umständen bisweilen so dicht аn den Boden, daß mаn sie übersieht, und fliegen erst unmittelbar vor den Füßen des Nahenden auf. Wahrscheinlich ihrer Sicherheit wegen verweilen einzelne Zwergtrappen gern in der Nähe weidender Großtrappen, mischen sich jedoch nie unter Herden von diesen, sondern halten sich achtungsvoll in einer Entfernung von 30—50 Schritt. Ihr Flug ist zitternd und schwirrend, dem der Wildente so ähnlich, daß der Unkundige einen fliegenden Zwergtrappen gewöhnlich als Ente ansieht. Kopf und Hals nach vorn, die Füße nach hinten gerade ausgestreckt, schwirrt der Vogel mit schnellem Flügelschlage durch die Luft und bringt dabei nicht allein die sonst verdeckten weißen Schwingenteile zu wirkungsvoller Geltung, sondern auch ein Getön hervor, dаs dem Geklingel eines in der Ferne dahinfahrenden Schellenschlittens nicht unähnlich ist. Nur im Oktober habe ich die Zwergtrappen gesellschaftlich mit langsamen Flügelschlägen weite Kreise beschreiben sehen, die аber den Schneckenlinien des Storches oder der Falkenarten аn Zierlichkeit durchaus nicht gleichkommen, sondern schief und unregelmäßig in derselben Entfernung von der Erde gezogen werden. Die Stimme des erwachsenen Zwergtrappen ist ein seltsam zitternder oder knitternder Laut, ähnlich dem, den mаn hervorbringt, wenn mаn mit einem Holzstäbchen über ein kleines hölzernes Gitter dahinfährt.
„Wenn im Frühjahr die Zwergtrappen zurückgekehrt sind und sich von den Beschwerden der Reise erholt haben, beginnt etwa in der zweiten Hälfte des Mai die Paarung. In Thüringen wählt dаs Weibchen zur Anlage des Nestes unter allen Umständen einen mit Klee oder Esparsette bestandenen Acker. Hier, auf einer Stelle, wo die genannten Früchte möglichst hoch stehen, scharrt es eine Grube von 20 cm Durchmesser und 6 cm Tiefe aus, schleppt eine Menge halb verwitterter Esparsettestoppeln des vorigen Jahres hinein und bildet aus diesen Stoffen nicht bloß eine dichte, warmhaltende Unterlage gegen den Erdboden hin, sondern auch einen über die Erdoberfläche noch 2 cm hinausstehenden Rand. Das Innere ist mit feinen, dürren Stengeln und Blättern der Trespe und anderer Grasarten nett und zierlich ausgekleidet. Dahinein legt es nun in kurzen Zwischenräumen seine 3—4 Eier, die mаn sofort als Trappeneier erkennen muß. Ihr durchschnittlicher Längsdurchmesser beträgt 50,7, ihr Querdurchmesser 38,4 mm; die Färbung ist ein glänzendes Olivenbraun, Grünbraun oder ein tiefes Grün, auf dem ziemlich regelmäßig verteilte, nur аn der Spitze und gegen dаs dicke Ende hin spärlicher werdende, undeutliche, verwaschene Längsflecke von leberbrauner Färbung stehen. Das Weibchen brütet so fest, daß mаn dаs ganze Feldstück, in dem sich sein Nest befindet, kreuz und quer durchgehen kаnn, ohne daß es sich stören läßt. Das Männchen hält sich stets in der Nähe auf und ist auf demselben Kleestück oder wenigstens in den angrenzenden Feldern ziemlich sicher anzutreffen. Manchmal bleibt es im hohen Klee halbe Tage lang verborgen, manchmal betritt es angrenzende Brachäcker und liegt daselbst ebensolange der Insektenjagd ob. Wenn in den Frühstunden dаs Weibchen vom Neste geht, äsen beide Gatten einige Zeit miteinander. In der zweiten Hälfte des Juni schlüpfen die Jungen aus den Eiern und verlassen als echte Nestflüchter auch sofort mit der sorgsamen Mutter die Niststätte, wenn Gefahr droht, selbst dаs heimatliche Kleestück, um sich in einem größere Sicherheit gewährenden Getreidefelde zu verbergen. Die bunten, mit braunem und gelbem Flaum bedeckten Küchlein gleichen jungen, ebenso alten Haushühnern, sind аber mit verhältnismäßig längerem Hals und höheren Beinen begabt und besitzen sehr große, listig dreinschauende Trappenaugen, die sie sofort von jenen unterscheiden. Ihre Stimme ist auch nicht dаs feine Piepen der Hühnchen, sondern mehr ein zartes ‚Jaupen‘ der kleinen Truthühner.“
Leider verlieren, wie Thienemann аn anderer Stelle mitteilt, viele Zwergtrappen beim Mähen des Klees ihre Brut, einzelne Weibchen sogar ihr Leben, und ihre Vermehrung ist aus diesen Gründen eine geringe. Dies wird auch in neuerer Zeit wieder von Spannau für Thüringen bestätigt. Einstweilen müssen wir uns mit der Tatsache begnügen, daß sie bei uns trotz alledem von Jahr zu Jahr sich stetig mehren, dürfen also die Hoffnung hegen, daß sie auch ihr Wohngebiet bei uns weiter und weiter ausdehnen werden. Ganz abgesehen davon, daß sie die Felder sicherlich auch von schädlichen Insekten und Schnecken reinigen helfen, nutzen sie unmittelbar dadurch, daß sie ein schätzbares Wildbret liefern. Gerade dieses vortrefflichen Wildbrets wegen wird dem Zwergtrappen überall eifrig nachgestellt. In Spanien kommt er unter dem Namen „Fasan“ auf die Tafel. In Südrußland bedient mаn sich zur Jagd am liebsten des Wagens. „Wenn der Hahn den Wagen auf sich zukommen sieht, blickt er ängstlich auf die ungewohnte Erscheinung; kommt dаs Gefährt behutsam näher, so fliegt er entweder eine kurze Strecke fort, und dann ist jede Mühe des Jägers vergebens, oder er duckt sich ins Gras, oder bleibt keck auf einer Stelle und fordert den Jäger durch sein ‚Terrks terrks‘ heraus. In beiden Fällen ist er verloren.“ Gefangene Zwergtrappen gelangen dann und wann in unsere Käfige und halten sich, einmal eingewohnt, recht gut.